Heidelberger Geschichtsverein e.V. (HGV)

Zeittafel zur Heidelberger Geschichte ab 1933

11. Januar 1933: Stadtrat und Bürgerausschuß beschließen die Anlage eines Ehrenfriedhofs für die Gefallenen des Weltkriegs auf dem Ameisenbuckel und die Verlegung der Kriegergräber vom Zentralfriedhof am Neckar dorthin (vgl. 22. Mai 1933)

18. Januar 1933: Reichsgründungsfeier (1871) der Universität Heidelberg. Festredner: Wilhelm Salomon-Calvi

28. Januar 1933: die Reichsregierung führt ein freiwilliges Werkhalbjahr für Abiturienten ein

[30. Januar 1933: Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler]

31. Januar 1933: Koalitionsregierung Hitler. Franz von Papen wird Vizekanzler, Frick Reichsinnenminister, Göring Reichsminister ohne Geschäftsbereich (außerdem Reichskommissar für das preußische Innenministerium und damit Dienstherr der gesamten preußischen Polizei, sowie Reichskommissar für Luftfahrt), H. H. Lammers Chef der Reichskanzlei. - Die „Volksgemeinschaft“ titelt: „Deutschland hat endlich einen Führer

8. Februar 1933: Universitätsrektor Willy Andreas versichert in einem Brief an Prof. Victor Goldschmidt anläßlich von dessen 80. Geburtstag, díe Portheim-Stiftung werde "stets ein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Ruperta-Carola bilden" (vgl. 20. April 1933)

18. Februar 1933: Der „Pfälzer Bote“ wird vom Reichsinnenministerium für 8 Tage verboten

[19. Februar 1933: Das Freie Wort, Protestkundgebung mit etwa 900 Teilnehmern in der Kroll-Oper in Berlin]

20. April 1933: Universitätsrektor Willy Andreas beurlaubt Prof. Victor Goldschmidt als o. Honorarprofessor bis auf weiteres (vgl. 8. Februar 1933, 5. 4. 1933)

[27. Februar 1933: Brand des Reichstagsgebäudes]

[28. Februar 1933: Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat...gegen Verrat am deutschen Volk“]

1. März 1933: Großkundgebung des Zentrum in der Stadthalle

3. März 1933: Der „Pfälzer Bote“ meldet den gescheiterten Versuch der Heidelberger SA, das Kolpinghaus (Ingrimstraße 2, ab 1937: Merianstraße 1) zu stürmen

4. März 1933: Das Heidelberger Tageblatt meldet die Verhaftung von 20 Funktionären der KPD, darunter der Stadträte Franz Böning und Anton Böhner

[4. März 1933: US-Präsident F. D. Roosevelt tritt sein Amt an]

5. März 1933: Reichtagswahl: Wahlbeteiligung in Heidelberg: 91,1%. NSDAP: 24.781 Stimmen (45,9% gegenüber einem Landesdurchschnitt von 45,4% und einem Reichsdurchschnitt von 43,9%; Mannheim: 35,5 %). Zentrum: 8204 Stimmen. SPD: 7983 Stimmen. KPD: 5969 Stimmen. DNVP: 3812 Stimmen. DDP: 1398 Stimmen. CSV: 1157 Stimmen. DVP: 906 Stimmen. Im Stadtteil Rohrbach erhält die NSDAP 53 % der Stimmen.

6. März 1933: auf dem Heidelberger Rathaus wird die Hakenkreuzfahne gehißt  

8. März 1933: das Gewerkschaftshaus in der Rohrbacher Straße 13-15 wird zwei Tage nach einer ergebnislosen Durchsuchung durch die Polizei von SS und SA unter „Bewachung“ gestellt (vgl. 12. März 1933, 2. Mai 1933)

8. März 1933: der frei gewählte, bereits dezimierte Heidelberger Stadtrat tagt zum letzten Mal  

8.  März 1933: das Kinderheim der Internationalen Arbeiterhilfe (Schlierbach, Gutleuthofhang 40) wird bei einem SA-Überfall zerstört

[8. März 1933: Gauleiter Robert Wagner wird zum Reichskommissar ernannt (vgl. 11. März 1933)]

9. März 1933: der Heidelberger Polizeidirektor Heinrich Athenstädt (DDP) wird beurlaubt, dann "krankheitshalber" pensioniert

[9. März 1933: Hitler läßt die 81 Mandate der KPD im Reichstag annullieren, so daß die NSDAP über eine Mehrheit von 53,5 Prozent verfügt]

[11. März 1933: der Gauleiter Baden der NSDAP Robert Wagner (1895-1946) übernimmt durch Staatsstreich als Reichsstatthalter die badische Regierung. Der Historiker Paul Schmitthenner wird zum Staatskommissar ernannt (vgl. 8. März 1933)]

11. März 1933: Heidelberger SA- und SS-Männer ziehen an verschiedenen öffentlichen und Universitätsgebäuden (darunter auch dem Institut für Sozial- und Staatswissenschaften, InSoSta) zur Feier der Ernennung des badischen Reichskommissars Wagner Hakenkreuzflaggen auf. Alfred Weber, seit 1923 Leiter des Instituts, läßt die Flagge wieder einholen. Am nächsten Tag schützen bewaffnete Posten die Flagge. Weber schließt aus Protest das InSoSta.

12. März 1933: die SA stürmt das sozialdemokratische Volkshaus in der Rohrbacher Straße 13-15, in dem sich Büros von Freien Gewerkschaften, Reichsbanner und SPD befinden. Die Redaktion der sozialdemokratischen „Volkszeitung“ in der Schröderstraße 39 wird von NS-Verbänden besetzt und deren Redakteure inhaftiert. Die  „Volkszeitung“ ist „bis auf weiteres“ verboten (vgl. 8. März 1933, 2. Mai 1933)

[14. März 1933: Joseph Goebbels Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda]

15. März 1933: der Heidelberger Stadtrat bekennt sich zur neuen Reichsregierung

[17. März 1933: der Freiburger SPD-Landtagsabgeordnete Christian Daniel Nußbaum erschießt bei einer Hausdurchsuchung zwei Polizeibeamte. Diese Tat dient den Nationalsozialisten als Anlaß für weitere Verhaftungen insbesondere von SPD-Mitgliedern]

18. März 1933: die Wohnungen von Heidelberger Kommunisten werden durchsucht, alle kommunistischen Stadtverordneten werden verhaftet  

20. März 1933: Werbeveranstaltung der HJ auf dem Wredeplatz

[21. März 1933: "Tag von Potsdam". Zusammenkunft der Reichstagsabgeordneten, mit Ausnahme derjenigen von SPD und KPD, und Reichspräsident Paul von Hindenburg in der Potsdamer Garnisonkirche]

[23. März 1933: Der Reichstag tritt in der Berliner Kroll-Oper zusammen. Regierungserklärung von RK Hitler]

[24. März 1933: der deutsche Reichstag verabschiedet mit den Stimmen aller Parteien außer der SPD das Ermächtigungsgesetz. Artikel 1 legt fest: »Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung beschlossen werden.« Artikel 2 bestimmt: »Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze können von der Reichsverfassung abweichen ...«]

25. März 1933: „Heidelberger Gespräch“ (vertrauliches Gespräch ehemaliger Angehöriger des Marianne-Weber-Kreises (darunter Eugen Täubler) angesichts der neuen politischen Situation)

[25. März 1933: Erlaß des Reichskommissars Robert Wagner für den Bereich der badischen Staatsverwaltung, künftig "alle dienstlichen Beschaffungen … unter Ausschluß von Warenhäusern, Einheitspreisgeschäften, Konsumvereinen und ähnlichen Einrichtungen beim deutschen Einzelhandel vorzunehmen".]

27. März 1933: Besetzung von Arbeitsamt und Ortskrankenkasse Heidelberg durch SS und Stahlhelm

[27. März 1933: Massenkundgebung im Madison Square Garden (New York) gegen die rassistische deutsche Politik. - Die Times (London) veröffentlicht die Entscheidung des "Jewish Board of Deputies", der Vertretung der in Großbritannien ansässigen Juden, er wolle sich nicht in innerdeutsche Angelegenheiten einmischen. Boykottmaßnahmen und Protestversammlungen seien 'spontane Ausbrüche der Empörung' einzelner Personen, aber nicht vom Board organisiert]

28. März 1933: Der badische evangelische Prälat Julius Kühlewein läßt in allen Kirchen Badens ein Hirtenwort verlesen, in dem er die Übernahme der gesamten Regierungsgewalt in Baden durch die Nationalsozialisten begrüßt und dem neuen Staat die Mitarbeit der Kirche anbietet: „Evangelische Glaubensgenossen, was wir seit Jahren gehofft und ersehnt haben, ist gekommen. Unser deutsches Volk hat sich in seiner großen Mehrheit zu einer starken nationalen Front zusammen geschlossen und sich einmütig hinter die Männer gestellt, die das Oberhaupt unseres Reiches zur Führung des deutschen Volkes berufen hat. Wir haben auch heute allen Grund, Gott zu danken, daß er unser Volk nicht versinken ließ, sondern es in letzter Stunde vor dem Untergang bewahrte.“   (vgl. November 1945)

[30. März 1933: Austritt des SPD-Vorsitzenden Otto Wels aus der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, um sich von deren Aufruf zum Kampf gegen den Faschismus zu distanzieren (am 18. 5. 1933 widerrufen)]

31. März 1933: Oberbürgermeister Dr. Carl Neinhaus in einem Schreiben an alle städtischen Ämter: „Unter Übersendung einer Abschrift der Anordnung des Herrn Reichskommissars für das Ministerium des Inneren vom 30. ds. Mts. ersuche ich wegen der Einstellung aller an marxistische Vereinigungen hier bezahlten Beihilfen, Zuschüsse etc. sofort das Nötige zu veranlassen.“ (Darunter fällt auch die Arbeiterwohlfahrt Heidelberg; vgl. 23. Mai 1933)

1. April 1933: Wirtschaftsboykott der Nationalsozialisten gegen Juden. Propagandazug der SA durch Heidelberger Geschäftsstraßen zum Marktplatz. Veranstaltung der NSDAP in der Stadthalle. Redner: Kreispropagandaleiter Dr. Alfred Reuter, Mannheim ("man werde für jeden christlichen Geschäftsmann, der zugrunde geht, einen Juden aufhängen").

1. April 1933: Hans-Walter Bettmann, Sohn des Dermatologen Siegfried Bettmann, begeht Suizid, nachdem ihm seine Entlassung als Gerichtsassessor aus „rassischen“ Gründen angekündigt worden war


5. April 1933: Reichskommissar des Innern Robert Wagner gibt (zur "Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung") den „badischen Judenerlaß“ heraus (Beurlaubung aller „Angehörigen der jüdischen Rasse“ aus dem öffentlichen Dienst) (vgl. 7. April 1933)

6. April 1933: Jugendkundgebung der HJ in der Stadthalle

7. April 1933: Oberbürgermeister Dr. Carl Neinhaus ordnet an, daß sämtliche in den Beständen der Heidelberger Volksbibliothek befindlichen Bücher und Zeitschriften, „die ausgesprochen bolschewistische, marxistische, pazifistische oder atheistische [sic] Tendenzen aufweisen, ...für den öffentlichen Ausleiheverkehr zu sperren“ seien

7. April 1933: das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (BBG) bestimmt, Angehörige des öffentlichen Dienstes, „die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten“, sowie solche „nicht arischer Abstammung“ aus dem Dienst zu entlassen. Als „nicht arisch“ gilt jede Person, die einen Eltern- oder Großelternteil hat, der der jüdischen Religion angehört. Diese Bestimmungen gelten nicht für Kriegsteilnehmer. - 76 Angehörige der Stadtverwaltung und 26 Heidelberger Universitätslehrer werden entlassen - Auch „nicht arischen“ Ärzten und Rechtsanwälten wird die Zulassung entzogen, wenig später wird der „Arierparagraph“ auch gegen Apotheker, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler angewendet.

10. April 1933: der „Pfälzer Bote“ wird vom Reichsinnenministerium für 3 Tage verboten

12. April 1933: Satzung der Deutschen Studentenschaft (Einführung des Führerprinzips, Abschaffung des AStA)

13. April 1933: das badische Kultusministerium erläßt ein Immatrikulationsverbot für jüdische Studierende

18. April 1933: den kommunistischen Stadträten und Stadtverordneten wird untersagt, ihr Mandat auszuüben (vgl. 26. April 1933)

19. April 1933: erster Mensurtag im Beisein von Professoren unter Führung des Rektors der Universität Heidelberg

21. April 1933: Premiere von Hanns Johsts „Schlageter“ im Stadttheater Heidelberg

[21. April 1933: das rituelle Schlachten (Schächten) wird im Deutschen Reich verboten]

[21. April 1933: das KZ Kislau bei Mingolsheim wird bis zum 1. April 1939 betrieben]

25. April 1933: das Gesetz gegen die Überfüllung der Schulen und Hochschulen wird erlassen

26. April 1933: Auflösung und Neubildung von Bürgerausschuß und Stadtrat. Reduzierung der Zahl der Mitglieder. Ausschluß der kommunistischen Mandatsträger (vgl. 18. April 1933). „Kommunistische Funktionäre“ werden von Heidelberg ins Konzentrationslager Kislau verbracht. Der Antrag, Adolf Hitler zum Ehrenbüger der Stadt Heidelberg zu ernennen, wird zurückgestellt. (vgl. 23. Mai 1933)

29. April 1933: NSDStB-Studenten unter Führung von Gustav Adolf Scheel besetzen das Haus der jüdischen Verbindung Bavaria

[29. April 1933: der Reichsluftschutzbund wird von Hermann Göring gegründet und dem Reichsluftfahrtministerium unterstellt (1944 in die NSDAP überführt)]

April 1933: mindestens 45 Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden aus politischen Gründen entlassen, 228 Nationalsozialisten werden eingestellt

April 1933: Max Freiherr von Waldberg, seit 1889 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg, verzichtet auf seine Lehrveranstaltungen „um unliebsames Aufsehen zu vermeiden“

[1. Mai 1933: reichsweite, zeitlich unbegrenzte Mitglieder-Aufnahmesperre der NSDAP (ausgenommen „Angehörige der Hitler-Jugend, welche das 18. Lebensjahr vollenden, Angehörige der NSBO und alle jene, welche Dienste in der SA oder SS leisten.“) (revidiert am 20. April/1./10. Mai 1937 bzw. August 1939)]

1. Mai 1933: Kundgebung des ADGB mit ca. 10.000 Teilnehmern auf dem Universitätsplatz. OB Dr. Carl Neinhaus erklärt öffentlich seinen Eintritt in die NSDAP - – Ludwig Knörr und Genossen hissen auf dem Büchsenacker eine rote Fahne, die von SA wieder heruntergeholt wird

2. Mai 1933: die SA stürmt das Gewerkschaftshaus in der Rohrbacher Straße 13-15/Ecke Riedstraße („Arthushof“). 8 Gewerkschafter und der Gastwirt werden verhaftet. (vgl. 12. März 1933). Die Gewerkschaften werden aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt.

8. Mai 1933: der Kristallograph Victor Goldschmidt stirbt in Salzburg. - Das Kuratorium der v. Portheim-Stiftung gibt dem Mineralogisch-Kristallographischen Institut den Namen Victor-Goldschmidt-Institut für Kristallforschung

4. Mai 1933: der Direktor der Psychiatrischen Klinik Karl Wilmanns wird vom Dienst beurlaubt und in Untersuchungshaft gebracht (Er hätte behauptet, „Hitler habe im ersten Weltkrieg an einer psychogenen Blindheit gelitten und sei deshalb im Lazarett gewesen“)

6. Mai 1933: der Historiker Paul Schmitthenner wird zum Staatsrat (ressortloser Minister) in der badischen Landesregierung ernannt (vgl. 11. 3. 1933)

[16. Mai 1933: Schaufahrt verhafteter prominenter Sozialdemokraten durch Karlsruhe ins KZ Kislau]

17. Mai 1933: „Feierliche Verbrennung von marxistischen und undeutschen Schriften auf dem Universitätsplatz“ durch Studenten der Universität Heidelberg (vgl. 17. Juni und 16. Juli 1933) („Die Zuschauer drängten sich um den abgesperrten Platz in unübersehbaren Mengen, im übrigen vollgeladen mit Schaulust, Freude und pfälzer Ausgelassenheit“, Heidelberger Tageblatt, 18. Mai 1933)

[17. Mai 1933: Zustimmung von 65 SPD-Reichstagsabgeordneten zum außenpolitischen Programm der Hitler-Regierung. Die Abgeordneten des Reichtags, darunter die der SPD, singen anläßlich der „Friedensrede“ Adolf Hitlers stehend die Nationalhymne]

19. Mai 1933: der Historiker Paul Schmitthenner wird zum außerordentlichen Professor für Kriegsgeschichte und Wehrkunde an der Universität Heidelberg berufen

19. Mai 1933: Bücherverbrennung in Mannheim. - In der New York Times erscheint auf Seite 9 ein Artikel mit der Überschrift Heidelberg Burns ‚Un-German’ Books. Students of University Stage Deferred Celebration in Front of Schurman Hall.http://select.nytimes.com/gst/abstract.html?res=F00F14FC3E5F1A7A93CBA8178ED85F478385F9

22. Mai 1933: Stadtrat und Bürgerausschuß beschließen die Errichtung eines Ehrenfriedhofs für die Gefallenen des Weltkriegs auf dem Ameisenbuckel (Plan: Oberbaurat Friedrich Haller) vgl. 1907, 11. Januar 1933)

23. Mai 1933: Stadtrat und Bürgerausschuß treten in neuer Zusammensetzung zur Eröffnungssitzung zusammen. Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Heidelberg an Adolf Hitler und Philipp Lenard  

23. Mai 1933: die Arbeiterwohlfahrt Heidelberg wird aus dem Vereinsregister gestrichen. Das Pachtgrundstück der Arbeiterwohlfahrt auf dem Bierhelderhof samt aller darauf errichteten Gebäude fällt dem Treuhänder des Landes Baden anheim (vgl. 31. März 1933)

26. Mai 1933: „Schlageter-Feier“. Errichtung eines Schlageter-Ehrenmals im Bismarckgarten  

[26. Mai 1933: Rundschreiben des badischen Kultusministeriums an die Universitäten, daß künftig die "Mitwirkung von Dozenten nichtarischer Abstammung" an Doktorprüfungen nicht mehr gestattet sei]

[27. Mai 1933: Freiburger Rektoratsrede von Martin Heidegger mit dem Titel Die Selbstbehauptung der Deutschen Universität ("Nicht Lehrsätze und Ideen seien die Regeln eures Seins. Der Führer selbst und allein ist die heutige und künftige deutsche Wirklichkeit und ihr Gesetz.")]

31. Mai 1933: erster Bürgermeister Friedrich Wielandt (1871-1946) wird vor Ablauf seiner Dienstzeit zwangsweise zur Ruhe gesetzt (Nachfolger: Otto Wetzel, Gauinspektor der NSDAP in Nordbaden)

Mai 1933: der Heidelberger Seniorenconvent verpflichtet die aktiven Mitglieder der Verbindungen, sich binnen drei Tagen einem der sog. nationalen Verbände (SA, SS, Stahlhelm) anzuschließen

2. Juni 1933: OB Carl Neinhaus überträgt Wilhelm Schneider (1895-1978, Mitglied der NSDAP seit 1. 5. 1933) die Leitung des städtischen Personalamts (vgl. 25. März 1945)

[10. Juni 1933: Gründung des Reichskolonialbundes als Dachorganisation diverser Kolonialgesellschaften und Verbände; vgl. 12. Mai 1936, 15. Februar 1943] https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskolonialbund

12. Juni 1933: die Gesellschaft der Tiergartenfreunde Heidelberg wird gegründet  

16. Juni 1933: Volkszählung im Deutschen Reich. Heidelberg hat 84.641 Einwohner, davon 53.843 evangelische, 27.587 katholische, 281 sonstige Christen, 1102 Israeliten (= 1,30%). 10,11% der Einwohner sind 60 Jahre oder älter; 28,23% sind unter 20 Jahren.

17. Juni 1933: Bücherverbrennung auf dem Jubiläumsplatz (?) durch die HJ. Hauptredner: Stadtbibliothekar Georg Zink (vgl. 17. Mai 1933, 16. Juli 1933) vgl. http://www.antroposmoderno.com/antro-articulo.php?id_articulo=189

18./19. Juni 1933: Handschuhsheimer Kerwe

[19. Juni 1933: Ausschluß der jüdischen Mitglieder aus dem Parteivorstand der SPD auf einer "Reichskonferenz" in Berlin]

[ 21.-26. Juni 1933: "Köpenicker Blutwoche". Verhaftungs-, Folter- und Mordaktion der SA auf Zivilisten in Berlin-Köpenick. Etwa 500 Gegner des Nationalsozialismus werden von der Köpenicker SA-Standarte 15 gefangengenommen, gedemütigt, gefoltert; ein Teil der Verfolgten wird ermordet oder erliegt den Folgen der Folterungen]

23. Juni 1933: Verbot von SPD und KPD in Baden. Die Stadträte der SPD werden von ihren Ämtern ausgeschlossen   (vgl. 4. März 1933, 18. April 1933)

24. Juni 1933: Uraufführung des Heimatstücks „Dorf in Not“ von Irma von Drygalski vor ca. 1000 Jugendlichen durch den Burgspielverein im Hof der Tiefburg Handschuhsheim (vgl. 10. Juli 1932)

25. Juni 1933: Die SPD-Stadträte Adolf Rausch und Heinrich Kilger werden verhaftet und ins KZ Kislau gebracht  

28. Juni 1933: „Kundgebung gegen das Versailler Friedensdiktat“ der Universität Heidelberg

[29. Juni 1933: der Führerrat der Evangelischen Jugend Badens beschließt, auf das Tragen von Schulterriemen zu verzichten, nachdem diese verboten worden waren (vgl. 19. Dezember 1933)]

30. Juni 1933: Professor Martin Heidegger hält in der Universität Heidelberg eine Rede über „Die Universität im Neuen Reich“

30. Juni 1933: Verhaftung von 30 Angehörigen der Freien Turnerschaft

Juni 1933: die Deutsche Studentenschaft ordnet die Arbeitsdienstpflicht der Studenten und Studentinnen an (vgl. 1935)

Juni 1933-1934: Otto Wetzel (1905-1982) erster Bürgermeister


3. Juli 1933: der Direktor der Psychiatrischen Klinik Karl Wilmanns wird aufgrund §4 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (aus „politischen Gründen“) entlassen. vgl. http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/cfg/instber-4a.html

[6. Juli 1933: RK Hitler verkündet das „Ende der nationalsozialistischen Revolution“]

6. Juli 1933: die Zentrumspartei Ziegelhausen löst sich auf

7. Juli 1933: Aufführung von Beethovens 9. Symphonie im Schloßhof im Beisein von Reichsstatthalter Robert Wagner und Reichsleiter Alfred Rosenberg

[7. Juli 1933: Verordnung zur Sicherung der Staatsführung]

8. Juli 1933: der „Pfälzer Bote“ ändert seinen Namen in „Heidelberger Volksblatt. Tageszeitung für das katholische Volk“  

8.-10. Juli 1933: Doppeljubiläum der Handschuhsheimer katholischen Kirchengemeinde (450jähriges Bestehen der Kirche, 25jähriges Priesterjubiläum des Stadtpfarrers Franz Rudolf) (vgl. Heidelberger Neueste Nachrichten / Heidelberger Anzeiger, [Jg. 24], Nr. 157, Mo., 10.07.1933, S. 3)

[12. Juli 1933: Aberkennung des Reichstagsmandates von Theodor Heuss]

[13. Juli 1933: der „Deutsche Gruß“ wird zur allgemeinen Pflicht erklärt]

[14. Juli 1933: durch das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien wird die NSDAP als einzige Partei anerkannt und die Neubildung von Parteien unter Strafe gestellt]

16. Juli 1933: Bücherverbrennung auf dem Universitätsplatz (vgl. 17. 5. 1933, 11. November 1937)

17. Juli 1933: die gemeinnützige GmbH „Kurpfälzischer Tiergarten mit Vogelwarte“ wird gegründet

19. Juli 1933: die „Studentenhilfe Heidelberg e.V.“ (gegründet am 18. Dezember 1922) wird in „Studentenwerk Heidelberg e.V. (Wirtschaftsamt der Studentenschaft der Universität Heidelberg)“ umgewandelt. Die neue Satzung des Vereins wird einer vom Reichsministerium des Innern für alle Studentenwerke zuvor aufgestellten Mustersatzung angeglichen.

[20. Juli 1933: Konkordat des Deutschen Reiches mit der Kurie - Gesetz zur Ergänzung des Berufsbeamtengesetzes]

[23. Juli 1933: vom Staat anberaumte Wahlen in der Evangelischen Kirche. Die „Deutschen Christen“ setzen sich mit ca. 70 % der Stimmen gegen die „Jungreformatorische Bewegung“ durch]

[25. Juli 1933: für die mit der „Machtergreifung“ zusammenhängenden Straftaten ergeht vom Reichsjustizminister Franz Gürtner ein „Gnadenerweis“]

31. Juli 1933: 8931 Erwerbslose in Heidelberg (Höhepunkt)  

Sommer 1933: das städtische Forstamt Heidelberg errichtet am Strangwasen (Handschuhsheimer Mühltal) ein Blockhaus

Sommer 1933: der sog. Hexenturm wird als Kriegerehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Studenten und Dozenten der Universität Heidelberg eingerichtet

6. August 1933: Beginn der Bauarbeiten zum Tiergarten auf dem Gelände des Zentralfriedhofs am Neckar (Architekt: Max Strang, vgl. 20. November 1934)

21. August 1933: Badische Hochschulverfassung. Die badischen Universitäten übernehmen das Führerprinzip. Ihre akademische Selbstverwaltung ist damit aufgehoben. Neubesetzung der Rektoren und Dekane durch die nationalsozialistische Regierung. Der personellen Säuberung folgt die organisatorische Gleichschaltung.

[24. September 1933: Fritz Engler-Füßlin (1891-1966) wird Landesbauernführer der Landesbauernschaft Baden und Gauamtsleiter für Agrarpolitik]

[6. September 1933: Einführung des Arierparagraphen in der evangelischen Kirche auf der altpreußischen Generalsynode in Berlin]

9. September 1933: Grundsteinlegung zur Albertus-Magnus-Kirche (St. Albert, Bergheim, Weihe am 26. Mai 1935)

12. September 1933: 250. Gedenktag der Befreiung Wiens von den Türken. Gedenkfeiern.

16. September 1933: Trauung von Carl Cerff, Reichsfunkleiter im Stab der Reichsjugendführung, mit Inge Helber, Obergauführerin des BDM in Baden, im Beisein von Reichsstatthalter Robert Wagner in der Christuskirche (Weststadt) durch Oberkirchenrat Fritz Voges (Karlsruhe)  

17. September 1933: erstmals durchgehender Straßenbahn-Verkehr auf der neuen Uferstraße (Wieblingen-Bismarckplatz-Karlstor-Neckargemünd).

22. September 1933: die Schlierbacher Landstraße zwischen Karlstor und „weißem Übergang“ wird dem Verkehr übergeben. Bau eines Fußgängerstegs als Verbindung zum Valerieweg. Begradigung der Schlierbacher Landstraße am Jägerhaus (vgl. 20. November 1933)

26. September 1933: Wohnsiedlungsgesetz. Damit wird das Gebiet zwischen Neckar, Grenze zu Dossenheim, alter Gemarkungsgrenze zwischen Handschuhsheim und Neuenheim, und einer Linie, die in Verlängerung der Quinckestraße bis zur Güterbahnlinie und an dieser entlang bis Dossenheim zieht, von jeder städtischen Bebauung ausgeschlossen, ebenso die Hänge Wilde Roth, Steinberg, Zapfenberg. Von diesem „Landvorbehalt“ ausgenommen sind nur „Ansiedlungen von Angehörigen der Handschuhsheimer Bauernschaft, die sich auf ihrem Besitz anzubauen wünschen (Glaskulturen)“  

[September 1933: die evangelische Nationalsynode in Wittenberg wählt Ludwig Müller (Deutsche Christen) zum Reichsbischof]

[September 1933: „Parteitag des Sieges“ der NSDAP]

[29. September 1933: Reichserbhofgesetz http://www.verfassungen.de/de/de33-45/reichserbhof33.htm]

30. September 1933: Feierstunde auf dem Universitätsplatz zwecks Eingliederung der Jugendorganisation des Stahlhelm (Scharnhorst) in die HJ  

[September 1933: US-Außenminister Cordell Hull stimmt auf der 7. Panamerikanischen Konferenz in Montevideo dem Grundsatz zu, daß kein Staat das Recht habe, in die inneren und äußeren Angelegenheiten eines anderen Staates einzugreifen]

1. Oktober 1933-Februar 1937: der Jurist Wilhelm Groh (*1890) ist Rektor der Universität Heidelberg

1. Oktober 1933: Gründung der Kriegsgeschichtlich-wehrkundlichen Abteilung des Historischen Seminars

1. Oktober 1933: Dr. Annemarie Fraenkel, Leiterin des Evangelischen Gemeindedienstes, wird für kurze Zeit in „Schutzhaft“ genommen und von der Evangelischen Landeskirche aus rassischen Gründen entlassen

[4. Oktober 1933: das Schriftleitergesetz, in dem Berufszugang und Aufgaben des Schriftleiters (Redakteurs) festgeschrieben werden, wird verabschiedet (in Kraft getreten am 1. Januar 1934). Mit Inkrafttreten des Gesetzes verlieren etwa 1300 Journalisten ihre Arbeit]

7. Oktober 1933: Besichtigung der Ausgrabungen am Heiligenberg durch die Mitglieder des NS-Lehrerbunds unter Leitung von Regierungsrat Dipl.-Ing. Carl Koch (1885-1957) ("Erscheinen Pflicht")

12. Oktober 1933: erster offizieller Besuch des Reichsstatthalter Robert Wagner in Heidelberg (schulfreier Tag)

[13. Oktober 1933: Verkündigung des Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens (Androhung der Todesstrafe für Morde an Staatsbeamten, Soldaten, Beteiligten an Gerichtsprozessen etc. sowie für Herstellung oder Einfuhr hochverräterischer Schriften)]

14.-25. Oktober 1933: Brauner Markt in der Stadthalle

15.-22. Oktober 1933: Reichs-Handwerkswoche (Heidelberger Handwerker-Woche)

[19. Oktober 1933: Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus]

3. November 1933: Richtfest des Südflügels der Neuen Universität

9. November 1933: Eingliederung der städtischen Handelshochschule Mannheim als „Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät“ in die Universität Heidelberg (damit Eingliederung des Psychologischen Instituts sowie des ab 1934 so benannten Dolmetscher-Instituts) (vgl. 1935)

Herbst 1933: Eingliederung des (ab 1934 so benannten) Dolmetscher-Instituts der Handelshochschule Mannheim in die Universität Heidelberg (vgl. 9. November 1933)

9. November 1933: Trauerkundgebung („Heldenehrung“) der Heidelberger Studenten für die Gefallenen der nationalsozialistischen Bewegung am Ehrenmal im Hexenturm. Rede des Kanzlers der Universität, Prof. Johannes Stein, in SS-Uniform

10. November 1933: Wahlkundgebung von Oberbürgermeister Carl Neinhaus in der Stadthalle vor den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Er fordert sie zu einem positiven Votum bei der Reichstagswahl und der Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund auf.

11. November 1933: Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat zur Feier der „nationalsozialistischen Revolution“ des Jahres auf einer Festveranstaltung in der Alberthalle in Leipzig als Gelöbnis deutscher Gelehrter. Titel: „Mit Adolf Hitler für des deutschen Volkes Ehre, Freiheit und Recht!“ http://www.archive.org/stream/bekenntnisderpro00natiuoft#page/129/mode/1up

[12. November 1933: Volksabstimmung über Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund]

14. November? 1933: erster Spatenstich zum Bau der neuen Chirurgischen Universitätsklinik (Neuenheimer Feld, fertig 1939)

14. November 1933: Ersatz des Madonnen-Standbildes auf dem Kornmarkt durch Kopie

19. November 1933: Deutscher Luthertag (450. Geburtstag). Lutherfeier der evangelischen Gemeinden Heidelbergs im großen Saal der Stadthalle (musikalische Leitung: Prof. Dr. Poppen)

20. November 1933-1934: Verlegung des Abschnitts zwischen Karlstor und Neckargemünd der Reichsbahnstrecke Heidelberg-Würzburg auf eine bergseitige Trasse. Die Bahnübergänge Karlstor und „Weißer Übergang“ werden beseitigt, das „Zigeunerhäuschen“ und die Färberei Grün (Schlierbacher Landstraße 3-7) am Hausacker werden zerstört. Am Hausacker wird eine Brücke errichtet. Dies ermöglicht den übergangsfreien Betrieb der Straßenbahn-Neckartalbahn (Linie 5). Sie wird nach Wieblingen verlängert. (vgl. 17. September 1933, 28. Juni 1938)

22. November 1933: Stiftungsfeier der Universität Heidelberg

25. November 1933: Otto Schafheutle (*1905) übernimmt das Café Krall (Hauptstraße 94, 1834 von Martin Krall gegründet) und eröffnet es als Theatercafé

[25. November 1933: Rede bei der feierlichen Immatrikulation des Professors Martin Heidegger in Freiburg ("Der deutsche Student als Arbeiter")]

27. November 1933: Baubeginn der Handschuhsheimer Nutzwasserversorgung für die Bewässerung des Feldes. Beginn der Erdarbeiten beim Pumpwerk Siebenmühlental durch den FAD. (vgl. 1928)

November 1933: Umzug der Heidelberger Volksbibliothek von der Hauptstraße 197 in die Plöck 2a (bis 1932 Verwaltungsgebäude des katholischen Waisenhauses; vgl. 1865)

1. Dezember 1933: als erster Ordinarius der Universität Heidelberg wird aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 der Professor für Romanische Literaturwissenschaft Leonardo Olschki zwangsweise in den Ruhestand versetzt

[1. Dezember 1933: ein Gesetz bestätigt die NSDAP als einzige Trägerin der politischen Willensbildung des deutschen Volkes]

2. Dezember 1933: das Haus Theaterstraße 10 soll in Zukunft als Haus der Jugend Verwendung finden. – Der Marktplatz in Neuenheim wird gepflastert.

3. Dezember 1933: Tag des deutschen Pferdes in Heidelberg

[14. Dezember 1933: Stefan George stirbt in Minusio bei Locarno]

[19. Dezember 1933: Abkommen über die Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitlerjugend]

22. Dezember 1933: Eröffnung der Heidelberger Volksbibliothek in der Plöck 2a (Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag 10-13 Uhr, 17-20 Uhr). Die Städtische Lesehalle und Volksbücherei weist 42.338 ausgeliehene Bände auf (1932: 60.321; „Rückgang infolge Ausleihsperrung von zerlesenem Schrifttum“) (Leiter 1906-1941: Georg Zink)

Dezember 1933: die Stadt Heidelberg schreibt einen Ideenwettbewerb aus „zur Erlangung von Vorschlägen und Entwürfen über die Errichtung eines Kurhauses in Verbindung mit einer Trink- und Wandelhalle auf dem Gelände des Stadtgartens und Neptungartens in Heidelberg“. „Die Gaisbergstraße fällt als Fahrstraße fort, sie bleibt nur ein Durchgang für Fußgänger“. (Heidelberger Neueste Nachrichten 288, 9. 12. 1933, S. 5)

1933: in Ziegelhausen werden folgende Straßen/Plätze neu oder umbenannt: Karl-Pflaumer-Straße (bisher: Kleingemünder Weg), Adolf-Hitler-Platz (vor der katholischen Kirche), Horst-Wessel-Platz, Robert-Wagner-Straße - Ziegelhausen hat 4789 Einwohner

1933: Karl Odenwälder, seit 1931 Leiter der Ortsgruppe Ziegelhausen der NSDAP, wird Bürgermeister von Ziegelhausen

1933: Fusion von Turnverein und Sportverein Handschuhsheim zum TSV 1886 (vgl. 3. März 1946)

1933: im Verlag Heinrich Fahrer, Heidelberg-Handschuhsheim, erscheint Handschuhsheim und seine Geschichte von Herbert Derwein

1933: Herrmann Hollenbach gründet in der Plöck (?) ein Schuhgeschäft (seit 1984 im Besitz von Karl Menzel, seit 2003 in der Hauptstraße)

1933: Verlegung des Schuhhaus Pfersdorf in die Sophienstraße 11a (vgl. 1898, 1908)

1933: die ehemalige Waschküche am Ende des Ostflügels der Kirchheimer Mühle wird zu einem zweigeschossigen Wohnhaus umgebaut (vgl. 1854, 1898)


1933: Karl Dieterich gründet am Wredeplatz eine Werkstatt für Optik und Feinmechanik (heute „Optik-Dieterich“)

1933: der 1. Heidelberger Harmonika-Club wird gegründet (ab 1951: Heidelberger Harmonika-Freunde)

1933: die Villa Menge (Zeppelinstraße 33) wird als „Haus Salem“ Altersheim (vgl. 1948)

[1933: die Arabian-American Oil Company (ARAMCO) wird gegründet]

1933/34: Die St. Vituskirche in Handschuhsheim wird nach Norden erweitert, das Kirchenschiff auf Nord-Süd-Achse umorientiert (Architekt: Franz Sales Kuhn; vgl. 4. Oktober 1936)

1933-1945: Johannes Bähr (1880-1958) evangelischer Pfarrer in Wieblingen

[1933-1945: Erwin Merkel (1904-1992) Bürgermeister von Dossenheim]

[1. Januar 1934: das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses tritt in Kraft]

1. Januar 1934: Wilhelm Schneider (1895-1978, Mitglied der NSDAP seit 1. 5. 1933) wird Fachschaftsleiter für die Gemeindebeamten im Reichsbund der Deutschen Beamten (vgl. 2. Juni 1933, 25. März 1945)

[26. Januar 1934: deutsch-polnischer Nichtangriffs-Vertrag (am 28. April 1939 gekündigt)]

[30. Januar 1934: das dritte Gleichschaltungsgesetz beseitigt die Eigenstaatlichkeit der Länder]

März 1934: Saar-Kundgebung in der Stadthalle („Der Männerchor im TSV Handschuhsheim bringt das „Deutsche Lied“ erhebend zum Vortrag“)

8. März 1934: Otto und Ilse Gronki eröffnen in der Ladenburgerstraße 10 ein Feinkostgeschäft

11. März 1934: Eröffnung des Kurpfälzischen Tiergartens auf dem Gelände des Zentralfriedhofs am Neckar (vgl. 28. Oktober 1934, 22. März 1945)

[21. März 1933: „Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung“ (vgl. 20. Dezember 1934)]

23. März 1934: Einweihung des Fernmelde-Dienstgebäudes in der Sophienstraße (vgl. 24. 9. 1932)

23. April 1934: das „Heidelberger Volksblatt“ gibt seinen Untertitel „Tageszeitung für das katholische Volk“ auf  

1. Mai 1934: Heidelberger Kommunisten hissen auf dem Heiligenberg die rote Fahne  

[17. Mai 1934: Anordnung des badischen Innenministeriums zur „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“]

[29.-31. Mai 1934: erste Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen. Eine Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche (Barmer Theologische Erklärung) wird verabschiedet. Gründung der Bekennenden Kirche]

30. Mai 1934: Grundsteinlegung der Thingstätte (ab 1935: Feierstätte) auf dem Heiligenberg (Entwurf: Architekt Hermann Reinhard Alker, Karlsruhe. Dem Bau fällt ein Teil des keltischen Ringwalls zum Opfer)

31. Mai 1934: Rudolf Sillib beendet den Dienst als Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg (Nachfolger ab 1. August 1935: Karl Preisendanz)

[17. Juni 1934: Vizekanzler Papen hält eine Rede in Marburg („Kein Volk kann sich den ewigen Aufstand von unten leisten, wenn es vor der Geschichte bestehen will.“)]

[30. Juni 1934: sog. Röhm-Putsch]

15. Juli 1934: Eröffnung der Reichsfestspiele Heidelberg. Heinrich George logiert im Berghotel Königstuhl  

20. Juli 1934: Das siamesische Königspaar verzehrt im Berghotel Königstuhl ein geschnetzeltes Kalbsstück [vgl. auch 1907]

[25. Juli 1934: nationalsozialistischer Putsch in Österreich. BK Engelbert Dollfuß ermordet. Mussolini zieht Truppen an der Grenze zusammen]

[2. August 1934: Reichspräsident Paul von Beneckendorff und Hindenburg stirbt. RK A. Hitler übernimmt das Amt des Reichspräsidenten]

1. September 1934: Eröffnung des Heidelberger Hafens (vgl. 1984)

[1. Oktober 1934: die Reichsstraßenverkehrsordnung des Deutschen Reiches tritt in Kraft. Sie räumt Kraftfahrzeugen erstmals eine Vorrangstellung ein und hebt alle Geschwindigkeitsbeschränkungen auf. ("An Kreuzungen und Einmündungen … haben Kraftfahrzeuge … die Vorfahrt vor anderen Verkehrsteilnehmern."). Kraftfahrzeuge mit Motoren bis 200 cm³ dürfen von jedermann ab 16 Jahren führerscheinfrei gefahren werden. (vgl. 1937)]

14. Oktober 1934: Einweihung der umgebauten evangelischen Kirche in Kirchheim (Verlängerung des Langhauses nach Osten nach Abbruch des alten Chorschlusses, vgl. 1750)

22. Oktober 1934: das Fernheizkraftwerk im Elektrizitätswerk (Bergheim) nimmt seinen Betrieb auf (versorgt Kliniken, Arbeitsamt, Hallenbad, Schulen etc, später auch Radium-Solbad, Gesundheitsamt, Marienhaus, ab 1936 nördliches Neckarufer)

28. Oktober 1934 (Sonntag vor Allerseelen): Überführung von 498 Gefallenen des Weltkriegs vom Zentralfriedhof am Neckar nach dem Ehrenfriedhof auf dem Ameisenbuckel (über Mönchhofstraße, Brückenstraße, Friedrichsbrücke, Rohrbacher Straße, Steigerweg. - Aus der Rede des Reichsstatthalter für Baden Robert Wagner zur Einweihungsfeier: „Wir grüßen die Toten des großen Krieges, wir grüßen die Toten des nationalsozialistischen Deutschland. Ihre Leiber gehören der Mutter Erde, ihr Geist gehört unserem jungen national-sozialistischen Deutschland.“)

9. November 1934: Totengedenkfeier anläßlich des Hitler-Ludendorff-Putsches von 1923 auf dem Universitätsplatz (Redner: NSDAP-Kreisleiter Wilhelm Seiler)

24. November 1934: Einweihung des historisierend ausgebauten Königssaales (Schloß, Bandhaus/Frauenzimmerbau)

7. Dezember 1934, rückwirkend zum 1. November: Ernennung von Oberarzt PD Otto Dittmar (1899-1971, Mitglied der NASDAP seit 1933) zum Professor und Direktor der Orthopädischen Anstalt

9. Dezember 1934: der Handwerkerverein Handschuhsheim errichtet am Haus Dossenheimer Landstraße 38 eine Tafel zum Gedenken an Pfarrer Albert Ludwig („In diesem Hause wohnte / in den Jahren 1886-1891 / der Dichter unseres Heimatliedes: / `An des Berges Fuß gelegen´ Pfarrer D. Albert Ludwig / Gewidmet vom Handwerkerverein Handschuhsheim“. Die Rede hält Kreishandwerkermeister Apfel.

[20. Dezember 1934: das "Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen" ("Heimtückegesetz") stellt die missbräuchliche Benutzung von Abzeichen und Parteiuniformen unter Strafe. Es schränkt darüber hinaus das Recht auf freie Meinungsäußerung ein und kriminalisiert alle kritischen Äußerungen, die angeblich das Wohl des Reiches, das Ansehen der Reichsregierung oder der NSDAP schwer schädigten. (vgl. 21. März 1933)]

1934: Ernst und Erich Schäfer übernehmen das 1906 eröffnete Kaufhaus von Hermann Tietz (Hauptstraße 28/30)  

1934: erster Sommertagszug in Ziegelhausen

1934: die 1864 gegründete Holz- und Kohlenhandlung Heinrich Oberfeld zieht vom Rosenbusch in die Theaterstraße 16/Plöck 97 (früheres Kulissenhaus des Stadttheaters; vgl. 1980)

1934: die 1884 gegründete Heidelberger Aktienbrauerei vorm. Gebr. Kleinlein (Bergheimerstraße) wird in Brauerei Kleinlein AG geändert. 5 Quellen im Schloß-Molkenkur-Gebiet werden erworben und durch eine 6 km lange Leitung dem Betrieb zugeführt. (vgl. 1952)

1934: NSDAP Heidelberg

[1934: das Amt Rosenberg („Reichsüberwachungsamt“), eine Dienststelle für Kulturpolitik und Überwachungspolitik des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, wird im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP in Berlin eingerichtet]

1. Januar 1935: die städtische Sparkasse heißt nun Bezirkssparkasse

6. Januar 1935: Einweihung des Saar-Mahnmals am Rathaus durch Oberbürgermeister Carl Neinhaus (Entwurf: Oberbaurat Friedrich Haller218, bis 1945)

[13. Januar 1935: in einer Volksabstimmung sprechen sich 90,7% der Bevölkerung des Saargebiets für den Anschluß an das Deutsche Reich aus] Deutsch ist die Saar

[15. Januar 1935: Die Reichstheaterkammer erläßt eine Anordnung, wonach Laienspielverbänden die Aufführung von Theaterstücken nur in geschlossenen Veranstaltungen gestattet ist. Es darf weder Eintritt genommen noch Reklame gemacht werden.]

16. Januar 1935: die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Heidelberg erhält den Namen Staats- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (vgl. 9. November 1933, 1945 wieder aufgelöst)

[21. Januar 1935: Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlaß des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesens]

[30. Januar 1935: Deutsche Gemeindeordnung]

Januar 1935: das Sonderdezernat für Neuordnung der Gemarkung stellt den Wirtschaftsplan der Stadt Heidelberg vor

26. Januar 1935: Richtfest der Hochbauten auf der Thingstätte (ab 1935: Feierstätte)

Februar 1935: unter Leitung von Prof. Willy Andreas wird für ein Jahr zur Beschäftigung arbeitsloser Akademiker ein "Wissenschaftslager für Weistumsforschung" eingerichtet, eine Arbeitsgemeinschaft, die die gedruckten und ungedruckten Weistümer der Schriesheimer und Kirchheimer Zent sammeln und edieren soll.

[1. März 1935: das Deutsche Reich übernimmt die Regierungsgewalt an der Saar]

[16. März 1935: Gesetz zur Wiederherstellung der nationalen Verteidigungskraft. Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (12 Monate, vgl. 25. August 1936). Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst ist die Erfüllung eines sechsmonatigen Arbeitsdienstes (vgl. 26. Juni 1935). Zum Wehrdienst herangezogen werden zunächst die Jahrgänge 1914 und 1915. Aufstellung einer Armee von 12 Armeekorps und 36 Divisionen]

[17. März 1935: der Heldengedenktag steht im Zeichen der deutschen Wiederaufrüstung]

20. März 1935: RK Adolf Hitler in Heidelberg (Hotel Europäischer Hof; anderntags Fahrt entlang der Bergstraße nach Wiesbaden)

[22. März 1935: in Deutschland wird erstmals ein Fernsehprogramm (aus dem Haus des Rundfunks in der Masurenallee, Berlin-Charlottenburg) ausgestrahlt]

31. März 1935: Sommertagszug in Heidelberg

1. April 1935: Eingemeindung des Grenzhofes zu Heidelberg (seit 1920 „Nebenort“, 96 Einwohner, 445 ha Gemarkungsfläche)

[1. April 1935: die akademische Disziplinargerichtsbarkeit wird im Reich aufgehoben]

[3. April 1935: Richtlinien zur Vereinheitlichung der Hochschulverwaltung. Der Reichserziehungsminister ernennt den Rektor der Universität]

6.-22. April 1935: in Heidelberg wird die vom Gauamtsleiter des Amts für Volksgesundheit Dr. Packheiser geschaffene Ausstellung Gesundes Volk gezeigt („Wer erbkrank ist, hat nicht das Recht sein Leid in Kind und Kindeskindern zu verewigen, ihn aber zu versorgen und zu pflegen ist für uns selbstverständliche Pflicht!“)  

[11-14. April 1935: Konferenz von Stresa]

1.-15. April 1935: Ferienlager englischer Studenten der Wirtschaftswissenschaft in Heidelberg

[17. April 1935: Abstimmung des Völkerbundsrates gegen die deutsche Wiederbewaffnung. Dänemark enthält sich als einziger von 17 Staaten der Stimme]

[25. April 1935: die Reichsschrifttumskammer gibt die Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums heraus]

April 1935: Gründung des Staatlichen Gesundheitsamts Heidelberg

April 1935: Winifred Wagner besucht Heidelberg und trägt sich ins Goldene Buch ein

2. Mai 1935: Vikar Anton Klausmann aus der Heilig Geist-Pfarrei in Mannheim wird katholischer Kurat im Pfaffengrund

6.-12. Mai 1935: Beethoven-Fest (Gesamtleitung: GMD Kurt Overhoff, 1902-1986)  

19. Mai 1935: Eröffnung der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt-Mannheim (vgl. 3. 10. 1935)

26. Mai 1935: Weihe der Kirche St. Albertus (Bergheim, Grundsteinlegung 9. September 1933)

21. Mai 1935: Mitglieder des Corps Saxo-Borussia Heidelberg stören bei der Radio-Übertragung einer Hitler-Rede in einem Heidelberger Lokal

26. Mai 1935: Mitglieder des Corps Saxo-Borussia Heidelberg unterhalten sich bei einem Spargelessen in einem Heidelberger Lokal darüber, wie Hitler Spargel ißt („Heidelberger Spargel-Affäre“)

[26. Mai 1935: Reichsluftschutzgesetz. Jeder kann zur Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen des Reichsluftschutzbund verpflichtet werden (vgl. 29. April 1933)]

26. Mai-2. Juni 1935: Reichssportwerbewoche  

[1. Juni 1935: die „Reichsmarine“ wird in "Kriegsmarine" umbenannt und systematisch aufgebaut]

2. Juni 1935: Unterbadischer Leibgrenadier-Tag  

Juni 1935: Streik der Notstandsarbeiter beim Bau der Thingstätte „Auf der Arbeitsstelle der Thingstätte in Heidelberg kam es in der letzten Woche vor der Fertigstellung zu einer Art Streik in Form passiver Resistenz. Die Notstandsarbeiter außer dem Arbeitsdienst sollten nachts arbeiten ohne Mehrbezahlung. Sie stellten die Forderung auf 30 Prozent Lohnzuschlag, welche abgelehnt wurde. Darauf verweigerten die Arbeiter die Nachtarbeit. Nach drei Nächten wurde ihnen die 30 Prozent bewilligt.“ (Klaus Behnken (Hg.), Deutschlandberichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SOPADE) 2/7-35, Nördlingen 1980, S. 787)

[18. Juni 1935: deutsch-britisches Flottenabkommen]

22. Juni 1935: Einweihung der Thingstätte (ab 1935: Feierstätte) Heiligenberg mit Sonnwendfeier in Anwesenheit von Reichsminister Dr. Joseph Goebbels

25. Juni 1935: etwa 50 französische Frontkämpfer besuchen Heidelberg

[26. Juni 1935: Gesetz über die Arbeitsdienstpflicht für die gesamte deutsche Jugend. Sechsmonatige Dienstpflicht für alle männlichen Deutschen zwischen 18 und 25 Jahren]

27. Juni 1935: ein Erdbeben der Stärke 5,1 erschüttert Süddeutschland

1. Juli-17. August 1935: Ferienkurs für Ausländer an der Universität Heidelberg  

14. Juli 1935: Eröffnung der Reichsfestspiele Heidelberg (-18. August)  

14. Juli 1935: 25jähriges Jubiläum der evangelischen Bergkirche Schlierbach

20., 27. Juli, 3., 10., 17. August 1935: Im Rahmen der Reichsfestspiele wird auf der Thingstätte das Thingspiel Der Weg ins Reich von Kurt Heynicke unter der Leitung von Lothar Müthel vom Berliner Staatstheater aufgeführt  

[24. Juli 1935: auf Drängen der Deutschen Burschenschaft beschließen alle Verbände der Gemeinschaft Studentischer Verbände mit Ausnahme des Kösener, des Wingolf und des Wernigeroder Verbandes, alle „Nichtarier“, d. h. auch die Frontkämpfer auszuschließen]

28. Juli 1935: Eröffnung des Neckarkanals Mannheim-Heilbronn (113 km). Eröffnungsfeier in Heilbronn.

Sommer 1935: Stadtschulrat Wilhelm Seiler, Kreisleiter der NSDAP seit Juni 1934, schließt die jüdischen Kinder vom Unterricht an den Heidelberger Volksschulen aus. In der Pestalozzischule wird eine gesonderte Klasse für jüdische Kinder eingerichtet.

1. August 1935: Prof. Dr. Karl Preisendanz (1883-1968), bisher Direktor der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, wird als Leiter der Universitätsbibliothek Heidelberg berufen (vgl. 31. Mai 1934, 1945)

2. August 1935: Reichsminister Dr. Goebbels in Heidelberg zum Besuch der Aufführung des „Ur-Götz“ im Schloßhof

29. August 1935: Großkundgebung auf dem Universitätsplatz „Gegen die Staatsfeinde“

31. August-2. September 1935: Tagung des Deutschen Buchdruckervereins in Heidelberg

August 1935: erstmalige probeweise Anstrahlung der Heiliggeistkirche und des „Ritter“ mit Scheinwerfern

7.-9. September 1935: Reichstagung des Alldeutschen Verbands in Heidelberg

15. September 1935: schwere Sturm- und Regenböen über Heidelberg

15. September 1935: der Reichstag beschließt in Nürnberg das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre („Nürnberger Gesetze“). Einführung eines Staatsbürgerrechts mit zwei Kategorien von Einwohnern. Die Juden werden fast vollständig vom Berufsleben ausgegrenzt. 21 Heidelberger Universitätslehrer werden entlassen (vgl. 7. April 1933)

15. September - 31. Oktober 1935: Werke von Karl Weysser. Sonderschau im Kurpfälzischen Museum

17. September 1935: die Straßenbahn fährt auf der Schlierbacher Landstraße zweigleisig (vgl. 11. Dezember 1936)

26. September 1935: RK Adolf Hitler besichtigte die Bauarbeiten zur Reichsautobahn Mannheim-Heidelberg von der Seckenheimer Autobahnbrücke aus

28.-30. September 1935: Zehnjahresfeier der NSDAP-Ortsgruppe Heidelberg im Beisein von Reichsjugendführer Baldur von Schirach

September 1935: Baubeginn des Schwimmbads auf dem Platz des SC Neuenheim hinter dem Tiergarten

[1. Oktober 1935: Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenerziehung führt das Arbeitsbuch für alle Erwerbslosen ein]

3. Oktober 1935: Eröffnung der Reichsautobahn Darmstadt-Mannheim-Heidelberg (vgl. 19. Mai 1935) http://www.rhein-neckar-industriekultur.de/objekte/autobahntankstellen-mit-stra%C3%9Fenmeisterei-mannheim-seckenheimfriedrichsfeld

[3. Oktober 1935-5. Mai 1936: Italien erobert und annektiert Äthiopien und vereinigt es mit Eritrea und Somaliland zu Italienisch-Ostafrika]

[12.Oktober 1935: „Hadamovsky-Erlaß“: Verbot der Swing- und Jazzmusik für die deutschen Rundfunksender]

[18. Oktober 1935: „Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes“ erlaubt die Abtreibung eines Kindes]

WS 1935/1936: Studierende müssen einen „Ariernachweis“ für sich, ihre Eltern und Großeltern beibringen

1. November 1935: Neubildung des Stadtrats

2. November 1935: die Burschenschaft Allemania zu Heidelberg stellt ihren aktiven Bundesbetrieb ein und meldet sich beim Rektor der Universität ab (vgl. November 1936)

3. November 1935: das Heidelberger Corps Suevia löst sich auf

5. November 1935: der Convent des Heidelberger Wingolf beschließt die Auflösung der aktiven Verbindung, was auch zum Verkauf des Hauses führt (vgl. 24. Juli 1935)

[14. November 1935: die Erste Verordnung zum Reichbürgergesetz verfügt: „Jüdische Beamte treten mit Ablauf des 31. Dezember 1935 in den Ruhestand“]

21.-23. November 1935: 100jähriges Jubiläum der Oberrealschule  

November 1935: Eröffnung des Instituts für Rohstoff- und Warenkunde der Universität Heidelberg (Marstallstraße 6)

7.-8. Dezember 1935: 50-Jahrfeier des Bachvereins  

13. Dezember 1935: Einweihung des Philipp-Lenard-Instituts (Physikalisches Institut) unter dem neuen Namen in Anwesenheit von Geh. Rat Prof. Dr. Philipp Lenard  

31. Dezember 1935: Das „Heidelberger Volksblatt“ stellt sein Erscheinen ein. Der Verlag des Heidelberger Volksblatts wird an den Verlag der Heidelberger Neuesten Nachrichten abgegeben. (vgl. 8. Juli 1933)

1935: in Berlin erscheint das Buch Heidelberg. Umbau einer Stadt von Ludwig Neundörfer

1935: Bau des Hauses Weizäcker (Philipp-Wolfrum-Weg 4)

1935: Kurt Ziehank (†2004) übernimmt die Buchhandlung Hütter am Universitätsplatz

1935: die Dortmunder Actien Brauerei übernimmt das Hotel zum Ritter

1935: Der Verwaltungsrat der Von-Portheim-Stiftung wird umbesetzt. Leontine Goldschmidt wird aus der Leitung der Stiftung entfernt

1935: Graf Bleickard von Helmstatt verkauft sein Herrenhaus östlich der Tiefburg in Handschuhsheim (Dossenheimer Landstraße 4) an den Milchhändler Karl Kuhn (vgl. 1950)

1935: das Kaufhaus Rothschild (Hauptstraße) wird an Aloys Kraus verkauft und erhält den Namen Kraus

1935: die Aktivitas der K.D.St.V. Arminia Heidelberg wird zwangsweise aufgelöst; der Altherrenverband besteht bis 1938 weiter

1935: Schlierbach wird zur evangelischen Pfarrei erhoben (vgl. 1910)

1935: die Schnellpressenfabrik AG Heidelberg stellt den Heidelberger Zylinder Apparat vor (vgl. 1950)

1935: in der Villa Julius (Häusserstraße 10-12, Villa des Kommerzienrats Paul Julius) wird das Büro der NS-Kriegsopferversorgung eröffnet

[1935: die deutschen Akademien und die österreichische Akademie der Wissenschaften schließen sich zu einem großangelegten Forschungsvorhaben und Editionsunternehmen zusammen („Inschriftenausschuß des Verbandes der deutschen Akademien“) mit der Zielsetzung, das inschriftliche Kulturgut aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit zu erfassen, wissenschaftlich zu bearbeiten und nach einheitlichen strengen Richtlinien im Rahmen der Editionsreihe Die Deutschen Inschriften zu publizieren. Leitung: Prof. Friedrich Panzer, Heidelberg]

6. Januar 1936: „Die seit Jahren bestehende Universitäts-Apotheke ist am 1. Januar 1936 in meinen Besitz übergegangen. Ferdinand Pfrang, arischer Apotheker, Heidelberg, Hauptstraße 114, Telefon 5382“ (Heidelberger Neueste Nachrichten, Nr. 4, 6. 1. 1936)

[17. Januar 1936: „Verordnung über den Waffengebrauch der Wehrmacht“]

Januar 1936: Bau eines eisernen Fußgängerstegs als Verbindung über die Bahnlinie von der Schlierbacher Landstraße mit dem Valerieweg

[Februar 1936: Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen]

2. Februar 1936: Reichsgründungsfeier in Handschuhsheim, ausgerichtet durch die Arbeitsgemeinschaft der Handschuhsheimer Vereine (Predigt: Stadtpfarrer Vogelmann)

[4. Februar 1936: Wilhelm Gustloff, Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz, wird von dem Berner Student David Frankfurter in Davos erschossen]

16. Februar 1936: letzter altkatholischer Gottesdienst in der Heiliggeistkirche. In kurzer Zeit muß für die Alt-Katholiken in Heidelberg, die bisher ihre Gottesdienste im Chor der Heiliggeistkirche hielten, Ersatz geschaffen werden, da diese ganz in den Besitz der evangelischen Landeskirche übergeht. Der Schulraum der ehemaligen Klosterkirche des Dominikanerinnenklosters (Plöck), die ehemalige „englische Kirche“, wird in fast unverändertem baulichen Zustand eingerichtet. Das neue Gotteshaus erhält den Namen „Erlöserkirche“ (vgl. 1874)

[27. Februar 1936: sowjetisch-französischer Freundschaftspakt]

7. März 1936: A. Hitler gibt in einer Rede die "Rheinlandbefreiung" bekannt. Einmarsch der Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland.

8. März 1936: Einmarsch von Einheiten der Wehrmacht in Heidelberg (Kompanien der Nachrichten-Abteilung 17 aus Schwabach bei Nürnberg und Feldartillerie-Regiment Nr. 7 aus München)

23. März 1936: Gründung des „Stadtgarten-Vereins e.V.“ mit dem Ziel, eine Erholungs- und Vergnügungsstätte im Stadtgarten zu errichten (Vorsitzender: Bürgermeister Max Genthe)

29. März 1936: Reichstagswahl. Volksabstimmung zur Ermächtigung der Besetzung des Rheinlands. 99,3% Zustimmung in Heidelberg für die NSDAP.

1. April 1936: Peterstal wird zu Ziegelhausen eingemeindet

17. April 1936: „Schneebruchkatastrophe“

20. April 1936: Parade der Soldaten der Heidelberger Garnison

April 1936: OB Carl Neinhaus überträgt Wilhelm Schneider (1895-1978, Mitglied der NSDAP seit 1. 5. 1933), Leiter des städtischen Personalamts, im Nebenamt die Geschäftsführung der städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (vgl. 2. Juni 1933, 25. März 1945)

Frühjahr 1936: Errichtung einer Gartenhalle beim Kurpfälzischen Museum für die Ausstellung Heidelberg, Vermächtnis und Aufgabe

[5. Mai 1936: Italiener erobern Addis Abeba]

[12. Mai 1936: Gründung des "neuen Reichskolonialbunds"; vgl. 10. Juni 1933, 15. Februar 1943] https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskolonialbund

22. Mai 1936: erste große Luftschutz-Verdunkelungsübung in Heidelberg (westliche Altstadt)

Mai 1936: das Infanterie-Regiment 110 wird in Heidelberg aufgestellt

Mai 1936-März 1938: Untersuchung des Heidenlochs auf dem Heiligenberg durch Paul H. Stemmermann. Entfernung der Überwölbung über dem Schachtmund (mittelalterliches Tonnengewölbe) und Ausbrechen des Brunnenmantels (römische Vermauerung) (vgl. 1987)

6.-8. Juni 1936: "110er Tag"

6. Juni 1936: Weihe der 110er Gedenktafel an der alten Kaserne in der Seminarstraße (vgl. 8. August 1914, 31. Mai 1881, 3. April 1871; 8. August 1914)

[17. Juni 1936: Einrichtung der Staatlichen Stelle für das Volksbüchereiwesen in Baden, Karlsruhe und Freiburg]

18. Juni 1936: Pächter Carl Fass (Cafasö, Schloßpark-Kasino) eröffnet das Stadtgarten-Restaurant (Stadtgarten-Kasino, Tanzsaal, Bühne; Architekt: Franz Sales Kuhn; vgl. 1938)

20. Juni 1936: Sonnwendfeier des Gaues Baden der NSDAP auf der Feierstätte Heiligenberg

24. Juni 1936 (Johannisfest): Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche anläßlich der Niederlegung der Trennungsmauer (Predigt: Hermann Maas)

25.-27. Juni 1936: die Dritte Internationale Universitätskonferenz tagt in Heidelberg (Vorsitzender: Prof. Dr. Johannes Hoops)

27. Juni-1. Juli 1936: 550-Jahrfeier der Universität. Die von Friedrich Gundolf 1931 für den Haupteingang der Neuen Universität formulierte Inschrift „Dem lebendigen Geist“ wird durch „Dem deutschen Geist“ ersetzt.

27. Juni 1936 abends: Auftakt zur 550-Jahrfeier der Universität auf dem Universitätsplatz

28. Juni 1936 (-30. 9. 1936): Eröffnung der Ausstellung Heidelberg, Vermächtnis und Aufgabe im Kurpfälzischen Museum (Entwurf und Leitung: Dr. Ludwig Neundörfer, künstlerische Formgebung: Rudolf Kramer). Rede des Oberbürgermeisters Dr. Karl Neinhaus zur Eröffnung („Nichts anderes will ja Heidelberg, wie in Ehrfurcht vor deutschem Schicksal, wie in letzter Verbundenheit mit allem, was deutschen Namen trägt, die reichen Schätze seines Vermächtnisses und die bewußte Arbeit seiner Gegenwart hineinstellen in den Dienst am deutschen Volk und seinem Führer, dem auch diese Stadt bis zum letzten verschworen ist“). 41.000 Besucher sehen die Ausstellung.

28. Juni 1936: Empfang der Reichsregierung im Königsaal des Heidelberger Schlosses

29. Juni 1936: Festakt zur 550-Jahrfeier der Universität in der Stadthalle

30. Juni 1936: Reichsminister Rust hält eine Rede über "Die neuen Ziele der Wissenschaft"

1.-16. Juli 1936: Lager des Kultur- und Rundfunksamt der Reichsjugendführung der HJ beim Bierhelderhof (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 9 (2004/2005), S. 47ff.)

9. Juli 1936: Generalinspekteur Dr. Fritz Todt spricht im Hörsaal 13 der Neuen Universität vor Teilnehmern des HJ-Lagers über „Die Straßen des Führers“

12. Juli - 30. August 1936: Reichsfestspiele auf dem Schloß  

[17. Juli 1936: militärischer Aufstand in Spanisch-Marokko, der am folgenden Tag auf das Mutterland übergreift. Der spanische Bürgerkrieg endet am 29. März 1939. Insgesamt werden rund 25.000 deutsche Soldaten in Spanien eingesetzt. 315 Gefallene. 26.116 deutsche Mitglieder der Legion Condor einschl. Kriegsmarine erhalten das Spanienkreuz mit oder ohne Schwerter. ]

21. Juli 1936: Verdunkelungsübung in Handschuhsheim

[1.-16. August 1936: Olympische Spiele in Berlin]

19. August-1. September 1936: der frühere amerikanische Botschafter Jacob Gould Schurman besucht mit seiner Familie Heidelberg (Europäischer Hof, vgl. 5. Mai 1928)

[25. August 1936: Verlängerung der Wehrdienstpflicht im Deutschen Reich von 1 auf 2 Jahre]

11. September 1936: der amerikanische Zeitungsbesitzer William Randolf Hearst (73) in Heidelberg

11.-14. September 1936: der frühere britische PM Lloyd George in Heidelberg (Schloßhotel)

27. September 1936: Eröffnung der Reichsautobahn Heidelberg-Bruchsal durch Reichsstatthalter Robert Wagner (Festakt in Bruchsal)

[27. September 1936: der Schweizer Franken wird um ca. 30 % abgewertet, um ihn den veränderten internationalen Verhältnissen anzupassen]

30. September 1936: Letzte Paketzustellung per Pferdepostkutsche in Heidelberg. Von nun an besorgen 6 Kraftwagen den Zustelldienst, davon 4 mit Elektroantrieb.

30. September 1936: „Heute genügt sie [die Stadthalle] eigentlich schon längst nicht mehr den Anforderungen, und es ist wohl auch nur noch eine Frage der Zeit, daß eine Erweiterung erfolgt, wozu es erfreulicherweise dank des freien Platzes im Osten wie im Westen nicht an Raum fehlt.“ (Heidelberger Neueste Nachrichten, 229, 30. 9. 1936, S. 3)

3. Oktober 1936: Großer Zapfenstreich auf dem Universitätsplatz

4. Oktober 1936: Weihe der erweiterten St. Vituskirche (Handschuhsheim) durch Weihbischof Wilhelm Burger

15. Oktober 1936: Pfarrer Alfons Beil wird erster Kurat an der St. Albert-Kirche in Heidelberg

[18. Oktober 1936: Hermann Göring zum Bevollmächtigten für den Vierjahresplan ernannt]

24. Oktober 1936: Aufdeckung der (seit 1886 nicht mehr betretenen) Gruft im Ostchor der Heiliggeistkirche, in der die Gebeine der Kurfürsten ruhen, die seit 1410 hier begraben wurden (78 Tote) (vgl. 30. September 1885)

[25. Oktober 1936: Achse Berlin-Rom]

27. Oktober 1936: Oberbürgermeister Neinhaus ruft in der öffentlichen Ratssitzung zur Gründung einer Vereinigung der Freunde der Heimatkunde in Heidelberg auf („Es soll eine Vereinigung werden, die durch alle Schichten der Bevölkerung geht. Daß sie immer nur im nationalsozialistischen Sinne arbeitet, ist eine Selbstverständlichkeit, die ich kaum zu erwähnen brauche.“) mehr

27. Oktober 1936: Rekruten-Vereidigung auf dem Universitätsplatz

Oktober 1936: das Heidelberger Konservatorium zieht von der Unteren Neckarstraße 17 in die Anlage 50 (früheres Stauffia-Haus)

5. November 1936: Edith Trembour eröffnet im Fremdenheim „Silvana“, Leopoldstraße 26 (Haus Fehser), eine „nach neuester Ernährungslehre geleitete Diätküche“ („Biologische Werteküche“)

[25. November 1936: Deutschland und Japan schließen den Antikominternpakt ab (vgl. November 1937)]

November 1936: nach Auflösung der Burschenschaft Allemania am 2. November 1935 wird die studentische Kameradschaft Karl Heinrich Waldow gegründet und in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert

November 1936: das Kurpfälzische Museum wird bis März 1937 geschlossen

November 1936: Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Heidelberg und Neubildung als Feuerlöschpolizei Heidelberg e. V.

[1. Dezember 1936: alle deutschen Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren werden zur Mitgliedschaft in der HJ verpflichtet]

[7. Dezember 1936: in Deutschland wird das Fett rationiert]

11. Dezember 1936: Beginn des zweigleisigen Betriebes auf der Neckartal-Straßenbahn zwischen Karlstor und Schlierbach Bahnhof (vgl. 17. September 1935)

1936: Suspension der 1878 gegründeten studentischen Gesellschaft Karlsruhensia (ab 1937: „Kameradschaft Richard Flisges“)

1936: Ausarbeitung eines Generalbebauungsplans für die Universität Heidelberg

1936: Anlage des Universitätssportplatzes zwischen Chirurgischer Klinik und Tiergartenstraße

1936: Anlage der Görresstraße

1936: Umgestaltung des Lindenplatzes (Handschuhsheim)

1936: Bau des Hauses Engelking (Kapellenweg 22)

1936: die Universitätsfechthalle (Sandgasse) wird vom Kurpfälzischen Museum erworben

1936: an der Westwand des südlichen Chorseitenschiffes der Heiliggeistkirche wird ein um 1520/1530 datiertes Wappenfresko der kraichgauer, odenwälder und des rheinischen Ritteradels freigelegt

1936: beim Bau der Autobahn wird in Kirchheim an der Autobahnbrücke nach Schwetzingen ein alemannischer Reihengräberfriedhof aus der Zeit zwischen 480 bis 520 n. Chr. entdeckt und von Paul H. Stemmermann ausgegraben (vgl. Oktober 1900)

1936: in Leimen, Geheimrat-Schott-Straße 16, 23 (ehemaliger Heidelberger Weg) wird ein Löwenkopf und Pyramidenstumpf von einem römischen Grabmonument aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. gefunden (heute im Kurpfälzischen Museum)

1936: Aloys Wannemacher wird bis zur endgültigen Besetzung des Direktors des Kurpfälzischen Museums als Kustos des Kurpfälzischen Museums eingesetzt

WS 1936/37: Aktive des VDSt Heidelberg gründen die Kameradschaft „Westmark“

[1936: Abschaffung des Pfunds als Gewichtseinheit im Deutschen Reich]

16. Januar 1937: Aufruf zur Gründung einer Vereinigung der Freunde der Heimatkunde in Heidelberg, unterzeichnet von Universitätsprofessor Dr. Eugen Fehrle, Ratsherr der Stadt Heidelberg, Leiter der Lehrstätte für Deutsche Volkskunde in Heidelberg, Heinrich Landfried, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Mannheim, Karl Lindinger, Ratsherr der Stadt Heidelberg, Kreisobmann der DAF, Dr. Carl Neinhaus, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Universitätsprofessor Dr.Paul Schmitthenner, Ratsherr der Stadt Heidelberg, Badischer Staatsminister, Wilhelm Seiler, Kreisleiter des Kreises Heidelberg der NSDAP, Stadtoberschulrat. „Für die gewaltigen Aufgaben, vor denen das deutsche Volk steht, gilt es alle Kräfte einzusetzen (...) Das Kurpfälzische Museum wird ein Haus der Gesellschaft (...) Das Haus der Gesellschaft sol Leben erfüllen. Hausmusiken, Abende im Garten, Vorträge werden dem Heidelberger immer neuen Anlaß zum Kommen bieten und auch dem Fremden, der am geistigen Leben der Stadt Anteil nehmen möchte, offen stehen. Es ist weiter daran gedacht, die verschiedenen Veröffentlichungen zur Geschichte deer Stadt und ihrer Umgebung zusammenzufassen und von Seiten der Gesellschaft ein Heidelberger Jahrbuch harauszugeben (...) Anmeldungen sind zu richten an die Heidelberger Gesellschaft zur Pflege der Heimatkunde, Kurpfälzisches Museum.“ (Anzeige in den Heidelberger Neueste Nachrichten Nr. 13, 16. 1. 1937, S. 16)

16./17. Januar 1937: Tag der deutschen Polizei

[21. Januar 1937: Deutsches Beamtengesetz. Auch die „nichtarisch versippten Beamten“ verlieren ihr Amt. 5 Heidelberger Universitätslehrer werden in den Ruhestand versetzt, weitere 4 entlassen; vgl. 15. September 1935]

26. Januar 1937: „Eine normale Entwicklung angenommen, wird im Jahr 1942 der neue Hauptbahnhof fertig sein“ (Heidelberger Neueste Nachrichten, 21, 26. 1. 1937, S. 3)

30. Januar 1937: Reichsgründungsfeier der Universität

31. Januar 1937: Reichsgründungsfeier in Handschuhsheim (Festgottesdienst in der Friedenskirche, Festakt im Bachlenz)

Januar 1937: die noch rund 30 Personen umfassende jüdische Gemeinde in Rohrbach wird mit Genehmigung des Staatsministeriums mit der Heidelberger Gemeinde vereinigt

Januar 1937: die Grabungen in der Heiliggeistkirche werden beendet

21. Februar 1937: Heldengedenktag. Militärische Feier auf dem Ehrenfriedhof

23. Februar 1937: Hochwasser des Neckar (Höchststand 4,62 m)

[14. März 1937: „Mit brennender Sorge“. Papst Pius XI. protestiert mit der einzigen deutschsprachigen Enzyklika in der Kirchengeschichte gegen das NS-Regime]

21. März 1937: Hochwasser des Neckar (Höchststand 4,35 m)

[21. März 1937 (Palmsonntag): Tausende katholischer Priester verlesen die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von den Kanzeln]

1. April 1937: der Uhrmacher Bleck zieht von der Märzgasse 1 in die Hauptstraße 56 (vgl. 1919, August 1987)

1. April 1937: das Gemeinde-Konglomerat Ochsenbach-Maisbach-Lingenthal wird aufgelöst (Ochsenbach kommt nach Gauangelloch, Maisbach nach Nußloch, Lingenthal nach Leimen)

1. April 1937-30. September 1938: Prof. Dr. h. c. Ernst Krieck (Professor für Philosophie und Pädagogik, Leiter des NS Dozentenbundes Gau Baden) Rektor der Universität Heidelberg

11. April 1937: Gründung der Heidelberger Gesellschaft zur Pflege der Heimatkunde im Kurpfälzischen Museum

15. April 1937: Erzbischof Dr. Conrad Gröber errichtet die selbstständige Pfarrkuratie Sancta Maria (Pfaffengrund) (vgl. 1924)

[20. April 1937: Revidierung der Mitgliederaufnahmesperre der NSDAP vom 1. Mai 1933. Infolge dessen wird es denjenigen Bürgern ermöglicht, der NSDAP beizutreten, die sich seit der Machtübernahme in den Gliederungen und angeschlossenen Verbänden der Partei als Nationalsozialisten bewährt haben. (1939: ca. 5,3 Millionen Parteimitglieder)]

[26. April 1937: die Legion Condor bombardiert die baskische Stadt Guernica]

[30. April 1937: Verhaftung von über 1000 Mönchen wegen angeblicher homosexueller Verfehlungen]

[1. Mai 1937: Cash and carry-Act. Der amerikanische Kongress genehmigt den Verkauf von Kriegsmaterial. Bedingung: sofortige Bezahlung und Transport der Ladung durch nichtamerikanische Schiffe. Das Gesetz ist zunächst auf zwei Jahre bis zum 1. Mai 1939 befristet, wird dann am 5. September 1939 verlängert und auch auf Waffen und Munition ausgeweitet]

[7. Mai 1937: das Luftschiff Hindenburg explodiert bei der Landung in Lakehurst/New Jersey, 36 Tote]

14. Mai 1937: Verbot des Heidelberger Tageblatt (letzte Ausgabe)

15. Mai 1937: Eröffnung des Seegartens als „Kurgarten“

22. Mai 1937: Eugen Ulmer, seit 1930 Ordinarius für deutsches und ausländisches Privat- und Handelsrecht an der Universität Heidelberg, hält in der alten Aula der Universität die Gedächtnisrede auf Friedrich Endemann (24. Mai 1857-31. Oktober 1936, Prof. Dr. iur., Dr. med. h. c., Geheimrat, Ehrenmitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften )

26. Mai 1937: Prof. Dr. Ludolf von Krehl stirbt in Heidelberg

31. Mai 1937: der Kunstbesitz des Heidelberger Kunstverein wird der Stadt Heidelberg übertragen

[28. Mai 1937: Reichsminister Dr. Goebbels prangert in einer von allen Sendern übertragenen Rede in der Berliner Deutschlandhalle die „himmelschreienden Skandale dieser Moralprediger“ (i.e. des katholischen Klerus) an und preist Hitler als „berufenen Beschützer der deutschen Jugend“]

7. Juni 1937: die Oberrealschule wird Philipp-Lenard-Schule benannt (ab 1938 "Oberschule für Jungen", vgl. 1945)

7. Juni 1937: die Straßenpolizeiordnung für die Stadt Heidelberg tritt in Kraft

17. Juni 1937: Richtfest der Kaserne am Galgenweg (zwischen Weststadt und Rohrbach, Bauleiter: Dr. Ing. Dietrich Lang, 1938 Großdeutschlandkaserne benannt (1945: Campbell Barracks). Sie wird Sitz des im Mai 1936 aufgestellten Infanterie-Regiment 110, 1. Batallion. Das 2. Batallion war in der Loretto-Kaserne (1945: Hammond Barracks) in Seckenheim untergebracht, das 3. Batallion in der Grenadier-Kaseme in Heidelberg (1945: Patton Barracks). (vgl. Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 4/2015, S. 209-214) http://www.denkmalpflege-bw.de/fileadmin/media/publikationen_und_service/nachrichtenblaetter/2015-4.pdf

Juni 1937: Richtfest der „Erbhofsiedlung“ Neurott (Kirchheim; vgl. 27. Juni 1938)

[7. Juli 1937: Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke. Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs]

10.-12. Juli 1937: Heimattage Handschuhsheim (Eröffnung 10. Juli im alten Rathaus, Festzug am 11. Juli)

20. Juli (-22. August) 1937: Eröffnung der Heidelberger Reichsfestspiele http://elisabethscherer.de/heidelberg.htm

1.-22. August 1937: im Rahmen der Reichsfestspiele wird gegeben: Kleist, Amphytrion; Shakespeare, Romeo und Julia; Paul Ernst, Pantalon und seine Söhne; Goethe, Ur-Götz

[5. August 1937: der sowjetische NKWD beschließt den "Großen Terror" gegen "antisowjetische Elemente"]

[5. Oktober 1937: US-Präsident F. D. Roosevelt hält in Chicago die so genannte „Quarantäne-Rede“. Aggressorstaaten müßten aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen und unter Quarantäne gestellt werden]

7. Oktober 1937: Einzug des I. Batl. Inf. Reg. 110 in die neue Kaserne am Galgenweg („Großdeutschlandkaserne“) (vgl 1. 10. 1940)

9. Oktober 1937: Einweihung des Tuberkulose-Krankenhaus Rohrbach

[10. Oktober 1937: das Schwetzinger Schloßtheater wird wieder eröffnet]

12. Oktober 1937: Einweihung der 1925 eröffneten Reichsfachschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe (Mönchhofstraße) (erster Schulleiter: Dr. Hellmut Büchler; vgl. April 1944)

Oktober 1937: „Säuberung“ des Bestands der Städtischen Volksbücherei im Sinne der Nationalsozialisten

http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/brennende_buecher.pdf.

[2. November 1937: Luftangriff auf Lérida durch die Aviazione Legionaria. Dabei sterben 221 Zivilisten]

[5. November 1937: RK Hitler offenbart in der Reichskanzlei vor Blomberg, Fritsch, Raeder, Hoßbach, Göring und Neurath seine Kriegspläne („Hoßbach-Protokoll“)]

11. November 1937: der Ludwigsplatz wird auf Antrag des Reichsstudentenführers in Langemarckplatz umbenannt. Langemarck-Feier der Studentenschaft

14. November 1937: 70. Jahresfest des CVJM Heidelberg  

November 1937: Ausgrabung eines Stücks des Hortus palatinus

[November 1937: Italien tritt dem Antikominternpakt bei (vgl. 25. November 1936)]

[9. Dezember 1937: Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz]

[10. Dezember 1937: die Apologetische Centrale, 1921 vom Centralausschuß für die Innere Mission der deutschen Evangelischen Kirche in Berlin gegründet, welche die Aktivitäten religiöser Bewegungen beobachten und die evangelisch-kirchliche Öffentlichkeit informieren sollte, wird von der Gestapo geschlossen und ihre weitere Tätigkeit verboten]

[13. Dezember 1937-Januar 1938: Massaker von Nanjing nach der Besetzung der Stadt durch japanische Truppen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (mindestens 200.000 Tote)]

1937: Zusammenschluß aller Heidelberger evangelischen Kirchengemeinden zu einem Kirchensteuerzweckverband

1937: Bau der Nachrichtenkaserne (Karlsruher Straße 144, südlich von Rohrbach)

1937: die Mädchenrealschule wird Hölderlinschule benannt (vgl. 1925)

1937: das Gymnasium wird Kurfürst-Friedrich-Gymnasium benannt

1937: Gottfried Kramer Kreisgeschäftsführer der NSDAP

1937: die 1914 erbaute Grenzhöferweg-Brücke über die Eisenbahnlinie Heidelberg-Mannheim wird wegen Vermehrung der Gleise von 3 auf 6 verlängert

1937: in Heidelberg halten sich 23.370 Besucher aus Großbritannien und Irland auf

1937: in der „Harmonie“ (Inhaber Georg Gauler, Theaterstraße 1, 1000 Sitzplätze) kostet ein Mittagessen ab 90 Pfennige

1937: Eröffnung des evangelischen Pfarrhauses Handschuhsheim-Süd

1937: in Heidelberg gibt es ca. 500 elektrische Straßenlampen, ca. 18 km Straßenstrecke ist elektrisch beleuchtet

1937: Errichtung eines Stadthauptamtes unter Leitung von Gaustudentenführer Baden-Oberrhein Dr. Richard Scherberger (1940 Kurator der Universität Straßburg)

1937: die Bezirkssparkasse ersteigert das Kohlhof-Hotel

1937: die von den Kaufleuten Franz Rohr und Georg Christen 1924 gegründete Schreibwarenfabrik Everest (Blumenstraße 5) zieht unter dem Namen Christen & Co. in die Mittermaierstraße 9 (bis 1954)

1937: die Gottesdienste der Bergheimer Protestanten finden im Lutherhaus (Kirchstraße) statt

[1937: Carl Goerdeler tritt als Leipziger Oberbürgermeister zurück]

[1937: das Deutsche Apotheken-Museum wird in Form einer Stiftung gegründet (1938 in München eröffnet)]

[1937: Auflösung aller deutschen Rotary-Clubs]

[1937: die Reichsstraßenverkehrsordnung von 1934 wird revidiert („Fußgänger müssen die Gehwege benutzen. … Fahrbahnen … sind auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung mit der nötigen Vorsicht und ohne Aufenthalt zu überschreiten.“). Kinderspiele auf der Fahrbahn werden ausdrücklich verboten. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) von 1937 bleibt – mit wichtigen Änderungen 1956 und 1960 – bis 1971 in Kraft.]


[1937: Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Sippenforschung und Sippenpflege. Ziel: eine „sippenkundliche Bestandsaufnahme des gesamten deutschen Volkes unter […] geschlossenen Einsatzes für rassenpolitische und sippenpflegerische Aufgaben“]


[6. Januar 1938: Erlaß der Reichsmeldeordnung. Enthält erstmals die Pflicht, sich bei Zuzug anzumelden und bei Umzug abzumelden]

[13. Januar 1938: erstmals fahren Züge über die neue Rheinbrücke bei Speyer]

[4. Februar 1938: RK Adolf Hitler übernimmt als Chef des neu geschaffenen Oberkommandos der Wehrmacht den Oberbefehl. Oberbefehlshaber des Heeres wird General von Brauchitsch, Außenminister J. v. Ribbentrop]

Februar 1938: am Gebäude der städtischen Volksbücherei (Plöck 2a) wird ein Schild „Juden unerwünscht“ angebracht

[12. März 1938: Einmarsch deutscher Truppen in Österreich]

31. März 1938: RK Adolf Hitler in Heidelberg  

31. März 1938: die 1910 eröffnete Straßenbahnlinie Bahnhof Schwetzingen-Ketsch wird eingestellt (vgl. 1. Mai 1923)

4. April 1938: Der Platz am Rohrbacher Kreuz (seit 1732; seit 1926 „Bürgermeister-Bitter-Platz“) wird auf Initiative von Pfarrer Karl Otto Frey in Eichendorffplatz umbenannt. Eine Eichendorff-Gedenktafel wird enthüllt. Über der Inschrift ist ein Hakenkreuz eingemeißelt. Pg. Pfarrer Karl Otto Frey hält die Festansprache, alle drei Rohrbacher Chöre singen. Nach dem Festakt zieht man gemeinsam in die Turner-Gaststätte.

10. April 1938: Volksabstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich (offizielles Ergebnis: 99,08 % „Ja“). In den 6 Handschuhsheimer Wahlbezirken stimmen 223 Wahlberechtigte mit „Nein“.

22. April 1938: Einweihung des Erweiterungsbaus der Gewerbeschule in der Bergheimer Straße 76  

[April 1938: der ungarische Journalist László Bíró erhält das Patent für die Erfindung des Kugelschreibers]

Mai 1938: die Regierung verfügt die Einrichtung von Finanzabteilungen bei den evangelischen Landeskirchen. Alle finanziell relevanten Vorgänge werden von ihr kontrolliert. Heidelberger Pfarrer protestieren gegen diese Entwicklung. Der Heidelberger Bevollmächtigte der „Finanzabteilung“, Otto Soellner, Religionslehrer am Gymnasium, bemüht sich, die Bekenntnisgemeinschaft zu schwächen.

1. Juni 1938: städtische Totengräber und Leichenbegleiter dürfen bei jüdischen Begräbnissen nicht mehr eingesetzt werden

3. Juni 1938: Einweihung der neuen Tennisplätze beim Tiergarten (heute Parkhaus)  

16. Juni 1938: Gedenkfeier hundert Jahre Praktisch-Theologisches Seminar der Universität Heidelberg

[16. Juni 1938: Verhaftungen von mehreren tausend Berliner Juden]

20.-25. Juni 1938: erster Großdeutscher Reichsstudententag in Heidelberg  

27. Juni 1938: Weihe der „Erbhofsiedlungen“ Neurott (Kirchheim) und Bruchhausen  

28. Juni 1938: Eröffnung des neuen Karlstorbahnhofs

1. Juli 1938: in Heidelberg sind 3370 Kfz (einschließlich Krafträder, ohne Lkw) gemeldet

[6.-15. Juli 1938: Konferenz in Evian/Schweiz über Auswanderung]

[7. Juli 1938 : 10. Parteitag der NSDAP (Adolf Hitler: „Das Einschleichen mythisch veranlagter okkulter Jenseitsforscher darf daher in der Partei nicht geduldet werden. Sie sind nicht Nationalsozialisten, sondern irgendetwas anderes (...)“]

17. Juli 1938: Reichsminister Dr. Joseph Goebbels besucht Heidelberg zur Eröffnung der Reichsfestspiele (vgl. 12. Juli 1939)

18. Juli 1938: Eröffnung der Reichsfestspiele Heidelberg

[22. Juli 1938: Verordnung über Kennkarten. Einführung der Kennkarte im Deutschen Reich als „allgemeiner polizeilicher Inlandsausweis” Einführung des Kennkartenzwangs für Männer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr]

[23. Juli 1938: spezielle Kennkartenpflicht für Juden]

31. Juli 1938: Grundsteinlegung für die neue katholische Kirche im Pfaffengrund

[Sommer 1938: Verordnung zur Teildienstverpflichtung „zur Sicherstellung des Kräftebedarfs von besonderer staatspolitischer Bedeutung“. Jeder deutsche Staatsangehörige kann verpflichtet werden, an einem zugewiesenen Ort und Arbeitsplatz zu arbeiten]

17. August 1938: mit Jakob Genthner wird der letzte Handschuhsheimer Veteran des Krieges 1870/71 bestattet

[17. August 1938: die Kriegssonderstrafverordnungen treten in Kraft]

[17. August 1938: die Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen zielt darauf ab, jüdische Deutsche anhand ihrer Vornamen kenntlich zu machen. Sofern sie nicht ohnehin bereits einen jüdischen Vornamen trugen, der „im deutschen Volk als typisch angesehen“ wird, müssen sie vom Januar 1939 an zusätzlich den Vornamen Israel oder Sara annehmen.]

[23. August 1938: Runderlass des RMI: Verordnung zur Zuweisung jüdischer Vornamen]

[21. September 1938: Prager Zession. Die tschechische Regierung nimmt die Vorschläge der britischen und der französischen Regierung an, die Sudetengebiete an Deutschland abzutreten]

[29./30. September 1938: Münchener Abkommen zwischen Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien (Hitler, Chamberlain, Daladier, Mussolini) in München. Die Tschechoslowakei muß an Deutschland die Randgebiete Böhmens, an Polen das Olsagebiet und an Ungarn das sog. Oberungarn abtreten]

30. September 1938: Rücktritt von Prof. Dr. h. c. Ernst Krieck als Rektor der Universität Heidelberg

[30. September 1938: den noch im Deutschen Reich verbliebenen jüdischen Ärzten wird aufgrund der am 25. Juli 1938 beschlossenen "4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz" die Approbation entzogen. Fortan sind sie nur noch auf Antrag als Krankenbehandler für jüdische Patienten zugelassen]

27./28./29. Oktober 1938: Ausweisung von ca. 17.000 staatenlosen, ehemals polnischen Juden aus dem Reich und Transport an die polnische Grenze. U. a. werden die Heidelberger Bernhard Rubinstein und sein Sohn David im Zuge der Aktion festgenommen und nach Polen abgeschoben. (vgl.: Norbert Giovannini, Die Ausweisungen und Deportationen der jüdischen Einwohner Heidelbergs 1937-1945, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. X (2005/2006), S. 105ff. )

1. November 1938-März 1945: der badische Staatsminister Prof. Dr. Ludwig Paul Schmitthenner wird zum Rektor der Universität Heidelberg ernannt

[7. November 1938: Herschel Grynspan (17) schießt in der Pariser deutschen Botschaft auf den Gesandtschaftssekretär Ernst von Rath]

[9. November 1938: Gesandtschaftssekretär Ernst von Rath stirbt in Paris]

9./10. November 1938: Heidelberger Bürger stecken die Synagoge in der Altstadt in Brand („An diesem Tag zeigten ganze Straßenzüge vor allem in der Altstadt, in Neuenheim und in der Weststadt ein Bild der Verwüstung“)

10. November 1938, morgens: SA-Männer und Angehörige des Heidelberger SA-Studentensturms (Führer: Franz von Chelius) verwüsten die Rohrbacher Synagoge (das Gebäude geht in Flammen auf, die Bäckerei Beer in der Rathausstraße 64 wird verwüstet) - 75 männliche Heidelberger Juden werden in das Konzentrationslager Dachau deportiert (darunter der Tabak-Fabrikant Michael Liebhold, †1938) (vgl.: Norbert Giovannini, Die Ausweisungen und Deportationen der jüdischen Einwohner Heidelbergs 1937-1945, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. X (2005/2006), S. 105ff.)

[12. November 1938: I. Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Juden ist vom 1. 1. 1939 ab der Betrieb von "Einzelhandels-, Versandgeschäften oder Bestellkontoren", der Handel auf Märkten und Messen, die Mitgliedschaft in Berufsgenossenschaften sowie der selbständige Betrieb eines Handwerks untersagt]

21. November 1938: 552-Jahrfeier der Universität Heidelberg. Rede des Rektors Prof. Dr. Paul Schmitthenner in der Aula in der Neuen Universität

1. Dezember 1938: im Postbezirk Heidelberg gibt es 19.835 gemeldete Rundfunkteilnehmer

[3. Dezember 1938: Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens (betr. Zwangsverkauf von Immobilien jüdischer Besitzer)]

[5. Dezember 1938: Entzug der Fahrerlaubnis für Juden]

22. Dezember 1938: Gründung des Instituts für Fränkisch-Pfälzische Landes- und Volksforschung der Universität Heidelberg (Leitung: Wolfgang Panzer, Fritz Ernst; vgl. auch Juli 1939)

[23. Dezember 1938: Einführung des Pflichtjahrs für die deutsche weibliche Jugend unter 25 Jahren]

1938: Der Heidelberger Chemiker Richard Kuhn (1900-1967) erhält für seine Arbeiten über Carotinoide und Vitamine den Nobelpreis für Chemie, den er nicht annehmen kann, da die Regierung ihm verbietet, das Land zu verlassen

1938: die Denkmalbüste für Karl Christian Gottfried Nadler (ursprünglich in der Leopoldstraße) wird zum Krahnenplatz verlegt

1938: die Schuhfabrik Gustav Hoffmann aus Cleve übernimmt die Anlagen der Fa. E. Tisch in der Dossenheimer Landstraße (1973 nach Walldorf übergesiedelt)

1938: die 1928 in der Dossenheimer Landstraße gegründete Philipp Mutschler Füllhalterfabrik wird in die Biethsstraße 20 verlegt

1938: C. Josef Lamy gründet die „Artus“-Kaufmann-Gesellschaft

1938: Franz Spiegelhalder (†1969) kauft das 1908 gegründete Haushaltswarengeschäft von Theodor Ulmer in der Brückenstraße 28 (1963 Umzug ins Eckhaus Ladenburger Straße, Januar 2009 Geschäftsaufgabe)

1938: Vereinigung mit der 1924 gegründeten Darlehenskasse Heidelberg eGmbH mit der Filiale Heidelberg der Badischen Landwirtschaftsbank (Bauernbank eGmbH) zur Spar- und Kreditbank Heidelberg eGmbH

1938: nachdem der Pächter des Stadtgarten-Restaurants Carl Fass Pachtzins und Getränkesteuer schuldig bleibt, gehen das Mobiliar u.a.m. an die Stadt Heidelberg über

1938: Dr. Hermann Fink wird Schulleiter des Evangelischen Landerziehungsheims für Mädchen Schloß Wieblingen (vgl. April 1927, 1928, 1930, 1939, 1941, 1945, 1946)

1938: durch das Gesetz über die Landkreisselbstverwaltung wird aus den Bezirksämtern Heidelberg und Wiesloch der Landkreis Heidelberg gebildet (bis 1972; vgl. 1939)

1938/39: die katholische Pfarrkirche St. Marien, Pfaffengrund, Schützenstraße 19, wird erbaut (1947 geweiht)

1938: Kinderschwestern aus dem Diakonissenhaus Nonnenweier (bei Lahr) werden für den Kindergarten der Christuskirche eingestellt

1938: die vierfarbige Stadtfahne (Schwarz-Rot-Grün-Gold) wird zu Gelb-Schwarz abgeändert

[1938: das Deutsche Apotheken-Museum wird in München eröffnet (im Krieg vollständig zerstört)]

[1938: deutsches Personenstandsgesetz]

[1938: Fair Labor Standards Act. Einführung der Vierzigstundenwoche "for workers engaged in interstate and foreign commerce or producing goods for such commerce" in den USA]

[1938: der Foreign Agents Registration Act (FARA) schreibt vor, daß Personen, die in den USA politisch für ausländische Rechtspersonen tätig sind, diese Tätigkeit dokumentieren und offenlegen müssen]

[1. Januar 1939: im Deutschen Reich wird die Postsparkasse nach österreichischem Muster eingeführt]

[30. Januar 1939: RK Hitler sagt in einer Rede vor dem Reichstag die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ voraus]

10. Februar 1939: Baubeginn der Straßenbahn-Strecke Bergheimer Straße/Mittermaierstraßen-Hindenburgbrücke-Jahnstraße-Chirurgische Klinik

[26. Februar 1939: letzter Mathaisemarkt in Schriesheim bis 1950]

Februar 1939: die am 9./10. November 1938 verbrannte Heidelberger Synagoge wird auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen

1. März 1939: Juden haben alle Edelmetallgegenstände und Juwelen innerhalb von vier Wochen beim Städtischen Leihamt abzuliefern

[14. März 1939: der Landtag in Pressburg ruft die Unabhängigkeit des slowakischen Staates aus]

[14./15. März 1939: Deutschland und Ungarn besetzen die restlichen Gebiete der Tschechoslowakei]

[16. März 1939: Hitler proklamiert vom Hradschin aus die Errichtung des "Reichsprotektorats Böhmen und Mähren"]

19. März 1939: „Tag der Wehrmacht“ (Tag der offenen Tür in den Kasernen)

[22./23. März 1939: deutsche Truppen besetzen das Memelland]

25. März 1939: öffentliches KdF-Singen auf dem Langemarckplatz

[29. März 1939: das republikanische Spanien ergibt sich Franco]

[31. März 1939: Polen erhält von England und Frankreich die Zusicherung seiner Unabhängigkeit]

März 1939: der Augenarzt Prof. Dr. Martin Zade, Leopoldstraße 12 (1877-1944) emigriert in die Niederlande (im August 1939 nach Großbritannien)

[1. April 1939: die Reichs-Garagenordnung tritt in Kraft. Sie soll sicherstellen, dass bei jedem Wohnhaus für potentielle Fahrzeughalter Stellplätze zur Verfügung stehen. Pro Wohneinheit wird die Errichtung eines Garagenplatzes gefordert]

1./2. April 1939: Kreistag der NSDAP in Heidelberg

[4. April 1939: 13 deutsche evangelische Landeskirchen gründen in Eisenach das ‚Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben’]

[7. April 1939: Italien marschiert in Albanien ein]

9. April 1939: Rugbyspiel Heidelberg-Verdun in Heidelberg

Sommersemester 1939: an der Universität Heidelberg sind 1841 Studierende immatrikuliert (davon 25,4% Frauen)

30. April 1939: das Reichsgesetz über Mietverhältnisse mit Juden entzieht diesen den Mieterschutz. Heidelberger Juden werden in „Judenhäusern“ (z.B. Landfriedstraße 14, Bergheimerstraße 25, Häusserstraße 4, Bluntschlistraße 4, Endemannstraße 11, Bunsenstraße 9, Gaisbergstraße 5) zusammengepfercht. (vgl. 11. Mai 1939)

6./7. Mai 1939: Fahnenweihe auf der Feierstätte Heiligenberg und Kameradschaftsabend in der Stadthalle mit Dr. Robert Ley

[10. Mai 1939: vollständige Aufhebung der Mitgliederaufnahmesperre der NSDAP vom 1. Mai 1933 für das Altreich und den Gau Danzig]

11. Mai 1939: die „Heidelberger Neuesten Nachrichten“ titeln: „Juden möglichst in bestimmten Häusern zusammengefaßt - Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ (vgl. 30. April 1939)

13. Mai 1939: Heidelberger Schloßfest des Kolonialbundes

14. Mai 1939: erste reife Kirschen an der Bergstraße

17. Mai 1939: Reichsweite Volkszählung, erstmals mit der Kategorie „Abstammung“. Heidelberg hat 86.522 Einwohner, davon 61,4% evangelisch, 32,6% katholisch, 3,5% „gottgläubig“, Juden insgesamt: 515 (davon 206 männlich), davon Glaubensjuden: 459 (davon 186 männlich), „jüdische Mischlinge 1. Grades“: 92 (davon 38 männlich). Ziegelhausen hat 4.845 Einwohner. Zum ersten Mal muß bei der Volkszählung angegeben werden, ob einer der vier Großeltern Jude ist.

20. Mai 1939: Schloß- und Brückenbeleuchtung mit Feuerwerk

[22. Mai 1939: Italien schließt mit Deutschland den „Stahlpakt“]

26. Mai 1939: Gründung der städtischen Jugendmusikschule (vgl. 1927)

27. Mai 1939: „Die Braut von Messina“ von Friedrich von Schiller wird auf der Feierstätte Heiligenberg aufgeführt

2./3. Juni 1939: Hochschultage der Universität Heidelberg

3. Juni 1939: Eröffnung der Chirurgischen Klinik (Neuenheimer Feld)

3. Juni 1939: „Die Braut von Messina“ von Friedrich von Schiller wird auf der Feierstätte Heiligenberg aufgeführt

4. Juni 1939: Schloßbeleuchtung

[6. Juni 1939: RK Hitler nimmt die Siegesparade der Legion Condor in Berlin (Lustgarten) ab]

7.-12. Juni 1939: Beethoven-Tage der Stadt Heidelberg unter Leitung von Generalmusikdirektor Kurt Overhoff

8. Juni 1939: der Fronleichnamstag ist erstmals nicht schulfrei. Abends großes Unwetter an der Bergstraße

13. Juni 1939: Großkundgebung zur Verkündigung der Erntepflicht für Studierende in der Neuen Aula. Proteste der Studierenden (vgl. 15. Juli 1939)

[13. Juni 1939: RK Hitler untersagt die Verwendung des Begriffes „Drittes Reich“]

14. Juni 1939: Benito Mussolini erhält vom deutschen Botschafter v. Mackensen als Geschenk des Reichsministers Dr. Goebbels einen Prachtband der Faksimileausgabe des Manesse-Manuskripts

21. Juni 1939: Gausonnwendfeier auf der Feierstätte Heiligenberg

21. Juni 1939: Erteilung der Genehmigung zum Bau und Betrieb der Straßenbahn-Strecke zur Chirurgie

1./2. Juli 1939: Regimentstag der 185er

2. Juli 1939: (letzte) Schloß- und Brückenbeleuchtung mit Feuerwerk [bis 4. Juli 1946] (die für den 23. September vorgesehene 4. Schloßbeleuchtung findet nicht mehr statt)

2. Juli 1939: Segnung der neuen katholischen Kirche im Pfaffengrund (vgl. 31. Juli 1938, 8. Juni 1947)

2.-8. Juli 1939: Hochschulwoche in Heidelberg

3. Juli 1939: Eröffnung der Straßenbahnlinie 2a Mittermaierstraße-Chirurgische Klinik (gesamte Streckenlänge der Straßenbahn: 41,9 km)

3. Juli-15. August 1939: Sommer-Kurse für Ausländer der Universität Heidelberg

12. Juli 1939: Eröffnung der (letzten) Reichsfestspiele Heidelberg (bis 20. August) im Beisein von Reichsminister Dr. Joseph Goebbels. Überreichung des Ehrenbürgerbriefs an Goebbels durch OB Carl Neinhaus (vgl. 17. Juli 1938)

15. Juli-30. August 1939: ca. 700 Heidelberger Studierende leisten zwangsweise Erntehilfe in Ostdeutschland

Juli 1939: das Institut für Fränkisch-Pfälzische Landes- und Volksforschung der Universität Heidelberg wird unter dem geänderten Namen Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde eröffnet (Geschäftsführer 1942-1945: Eugen Fehrle; vgl. auch 22. 12. 1938)

22./23. Juli 1939: Heidelberger Studententag

30. Juli 1939: Einweihung des Radiumsole-Frischwasser-Thermalschwimmbads (Vangerowstraße)

Juli-Oktober 1939: Kostbarkeiten aus Heidelberger Sammlungen und Universitätsinstituten (Ausstellung im Kurpfälzischen Museum)

[23. August 1939: Nichtangriffspakt Deutschland-Sowjetunion]

[26. August 1939: Allgemeine Mobilmachung im Deutschen Reich]

[27. August 1939: Einführung der Rationierung für Lebensmittel (bis 1. 5. 1950)]

[30. August 1939: die sowjetische Nachrichtenagentur TASS gibt den Plan bekannt, den zahlenmäßigen Bestand der Garnisonen an den westlichen Grenzen der UdSSR erheblich zu verstärken]

[1. September 1939: Deutscher Angriff auf Polen. - „Verordnung über außerordentlichen Rundfunkmaßnahmen“ (Verbot des Abhörens ausländischer Sender). - Juden dürfen im Sommer ab 21 Uhr, im Winter ab 20 Uhr ihre Behausung nicht mehr verlassen]

[1. September 1939: erneute Stiftung des Eisernen Kreuzes für Soldaten (vgl. 10. März 1813)]

[3. September 1939: das Vereinigte Königreich, Australien, Neuseeland und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg]

4. September 1939: Die „Heidelberger Neueste Nachrichten“ titeln: „Der Überfall auf Deutschland. England und Frankreich erklären den Kriegszustand“

[4. September 1939: Verordnung über die Durchführung der Reicharbeitsdienstpflicht für die weibliche Jugend (gilt nicht für Mädchen, die in der Berufsausbildung bzw. im Studium stehen; vgl. 26. Juni 1935]

[5. September 1939: US-Präsident F. D. Roosevelt erklärt in Washington die Neutralität Amerikas]

[10. September 1939: Verordnung über den Pass- und Sichtvermerkszwang sowie über den Ausweiszwang. Einführung der Ausweispflicht im Deutschen Reich]

12. September 1939: DAF-Kulturgemeinde Heidelberg

[15. September 1939: in Moskau wird ein Neutralitätspakt mit Japan unterzeichnet, der die Kämpfe im japanisch-sowjetischen Grenzkonflikt beendet]

[17. September 1939: Angriff der Roten Armee auf Polen, Kämpfe und militärische Besetzung Ostpolens bis 6. Oktober 1941]

26. September 1939: Eröffnung der Spielzeit des städtischen Theaters mit „Maria Stuart“

[27. September 1939: Warschau kapituliert vor den deutschen Truppen]

28. September 1939: Gründung des HS-Reisebüros (Heidelberger Stadt-Reisebüro, Leopoldstraße 2)

[28. September 1939: deutsch-sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag bestimmt die Demarkationslinie der Einflußsphären im polnischen Staat]

30. September 1939: „Russische Musik“. Hausmusik der Heidelberger Gesellschaft zur Pflege der Heimatkunde

2. Oktober 1939: städtisches Ernährungsamt und Wirtschaftsamt werden in das Haus der Kunst (Sophienstraße 12) verlegt

[6. Oktober 1939: die letzten regulären polnischen Einheiten kapitulieren]

[Oktober 1939: ca. 6000 Juden u.a. aus Wien werden ins Generalgouvernement Polen deportiert]

15. Oktober 1939: Die Malerei der Gegenwart (Eröffnung der Ausstellung des Kunstvereins im Kurpfälzischen Museum)

[17. Oktober 1939: das Reichssicherheitshauptamt ordnet an, daß „Zigeuner und Zigeunermischlinge“ ihren Aufenthaltsort nicht mehr verlassen dürfen („Festschreibungserlaß“)]

19. Oktober 1939: Wiedereröffnung der Hotelfachschule

[20. Oktober 1939: Antritts- Enzyklika „Summi Pontificatus“ des Papst Pius XI.]

25. Oktober 1939: Auflösung des Verein gesetzestreuer Juden

2. November 1939: Verlängerung der Straßenbahn-Strecke zur Chirurgie um 120 m bis direkt vor das Institut

[8. November 1939: Attentat von Johann Georg Elser auf Hitler]

[14. November 1939: im Deutschen Reich werden die ersten »Reichskleiderkarten« ausgegeben]

15. November 1939: wegen der Einmündung der Reichsautobahn Heidelberg-Frankfurt wird die Trasse der Straßenbahn nach Wieblingen zwischen Theodor-Körner-Straße und OEG-Güterbahnbrücke in die Vangerowstraße verlegt

[30. November 1939: sowjetischer Angriff auf Finnland]

1939: Franz Mayer Kreisgeschäftsführer der NSDAP Heidelberg

1939: Artur Rosenthal (†1959), seit 1922 Extraordinarius für angewandte Mathematik an der Universität Heidelberg, emigriert nach vierwöchiger "Schutzhaft" in Dachau (1938) in die USA

1939: die Stadt Heidelberg scheidet aus dem 1938 gebildeten Landkreis Heidelberg aus und wird kreisfreie Stadt, bleibt aber weiterhin Sitz des Landkreises

1939: die Marienstatue auf dem Kornmarkt wird durch eine Kopie des Bildhauers Hans Fries ersetzt (Original von 1718, seit 1940 im Kurpfälzischen Museum) (vgl. 1949, August 1986)

1939: Ziegelhausen hat 4845 Einwohner. In 230 Wäschereien sind ca. 1200 Personen tätig

1939: in Heidelberg sind 4900 Kfz gemeldet

1939: das 1913 in Frankfurt gegründete Planeteninstitut wird nach Heidelberg verlegt und der Sternwarte angegliedert

1939: die Universitätsbibliothek Heidelberg erhält 1.426 Urkunden, Briefe und Archivalien aus der Sammlung des verstorbenen Weinheimer Kaufmanns Ernst Fischer („Sammlung Fischer“)

1939: die Schreibfedernfabrik Peter Bock (Handschuhsheim) wird gegründet

1939: die Tabakfabrik Flegenheimer (Hardtstraße 9) mit über 230 Beschäftigten schließt als letzte jüdische Fabrik in Heidelberg

1939: das Victor-Goldschmidt-Institut für Kristallkunde der von Portheim-Stiftung wird aufgelöst und als kristallographische Abteilung in das Mineralogisch-Petrographische Institut der Universität eingegliedert.

1939: drei „Dolinen“ (Erdfälle) zwischen Schweinsbrunnen und Dachsbuckel werden unter Naturschutz gestellt

1939: Verlegung des Internats des Evangelischen Landerziehungsheims für Mädchen Schloß Wieblingen nach Tutzing (bis April 1941; vgl. April 1927, 1928, 1930, 1938, 1945, 1946)

1939-1964: Hans Eberle (1905-1991) Pfarrer der evangelischen Auferstehungsgemeinde Pfaffengrund

1939-1945: die Taubstummenanstalt in der Quinckestraße 69 ist Reservelazarett für die Wehrmacht

[Januar-Dezember 1940: in Grafeneck bei Reutlingen werden über 10.000 Geisteskranke mit Gas ermordet]

8. Januar 1940: der Lehrbetrieb an der Universität Heidelberg, der bei Kriegsbeginn eingestellt wurde, wird wieder eröffnet. Einteilung das akademischen Jahrs in Trimester (bis SS 1941)

19. Januar 1940: -26°C gemessene Temperatur in Heidelberg

30. Januar 1940: Einstellung der Straßenbahn-Linie 3 wegen Personalmangel (vgl. 6. Oktober 1940)

[3. Februar 1940: im Deutschen Reich wird angeordnet, daß auch für Säuglinge Kleiderkarten ausgegeben werden]

[6. Februar 1940: der Elsässer Dr. Karl Roos wird in Frankreich als Spion erschossen]

[12. Februar 1940: 1000 Juden aus Stettin und Umgebung werden aus den Wohnungen geholt und in drei Dörfer bei Lublin abgeschoben]

[12. März 1940: finnisch-sowjetischer Friedensvertrag von Moskau. Finnland muß einen Teil von Westkarelien (Ladoga-Karelien und die Karelische Landenge), das Salla-Gebiet und den finnischen Teil der Fischerhalbinsel abtreten und den Stützpunkt Hanko verpachten]

30. März 1940: In einem Festakt wird ein von dem Heidelberger Maler Herbert Grass an der Wand des Treppenhauses der Oberrealschule („Philipp-Lenard-Schule“) geschaffenes „Lenard-Fresko“ übergeben.

[1. April 1940-2. November 1942: im Deutschen Reich wird die Sommerzeit eingeführt]

[9?. April 1940: Dänemark und Norwegen werden von Deutschland besetzt]

[12. April 1940: die Färöer werden von Großbritannien besetzt]

April 1940: auf Beschluß der Stadtverwaltung wird die von König Ludwig I. von Bayern gestiftete und am 21. August 1860 enthüllte 44 Zentner schwere Bronzefigur des Marschall Wrede (1767-1838) auf dem Wredeplatz (Heckemarkt) abtransportiert und der Metallspende überwiesen (Die Heidelberger Zeitung titelt am 17. April 1940: „Wrede zieht wieder in den Krieg!“)

Wrede-Denkmal in Heidelberg

29./30. April 1940: erster alliierter Fliegerangriff auf Heidelberg mit Zerstörungen

[10. Mai 1940: Beginn des Westfeldzugs (“Battle of France“ -22. Juni 1940). Einmarsch deutscher Truppen in Holland, Belgien. Luxemburg. Durch einen irrtümlichen Bombenangriff auf Freiburg durch die deutsche Luftwaffe sterben 57 Einwohner der Stadt]

[14. Mai 1940: deutscher Luftangriff auf Rotterdam (mehr als 900 Tote). Kapitulation der Niederlande und Belgiens]

[16. Mai 1940: Beginn der Deportation der Zigeuner aus dem Gebiet des Deutschen Reiches. In Ludwigshafen werden 61 Personen, darunter viele aus Heidelberg stammende, festgenommen und ins „Generalgouvernement“ deportiert]

[5. Juni 1940: deutsche Piloten fliegen die ersten Angriffe gegen Flughäfen und Militäranlagen in Südengland]

[5. Juni 1940: Schlacht um Frankreich. Angehörige des Inf. Rgt. 110 Mannheim-Heidelberg zerstören das französische Dorf Licourt-sur-Somme]

[10. Juni 1940: Italien tritt in den Krieg ein]

[14. Juni 1940: deutscher Einmarsch in Paris]

[15. Juni 1940: die Rote Armee marschiert in Litauen ein]

18. Juni 1940: Ehrung des Dichters Max Halbe in Heidelberg (Gedenktafel Mittelbadgasse 12)  

[20. Juni 1940: Robert Wagner Gauleiter des Gau Baden-Elsaß]

[22. Juni 1940: Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich]

[30. Juni-1. Juli 1940: die Kanalinseln werden von deutschen Truppen kampflos erobert]

[3. Juli 1940: Operation Catapult der Royal Navy gegen den Großteil der im Hafen von Mers-el-Kébir liegenden Flotte des ehemaligen Verbündeten Frankreich. Die Flotte sollte weitgehend ausgeschaltet werden, um eine mögliche Übergabe der Schiffe durch Frankreich an Deutschland zu verhindern. Die Operation startet am frühen Morgen zusammen mit der Operation Grasp, bei der alle in britischen Gewässern befindlichen französischen Schiffe gekapert und beschlagnahmt werden. Bei dem Angriff in Mers-el-Kébir sterben rund 1300 französische Seeleute. Sechs britische Flugzeuge werden von französischen Flugabwehrkanonen abgeschossen. Die Franzosen fliegen anschließend einen Vergeltungsangriff auf Gibraltar, bei dem aber nur geringe Schäden verursacht werden. Der Angriff schädigt das Verhältnis zwischen Frankreich und Großbritannien nachhaltig und stärkt den Rückhalt des Vichy-Regimes in der französischen Armee.]

[10. Juli-31. Oktober 1940: Battle of Britain (Luftschlacht um England)]

[10. Juli 1940: Pierre Laval läßt die Machtbefugnisse in Frankreich auf Feldmarschall Pétain übertragen, der damit faktisch Staatschef mit diktatorischer Macht wird]

13. Juli 1940: Empfang von Einheiten der aus dem Feld zurückkehrenden Truppen in Heidelberg

[18. Juli 1940: Entzug der Rundfunkgenehmigung für Juden]

29./30. Juli 1940: eine Fliegerbombe beschädigt die Stadthalle

15. August 1940: Gründung der Robert-Bunsen-Schule, Oberschule für Knaben in Heidelberg als Tochtergründung der Philipp-Lenard-Schule. Schulleiter: OstD Gustav Merklein aus Lahr (vgl. 1945, 1950)

[20. August 1940: der sowjetische Agent Ramón Mercader ermordet Leo Trotzki in Mexiko]

29. August 1940: OB Neinhaus verbietet den Juden das Betreten der öffentlichen Anlagen

[30. August 1940: die Außenminister Deutschlands, Italiens, Ungarns und Rumäniens unterzeichnen in Wien einen Schiedsspruch, der Rumänien verpflichtet, das nördliche Siebenbürgen und das Széklerland an Ungarn abzutreten]

16. September 1940: Einweihung der Robert-Bunsen-Schule, Oberschule für Knaben in Neuenheim [im Gebäude der Lehrerbildungsanstalt, Keplerstraße]

17. September 1940: Beginn des Unterrichts an der Robert-Bunsen-Schule

20. September 1940: Bombenabwürfe englischer Flieger auf ein Haus zwischen Pfaffengrundstraße und Finkenweg (Pfaffengrund, 3 Tote)

[27. September 1940: Deutschland schließt mit Italien und Japan den Dreimächtepakt, in dem sich die Beteiligten zur militärischer, wirtschaftlicher und politischer Hilfe verpflichten]

[September 1940: Ausschluß der Juden vom Fernsprechverkehr]

1. Oktober 1940: Einzug des Heidelberger Heimat-Infanterie-Regiments 110 nach dem Frankreich-Feldzug  (vgl. 7. Oktober 1937)

6. Oktober 1940: Wiederinbetriebnahme der am 30. Januar 1940 eingestellten Straßenbahn-Linie 3

7. Oktober 1940: Kaufvertrag zwischen der Stadt Heidelberg und der jüdischen Gemeinde über eine 50 Ar große Erweiterung des jüdischen Friedhofs. Der Kaufpreis von 4894 RM gelangt nicht zur Auszahlung

12. Oktober 1940: Eröffnung der Berufsfachschule für Hotel- und Gaststättengehilfinnen im Schloßhotel  

22. Oktober 1940: 282 Juden aus Heidelberg und ca. 114 aus den Gemeinden des Landkreises werden mit anderen Juden aus Baden und der Pfalz in das Internierungslager Gurs (Pyrénées orientales) verschleppt. In einer der ersten Massendeportationen werden 6504 in Baden, der Pfalz und im Saarland beheimatete jüdische Bürger festgenommen und zu Fuß, mit Lastwagen, Militärfahrzeugen zu den bereitstehenden Zügen verfrachtet. Um 18.15 fährt der Zug im Hauptbahnhof ab. Manche der Betroffenen haben nur eine Viertelstunde Zeit, andere zwei bis drei Stunden, um das Wichtigste aus ihrer Habe zusammenzupacken. Mitzunehmen sind erlaubt 50 kg Gepäck und 100 RM in Bargeld pro Person. Ausgenommen sind nur akut Kranke, ein Teil des Pflegepersonals, nahe Angehörige Schwerkranker sowie die jüdischen Partner in „Mischehen“. Alter oder Gebrechen sind keine Hinderungsgründe. Der Anteil von sehr alten Leuten ist besonders groß. 55 Heidelberger sterben in Gurs, 31 an anderen Orten Frankreichs, 109 finden in den Vernichtungslagern des Ostens den Tod. 91 der Deportierten überleben. Das Schicksal von 13 Personen ist unbekannt. (vgl. Norbert Giovannini, Die Ausweisungen und Deportationen der jüdischen Einwohner Heidelbergs 1937-1945, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. X (2005/2006), S. 105ff.)

Bericht einer Deportierten

Brief Alfred Momberts vom 30. Oktober 1940

[28. Oktober 1940: Italien überfällt Griechenland]

[12./13. November 1940: sowjetischer Außenminister Molotow in Berlin]

[14./15. November 1940: deutscher Luftangriff auf Coventry (554 Tote)]

22. November 1940: Jahresfeier der Universität (Reden von Gerhard Dulckeit und Paul Schmitthenner)


November 1940: das Eigentum der am 22. Oktober 1940 Deportierten wird in Heidelberg öffentlich versteigert

[6. Dezember 1940: der Vatikan verurteilt den „Gnadentod“ (Euthanasie)]

[16./17. Dezember 1940: erster schwerer alliierter Luftangriff auf Mannheim]

[18. Dezember 1940: Hitler unterschreibt den Befehl zum Angriff auf die Sowjetunion (vgl. 3. Februar 1941)]

1940: bei Winter in Heidelberg erscheint Die Flurnamen von Heidelberg. Straßen/Plätze/Feld/Wald. Eine Stadtgeschichte von Herbert Derwein

1940: von Reinhard Hoppe erscheint Dorfbuch der Gemeinde Ziegelhausen mit dem Ortsteil Peterstal

1940: Wilhelm Rühling gründet in Heidelberg den F. H. Kerle Verlag

1940: die 1930 gegründete katholische St. Raphaelschule wird auf Erlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung aufgelöst, die Schulgebäude unter anderem von der Firma Brown, Boveri & Cie benutzt, die als kriegswichtiger Betrieb aus Mannheim ausgelagert war (vgl. Oktober 1945)

1940: Kurt Maßmann ist Leiter des Kultur- und Nachrichtenamts der Stadt Heidelberg

1940: Friedrich Ernst Meinecke ist Direktor des städtischen Verkehrsamtes in Heidelberg

[3. Januar 1941: „Verbot“ der Frakturschrift in Deutschland, Umstellung aller deutschen Zeitungen auf Antiquaschrift; vgl. 1. September 1941]

[30. Januar 1941: „England-Rede“ Adolf Hitlers]

[3. Februar 1941: Hitler billigt den Feldzugsplan gegen die Sowjetunion (bereits in der Direktive vom 18. Dezember 1940 umrissen)]

10. März 1941: Veranstaltung Junge deutsche Musik in Heidelberg

[11. März 1941: US-Lend-lease-Gesetz tritt in Kraft]

[25. März 1941: das Königreich Jugoslawien tritt dem Dreimächtepakt bei]

[27. März 1941: Eröffnung des Instituts zur Erforschung der Judenfrage von Alfred Rosenberg in Frankfurt]

[6. April 1941: deutsche Truppen marschieren in Jugoslawien ein]

[13. April 1941: Japan und Sowjetunion schließen einen einen Neutralitätspakt]

24. April-30. Juli 1941: Sommersemester der Universität Heidelberg (anstelle der Einteilung das akademischen Jahrs in Trimester seit 1940)

April 1941: Rückkehr des Internats des Evangelischen Landerziehungsheims für Mädchen Schloß Wieblingen aus Tutzing ( vgl. April 1927, 1928, 1930, 1938, 1939, 1945, 1946)

2. Mai 1941: der Germanist Dr. Hermann Eckert aus Mannheim wird Leiter der Volksbücherei Heidelberg (Nachfolger von Georg Zink; vgl. 22. Dezember 1933)

4. Mai 1941: Eröffnung der Höheren Handelsschule mit Drogistenfachabteilung (Robert-Bunsen-Schule, Keplerstraße, westlicher Teil)

[10. Mai 1941: Rudolf Heß fliegt nach Schottland]

[12. Mai 1941: Konrad Zuse stellt die von ihm und Helmut Schreyer gebaute Rechenmaschine Z3 vor (vollautomatischer, in binärer Gleitkommarechnung arbeitender Rechner mit Speicher und einer Zentralrecheneinheit aus Telefonrelais, gilt als erster funktionstüchtiger Computer der Welt. Original am 21. Dezember 1943 bei einem Bombenangriff zerstört)]

25. Mai 1941: die letzte Ausgabe der Zeitung „Die Kirche. Evangelisch-protestantisches Sonntagsblatt für die Christuskirche in Heidelberg“ (Nr. 21, 64. Jahrgang) erscheint

Mai 1941: das Heidelberger Fremdenblatt stellt sein Erscheinen ein (bis April 1950)

4. Juni 1941: RK Hitler ordnet die Neugestaltung von Heidelberg an. Generalbauinspektor Prof. Albert Speer wird mit der Durchführung beauftragt. Heidelberg als „Reichsausbauort“ westlich von der Altstadt soll ein gebautes Dokument des „Dritten Reiches“ werden: Festspielhaus, Aufmarschstraßen, grenzenlose Stadträume, weitreichende Perspektiven samt Überleitung in die Reichsautobahn.

9. Juni 1941: Eröffnung des Großmarkts Heidelberg (vgl. 25. Mai 1930)

14. Juni 1941: Ludwig Paul Schmitthenner, Rektor der Universität Heidelberg, verh. mit Emma geb. Grimmel-Landfried, hält eine Rede anlässlich der Überreichung der Urkunde zur Ernennung von Staatssekretär Dr. Friedrich Landfried zum Ehrensenator der Universität Heidelberg

15. Juni 1941: Mozart-Tage in Heidelberg

[17. Juni 1941: RK Hitler ordnet an, daß die Dienstzeit der zum RAD eingezogenen Frauen um 6 Monate verlängert wird („Kriegshilfsdienst“ )]

[18. Juni 1941: deutsch-türkischer Freundschaftsvertrag]

[22. Juni 1941: deutscher Überfall auf die Sowjetunion. Italien, Rumänien, Slowakei erklären der Sowjetunion den Krieg]

[25. Juni 1941: Finnland erklärt der Sowjetunion den Krieg]

[27. Juni 1941: Ungarn erklärt der Sowjetunion den Krieg]

[28. Juni 1941: deutsche Truppen erobern Minsk]

[Juni 1941: US-Präsident Franklin F. D. Roosevelt verbietet die Diskriminierung von Nichtweißen in der US-Armee]

[5. Juli 1941: deutsche und rumänische Truppen erobern Czernowitz]

[26. Juli 1941: Schlacht bei Stary Bychow (Dniepr)]

[Juli 1941: das Reichspropagandaamt bestimmt, daß Traueranzeigen für Kriegstote nur noch von Angehörigen des Gefallenen aufgegeben werden dürfen]

1. August 1941: Eröffnung der verstaatlichten „Schule Schloß Wieblingen - Oberschule für Mädchen - Deutsche Heimschule" (Leiter: Prof. Philipp Leibrecht) (vgl. April 1927, 1945)

1. August 1941: Gründung des Paläographischen Instituts der Universität Heidelberg durch Karl Preisendanz

[1. August 1941: Galizien wird dem Generalgouvernement angeschlossen]

[3. August 1941: Bischof Galen in Münster verurteilt in einer Predigt die Euthanasie]

11. August 1941: Einstellung der Straßenbahn-Linie 3 wegen Personalmangel (vgl. 6. Oktober 1940, 30. Januar 1940, 1. September 1948)

12. August 1941: Maria Gress aus Freiburg tritt als erste regulär ausgebildete Bibliothekarin ihren Dienst bei der Volksbücherei Heidelberg an (Direktorin bis 1972)

[14. August 1941: US-Präsident F. D. Roosevelt und Premierminister Winston Churchill unterzeichnen auf dem britischen Schlachtschiff „Prince of Wales“ in der Placentia-Bucht vor Neufundland die Atlantik-Charta]

[25. August 1941: sowjetische und britische Truppen besetzen den neutralen Iran und zwingen Rezâ Schah Pahlavî zur Abdankung]

Sommer 1941: eine Widerstandsgruppe um den Schriftsetzer Georg Lechleiter gibt in Mannheim die illegale Zeitung „Der Vorbote“ heraus (vgl. 26. Februar 1942) http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Lechleiter

[1. September 1941: Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden. Alle Juden, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, müssen ab 15. September einen „Judenstern“ tragen. Das Tragen von Orden und Ehrenzeichen wird ihnen verboten]

[1. September 1941: Erlaß des Reichserziehungsministeriums, daß die Antiquaschrift als alleinige Schreibschrift gelehrt werden soll, vgl. 3. Januar 1941]

[18. September 1941: Benutzungsverbot für städtische Verkehrsmittel während der Hauptverkehrszeiten für Juden]

[24. September 1941: de Gaulle gründet das Comité national français, die Exilregierung des Freien Frankreichs]

[29./30. September 1941: 33.771 Juden werden von SS und Wehrmacht in der Schlucht von Babij Jar bei Kiew ermordet]

[September 1941: der Oberste Sowjet der UdSSR schafft die Republik der Wolgadeutschen ab]

1. Oktober 1941: Gründung des Instituts für Großraumwirtschaft (IfG) an der Staats- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg. Leiter: Walter Thoms. Sitz: Augustinergasse 15. Am 19.März 1946 aufgelöst.

[1. Oktober 1941: Emigrationsverbot im Deutschen Reich]

[2. Oktober 1941: Beginn des Unternehmens „Taifun“, dem Angriff der deutschen Truppen auf Moskau]

[15. Oktober 1941: die deutsche Armee steht 100 km vor Moskau]

[24. Oktober 1941: Verbot freundschaftlicher Beziehungen von Deutschen zu Juden]

[2. November 1941: deutsche Truppen erobern Simferopol]

8. November 1941: Ludwig Paul Schmitthenner, Rektor der Universität Heidelberg, hält eine Rede anläßlich der Ernennung von Prof. Dr. Carl Krauch zum Dr. rer. nat. h. c. der Universität Heidelberg

[26. November 1941: Die „Hull-Note“ wird von den USA an Japan überreicht, de facto der Schlusspunkt der Verhandlungen zwischen beiden Ländern. Die japanische Regierung faßt dies als Ultimatum auf und entschließt sich zum Eintritt in den Krieg]

[6. Dezember 1941: Beginn der Gegenoffensive der sowjetischen Truppen]

[7. Dezember 1941: Japanischer Überfall auf Pearl Harbour]

[7. Dezember 1941: sog. „Nacht-und-Nebel-Erlass“ Hitlers. Danach werden Zivilisten in den besetzten Gebieten, die von den deutschen Besatzungsbehörden oder deren Kollaborateure einer Straftat gegen das Deutsche Reich beschuldigt werden, entweder sofort zum Tod verurteilt und hingerichtet oder ohne jede Information anderer nach Deutschland verschleppt]

[11. Dezember 1941: Deutschland erklärt den USA den Krieg]

18. Dezember 1941: Oberbürgermeister a.D. Prof. Dr. Ernst Walz stirbt

[23. Dezember 1941: Ausschluß der Juden vom Bezug deutscher Zeitungen und Zeitschriften]

[25. Dezember 1941: die britische Armee kapituliert vor den Japanern in Hongkong]

1941: die 1344 erstmals erwähnte Obermühle („Leitzsche Mühle“) in Schlierbach wird zerstört

1941: Bau des Sportplatzes des TV Handschuhsheim am Hellenbach (Dossenheimer Landstraße 125)

1941: in Heidelberg gibt es 70 Straßenbriefkästen

1941: Verbot der Christengemeinschaft. Pfarrerin Johanna Doflein (†1967) kommt für 3 Wochen ins Gefängnis.

1941: Umbenennung der Josefine-und-Eduard-von-Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst in „Heidelberger Stiftung für Kunst und Wissenschaft“

1941: die Vereinigung westdeutscher Waggonfabriken in Köln verkauft die Fuchssche Waggonfabrik an die Dillinger Hüttenwerke AG (Saarland) (vgl. 1929, 1930)

1941: Verlegung des Betriebs der OEG-Strecke zwischen Handschuhsheim und Dossenheim auf eine eigene Trasse

1941: die 1921 entdeckten mittelalterliche Fresken in der Gutleuthofkapelle (Schlierbach) werden unter dem Restaurator Fritz Winkler (Karlsruhe) freigelegt

1941/1942: Errichtung eines Luftfahrtinstituts (Bergstraße 106/108, Villa Krehl)

1941-1948: der Architekt Otto Bartning leitet die Bauhütte bei Heiliggeist

[1. Januar 1942: 26 Staaten, darunter die Sowjetunion, unterzeichnen in Washington den Pakt der Vereinten Nationen]

4. Januar 1942: Eröffnung des Instituts für Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs der Universität Heidelberg. Leiter: Walter Thoms.

[12. Januar 1942: Einführung der Feldküchengerichte in den Gaststätten des Deutschen Reiches]

[20. Januar 1942: „Wannsee-Konferenz“ zur „Endlösung der Judenfrage“]

[8. Februar 1942: Fritz Todt, Reichsminister für Bewaffnung und Munition, kommt bei einem Flugzeugunfall ums Leben. Hitler ernennt Albert Speer zum Nachfolger]

[15. Februar 1942: die britische Armee kapituliert vor den Japanern in Singapur. - Albert Speer wird Reichsminister für Bewaffnung und Kriegsproduktion]

20. Februar 1942: Beschlagnahme der Kaiserglocke von 1872 der Friedenskirche Handschuhsheim

ab 26. Februar 1942: Der Schriftsetzer Georg Lechleiter und weitere 31 Mitglieder einer Widerstandsgruppe werden in Mannheim und Heidelberg verhaftet. Sie haben die illegale Zeitung „Der Vorbote“ herausgegeben und verteilt. Drei Gefangene sterben in der Haft. 19 Beteiligte werden später hingerichtet. http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Lechleiter vgl. Dieter Fehrentz, Hans-Martin Mumm, Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 271-291

1. März 1942: Trennung der Kirchheimer Katholiken von der Pfarrei Heidelberg-Rohrbach und Vereinigung zur katholischen Pfarrei St. Peter in Heidelberg-Kirchheim

[1. März 1942: Einziehung der Kupfermünzen im Deutschen Reich]

4. März 1942: der Waldwegwart Andreas Arnold wird bei Holzeinschlagsarbeiten im Stadtwald am Auerhahnenkopf-Ringweg von einem herabfallenden Ast schwer verletzt. Arnold war als Aufsichtsperson mit französischen Kriegsgefangenen tätig. Die Franzosen sind im Hotel Schwarzes Schiff in Schlierbach untergebracht. Sie tragen den Verletzten zur Orthopädischen Klinik, wo er seinen Verletzungen erliegt. Das städtische Forstamt stellt später ein Holzkreuz an der Unglücksstelle auf.

5. März 1942: OB Dr. Carl Neinhaus verfügt die Umbenennung der städtischen Volksbücherei in Stadtbücherei (vgl. 1933)

[21. März 1942: Fritz Sauckel wird Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz]

22. März 1942: Sommertagszug in Heidelberg

[24. März 1942: Benutzungseinschränkung für öffentliche Verkehrsmittel für Juden im Reich]

25. März 1942: die Pfarrei St. Peter in Kirchheim wird errichtet

10. April 1942: Freifrau Violetta von Waldberg (*16. 10. 1877), Ehefrau des Professors für Neuere deutsche Literaturgeschichte Max Freiherr von Waldberg (†6. November 1938 in Heidelberg), begeht angesichts der drohenden Deportation mit 65 Jahren Selbstmord

[26. April 1942: letzte Sitzung des Deutschen Reichstags. Der bei dieser Sitzung einstimmig gefaßte Beschluss hebt die letzten Reste der Vorrechte der Beamten auf und macht Hitler endgültig zur letzten Entscheidungsinstanz]

Frühjahr 1942: der Heidelberger Kunstverein zeigt die Ausstellung „Deutsche Zeichnung“, darunter eine Auswahl aus der Kupferstichsammlung von Aloys Schreiber (1761-1841) im Kurpfälzischen Museum

4. Mai 1942: Pfarrkurat Franz Sales Grießbaum wird von Erzbischof Dr. Konrad Gröber zum Pfarrer der Pfarrei Kirchheim investiert

[9.-11. Mai 1942: Konferenz im Biltmore-Hotel New York]

14./15. Mai 1942: Prozeß gegen 14 Angehörige der Widerstands-Gruppe um den Schriftsetzer Georg Lechleiter im Justizgebäude des Mannheimer Schlosses (alle Angeklagten werden zum Tode verurteilt)

[26. Mai-11. Juni 1942: Schlacht von Bir Hakeim/Lybien]

7. Juni 1942: Prof. Dr. Philipp Lenard wird an seinem 80. Geburtstag Ehrenbürger der Universität Heidelberg

[10. Juni 1942: SS-Einheiten brennen in dem Dorf Lidice (zwischen Prag und Kladno) alle 95 Häuser nieder. Sie erschießen die 199 männlichen Bewohner und verschleppen 184 Frauen und 90 Kinder]

21. Juni 1942: ein 47jähriger russischer Zivilarbeiter, Schlosser bei Fuchs-Waggon, der am 17. Juni 1942 aus dem Kirchheimer Lager geflohen war, wird auf dem Bruchhäuser Hof von einem deutschen Arbeiter entdeckt. Die Polizei bringt ihn in den Arrestraum der Fa. Fuchs-Waggon, wo er um 17 Uhr erhängt aufgefunden wird. (Habersack 2013, S. 280)

[16./17. Juli 1942: die französische Polizei verhaftet 20.000 überwiegend ausländische Juden in Paris („grand rafle“) und sperrt 12.884 „heimatlose Juden“ im Vélodrome d’Hiver ein]

[Juli 1942-Oktober 1943: in der "Aktion Reinhardt" werden über zwei Millionen Juden sowie rund 50.000 Roma des "Generalgouvernements" (deutsch besetztes Polen und Ukraine) in den drei Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet]

[7. August 1942: amerikanische Truppen landen auf Guadalcanar/Salomonen]

[9. August 1942: Edith Stein wird im Frauenlager Birkenau-Auschwitz ermordet]

[19. August 1942: Operation Jubilee (Dieppe Raid), Landungsoperation der Westalliierten gegen den Hafen von Dieppe in Nordfrankreich. Beteiligt sind 237 Schiffe und 7500 kanadische, US-amerikanische, britische, polnische und französische Soldaten. Die Operation wird unter hohen alliierten Verlusten von bis zu 70 % der eingesetzten Streitkräfte abgebrochen]

[22. August 1942: Brasilien erklärt Deutschland den Krieg]

25. August 1942: Leontine Goldschmidt, Mitgründerin der Josefine-und-Eduard-von-Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst begeht angesichts der drohenden Deportation mit 79 Jahren in ihrer Wohnung (im Haus des Augenarztes Prof. Dr. Martin Zade, Leopoldstraße 12, der im März 1939 nach England emigrierte) Selbstmord. - Der gesamte Haushalt mit dem Nachlaß ihres Mannes Victor Goldschmidt gerät in die Hände der Gestapo (verschollen). - Die Josefine-und-Eduard-von-Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst wird in „Heidelberger Stiftung für Kunst und Wissenschaft“ umbenannt.

[2./3. September 1942: ein Luftangriff auf die Badische Landesbibliothek Karlsruhe vernichtet den größten Teil ihres Altbestandes (367.000 Bände), darunter sämtliche Bestände der Kriegssammlung]

15. September 1942: Hinrichtung von Käthe und Alfred Seitz und 12 anderer Mitglieder der Lechleiter-Gruppe in Stuttgart (vgl.: Dieter Fehrentz, Hans-Martin Mumm, Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 271-291)

1. Oktober 1942: die erste Zweigstelle der Stadtbücherei wird in Rohrbach eröffnet (Heinrich-Fuchs-Straße 10)

17. Oktober 1942: die1891 enthüllte Bronzestatue Viktor von Scheffels von Prof. Adolf Heer auf der Schloßterrasse wird zusammen mit Heidelberger Glocken zum Einschmelzen abtransportiert

22. Oktober 1942: Prozeß gegen 11 weitere Angehörige der Widerstands-Gruppe um Georg Lechleiter am OLG Stuttgart (5 Angeklagte zum Tode verurteilt)

[2. November 1942: Beginn der Winterzeit (MEZ-1h) im Deutschen Reich (vgl. 1. April 1940)]

[5. November 1942: britische Truppen erobern Madagaskar]

[8. November 1942: amerikanisch-britische Truppen landen in Nordafrika]

[11. November 1942: italienische und deutsche Truppen marschieren ins unbesetzte Frankreich ein, besetzen Korsika und entwaffnen das Waffenstillstandsheer]

[12. November 1942: Aufhebung der Zustellung von Paketen und Päckchen an Juden]

[13.-15. November 1942: Seeschlacht von Guadalcanar/Salomonen]

[27. November 1942: die französische Flotte versenkt sich im Hafen von Toulon]

[30. Oktober 1942: der britische Zerstörer HMS Petard bringt im Mittelmeer das deutsche U-Boot U 559 auf, die Briten erbeuten wichtige geheime Schlüsselunterlagen, mit deren Hilfe sie am 12. Dezember 1942 die deutsche Verschlüsselungsmaschine ENIGMA-M4 knacken]

[16. Dezember 1942: Heinrich Himmler befiehlt die Deportation aller noch im Reichsgebiet lebenden Zigeuner („Ausschwitz-Erlaß“)]

1942: Alfons Beil, Gertrud Luckner, Hermann Maas, Marie Baum und Richard Hauser treffen im „Marienhaus“ in Heidelberg zusammen, um zu beraten, was für Verfolgte des Naziregimes getan werden könne

1942: Willy Hellpach wird Direktor des neu eingerichteten Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg

1942: von Kurt Maßmann erscheint bei der Heidelberger Verlagsanstalt "Große Liebe zu Heidelberg. Preislied deutscher Dichter auf eine deutsche Stadt"

1942: die Glocken der St. Vitus-Kirche Handschuhsheim werden zum Einschmelzen vom Turm geholt (vgl. 20. Februar 1942, 17. Oktober 1942) - Die 1883 gegossene Lutherglocke und die kleine Glocke der evangelischen Kreuzkirche Wieblingen werden zur Einschmelzung für Kriegszwecke abgeliefert (vgl. 1917)

1942: der alte jüdische Friedhof im Klingenteich wird von der Stadt Heidelberg übernommen. Der Kaufpreis von 9830 RM wird nicht ausbezahlt (Friedhof 1951 der Pflege der jüdischen Kultusgemeinde übergeben)

1942/43: Im Wintersemester sind an der Universität Heidelberg 3859 Studentinnen und Studenten immatrikuliert, 53 ordentliche Professoren sind tätig

1942/43: das bis 1947 letzte Adreßbuch für die Städte Heidelberg, Wiesloch und Umgebung (Gemeinden Ziegelhausen mit dem Ortsteil Peterstal und Leimen (Jahrgang 1943) erscheint

1. Januar 1943: Prof. Karl Heinrich Bauer übernimmt die Leitung der am 3. Juni 1939 eröffneten Chirurgischen Klinik

[14.-26. Januar 1943: Konferenz von Casablanca. Churchill und F. D. Roosevelt einigen sich auf bedingungslose Kapitulation der Achsenmächte als Kriegsziel]

[2. Februar 1943: General Paulus kapituliert vor Stalingrad]

15. Februar 1943: die Schüler der Geburtsjahrgänge 1926 und 1927 aus der 6. und 7. Klasse der Heidelberger Gymnasien werden als Luftwaffenhelfer für Flakstellungen um Mannheim und Ludwigshafen eingezogen

[15. Februar 1943: der Reichskolonialbund wird auf Weisung von Martin Bormann aufgelöst und das Vermögen auf die NSDAP übertragen; vgl. 10. Juni 1933, 12. Mai 1936] https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskolonialbund

[18. Februar 1943: Rede von Reichsminister Dr. Joseph Goebbels über den totalen Kriegseinsatz im Sportpalast/Berlin]

[23. Februar 1943?: die Türkei erklärt Deutschland den Krieg]

24. Februar 1943: Hinrichtung von Albert Fritz und 4 weiterer Mitglieder der Lechleitergruppe (vgl. Dieter Fehrentz, Hans-Martin Mumm, Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 271-291)

29. März 1943: die seit 15. Februar 1943 als Luftwaffenhelfer für die Flakstellungen um Mannheim und Ludwigshafen einberufenen Schüler der Geburtsjahrgänge 1926 und 1927 erhalten in ihren Stellungen regelmäßigen Unterricht

2. April 1943: Explosion mit anschließendem Brand, ausgelöst durch Entzündung von Zelluloid, im Keller der Füllfederhalterfabrik H. Hebborn u. Co (Dossenheimer Landstraße 98; 7 Verletzte, 2 Tote: Georg Hetterich, Otto Layer)

[19. April-16. Mai 1943: Aufstand im Warschauer Ghetto]

SS 1943: am Dolmetscherinstitut der Universität Heidelberg sind 643 Studierende eingeschrieben

3. Mai 1943: Der Pianist Karlrobert Kreiten soll am Abend in der Aula der Heidelberger Universität ein Konzert geben. Am Morgen verhaftet ihn die Gestapo in seinem Hotel. Am 3. September 1943 wird er wegen Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung vom Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt. Am 7. September 1943 wird er in Berlin-Plötzensee gehängt. (vgl. Helga Schubert, Judasfrauen. Zehn Fallgeschichten weiblicher Denunziation im Dritten Reich, Frankfurt am Main 41990, S. 93-99)

[16. Mai 1943: der deutsche Befehlshaber Jürgen Stroop meldet die Niederschlagung des Aufstand im Warschauer Ghetto]

[17. Mai 1943: alliierter Bombenabwurf über Oerlikon, Zürich]

24. Mai 1943: Festakt zum 400. Todestag von Nikolaus Kopernikus (Niklas Koppernigk, 1473-1543) in der Alten Aula der Universität Heidelberg

[Mai 1943: Einzug der Alliierten in Tunis]

6. Juni 1943: Veranstaltung von Stadt und Universität zum 100. Todestag von Friedrich Hölderlin (1770-1843) im Großen Saal der Stadthalle

26./27. Juni 1943: Tagung des Gesamt-Odenwaldklubs in Heidelberg

Juni 1943: 7 französische Eisenbahner werden wegen Widerstandsakten im Elsaß hingerichtet (vgl. 7. Juli 1968) Widerstandsgruppe Georges Wodli



8./9. Juli 1943: Reichsminister Dr. Joseph Goebbels besucht Heidelberg. Feierliche Erneuerung seiner Promotionsurkunde.

[9./10. Juli 1943: amerikanische und britische Truppen landen in Sizilien]

[5.-16. Juli 1943: "Unternehmen Zitadelle". Angriff auf den sowjetischen Frontbogen um die russische Stadt Kursk, letzte deutsche Großoffensive im Krieg gegen die Sowjetunion]

[23. Juli 1943: Palermo wird als erste europäische Stadt (durch US-General Patton) befreit]

[25. Juli 1943: Sturz Mussolinis. Marschall Pietro Badoglio italienischer Regierungschef]

[27. Juli 1943: bei einem britisch-amerikanischen Luftangriff auf Hamburg kommen 35.000-45.000 Menschen um]

29. Juli 1943: Explosion durch ausströmendes Butadiengas bei der BASF Ludwigshafen (70 Tote)

[5./6. September 1943: nachts schwerer Fliegerangriff auf Mannheim, bei dem ca. 6000 Gebäude, darunter das Nationaltheater, zerstört werden. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung wird obdachlos, 414 Tote]

6. September 1943: der Absturz eines Flugzeugs zerstört einige Häuser im „Dorfgraben“ (Friedensstraße) in Handschuhsheim

[8. September 1943: Waffenstillstand zwischen Italien und Alliierten. Übergang Italiens zu den Alliierten]

25. September 1943: Kündigung der Aufenthaltsrechte der Robert-Bunsen-Schule in der Lehrerbildungsanstalt (Keplerstraße) wegen Übernahme des Gebäudes durch die Fa. BBC Mannheim. Umzug ins KFG.

Herbst 1943: der Schriftsteller Dr. Theodor Heuss aus Berlin übersiedelt nach Heidelberg-Handschuhsheim (Kehrweg 4, Haus seiner Schwägerin Marianne Lesser-Knapp). Hier schreibt er im Frühjahr 1945 das Vorwort zu seinem Buch „Robert Bosch, Leben und Leistung“ und erlebt die Besetzung durch die Amerikaner

[4. Oktober 1943: Rede des Reichsinnenministers Heinrich Himmler vor SS-Gruppenführern in Posen über die Ausrottung der Juden. Himmler postuliert, er werde dem Volk die NS-Ideologie „einimpfen“]

[13. Oktober 1943: Italien unter Marschall Pietro Badoglio erklärt Deutschland den Krieg]

[19. Oktober-1. November 1943: Moskauer Konferenz der Außenminister der drei führenden alliierten Mächte USA, Großbritannien und UdSSR (Hull, Eden und Molotow). Das Ergebnis, die Moskauer Deklaration, wird am 30. Oktober 1943 in Moskau beschlossen und am 1. November 1943 veröffentlicht. Es geht um die Klärung, zu welchen Bedingungen das Bündnis von USA, Großbritannien und der Sowjetunion in der Endphase des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit trotz der vorhandenen politischen Gegensätze aufrechterhalten werden könnte.]


26. Oktober 1943: Heinrich Hermann Fehrentz (*26. Juni 1908) wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetung und Abhörens von Feindsendern“ in Heidelberg zum Tode verurteilt (vgl. 22. Dezember 1943)

27. Oktober 1943: Einstellung der Straßenbahn-Linie 1 wegen Personalmangel (vgl. 19. Januar 1944)

[9. November 1943: die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) wird auf Initiative der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens und Chinas gegründet]

19. Januar 1944: Wiederinbetriebnahme der am 27. Oktober 1943 eingestellten Straßenbahn-Linie 1

[28. November-1. Dezember 1943: Konferenz Stalin, Churchill, F. D. Roosevelt in Teheran, sie beschließen die Errichtung einer zweiten Front, Besetzung Deutschlands, Abgrenzung der Einflußsphären]

22. Dezember 1943: Hinrichtung von Heinrich Hermann Fehrentz (*26. Juni 1908, am 26. Oktober 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetung und Abhörens von Feindsendern“ in Heidelberg zum Tode verurteilt ) in Stuttgart

vgl. Dieter Fehrentz, Hans-Martin Mumm, Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz auf dem Bergfriedhof, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 271-291

1943: Errichtung einer Krankengymnastikschule der Universität Heidelberg

1943: Auf dem Neulich-Sportplatz und bei der St. Vitusgasse in Handschuhsheim entstehen Behelfsheime für Ausgebombte aus Mannheim (zerstört)

1943: in der Villa Bergius (Albert-Ueberle-Str. 3-5) befindet sich das „Institut für Weltpost- und Weltnachrichtenwesen“, Abt. für Elektrooptik

1943: der Landwirtschaftliche Kosum- und Absatzverein eGmbH und der Raiffeisen Spar- und Darlehensverein eGmbH vereinigen sich mit dem Ländlichen Spar- und Vorschußverein zur Raiffeisenbank eGmbH Handschuhsheim; vgl. 1897, 1927, 1943, 28. Juni 1976)

1943: die 1891 in Mannheim gegründete Stotz Kontakt GmbH nimmt ihren Sitz in Heidelberg (Pfaffengrund) und beginnt mit der Montage von Sicherungsautomaten, Dreh- und Kippschaltern sowie Steckdosen

1943: NSDAP Heidelberg

[1943: 54 Länder gründen die UNRRA mit dem Ziel, die Repatriierung von Fremden in ihre Heimat zu ermöglichen]

1943-1945: Zuzug von etwa 7000 Ausgebombten nach Heidelberg

[1. Januar 1944: im Deutschen Reich werden Postleitzahlen eingeführt. Der Gau Baden erhält die Nummer 17a]

11. Januar 1944: die Strahlenklinik Samariterhaus (Voßstraße 3, 1904-06 erbaut, 1943 in Vinzenz-Czerny-Krankenhaus für Strahlenbehandlung umbenannt) wird in Czerny-Klinik umbenannt (vgl. 2008)

[17. Januar-18. Mai 1944: Schlacht um Monte Cassino]

[18./19. Februar 1944: Schlacht bei Tscherkassy]

25. Februar 1944: fünf HJ-Jungen entdecken im Dossenheimer Wald einen italienischen Kriegsgefangenen, der aus einem Lager bei Stargard entflohen war, und nehmen ihn fest. Jeder von ihnen erhält eine Belohnung von 100 RM. (Habersack 2013, S. 277)

Frühjahr 1944: die Bewohnerinnen des Landfriedschen Bürgerstift (Dantestraße 7) werden nach Markdorf (Bodensee) evakuiert, das Gebäude wird als Studentenwohnheim für Kriegsversehrte gebraucht (Rückkehr im Oktober 1945)

5. März 1944: Inkrafttreten eines gekürzten Sonntagsfahrplanes der Straßenbahn

[19. März 1944: deutsche Truppen besetzen Budapest]

[1. April 1944: alliierte Bombardierung von Schaffhausen (40 Tote, 270 Schwerverletzte]

[13. April 1944: Simferopol wird befreit]

Sommersemester 1944: am Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg sind über 250 Studierende immatrikuliert (WS 1944/45: 150)

24./25. April 1944, nachts: Fliegerbombenabwurf über Neuenheim. Brandbomben zerstören ein Klassenzimmer der Mönchhofschule und ein Haus Ecke Quinckestraße/Mönchhofstraße (3 Tote). Die Hotelfachschule (Mönchhofstraße) brennt aus.

[6. Juni 1944: Invasion der Westalliierten in der Normandie]

[10. Juni 1944: deutsche Soldaten treiben die 600 Bewohner des Dorfes Oradour (Limousin) zusammen, sperren Frauen und Kinder in die Kirche, erschießen die Männer und brennen das Dorf samt der Kirche mit den eingeschlossenen Menschen nieder]

[22. Juni 1944 : Beginn der Operation Bagration (benannt nach General Pjotr Iwanowitsch Bagration), Deckname einer großen Offensive der Roten Armee an der deutsch-sowjetischen Front, mit dem Angriff von vier sowjetischen Fronten gegen die deutsche Heeresgruppe Mitte mit dem anfänglichen Ziel der Rückeroberung von Minsk. Sie weitet sich zu einem umfassenden operativen Erfolg der sowjetischen Truppen aus, die erst Ende August 1944 an der Weichsel, an den Grenzen Ostpreußens und bei Riga vorläufig aufgehalten werden können]

[1.-22. Juli 1944: Währungs- und Finanzkonferenz der UN (44 Staaten) in Bretton Woods/ New Hampshire. Die Staatengemeinschaft einigt sich auf ein Regime fester Wechselkurse mit dem Dollar als Leitwährung, der wiederum an den Goldpreis gekoppelt ist. Gründung des IWF und der Weltbank.]

[20. Juli 1944: RK Hitler überlebt ein Attentat von Offizieren]

21. Juli 1944: abendliche Kundgebung für Adolf Hitler auf dem Langemarckplatz (vor der Neuen Universität) als Heidelberger „Treuebekenntnis zu Führer und zur Idee des Nationalsozialismus“

24. Juli 1944: Eröffnung der Zweigstelle Altstadt der Stadtbücherei in der Hauptstraße 111/Ecke Schiffgasse

[1. August-3. Oktober 1944: Warschauer Aufstand. Erhebung der Armia Krajowa gegen die deutsche Besatzung]

[10. August 1944: öffentliche Veranstaltungen „nicht kriegsmäßigen Charakters“ werden im Deutschen Reich untersagt. In der Folge werden viele Theater geschlossen, darunter das Heidelberger Stadttheater]

[1. August 1944: Aufstand der polnischen Heimatarmee]

[15. August 1944: die Alliierten landen in der Provence (zweite Invasion) und kommen das Rhonetal herauf]

[19. August 1944: der Erlaß des „Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz“ ruft den totalen Kriegseinsatz aus]

[25. August 1944: Paris wird befreit]

28. August 1944: auf dem Gelände der Waggonfabrik Fuchs in Rohrbach werden fünf ukrainische/russische Zwangsarbeiter zwischen 19 und 21 Jahren wegen Diebstahls von Lebensmitteln gehängt (Anatolij Bachatschow, Aleksej Bjelow, Pawel Chrebor, Nikolaj Ewodokimow, Wasilij Skorkin)

31. August 1944: die Heidelberger Neuesten Nachrichten (Tageszeitung seit 1910) stellen ihr Erscheinen ein

1. September 1944: die Volksgemeinschaft ist die einzige Tageszeitung, die in Heidelberg erscheint

8. September 1944: Elisabeth von Thadden (*1890) wird in Berlin-Plötzensee gehängt Grab im Park der Thadden-Schule

[11. September 1944: Westalliierte Truppen überschreiten die Reichsgrenze bei Roetgen/Kreis Monschau]

[12. September 1944: in London verabschieden die Vertreter der USA, Englands und der Sowjetunion eine Vereinbarung über die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und den Berliner Vier-Mächte-Status („Londoner Protokoll“); 14. November 1944: Einbeziehung Frankreichs)]

12./13. September 1944: ein nächtlicher Fliegerangriff auf Heidelberg läßt in der Christuskirche (Weststadt) 30 kleinere Scheiben bersten

[25. September 1944: Ein Erlaß über den „Volkssturm“ ordnet die Erfassung aller waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren an, die bislang nicht eingezogen sind]

9. Oktober 1944: Einstellung der Straßenbahn-Linie 1 wegen Personalmangel

[21. Oktober 1944: Aachen kapituliert]

[7. November 1944: der sowjetische Spion Richard Sorge wird in Japan gehängt]

1. November 1944: Beginn des kriegsbedingten Güterverkehrs auf dem gesamten Streckennetz der Straßenbahn

8. November 1944: Über 400 männliche Einwohner ab 16 Jahren des Vogesenstädtchens Raon l’Étape werden verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Heidelberg verschleppt. Ihnen war vorgegaukelt worden, sie sollten an Frontbefestigungen in der Umgebung ihrer Stadt arbeiten. Sie kommen am 11. November mit dem Zug in Heidelberg an und werden im Marstall an Betriebe und Handwerker aufgeteilt. Sie haben keinerlei Proviant und Ersatzkleidung dabei, ihre Angehörigen wissen nichts über sie bis zu ihrer Rückkehr im April 1945.

mehr zum Thema Zwangsarbeit

vgl.: Conny Högner, Peter Koppenhöfer, Ruprecht Lindhorst, David Lorösch, Lina Schnelle, Moritz Scultetus, Zwangsarbeit in Heidelberg. Die Männer von Raon l’Etape, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 101-126

http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za444/presse/mm05122001.html

[11. November 1944: die geheime Direktive der Alliierten JCS (Joint Chiefs of Staff) 1067 soll die Führungsschicht der NSDAP, und darüber hinaus alle ihre aktiven Mitglieder und die Eliten aus Militär, Beamtenschaft und Industrie aus ihrer beruflichen Stellung entfernen. Eine deutsche Mitwirkung an dieser Säuberung ist nicht vorgesehen.]

[22. November 1944: Befreiung Straßburgs durch General Leclerc und die 2. Panzerdivision]

5. Dezember 1944: Luftangriff auf Heidelberg mit mehreren Toten

14. Dezember 1944: auf einer Dienstbesprechung bei der Polizeidirektion Heidelberg wird beschlossen, daß Transporte ausländischer Zwangsarbeiter aus dem linksrheinischen Gebiet von jeweils 1000 bis 1500 Mann im 4-Stunden-Rhythmus in Tagesmärschen auf der Route Mannheim-Heidelberg an Arbeitsorte im Reichsinnern verbracht werden sollen (Stadtarchiv Heidelberg Nr. 212c, Fasz. 8)

[16. Dezember 1944: Beginn der deutschen Ardennen-Offensive („Battle of the Bulge“, bleibt nach 10 Tagen stecken)]

19. Dezember 1944: etwa 2000 ausländische Zwangsarbeiter aus dem Raum Ludwigshafen/Frankenthal werden ins rechtsrheinische Reichsgebiet zwangsevakuiert. 1400 davon, darunter schwangere Frauen und Kinder, gelangen zu Fuß unter dem Geleit bewaffneter Schutzpolizei nach Heidelberg. Nach vierstündiger Rast in Mönchhof- und Gewerbeschule werden sie nach Osten weitergeschleust.

[Dezember 1944: das Postscheckamt Karlsruhe stellt den Postscheckverkehr ein]

1944: in Heidelberg erscheint „Die Flurnamen von Handschuhsheim“ von Fritz Frey

1944: ausländische Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene sprengen in den Felsen unterhalb der Schloßberg-Kaserne ein System von drei Längsstollen mit kürzeren Querverbindungen, drei Ausgängen zum Schloßberg und einem zur Klingenteichstraße. Nach Augenzeugenberichten wird der Keller von Altstädtern bei Luftangriffen aufgesucht. Zur Geschichte des Stollens

1944: OB Carl Neinhaus überträgt Wilhelm Schneider (1895-1978, Mitglied der NSDAP seit 1. 5. 1933), Leiter des städtischen Personalamts, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz, zusätzlich die Leitung des Wohnungsamtes (vgl. 2. Juni 1933, April 1936, 25. März 1945)

1944: in Heidelberg wird das erste deutsche Zyklotron in Betrieb genommen (?)

1944: ein Teil des Physikalischen Instituts der Universität Heidelberg wird nach Messelhausen (bei Lauda-Königshofen) verlagert

[1944: das 1938 in München eröffnete Deutsche Apotheken-Museum wird zerstört]

[1944: das 1896 gegründete Astronomische Rechen-Institut Berlin wird nach Sachsen verlegt (vgl. 1945)]

[22. Januar 1945: im Deutschen Reich verkehren keine D- und Eil-Züge mehr]

[27. Januar 1945: das KZ Auschwitz wird durch sowjetische Truppen der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front befreit]

[30. Januar 1945: das Passagierschiff „Wilhelm Gustloff“, mit schätzungsweise mehr als 10 000 Flüchtlingen, Matrosen und Marinehelferinnen überladen, wird vor der pommerischen Küste von einem sowjetischen U-Boot torpediert und versenkt, ca. 9000 Menschen kommen ums Leben]

[2. Februar 1945: Carl Friedrich Goerdeler wird in Berlin-Plötzensee hingerichtet]

[4.-11. Februar 1945: Konferenz von Jalta/Krim]

[10. Februar 1945: Andrei Andrejewitsch Wlassow (1901-1946) übernimmt in Münsingen auf der Schwäbischen Alb den Oberbefehl über die "Russische Befreiungsarmee"]

[13./14. Februar 1945: Luftangriff auf Dresden]

[14. Februar 1945: US-Präsident F. D. Roosevelt und König Abdul Aziz von Saudi-Arabien treffen sich an Bord der USS Quincy im Suezkanal. Mehrere bilaterale Abkommen werden zwischen Saudi-Arabien und den USA unterzeichnet, u. a. sichern die USA den Schutz der Ölquellen zu]

14./15. Februar 1945: letzte Deportation aus Heidelberg von jüdischen Ehepartnern aus „Mischehen“ (zusammen mit 142 anderen „Halbjuden“ oder in „Mischehe“ lebenden Juden aus Baden und Württemberg) in das Durchgangslager Theresienstadt. (XIII/6 Mannheim). 31 Menschen aus Heidelberg sollen verschleppt werden, bei 9 von ihnen können Ärzte es verhindern. Darunter ist auch der Privatgelehrte Dr. Paul Hirsch, der nach dem Krieg als Mittelalter-Historiker an der Universität Heidelberg arbeitet. U. a. werden Else und Hans Flor und Dora Busch geb. Jellinek aus Handschuhsheim sowie Elise Kaufmann-Bühler aus Rohrbach deportiert. Der Transport kommt am 17. 2. 1945 in Theresienstadt an. Die 22 Heidelberger Deportierten überleben. (vgl.: Norbert Giovannini, Die Ausweisungen und Deportationen der jüdischen Einwohner Heidelbergs 1937-1945, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. X (2005/2006), S. 105ff.) http://yadmedia.yadvashem.org/full_pdf/3690805_03016746/0001.pdf

16. Februar 1945: Bombardierung eines Eisenbahnzuges bei der Schuhfabrik Wilz in Schlierbach (Jägerpfad/Hermann-Löns-Weg 4)

25. Februar 1945: Luftangriff mit mehreren Toten. Zerstörung der Häuser Gaisbergstraße 7 (Privatklinik des Neurologen Dr. Hoffmann, später BG Chemie) durch Bombenabwurf (4-5 Tote) und Nr. 9

26. Februar 1945: der Ordinarius für Hygiene Generalarzt Prof. Ernst Rodenwaldt hält im Rahmen der Ringvorlesung "Japan und Deutschland" den Vortrag "Das Hindu-Javanische Reich Madjapait"

1. März 1945: bei einem Luftangriff des 41. Bombergeschwader der 8. US-Luftflotte wird die Stadt Bruchsal weitgehend zerstört. Dem Angriff fallen mehr als 1.000 Menschen zum Opfer. Die Innenstadt wird zu rund 90 % zerstört. Auch zahlreiche historische Bauten, darunter das Schloss, werden zerstört.

2. März 1945: Heidelberg wird aus der target list der alliierten Bomberflotte gestrichen http://www.303rdbg.com/missionreports/327.pdf (vgl. 16./17. März 1945)

[7. März 1945: Alliierte überschreiten den Rhein bei Remagen. Hitler läßt fünf deutsche Offiziere erschießen]

10. März 1945: das Finanzamt Heidelberg mahnt die Vorauszahlung der Einkommensteuer plus Kriegszulage an

16. März 1945: der Bachchor gibt sein letztes Konzert im Kriege (Peterskirche, Johannespassion)

16./17. März 1945: 6 Tote durch Fliegerbeschuß in Heidelberg (wo?)

[18. März 1945: in Aachen wird der FDGB gegründet. Den Vorsitz übernimmt Mathias Wilms. Die Bildung von „freien Gewerkschaften“ auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone wird am 10. Juni 1945 durch Befehl Nr. 2 der sowjetischen Militäradministration in Deutschland zugelassen]

19. März 1945: Zerstörung des Hauses Alte Eppelheimer Straße 48/Mittermaierstraße 27 („Zum Kronprinzen“) durch alliierten Bombenabwurf (12 Tote). Beim gleichen Angriff kommen in Heidelberg weitere 7 Menschen ums Leben. Zerstört werden auch die Häuser Goethestraße 2, Bahnhofstraße 23 und Sechshäuserweg 1-3 (3 Tote).

20. März 1945: die Mannheimer Rheinbrücke wird gesprengt

21. März 1945: die Pfalz ist fest in der Hand der Alliierten

21. März 1945: in Baden beginnen vorzeitig die Schul-Osterferien

21. März 1945: Schließung der „Schule Schloß Wieblingen - Oberschule für Mädchen - Deutsche Heimschule" (vgl. April 1927, 1941, 1945)

21.-27. März 1945: der Rektor der Universität Heidelberg Paul Schmitthenner verläßt Heidelberg, nachdem er zuvor den Anglisten Johannes Hoops (80) "für den Fall der Besetzung Heidelbergs durch amerikanische Truppen mit der Wahrung der Interessen der Universität Heidelbergs" beauftragt hatte.

22. März 1945: 3 Tote durch Fliegerbeschuß in Heidelberg. Ziel ist die OEG-Neckarbrücke und der Tiergarten. 96 Bomben zerstören fast alle Gehege und die Umzäunung des Tiergartens. - US-Truppen überqueren den Rhein bei Oppenheim.

23. März 1945: der neue Güterbahnhof, die Wieblinger Mühle und die Fabrik Helmreich in Wieblingen werden durch Fliegerbombenabwurf getroffen (12 Tote)

23. März 1945: die Volksgemeinschaft titelt: „Kämpfe zwischen Worms und Südpfalz“

24. März 1945: zwei junge Soldaten (Alfred Stiendel, *1920 in Peggau/Steiermark; 1953 begraben auf dem Ehrenfriedhof, Block B Grab 728 , Günther Pollacks, *1927 in Plauen/Vogtland; begraben auf dem Friedhof Handschuhsheim, 1953 auf dem Ehrenfriedhof, Block B Grab 493) werden am Ortsausgang von Handschuhsheim standrechtlich erschossen und die Leichen an der Dossenheimer Landstraße (GP) bzw. der Rohrbacher Straße (AS) an Bäumen aufgehängt

24./25. März 1945: in der Nacht werden sowjetische Kriegsgefangene, die seit 1942 Güterwaggons be- und entladen mußten, von der Wehrmacht mit unbekanntem Schicksal "evakuiert"

25. März 1945 (Palmsonntag): deutsche Truppen sprengen die Mannheimer Neckarbrücken (außer Adolf-Hitler-Brücke) - deutsche Truppen räumen Germersheim als letzte linksrheinische Position

25. März 1945 (Sonntag): OB Carl Neinhaus läßt durch Verwaltungsdirektor Wilhelm Schneider (1895-1978) belastende Akten (darunter Dienstakten aus der Registratur des Personal- und Organisationsamtes) aussortieren und im Heizungskeller des Rathauses verbrennen. (Diese Akten fehlen nach 1945 in den Spruchkammerverfahren, um die Vorgänge in der Stadtverwaltung aufzuarbeiten)

26. März 1945: zwei Divisionen der 7. US-Armee setzen bei Sandhofen südlich der Autobahnbrücke über den Rhein - Die Eisenbahnbrücke über den Neckar bei Ladenburg wird gesprengt

Ende März 1945: Rüstungsminister Albert Speer in Heidelberg

26./27. März 1945: der Dachstuhl über Chor und Mittelschiff der St. Peterskirche brennt nieder. Die Gewölbedecke der sog. Universitätskapelle wird zerstört. Mögliche Ursache: Überhitzung der Heizungsanlage infolge Verbrennens von Akten durch den Kreisleiter der NSDAP.

27. März 1945: deutsche Truppen sprengen die Mannheimer Adolf-Hitler-Brücke (heute: Friedrich-Ebert-Brücke)

27. März 1945: deutsche Truppen sprengen die OEG-Brücke ("Schwarze Brücke" Ochsenkopf-Handschuhsheim-Schriesheim) über den Neckar

[27. März 1945: Argentinien erklärt Deutschland als letztes Land den Krieg]

28. März 1945: deutsche Truppen sprengen die Heidelberger Hindenburgbrücke über den Neckar

28. März 1945: die 10th Armored Division der US-Army setzt bei Worms über den Rhein

28. März 1945: in den Lauerschen Gärten (Mannheim, M 6) werden vier Angestellte der Firma Samt und Seide wegen des Hissens einer weißen Fahne erschossen















28./29. März 1945: die US Armee unter Leitung von Major Don S. Mathews telefoniert vom Wasserwerk Käfertal aus mit Stadtamtmann Nikolaus Quintus in der Zentrale der Städtischen Werke Mannheim in K 5. Gretje Ahlrichs als Telefonistin hält den Verkehr aufrecht. Dies führt am 29. März zur kampflosen Übergabe der Stadt Mannheim.

29. März 1945: Gefecht zwischen US-Truppen und Wehrmacht bei Dossenheim (11 Wehrmachtsangehörige fallen)

29. März 1945: französische Truppen setzen bei Speyer über den Rhein (vgl. 1. April 1945)

29. März 1945 (Gründonnerstag): die letzte Ausgabe der Volksgemeinschaft berichtet: (Titel: „Kampffeld Mannheim-Bergstraße“, „Jetzt Ruhe und Besonnenheit“, „Heidelberg ist Frontstadt“). „Nördlich Mannheim griff der Feind aus seinen Brückenköpfen weiter nach Osten an, um unsere Eingreifreserven zu fesseln. Aber nur schrittweise konnte er unsere Sperrverbände gegen die Bergstraße und auf die nördlichen Vororte Mannheims zurückdrängen. Von den Höhen am Westrand des Odenwaldes überschütteten unsere Batterien die gegen die Bergschwelle anstürmenden Nordamerikaner mit massiertem Feuer und zwangen sie immer wieder zu Boden.“ (Wegen der Brückensprengung wird die Zeitung nördlich des Neckar nicht ausgetragen(?). Quelle: Eberhard Pikart (Hg.), Theodor Heuss. Aufzeichnungen 1945-1947. Aus dem Nachlaß von Theodor Heuss. Tübingen 1966, S. 40ff.)

29. März 1945: deutsche Truppen sprengen die Friedrichsbrücke über den Neckar in Heidelberg und die Ziegelhäuser Neckarbrücke

29. März 1945, 22.02 Uhr: Sprengung der Alten Brücke durch Pionier-Unteroffizier Walter Schlicksupp (1920-2004) aus Mannheim-Neckarau vom Keller des Hauses Steingasse 9 aus. Zwei Pfeiler und drei Bögen werden zerstört. Die nördlich des Neckars gelegenen Stadtteile und Ziegelhausen sind von der städtischen Stromversorgung abgeschnitten. Die Fernwärmeversorgung ist bis zum 19. April unterbrochen. - Betriebsstillegung der HSB – Betriebsstillegung der Heidelberger Fernmelde-Vermittlungsstelle - Mannheim wird von Truppen der 7. US-Armee unter General Alexander Patch besetzt. Die Artillerie der 44. Infanteriedivision der 7. US-Armee unter Brigadegeneral William Beiderlinden rückt auf Heidelberg vor. Er und General William Dean führen die nächtlichen Verhandlungen mit deutschen Unterhändlern in Mannheim-Käfertal. Die deutsche Delegation wird von Anni Tham, verh. König (1928-2010, bekam 1983 die Bürgermedaille der Stadt Heidelberg) über den Neckar gerudert.

30. März 1945 (Karfreitag): Am Morgen zeigen sich amerikanische Soldaten am Neuenheimer Neckarufer. Um 14 Uhr überquert ein Bataillon den Neckar. Die 63. Infanteriedivision der US-Armee ("Blood and Fire") unter Major General Louis E. Hibbs, von Viernheim kommend, rückt in Heidelberg ein. Am Nachmittag rücken amerikanische Panzer auf dem südlichen Neckarufer, von Mannheim kommend, in die Stadt ein und stoßen in Richtung Rohrbach weiter. (Die Einheit, die Heidelberg einnimmt, zieht wenige Tage später weiter, und wird in Kampfhandlungen bei Neckargemünd und dann in schwere Kämpfe mit der 17. SS-Panzergrenadier-Division bei Weissbach am Kocher verwickelt.)

Major General Louis E. Hibbs































Stadtkommandant ist Captain Eldon? H.? Haskell. Waffen und Munition müssen abgeliefert werden. Ausgangssperre von 19 bis 6 Uhr (vgl. 16. Mai 1945). Kein Gas, Strom, Wasser, Milch. Verbot jeglicher Vereinsaktivität. Die Stadt ist bis auf die Bahnanlagen, den Tiergarten, die Brücken und einige bombardierte Häuser unzerstört. Captain Haskell berichtet von 300 nicht begrabenen Toten, die im Stadtgebiet von den Amerikanern gefunden wurden. - Der Lehrer Heinrich Westermann wird von den Amerikanern zum Ortsbürgermeister von Ziegelhausen eingesetzt.

Heidelberg hat im zweiten Weltkrieg 2314 Gefallene und Verstorbene aufzuweisen.

Augenzeugenbericht vom Einmarsch der Amerikaner

Die andere Seite

http://44thdivision.efour4ever.com/beiderlinden.htm (Kurzbio Major General William A. Beiderlinden)

http://44thdivision.efour4ever.com/salute.htm (über Major General William S. Dean)

http://44thdivision.efour4ever.com/heidelberg.htm (Website der 44th Infantry Division, Dr. James Saunders)