Heidelberger Geschichtsverein e. V. - HGV

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Maria Antoinette Josephine Theresia Franziska Gräfin von Graimberg-Belleau (Maria Gräfin von Graimberg)

*8. Juli 1879 Bensheim

†14. Juni 1965 Heidelberg (Grab auf dem Bergfriedhof gemeinsam mit Theodora Aberle)

Älteste von drei Kindern

Vater: Graf Philibert von Graimberg (1832-1895)

Mutter: Anna Maria, geb. Gräfin von Otting-Fünfstetten (13. August 1853-11. Dezember 1927)

Großvater: Graf Charles de Graimberg-Belleau (1774-1864)

Schwester: Camilla Gräfin von Graimberg-Belleau (1888-1949)

Freundin: Theodora Aberle (9. 7. 1887-15. 4. 1963)

Begründerin der zweiten katholischen Sozialen Frauenschule Deutschlands in Heidelberg

Pionierin der sozialen (katholischen) Frauenbildung

Mitglied der Zentrumspartei



1881: Übersiedlung der Familie von der großelterlichen "Villa Irene" in Bensheim nach Lautrach bei Memmingen

1888: Übersiedlung der Familie nach Aschaffenburg

Höhere Töchterschule, einjähriges Mädchenpensionat

1897: Abschluß an einem Sprachlehrerinneninstitut in Aschaffenburg (für den Unterricht in französischer Sprache)

1906: ihre Mutter Anna Maria Gräfin von Graimberg und drei weitere Frauen gründen den Verein zum guten Hirten (später: katholischer Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder; 1968: Sozialdienst katholischer Frauen e.V.)

20. Oktober 1907: der Verein zum guten Hirten gründet in der Plankengasse 2 das St. Paulusheim. („Das Haus... sollte als Hauptzweck erfüllen, Mädchen mit ihrem Kinde Aufnahme zu gewähren, so daß sie ihre Mutterpflichten verstehen und üben lernten“ „Oft gelang es auch, die Mädchen mit ihren Familien zu versöhnen“)

1911: Maria Gräfin von Graimberg gründet im Palais Graimberg (Kornmarkt 5) die zweite katholische soziale Frauenschule Deutschlands. Der erste Unterricht beginnt am 26. April 1911 mit drei Schülerinnen und einer Lehrerin. Sie lebt zusammen mit ihren Internatsschülerinnen, ihrer Schwester Camilla (†1949) und ihrer Mutter (†1927). "Ab Herbst 1911 kam Theodora Aberle hinzu, zunächst als Schülerin, nach Abschluss der Ausbildung als Schulsekretärin und nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre als Dozentin. Wie eng und freundschaftlich diese Verbindung gewesen ist, zeigt sich u.a. darin, dass Maria von Graimberg in ihrem Testament Theodora Aberle ein lebenslanges Wohnrecht am Kornmarkt 5 einräumte." (Petra Nellen, Das Palais Graimberg, Kornmarkt 5, in: Heidelberg. Jahrbuch des Heidelberger Geschichtsvereins, Nr. 18 (2014), S. 34-36)

1916: Maria Gräfin von Graimberg gründet den Berufsverband „Verein katholischer Sozialbeamtinnen Deutschlands“


1917: der Anniversarienfond der Jesuitenkirche kauft ein Anwesen in der Hauptstraße 248 und stellt es dem Vinzentiusverein Heidelberg-Ost und dem katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder zur Verfügung. In gemeinsamer Trägerschaft gründen beide das St. Antoniushaus (Hauptstraße 248), das 1918 eingeweiht wird und die Schulkinder des St. Paulusheim übernimmt. (Das Antoniushaus wird 1959 wegen Baufälligkeit geschlossen.)

Ostern 1918: Maria Gräfin von Graimberg gründet mit Unterstützung von Bischof Michael Faulhaber die katholische Laienorganisation "Societas Religiosa"

1919-1933: Mitglied des Bürgerausschuß der Stadt Heidelberg (Zentrumspartei)

1931: erhält den päpstlichen Orden "Pro ecclesia et pontifice"

1933-1945: "Sicher ist (...), dass ihre Einrichtung unter den Bedingungen des Nationalsozialismus stark gefährdet war. Erstens widersprach das Betreiben einer Privatschule den Gleichschaltungsbemühungen des Naziregimes, zweitens weigerte sich Maria von Graimberg, die Schule im nationalsozialistischen Geiste zu führen und Unterricht z.B. in Vererbungs- und Rassenlehre zu geben. Gegen den Einfluss nationalsozialistischer Ideologie in ihrem Unterricht wehrte sie sich bis Kriegsende mit Erfolg, sodass die Schule 1945 nach dem Einmarsch der US-Amerikaner ohne Unterbrechung weitergeführt werden konnte." (Petra Nellen, Das Palais Graimberg, Kornmarkt 5, in: Heidelberg. Jahrbuch des Heidelberger Geschichtsvereins, Nr. 18 (2014), S. 34-36)

1950: Maria Gräfin von Graimberg übergibt die Schule, die nun als Verein betrieben wird, dem Deutschen Caritasverband

1951: die Leitung der Katholischen Sozialen Frauenschule im Palais Graimberg wird von der Juristin und Dozentin Dr. Berta Konrad übernommen

1959: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1965: Ehrenbürgerin von Heidelberg

14. Juni 1965: stirbt in Heidelberg. Mit ihrem Tod erlischt der deutsche Zweig des französischen Adelsgeschlecht derer von Graimberg-Belleau.

1966: die "Katholische Soziale Frauenschule Heidelberg" wird in "Maria von Graimberg-Schule - Höhere Fachschule für Sozialarbeit" umbenannt

1971: die Schule wird bis zur Auflösung 1979 als Abteilung Heidelberg in die Katholische Fachhochschule für Sozialwesen und Religionspädagogik Freiburg integriert

1976: der Deutsche Caritasverband verkauft das Palais Graimberg der Stadt Heidelberg

1977: die "Maria von Graimberg-Schule - Höhere Fachschule für Sozialarbeit" wird nach Freiburg verlegt

1979: die Katholische Soziale Frauenschule wird aufgelöst



>Maria von Graimberg-Schule - Höhere Fachschule für Sozialarbeit (Kornmarkt 5; 1966)

>Maria-von-Graimberg-Haus (Max-Joseph-Straße 60)



Veröffentlichungen:

Maria von Graimberg-Belleau, Aus Heidelbergs Vergangenheit, in: 60 Jahre Pfälzer Bote. Festschrift Heidelberg 1865-1925. Heidelberg 1925

Maria von Graimberg-Belleau, Die Katholische Soziale Frauenschule, in: Deutsches Adelsblatt 1925/Nr. 5

Maria von Graimberg-Belleau, Meinen lieben alten Kindern, in: Soziale Grüße 1928

Maria von Graimberg-Belleau, Vorgeschichte der sozialen Frauenschule Heidelberg, in: "25 Jahre Soziale Frauenschule Heidelberg 1911-1936", Heidelberg 1936 (unveröffentlichtes Manuskript, Caritasarchiv Freiburg)

Maria von Graimberg-Belleau, Fürsorgerinnenberuf als Gabe und Aufgabe, in: Soziale Grüße. Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Sozialen Frauenschule Heidelberg 1911-1961. Heidelberg 1962

Maria von Graimberg-Belleau, Die Soziale Frauenschule, in: Susanne Zeller, Maria von Graimberg. Vierzig Jahre Sozialarbeiterinnenausbildung in Heidelberg. Freiburg/Br. 1989, S. 121-123



Archiv:

Ida-Seele-Archiv zur Erforschung der Geschichte des Kindergartens, der Sozialpädagogik/-arbeit (und ihrer Bezugswissenschaften) als auch der Frauenbewegung, 89407 Dillingen, Akte: Maria Gräfin von Graimberg, Sign. M.Gfin.G.. 1/2/3.



Literatur:

Maria Buchmüller, Eine Frau mit Geist und Herz. Maria Gräfin von Graimberg-Belleau. Zum 100. Geburtstag..., in: Heidelberger Amtsanzeiger, Nr. 27, 6. Juli 1979, S. 2

Petra Nellen, Das Palais Graimberg, Kornmarkt 5, in: Heidelberg. Jahrbuch des Heidelberger Geschichtsvereins, Nr. 18 (2014), S. 34-36

M. Offenberg, Die Gründerin der ersten katholischen Sozialen Frauenschule, in: Die Christliche Frau 1959/H. 3, S. 106-108

Leena Ruuskanen, Der Heidelberger Bergfriedhof. Kulturgeschichte und Grabkultur. Ausgewählte Grabstätten. Heidelberg 1992, S. 103f.

Leena Ruuskanen, Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit (Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg, Sonderveröffentlichung 18, Hg. Peter Blum). Ubstadt-Weiher 2008, S. 100f.

Ilona Scheidle, (Kirchen)Geschichte “belesben”, in: Werkstatt Schwule Theologie. 10. Jahrgang, Heft 1/2003: Communio Sanctorum – Kirche und QueerCommunity, S. 34-42

H.-J. Wollasch, Gründerin der ersten katholischen Fürsorgerinnenschule. Maria Gräfin von Graimberg-Belleau (1879-1965), in: Caritas-Kalender 1995. Freiburg/Br. 1995, 11

Susanne Zeller, Maria von Graimberg - vierzig Jahre Sozialarbeiterinnenausbildung in Heidelberg. Freiburg 1989

Susanne Zeller, Maria von Graimberg (1879-1965) - Erste Katholische Soziale Frauenschule im Deutschen Reich am Heidelberger Kornmarkt. In: Frauen Gestalten. Soziales Engagement in Heidelberg. Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg, Heft 6, Heidelberg 1995 (b)

Susanne Zeller, "Who is who in der Sozialen Arbeit?" Hg. Hugo Maier, Freiburg 1998 (Hedwig Wachenheim, Frieda Duensing, Theodora Aberle, Maria von Graimberg)

http://www.die-stadtredaktion.de/2016/12/rubriken/gesellschaft/soziales/maria-von-graimberg-die-unerschrockene/

Quelle: Manfred Berger, www.bautz.de/bbkl

siehe auch: Theodora Aberle, Prinz Rangis von Siam, Alice Salomon