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Die Theaterstraße

Die Theaterstraße präsentiert sich von der Hauptstraße her mit einem offenen Platz, den manche Leute auch Theaterplatz nennen. Diese Platzsituation war nicht immer die gleiche. Wer genau hinschaut, sieht, daß die Hausnummern der Hauptstraße von Nr. 106 (westliche Ecke) auf Nr. 110 (östliche Ecke) springen. Es fehlt also die Hausnummer 108. Tatsächlich stand hier bis 1959 ein Haus (Pianofortefabrik, Hausbesitzerbank). Es war damals stark heruntergekommen, aber es hatte einen Säulenvorbau „nach Weinbrenner-Art“ von 1812.

1957 plante man, die östliche Bauflucht der gesamten Theaterstraße „wegen der Zufahrt zum Theater und zu den Parkplätzen“ um vier Meter nach Osten zu verlegen. Die Hauptstraße war noch eine ganz normale Straße mit Zweirichtungs-Kfz- und zweigleisigem Straßenbahnverkehr. Die Verbreiterung der Theaterstraße im nördlichen Teil durch Abriß des Hauses Hauptstraße 108 im Jahre 1959 war der Anfang zur Verwirklichung jenes Planes. Zum Glück vergaß man ihn bald.

Lage und Bennenung: Die Theaterstraße liegt in der 1392 eingemeindeten westlichen Heidelberger Vorstadt und verläuft ungefähr in der Mitte zwischen der mittelalterlichen Sandgasse und der 1808 angelegten Friedrichstraße, westlich der Einmündung der Schiffgasse beginnend, in Nord-Süd-Richtung im rechten Winkel von der Hauptstraße langsam ansteigend zur Plöck. Sie gehört zu jenen Straßen der Altstadt, die nach einem dort stehenden Gebäude benannt sind (wie z.B. die Spitalgasse, Kanzleigasse, Klingentorstraße, Klostergasse, Marstallstraße, Mönchmühlgasse, Münzgasse, Oberbadgasse, Sapienzgasse, Schulgasse). Im Unterschied zu den meisten dieser Straßen trug sie ihren Namen offiziell von Anfang an.

Judenfriedhof: 1344 wurde erstmals ein jüdischer Friedhof in Heidelberg erwähnt, er soll sich zwischen Theaterstraße, Plöck und Sandgasse erstreckt haben. (vgl. Hans-Martin Mumm, Zur Lage des jüdischen Friedhofs des Mittelalters, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein 13, 2009, S. 145–152). 1369 wurde er erweitert, die Gemeinde hatte sich also vergrößert. Wenig später (1391) vertrieb Kurfürst Ruprecht II. die Juden aus Heidelberg und der Pfalz. Der Friedhof wurde geschlossen, das Gelände der Universität geschenkt, die Grabsteine verkauft. Bis ins 18. Jahrhundert diente er als Universitätsgarten. Heute ist er Schulhof.

Herrengarten

Anlage und Numerierung: Die Theaterstraße wurde 1853 als eine der letzten Straßen der Altstadt angelegt (1859 Verlängerung der Akademiestraße nach Süden, 1861 Erweiterung der schmalen Zwingergasse zur Straße, 1876 Verlängerung der Märzgasse nach Süden, 1884 Bau der Karl-Ludwig-Straße, 1885 Bau der Landfriedstraße). 1856 führte man in Heidelberg die Häusernumerierung nach Straßen von Westen nach Osten bzw. von Norden nach Süden ein. Bis dahin war die Stadt in 4 Quartiere (Litterae A, B, C, D) eingeteilt. Jedes Haus war mit einem Buchstaben und einer Nummer eindeutig bezeichnet. Die Theaterstraße gehörte noch drei Jahre lang zu Littera A. Heidelberg hatte zu dieser Zeit (1852, ohne Schlierbach) 13.795 Einwohner.

An der Stelle, wo die Theaterstraße in die Hauptstraße mündet (also zwischen Hauptstraße 106 und 108), stand bis 1852 ein ansehnliches Haus, das seit etwa 1840 dem Dr. med. H. Steinhäuser bzw. seiner Witwe gehörte (Lit. A 13). Es wurde dem Bau der Theaterstraße geopfert.

Nach Einführung der Hausnumerierung im Jahre 1856 wurden die Grundstücke auf der Ostseite der Theaterstraße mit ungeraden Nummern (1-13) versehen, auf der Westseite mit geraden (2-18). Die Hausnummern 15 und 17 existieren nicht, obwohl zwischen Nr. 9 und 11 genug Platz für mindestens ein Grundstück wäre. Der freie Platz, der keine Nummer trägt, gehört heute zum Schulhof der Plöck-Schulen. Wer hier gräbt, findet vielleicht die Reste des mittelalterlichen Judenfriedhofs.

Der Eingang des Eckhauses Hauptstraße 106 (früher Kunsthandlung Welker) liegt in der Theaterstraße. Als das Haus Hauptstraße 108 (Pianofortefabrik) 1959 abgerissen war, wurde das Haus Hauptstraße 110 (“Harmonie“) zum Eckhaus.

Ausstattung: Die Theaterstraße wurde wegen und gleichzeitig mit dem namengebenden Stadttheater erbaut. Wir nehmen an, daß sie gleich bei ihrer Anlage mit Kopfsteinen gepflastert wurde, zumindest von der Hauptstraße bis zum Stadttheater, damit die von dort kommenden Kutschen nicht im Schlamm steckenblieben. Pflasterung war damals nicht selbstverständlich. Noch in den 1880er Jahre klagten Anwohner wie der praktische Arzt Dr. Karl Mittermaier (Theaterstraße 8, Sohn des Juristen Karl Joseph Anton Mittermaier), über Staub in der Straße. Man verlangte vom Stadtrat, den Spritzwagen auch hier fahren zu lassen. Am 23. September 1853 brannten in Heidelberg erstmals Straßenlaternen mit Gas, wahrscheinlich auch in der neu eröffneten Theaterstraße. Die Harmonie-Gesellschaft schloß 1858 mit der Rheinischen Gasgesellschaft (Mannheim) einen Vertrag ab, um „alle unsere Gesellschaftsräumlichkeiten auch mit Gas zu beleuchten“.

1862 wurde die Theaterstraße kanalisiert (die östliche Hauptstraße erst ab 1884). Die uns bekannten emaillierten Straßentafeln wurden 1871 eingeführt.

Straßenbahn: Am 31. Mai 1885 fuhr die erste Heidelberger Pferdebahn vom Bahnhof in der Rohrbacher Straße durch die Hauptstraße zum Karlstor. Von West nach Ost macht die Hauptstraße zwischen Theaterstraße und Ludwigsplatz, bedingt durch den Schwemmkegel des Klingenteichbaches, eine leichte Steigung. Deshalb wurde dort 1897 bei der Bahn ein Vorspanndienst mit einem zweiten Pferd eingerichtet. Danach nahm, wie es heißt, die tägliche Leistung um 6 bis 8 Fahrten zu. 1902 wurde die elektrische Straßenbahnlinie durch die Hauptstraße eröffnet.

Ältere Heidelberger erinnern sich, daß die Heidelberger Straßen- und Bergbahn eine eigene „Theaterbahn“ fahren ließ, die pünktlich zum Vorstellungsende an der Haltestelle Theaterstraße/Kurpfälzisches Museum in Richtung Bismarckplatz wartete. Was für ein Service in der guten alten Zeit! Am 4. Juni 1976 fuhr die letzte Straßenbahn vom Bismarckplatz zum Karlstor. 1978 war die Fußgängerzone Altstadt fertiggestellt. Die Autos und leider auch die Straßenbahn waren verschwunden. Das nördliche Drittel der Theaterstraße wurde zur Fußgängerzone gezogen, so daß der Eindruck eines Platzes entstand.

Gärten: Die Theaterstraße sollte eigentlich Gartenstraße heißen, denn sie führte hauptsächlich durch Gärten. Deshalb konnte sie ja auch gebaut werden. Nur ein Haus (an der Hauptstraße) wurde für sie abgebrochen. Bis ins 20. Jahrhundert gab es hier zahlreiche Gärten, die an die neue Straße grenzten. Der größte war der Garten der „Harmonie“, der die Hausnummern 3 und 5 umfaßte, heute ein trostloser Parkplatz gegenüber dem Theater. Immerhin stehen dort Platanen und eine Kastanie.

Der bekannteste Garten ist wohl der in der Theaterstraße 10 neben dem Haus von Dr. Wilhelm und Anna Blum, bekannten Wohltätern und Ehrenbürgern der Stadt („Blum´s Hof“). Auch andere Häuser besaßen Gärten an der Straße (wie Nr. 2 und Nr. 4). Der zu Haus Theaterstraße 2 gehörende Garten ist heute mit dem Haus Nr. 2a überbaut.

Die heutigen Grundstücke Theaterstraße 7-11 und Plöck 101 (mittelalterlicher Judenfriedhof) dienten im 18. Jahrhundert als Universitätsgarten (heute zum Teil Schulhof).

Theaterstraße 13 (Ecke Plöck) war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts „Schildeckers Garten“ (Biergarten des Gasthauses, später Familienheim Schildecker, Plöck 101).

Theaterstraße 16 (heute Buchhandlung Himmelheber) war um die Jahrhundertmitte „Müllers Garten“, vermutlich zum „Essighaus“ gehörend. Später diente das Grundstück der Bierbrauerei von Heinrich Hochschwender als Magazin.

Als Ende der 1980er Jahre für 9 Millionen € das gläserne Foyer des Theaters gebaut wurde, mußten dafür auch etliche schöne Bäume im dortigen Hinterhof fallen. Leider fanden wir keine Bilder von all diesen Gärten.

Die meisten Häuser in der Theaterstraße sind dreistöckig, mit Ausnahme von Nr. 2 und 2a, sowie Nr. 10 und 11 (zweistöckig).

Ursprünglich war geplant, die Theaterstraße (ebenso wie Märzgasse und Akademiestraße) nach Süden bis zur Leopoldstraße durchzuführen. Das wäre möglich gewesen, da an der Stelle in der Plöck noch kein Haus stand. Wahrscheinlich hat man wegen des zu überwindenden Höhenunterschieds davon abgesehen.

Prominente: Mindestens drei Ehrenbürger der Stadt Heidelberg wohnten in der Theaterstraße: Der Arzt Dr. Wilhelm Blum, seine Frau Anna Blum (Nr. 10) und der Arzt Dr. Karl Mittermeier (Nr. 8). Weiter wohnten dort Henriette Feuerbach (Nr. 11), Johannes von Wallenrode, Erzbischof von Riga (Hauptstraße 110), die Bürgermeister Heinrich Krausmann und Friedrich Wielandt (Nr. 4), der Oberbibliothekar Prof. Dr. Karl Zangemeister (Nr. 7), der Rechtsanwalt Klaus Staeck (Nr. 9), der Historiker Heinrich von Treitschke (Nr. 14, 1872/73 wohnt er Hauptstraße 106, Ecke Theaterstraße). Besitzer von Nr. 2 war um 1898 der Baumeister Johann Remler, der 1884 das Reichspostamt baute. Um 1876 wohnten der altkatholische Pfarrer Dr. Johannes Rieks in Nr. 9 und der damalige Theaterdirektor Oscar Kramer im Theater selbst. Um 1899 wohnte Dr. Rudolf Sillib, Kustos und späterer Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, in Nr. 9.

Die Malerin Karoline Borchardt geb. Ehrmann (1873-1944, Schwester von Lilly Kuppenheim geb. Ehrmann) stammt aus der Familie Ehrmann, die in der Theaterstraße 14 wohnte. 1906-1619 mit dem Schriftsteller Rudolf Borchardt verheiratet, 1942 nach Theresienstadt deportiert, starb sie 1944 dort unter nicht geklärten Umständen.

Kapuzinerkloster

Hauptstraße 106

kurfürstliches Stück- und Gießhaus, um 1580 gebaut (heute Hauptstraße 104 bis 108). Ab 1688 bauten die Kapuziner dort ihr Kloster. 20. Jahrhundert: Kunsthandlung Welker

Hauptstraße 108

sog. Brahmshaus mit Kapuzinerbrunnen (1720/1768/1858)

1810: der Apotheker Wilhelm Mai kauft das Haus und verlegt (vom Eckhaus Sandgasse) dorthin den Betrieb seines medizinischen Badhauses

1812: Errichtung des Weinbrenner-Säulenvorbaus

1814: Wilhelm Mai verkauft den ganzen Komplex Hauptstraße 108-114 an den Apotheker Ph. L. Geiger

Das Haus geht in den Besitz des Instrumentenmacher Caspar Georg Trau (1807-1851) über, der dort 1844 eine Pianoforte-Fabrik gründet. Er und seine Nachkommen betreiben das Badhaus bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Sein Sohn Johann Baptist Trau (1845-1921) lernt 1864 Johannes Brahms kennen. Angeblich hat Brahms in diesem Hause mehrmals gewohnt, wenn er von Ziegelhausen in die Stadt kam, und hat, angeregt durch das Plätschern des Brunnens in der Theaterstraße, manches Lied, wie z.B. „Der Mond steht über dem Berge“ (Opus 106, Text: Franz Kugler, Heidelberg) komponiert. Zumindest gab er hier Klavierkonzerte. (vgl. Harald Pfeiffer, Johannes Brahms in Heidelberg und Ziegelhausen. Zum 175. Geburtstag des Komponisten. Leipzig 2008)

23. 1. 1880: Verleihung des Prädikats „Hoflieferantenfabrikanten“ an die Gebr. Trau, Besitzer einer Pianoforte-Fabrik und Lagergeschäft in Heidelberg und Karlsruhe

1883: Hof-Pianoforte-Fabrik Gebr. Trau

um 1916: Pianofortefabrik Karl Günther

1920: das Haus wird von der Harmonie-Gesellschaft erworben. Später war es auch Sitz der Grund- und Hausbesitzerbank.

1959: das Haus wird abgerissen, um die Theaterstraße für den motorisierten Verkehr zu erweitern. Der sog. Kapuzinerbrunnen (gern auch „Brahms-Brunnen“ genannt) steht seit 1960 auf dem Grenzhöfer Friedhof.

Hauptstraße 110, Wormser Hof

Die Harmonie-Gesellschaft

Theaterstraße 2

Um 1856 gebaut, erster Besitzer: der Privatmann Karl Ickrath, ab 1872 der Färbermeister Louis Kircher. Am 1. September 1883 mietet sich die 1858 als Heidelberger Vorschußverein gegründete Gewerbebank (bis 1902) hier ein. (1898 mietet sie in dem benachbarten Haus Hauptstraße 106 drei Räume dazu.) Der damalige Besitzer ist der Baumeister Johann Remler (er baute 1884 das Reichspostamt).

1907 bis 1909 betreibt Emilie Reiske hier eine Kaffee- und Frühstücksstube, das „Theater-Café“ . 1910-1916 betreibt Adam Knapp hier ein Speisehaus, 1919-1922 das Familienheim Adam Knapp. Besitzer um 1916 ist der Büchsenmacher und Waffenhändler Karl Srba. Er wohnt hier, sein Geschäft hat er in der Hauptstraße 65. Um 1929 finden wir hier die Kunsthandlung Welker. 1966 eröffnet der Wirt des „Seppl“ die Gaststätte „Schinderhannes“. Der ehemalige Garten zu diesem Haus wurde mit Haus Nr. 2a überbaut.

Theaterstraße 2a

Auf diesem Grundstück lag einst der Garten zu Haus Theaterstraße 2. Die beiden Häuser sind vom selben Architekten im gleichen Stil erbaut. 1916 ist Besitzer der Arzt Dr. Heinrich Werner in Mannheim.

1910-1911 betreibt Martin Schenk hier eine Theaterwirtschaft mit Kaffeehaus, 1912-1917 heißt der Wirt Hermann Heider.

1957 ist die Besitzerin die Stadträtin (seit 1947, CDU) Dr. Ilse Krall, die dort mit ihrem Mann, Amtsgerichtsdirektor a.D. Heinrich Krall, wohnt. Mieter ist u.a. die Zweigstelle Heidelberg der Süddeutschen Kundenkreditbank AG.

1985: Goldschmied Welsch, Damenmodegeschäft Göschl

Theaterstraße 4 (rechts neben dem Theater)

Von 1856 bis mindestens 1879 wohnte hier Heinrich Krausmann, Rentmeister (d.h. im Stadtrat für Finanzen zuständig), dann Erster Bürgermeister, dann Landtagsabgeordneter, dann Alt-Oberbürgermeister und Landtagsabgeordneter.

Im 20. Jahrhundert war Besitzer die Städtische Sparkasse (Bezirkssparkasse) Heidelberg, welche hier am 1. Januar 1900 einzog. Friedrich Wielandt, erster Bürgermeister und Vorsitzender des Theaterausschusses, wohnte dort.

In den 1950er Jahren war Besitzer die Bezirkssparkasse Heidelberg. Mieter war das Amt für öffentliche Ordnung, Verkehrsabteilung. Seit den 1980er Jahren ist hier die Theater- und Konzertkasse. Außerdem wohnten dort ganz normale Mieter. Sie mußten ausziehen, als der Anbau am Stadttheater (gläsernes Foyer von Rudolf Biste und Kurt Gerling, Kosten: 9 Millionen €, 1990 eröffnet) gebaut wurde. Damals verschwanden auch etliche schöne Bäume im Hinterhofgarten. Der Anbau wurde 2009/10 zerstört.


Theaterstraße 6 (Stadttheater)

Im Gegensatz zu anderen Städten steht das Gebäude nicht an herausgehobener Stelle, sondern es fügt sich in die Straßenflucht ohne Vorplatz ein.“ (Bernd Müller, Architekturführer Heidelberg. Heidelberg 1998, S. 107). Im Oktober 1853 wurde das Theater nach nur fünf Monaten Bauzeit in Anwesenheit des Prinzregenten Friedrich von Baden mit der Festouvertüre "Des Künstlers Weihe" von Georg Köberle und Friedrich Schillers "Braut von Messina" eröffnet. Die Pläne stammten von dem großherzoglichen Bauinspektor Ludwig Lendorff (Schüler von Heinrich Hübsch, Erbauer des Bezirksgerichts, der im Februar jenes Jahres gestorben war). Der erste Direktor war August Haake aus Frankfurt. Der Bau war von einer Privatinitiative getragen, 1874 wird das Theater von der Stadt übernommen. Um 1876 wohnte der damalige Theaterdirektor Oscar Kramer im Hause. 1880 wird das Innere von dem evangelischen KirchenbauinspektorHermann Behagel umgestaltet. 1896 wird das Theater saniert und erweitert, die Bühne vergrößert, das Intendantenhaus Friedrichstraße 5 gekauft. 1924 wird es unter Stadtbaurat Fritz Haller im Stil des Neoklassizismus umgebaut. 1990 wird der Anbau (gläsernes Foyer von Rudolf Biste und Kurt Gerling. Kosten: 9 Millionen €) eingeweiht. 2003 feierte das Heidelberger Theater sein 150jähriges Jubiläum mit der Aufführung von Schillers "Braut von Messina". Vom 25. Oktober bis 19. November 2006 war das Theater geschlossen, weil die Sicherheit der Beschäftigten nicht mehr gewährleistet war. Am 25. Juli 2007 beschloß der Gemeinderat, den historischen Theatersaal als zweite Spielstätte zu erhalten und einen neuen Saal „mit modernster Technik und für die Theatermitarbeiter angemessenen Arbeitsbedingungen“ zu errichten. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben. Voraussichtliche Baukosten: 35 Millionen €. Im März 2008 gewann das Darmstädter Architekturbüro Waechter+Waechter mit seinem Entwurf den ersten Preis beim Wettbewerb um die Sanierung des städtischen Theaters. Nach dem Entwurf soll das 1990 eingeweihte Foyer abgerissen werden. Eine separate Personal-Kantine ist nicht vorgesehen. („Man kann den Beschäftigten des Theaters von draußen sozusagen bei der Arbeit zuschauen“ „Der Entwurf besticht durch eine zurückhaltende Modernität und fügt sich städtebaulich hervorragend in die historische Altstadt ein.“, Architekt Gregor Bäumle in RNZ, 19. 3. 2008)


Theaterstraße 7

1856/1876 war hier das Institut (Jakob) Ehrhardt, eine Privatschule. 1876 wohnte hier der Oberbibliothekar Prof. Dr. Karl Zangemeister, der erste hauptberufliche Leiter der Universitätsbibliothek Heidelberg. Unter seiner Ägide wurde der Bibliotheksneubau des Architekten Joseph Durm begonnen. Sein Name ging durch den von ihm angelegten systematischen Standortkatalog („Zangemeister-Katalog“) in die Bibliotheksgeschichte ein.

Um 1895 war dort u.a. die Heidelberger Musikschule (Direktion Otto Seelig und Hch. Neal), um 1896 hatte die Methodistengemeinde dort ihren Betsaal. Um 1916 saß im Hinterhaus der Orden der Guttempler, Deutsche Großloge e.V..

Theaterstraße 8 (links neben dem Theater; Mittermaier-Haus)

Hier wohnte 1863 bis 1917 der praktische Arzt Dr. Karl Mittermaier (Sohn des Juristen Karl Joseph Anton Mittermaier). Er war Stadtrat (Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei) und wurde am 20. Juli 1913, seinem 90. Geburtstag, „für seine großen Verdienste auf sanitärem und hygienischen Gebiet“ zum Ehrenbürger von Heidelberg ernannt. Eine 1870 von ihm veröffentlichte Schrift trägt den Titel „Die Reinigung und Entwässerung der Stadt Heidelberg. Nebst einem Anhang über die Wasserversorgung der Stadt. Denkschrift der von dem Heidelberger naturhistorisch-medicinischen Verein erwählten ärztl. Commission, verfasst von Karl Mittermaier

Theaterstraße 9

1916: Besitzer: Allgemeiner Volksschulpfründefond Heidelberg

Rektorat der Volksschule

1920er Jahre: Kulturfilmbund (Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. 4, S. 115)

1939: NS-Kreislehrerbund

1943: Reichsmusikkammer und Kreismusikerschaft (Geschäftszimmer), Amt für Erzieher der NSDAP, NS Lehrerbund (NSLB)

1957: Besitzer Allgemeiner Volksschulpfründefond Heidelberg (Stadtbildstelle, Stadtschulamt)

1982: Gemeinnützige Verkaufshilfe, Jugendberatung Drogen e.V., RA Klaus Staeck

1985: Drogenberatungsstelle


Theaterstraße 10 (Blum's Hof)

Anna Blums Vermächtnis

Theaterstraße 11

1865: Besitzer: Alexander Fürst, Advokat

Die Schriftstellerin und Musikerin Henriette Feuerbach (1812-1892), zweite Frau des Archäologen Anselm Ritter von Feuerbach, Stiefmutter des Malers Anselm Feuerbach, zog 1852 nach dem Tod ihres Ehemannes mit der Stieftochter Emilie nach Heidelberg (wohnt Hauptstraße 84, dann von 1871-1876 Theaterstraße 11). Sie gab Klavierunterricht, leitete einen Chor und gab Hauskonzerte. In ihrem Musiksalon gaben viele Künstler Hauskonzerte, darunter Clara Schumann, Johannes Brahms, Aglaja Orgeni. Viele Prominente kamen zu Besuch, wie Gottfried Gervinus, Alexander von Dusch, Kuno Fischer etc.

1916: Besitzer Rechtsanwalt Alexander Fürst Erben

1934-1945: Haus der Jugend, Jugendheim der HJ (Bann 110)

1957: Besitzer: Stadt Heidelberg (Wohnungsamt, Sozialversicherungsstelle, Kreisbeauftragter für das Flüchtlingswesen)

1967: Amt für öffentliche Ordnung, Fundbüro, Wohnungsamt, Sozial- und Jugendamt, Sozialversicherungsstelle, Wehrerfassungsbehörde

1985: Schulzahnarztstelle, Stadtbildstelle


Theaterstraße 14

1870 wohnt hier der Historiker Heinrich von Treitschke (1834-1896)

1916: Eigentümer Peter Welde Finanzrat Wtw.

Hier wohnte auch Lilly Kuppenheim geb. Ehrmann, die mit ihrem Mann, Dr. Rudolf Kuppenheim, in der Nacht zum 23. Oktober 1940 Selbstmord verübte. (Zur Erinnerung: Am 22. Oktober 1940 wurden 282 Juden aus Heidelberg mit anderen Juden aus Baden und der Pfalz in das Internierungslager Gurs verschleppt.) Die Familie Ehrmann hatte in der Theaterstraße ein Herrengarderobe-Geschäft. Schwester von Lilly Kuppenheim war die Malerin Karoline Borchardt geb. Ehrmann (1873-1944). 1906-1619 mit dem Schriftsteller Rudolf Borchardt verheiratet, 1942 nach Theresienstadt deportiert, starb sie dort 1944 unter nicht geklärten Umständen. 1957: Eigentümer Peter Welde Finanzrat Wtw. Erben

Theaterstraße 16

1856 hieß das unbebaute Grundstück „Müllers Garten“. In der Plöck 97 war damals das Gasthaus „neues Essighaus“. 1839-1859 war dort der Bierbrauer Georg Müller Wirt. Theaterstraße 16 war wohl der Biergarten des Essighaus.

1881 hatte hier der Bierbrauer Heinrich Hochschwender sein Magazin

1916 war Besitzer die Badische Brauerei, Mannheim

1957 war Eigentümer die Holzgroßhandlung, Kohlen- und Heizölhandlung Heinrich Oberfeld

1985 war hier der Frauenbuchladen, den nur Frauen betreten durften

1991 wurde hier die Buchhandlung Himmelheber eröffnet

Theaterstraße 18

1895: F. H. Kerle, Buchbinderei, Schreibwarenhandlung

1916: F. H. Kerle, Buchbinderei, Schreibwarenhandlung und Handlung religiöser Gegenstände

1957: Eigentümer Wilhelm Rühling, Verlagsbuchhändler

Drei Brücken Verlag (verlegt u.a. Dylan Thomas und Luigi Pirandello)

F. H. Kerle, Inh. Wilhelm Rühling, Verlag, Buch- Kunst- und Papierhandlung


Die Schulen in der Plöck

Die heutigen Grundstücke Theaterstraße 7-11 und Plöck 101 (mittelalterlicher Judenfriedhof) dienten bis ins 18. Jahrhundert als Universitätsgarten (heute zum Teil Schulhof)

1807 kauft der Altphilologe Johann Heinrich Voß (†1826) die alte Anatomie der Universität (Plöck 103-105/Sandgasse) als Wohnhaus.

Am 19. Dezember 1866 beschließt der große Bürgerausschuß den Neubau einer evangelischen Volksschule im ehemaligen Fries`schen Garten in der Plöck. Am 12. Oktober 1868 wird die neue evangelische Volksschule („Neues Schulhaus“) eingeweiht. Architekt: Ludwig Lang, Philipp Reichard, erster Volksschulneubau im Stadtgebiet, in den 1920er Jahren nach RP Friedrich Ebert benannt. Dafür wurde das Haus von Johann Heinrich Voß zerstört.

Am 12. Oktober 1903 wird das Schulhaus zwischen Theaterstraße, Plöck und Sandgasse bezogen (Volksschule für Jungen, dann „Liselotteschule“, später „Hindenburgschule“, erbaut von Stadtbaumeister Krall)

1961 entsteht aus der ehemaligen Volksschule in der Plöck (Friedrich-Ebert-Schule) eine selbständige Mittelschule

1966 erhält die Mittelschule in der Plöck (Friedrich-Ebert-Schule) den Namen Friedrich-Ebert-Realschule

Am 4. April 1968 wird die Friedrich-Ebert-Realschule in der Plöck in Theodor-Heuss-Realschule umbenannt

1968 wird die Liselotteschule für Mädchen in der Plöck in eine Grund- und Hauptschule für Jungen und Mädchen umgewandelt

1974 erhält die Grund- und Hauptschule für Jungen und Mädchen den Namen Friedrich-Ebert-Grundschule

Theaterstraße