Heidelberger Geschichtsverein e.V. (HGV)

Zeittafel zur Heidelberger Geschichte ab 1800

[21. März 1800: Graf Luigi Barnaba Niccolò Maria Chiaramonti (1742-1823) wird zum Papst Pius VII. gekrönt]

[27. Mai 1800: Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken löst die 1755 in Frankenthal gegründete Porzellanmanufaktur auf (vgl. 1762, 1795, 1797)]

Mai/Juni 1800: Aufenthalt Friedrich Hölderlins in Heidelberg (Rückkehr aus Homburg v.d.H. in die Heimat)

Sommer 1800: die Ode "Heidelberg" von Friedrich Hölderlin erscheint erstmals gedruckt in Aglaia, Jahrbuch für Frauenzimmer auf 1801

26. August 1800: die Franzosen nehmen erneut Heidelberg und Mannheim ein

[25. Dezember 1800: der Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich, dem der Friede von Lunéville folgt, wird in Steyr (Oberösterreich) in der heutigen Löwenapotheke unterzeichnet]

1800: Heidelberg hat die Bevölkerungszahl des Jahrs 1693 erreicht (knapp 9000 Einwohner). - Die Universität Heidelberg hat 65.000 fl. Schulden und 4160 fl. Jahreseinnahmen (vgl. 1803)

1800: der österreichische Offizier Graf von Sztarray beschwert sich bei der Heidelberger Universität, daß ihm Studenten begegnet seien, die sich nach Art der französischen Feinde kleideten: "Es kann dem Auge eines echtdenkenden Mannes nicht entgehen, wie auffallend sich mehrere junge Herren dieser Universität zur Schande der biedern deutschen Nation nach dem Muster des letzten Auswurfs der französischen schlechtesten Menschenklasse im Anzuge, sittlichem Betragen, Gebärden und im öffentlichen Anstande signalisieren." Die vom Grafen denunzierten Studenten trugen eine Matrosenhose, eine kurze Jacke und eine rote Mütze. Er fordert sofortige Abstrafung der "Sansculotten auf deutschem Grund und Boden".

1800: Abtragung der Vorburg der Handschuhsheimer Tiefburg, teilweise Zuschüttung des Burggrabens

[1800: Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken verlegt die 1472 gegründete Universität Ingolstadt vor dem heranrückenden Krieg nach Landshut (vgl. 1826)]

[1800: Lord Stanhope baut die erste ganz aus Eisen gefertigte Handpresse für den Buchdruck]

[1800: der Act of Union wird vom englischen und vom irischen Parlament verabschiedet. Ein neuer Staat wird geschaffen: the United Kingdom of Great Britain and Ireland (vgl. 1542, 1603, 1707)]

1800-1809: der Schmiedemeister Christoph Seidel läßt auf eigene Kosten den von Regen- und Bergwasser zerstörten Schießtorweg vom Klingentor entlang der zerfallenen südlichen Stadtmauer bis zur Rohrbacher Chaussee drainieren, mit Platanen bepflanzen und in einen Spazierweg umwandeln. Er wird danach Seidels-Weg, im westlichen Teil auch Pariser Weg genannt, weil 1799 französische Truppen auf dem Schießtorweg von Westen in die Stadt eingedrungen seien. (Vorläufer der 1826/1831 angelegten Leopoldanlage)

9. Februar 1801: Friede von Lunéville zwischen Frankreich, Kaiser und Reich. Frankreich behält das linke Rheinufer zwischen Basel und Andernach endgültig. Der Rhein wird jetzt auch vom Reich als Grenze anerkannt. Die Franzosen räumen rechtsrheinische Gebiete. - Die Universität Heidelberg verliert alle Güter und Gefälle links des Rheins. Die Markgrafschaft Baden tritt die Herrschaften Rodemachern, Hespringen, die Ämter Beinheim und Rhodt, Anteil an der Grafschaft Sponheim mit den Herrschaften Martinstein und Idar an Frankreich ab (vgl. 1793).

[2. April 1801: in der Seeschlacht von Kopenhagen besiegt die britische Flotte unter den Admiralen Hyde Parker, Horatio Nelson und Thomas Graves die dänische Flotte und vernichtet sie weitgehend]

15. Juli 1801: „Sturm auf die Hirschgasse“. Auseinandersetzung zwischen Bürgersöhnen und Akademikern. Auslöser: Zusammenstoß beim Tanz zwischen einem Studenten und einem Bürgersohn.

24. August 1801: Pariser Vertrag zwischen Bayern und Frankreich. Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken verzichtet auf linksrheinische Ansprüche

König Ludwig von Bayern und die badische Pfalz

22. August 1801: die katholische Chormusik ad Sanctum Spiritum wird aufgelöst. Sänger und Instrumentalisten werden entlassen

September 1801: Aufhebung des Dominikanerklosters (gegründet 1476, 1551 säkularisiert, 1705 wieder eingerichtet, Gebäude 1861 zerstört)

16. Dezember 1801: Tod des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden im Alter von 46 Jahren durch Schlaganfall nach Sturz seines Reisewagens auf der Rückfahrt von einer Reise nach Rußland und Schweden, bei der er seine Töchter Luise, Kaiserin von Rußland, und Friederike Dorothea, Königin von Schweden, besuchte, bei Arboga/Örebro

1801: die Filiale Eppelheim wird von der evangelischen Kirche Wieblingen abgetrennt (vgl. 1766)

1801: Aufhebung des Bistum Speyer (vgl. 1817)

[1801: der englische König George III. gibt den theoretischen Anspruch auf den französischen Thron auf]

1801-1803: Aufhebung von 6 Heidelberger Klöstern mit ihren Kirchen (Dominikaner, Kapuziner, Dominikanerinnen, Karmelien, Franziskaner...)

25. Januar 1802: Dekret des Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken zur Aufhebung der Klöster im bayerischen Herrschaftsbereich

8. Februar 1802: Spezial-Dekret des Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken zur Aufhebung der pfälzischen Klöster (Bettelverbot, Ausweisung der Ausländer)

26. Februar 1802: die bürgerlichen Zünfte der Stadt Heidelberg richten auf die Nachricht, daß die Universität nach Mannheim versetzt werden solle, an Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken die Bitte, dieselbe in Heidelberg zu lassen (vgl. 1817)

Februar 1802: Aufhebung des Kapuzinerklosters (gegründet 1685, 1811 zerstört)

[19. Mai 1802: der Erste Konsul Napoleon stiftet den Orden der Ehrenlegion (L’ordre national de la Légion d’honneur) in der Absicht, militärische und zivile Verdienste, ausgezeichnete Talente und große Tugenden zu belohnen]

Mai 1802: Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken schenkt der Universität Heidelberg den Oggersheimer Kirchenschatz (liturgische Geräte aus Edelmetall der Mannheimer und Oggersheimer Kirchen und Kapellen, rechtswidriger Säkularisationsgewinn) und bewahrt sie so vor dem Ruin

25. September 1802: provisorische Besitzergreifung Badens im Oberamt Heidelberg

September 1802: Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken schenkt der Universität Heidelberg die Hälfte der in der rechtsrheinischen Pfalz (?) gelegenen Besitzungen, Einkünfte, Gefälle und Zehnten

[2. August 1802: Volksabstimmung. Napoléon Bonaparte wird vom Senat zum Konsul auf Lebenszeit erklärt]

23. November 1802: Abtretungspatent Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken, Kurfürst von Pfalz-Baiern. Die rechtsrheinische Pfalz (Oberämter Heidelberg, Ladenburg, Bretten mit den Städten Mannheim und Heidelberg) fällt an Baden. Ende der Kurpfalz (vgl. 25. Februar 1803)

König Ludwig von Bayern und die badische Pfalz

1. 12. 1802-16. 12. 1808: das Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs wird vom markgräflich badischen Militär genutzt

9. Dezember 1802: Umzug der Heidelberger Studenten zu Ehren des neuen Landesherrn

9./10. Dezember 1802: Te Deum der drei Konfessionen zu Ehren der neuen Landesherrschaft mit Mannheimer Musikern

1802: die Universität Heidelberg hat 48 Studenten (vgl. WS 1809/1810)

1802: Gründung eines Seniorenconvents (Verband der Landsmannschaften bzw. Corps). Gründung der Landsmannschaft Rhenania.

1802?: Aufhebung des Dominikanerinnenklosters (Weißnonnen, Plöck 44, gegründet Anfang des 18. Jahrhunderts; vgl. 1803)

[1802: Graf Franz I. zu Erbach-Erbach beginnt, neben seiner Sommerresidenz Eulbach einen englischen Park anzulegen, in dem ausgegrabene Monumente aus römischen Siedlungen und Kastellen Aufnahme finden]

[1802: Hirschhorn und Neckarsteinach kommen an Hessen-Darmstadt]

[1802: Napoléon Bonaparte führt die 1794 abgeschaffte Sklaverei in den Kolonien wieder ein]

[1802: die 1632 gegründete Universität Dorpat (Livland) wird von Deutsch-Balten mit Hilfe Kaiser Alexanders als einzige deutschsprachige Universität des Russischen Reiches neu gegründet]

Januar 1803: ein Jäger aus Schwetzingen, Sohn des Oberjägers Wilhelm Förster, schießt im Hegenichwald den letzten Wolf

12. Februar 1803: das 4. badische Organisationsedikt regelt die Säkularisation der Klöster und Stifte. Als einziges badisches Kloster bleibt die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal bestehen. Die Klöster Salem und Petershausen fallen als Privateigentum an das Haus Baden.

25. Februar 1803: im Reichsdeputationshauptschluß werden zur Entschädigung der linksrheinisch depossedierten weltlichen Fürsten die geistlichen Reichsstände (bis auf das Kurfürstentum Mainz, den Deutschen und den Johanniterorden) säkularisiert und die meisten Reichsstädte mediatisiert (=der Reichsunmittelbarkeit beraubt). Die Kurwürden von Köln und Trier fallen fort, diejenige von Mainz wird auf Regensburg übertragen, vier neue Kurwürden werden geschaffen (Salzburg, Württemberg, Baden und Hessen-Kassel). Die Markgrafschaft Baden wird zum Kurfürstentum Baden (vgl. 8. Mai 1803). Der Markgraf von Baden verliert seinen Teil an der Grafschaft Sponheim und seine Güter und Herrschaften im Luxemburgischen, Elsaß u.s.f.. Dafür erhält er das Bistum Konstanz, die Reste der Bistümer Speyer (darunter die Kollerinsel), Basel und Straßburg, die pfälzischen Ämter Ladenburg, Bretten und Heidelberg mit den Städten Heidelberg und Mannheim, ferner die Herrschaft Lahr, die hessischen Ämter Lichtenau und Wildstädt, die Abteien Schwarzach, Frauenalb, Allerheiligen, Lichtenthal, Gengenbach, Ettenheim-Münster, Petershausen, Reichenau, Öhringen, die Probstei und das Stift Odenheim, und die Abtei Salmansweiler (Salem) mit Ausnahme von Ostrach, die Reichsstädte Offenburg, Zell am Hammersbach, Gengenbach, Überlingen, Biberach, Pfullendorf und Wimpfen; endlich die Besitzungen und Rechte auf der Südseite des Neckars, welche von den öffentlichen Stiftungen und Körperschaften des linken Rheinufers abhängen.

http://www.lsg.musin.de/Geschichte/Material/Quellen/verfassungen/rdhs.htm (Wortlaut des Vertrags)

24. März 1803: der Reichstag zu Regensburg verabschiedet den Reichsdeputationshauptschluß

31. März 1803: Auflösung des Konvents der Unbeschuhten Karmeliten am Friesenberg (vgl. 1701/1713, 1799, 1808/1810) Ansicht im Thesaurus Palatinus

[7. April 1803: François-Dominique Toussaint Louverture (*1743), Anführer der Haitianischen Revolution 1791, stirbt in Château de Joux]

27. April 1803: Kaiser Franz II. ratifiziert den Reichsdeputations-Hauptschluß

April 1803: Die Universität Heidelberg ist bankrott (63.784 fl. Schulden, 2896 fl. Jahreseinnahmen und 3189 fl. laufende Zinsverpflichtungen) (vgl. 1800).

20. April 1803: Der badische wirkliche geheime Rat Friedrich Brauer gibt in seinem Gutachten "Ueber die Universität Heidelberg" zu bedenken, ob der notwendige finanzielle Aufwand für die Restitution der Hochschule sich überhaupt lohne. Die Universität stehe „zwischen Leben und Tod mitten inne“. (vgl. 4. Mai 1803)

[30. April 1803: Napoléon verkauft Louisiana westlich des Mississippi an die USA]

4. Mai 1803: der badische Geheime Rat entscheidet, daß "die Aufrichtung der Universität [Heidelberg] dem Staatswohl dienlich und daher rätlich" sei (vgl. 20. April 1803)

8. Mai 1803: Markgraf Karl Friedrich von Baden wird Kurfürst von Baden (vgl. 25. 2. 1803, 27./28. März 1803)

12. Mai 1803: der Rohrbacher Küfermeister Johann Georg Förster kauft seinem Sohn Johann Jakob Förster das Anwesen Hauptstraße [heutige Nr. 59] in Heidelberg für 3500 Gulden

13. Mai 1803: 13. badisches Organisationsedikt „Über die Organisation der gemeinen und wissenschaftlichen Lehranstalten, insbesondere die Neuorganisation der Universität Heidelberg“. Kurfürst Karl Friedrich von Baden beschließt die Aufhebung der konfessionellen Bindung und die Beendigung der Eigenfinanzierung der Universität Heidelberg. Die Hochschule wird zu einer staatlich finanzierten Anstalt (40.000 fl./Jahr). Der religiöse Proporz und die Erbprofessuren werden abgeschafft. Die Privilegien und Rechte der Universität als Korporation erlöschen. Der Pfaffenschank erlischt ebenfalls. Das Inlandsstudium wird für alle verpflichtend, die eine Anstellung im badischen Staats- oder Kirchendienst anstreben. Die Staatswirthschaftliche Hohe Schule (ehemalige Kameral Hohe Schule) wird der Universität als „Staatswirtschaftliche Sektion“ der philosophischen Fakultät angegliedert und verbleibt dort bis 1969 (vgl. 1774, 1784, 1818, 1822). Karl Friedrich von Baden tritt als Rektor an die Spitze der Universität (letzter kurpfälzischer Rektor: Daniel Wilhelm Nebel), die künftig neben dem Namen des Universitätsgründers Ruprecht auch seinen Namen führt (seit SS 1805: "Ruprecht-Carolinische Universität"). Der Prorektor amtiert nur ein halbes Jahr. Das Edikt führt auch die allgemeine Schulpflicht ein. - Mit der Aufhebung des Bistum Worms erlöschen Kanzler- und Vizekanzleramt der Universität Heidelberg.

2. Juni 1803: Kurfürst Karl Friedrich von Baden zieht in Mannheim ein

1803: die Franziskaner werden von ihrem Kloster im Kalten Thal in das Kapuzinerkloster umgesetzt (bis 1810)

17. Juni 1803: die Bewohner des Kalten Thals ersteigern die Gebäude des Franziskanerklosters unter der Bedingung, sie abzubrechen und eine öffentliche Promenade anzulegen (1804 Abriß, 1807: Anlage des Karlsplatzes)

27. Juni 1803: Kurfürst Karl Friedrich von Baden zieht in Heidelberg ein (vgl. 27./28. März 1803)

14?.-17. Juli 1803: der Dichter Ludwig Tieck in Heidelberg (wohnt im Gasthaus „Zu den drei Königen“, Hauptstraße 160). Vergebliche Bemühungen um eine Professur für Ästhetik an der Universität, unterstützt von Clemens Brentano, Georg Friedrich Creuzer und Friedrich Karl von Savigny (vgl. April 1804)

16. Juli 1803: Nachtmusik der Studenten zu Ehren des Dichters Ludwig Tieck

31. Juli 1803: der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in Heidelberg

[7. August 1803: erste russische Weltumsegelung. Der deutsch-baltische Admiral der russischen Flotte Adam Johann Baron von Krusenstern (1770-1846) segelt aus Kronstadt ab und kehrt am 19. August 1806 wieder dorthin zurück]

August 1803: der Göttinger Jurist Gustav Hugo (1764-1844) lehnt einen Ruf an die Universität Heidelberg ab, da ihm kein hinreichend attraktives Angebot gemacht werden kann ("Ohne sich zu verbessern, zieht doch kein Mensch vom Orte, den er kennt, an einen unbekannten, von einer blühenden Universität auf eine verfallene")

August 1803: Caroline Rudolphi eröffnet in Heidelberg ein Erziehungsinstitut für Mädchen (Hauptstraße 86, ab 1811 Märzgasse 20)

September 1803?-1806: Heinrich Jung-Stilling in Heidelberg (wohnt im Bomeisselschen Handelshaus, beim Schutz- und Handelsjuden Wolff Löw Bomeisel, Steingasse 9)

13. September 1803: Gustav IV., König von Schweden (verheiratet mit Friederike, Enkelin Kurfürst Karl Friedrichs von Baden) in Heidelberg. Besuch der Universität und des Schlosses.

Herbst 1803: der 18jährige Karl Drais von Sauerbronn schreibt sich als Student der Staatswirtschaft an der Universität Heidelberg ein

[6. November 1803: Gründung der Gesellschaft Casino in Mannheim]

[18. November 1803: Schlacht von Vertières (bei Cap-Français in der Kolonie Saint-Domingue). Die napoleonischen Truppen des General Rochambeau unterliegen denen des General Jean-Jacques Dessalines]

30. November 1803: Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken überläßt das Herzogtum Berg seinem Schwager Herzog Wilhelm in Bayern als Apanage, behält aber die Souveränität. Wilhelm residiert als Statthalter in Düsseldorf.

1803: die Lutheraner übernehmen den Besitz des 1802 aufgelösten Dominikanerinnenklosters (Weißnonnen, Plöck 44) und richten ihn als Pfründnerspital ein. Wegen der Nähe zur Providenzkirche hat die kleine Klosterkirche keine Verwendung.

1803: Ludwig Tieck gibt in Berlin Minnelieder aus dem Schwäbischen Zeitalter (eine Auswahl aus dem Codex Manesse) heraus

1803: Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken, Kurfürst von Pfalz-Baiern, schenkt das Rohrbacher Schlößchen seiner Cousine und Schwiegermutter Markgräfin Amalie von Baden (1832)

1803: auf dem 1706ff. gerodeten Kohlhof-Gebiet (Busenbrunnerhof; Königstuhl) werden weitere 50 Morgen Wald gerodet

[1803: Ausdehnung der 1758 gegründeten Gebäudeversicherung gegen Feuer auf das ehemals kurpfälzische Gebiet]

[1803: Napoleon Bonaparte führt den Franc als neue Währung ein]

[1803: Einführung der Gulden/Kreuzer-Währung in Baden]

[1803: im östlichen Odenwald wird das Fürstentum Leiningen geschaffen, 1806 zugunsten Badens mediatisiert]

[1. Januar 1804: die Republik Haiti wird als zweiter Staat in Amerika unabhängig]

[21. März 1804: der Code Civil tritt in Kraft – Napoléon läßt den Herzog von Enghien (*1772) in Ettenheim/Baden erschießen]

11. April 1804: Kurfürst Karl Friedrich von Baden weist den Heidelberger Katholiken die Jesuitenkirche als Pfarrkiche zu

April 1804: der Altphilologe Georg Friedrich Creuzer kommt auf Einladung des Theologen Karl Daub aus Marburg nach Heidelberg. Creuzer und Brentano schlagen Ludwig Tieck für den Ästhetik-Lehrstuhl der Universität Heidelberg vor.

[18. Mai 1804: Napoléon Bonaparte nimmt als Napoléon I. den Titel eines (erblichen) Kaisers der Franzosen an]

11. Juni 1804: der Hofrat Ernst Ludwig Posselt (*1763) stirbt, nachdem er sich in einem Anfall von Irrsinn aus dem Fenster seines Hauses (Kornmarkt 3) gestürzt hat

12. Juni 1804: Kurfürst Karl Friedrich von Baden läßt sich in Heidelberg von Oberforstrat und Professor Christoph Wilhelm Jakob Gatterer den Plan eines ökonomisch-forstbotanischen Gartens im Schloßgarten für die Universität erläutern. Der Vorschlag wird bis 1808 ausgeführt. Der Garten wird der Staatswirtschaftlichen Sektion der Philosophischen Fakultät unterstellt. Gatterer zieht für die Planung den Schwetzinger Gartenbaudirektor Friedrich Ludwig von Sckell heran, der im März 1804 nach München berufen wurde. Sein Nachfolger, der Schwetzinger Garteninspektor (ab 1806 Gartendirektor) Johann Michael Zeyher (1770-1843), entwirft mit Gatterer die Pläne. Auf den aufgeschütteten Terrassen werden Saat- und Baumschulen, Obstplantagen und Musterfelder für Getreidesorten angelegt. - Der Schloßgarten entwickelt sich zum beliebten Ausflugsziel.

27. Juni 1804: Zwischenfall mit einem rauchenden Studenten an der Heidelberger Hauptwache (beim Mitteltor)

13. Juli 1804: Auszug von 137 Studenten nach Neuenheim und Vorlesungsstreik (vgl. auch 1828, 1848)

14. Juli 1804: die ausgezogenen Studenten kehren nach Heidelberg zurück. Sie erreichen, daß die beteiligten Offiziere und Mannschaften bestraft werden.

Juli 1804: Clemens Brentano kommt nach Heidelberg

Juli 1804-1837: Friedrich Heinrich Christian Schwarz aus Gießen wird Professor der lutherischen Dogmatik und der Dogmengeschichte an der Universität Heidelberg (-1837). Er erwirbt das 1755 erbaute Haus Plöck 36 und betreibt bis 1822 dort das "Schwarzische Erziehungs-Institut für Knaben".

1804: das ehemalige Kloster Neuburg wird an den Regierungskommissär Philipp Ludwig Houth in Mannheim verkauft (vgl. 1799, 1812)

5. August 1804: die Dichterin Caroline von Günderrode in Heidelberg. Ausflug mit Brentano u.a. nach Stift Neuburg, Hausacker und Schloß. Begegnung mit Georg Friedrich Creuzer.

[11. August 1804: Franz II., bis 1806 römisch-deutscher Kaiser, wird als Franz I. Kaiser von Österreich]

August 1804: die Universitätsbibliothek Heidelberg erhält etwa 4.600 Bände aus den Klöstern Allerheiligen, Lichtenthal und Schwarzach

August-Oktober 1804: der Jurist Friedrich Karl von Savigny hält sich in Heidelberg auf und beschreibt den Zustand der Universität: "Das Erste, was hier jedem Beobachter auffällt, ist die nicht geringe Zahl völlig unbekannter Lehrer, welche aus dem alten hülflosen Zustande der Universität übrig geblieben sind."

[6. Oktober 1804: General Jean-Jacques Dessalines krönt sich zum Kaiser von Haiti]

23. November 1804: die Zisterzienserabtei Salem im Linzgau wird geschlossen. Die Aufhebung wird vertraglich geregelt und die Patres mit Pensionen entschädigt. Die Klosterbibliothek wird 1826 größtenteils in die Universitätsbibliothek Heidelberg verbracht, wogegen die Münzsammlung und viele Kunstgegenstände bis heute verschollen sind

[2. Dezember 1804: Napoléon Bonaparte krönt sich zum Kaiser von Frankreich]

1804: „zur Erweiterung der Passage, da die Ecke des staatswirtschaftlichen Gebäudes und das Tor an der Karmeliterkirche einen zum Ausweichen zweier Wägen kaum hinlänglich Platz lasse, zur Verhütung weiteren Unglücks“ wird ein Teil des Hofes des Freudenbergschen Haus (heute Hauptstraße 235) abgetreten (vgl. 31. März 1803)

1804: Zerstörung des Franziskanerklosters (1807: Anlage des Karlsplatzes)

1804: fast alle Professoren der alten Universität Heidelberg werden in ihren Ämtern bestätigt ("Bei weitem die größeste Anzahl der notorisch unbrauchbaren Subjecte ist beibehalten worden", Georg Friedrich Creuzer)

1804: Georg Arnold Heise (1778-1851) aus Göttingen wird zunächst vorläufig, dann endgültig auf den Lehrstuhl für römisches und deutsches Recht sowie Privatrecht der Universität Heidelberg berufen (mit einem Salär in Höhe von 1300 Gulden nebst den üblichen Naturalien)

1804: die Buchhandlung Schwan & Götz zieht als Filiale des gleichnamigen Verlags von Frankfurt nach Heidelberg (vgl. 1859, 1900, 1976)

1804: der Tierarzt Franz Wilhelm Widmann (1774-1832) übernimmt das Scharfrichter-Amt in Heidelberg

[1804: Galizien wird zum Bestandteil des Kaisertums Österreich erklärt (vgl. 1772, 1867)]

[1804?: Markgraf Karl Friedrich von Baden beauftragt den Schwetzinger Garteninspektor (ab 1806 Gartendirektor) Johann Michael Zeyher (1770-1843), in Schwetzingen auf dem ehemaligen Gelände der Menagerie einen forstbotanischen Garten (Arboretum) anzulegen]

[um 1804: die Weltbevölkerung überschreitet eine Milliarde Menschen]

1805-1819: (erster) Oberbürgermeister Daniel Mays (Großvater von Albert Mays)

Januar 1805: Eröffnung der anatomischen Anstalt im Erdgeschoß des ehemaligen Dominikanerklosters (vgl. 23. Oktober 1805)

17. Januar und 4. Februar 1805: durch Hochwasser und Eisgang des Neckar stürzt das Ufer bei Neuenheim ein. Wingerte, Äcker und Gärten werden fortgerissen. Im Sommer des nächsten Jahres wird das Ufer durch Steine befestigt.

15. Februar 1805: Clemens Brentano schlägt in einem Brief aus Heidelberg an Achim von Arnim diesem und dem Komponisten Johann Friedrich Reichardt die Herausgabe eines "wohlfeilen Volksliederbuchs" vor

1805: Jakob Christian Benjamin Mohr aus Frankfurt am Main bewirbt sich erfolgreich beim Akademischen Senat um ein "Privilegium für ein Buchhandels-Etablissement" in Heidelberg (vgl. 1811).

Sommersemester 1805: der Name "Ruperto Carolina" für die Universität Heidelberg findet sich erstmals offiziell findet sich auf dem Deckblatt des Vorlesungsverzeichnisses für das Sommersemester

[9. Mai 1805: Friedrich Schiller stirbt]

Mai 1805: Achim von Arnim kommt nach Heidelberg

[26. Mai 1805: Napoléon Bonaparte krönt sich in Mailand zum König von Italien]

Juni 1805: der Buchhändler Jakob Christian Benjamin Mohr aus Frankfurt gründet gemeinsam mit seinem Freund Johann Georg Zimmer aus Hamburg in Heidelberg die "Akademische Buchhandlung von Mohr & Zimmer" mit Verlag und Sortiment. Mohr bleibt zunächst in Frankfurt, während Zimmer in Heidelberg arbeitet und sich mit den Romantikern, vor allem mit Clemens Brentano, anfreundet. Bis 1811 leitet Mohr das Frankfurter und Zimmer das Heidelberger Geschäft, dann löst Mohr die Frankfurter Filiale auf und siedelt ebenfalls nach Heidelberg über. Ab 1815 firmiert die Buchhandlung, nachdem Zimmer ausgetreten ist und Christian Friedrich Winter neuer Teilhaber wird, unter Mohr & Winter. Als Winter 1822 ausscheidet, führt Mohr die Buchhandlung J.C.B. Mohr allein weiter. 1878 wird der J.C.B. Mohr-Verlag an Paul Siebeck (Tübingen) verkauft.

17. Juli 1805: der Übersetzer und Altphilologe Johann Heinrich Voß aus Jena, von Kurfürst Karl Friedrich von Baden mit einem Ehrensold (1000 fl.?) ohne Lehrverpflichtung an die Universität berufen, kommt nach Heidelberg (wohnt im "Riesen", Hauptstraße 52)

[25. August 1805: Frankreich schließt mit dem Kurfürstentum Bayern einen geheimen Bündnisvertrag ab, in dem der Kurfürst sich verpflichtet, Frankreich im Kriegsfall eine Armee von 20.000 Mann zu stellen]

5. September 1805: Geheimer Allianzvertrag Badens mit Frankreich. Baden verpflichtet sich, Frankreich 3000 Soldaten zu stellen

[23. September 1805: Kriegserklärung Napoleons an den Kaiser. Dritter Koalitionskrieg. Tripelallianz Großbritannien-Rußland-Österreich. Die Grande Armee überquert den Rhein in breiter Front zwischen Mainz und Straßburg]

29. September 1805: der erste Band von Des Knaben Wunderhorn. Alte Deutsche Lieder von Clemens Brentano und Ludwig Achim von Arnim erscheint bei der Verlagsbuchhandlung Mohr und Zimmer (ab Juli 1805 in Frankfurt am Main gedruckt, die Bände 2 und 3 folgen 1808 in Kassel) http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-knaben-wunderhorn-i-band-2385/1 http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/arnim_wunderhorn01_1806

Oktober 1805-1813: Aloys Schreiber Professor der Ästhetik an der Universität Heidelberg mehr

[1. Oktober 1805: Napoléon trifft in Ettlingen mit Kurfürst Karl Friedrich von Baden zusammen]

[5. Oktober 1805: der Kurfürst von Württemberg schließt in Ludwigsburg einen Bündnisvertrag mit Frankreich ab]

[21. Oktober 1805: Sieg Vizeadmiral Horatio Nelsons über die französisch-spanische Flotte am Kap Trafalgar im Rahmen des Dritten Koalitionskriegs. Die Briten erobern oder zerstören 20 feindliche Schiffe. Nelson fällt in der Schlacht, aber sein Sieg vereitelt Napoleons Pläne für eine Invasion der britischen Inseln endgültig]

23. Oktober 1805: Gründung des Institutum Policlinicum Medico Chirurgicum (kurfürstliche poliklinische Anstalt) im ehemaligen Dominikanerkloster (Hauptstraße/Brunnengasse) unter Leitung von Dr. Jakob Fidelis Ackermann (am 20. November 1815 wegen Überschuldung geschlossen) (vgl. Januar 1805)

1805: Verlegung der am 19. April 1766 in Mannheim gegründeten Hebammenschule mit Gebäranstalt  nach Heidelberg unter Leitung von Prof. Franz Anton Mai (ehemaliges Dominikanerkloster Hauptstraße/Brunnengasse; 1818 Marstallhof; 1884 Bergheim)

[2. Dezember 1805: Dreikaiserschlacht bei Austerlitz. Napoléons Sieg über Österreicher und Russen entscheidet den Dritten Koalitionskrieg für Frankreich]

26. Dezember 1805: Friede von Preßburg zwischen Frankreich und Österreich. Österreich muß auf sämtliche Gebiete in Italien und im SW des Reiches (u.a. Venetien) verzichten. Tirol und Vorarlberg gehen an Bayern. Salzburg kommt zu Österreich. Baden erhält u.a. die Ortenau, den Breisgau (mit der Universität Freiburg), Konstanz, Heitersheim, Hohengeroldseck. - Mannheim wird Hauptstadt der neu gebildeten Provinz Badische Pfalzgrafschaft.

9. Dezember 1805: neue Statuten der Universität Heidelberg. Einführung von Engerem und Großem Senat. Einführung des Ephorats (zur moralischen Überwachung der Studenten)

1805: die Reste der in der Karmelitenkirche am Friesenberg ruhenden 10 pfälzischen Wittelsbacher der Neuenburger Linie (unmittelbare Vorfahren der bayerischen Könige) werden "bei Nacht und Nebel" nach München überführt und in der Gruft der Hofkirche Sankt Michael beigesetzt (vgl. 1701/1713, 1799, 31. März 1803, 1810) Ansicht im Thesaurus Palatinus

1805: in Mannheim erscheint der erste Band von Geschichte und Beschreibung der Stadt Heidelberg von Friedrich Peter Wundt

1805: Schutzbrief Napoléons für die Universität Heidelberg (?)

1805: Auflösung der (um 1559/1576 gebildeten) wallonischen Gemeinde zu Heidelberg (letzter Pfarrer: Conrad Christian Kilian aus Den Haag)

1805: der Schwetzinger Garteninspektor (ab 1806 Gartendirektor) Johann Michael Zeyher (1770-1843) gestaltet unter Aufsicht des Medizinprofessors Franz Carl Zuccarini den ehemaligen Garten des Dominikanerklosters als (4.) Botanischen Garten (Eingang von der Brunnengasse; bis 1834)

1805?: das Grabmal des Botanikers Georg Matthäus Gattenhof (†1788) wird vom (3.) botanischen Garten am Heckemarkt zum Turm im Garten der Jesuitenkirche (?) verbracht

um 1805: die Stützmauer des Schloßaltan wird erneuert

1805ff.: Anton Friedrich Justus Thibaut, bis zu seinem Tode 1840 Professor des Zivil-, Kriminal- und Römischen Rechts in Heidelberg (Sold: 2900 fl.), veranstaltet in seinem Haus (heute Karlstraße 16) Singabende

[1805: dem französischen Hutmacher und Seidenweber Joseph Marie Jacquard (1752-1834) gelingt die Programmierung eines funktionsfähigen Webstuhls]

1805-1810: Georg Friedrich Creuzer und Karl Daub geben bei Mohr & Zimmer die Heidelberger Studien in sechs Bänden heraus.

[1. Januar 1806: Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken wird als Maximilian I. Joseph erster König von Bayern (†1825) - Württemberg wird zum Königreich erhoben (vgl. 25. Februar 1803)]

[1. Januar 1806 (11. Nivôse XIV): Wiedereinführung der Zeitrechnung nach dem gregorianischen Kalender in Frankreich; vgl. 5. Oktober 1793]

[20./21. Januar 1806: Kaiser Napoléon und Kaiserin Joséphine besuchen Karlsruhe]

21./22. Januar 1806: in der Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung erscheint J. W. Goethes Rezension des 1. Bandes von Des Knaben Wunderhorn ("Die Kritik dürfte sich vorerst nach unserem Dafürhalten mit dieser Sammlung nicht befassen. Die Herausgeber haben solche mit so viel Neigung, Fleiß, Geschmack, Zartheit zusammengebracht und behandelt, daß ihre Landsleute dieser liebevollen Mühe nun wohl erst mit gutem Willen, Theilnahme und Mitgenuß zu danken hätten. Von Rechts wegen sollte dieses Büchlein in jedem Hause, wo frische Menschen wohnen, am Fenster, unter'm Spiegel, oder wo sonst Gesang- und Kochbücher zu liegen pflegen, zu finden sein, um aufgeschlagen zu werden in jedem Augenblick der Stimmung oder Unstimmung, wo man denn immer etwas Gleichtönendes oder Anregendes fände, wenn man auch allenfalls das Blatt ein paarmal umschlagen müßte.") http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-knaben-wunderhorn-i-band-2385/1 http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/arnim_wunderhorn01_1806

[15. März 1806: König Maximilian I. Joseph von Bayern tritt das rechtsrheinische Herzogtum Berg im Tausch gegen die Markgrafschaft Ansbach an Frankreich ab]

[7./8. April 1806: Karl Erbprinz von Baden (20) heiratet in den Tuilerien Stéphanie de Beauharnais (16), eine Cousine der französischen Kaiserin Joséphine de Beauharnais]

16. Mai 1806: die Regierung verbietet auf Initiative des Juristen, Rektors der Universität und Musikenthusiasten Anton Friedrich Justus Thibaut Theateraufführungen in Heidelberg und im Umkreis von zwei Stunden ohne Genehmigung der Universität

1. Juli 1806(-1808): Clemens Brentano gründet die Badische Wochenschrift zur Belehrung und Unterhaltung für alle Stände, die Professor Aloys Schreiber herausgibt

[12. Juli 1806: Rheinbundakte, in Paris geschlossener Vertrag zwischen dem Bevollmächtigten Kaiser Napoleons und den Bevollmächtigten von 16 deutschen Fürsten, die sich auf Druck Napoleons vom Reich lösen und als souveräne Staaten der Konföderation des Rheinbundes beitreten]

26. Juli 1806: Kurfürst Karl Friedrich von Baden ratifiziert den Rheinbundvertrag. - Dankfest in Heidelberg aus Anlaß der Genesung des Kurfürsten. Clemens Brentano veröffentlicht in der Badischen Wochenschrift das Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg und seinem Traum auf der Brücke, in dem er die Verdienste des Kurfürsten um den Aufschwung der heruntergekommenen Universität Heidelberg rühmt (bei Mohr & Zimmer). - Die Dichterin Caroline von Günderrode erdolcht sich bei Winkel am Rhein.

[1806: Carl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1744-1817) wird Fürstprimas des Rheinbundes]

[1. August 1806: Baden tritt dem Rheinbund bei]

[6. August 1806: Ende des Römisch-Deutschen Reiches. Napoléon Bonaparte zwingt Kaiser Franz I. von Österreich, Titel und Krone des Kaisers des Römischen Reiches deutscher Nation niederzulegen. Um die drohende Wahl Napoléons zum römischen Kaiser zu verhindern, löst Kaiser Franz II. das römische Kaiserreich (nach Gründung des erblichen österreichischen Kaiserreichs) auf]

[13. August 1806: Kurfürst Karl Friedrich wird Großherzog von Baden mit dem Titel "Königliche Hoheit"]

[14. August 1806: die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wird von Napoleon, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund, zum Großherzogtum erhoben. Gleichzeitig tritt das Land aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aus]

[30. August 1806: Gründung des Herzogtum Nassau]

11. September 1806-1808: Joseph Görres aus Koblenz, Privatdozent an der Universität Heidelberg, lehrt Philosophie, Ästhetik, altdeutsche Literatur, Physiologie, Organpöie, Psychologie, Anthropologie, Ästhetik, spekulative Physik, Himmelkunde. Seine Vorlesungen haben großen Anklang und bilden die Keimzelle der Heidelberger Romantik. Er kommt mit dem Kreis um C. Brentano und A. v. Arnim in Berührung. Seine Hoffnungen auf eine Professur zerschlagen sich, so daß er die Universität bald wieder verläßt.

September 1806: der Dichter Ludwig Tieck in Heidelberg

25. September 1806: Aloys Wilhelm Schreiber, Professor der Ästhetik an der Universität Heidelberg, bittet Großherzog Karl Friedrich brieflich, ihn auf seinen früheren Posten in Baden zurückzuversetzen ("Ich muß in dem teuren Heidelberg mit meiner Familie zu Grunde gehen")

September 1806-Mai 1807: Sigismund Freiherr von Reitzenstein Kurator der Universität Heidelberg. Er richtet ein philologisches und ein damit verbundenes pädagogisches Seminar ein. (vgl. 12. März 1807)

[9. Oktober 1806: Preußen erklärt Frankreich den Krieg]

[14. Oktober 1806: die Franzosen unter Davout schlagen die Preußen unter Herzog Karl von Braunschweig bei Jena und Auerstedt (Kr. Apolda) vernichtend]

[27. Oktober 1806: Napoléon zieht durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Er läßt die Quadriga, den auf dem Tor thronenden vierspännigen Wagen, abmontieren und nach Paris abtransportieren]

31. Oktober 1806: die Dichterin Sophia Brentano geb. Schubart (gesch. Mereau) wird mit ihrem totgeborenen Kind auf dem St. Anna-Kirchhof beerdigt (ohne Gedenkstein) Brentanos Brief an Savigny, November 1806

[21. November 1806: Napoléon verhängt eine Kontinentalsperre gegen englische Waren, darunter Rohrzucker, Kaffe, Tee, Baumwolle (-1813)]

1806: Friedrich Weinbrenner baut im Auftrag des Großherzogs eine Kavalleriekaserne an der Stelle, wo der 1590 von Pfalzgraf Johann Kasimir gebaute und 1693 ausgebrannte Marstall südlich des Zeughauses stand (vgl. 1818; 1966 zerstört)

1806: Karl Christian von Langsdorf (1757-1834) unterrichtet an der Universität Heidelberg Mathematik und Maschinenkunde und gibt (ab Oktober 1808) die Heidelbergischen Jahrbücher der Literatur (Abtheilung 4: Mathematik, Physik und Kameralwissenschaften) heraus. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1808_4

1806: die Fa. Kesselbach wird gegründet (2000 geschlossen) (vgl. 1724)

1806: von Georg Primavesi erscheint in Mannheim: XII. Ansichten des Heidelberger Schlosses

[1806: die Universitäten Halle und Jena werden geschlossen (vgl. 1817)]

[1806: die Wahhâbiten erobern Mekka und schänden das Grab Mohammeds in Medina]

1806/1807: Vierter Koalitionskrieg. Baden steht an der Seite Frankreichs

[8. Februar 1807: Napoleon erfährt seine erste empfindliche Niederlage bei Preußisch-Eylau/Ostpreußen]

11. Februar 1807: Aufhebung der Leibeigenschaft für den pfälzischen Teil Badens (vgl. 1783; 1. Januar 1810)

März 1807: Clemens Brentano löst seinen Haushalt in Heidelberg auf und geht nach Kassel

12. März 1807: Gründung des Philologisch-Pädagogischen Seminariums in Heidelberg durch Friedrich Heinrich Christian Schwarz, Georg Friedrich Creuzer (erster Direktor) u.a. (vgl. 1818)

[25. März 1807: Großbritannien verbietet den Sklavenhandel auf britischen Schiffen]

Ostern 1807. Sattler Johann Gottlieb Müller eröffnet eine Sommerwirtschaft im Berggarten seines Gasthauses "Sattler-Müllerei" (westliche Vorstadt, am Fuße des Gaisbergs; Leopoldstraße 34, heute Friedrich-Ebert-Anlage 44)

[1. Mai 1807: die USA verbieten den Sklavenhandel mit Beginn des Jahres 1808]

9. Mai 1807: Schiller-Feier im Widderschen Saal (Marstallstraße 6) durch Theodor von Sydow (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein e. V., Nr. 14 (2010), S. 24ff.)

17. Mai 1807-5. April 1808: Joseph Freiherr von Eichendorff studiert Jura in Heidelberg Eichendorff, Romantiker in Heidelberg

Mai 1807: Graf Carl von Bentzel-Sternau wird als Nachfolger von Sigismund Freiherr von Reitzenstein Kurator der Universität Heidelberg (vgl. 1806)

Mai 1807: Clemens Brentano und Joseph Görres veröffentlichen die Satire vom "Uhrmacher BOGS", die Johann Heinrich Voß auf sich bezieht

3. Juni 1807: Auseinandersetzung zwischen Heidelberger Studenten und der ghzl. Wache im Schwetzinger Schloßgarten

[13./14. Juni 1807: preußisch-russische Niederlage gegen Napoleon bei Friedland/Ostpreußen]

Juni 1807: Mohr & Zimmer erhalten die Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Druckerei in Heidelberg (vgl. 1808)

Juni-August 1807: in Heidelberg erscheint das Rheinische Bundesblatt

[9. Juli 1807: Friede zu Tilsit zwischen Frankreich und Preußen. Preußen verliert alle Gebiete westlich der Elbe und wird auf die Grenzen von 1772 reduziert]

20. Juli 1807: [erste] Heidelberger Schloßbeleuchtung zu Ehren des Erbgroßherzogs Karl von Baden und Herzogin Stephanie

Juli 1807: Johann Heinrich Voß kauft die alte Anatomie an der Plöck bei der Sandgasse, um dort zu wohnen

[16. August 1807: die Briten greifen unter Admiral James Gambier Kopenhagen an. Admiral Gambier läßt den Ort vom 2. bis 5. September beschießen und planmäßig in Brand setzen. Am 7. September kapituliert der dänische Befehlshaber. Die gesamte dänische Flotte wird an Großbritannien ausgeliefert]

31. August 1807: Großherzog Karl Friedrich errichtet eine Stiftung, um die Studentenschaft zur Bearbeitung wissenschaftlicher Fragen anzuregen

[9. Oktober 1807: „Oktoberedikt“ in Preußen, Aufhebung der Erbuntertänigkeit der Bauern zum Martinstag 1810, freie Berufswahl, Freiheit des Güterverkehrs]

13. Dezember 1807: "Achtzehnererklärung", verfaßt von Joseph Görres."Aus der hiesigen Universität wird nichts, sie wird etwa das Schicksal der Würzburger haben, alles ist Fürstenspielerei und hat kein Leben inne" (Joseph von Görres, nach: Ges. Schriften Bd. 7. München 1858, S. 493)

1807: Joseph Görres gibt bei Mohr & Zimmer "Die teutschen Volksbücher" heraus

1807: der Jurist Ferdinand Kämmerer (*1784 in Güstrow, †1841 in Rostock) wird in Heidelberg promoviert und beginnt hier Vorlesungen zu halten. Ab 1813 nimmt er im Freiwilligen Jägerkorps an den Befreiungskriegen teil. 1816 wird er als ordentlicher Professor nach Rostock berufen.


1807: Heidelberg ohne Schlierbach hat 9474 Einwohner

1807: Anlage des Karlsplatzes an der Stelle des Franziskanerklosters

1807: Verlegung der katholischen Abteilung der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg nach Freiburg

1807: das badische Polizeidepartement verbietet die Habilitation des Privatdozenten der Medizin Alexander von Hagen, weil dieser Anhänger der Naturphilosophie ist. Die Universität Heidelberg setzt sich erfolgreich zur Wehr.

1807: "Ich habe noch keinen Ort gekannt, wo Umgang und Geselligkeit so völlig null wären. Mit den einzelnen Heidelbergern ist gar nicht zu leben, und die fremden Professoren leben, jeder für sich, sowohl voneinander als von den Studenten völlig abgeschieden" (Johann Diederich Gries, 1775-1842, Dichter und Übersetzer aus Hamburg)

1807: Caroline Rudolphi, Gemälde weiblicher Erziehung erscheint in Heidelberg

1807: Instruction für das academische Gericht zu Heidelberg

[1807: Cottas Morgenblatt für gebildete Stände erscheint in Tübingen, ab 1810 in Stuttgart (-1865)]

[1807: das Königreich Westphalen erhält als erster deutscher Staat eine moderne Verfassung]

1807-1808: Ludwig Börne studiert Kameralwissenschaften in Heidelberg (wohnt Schiffgasse 6)

1807-1808: Bau des Pickfordischen ("Prestinarischen") Hauses vor dem Karlstor durch Johann David Keßler für William Middleton Pickford (Schlierbacher Landstraße 3; 1910 zerstört)

[1807-1811: in Braunschweig erscheint Joachim Heinrich Campes Wörterbuch der deutschen Sprache]

Januar 1807: das Heidelberger Wochenblatt erscheint (1831-1839: "Heidelberger Wochenblätter", ab 1840 "Heidelberger Tagesblätter", 1842-1872 "Heidelberger Journal")

[Januar 1808: Abtretung Kehls an Frankreich]

[21. Februar 1808: Einfall russischer Truppen in Finnland. Russisch-Schwedischer Krieg um die Vorherrschaft in Finnland]

[17. März 1808: Napoleon erläßt das „schändliche Dekret“ (Décret infâme), welches das Recht des Handels, des Gewerbes und der Freizügigkeit der Juden einschränkt (1818 außer Kraft gesetzt)]

[18. März 1808: Der französische Minister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838) wird bevollmächtigter Minister in Karlsruhe und macht seinen Einfluß im Kabinett und in der großherzoglichen Familie geltend]

5. April 1808: Joseph Freiherr von Eichendorff verläßt Heidelberg für immer

13. April 1808: der Dichter Friedrich Rückert (1788-1866) aus Schweinfurt studiert in Heidelberg, hört Staatsrecht und Metrik bei Heinrich Voß d. J.

April-August 1808: gemeinsame Wohnung Clemens Brentanos mit Achim von Arnim in Heidelberg. Bei Mohr und Zimmer erscheint Arnims und Brentanos Zeitung für Einsiedler als Gegengewicht gegen das Cottasche "Morgenblatt" ("Und wer ist einsamer als Liebende, ihr seyd die wahren Einsiedler, für die wir schreiben" - A.v.A.). - Mohr & Zimmer fassen die 37 Einzelhefte im gleichen Jahr unter dem Titel Tröst Einsamkeit, alte und neue Sagen und Wahrsagungen, Geschichten und Gedichte in Buchform zusammen.

Eichendorff, Romantiker in Heidelberg

7. Juni (-November) 1808: der 18jährige Maler Ludwig Grimm kommt nach Heidelberg, um die Bilder für die Zeitung für Einsiedler anzufertigen

9. Juni 1808: ein Regierungserlaß bestimmt die ehemalige Jesuitenkirche zur Heidelberger katholischen Pfarrkirche (vgl. 11. April 1804, August 1808, 1. November 1809)

23. Juni 1808: Clemens Brentano verläßt Heidelberg endgültig

[28. Juli 1808: das Décret de Bayonne verpflichtet die jüdischen Bürger Frankreichs, einen endgültigen Familiennamen anzunehmen]

Sommer 1808: die französisch-schweizerische Schriftstellerin Anne Louise Germaine de Staël-Holstein besucht Heidelberg auf der Rückkehr von Weimar zum Genfer See

4. August 1808-September 1809: Goethes Sohn August von Goethe (1789-1830) studiert Jura in Heidelberg (wohnt Hauptstraße 223, schließt sich dem Corps Guestphalia (I) an)

August 1808: die Heiliggeist-Chorkirche wird als katholische Pfarrkirche geschlossen und dient bis 1936 als Nebenkirche. Als Interimskirche bis Allerheiligen 1809 dient die Karmelitenkirche am Friesenberg.

August 1808: Aloys Schreiber veröffentlicht anonym die satirische Schrift "Comoedia divina", in der er die Dichtung der Romantik und die spekulative Wissenschaft persifliert

[August 1808: Napoléon fordert badische Truppen für den Feldzug in Spanien (von 3.388 Mann kehren 1814 nur 500 zurück)]

1808: Mohr & Zimmer geben das 1807 erhaltene Privileg zur Errichtung einer eigenen Druckerei in Heidelberg an ihren bisherigen Faktor Joseph Engelmann ab. Im Haus des Verlegers Joseph Engelmann (heute Schloßberg 1-3, zerstört) werden die beiden letzten Bände von Des Knaben Wunderhorn gedruckt.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-knaben-wunderhorn-i-band-2385/1 http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/arnim_wunderhorn01_1806

Oktober 1808: Gründung der Heidelbergischen Jahrbücher der Literatur, die bei Mohr und Zimmer erscheinen (bis 1872, ab 1818 u.d.T. Heidelberger Jahrbücher)

Oktober 1808: Joseph Görres verläßt Heidelberg und kehrt nach Koblenz zurück

[Oktober 1808: Erfurter Fürstenkongreß. Napoléon verleiht Goethe und Wieland das Kreuz der Ehrenlegion]

16. November 1808: Achim von Arnim verläßt Heidelberg endgültig

[19. November 1808: „Ordnung für sämtliche Städte der preußischen Monarchie“ des Freiherr von Stein. Sonderrechte werden beseitigt und alle Städte Preußens derselben Ordnung unterworfen]

21. November 1808: aus dem reformierten und dem katholischen Gymnasium wird das Heidelberger Gymnasium für Knaben („Lyceum“) gebildet. Die Leitung wechselt alljährlich zwischen dem reformierten und dem katholischen Direktor.

25./26. November 1808: im Morgenblatt für gebildete Stände erscheint eine Rezension von Band II und III von Des Knaben Wunderhorn von Johann Heinrich Voß

1808: "An keinem gelehrten Orte vielleicht in Deutschland herrscht ein elendigerer Brotneid und eine so innerliche Erbitterung aller Lehrer untereinander als hier..." (Clemens Brentano an Savigny, nach: W. Schellberg, F. Fuchs (Hg.), Das unsterbliche Leben. Unbekannte Briefe von Clemens Brentano. Jena 1939, S. 380)

1808: Anlage der Rigalstraße (später: Friedrichstraße; vgl. 24. Mai 1758)

1808: Hegenichhof (Kirchheim) von Karl Theodor Trackert erbaut (1974 zerstört; vgl. 1817)

1808: David und Löb Zimmern erhalten als erste Juden in Heidelberg das Ortsbürgerrecht

1808: Heidelberg wird Sitz des Stadtamtes Heidelberg

1808: Erbprinz Leopold von Hochberg, der spätere Großherzog von Baden (1790-1852, reg. 1830-1852) beginnt an der Universität Heidelberg das Studium der Rechtswissenschaft, der antiken und neuen Weltgeschichte

[1808: ein badisches Gesetz legt fest, daß „die Uhr von der weltlichen Ortsgemeinde...besorgt werde“]

[1808: Großherzog Karl Friedrich von Baden erwirbt die Burg Zwingenberg/Neckar und baut sie zu einem Jagdschloß aus]

[1808: Gründung der Gesellschaft Museum Karl-Stephanie in Mannheim (1813 mit der Gesellschaft Casino zur Harmonie vereinigt)]

[1808: Frankfurter Bürger gründen das Museum, eine Gesellschaft zur „Pflege der Musen“ und zur Förderung der schönen Künste]

[1808: Carl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1744-1817) gründet in Aschaffenburg die Karls-Universität, der er als Rektor vorsteht]

[1808: Robert Fulton baut den ersten Raddampfer]

13. Januar 1809: Großherzog Karl Friedrich von Baden erkennt die Juden als Religionsgemeinschaft an. Schaffung des Oberrats der Israeliten Badens

[22. Januar 1809: der Orden vom Zähringer Löwen wird geschaffen, der höchste großherzogliche Orden für Zivilpersonen (vgl. 26. Dezember 1812)]

März 1809: Prof. Friedrich Wilken wird neben seinem Lehramt Bibliotheksdirektor der Universität

Frühjahr 1809: der Philologe Georg Friedrich Creuzer nimmt einen Ruf nach Leiden an, kehrt aber zum Wintersemester 1809/10 nach Heidelberg zurück

März/Mai 1809: die Stadt Heidelberg ersteigert Teile des Jesuitenkollegs, andere Teile werden von Privaten erworben

1809: Fünfter Koalitionskrieg. Baden steht an der Seite Frankreichs

[13. Mai 1809: Napoléon zieht in Wien ein]

[21./22. Mai 1809: Schlacht bei Aspern, Niederlage Napoléons gegen Österreich]

[10. Juni 1809: Papst Pius VII. exkommuniziert Napoleon]

[5./6. Juli 1809: Napoléon siegt bei Wagram/Marchfeld über die Österreicher unter Erzherzog Karl]

[25. August 1809: Schlacht bei Piteå im Russisch-Schwedischen Krieg. Kapitulation Schwedens]

[2. September 1809: Waffenstillstand von Förstkåge im Russisch-Schwedischen Krieg]

[17. September 1809: Friedensvertrag von Fredrikshamn im Russisch-Schwedischen Krieg. Finnland wird als Großfürstentum Finnland autonomer Bestandteil des Russischen Kaiserreiches

[14. Oktober 1809: Napoléon schließt mit Kaiser Franz I. den Frieden von Schönbrunn]

Herbst 1809: der dänische Dichter Jens Baggesen veröffentlicht den "Karfunkel- oder Klingklingel-Almanach", worin sich Baggesen, Martens, Aloys Schreiber und Heinrich Voß d. J. über die romantische Sonettform lustig machen

1. November 1809 (Allerheiligen): erster Gottesdienst in der Pfarrkirche der katholischen Gemeinde zum Hl. Geist (ehemalige Jesuitenkirche, Salvatorkirche). Diese wird mit Altar, Kirchen- und Beichtstühlen aus der Heiliggeist-Chorkirche ausgestattet. Die Akademische Marianische Kongregation steuert die Orgel aus der Seminarkirche (Hauskapelle im Jesuitenkollegium) bei. Beim Festgottesdienst wird eine Messe von Georg Joseph Vogler aufgeführt (vgl. 9. Juni 1808, August 1808)

[November 1809: das Großherzogtum Baden wird in 10 Kreise eingeteilt (vgl. 1810)]

[11. November 1809: Einführung der Wanderbücher für Gesellen in Baden]

[22. Dezember 1809: das 2. Einführungsedikt zum Badischen Landrecht regelt die Führung von Geburts-, Ehe- und Totenbüchern bei Christen und Juden durch die Pfarrer ab 1. 1. 1810]

1809: der Turm der Karmelitenklosterkirche am Friesenberg wird als Volksbelustigung niedergelegt (vgl. 1811) Ansicht im Thesaurus Palatinus

1809: Aloys Schreiber schreibt das Gedicht Heidelberger Schloß

1809: in Handschuhsheim leben 1367 Menschen (vgl. 1894)

1809: der Friedhof, der die Kirche in Kirchheim umgibt, wird in die Gemarkung westlich des Ortes hinausverlegt

[1809: neuntes großherzoglich badisches Konstitutions-Edikt. Danach müssen alle Juden, die keinen Nachnamen besitzen, einen erblichen Familiennamen ihrer Wahl annehmen]

[1809: in Mannheim wird ein Leihamt eröffnet]

[1809: der Deutsche Ritterorden wird aufgelöst, sein badischer Besitz fällt an das Großherzogtum Baden]

WS 1809/1810: 437 Studenten an der Universität Heidelberg immatrikuliert (vgl. 1804, 1814)

1809/1811: der Friedhof Rohrbach wird von der Kirche an die heutige Stelle verlegt

[1. Januar 1810: der Code Napoléon (Code civil) mit Zusätzen und Handelsgesetzen tritt als Landrecht für das Großherzogtum Baden in Kraft (vgl. 1807, 1809)]

[16. Februar 1810-28. Oktober 1813: Frankfurt am Main ist Großherzogtum unter Großherzog Carl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1744-1817)]

[28. Februar 1810: der Pariser Vertrag zwischen Frankreich und Bayern führt zu Gebietsarrondierungen. Bayern erhält die Markgrafschaft Bayreuth, das Fürstentum Regensburg, das Innviertel, das halbe Hausruckviertel sowie Gebiete um Salzburg und Berchtesgaden als Territorium hinzu. Im Gegenzug müssen das südliche Tirol und einige schwäbische Gebiete abgegeben werden]

27. März 1810: Stiftung des Corps Suevia

[Mai 1810: die Universität Helmstedt wird auf Befehl Napoleons geschlossen]

[19. Juli 1810: Luise Prinzessin zu Mecklenburg(-Strelitz), bekannt als Königin Luise von Preußen (*1776 in Hannover), Gemahlin König Friedrich Wilhelms III. von Preußen, stirbt auf Schloss Hohenzieritz]

[Juli 1810: Eröffnung der Universität Berlin. Erster Rektor: Johann Gottlieb Fichte]

4. August-23. September 1810: Charlotte von Schiller, Witwe von Friedrich Schiller, in Heidelberg

4. Oktober 1810: der französische Emigrant Louis Charles François Comte de Graimberg kommt nach Heidelberg und beginnt bald darauf mit der Konservierung der Schloßruine und der Sammlung von Altertümern

[12. Oktober 1810: Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig (I.) und Therese Charlotte Luise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen (1792-1854, evangelisch) in der Hofkapelle der Residenz in München]

13. Oktober 1810-1844: Heinrich Eberhard Gottlob Paulus aus Würzburg Professor der Theologie in Heidelberg

[Oktober 1810: Einschränkung der Pressefreiheit in Baden auf Verlangen der kaiserlich-französischen Schutzmacht.Verbot aller politischen Zeitungen mit Ausnahme der der Regierung direkt unterstellten "Großherzoglich Badischen Staats-Zeitung" und zugleich jegliche politische Berichterstattung]

[2. November 1810: Einführung der Gewerbefreiheit und Aufhebung des Zunftzwangs durch die Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen]

November 1810: die Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée aus Köln sowie ihr Freund Johann Baptist Bertram mieten drei Zimmer im oberen Stockwerk des Sickinger Hofes in der Hauptstraße. Bis 1819 befindet sich dort ihre Gemäldesammlung mit mehr als 200 Bildern (altdeutsche und altniederländische Tafelgemälde). (vgl. 1819)

[November 1810: der Odenwälder Kreis wird dem Neckarkreis (Hauptort Mannheim) zugeschlagen (vgl. 1809)]

1810: im Sommersemester sind an der Universität Heidelberg 388 Studenten immatrikuliert, 30 ordentliche Professoren sind tätig

1810: Philipp Jacob Landfried (†1850) gründet in der Hauptstraße 86 eine Landesproduktenhandlung, in der u.a. pfälzer Rohtabak vertrieben sowie Raps- und Mohnöl hergestellt werden http://www.koloniale-spuren-heidelberg.de/ehemaliges-ladengeschaeft-landfried/

1810: der Apotheker Wilhelm Mai kauft das Haus Hauptstraße 108 und verlegt dorthin (von dem Eckhaus Sandgasse) den Betrieb seines medizinischen Badhauses (vgl. 1814)

1810: der Philologe Georg Friedrich Creuzer nimmt als erster Professor an der Heidelberger Universität die Archäologie in seine Lehrveranstaltungen auf und macht sie zum Thema von Publikationen. Er veröffentlicht bis 1812 vier Bände Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen

1810: Heidelberg hat 10.312 Einwohner (einschließlich Kohlhof und Rohrbach[?]) und 1138 Häuser; vgl. 1816!)

1810: in Heidelberg gibt es 1696 Haushaltungen (nach Adreßbuch 1912)

1810: Karl Maria von Weber ("Oberon", "Freischütz") auf Stift Neuburg

1810: der Buchhändler Gottlieb Braun bekommt das Bürgerrecht in Heidelberg (Mitgründer der Heidelberger Museums-Gesellschaft 1811)

1810: die Neuenheimer Lehrerstelle wird gestrichen. Die Kinder müssen nach Handschuhsheim in die Schule gehen.

[1810: Madame des Staël, De l `Allemagne erscheint]

1810-1814: Ludwig Pfister (1769-1829) großherzoglicher Stadtdirektor in Heidelberg

1810-1927: Bruchhausen ist eine selbständige Gemeinde. (1928 wird es zu Sandhausen eingemeindet. Heidelberg erhält 157 ha der Gemarkung, Oftersheim 58 ha. Die Bruchhäuser Mühle ("Kirchheimer Mühle") wird Kirchheim zugeteilt).

um 1810: der Friedhof Wieblingen wird an den Ortsrand verlegt (1858 und 1955 erweitert)

[1810: Hamburg wird dem französischen Kaiserreich einverleibt]

[Januar 1811: Gründung der Christlich-Deutschen Tischgesellschaft durch Achim von Arnim und Adam Müller]

30. April/1. Mai 1811: Georg Philipp Lang und 5 Gesellen berauben und ermorden den schweizer Kaufmann Hans Jacob Rieter aus Winterthur (*1766) (mit Rudolph Hanhart aus Zürich auf der Rückkehr von der Frankfurter Messe in der Postchaise) an der Bergstraße zwischen Laudenbach und Hemsbach


5. Mai 1811: Der schweizer Kaufmann Hans Jacob Rieter aus Winterthur (*1766) stirbt in Heidelberg an den Verletzungen, die er bei dem Raubüberfall an der Bergstraße erlitt Gedenkstein im Garten der Peterskirche

[21. November 1811: Heinrich von Kleist scheidet mit Henriette Vogel am Wannsee bei Potsdam freiwillig aus dem Leben]

1811: die Kirche des Kapuzinerklosters wird zerstört (vgl. 1809)

1811: die Expedition der Briefpost, der Postwagen und Diligenten wird im ehemaligen Jesuitengymnasium (Kettengasse) untergebracht

1811: Gründung der Heidelberger Museums-Gesellschaft durch Gottlieb Braun, Johann Heinrich Voß, Heinrich Voß d. J., Aloys Schreiber (1816 geht die Lesegesellschaft von Mohr und Zimmer im "Museum" auf; vgl. 1813)

10. Juni 1811: Großherzog Karl Friedrich von Baden (83) stirbt. 1811-1818: sein Enkel Karl Großherzog von Baden

[August 1811: die Universität Frankfurt an der Oder (Viadrina) wird geschlossen und der Leopoldina in Breslau zugeschlagen]

1811: Prof. Aloys Schreiber schreibt in "Heidelberg und seine Umgebungen": "Die bildende Kunst hatte hier nie einen Tempel, und die Mannheimer Galerie und Antikensammlung wirkte nicht über das Weichbild jener Stadt hinaus. Gemälde- und Kupferstichsammlungen fehlen in Heidelberg, der Künstler muß sich mit Privatunterricht mühsam durchschlagen. Es giebt hier zwei oder drei wackere Tonkünstler, und daneben einen Haufen lustiger Musikanten, die, den Sommer über, theils die benachbarten Bäder besuchen, theils die Freude der Dorfkirmessen befördern." Nach Schreiber gibt es in Heidelberg 59 Fischer, 42 Handelsleute, 38 Bierbrauer, 28 Bäcker, 20 Küfer, 21 Leinweber, 33 Metzger, 19 Miethkutscher, 11 Schiffer, 46 Schildwirthe, 27 Schneider, 80 Schuhmacher.

1811: Jakob Christian Benjamin Mohr löst die Frankfurter Filiale der "Akademischen Buchhandlung Mohr & Zimmer" auf und siedelt nach Heidelberg über

[1812: Einheitliche Maß- und Gewichtsordnung und einheitlicher Binnenmarkt in Baden]

[6. Februar 1812: Gründung der Lesegesellschaft Weinheim (heute Casinogesellschaft 1812 e.V.)]

16. April 1812-20. April 1813: der Jurist Franz Wilhelm Gambsjäger ist Prorektor der Universität Heidelberg

[30. April 1812 (angeblich): der Findling Kaspar Hauser († 17. Dezember 1833 in Ansbach) wird geboren]

[18. Juni 1812-24. Dezember 1814: Britisch-Amerikanischer Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Vereinigten Königreich (durch den Frieden von Gent vom 24. Dezember 1814 beendet, auf den jedoch bis 1815 weitere Kämpfe folgen]

21. Juni 1812: der Maler Johann Friedrich August Tischbein (*1750) stirbt in Heidelberg

[24. Juni 1812: Napoléon überschreitet den Njemen und marschiert in Rußland ein. Die Grande Armée besteht zu ca. 1/3 aus Deutschen, darunter ein badisches Kontingent mit 5.012 Mann unter Markgraf Wilhelm von Baden]

Juli 1812: an der Universität Heidelberg sind 342 Studenten eingeschrieben

28. Juli 1812: Urteilsverkündung über die Hemsbacher Räuber in interner Sitzung und in Anwesenheit der Angeklagten im Heidelberger Rathaus (anwesend: Oberhofgerichtsrat Gambsjäger, Stadtamtmann Ziegler (Mannheim), als Beobachter Hofrichter von Schmiz und Kreisdirektor von Manger)

31. Juli 1812, kurz nach 12 Uhr: Nach der öffentlichen Urteilsverkündung ("Blutgericht") auf dem Heidelberger Marktplatz werden vier Räuber auf dem Richtplatz vor dem Mannheimer Tor an der Mannheimer Chaussee von Scharfrichter Franz Wilhelm Widmann durch das Schwert hingerichtet: Georg Philipp Lang ("Hölzerlips"), dem 15 Fälle von Straßenraub sowie 21 Einbruchs- und Diebstahldelikte vorgeworfen werden, Philipp Friederich Schütz ("Manne Friederich", *1780), Veit Krähmer und Mathaeus Oesterlein ("Krämer-Mathes") aus Sindelfingen. Die zwei jungen Räuber Andreas Petry ("Köhlers Andres") und Sebastian Luz ("Basti") werden in letzter Minute durch ein Schreiben des Großherzogs Karl von Baden begnadigt, ihre Todesstrafen in lebenslange Zuchthausstrafen umgewandelt. - Der öffentliche Schuldspruch gegen die Räuberbande wird von Zeichenlehrer Friedrich Rottmann auf einer Radierung und auf einem Aquarell dokumentiert.

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/km/kdm/juli03b.htm

[14. September 1812: die Grande Armée erreicht Moskau, das von russischen Patrioten in Brand gesetzt wird]

16. September 1812: Aufführung von Mozarts Requiem durch den neugebildeten Kunstverein (???)

[29. September 1812: Großherzogin Stéphanie von Baden, verheiratet mit Karl Ludwig Markgraf von Baden, bringt einen gesunden Knaben zur Welt, der nach kurzer Zeit unter mysteriösen Umständen stirbt (vgl. 30. April 1812)]

[20. Oktober 1812: die Grande Armée verläßt Moskau]

14. November 1812: in der "Zeitung des Großherzogtums Frankfurt" Nr. 319 schreibt Regierungskommissär Philipp Ludwig Houth das Kloster Neuburg (als "eines zu einer großen Fabrikanlage vorzüglich geeigneten Objekts") zur Vermietung aus (vgl. 1804, 1814, 1825)

30. November 1812: Johann Metzger (1789-1852) wird als großherzoglicher Universitätsgärtner in Heidelberg angestellt

[27. November 1812: die Grande Armée überschreitet die Beresina]

[9. Dezember 1812: die Grande Armée erreicht Wilna]

[18. Dezember 1812: Napoleon in Paris]

[26. Dezember 1812: Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Baden stiftet zum Andenken an die Herzöge von Zähringen, von denen der Großherzog abstammt, den Orden vom Zähringer Löwen (vgl. 22. Januar 1809)]

[30. Dezember 1812: der preußische General Yorck von Wartenburg schließt auf eigene Faust mit dem russischen General Diebitsch bei Tauragé/Litauen die Konvention von Tauroggen ab. Danach wird das Hilfskorps, das Preußen im russischen Feldzug für Napoléon gestellt hatte, für neutral erklärt]

1812: der Archivar Julius Lampadius [=Ernst Julius Leichtlen] veröffentlicht bei Joseph Engelmann das Handbuch für Studierende auf der Universität Heidelberg (Almanach der Universität Heidelberg auf das Jahr 1813) (enthält neben der namentlichen Aufführung der Studierenden auch die Hauseigentümer ihrer Wohnungen, vorwiegend Professoren und Wirte, und den [gesüdeten] Plan von Heidelberg, gezeichnet v. F.[riedrich] L.[udwig] Hoffmeister - Heidelberg bei Joseph Engelmann - in Stein gestochen v. G. Schneider in Mannheim

1812: die Kunst- und Musikalienhandlung L. Meder wird gegründet

1812: Beginn einer Serie von schlechten Ernten, wodurch der den Pferdeverkehr bestimmende Haferpreis ansteigt

[1812: Friedrich König erfindet die Zylinderdruckpresse (Schnellpresse)]

1812/1813: Mitglieder der Familie Landfried erwerben die früheren Rigalschen Liegenschaften in der Vorstadt (vgl. 1869)

[1812-1813: Pestepidemie in Hamburg]

1812-1816: der schottische Maler George Augustus Wallis in Heidelberg (1812: Das Heidelberger Schloß unter doppeltem Regenbogen)

1812: die Charte über das Grossherzogtum Baden auf dem Großherzog. Badisch. Ingenieur Bureau entworfen und revidiert von J. G. Tulla Großherzoglich Badischem Major 1812 erscheint

[1812: Emanzipation der Juden in Preußen]

[1812-1822: die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm erscheinen in 3 Bänden]

Frühjahr 1813: Heinrich Hübsch (1795-1863) aus Weinheim studiert an der Universität Heidelberg Philosophie und Mathematik

[16. März 1813: Kriegserklärung Preußens an Frankreich. Baden auf Seiten Napoléons (vgl. 20. November 1813)]

[10. März 1813: der preußische König Friedrich Wilhelm III. stiftet in Breslau das Eiserne Kreuz für Soldaten für den Verlauf der Befreiungskriege]

6. Juni 1813: nach Aufhebung der Waisenhaus-Schaffnei Handschuhsheim und Übernahme der Geschäfte durch die Pflege Schönau Verkauf des Waisenhaus-Waldes an die Gemeinden Handschuhsheim und Neuenheim (vgl. 1575)

[26. August 1813: Blücher und Gneisenau siegen in der Schlacht an der Katzbach (Schlesien) über Napoleons Marschall MacDonald]

[8. Oktober 1813: Vertrag zu Ried zwischen Österreich und Bayern. Der König von Bayern tritt dem Bündnis gegen Napoléon bei]

16.-19. Oktober 1813: Schlacht bei Leipzig. Sieg der Preußen, Österreicher (unter Marschall Fürst von Schwarzenberg), Russen gegen Napoleon, auf dessen Seite auch badische Truppen kämpfen. - Zum Gedenken daran wird auf dem Königstuhl bei Heidelberg ein Stein aufgestellt ("Zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig 13.[sic] October 1813"; vgl. 18. Oktober 1814)

Spätherbst 1813: das Freiwillige Feldjäger-Korps von Schmidt („Schmidtsche Feldjäger“) wird als „Freiwilliges Feldjäger-Korps von Göckel“ vorwiegend aus Heidelberger Studenten gebildet (Mitte Mai 1814 aufgelöst) http://de.wikipedia.org/wiki/Freiwilliges_Feldj%C3%A4ger-Korps_von_Schmidt

30./31. Oktober 1813: Napoleon schlägt bei Hanau ein bayerisch-österreichisches Heer unter General Karl Philipp von Wrede. Wrede-Denkmal in Heidelberg - Auflösung des Rheinbundes

7. November 1813: bayerische Truppen unter General von Wrede besetzen Heidelberg

18./26. November 1813: Kaiser Alexander I. Pawlowitsch von Rußland in Heidelberg (wohnt im v. Zyllnhardischen Haus=Palais Moraß) (vgl. 1814)

19. November 1813: Kaiser Alexander I. in Rohrbach (Besuch bei seiner Schwiegermutter, Markgräfin Amalie, 1754-1832)

20. November 1813: Baden schließt sich in Frankfurt den Verbündeten gegen Napoleon an (vgl. 16. März 1813)

2. Dezember 1813: das Heidelberger Wochenblatt begrüßt Kaiser Alexander I. mit einem Gedicht: "Auf die Ankunft Sr. Majestät des Kaisers Alexander in Heidelberg." ("Er kömmt! er kömmt! Eilt Ihm entgegen!")

9. Dezember 1813: der bayerische General von Wrede in Heidelberg Wrede-Denkmal in Heidelberg

31. Dezember 1813: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Heidelberg (auf Durchreise nach der Schweiz)

1813: Aloys Schreiber, seit 1805 Professor der Ästhetik an der Universität, verläßt Heidelberg und geht als Hofhistoriograph nach Karlsruhe. mehr

1813: der Buchhändler Gottlieb Braun verlegt sein Unternehmen von Heidelberg nach Karlsruhe

1813: die Heidelberger Gesellschaft "Casino" legt sich den Namen Museum zu

1813: die Ämter Ober- und Unterheidelberg werden zum Landamt Heidelberg vereinigt (vgl. 1826)

[1813: Pestepidemie in Hamburg]

[1. Januar 1814: der preußische Marschall Blücher überschreitet mit ca. 50.000 Soldaten den Rhein bei Kaub]

[14. Januar 1814: Friede von Kiel, Vertrag zwischen Schweden, Großbritannien und Dänemark. Dänemark muß der Koalition gegen Napoleon beitreten. Norwegen tritt aus der Personalunion von 1380 mit Dänemark aus und fällt an den König von Schweden. Die norwegischen Besitzungen Grönland, Island und die Färöer verbleiben bei Dänemark. Aus Sicht der Isländer ist dieser Friede eine Verewigung der bereits seit 1380 bestehenden Vorherrschaft Dänemarks über ihr zuvor schon von Norwegen beherrschtes Land. Schwedisch-Pommern gelangt für kurze Zeit in dänischen Besitz.]

30. März 1814: Konzert für die verjagten Hamburger in Heidelberg

[30. März 1814: Schlacht bei Paris. Erstürmung der Höhen des Montmartre unter dem russischen General Alexandre Andrault de Langeron. Am Nachmittag geben die französischen Heerführer den Kampf auf und kapitulieren]

[31. März 1814: die Alliierten der Befreiungskriege gegen Napoléon Bonaparte ziehen in Paris ein]

[März 1814: Viererallianz von Chaumont (Großbritannien, Österreich, Rußland, Preußen)]

[11. April 1814: Napoleon dankt ab und wird nach Elba verbannt]

[24. Mai 1814: Papst Pius zieht wieder in Rom ein]


[30. Mai 1814: Erster Friede von Paris. Anerkennung der französischen Grenzen von 1792]

[Juni 1814: Louis (XVIII.) läßt mit der Charte constitutionnelle eine Verfassung verkündigen]

13. Juli 1814: Kaiser Alexander I. Pawlowitsch von Rußland in Heidelberg (vgl. 1813)

[24. August 1814: britische Truppen verbrennen das Weiße Haus und das Capitol in Washington, D.C.]

18. September 1814 - 9. Juni 1815: Wiener Kongreß

König Ludwig von Bayern und die badische Pfalz

24. September - 9. Oktober 1814: 7. Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Heidelberg (bei Gebrüder Boisserée) und Kirchheim. Westöstlicher Divan. Hört Arabisch bei dem Theologen und Orientalisten Professor Heinrich Eberhard Gottlob Paulus.

[12. Oktober 1814: auf dem Wiener Kongress erklärt sich das von Napoleon I. aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) zum Königreich Hannover]


18./19. Oktober 1814: Freudenfeuer der Heidelberger auf dem Königstuhl (und Heiligenberg) zur Feier des Gedächtnisses der Schlacht bei Leipzig (Für den Jahrestag der Völkerschlacht hatte der Schriftsteller Ernst Moritz Arndt zu Sieges- und Friedensfeiern aufgerufen. Mehr als 5000 Menschen wandern über den Kohlhof (?) auf den Königstuhl und feierten mit Ansprachen, Liedern und Gebeten. Einweihung des Gedenksteins: "Königstuhl renovirt den XVIII. October 1814" in Anwesenheit der Mitglieder des Freiwilligen Feldjäger-Korps von Schmidt, Glockenläuten und Böllerschüssen. Redner: der lutherische Kirchenrat Christian Theodor Wolf (1765-1848, "Rede vor der Anzündung des Gedächtniß-Feuers des Siegs bey Leipzig : gehalten am 18. October 1814, ... zu Heidelberg auf dem Berge, der Königsstuhl genannt"). Der Nasenplatz auf dem Königstuhl-Gipfel wird zuvor von Gestrüpp, Astholz und hohem Unkraut gesäubert und durch die Anpflanzung von Alleebäumen neugestaltet.) (vgl. Reinhard Riese, „Es war ein Volksfest, wie es seyn soll“. Ernst Moritz Arndt, Sulpiz Boisserée und die Heidelberger Feier am 18./19. Oktober 1814 zum Jahrestag der Schlacht bei Leipzig, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Jg. 15 (2011), S. 73ff.) (vgl. 1813; 14. Juni 1815)



November 1814: Heidelberger Studenten gründen die Deutsche Lesegesellschaft Teutonia, Vorläuferin der Burschenschaft

[24. Dezember 1814: Frieden zu Gent beendet den Krieg der USA gegen Großbritannien; vgl. 8. Januar 1815]

1814: Anton Friedrich Justus Thibaut, Über die Nothwendigkeit eines allgemeinen bürgerlichen Rechts für Deutschland erscheint bei Mohr und Zimmer, Heidelberg

1814: Friedrich Carl von Savigny, Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft erscheint bei Mohr und Zimmer, Heidelberg

1814: der Regierungskommissär Philipp Ludwig Houth verkauft das ehemalige Kloster Neuburg an den Waldeckschen Kammersekretär Karl Friedrich Penzel (bis 1822)

1814: der Apotheker Wilhelm Mai verkauft den Komplex Hauptstraße 108-114 an den Apotheker Ph. L. Geiger (vgl. 1810)

[1814: Josef Madersperger erfindet in Wien die Nähmschine]

[1814: der 1773 verbotene Jesuitenorden wird vom Vatikan wieder zugelassen]

[1814: Ludwig XVIII. (Louis XVIII Stanislas Xavier, 1755-16. September 1824 in Paris) König von Frankreich und Navarra]

WS 1814/1815: 328 Studenten an der Universität Heidelberg immatrikuliert (vgl. 1804, WS 1809/1810)

1814-1819: Ludwig Georg Winter großherzoglicher Stadtdirektor in Heidelberg

[8. Januar 1815: amerikanische Truppen unter General Andrew Jackson schlagen eine britische Armee bei New Orleans]

[1. März 1815: Napoléon kehrt von Elba nach Frankreich zurück]

11. März 1815: Heidelberger Biercomment

[16. März 1815: Wilhelm von Oranien wird während des Wiener Kongresses zum König des Vereinigten Königreichs der Niederlande (= ehemalige Österreichische Niederlande + früheres Königreich Holland; bis 1831) und begründet damit die niederländische Erbmonarchie des Hauses Oranien]

[20. März 1815: Napoléon zieht in Paris ein]

Ostern 1815: Christian Friedrich Winter aus Gochsheim wird Teilhaber der Buchhandlung Mohr & Zimmer. Er übernimmt vor allem die kaufmännischen Arbeiten. Johann Georg Zimmer scheidet aus dem Unternehmen aus, um lutherischer Pfarrer in Schriesheim zu werden. Mohr & Winter bezieht im "Englischen Hof" (Hauptstraße/Marstallstraße) größere Geschäftsräume (vgl. Juni 1805, 1822).

[5. April-15. Juli 1815: Ausbruch des Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa/Indonesien. Riesige Aschenmengen werden in die Atmosphäre ausgestoßen, weltweite mehrjährige Abkühlung um 3-4 Grad]

24. Mai - 24. Juni 1815: Hauptquartier des Feldmarschalls Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg (1771-1820) in Heidelberg (im v. Zyllnhardischen Haus=Palais Moraß)

5.-25. Juni 1815: Hauptquartier der Alliierten gegen Napoleon in Heidelberg (im Saal des "Prinz Carl"; Feldmarschall Fürst von Schwarzenberg, Metternich, Freiherr vom Stein).

5. Juni 1815: Einzug der Monarchen in Heidelberg: Kaiser Franz I. von Osterreich, Kaiser Alexander I. von Rußland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kronprinz Ludwig von Bayern. Fackelzug der Studenten. http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/km/kdm/maerz04b.ht (Friedrich Dittenberger, Die Kaiser in Heidelberg)

[8. Juni 1815: Unterzeichnung der Bundesakte des Deutschen Bundes mit 35 Einzelstaaten und 4 freien Reichsstädten als Abschluß des Wiener Kongresses. Oberste Behörde: Bundestag zu Frankfurt am Main unter Vorsitz Österreichs. Der König der Niederlande wird als Großherzog von Luxemburg, der König von Dänemark als Herzog von Holstein und Lauenburg, der britische König als König von Hannover bis 1837 Bundesfürsten]

[9. Juni 1815: Unterzeichnung der Schlußakte des Wiener Kongreß in der Hofburg. Zuordnung des Rheinlands zu Preußen]

14. Juni 1815: Festliche Beleuchtung der Heidelberger Schloßruine, des Schloßgartens (und der Neckarbrücke?) mit Holzfeuer zu Ehren der anwesenden Monarchen. „Jedermann hat freien Zutritt“. - Kaiser Franz I. von Österreich (als ehemals römisch-deutscher Kaiser Franz II.) begibt sich zu Pferde auf den Königstuhl, den man in Kaiser- und Königstuhl umbenennt und wo man einen (längst zerstörten) Denkstein errichtet: "Kaiserstuhl von Franz II. den 14. Junius 1815".

18. Juni 1815: Parade russischer Kavallerie auf dem Karlsplatz zu Ehren der anwesenden Monarchen [Bild von Friedrich Rottmann]. - Schlacht bei Belle-Alliance. Letzter Sieg Wellingtons und Blüchers über Napoléon.

21. Juni 1815: Nach der Siegesfeier über Napoléon besuchen Kaiser Franz I. von Österreich, Kaiser Alexander von Rußland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Fürst Metternich, Feldmarschall Fürst von Schwarzenberg, Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, Karl August Freiherr von Hardenberg und andere Persönlichkeiten des öffentlichen und geistigen Lebens die Boisseréesche Galerie im Sickingen-Palais.

22. Juni 1815: Theodor Joseph Pernewitsch (Theodor Rudolph Perewicsch), Kutscher des russischen Großfürsten Michail Pawlowitsch Romanow (1798-1849?), ertrinkt beim Haarlaß im Neckar ("Russenstein") - Napoléon Bonaparte dankt zum zweiten Mal als Kaiser ab

24. Juni 1815: Feldmarschall Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg fertigt einen Schutzbrief für die Universität Heidelberg aus, mit dem insbesondere ihre Gebäude vor einer Nutzung als Militärspital bewahrt werden [im Universitätsarchiv Heidelberg]

Juni 1815: Kaiser Alexander I. von Rußland empfängt im Pickfordschen Haus vor dem Karlstor („Haus mit den versunkenen Säulen“) den Besuch der Juliane von Krüdener (1764-1824)

[26. Juli 1815?: Beitritt Badens zum Deutschen Bund]

20. September - 7. Oktober 1815: 8. und letzter Besuch Johann Wolfgang von Goethes (66) in Heidelberg (bei Gebrüder Boisserée, 23.-26. September: letzte Begegnung mit der 30jährigen Schauspielerin Marianne von Willemer (1784-1860), die mit ihrem Mann im Goldenen Hecht wohnt)



Tafel im Stückgarten des Heidelberger Schlosses

[26. September 1815: Heilige Allianz (Rußland, Österreich, Preußen; will in Europa die Verhältnisse wiederherzustellen, wie sie vor der französischen Revolution von 1789 geherrscht hatten, vor allem die Vorherrschaft des Adels und Rückeroberung von dessen Privilegien) (vgl. 5. 6. 1815)]

2. Oktober 1815: Johann Wolfgang von Goethe besucht in Begleitung der Gebrüder Boisserée und der Familie Daub in Kirchheim Pfarrer Johann Conrad Maurer (†1832)

3.-5. Oktober 1815: Johann Wolfgang von Goethe mit Sulpiz Boisserée in Karlsruhe, Zusammentreffen mit Oberbaudirektor Johann Jakob Friedrich Weinbrenner und Johann Peter Hebel

7. Oktober 1815: Johann Wolfgang von Goethe übernachtet auf der Reise von Heidelberg nach Weimar, von Wimmersbach kommend, in der Poststation Neckarelz (Gasthaus zum Löwen)



20. November 1815: Zweiter Friede von Paris. Frankreich wird auf die Grenzen von 1790 zurückgeführt. In der östlichen Südpfalz wurde die Lauter als Grenze bestimmt (Ausnahme: Weißenburg). Ende des Krieges.

20. November 1815: das 1805 gegründete Institutum Policlinicum Medico Chirurgicum im ehemaligen Dominikanerkloster Hauptstraße/Brunnengasse wird geschlossen

1815: Gründung der Medizinischen Klinik unter Johann Wilhelm Heinrich Conradi

[1815: Regina Josepha von Siebold wird an der Universität Gießen die Ehrendoktorwürde im Fach Geburtshilfe verliehen (vgl. 1817)]

[1815: britische Wirtschaftskrise (ausgelöst durch Überschätzung des Konsumverhaltens auf dem Kontinent)]

Ende 1815: Das erste Heidelberger Adreßbuch, der "Universitäts- und Adreß-Calender von Heidelberg auf das Jahr 1816 für Fremde und Einheimische", erscheint

Winter 1815/1816: infolge des Ausbruchs des Vulkan Tambora (5. April-15. Juli 1815) kältester Winter seit Menschengedenken. Das Jahr 1816 geht als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein

1815-1827: Universitätsgärtner Johann Metzger läßt den Friesenberg mit Weinreben bepflanzen

1815-1832: Georg Daniel Eggly reformierter Pfarrer  in Ziegelhausen und Neuenheim

14. Januar 1816: Friedrich Wilken, Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, erhält 38 der 1797 von Napoleon Bonaparte als Kriegsbeute nach Paris genommenen 39 Handschriften der Bibliotheca Palatina zurück (darunter die Codices Palatini latini mit den Signaturen 52 (Otfried-Handschrift), 454, 1735, 1854 und 1912 (vier Bände zur Universitätsgeschichte); vgl. 13. Mai 1816) http://www.uni-heidelberg.de/uniarchiv/bdm2016-05.html

14. April 1816: Münchener Vertrag (Die gespannten Beziehungen zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich werden normalisiert. Kompensationsgeschäft zwischen Österreich und Bayern). Der Rheinkreis (=linksrheinische Pfalz) fällt an das Königreich Bayern. (Auf dem Wiener Kongress 1815 war das Gebiet zunächst dem Kaisertum Österreich zugesprochen worden, nachdem es bereits seit 1814 unter einer provisorischen gemeinsamen österreichisch-bayerischen Verwaltung gestanden hatte). Im Rheinkreis wird die Verwaltungsstruktur des Königreiches Bayern übernommen und als Hauptstadt Speyer eingerichtet. Im Gegensatz zum übrigen Bayern wird die frühere französische Untergliederung der Verwaltung teilweise beibehalten. (1818 Gliederung in zwölf Verwaltungsbezirke, 1838 Umbenennung des Rheinkreis in Rheinpfalz). Bayern gibt die mit dem Frieden von Teschen 1779 verlorenen und im Frieden von Schönbrunn 1809 wiedergewonnenen Gebiete, das Hausruckviertel und das Innviertel, sowie das Amt Vils in Tirol, an Österreich zurück und tritt das Herzogtum Salzburg an Österreich ab.

König Ludwig von Bayern und die badische Pfalz

13. Mai 1816: Friedrich Wilken, Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, erhält nach längeren Verhandlungen mit dem Vatikan von Papst Pius VII. 847 meist deutschsprachige Handschriften der Bibliotheca Palatina zurück (vgl. Januar 1816) http://www.uni-heidelberg.de/uniarchiv/bdm2016-05.html

16. Mai 1816: Papst Pius VII. teilt Prorektor und Senat der Universität Heidelberg in eines Breve den Abschluß der Rückgabe eines Teils der 1623 in die Bibliotheca Vaticana integrierten Bibliotheca Palatina mit http://www.uni-heidelberg.de/uniarchiv/bdm2016-05.html

[Mai 1816: Gründung des Rheinischen Musikvereins in Mannheim]

28. Oktober 1816: Georg Wilhelm Friedrich Hegel hält seine Antrittsvorlesung als Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg. (Als Vorlesungsleitfaden erscheint im Mai 1817 die erste Auflage der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften). Er arbeitet in der Redaktion der Heidelberger Jahrbücher für Literatur mit. Dort erscheint seine Schrift über die Verhandlungen der Landstände des Königreiches Württemberg. Am 26. Dezember 1817 erhält er das Angebot von zum Altenstein, dem ersten preußischen Kultusminister, an die Berliner Universität zu kommen)]

1816: Jacob Wilhelm Christian Roux wird Universitätszeichenlehrer in Heidelberg (Nachfolger Friedrich Rottmanns)

um 1816: Heidelberg hat 8983 Einwohner (4312 Männer, 4671 Frauen, 3351 Katholiken=37,3%, 2270 Lutheraner=25,2%, 3144 Reformierte=34,9%, 218 Juden=2,4%; vgl. 1810!)

[1816: Georg Lankensperger, Hofwagner in München, erfindet die Achsschenkellenkung]

1816-1817: der Schafhof in Kirchheim wird für die lutherische Schule umgebaut. Mitten durch den Hof wird eine Straße gebaut (heute: Schäfergasse). Östlich von ihr wird das reformierte Schulhaus errichtet, westlich von ihr die lutherische Schule (vgl. 1830)

1816/17: „Theuerungs- und Nothjahre“ durch weltweite Naturkatastrophe: Winter im Sommer, ausgelöst von der Stauberuption des Tambora-Vulkans 1815. Teuerung, Hungersnot, Auswanderung. Die Heidelberger Universitätsprofessoren erhalten keine Besoldungsfrucht. Pferde können nicht mehr gehalten werden.

[10. Februar 1817: Carl Theodor Anton Maria Kämmerer von Worms, Reichsfreiherr von und zu Dalberg (*1744, Erzbischof und Staatsmann, 1806 "Fürstprimas des Rheinbundes", 1810-1813 "Grand Duc de Francfort"), stirbt in Regensburg]

23. Februar 1817: Stiftung der allgemeinen Burschenschaft an der Ruperto-Carola (170 Mitglieder)

1. März 1817: Gründungskommers der Heidelberger Burschenschaft (Initiator: Friedrich Wilhelm Carové (1789-1852) aus Koblenz) auf der „Hirschgasse“ als Teil der gesamtdeutschen Burschenschaftsbewegung. (Am 8. Januar 1820 aufgelöst, am 22. Januar 1820 erneut gegründet)

[25. März 1817: Marianne Theodore Charlotte Heidenreich von Siebold (1788-1859) wird in Gießen als zweite deutsche Ärztin zum Dr. med. promoviert (vgl. 1815)]

2. April 1817: Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling (*1740), stirbt in Karlsruhe

28. Mai 1817: Hochwasser des Neckars durch Regen. Die Brücke ist unpassierbar. Hochwassermarke an der Wieblinger Mühle

[12. Juni 1817: erste bekannte Zweiradfahrt auf der Kunststraße von Mannheim nach Schwetzingen bis zum Relaishaus (Rheinau) durch Karl Drais von Sauerbronn]

6. Juli-23. August 1817: der Dichter Jean Paul Friedrich Richter in Heidelberg. Unterkunft im "Goldenen Hecht", Begegnung mit Hegel, Paulus, Thibaut, Boisserée, Henriette von Ende

10. Juli 1817: Jean Paul Friedrich Richter beim Abendessen in der Familie des Theologen Paulus, wo er dessen Tochter Sophie (26) kennenlernt

13. Juli 1817: Fahrt auf dem Neckar mit Jean Paul Friedrich Richter

18. Juli 1817: Überbringung des Doktordiploms (Dr. phil. h. c.) der Universität Heidelberg durch G. W. F. Hegel und Georg Friedrich Creuzer an Jean Paul Friedrich Richter

21. August 1817: Jean Paul Friedrich Richter trifft mit Ludwig Uhland zusammen, besucht die Gemäldesammlung der Brüder Boisserée

22. August 1817: der Dichter Ludwig Tieck in Heidelberg

23. August 1817: Jean Paul Friedrich Richter reist von Heidelberg ab

[18. Oktober 1817: Wartburgfest. Am Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig und der 300-Jahrfeier der Reformation treffen sich Burschenschafter aus fast allen deutschen Universitäten auf der Wartburg bei Eisenach. „Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig wären“ (Heinrich Heine, Denkschrift)]

31. Oktober 1817: Aufführung des 100. Psalms von Händel zur 300-Jahrfeier der Reformation in Heidelberg

Oktober 1817: der Maler Johannes Heinrich Meyer aus Weimar besucht die Gemäldesammlung der Gebrüder Boisserée

26. Dezember 1817: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg, erhält er das Angebot von zum Altenstein, dem ersten preußischen Kultusminister, an die Berliner Universität zu kommen (vgl. 28. Oktober 1816)

1817: Karl Salomon Zachariae veröffentlicht im Namen aller Heidelberger Professoren die Denkschrift Für die Erhaltung der Universität Heidelberg. Zu seinen Argumenten zählt die geographische Lage der Stadt und ihr gut ausgebauter Buchhandel, der ohne Universität nicht überleben könne.

1817: Karl Baedeker (*1801) beginnt bei J.C.B. Mohr in Heidelberg eine Buchhändlerlehre (studiert 1819-1822 an der Universität Heidelberg)

1817: erstes Schulhaus der reformierten Gemeinde Kirchheim (Schäfergasse 2)

[1817: Neugründung des Bistum Speyer (Rheinbayern; vgl. 1801)]

[1817: Beginn der Rheinkorrektur durch Tulla; vgl. 1825] https://www.swr.de/spuren-im-stein/oberrheingraben/rheinbegradigung/-/id=16535158/did=17220860/nid=16535158/1jqxmhh/index.html

[1817: die 1502 gegründete Universität Wittenberg wird mit der von Halle vereinigt (vgl. 1806)]

[1817: preußische Kirchenunion]

um 1817-1853: Rodung des restlichen Hegenichwaldes bei Kirchheim (vgl. 1817)

24. März 1818: Georg Michel Lersch erwirbt das Anwesen des 1813 aufgehobenen Waisenhauses Handschuhsheim, von welchem es an den Bürgermeister Johann Friedrich Schröder (1835-1896) kommt

April 1818: Karl Caesar von Leonhard (1779-1862), Professor der Philosophie, Kameralwissenschaften, Mineralogie, wird vom badischen Staatsminister Sigismund von Reitzenstein auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Mineralogie und Geognosie an der Universität Heidelberg berufen und zum großherzoglichen Geheimrat ernannt (vgl. 1823)


[1. Mai 1818: Gründung des Kunst- und Industrie-Verein für das Großherzogthum Baden in Karlsruhe (zweitältester deutscher Kunstverein) durch Karl Ludwig Frommel]

[26. Mai 1818: Verkündigung der bayerischen Verfassungsurkunde]

[27. Mai-1. Juni 1818: Vereinigung der lutherischen und reformierten Bekenntnisse in Hessen zur Hanauer Union]

16. Juni-1. Juli 1818: der Dichter Jean Paul Friedrich Richter zum zweitenmal in Heidelberg

17. Juni 1818: Abendessen mit Heidelberger Professoren, an dem Jean Paul und August Wilhelm Schlegel teilnehmen

29. Juni 1818: der Maler Carl Philipp Fohr (*1795) ertrinkt im Tiber

30. August 1818: August Wilhelm Schlegel (1767-1845) heiratet in Heidelberg Sophie Paulus (1791-1847, die Ehe scheitert nach einigen Wochen). Schlegel geht nach Bonn, wo er Professor für Literatur- und Kunstgeschichte an der neu gegründeten Universität wird und das Fach Indologie begründet.

[22. August 1818: Großherzog Carl von Baden unterzeichnet in Griesbach/Schwarzwald die erste (?) Verfassung auf deutschem Boden. Baden wird konstitutionelle Monarchie (2-Kammer-System; Entwurf: Karl Friedrich Nebenius)]

[29. September 1818: Aachener Kongress. Die europäischen Monarchien wollen die revolutionär-demokratischen Bewegungen bekämpfen. Der badisch-bayerische Grenzstreit über die rechtsrheinische Pfalz wird zugunsten Badens entschieden.]

[6. Oktober 1818: Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft. Unter den Gründern: Heinrich von Gagern (Heidelberger Burschenschaft)]

[18. Oktober 1818: die Gründung der Universität Bonn wird durch König Friedrich Wihelm III. von Preußen vollzogen]


[28. November 1818: Lutheraner und reformierte Christen der Pfalz feiern in der Stiftskirche zu Neustadt an der Hardt das erste gemeinsame Abendmahl]

1. Dezember 1818: Stiftung des Corps Guestphalia

8. Dezember 1818: Großherzog Karl von Baden stirbt. Markgraf Ludwig I. wird Großherzog von Baden (-1830)

1818: Einrichtung der Chirurgischen Klinik in der städtischen Kaserne (Weinbrennerbau im Marstallhof von 1806, 1844 ins ehemalige Jesuitenkolleg verlegt; Leiter: Maximilian Joseph Chelius) (vgl. 19. April 1766, 1805, 1884)

1818: Einrichtung eines chemischen Laboratoriums im Dominikanerkloster

1818: Gründung des Geologisch-paläontologischen Instituts der Universität Heidelberg

1818: Gründung der Gesellschaft für Naturwissenschaft und Heilkunde zu Heidelberg (1847 eingegangen; Vorläuferin des Naturhistorisch-Medizinischen Vereins zu Heidelberg, vgl. 1856)

1818: Gebäude und Garten der 1803 aufgehoben Staatswirthschafts Hohen Schule (Freudenbergsches Haus, Cameralgebäude, heute Hauptstraße 235) werden an den schottischen Kaufmann James Mitchell verkauft, der es klassizistisch umbauen läßt (vgl. 1784, 1823, 1902, 1921)

1818: das am 12. März 1807 gegründete Philologisch-Pädagogische Seminarium wird geteilt

1818: der Grenzhof erhält seinen eigenen Friedhof. Die Lutheraner werden bis 1821 entweder in Plankstadt oder in Wieblingen beerdigt.

[1818: hessisches Denkmalschutzgesetz]

[1818: die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Hohenheim/Württemberg wird gegründet (1847: Landwirtschaftliche Akademie)]

[1818: das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen erhält als eines der ersten deutschen Länder eine landständische Verfassung]

1818-1820: das Rathaus Wieblingen (heute: Mannheimer Straße 244) wird nach Plänen des großherzoglichen Bauinspektors Friedrich Haller gebaut

16. Februar 1819: Handelsmann Christian Adam Fries und Buchhändler Christian Friedrich Winter werden zu Deputierten des ersten badischen Landtags gewählt

Februar 1819: Oberhofgerichtsrat Christian Friedrich Walz wird (erster) Ehrenbürger Heidelbergs

23. März 1819: der Theologiestudent und Burschenschafter Carl Ludwig Sand ermordet in Mannheim den Schriftsteller August Kotzebue, weil dieser in seinem "Literarischen Wochenblatt" die liberalen Ideen der Burschenschaften verspottet hatte (1820 hingerichtet)

30. März 1819: die Gebrüder Boisserée gehen mit ihrer Gemäldesammlung nach Stuttgart (Offizierspavillon, Königstraße 12; vgl. November 1810)

[22. April 1819: Einberufung der ersten Kammer des badischen Landtages]

[4. Juni 1819: Gründung des Landwirthschaftlichen Vereins für das Großherzogtum Baden]

25. August 1819: Hepp-Hepp-Aufstände in Baden. Ausschreitungen gegen Juden in Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Bruchsal, Bühl. In Heidelberg in der Unteren Straße werden fünf Judenhäuser demoliert. (vgl. auch 1835) mehr

[August 1819:geheime Ministerkonferenz von Staaten des Deutschen Bundes in Karlsbad/Böhmen]

[20. September 1819: Karlsbader Beschlüsse nach Unruhen im Zusammenhang mit der Ermordung August Kotzebues durch Carl Ludwig Sand. Eine "Zentraluntersuchungskommission zur Untersuchung revolutionärer Umtriebe" wird angeordnet. Pressezensur, Verbot der Burschenschaften und des Turnens, Überwachung der Universitäten, Entlassung revolutionär gesinnter Lehrkräfte. (Sitz: Mainz, 1829 suspendiert). Die Maßnahmegesetze bleiben bis zum 2. April 1848 in Kraft]

1819: bei der Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr erscheint die zweite Auflage des ersten Bandes von Des Knaben Wunderhorn. Alte Deutsche Lieder von Clemens Brentano und Ludwig Achim von Arnim

http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-knaben-wunderhorn-i-band-2385/1 http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/arnim_wunderhorn01_1806

1819: die Herrschaft verkauft den herrschaftlichen Wald ("Kammerforst") an den Heidelberger Ratsbürger Leimer (1831 an die Stadt verkauft)

1819: Prinz Leopold, der spätere Großherzog von Baden, heiratet Prinzessin Sophie von Schweden, Tochter König Gustav Adolfs, Enkelin des Großherzog Karl Friedrich von Baden

1819: der Arzt Friedrich Tiedemann (1781-1861) kauft eine Sammlung europäischer Vögel an, die den Grundstock der zoologischen Sammlung der Universität Heidelberg bildet („Zoologisches Cabinet“)

1819: der Jurist Eduard Gans (1797-1839, einer der Begründer der Vergleichenden Rechtswissenschaft in Deutschland und Herausgeber der Werke Hegels) beendet sein Studium erfolgreich (summa cum laude) in Heidelberg mit einer Promotion über römisches Obligationenrecht


[1819: Spanien verkauft Florida an die USA]

[1819: Gründung des Verein für Cultur und Wissenschaft des Judentums]

[1819: Gründung des Thüringisch-Sächsischen Verein für Erforschung des vaterländischen Alterthum“]

1819-1828: Ludwig Georg Wild (1780-1828) großherzoglicher Stadtdirektor in Heidelberg

1819-1832: Oberbürgermeister Peter Lombardino

1819-1831: der Heidelberger Theologe Heinrich Eberhard Gottlob Paulus gibt die antiklerikale Zeitschrift Sophronizon oder unpartheiisch-freimüthige Beiträge zur neuern Geschichte, Statistik und Gesetzgebung der Staaten und Kirchen (bei Wilmann, Frankfurt) heraus

1819-1845: Ernst Karl Kleinschmidt (1775-1847) Pfarrer an St. Peter

1. Januar 1820: an der Expedition der Briefpost, der Postwagen und Diligenten im ehemaligen Jesuitengymnasium (Kettengasse) wird eine "allzeit offene Brieflade" angebracht (erster Heidelberger Briefkasten)

[8. April 1820: die Venus von Milo wird auf Milos entdeckt]


[15. Mai 1820: Wiener Schlussakte zu den Grundlagen des Deutschen Bundes]


20. Mai 1820: Carl Ludwig Sand (*1795 in Wunsiedel), der Mörder August Kotzebues, wird in Mannheim durch den Scharfrichter Franz Wilhelm Widmann hingerichtet

14. Juni 1820: Heidelberger Burschen zerstören die Einrichtung des Gasthauses "Zum Großen Faß" (Hauptstraße/Mönchgasse). Professor Anton Friedrich Justus Thibaut, der die Studenten auffordert, ihre Zerstörung zu beenden, bleibt ohne Erfolg.

16. Dezember 1820: Stiftung des Corps Saxo-Borussia

[17. Dezember 1820:: mit der Verfassung des Großherzogtums Hessen beendet Großherzog Ludwig I. von Hessen-Darmstadt den Absolutismus in seinem Staat zugunsten einer konstitutionellen Monarchie]

1820: Graf Charles de Graimberg verfaßt und verlegt 'Notice de l'entreprise des vues de Heidelberg'  [um 1820: in England kommt die Technik des Stahlstichs auf]

[1820: die Sternwarte Mannheim wird trigonometrischer Punkt zur Vermessung des Großherzogtums Baden]

[4. Januar 1821: bei Mannheim geht man zu Fuß über den Rhein]

[24. Februar 1821: Mexiko wird endgültig unabhängig von Spanien]


[5. Mai 1821: Napoléon Bonaparte stirbt auf St. Helena]

26. Juli 1821: die reformierten und die lutherischen Protestanten Badens vereinigen sich zur Kirche der badischen Union. Beginn der Badischen Landeskirche (vgl. 1535). - Die Providenzkirche dient nun als Garnisons- und Universitäts-Kirche (bis 1896). Die Peterskirche verliert ihre Funktion als Pfarrkirche und wird nur noch als Sommerkirche benutzt, der Chor bis 1844 als evangelische Friedhofskapelle.

28. Oktober 1821: Fest der Vereinigung der reformierten und die lutherischen Protestanten Badens

1821: in Heidelberg wird ein Wohlthätigkeitsverein gegründet

1821: ein Plan von Heidelberg, bei Joseph Engelmann, Gezeichnet v. F.L. Hoffmeister. Lithographie von C. Wagner in Carlsruhe 1821 erscheint

1821: Georg Michael Johannes Riegler, Enkel des Firmengründers Johannes Riegler, übernimmt die Bäckerei Riegler (Hauptstraße)

[1821: in Troy, N.Y., wird die erste Hochschule für Frauen eröffnet (Hauptfächer: Geschichte, Philosophie, Mathematik)]

[13. Januar 1822: Griechenland erklärt seine Unabhängigkeit]

Februar 1822: bei Kirchheim wird ein römischer Denkstein gefunden

13. März 1822: Grundsteinlegung des Rathaus Kirchheim am Ortsrand auf dem früheren Feuerlöschteich ("große Weeth") (Baumeister: Tierry)

[11. April 1822: Osmanisches Massaker unter Bewohnern der Insel Chios als Antwort auf den griechischen Unabhängigkeitskampf]


10. Juli 1822: von Fr. Haug erscheint in Charis. Rheinische Morgenzeitung und Bote vom Neckar und Rhein, No. 55 "Die Ritter von Hirschhorn und von Handschuhsheim. Keine Legende" [UB: H 405::2.1822]

2. August 1822: Johann Peter Hebel und Nikolaus Sander erhalten die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg für ihre Verdienste um die Durchsetzung der Union der Reformierten und Lutheraner Badens

6. September 1822: die Anlage einer neuen Straße an Stelle des Schießthorweg/Pariser Weg wird genehmigt (1830 fertiggestellt; später: Leopoldstraße)

[27. September 1822: Jean-François Champollion gibt die Entzifferung altägyptischer Denkmäler bekannt und begründet damit die Wissenschaft der Ägyptologie]

1. Oktober 1822: Christian Friedrich Winter verläßt die Verlagsbuchhandlung Mohr & Winter und gründet einen eigenen Verlag mit Buchhandlung (Universitätsverlag Carl Winter)

1822: das Wolfshaus beim Wolfsbrunnen (Schlierbach), seit 1796 Gasthaus, wird nach Plänen von Weinbrenner als dreistöckiges Gebäude ("Schweizerhaus") umgebaut

1822: bei Erdarbeiten werden im Seelengewann (im Winkel zwischen Römerstraße und Alter Eppelheimer Straße) Reste eines alemannischen oder fränkischen Begräbnisplatzes gefunden. Ebenso wird dort die Grabstele des Volcius Mercator aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. gefunden (heute im Kurpfälzischen Museum; weitere Funde 1872, 1899, 1921)

1822: die Staatswirtschaftliche Sektion der Universität Heidelberg wird mit der Philosophischen Fakultät vereinigt (vgl. 1841)

1822: der Dichter August Graf von Platen in Heidelberg

1822: in Baden wird die allgemeine Studienfreiheit eingeführt (Aufhebung des sozialen Numerus clausus, keine Anstellungsgarantie mehr)

1822: Kammersekretär Karl Friedrich Penzel verkauft das ehemalige Stift Neuburg dem Darmstädter Handelsmann Louis Cavalli (vgl. 1804, 1822, 1825)

1822: die Heidelberger jüdische Gemeinde wählt Karl Rehfuß (1792-1842) zum Lehrer und Prediger



[1822: in Berlin (?) wird der Verein zur Beförderung des Gartenbaus gegründet (heute: Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822)]

[1822: der König von Preußen verbietet den Juden Lehrberufe und entläßt sie aus allen Staatsdiensten. Bis 1850 bleiben die preußischen Berufsverbote in Kraft. Viele Juden werden Brillen- und Uhrmacher, Juweliere, Verkäufer auf Messen, Leder- und Textilhändler]

[22. November 1822: Veroneser Kongress der Heiligen Allianz. Mit Zustimmung der Vertreter Österreichs, Frankreichs, Preußens und Russlands wird die französische Regierung beauftragt, in Spanien wieder den Stand der Dinge herzustellen, wie er vor der Revolution von Cádiz bestand. Die französische Regierung stellt eine Armee zusammen, die unter dem Oberbefehl des Herzogs von Angoulême steht]


[10. Februar 1823: Erster Rosenmontagsumzug in Köln]


[2. April 1823: der Herzog von Angoulême ruft die Spanier auf, der französischen Armee keinen Widerstand entgegenzusetzen und vereint mit ihr den König zu befreien und Altar und Thron wiederherzustellen]


[7. Mai 1823: Beethovens 9. Sinfonie wird in Wien uraufgeführt]


[31. August 1823: in der Schlacht von Trocadero nimmt die französische Armee unter dem Herzog von Angoulême die Festung auf der Insel Trocadero vor Cádiz ein und beendet die spanische Revolution. Der Herzog von Angoulême setzt in Madrid einen Regentschaftsrat unter dem Herzog del Infantado ein]


[2. Dezember 1823: der US-Präsident James Monroe erklärt, daß den europäischen Mächten die Einmischung in die Angelegenheiten amerikanischer Staaten verwehrt sei, daß andererseits die Union nicht in die Streitigkeiten Europas eingreifen werde]

1823: Gustav Schwab schreibt das Gedicht Das Mahl zu Heidelberg

1823: die Stadt Heidelberg kauft den Kohlhof

1823: der Mönchhof wird mit der Gemeinde Neuenheim vereinigt

1823: der Mineraloge Karl Caesar von Leonhard (1779-1862), Professor der Mineralogie und Geognosie der Universität Heidelberg, führt den Begriff „Löss“ in die geologisch-mineralogische Literatur ein. Die von ihm erstmals als Lössaufschluss wissenschaftlich beschriebene Örtlichkeit, der Haarlass in Heidelberg, gilt seitdem als locus classicus et typicus.

20. März 1824: Übergabe des Rathaus Kirchheim (Baumeister: Tierry) (vgl. 13. März 1822)

Frühjahr 1824: der Student Arnold Ruge (1802-1880) wird als „Mitglied einer geheimen verbotenen Verbindung“ verhaftet und verurteilt. Ruge war seit 1823 Mitglied der Heidelberger Burschenschaft und führendes Mitglied im geheimen Jünglingsbund, der Anfang 1824 verraten wurde.

[16. September 1824: Ludwig XVIII. (Louis XVIII Stanislas Xavier, *1755), König von Frankreich und Navarra, stirbt in Paris. Nachfolger: Charles X. 1824-1830]

30. Oktober 1824: größtes Hochwasser des Neckar bei Heidelberg seit 1784. Das Wasser steht an der Schiffgasse bis zur Hauptstraße. Pfistermühle zerstört

Hochwassermarke an der Wieblinger Mühle (Standort geändert)

13. Dezember 1824: Kapellmeister Friedrich Joseph Hoffmann führt in der ehemaligen Jesuitenkirche (katholisch Heiliggeist) mit dem Singverein und dem Mannheimer Orchester G.F. Händels Oratorium "Der Messias" auf. Der Reingewinn ist "für die in Wassernoth Verunglückten" bestimmt.

1824: Ludwig Börne besucht den schottischen Kaufmann James Mitchell im Freudenbergschen Haus (heute Hauptstraße 235) (vgl. 1818)

1824: der untere Dorfbrunnen in Ziegelhausen wird errichtet (vgl. 1926)

[1824: nach dreijähriger Bauzeit eröffnet die Stockton & Darlington Railway (40 km Streckenlänge, erste kommerziell betriebene Eisenbahnstrecke, auf der Dampflokomotiven verkehren), erbaut von George Stephenson und Sohn]

um 1824: Heidelberg hat 10.301 Einwohner. Die Universität zählt etwa 600 Studierende, 34 ordentliche und 9 außerordentliche Professoren, 11 Privatdozenten (nach J. G. Rieger, Historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Mannheim und seiner Umgebung...1824, p. 439/449)

[3.-5. Februar 1825: Große Halligflut, Flutkatastrophe an der gesamten deutschen, dänischen und niederländischen Nordseeküste sowie im unteren Weser- und Elbegebiet und deren Nebenflüssen. Etwa 800 Menschen ertrinken, sehr schwere Schäden]

Ostern 1825: Gründung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auf der Ostermesse zu Leipzig (faßt die deutschen Buchhändler zum ersten Mal in einem eigenständigen Verein zusammen (Gründungsmitglied: Buchhändler J.C.B. Mohr))

[30. Mai 1825: badisches Konskriptionsgesetz (§ 1: „Alle Badener sind der Kriegsdienstpflicht unterworfen“)]

8. Juni 1825: der Dichter Ludwig Tieck in Heidelberg

[5. Juli 1825: die pfälzischen Gemeinden Altenstadt, Weiler, Ober- und Niedersteinbach werden in der Grenzkonvention zwischen Bayern und Frankreich von Bayern an Frankreich abgetreten]

[14. November 1825: der Dichter Johann Paul Friedrich Richter stirbt in Bayreuth]

[26. Dezember 1825: der "Dekabristenaufstand" liberaler russischer Offiziere gegen das autokratische Zarentum wird niedergeschlagen]


1825: der Advokat und Privatier kaiserlicher Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser (1780-1851), Freund Goethes, und seine Frau Sophie du Fay aus Frankfurt am Main erwerben das ehemalige Kloster Neuburg, wo sie die Sommer verbringen. Schlosser baut das Gebäude zu einem Treffpunkt für Literaten, Musiker und Kunstfreunde aus. Er besitzt eine umfangreiche Bibliothek und eine Sammlung von Erinnerungsstücken an Goethe (der Neuburg nie betritt). Er läßt die Klosterkirche durch Heinrich Hübsch neugotisch umgestalten. Er fördert insbesondere die Kunst der Nazarener und sammelt auf Neuburg einen Kreis von Künstlern, Wissenschaftlern, Geistlichen und Politikern um sich, darunter auch Angehörige des großherzoglichen Hauses. (vgl. 1812, 1865).

1825: Prof. Friedrich Christoph Schlosser (1776-1861) wird nebenamtlich Leiter der Universitätsbibliothek Heidelberg. Da er dem Ankauf der Bibliothek des Kloster Salem 1826 skeptisch gegenübersteht, legt er die Leitung der Bibliothek nieder ("Es sey uns mehr schädlich als nützlich, ... die ganze Bibliothek zu acquiriren, denn von 50 - 60.000 Bänden können wir höchstens 10 - 12.000 Bände brauchen. Das andere ist uns Ballast und Trödelwaare")

1825: Gründung des Israelitischen Frauenvereins

1825: "Über Reinheit der Tonkunst" von Anton Friedrich Justus Thibaut erscheint (anonym, bei Mohr)

[1825: Großherzog Ludwig I. von Baden vereinigt Tullas Ingenieurschule, Weinbrenners Architekturschule und andere Institute zum Polytechnikum Karlsruhe (vgl. 1865)]

[1825: Abmachungen über die Regulierung des Rheins. Die Kollerinsel fällt an Bayern. vgl. 25. Februar 1803; 1840]

[1825: Gründung des Süddeutschen Zollverein zwischen Württemberg und Bayern]

[1825: britische Wirtschaftskrise nach einem groß angelegten Gründungs- und Aktienschwindel]

1825-1827: Franz Josef Mone Direktor der Universitätsbibliothek

1825-1848: Die drei Heidelberger Kliniker Friedrich August Benjamin Puchelt, Maximilian Joseph Chelius und Franz Carl Nägele geben gemeinsam bei Mohr die Heidelberger Klinischen Annalen heraus. Die Zeitschrift enthält Aufsätze aus dem Gebiet der gesamten Heilkunde und Staatsarzneikunde und will Übersichten über wichtige Entdeckungen und Beobachtungen, auch aus den Heidelberger Kliniken, anbieten. www.mohr.de/vg/200jahre_a.htm

1825-1850: Johann Jakob Weber (1783-1856) Bürgermeister bzw. Vogt in Neuenheim

1826: Neueröffnung der Poliklinik und starker Aufschwung der klinisch-praktischen Medizin in Heidelberg.

29. März 1826: Johann Heinrich Voß stirbt 75jährig in Heidelberg am Schlaganfall (begraben auf dem St. Anna-Friedhof, umgebettet auf den Bergfriedhof)

[31. Juli 1826: ein letztes Todesurteil der Inquisition wird in Valencia vollstreckt]

[August 1826: Wiederentdeckung der Blauen Grotte auf Capri durch August Kopisch und Ernst Fries] http://de.wikipedia.org/wiki/August_Kopisch

1826: Verlegung der Irrenheilanstalt von Pforzheim nach Heidelberg ins ehemalige Jesuitenkolleg (Seminarium Carolinum, Seminarstraße 2) (1842 wieder verlegt)

1826: die Universitätsbibliothek Heidelberg kauft die Sammlungen der 1804 geschlossenen Zisterzienserabtei Salem im Linzgau und des Benediktinerklosters Petershausen (bei Konstanz) mit ca. 30.000 Drucken und 450 Handschriften (vgl. 23. November 1804)

1826: Stadtamt und Landamt Heidelberg werden zum Oberamt Heidelberg zusammengeschlossen (vgl. 1813; später: "Bezirksamt")

1826: die Heidelberger Rothgerber Carl Palm, Jakob Kühner, Martin Busemer, Christian Müntel, Johann Claes, Philipp Keller, Salomon Werner und Adam Schaaf lassen in Ziegelhausen eine Lohmühle erbauen (Am Fürstenweiher 16)



[1826: der Gottespfennig, eine Siegelsteuer, erhoben bei der Protokollierung von Grundstücksgeschäften, wird aufgehoben]

[1826: in Freiburg wird die Gesellschaft für Beförderung der Geschichtskunde gegründet (1946 mit dem 1873 gegründeten Breisgau-Verein zum Breisgau-Geschichtsverein Schau-ins-Land vereinigt)]

[1826: König Ludwig I. von Bayern verlegt die Universität Landshut in die Landeshauptstadt München (vgl. 1800)]

Januar 1827: der französische Dichter Edgar Quinet kommt nach Heidelberg (vgl. 1834-1838)

17. Mai 1827: Grundsteinlegung des Gebäudes der Museumsgesellschaft im Garten des ehemaligen Augustinerklosters am Paradeplatz

[Juli 1827: das erste Dampfschiff fährt auf dem Oberrhein]

22. Oktober 1827: der 42jährige Christoph Riegel aus Ziegelhausen wird auf dem öffentlichen Richtplatz bei Heidelberg mit dem Schwert hingerichtet. Er hatte gestanden, am 6. September 1826 den Jägerburschen beim Revierförster zu Ziegelhausen Michael Theobald im Wald erschlagen zu haben, der ihn beim Wildern antraf. (vgl. 1738)

[27. Oktober 1827: die englisch-französisch-russische Flotte vernichtet die türkische im Hafen von Navarino (Pylos). Griechenland erlangt seine Unabhängigkeit von den Osmanen]

1827: König Ludwig I. von Bayern kauft 216 Bilder der Sammlung Boisserée um 240.000 fl. Kölnische Werke, u. a. vom Meister des Marienlebens oder von Stefan Lochners, auch die Hauptwerke der altniederländischen Schule, Rogier van der Weydens Columbaaltar, Dieric Bouts' "Perle von Brabant" und Hans Memlings "Sieben Freuden Mariens" kommen nach München. Die bedeutendsten Stücke sind heute in der Alten Pinakothek ausgestellt.

1827: Heidelberg, bis 1803 zum Bistum Worms gehörig, wird Teil der neu gebildeten Erzdiözese Freiburg („Oberrheinische Kirchenprovinz“)

1827: der Mitteltorturm am Graben zwischen Kernstadt und Vorstadt (zwischen Hauptstraße 126 und 135) wird zerstört (1370/1400 erbaut; der Hochwächter zieht auf den Turm der Heiliggeistkirche). Auf dem Gebäude der Universität wird ein Türmchen errichtet, das die Uhr und zwei Glocken (von 1719 und 1630) des Mitteltorturms aufnimmt (1886 umgebaut).

1827: das Traitteursche Haus (ehemaliges Jesuitengymnasium, Augustinergasse 15) wird für die Universitätsbibliothek angekauft (vgl. 1829)

[1827-1829: russisch-türkischer Krieg]

[26. Mai 1828: der Findling Kaspar Hauser († 17. Dezember 1833 in Ansbach) taucht in Nürnberg als etwa 16-jähriger Jugendlicher auf]

17. Juli 1828: Bezug des Gebäudes der Museumsgesellschaft im Garten des ehemaligen Augustinerklosters am Paradeplatz ("Gesellschafts-Haus gebildeter Stände", Heidelbergs größter Saal, 800 Plätze, 1930 zerstört)

14. August 1828: Auszug der Heidelberger Studenten nach Frankenthal (Rheinbayern), nachdem sich die Studenten durch die Satzung der Museumsgesellschaft diskriminiert fühlten. Sie fordern uneingeschränkten Zutritt. Die Museumsgesellschaft gerät in unbefristeten Verruf.

18. August 1828: dreijähriger Verruf über die Universität Heidelberg durch Seniorenconvent und Burschenschaft (bis 1831). Nach Ende der Sommerferien verringert sich die Zahl der Immatrikulierten um etwa 200 auf 600. Der Senat beschließt, keinem Abwesenden ein Zeugnis auszustellen. 129 Studenten werden bestraft, 92 Studenten werden öffentlich relegiert. Die im SC organisierten Corps erklären nach der Rückkehr nach Heidelberg nach und nach den Verruf für commentwidrig.

25. August 1828: Einweihungsball des Gebäudes der Museumsgesellschaft

24. Oktober 1828: der Großherzog bestimmt in einem Erlaß, daß die Mitgliedschaft in einer "geheimen Vereinigung" als Verbrechen angesehen wird. Als geheim gilt eine Verbindung so lange, bis ihre Statuten vom Senat der Universität Heidelberg genehmigt wird. Sämtliche bestehenden Verbindungen werden aufgelöst.

[22. November 1828: 100. Geburtstagsfeier des Großherzog Karl Friedrich von Baden (1728-1811)]

1828: David Schumacher, Lehrer an der höheren Bürgerschule in Heidelberg (vgl. 1835), unterweist sonntags junge Leute in seinen privaten Räumen, später in einem Hofgebäude in der Ziegelgasse, unentgeltlich in Zeichenübungen (Vorläufer der Gewerbeschule)

1828: Das Leben Jesu als Grundlage einer reinen Geschichte des Urchristentums von Heinrich Eberhard Gottlob Paulus erscheint

[1828: das Großherzogtum Hessen schafft mit dem Preußisch-Hessischen Zollverein eine Zollunion mit Preußen]

[1828: Zollvertrag zwischen Bayern und Württemberg. - Zollvertrag zwischen Preußen und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt (1831 schließt sich Kurhessen an) – Mitteldeutscher Handelsverein; vgl. 1834]

[1828: American Dictionary of the English Language von Noah Webster (1758-1843) erscheint]

1828-1830: August Siegfried Freiherr von Fischer Stadtdirektor in Heidelberg

[13. April 1829: der Roman Catholic Relief Act hebt viele der Beschränkungen der römisch-katholischen Bevölkerung in Großbritannien auf]

September 1829: Oberst Gustaffson, als Gustav IV. früherer König von Schweden, (1809 zur Abdankung gezwungen, verheiratet mit Friederike, einer Enkelin Kurfürst Karl Friedrichs von Baden) stirbt in Heidelberg (vgl. 13. September 1803)

18.-24. September 1829: Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in der Aula der Universität und im Museum (288 Teilnehmer; Goethe: „Wissenschafts-Bazar“) (vgl. 1822)

12./13. November 1829: der polnische romantische Dichter Adam Mickiewicz („Pan Tadeusz“) in Heidelberg

1829: Johann Metzgers "Beschreibung des Heidelberger Schlosses und Gartens" erscheint

1829: Einrichtung des ehemaligen Jesuitengymnasiums (Traitteursches Haus, Augustinergasse 15) als Gebäude der Universitätsbibliothek

[1829: Marie Ellenrieder (1791-1863) wird badische Hofmalerin]

[1829: auf Vermittlung des Verlegers Johann Friedrich Cotta kommt es zu einem Vertrag zwischen dem preußischen und süddeutschen Zollverbund (gegenseitige Zollfreiheit für inländische Produkte)]

1829/1830: die Sandgrube vor dem Mannheimer Tor wird zugeschüttet

1829-1832: Heinrich Hoffmann (Verfasser und Zeichner des "Struwwelpeter") studiert Medizin in Heidelberg (Corps Alemannia; Wohnung: Lauerstr. 5)

24. Januar 1830: Robert Schumann gibt in Heidelberg sein einziges öffentliches Klavierkonzert im "Museum" am Paradeplatz (wohnt im Gasthaus „Zu den drei Königen“, Hauptstraße 160)

13. März 1830: Generalversammlung der Heidelberger Schützen in Freys Bierbrauerei mit dem Ziel der Neugründung eines Schützencorps. Nach einer zweiten Generalversammlung wurde am 6. September 1830 das Grundgesetz des Heidelberger Schützencorps niedergelegt.

30. März 1830: Ludwig I. Großherzog von Baden stirbt in Karlsruhe

30. März 1830-1852: Leopold Großherzog von Baden ("gekrönte Schlafmütze"). Mit ihm gelangen die Markgrafen von Hochberg, die Nachkommen Karl Friedrichs aus seiner zweiten Ehe mit der nicht ebenbürtigen Freiin Geyer von Geyersberg, zur Regierung. Leopold gilt anfangs als "Bürgerfreund" und Reformer, wandelt sich dann zum Gegner einer freien Presse (Verschärfung der Zensur) und behindert tiefgreifende Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft. Der "Reformstau" endet in der 48er Revolution.

[6. April 1830: Joseph Smith (1805-1844) gründet im Staat New York mit sechs weiteren Gründungsmitgliedern die Kirche Christi ("Mormonen")]

9. Mai 1830: Einzug des Großherzogs Leopold, der Großherzogin Sophie und des Markgrafen Max in Heidelberg

10. Mai 1830: erste bengalische Beleuchtung der Schloßruine

[28. Mai 1830: US-Präsident Andrew Jackson unterzeichnet den Indian Removal Act, um eine gesetzliche Grundlage für die Vertreibung der Indianer aus den Bundesstaaten östlich des Mississippi River zu schaffen]

[27.-29. Juli 1830: Juli-Revolution in Frankreich]

[7. August 1830: die französische Kammer erklärt den Bourbonenkönig Karl X. für abgesetzt und verkündet den „Bürgerkönig“ Louis Philippe I. von Orleans (1773-1850) als König der Franzosen, von Gottes Gnaden und dem Willen des Volkes]

[August 1830: Nach einer Opern-Aufführung Revolution in Brüssel. König Wilhelm I. der Niederlande setzt seine Truppen ein. Diese werden am 27. September 1830 vertrieben. Die Rebellen werden von Freiwilligen außerhalb der Stadt unterstützt. Belgien reißt sich von den Nördlichen Niederlanden los]


[4. Oktober 1830: die Vorläufige Regierung Belgiens verkündet die Unabhängigkeit]


[3. November 1830: 30 000 belgische Bürger wählen einen Nationalkongress. An der Wahl dürfen sich nur diejenigen beteiligen, die genug Steuern bezahlen, oder Bürger mit besonderen Qualifikationen]


[29. November 1830-September 1831: Aufstand in Kongreßpolen. Der Sejm erklärt den Kaiser von Rußland für abgesetzt. Attentatsversuch gegen den Großfürsten Konstantin. Die russische Armee schlägt den Aufstand nieder. Sympathiewelle in Europa für die polnischen Aufständischen. vgl. 8. Februar 1831]

21. Dezember 1830: Stadtdirektor August Siegfried Freiherr von Fischer stirbt (vgl. 1831)

1830: auf der Universität Heidelberg befinden sich 752 Studenten, davon 384 Juristen, 200 Mediziner, 175 Theologen, 64 Kameralisten, 29 Philologen und Philosophen. 41 Professoren und 18 Privatdozenten halten Vorlesungen.

1830: Gründung der Konditorei Emil Roesler (Mittelbadgasse, später Hauptstraße 30-32)

1830: der Handschuhsheimer Dorfgraben (spätere Friedensstraße) wird zugeschüttet und zum Fahrweg (vgl. 1844)

1830: Gründung des Landwirtschaftlichen Vereins Heidelberg

1830ff.: Universitätsgärtner Johann Metzger bepflanzt den eingeebneten Wallgraben am Fuße des Gaisberges, die „Neuen Anlagen“ (später: Leopoldstraße) mit Roßkastanienbäumen. Er verbreitert den „Seidels-Weg“ zur „Anlage, einer Garten-Promenade, zu der auch das „Arboretum“ am Wredeplatz und der kleine Park, in dem später das Denkmal für Robert Bunsen errichtet wird, gehört. - Auf Wunsch des Stadtdirektors August Siegfried Freiherr von Fischer (†21. Dezember 1830) legt er den Versuchsgarten des Landwirtschaftlichen Vereins („ökonomischer Garten“) vor dem Mannheimer Tor auf dem Gelände des heutigen Stadtgartens und des Seegartens an (geht 1866 in den Besitz der Universität über) - Die südwestliche Stadtummauerung wird zerstört. Die (später so benannte) Sophienstraße wird längs der ehemaligen westlichen Stadtmauer angelegt (vgl. 1790, 1822, 1831, 1835, 1850)

1830: der Friedhof bei der Providenzkirche wird aufgelassen

1830: Umbau des Sockels der Marienstatue auf dem Kornmarkt zum Brunnen mit oktogonalem Becken

1830: Friedrich Hecker (*1811) aus Eichtersheim beginnt das Jurastudium an der Universität Heidelberg

1830: Bau des katholischen Schulhauses Kirchheim (Schwetzinger Straße 49)

1830: die 1711 von dem Oberjäger Johann Jakob Kaiser aus Bruchhausen am südöstlichsten Ende der Gemarkung Bruchhausens, am Ufer des Leimbachs, errichtete Mahlmühle ("Bruchhäuser Mühle"), 1803 an das Kurfürstentum Baden und in das direkte Eigentum des Herrscherhauses gefallen, wird an Privat verkauft und wechselt über in die Gemarkung Kirchheim. Sie heißt jetzt "Kirchheimer Mühle"


[1830: die Franzosen erobern Algier]

[1830: Isaak Adam erfindet die Tiegeldruckpresse für den Buchdruck]

[1830: die erste Eisenbahnverbindung zwischen zwei Städten (Liverpool und Manchester) wird eröffnet]

[1830-1837: Cholera-Epidemie in Europa und Amerika. Opfer u.a. Gneisenau, Clausewitz, Hegel; vgl. 1854, 1892]

[8.-16. Januar 1831: Aufstand des Johann Ernst Arminius von Rauschenplatt in Göttingen]

21. Januar 1831: Achim von Arnim stirbt in Wiepersdorf bei Jüterbog

[7. Februar 1831: der belgische Nationalkongress verabschiedet eine Verfassung]

8. Februar 1831: ein Polen-Comitee wird in Heidelberg gegründet (vgl. 29. November 1830; im Juli 1832 aufgelöst)

Februar 1831: die großherzogliche Kreisdirektion bestätigt an der Stelle von Handelsmann Georg Leonhard Ritzhaupt den Lederfabrikanten Jakob Wilhelm Speyerer als 2ten Bürgermeister

An die Stelle des 2ten Bürgermeisters Handelsmann Ritzhaupt dahier, welcher seine angezeigte Resignation mit dem ehrenden Zeugnisse der Zufriedenheit seiner nur zu kurzen Geschäftsführung erhalten hat, wurde von der Bürgerschaft durch Stimmenmehrheit der Handelsmann Speyerer, von welchem sich nach seinem Charakter und Kenntnisse nur alles Gute erwarten lässt, erwählt, als solcher von dem großherzoglichen Kreisdirectorium bestätigt gehörig verpflichtet und in sein neues Amt eingewiesen, welches dem Publikum hiermit bekannt gemacht wird. Heidelberg, den 18. Februar 1831. Christ. Gruber.“ (Heidelberger Wochenblätter No. 35, Samstag, 19. 2. 1831)

1. März 1831: Fest für die Pressefreiheit

4. März 1831: Oberamtmann Ludwig Friedrich Eichrodt aus Säckingen wird zum großherzoglichen Stadtdirektor zu Heidelberg ernannt (-1836) (vgl. 1851)

[10. März 1831: König Louis-Philippe gründet die französische Fremdenlegion]

26. April 1831: „Handschuchsheim. (Immobilien zu verkaufen oder zu vermiethen) Das zu Handschuchsheim, eine halbe Stunde von Heidelberg, an der Landstraße nach Frankfurt gelegene Schlößchen, bestehend aus einem zweistöckigen Wohnhaus, und allen zu einer Landwirthschaft nöthigen Gebäuden, und 2 am Haus gelegenen großen Gärten, nebst laufendem Brunnen, welch Alles mit einer Mauer umgeben, ist aus freier Hand zu verkaufen oder auch zu Theil zu vermiethen. Es ist zu einem der gesündesten und angenehmsten Sommer-Aufenthalte, auch zu jeder Fabrike oder sonst ausgedehnten Gewerbe geeignet, und können auf Verlangen auch eine angemessenene Morgenzahl Aecker und Wiesen in Kauf gegeben werden. Wer solches zu kaufen oder zu miethen Lust hat, beliebe sich an die Eigenthümerin Helena Rottmann in Handschuhsheim zu wenden. Heidelberg, den 20. April 1831“ (Heidelberger Wochenblätter No. 82, Dienstag, 26. 4. 1831)

25. Mai 1831: Eröffnung der Schwimm-Anstalt von Kaspar Bootz in der Neckarstraße (in der Nähe der späteren Stadthalle; vgl. 18. Mai 1931)

Juni 1831: Wohlgemeintes Wort in den Heidelberger Wochenblättern

[29. August 1831: Michael Faraday entdeckt die elektromagnetische Induktion]


31. August 1831: Eröffnung der städtischen Sparkasse und des Leihhauses („wird die Sparkasse in dem Hause No. 439, am Kornmarkt und der Burgwegstraße gelegen, eröffnet.“ Heidelberger Wochenblätter 169, 26. 8. 1831)

[8. September 1831: Niederschlagung des polnischen Aufstandes in Warschau durch russische Invasionstruppen]


[14. November 1831: Georg Wilhelm Friedrich Hegel stirbt in Berlin an der Cholera]

23. November 1831: Fahnenweihe des neuerrichteten Schützenkorps zu Heidelberg (vgl. 13. März 1830)

13. Dezember 1831: die Burschenschaft Frankonia erhält vom Senat der Universität die Zulassung. Nachdem sich 11 Mitglieder am 3. April 1833 am Frankfurter Wachensturm beteiligen, wird die Verbindung verboten. (vgl. 1846, 1856)

[27. Dezember 1831: Beginn der Weltumseglung der Beagle mit Charles Darwin an Bord von Plymouth Harbour aus]

[28./31. Dezember 1831: Gesetz zur Aufhebung des Blutzehnten und Auflösung der Herrenfronen in Baden]

1831: es gibt 28 Bäcker in Heidelberg. 1 Weck kostet 1 Kreutzer

1831: der Heidelberger Chirurg und Augenarzt Geheimrat Professor Maximilian Joseph Chelius erwirbt nach dem Aussterben der von Zyllenhardts das Palais Morass von den Freiherren Göler von Ravensburg (von Chelius bis zu seinem Tode 1876 bewohnt)

1831: Errichtung einer Gedenktafel für Stadtdirektor August Siegfried Freiherr von Fischer an der Ecke Leopoldanlage/Sophienstraße an der Mauer des St. Anna-Kirchhofs („den Verdienst zu ehren, den der verstorbene Herr Stadt-Director v. Fischer im allgemeinen um hiesige Stadt und insbesondere um unsere freundlichen neuen Anlagen sich erworben hat, sind eine Anzahl hiesiger Einwohner übereingekommen, demselben ein Denkmal zu setzen“ (Schreiben von Mieg vom 16. 3. 1831 an den Stadtrat, Stadtarchiv Heidelberg UA 67,7))

1831: die Pflege Schönau (Evangelischer Kirchen-Ärar) verkauft den Heiligenbergwald. Die Gemeinde Handschuhsheim kauft 174 Morgen, Neuenheim 152 Morgen. Der Wald wird bis 1833 abgesteint (vgl. 1608, 1790, 1793)

1831: die Stadt kauft den Kammerforst von den Erben des Ratsbürgers Leimer (vgl. 1819)

1831: der Heidelberger Theologieprofessor und Kirchenrat Heinrich Eberhard Gottlob Paulus veröffentlicht die Denkschrift Die jüdische Nationalabsonderung nach Ursprung, Folgen und Besserungsmitteln. Oder über Pflichten, Rechte und Verordnungen zur Verbesserung der jüdischen Schutzbürgerschaft in Deutschland

1831: das Heidelberger Wochenblatt erscheint als Heidelberger Wochenblätter (1840 "Heidelberger Tagesblätter", 1842 bis 1872 "Heidelberger Journal"; vgl. 1807)

[31. Dezember 1831: Badische Gemeindeordnung und Bürgerrechtsgesetz. Erstmals kommunale Selbstverwaltungseinrichtungen in Baden. Das Bürgerrechtsgesetz erlaubt allen Bürgern, in jeder Gemeinde des Großherzogtums als Bürger aufgenommen zu werden. Tritt am 1. 1. 1832 in Kraft. Statt „Oberbürgermeister“ unterscheidet man in den Städten den ersten und zweiten Bürgermeister. Ein Bürgerausschuß wird eingerichtet]

[1831: Zollvertrag zwischen Preußen, dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und Kurhessen (vgl. 1828)]

[1831: Rheinschiffahrtsakte]

[1831: ägyptische Truppen besetzen Palästina und Syrien]

1831-1838: Johann Rupp Bürgermeister in Handschuhsheim

6. Februar 1832: Vertrag zwischen der Stadt Heidelberg und der Neckarkreis-Abtheilung des landwirtschaftlichen Vereins  wegen Überlassung von 3 Morgen Land an den Verein zwecks Anlegung eines Nutzgarten

[22. März 1832: Johann Wolfgang von Goethe stirbt in Weimar]

19. April 1832: Gründung der Gesellschaft "Bürgerliches Casino" (später: "Harmonie", eine geschlossene Gesellschaft von Heidelberger Bürgern, hauptsächlich Kaufleuten, Handwerkern, Beamten) (vgl. auch 1813, 1823, 19. Juli 1832, 1834)

11. Mai 1832: Gründung eines Preßvereins in Ziegelhausen

[27. Mai-1 Juni 1832: zahlreiche Studenten beteiligen sich am Hambacher Fest bei Neustadt an der Haardt. Unter den mindestens 20.000 Teilnehmern stellt die Heidelberger Burschenschaft mit ca. 300 Teilnehmern die größte Einzelgruppe (darunter der Student der Kameralwissenschaften Carl Heinrich Brüggemann aus Westfalen, vgl. 3. Januar 1833). Dort werden die bis dahin nur burschenschaftlichen Farben Schwarz-Rot-Gold zu deutschen Nationalfarben erhoben]

[5. Juli 1832: Reaktion des Deutschen Bundes auf das Hambacher Fest: In der Frankfurter Bundesversammlung erreicht Metternich das Verbot der Farben Schwarz-Rot-Gold und eine Verschärfung der Unterdrückungsmaßnahmen. 10.000 Pfälzer wandern aus]

19. Juli 1832: das „Bürgerliche Casino“ wird in „Harmonie-Gesellschaft“ umbenannt (sie baut Ende 1832 im Gasthof zum Prinzen Max, Marstallstraße 6, einen Tanzsaal an, der im Januar 1833 eingeweiht wird)

3. August 1832: die preußischen Studenten in Heidelberg feiern den 62. Geburtstag ihres Königs Friedrich Wilhelm III. mit einem Feuerwerk. Die Befürchtung der städtischen Behörden, es könne zu Ausschreitungen zwischen pro- und antipreußischen Studenten kommen, erfüllt sich nicht.

28. September 1832: Grundsteinlegung zum Königstuhlturm (1835 vollendet, 1959 zerstört)

[September 1832: die Universität Freiburg wird wegen Aufständen gegen den Widerruf der Pressefreiheit in Baden vorübergehend geschlossen]

[5. November 1832: Eröffnung der Forstschule Karlsruhe]

15. November 1832: feierlicher Einzug zweier vom Großherzog für das bürgerliche Canonier-Corps gestifteten und in Bruchsal empfangenen Sechspfünder-Kanonen in Heidelberg

1832: Die Heidelberger Judengasse (Name seit 1374 nachweisbar) wird auf Wunsch der Anwohner, die "des Namens wegen nur schwer Zimmer an Studenten vermieten konnten", darunter auch Juden, "gegen Regel und Volksempfinden" (Derwein) in Dreikönigstraße umbenannt

Judengasse, Merianstich 1620

1832: der Handelsmann und Bankier Adolph Zimmern wird als erster Jude Mitglied im Heidelberger Bürgerausschuß

1832: Briefpost, Postwagen-Expedition und Posthalterei werden in der Hauptstraße 131 (Haus Kochenburger) vereinigt (1845 zum Bahnhof verlegt; vgl. auch 1811, 1820)

1832: Ferdinand Freiherr von Sturmfeder (1788-1850) verkauft seinen Grundbesitz in Wieblingen zwischen Hostig und Neckar in Parzellen an zahlreiche Wieblinger zum Hausbau, einen Teil auch an die Gemeinde Wieblingen zum Bau einer Straße, die Ferdinandstraße heißen sollte

[1832: Karl Wilhelmi und die „Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmahle der Vorzeit“ untersuchen die römischen Hinterlassenschaften in Neckarburken]

1832-1840: Erster Bürgermeister Lederfabrikant Jakob Wilhelm Speyerer

[1832-1862: Otto I. von Wittelsbach König von Griechenland]

3. Januar 1833: der Heidelberger Student der Kameralwissenschaften Carl Heinrich Brüggemann aus Westfalen, nach Teilnahme am Hambacher Fest in Heidelberg verhaftet, wird an Preußen ausgeliefert wird. Das Kammergericht Berlin verurteilt ihn zum Tode, später begnadigt, 1840 aus Festungshaft entlassen

Januar 1833: der Tanzsaal im Gasthof zum Prinzen Max, Marstallstraße 6, Treffpunkt der „Harmonie-Gesellschaft“, wird eingeweiht

[22. März 1833: Zusammenschluß des preußischen und des süddeutsche Zollverbunds]

[3. April 1833: Frankfurter Wachensturm. Versuch von ca. 40 Burschenschaftern, durch Handstreich die beiden Gendarmeriewachen in Frankfurt/Main zu stürmen. Der verratene Versuch mißlingt und gibt Metternich Anlaß zur Verstärkung der Unterdrückungen]

[Mai 1833: Kommerzienrat L. Newhouse, Mannheim, Badener englischer Abkunft, regt in der Schrift „Vorschlag zur Herstellung einer Eisenbahn im Großherzogtum Baden“ den Bau einer Eisenbahn von Mannheim bis Basel an. Die Schrift wird in einer Petition dem Landtag und der Regierung unterbreitet]

[29. August 1833: das britische Unterhaus beschließt die Freilassung aller Sklaven in den britischen Kolonien]

[14. September 1833: Gründung des Mannheimer Kunstverein]

2. Oktober 1833: Clemens Brentano besucht mit seinem Bruder Christian, Philipp Veit und Friedrich Overbeck Stift Neuburg

11. Oktober 1833: der Maler Ernst Fries (*1801 Heidelberg) stirbt während eines Scharlachfieber-Anfalls in Karlsruhe (auf dem Heidelberger Peterskirchhof beigesetzt)

15. November 1833: Gesetz zur Ablösung des Zehnten in Baden (Ende der Waldweide; 1. 1. 1839: Ende des Zehntbezugs in Natura)

23. November 1833: der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm [IV.] trifft sich auf der Durchreise nach Karlsruhe im Badischen Hof mit Kirchenrat Friedrich Heinrich Christian Schwarz

[17. Dezember 1833: der Findling Kaspar Hauser stirbt in Ansbach]

1833: der britische Maler Joseph Mallord William Turner in Heidelberg

1833: Johann Unholtz gründet in Weinheim eine Messerschmiede mit Reparaturwerkstatt und Verkauf (vgl. 1865)

[1833: Gründung des Rauhen Hauses in Hamburg]

[1833: der Engländer Charles Babbage entwickelt eine durch Lochkarten gesteuerte Rechenmaschine]

[1. Januar 1834: Deutscher Zollverein (ohne Österreich, Hannover, Hansestädte, Baden, Liechtenstein, Holstein, Mecklenburg) vgl. 1836]

[9. April 1834: Aufstand der Seidenweber in Lyon]


10. Mai 1834: Ernestine Voß, Witwe von Johann Heinrich Voß, stirbt in Heidelberg

[15. Mai 1834: eine großherzogliche Verordnung verfügt die "Einrichtung von Gewerbeschulen in gewerblichen Städten"]

[30. Juni 1834: Georg Büchners Streitschrift "Der Hessische Landbote" wird heimlich verbreitet]

[Juli 1834: 2. badische Generalsynode der unierten Kirche]

1. September 1834: Dossenheim, bisher Filialgemeinde von Handschuhsheim, wird selbständige evangelische Kirchengemeinde. Die evangelische Gemeinde Neuenheim wird von Ziegelhausen getrennt und mit Handschuhsheim vereinigt.

30. Dezember 1834: Studenten stiften das Antiquarium Creuzerianum, das zum Grundstock der archäologischen Sammlung der Universität Heidelberg ("Antikenmuseum", Abguß-Sammlung des Instituts für klassische Archäologie) wird (benannt nach dem Philologen Georg Friedrich Creuzer (1771-1858), vgl. 1810, 1848)

1834: Anlage des (5.) botanischen Gartens der Universität Heidelberg auf der 1829/1830 zugeschütteten Sandgrube vor dem Mannheimer Tor zwischen Sophienstraße, Mannheimer Chaussee, Rohrbacher Straße und Gaisberghang unter Gottlieb Wilhelm Bischoff, dem ersten Professor für Botanik außerhalb der Medizinischen Fakultät. Bau des landwirtschaftlichen (botanischen) Instituts (durch Heinrich Hübsch) (vgl. 31. März 1835, 1863, 1879)

1834: Heidelberg ohne Schlierbach hat 11.811 Einwohner

1834: von Karl Cäsar von Leonhard erscheint Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend

1834: Martin Krall gründet in der Hauptstraße eine Konditorei und Spezereigeschäft (1933: Café Schafheutle)

1834-1838: der französische Dichter Edgar Quinet lebt in Heidelberg (vgl. 1827)

[1834-1849: das Badische Staatslexikon von Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker erscheint]

1834-1842: der Musikverein Heidelberg veranstaltet zur Feier des Namenstages der Großherzogin Sophie (15. Mai) alljährlich Freiluft-Musikfeste im Schloßhof

[1834-1855: die bayerische Festung Germersheim wird errichtet]

31. März 1835: die Universität Heidelberg tauscht mit der Stadt das Gelände am Heckemarkt zwischen Plöck und Leopoldstraße („Arboretum“) gegen einen Teil des an der Stelle der ehemaligen Sandgrube vor dem Mannheimer Tor liegenden städtischen Allmendgutes als botanischen Garten (§1 der Garten-Ordnung: „Der Botanische Garten ist mit Ausnahme der Häuser und Glashäuser von frühe Morgens an bis Abends 7 Uhr zum unbeschränkten Besuche dem Bewohner Heidelbergs und dem Fremde geöffnet, ausgenommen sind blos die Ruhestunden der Arbeiter von 8-9 und von 12-1 Uhr. An Sonn- und Feiertagen, an welchen keine Arbeiter in dem Garten beschäftigt sind, kann der Garten nur nach vorher eingeholter Erlaubniß des Garteninspektors geöffnet werden.“)

[29. April 1835: bei Feldarbeiten auf einem Acker bei Schifferstadt wird ein „goldener Hut“, ein Kultgegenstand aus der Zeit von 1400-1300 v. Chr., gefunden]

[28. August 1835: Beseitigung der Bannrechte in Baden]

Oktober 1835: der polnische Komponist Frydyric Chopin, von Leipzig kommend, weilt 14 Tage in Heidelberg (wohnt im "König von Portugal", Hauptstraße 146, Wirt: Johann Georg Gutmann). Besucht Baronin Katharina von Diller de Pereira). Der Heidelberger Chirurg und Augenarzt Geheimrat Professor Maximilian Joseph von Chelius operiert ihn erfolgreich an der Hand http://www.lernepiano.de/Gutmann/Biographie.html

2. November 1835: Eröffnung der Kleinkinder-Bewahranstalt in der „Anlage“, später im „Schreiberhof“ Kanzleigasse (ältester Heidelberger Kindergarten)

23. November 1835: Gründung der städtischen Höheren Bürgerschule (später Oberrealschule, im ehemaligen Jesuitenkolleg in der Kettengasse (1703 erbaut), erster Leiter bis 1848: Daniel Louis; vgl. 1828, 1885, 1927)

7. Dezember 1835: Eröffnung des Liebhaber-Theaters der Harmonie zu Heidelberg

[7. Dezember 1835: Fahrt der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth]

[10. Dezember 1835: Verbot der literarischen Bewegung Junges Deutschland durch den Frankfurter Bundestag]


1835: antijüdischer Hepp-Hepp-Skandal in Heidelberg

1835: Stiftung der Bibliotheca Schwarziana durch Kirchenrat Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766-1837; 1964 aufgelöst)

1835: Gründung der englischen Kirche in Heidelberg

1835: die politische Grenze zwischen Neuenheim und Ziegelhausen wird festgelegt (vgl. auch 1776)

1835: Wilhelm Deurer (1780-1858) großherzoglicher Stadtdirektor von Heidelberg (vgl. 1836)

1835: der achteckige, 26 m hohe Königstuhlturm auf dem Nasenplatz wird eröffnet (28. September 1832 Grundsteinlegung, 1959 zerstört)

1835: Johann Georg Seppich (†1852) gründet in Heidelberg eine Kutscherei (später Droschkenanstalt, bis 1925; heute Dreikönigstraße 15; vgl. 8./9. Juli 1928)

[1835: das Original des Lorscher Codex kommt nach Würzburg (heute: Bayerisches Staatsarchiv)] http://archivum-laureshamense-digital.de/de/index.html (CL online)

[1835-1836: die Schrift Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet von David Friedrich Strauß (1808-1874) aus Ludwigsburg erscheint in Tübingen]

6. Januar 1836: Museumsfest in Heidelberg

[26. Januar 1836: Unternehmer aus dem preußischen Saarrevier gründen in Saarbrücken eine Gesellschaft für die Errichtung einer Eisenbahn von Saarbrücken nach Mannheim]

[2. März 1836: Unabhängigkeitserklärung von Texas]

[21. April 1836: Texaner besiegen Mexikaner bei San Jacinto]

Mai 1836: Einrichtung einer Gewerbeschule in Heidelberg

18. Mai 1836: Musikfest im Heidelberger Schloß (150. Geburtstag von G.F. Händel; Namenstag der Großherzogin Sophie von Baden)

6. Juli 1836: das Hotel Holland-Hof (Holländer Hof) wird eröffnet. Der Goldene Hecht zieht vom Holländer Hof in das Eckhaus Steingasse.

29. August 1836: Feier des Geburtstags des Großherzog Leopold von Baden

August 1836: Kaufmann Karl Adolf Uhde (1792-1856) aus Bremen erwirbt von Helene Rottmann den Knebelhof und einen Teil des unteren Kirchenwegs in Handschuhsheim. Wiederherstellung des „Schlößchens“, Anlage des Parks (vgl. Grahamgarten, 1854, 1861)

1836?: die Herrenmühle wird zur Maschinenfabrik umgebaut

1836: die Gemarkungsgrenze zwischen Handschuhsheim und Neuenheim wird abgesteint

1836: Christian Friedrich Hebbel studiert in Heidelberg

1836: Stadtdirektor Ludwig Friedrich Eichrodt (1831-1836) wird Ehrenbürger der Stadt Heidelberg

1836: Beitritt Badens zum deutschen Zollverein

1836: Wilhelm Deurer, großherzoglicher Stadtdirektor, beauftragt Garteninspektor Johann Metzger mit der Erstellung eines Planes für einen neuen Friedhof westlich des späteren Hafens. Der Plan wird im Dezember 1836 dem Gemeinderat vorgelegt und von Bürgermeister Ritzhaupt (?) abgelehnt.

1836: Vereinigung von 7 Städten (Baden, Darmstadt, Freiburg, Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Stuttgart) im Rheinischen Kunstverein (Gründungsversammlung in Heidelberg)

1836: Dr. Ludwig (Loius) Hetsch (1806-1872) Musikdirektor in Heidelberg

[1836: das Odenwalddorf Galmbach wird aufgegeben]

[1836: J. N. Dreyse baut den ersten brauchbaren Hinterlader (Zündnadelgewehr)]

[1836: unter der Führung des Schneidergesellen Wilhelm Weitling (1808-1871) spaltet sich in Paris eine Gruppe vom "Bund der Geächteten" ab und nennt sich fortan "Bund der Gerechten"]

1836-1839: in Heidelberg erscheint der Bote vom Neckar (1840-1851: Der Neckar-Bote)

[10. Mai 1837: Schwere Banken und Wirtschaftskrise in den USA]


[20. Juni 1837:Tod König Wilhelms IV. von Hannover und England. Ende der welfischen Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover. In Großbritannien kommt die Königin Victoria, im Königreich Hannover Herzog Ernst August von Cumberland zur Regierung. Ernst August II. hebt die Verfassung von 1833 auf]


[4. September 1837: Samuel Morse führt seinen Schreibtelegraphen erstmals öffentlich vor]


30. Juli 1837: Katharina Förster aus Rohrbach, Geliebte Josefs von Eichendorff, stirbt mit 48 Jahren unverheiratet in Heidelberg (auf dem Friedhof der Peterskirche begraben).

1. Oktober 1837(-1853): Der Schauspieldirektor Johann A. Clef erhält die Erlaubnis, "dramatische Abendunterhaltungen" zu veranstalten. Das erste Heidelberger Stadttheater spielt im Gasthof zum Riesenstein, im Prinz Max und in der Harmonie. Gartenwirtschaft zum Riesenstein um 1820

[18. November 1837: Protestation gegen die durch König Ernst August II. von Hannover aufgehobene Verfassung ("Göttinger Sieben"). Mitunterzeichner ist Georg Gottfried Gervinus, ab 1844 Professor für Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg. Am 12. Dezember 1837 entläßt Ernst August die "Göttinger Sieben"]

[21. Dezember 1837: der bayerische König Ludwig I. verfügt die Errichtung einer Eisenbahn-Magistrale in Ost-West-Richtung von der Rheinschanze zur preußischen Grenze bei Bexbach (zur Anbindung an die geplante preußische Strecke von Saarbrücken nach Bexbach) sowie die Errichtung einer linksrheinischen Strecke in Nord-Süd-Richtung von der Rheinschanze zur französischen Grenze bei Lauterbourg (mit Anbindung an die geplante französische Strecke von Strasbourg nach Lauterbourg)]

1837: Neubau der Schloßwirtschaft im „ökonomischen Garten“ auf der großen Terrasse nach Plänen von Oberbaurat Heinrich Hübsch (1895 zerstört). Der „ökonomische Garten“ verschwindet.

1837: der englische Dichter William Wordsworth weilt auf Stift Neuburg

[1837: der bayerische König Ludwig I. nennt sich „König von Bayern, Herzog von Franken, Herzog in Schwaben und Pfalzgraf bei Rhein“]


1837ff: Anlage des Linsenbühlerweg (Neuenheim) zum „Philosophenweg“

[1. Januar 1838: der bayerische Rheinkreis wird „Pfalz“ benannt]

[Januar 1838: der Rhein ist zugefroren]

6. Februar 1838: Gründung des Evangelisch-protestantischen Seminars (später: Praktisch-Theologisches Seminar)

29. März 1838: badisches Gesetz über den Eisenbahnbau in Baden in Form der Staatsbahn von Mannheim über Heidelberg, Karlsruhe, Rastatt, Offenburg, Freiburg zur schweizer Grenze (verkündet am 2. April 1838)

14. April 1838: Einsetzung einer badischen Eisenbahn-Baudirektion unter Vorsitz des Obersten und Chef des Generalstabs Freiherr von Fischer (1. Oktober 1840 aufgelöst)

11. September 1838: Oberforstrat Professor Christoph Wilhelm Jakob Gatterer stirbt in Heidelberg

24. Oktober 1838: Beginn der Erdarbeiten zum Bau der Eisenbahn von Mannheim nach Heidelberg in Breitspur (1600 mm) (Taglohn der Arbeiter 36 kr.; vgl. 1854/55)

[29. Oktober 1838: mit der Strecke Potsdam-Berlin geht die erste Eisenbahnlinie Preußens in Betrieb (teileröffnet am 22. September 1838 von Potsdam bis nach Zehlendorf)]

12. Dezember 1838: Carl Philipp Fürst von Wrede (*29. 4. 1767 Heidelberg) stirbt in Ellingen

[16. Dezember 1838: die Buren besiegen die Zulu in der Schlacht am Blood River]


1838: Philipp Ludwig Ernst baut am zukünftigen Bahnhof das Hotel Ernst (1845-1986 „Hotel Schrieder“, nach seinem Eigentümer ab 1845 Joseph Schrieder) als erstes Vorstadthotel Heidelbergs (vgl. 1924)

[24. März 1839: Erster Opiumkrieg zwischen England und China durch das Verbot des Opiumhandels]


23. April 1838: Fund eines Mithras-Reliefbilds mit Stiertötungsrelief aus rotem Buntsandstein in Neuenheim am südwestlichen Hangfuß des Heiligenbergs (Mithräum I, 2,26 m hoch, heute: Neuenheimer Landstraße 78. Vom eigentlichen Kultraum und der Vorhalle werden keine Spuren beobachtet (!). Der Fund wird von Georg Friedrich Creuzer identifiziert, in der Universitätsbibliothek aufgestellt, von Großherzog Leopold um 600 fl. erworben und 1846 in die Kunsthalle Karlsruhe gebracht. Heute im Badischen Landesmuseum Karlsruhe) (vgl. 1850)

1838: Peter Desaga gründet ein "Geschäft optischer und chemischer Apparate" (Hauptstraße 60) (vgl. auch: 1840)

1838: Vereinbarung zwischen der evangelischen Kirchengemeinde Heidelberg und der Direktion des im selben Jahr bei der Heidelberger Universität errichteten evangelisch-protestantischen Predigerseminars, wonach während des Semesters jeden Sonntag nach dem Gemeindegottesdienst um 11 Uhr ein Universitäts- oder Seminargottesdienst abgehalten werden kann, und zwar sommers über in der Peterskirche, im Winter in der Providenzkirche.

1838: Gründung des Singinstitut Wieblingen (kirchlicher Gesangsverein)

1838: der französische Schriftsteller Alexandre Dumas (père) besucht Heidelberg („Les Bords du Rhin“)

1838: der Senat der Universität Heidelberg erläßt eine Hundepolizeiverordnung, die für große Hunde eine Maulkorb- und für andere eine Leinenpflicht statuiert. Neben einer Hundesteuer von 1 fl. 30 kr./p.a. gilt erstmals ein Verbot, Hunde in Universitätsgebäude mitzunehmen.

1838: die Tapetenfabrik Gebr. (Georg und Valentin) Scherer wird auf dem Gelände des ehemaligen Karmelitenklosters gegründet (vgl. 1845, 1863)

1838-1849: der Topographische Atlas über das Großherzogtum Baden 1:50.000 erscheint

1838-1839: in Heidelberg erscheint die Zeitschrift Braga. Vaterländische Blätter für Kunst und Wissenschaft

1838-1848: Müllermeister Lorenz Hübsch (1804-1864) Bürgermeister von Handschuhsheim

1. Januar 1839: Ende der Zehntzahlung in natura in Baden (vgl. 15. November 1833)

6. Januar 1839: Museumsfest in Heidelberg

15. Januar 1839: Aufruf zur Beteiligung an der Harmonie-Gesellschaft (1. Vorsteher Hofgerichtsadvokat Kräuter)

[7./8. April 1839: Eröffnung der ersten deutschen Fern-Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Dresden. Fahrt der ersten funktonstüchtigen in Deutschland entwickelten und gebauten Dampflokomotive „Saxonia“]

15. April 1839: Gründung des Heidelberger Liederkranz (u.a. durch Buchhändler Christian Friedrich Winter, Antiquar Salomon Wolff, Mechanikus Peter Desaga, Bierbrauer Valentin Schaaf) anläßlich des 50jährigen Dozentenjubiläums des Theologen Heinrich Eberhard Gottlob Paulus

[19. April 1839: im Londoner Protokoll garantieren die europäischen Großmächte Großbritannien, Frankreich, Österreich, Preußen und Rußland die Neutralität Belgiens]

Mai 1839: der Buchdrucker Christian Friedrich Prahl im Kaltenthal (später: Karlsstraße 1) publiziert das "Adreßbuch über sämmtliche Bewohner der Stadt Heidelberg für das Jahr 1839. Nach alphabetischer Ordnung und mit Angabe ihrer Gewerbe. (1. Jahrgang) (C.F.Prahl) Heidelberg 1840", das erste Adreßbuch der Stadt Heidelberg. Es enthält 2616 Namen, darunter 117 Schuhmacher, 74 Schneider; 34 Herrendiener. Danach gibt es in Heidelberg 35 Bierbrauereien und weitere 54 Gastwirtschaften.

13. Juli 1839: der Großherzog besichtigt die Arbeiten zum Bau der Eisenbahn von Mannheim nach Heidelberg (vgl. 24. Oktober 1838)

7. September 1839: Albrecht Spengel, Metzger und Wirt, kauft den Roten Ochsen (Hauptstraße, erbaut 1703) um 11.300 fl. (Albrecht Spengel ist Wirt bis 1865, dann sein Sohn Karl Spengel, 1907 Friedrich Spengel, 1965 Werner Spengel)

7.-9. Oktober 1839: (erste) Versammlung deutscher Wein- und Obstproduzenten zu Heidelberg in den Räumlichkeiten der Museumsgesellschaft und in der Aula der Universität. Obst- und Trauben-Ausstellung im zweiten Stock des Museum.

12. November 1839: der Geschichtsschreiber und Literaturhistoriker Georg Gottfried Gervinus kauft die frühere Wirthschaft zum Steinbruch („Felseck“, heute Neuenheimer Landstraße 38) um 4.556 Gulden (vgl. 1. Juni 1844)

Ende 1839: Zählung der Heidelberger Bevölkerung: Danach umfaßt die Bevölkerung Heidelbergs einschließlich der Studenten, der Bewohner Schlierbachs, des Kohlhofes und des Kümmelbacher Hofes 13.300 Personen (7.319 Evangelische, 5.057 Katholiken, 10 Mennoniten, 284 Juden, 630 Studenten).

1839: erste Fotografien des Heidelberger Schlosses entstehen

1839: Charles de Graimberg erwirbt von der Pflege Schönau ein Haus am Kornmarkt und richtet 1841 dort ein Museum ein (vgl. 1841; das erste Depotmuseum mit Wechselausstellungen)

1839: Uhrmachermeister Christian Stieffel bringt auf dem Torturm des Schlosses eine Uhr an

1839: Johann Sebastian Wolff eröffnet in der Hauptstraße eine Druckerei (vgl. 1871)

1839: der Privatlehrer und Gelehrte Georg Anton Batt stirbt in Weinheim. Die Universitätsbibliothek Heidelberg erhält 18 Urkunden aus dem Nachlaß ("Sammlung Batt")

[1839: Eisenbahnlinie Leipzig-Dresden vollendet]

[1839-1841: Orientkrise (vgl. 15. Juli)]

1839-1864: bei Adolph Emmerling in Heidelberg erscheint die Zeitschrift Badenia oder das badische Land und Volk

5. Februar 1840: der Müllermeister Wilhelm Helmreich jr. erhält in der von ihm gegründeten Firma Helmreich, Moll & Co. in Wieblingen die Konzession, geschmiedete Eisennägel und Springfedern herzustellen. (Mitgründer: Kaufmann Eduard Moll (1814-1896), 1870-1891 Oberbürgermeister von Mannheim). (Nagelfabrik bis 1979 in Betrieb, abgetragen 1982)

[10. Februar 1840: Königin Victoria von England heiratet ihren Cousin mütterlicherseits, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha]

28. März 1840: der Jurist Anton Friedrich Justus Thibaut stirbt in Heidelberg

Mai 1840: erste Probefahrten auf der Eisenbahn Mannheim-Heidelberg

[7. Juni 1840: Friedrich Wilhelm III. (*1770), seit 1797 König von Preußen, stirbt. Friedrich Wilhelm IV. (*15. Oktober 1795, †2. Januar 1861) wird König]


24. Juni 1840: vierte Säcularfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst zu Heidelberg ("Gutenbergfeier") (Rede: Prorektor Kirchenrat Dr. Karl Ullmann (1796-1865), Predigt: Dekan und Stadtpfarrer Sabel)

[15. Juli 1840: Großbritannien, Russland, Preußen und Österreich (Siegerkoalition von 1814) schließen in London den gegen Frankreich gerichteten Viermächtevertrag zur Befriedung der Levante („Orientkrise“)]

7. September 1840: Die badische Eisenbahn dient bereits vor ihrer offiziellen Eröffnung militärischen Zwecken: Die großherzoglich badische Pionier-Kompagnie fährt "nach Beendigung ihrer Übungen auf dem Rhein, mittelst derselben von Mannheim nach Heidelberg" Bericht über eine der ersten Fahrten

12. September 1840: Eröffnung des Abschnitts Mannheim-Heidelberg der ersten Eisenbahn-Verbindung in Baden (vgl. 24. Oktober 1838)

[12.-20. September 1840: Herbstmanöver des 8. Armeekorps des Deutschen Bundes. Schloß Schwetzingen dient als Hauptquartier und Wohnung fürstlicher Gäste]

20. September 1840: Eröffnung des Bahnhofs Heidelberg im Gewann Mittlere Schlechte (4 Gleise, 6 Weichen) Der erste Bahnhof von Heidelberg 1840

[17. Oktober 1840: Einweihung des Freihafens Mannheim]

[6. Oktober 1840: auf Initiative von Dr. Carl Heinrich Schultz wird die Pollichia, Verein für Naturforschung und Landespflege, von Mitstreitern des Hambacher Festes gegründet und nach Johann Adam Pollich (1740-1780), einem bedeutenden pfälzischen Botaniker, der in Kaiserslautern starb und daselbst begraben ist, benannt]

6.-14. Oktober 1840: Victor Hugo (1802-1885) auf einer Rheinreise in Heidelberg (Prinz Carl) („Heidelberg liegt unter Bäumen geborgen am Eingang des Neckartals, zwischen zwei bewaldeten Höhenrücken, die stolzer sind als Hügel und weniger schroff als Berge; es besticht durch seine wunderbaren Ruinen, seine beiden Kirchen aus dem 15. Jahrhundert, sein bezauberndes Haus aus dem Jahr 1595, mit roter Fassade und vergoldeten Statuen, das sich Gasthof zum Ritter Sankt Georg nennt, seine alten Türme am Wasser, seine Brücke und vor allem seinen klaren, ruhigen und doch wilden Fluss, in dem es von Forellen wimmelt, wo Legenden wuchern, wo spitze Felsen aufragen, wo die Strömung, von Klippen gehemmt, ein unentwirrbares Netz von Strudeln und Gegenströmungen bildet; ein zauberhafter ungebändigter Fluss, auf dem sicher nie ein Dampfschiff dahinstampfen wird.“) Victor Hugo über Perkeo und das Große Faß https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_zum_Ritter_%28Heidelberg%29

28. Oktober 1840: Victor Hugo (vgl. 6.-14. Oktober 1840) besteigt in Heidelberg die Bahn nach Mannheim

November 1840-1845: Erster Bürgermeister Georg Leonhard Ritzhaupt (gemäßigt liberal)

1840: das Schießtor wird zerstört

1840: Bildung eines Ausschusses zur Errichtung eines Theaterbaus

1840: bei Tobias Löffler in Mannheim erscheint von Eduard Johann Joseph Mühling Historische und topographische Denkwürdigkeiten von Handschuhsheim. Ein Beitrag zu dessen Geschichte von seiner Entstehung bis auf unsere Tage

1840: Gründung des Chemisch-physikalischen Apparatebaus C. Desaga (Hauptstraße 60?) (vgl. auch: 1838)

1840: Einrichtung einer Obstbaumschule auf dem Pleikartsförster Hof

1840: der englische Schriftsteller George Payne Rainsford James in Heidelberg (vgl. 1846)

1840: Philipp Jakob Klar (*27. 6. 1818) gründet in der Hauptstraße 31 eine Seifensiederei (1885 wird die Produktion in die Blücherstraße verlegt)

1840: Durchbruch von der Hauptstraße zum Heckemarkt (1852 zur Leopoldstraße verlängert)

[1840: „Rheinkrise“. Der Deutsche Bund fordert die Landesfürsten dazu auf, linksrheinisches Gebiet nicht an Frankreich abzugeben]

[1840: die Kollerinsel fällt wieder an Baden; vgl. 25. Februar 1803, 1825]

[1840-1857: Friedrich Wilhelm IV. König von Preußen]

1840-1842 erscheinen die Heidelberger Tagblätter (1842-1872 "Heidelberger Journal"; vgl. 1807, 1831)

1840-1858: evangelischer Pfarrer Jakob H Bürck in Handschuhsheim

29. Januar 1841: Pistolenduell mit tödlichem Ausgang hinter dem Pauklokal zum Oberen Hirsch (Neuenheim) zwischen den Studenten Ludwig Wilhelm Wild, Senior des Corps Rhenania, und Carl von Rosen aus Holstein (v. Rosen erschießt Wild)

Mai 1841: Gründung der Universitätsbuchhandlung Wilhelm Hoffmeister in Heidelberg am Ludwigsplatz (heute Schmitt)

Juni 1841: Charles de Graimberg eröffnet die Alterthümerhalle im Haus am Kornmarkt

16. Juni 1841: die historische Kantate Das Heidelberger Schloß, komponiert von Louis Hetsch, wird zur Feier des Sophien-Tages aufgeführt (vgl. 17. Mai 1843)

[13. Juli 1841: der Dardanellen-Vertrag von London beendet die „Orientkrise“ vorläufig, indem die Meerengen für alle Kriegsschiffe (außer den türkischen) geschlossen werden]

[Juli 1841: die Hallischen Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst werden wegen der preußischen Zensur in "Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst" umbenannt und der Erscheinungsort nach Dresden verlegt. Die Zeitung ist das literarische Organ der Junghegelianer und ist bedeutend für den Vormärz. In ihr veröffentlichen u.a. Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer, Eduard Zeller und Friedrich Theodor Vischer. Sie erscheinen bis 1843]

1841: Während eines Sommeraufenthaltes in Heidelberg entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen dem 37jährigen Philosophen Ludwig Feuerbach und Johanna Kapp, der 16jährigen Tochter seines Freundes und Gastgebers, Professor Christian Kapp

20. September 1841: das große weiße Kreuz an der Handschuhsheimer Landstraße zwischen (heutigem) Hainsbachweg und Gabelsberger Straße ("Kreuzäcker") wird zerstört

1841: das Blatt Heidelberg der Topographischen Karte über das Großherzogthum Baden nach der allgemeinen Landesvermessung des Großherzoglichen militairischen topographischen Bureaus erscheint im Maßstab 1:50.000

1841: die Staatswirtschaftliche Sektion in der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg erhält den Namen „Staats- und Kameralwissenschaften“ (vgl. 1822, 1935, 1945)

1841: der Eigentümer des 1770-1774 von Herzog Carl-August von Pfalz-Zweibrücken als Jagdschloß gebauten Rohrbacher Schlößchens, George Brown Stulz, stirbt

um 1841: der britische Maler Joseph Mallord William Turner malt „Heidelberg mit dem Regenbogen“

[1841: Einführung genormter Schraubengewinde durch den Engländer Joseph Whitworth]

10. Januar 1842: der Heidelberger Gemeinderat bittet den Großherzog, die von Weinheim kommende Eisenbahn direkt nach Heidelberg und nicht nach Mannheim zu führen

8. März 1842: Stiftung des Corps Vandalia (Farben: gold-rot-gold)

[5. Mai 1842: Ein Großbrand zerstört weite Teile der Altstadt Hamburgs]


1. Juli 1842: Neckarschiffahrtsordnung (1843 in Kraft)

28. Juli 1842: Clemens Brentano stirbt in Aschaffenburg

[18. Oktober 1842: die Walhalla bei Donaustauf wird eingeweiht]


30. Oktober 1842: Einweihung des neuerbauten großen Saals der Harmonie-Gesellschaft mit Festball und Festessen

1842-1872: das Heidelberger Journal erscheint als Nachfolger der Heidelberger Tagblätter

1842: Verlegung der Irrenheilanstalt (im Seminarium Carolinum) nach der Illenau (bei Achern)

[1842: der Grundstein zum Weiterbau des Kölner Doms wird gelegt]

1842-44: der Bergfriedhof an der Bergheimer Steige im Gewann Eisengrein nach Plänen des Universitätsgärtner Johann Metzger wird angelegt. Bau der Kapelle nach Plänen des Stadtbaumeisters Greiff.

Inschriften im Bergfriedhof

1842-1859: August Christian Eberlin (1803-1884) Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Oberheidelberg

[14. März 1843: der pfälzische Regierungspräsident Fürst Eugen von Wrede benennt die seit 1820 entstandene private, vom bayerischen Staat erworbene Handelsniederlassung mit künstlichem Hafenbecken auf dem linken Rheinufer gegenüber Mannheim zu Ehren von König Ludwig I. von Bayern in Ludwigshafen um]

18. März 1843?: großer Saal der Harmonie eingeweiht

26. März 1843: Einweihung des neuen Handschuhsheimer Friedhofs

[März 1843: der „Märzkomet“ zeigt sich am Himmel über Europa]

[1. April 1843: Eröffnung des Bahnhof Karlsruhe (Entwurf: Friedrich Eisenlohr)]

10. April 1843: Eröffnung der Bahnlinie Heidelberg-Karlsruhe (vgl. auch 1846) (für den Bau dieser Linie wurde der Rohrbach nach Norden umgeleitet)

15. Mai 1843: Verlegung des Neckar-Zollamts von Neckargemünd nach Heidelberg (Marstall)

17. Mai 1843: die historische Kantate Das Heidelberger Schloß, komponiert von Louis Hetsch, wird zur Feier des Sophien-Tages aufgeführt (vgl. 16. Juni 1841)

7. Juni 1843: Friedrich Hölderlin stirbt in Tübingen

14. Juli 1843: Prinz Friedrich, der spätere Großherzog Friedrich I., wird an der Universität Heidelberg immatrikuliert (studiert Kameralistik, Staatsrecht etc u.a. bei Mittermaier, Zoepfl, Schlosser, Gervinus, Häusser)

25. August 1843: Studenten bringen dem Dichter August Hoffmann von Fallersleben ein Fackelständchen dar, wofür sie am nächsten Tag vor die Polizei geladen werden

16. September 1843: das Kaltenthal (Gegend zwischen Burgweg und Hauptstraße östlich des Kornmarkt, Name seit 1434 nachweisbar) wird nach dem Landesfürsten Karl Friedrich von Baden in Karlstraße umbenannt, weil die Anwohner glauben, der Name könne dem Wert ihres Grundbesitzes nachteilig sein

20./21. September 1843: Dekan-Sabel-Skandal. Tumulte am Pfarrhaus des Pfarrers der Peterskirche in Heidelberg, Johann Philipp Sabel, nach einer Leichenpredigt auf dem Friedhof St. Peter werden durch Militär aus Mannheim unterdrückt.

1843: Johann Metzger (1789-1852) wird zum großherzoglichen Gartendirektor ernannt. Metzger legt den Scipioschen Garten (ehemaliger Klostergarten der Kapuziner, erworben von Kaufmann Georg Wilhelm Scipio, 1790-1847) in Mannheim N5 an (Garten 1955 neu eröffnet, 2005 wegen Platzbedarf des Sporthaus Engelhorn zerstört)

1843: die Stadt Dürkheim kauft die Ruine des Klosters Limburg vom Staat und läßt um sie herum und innerhalb des Kirchenschiffs einen romantischen englischen Landschaftsgarten durch Gartendirektor Johann Metzger anlegen


1843: die 1710 erbaute Kapelle Ecke Kapellenweg/Handschuhsheimer Landstraße wird zerstört

1843: Gründung einer Musik- und Gesangsschule, zunächst nur für Kinder von Mitgliedern der Harmonie-Gesellschaft, ab 23. Juni 1844 auch für Kinder von Nicht-Mitgliedern

1843: Verpachtung des Fährverkehrs nach Neuenheim

[1843?: Gründung des Badischen Alterthumsvereins]

[1843: Feier zum Tausendjährigen Bestehen des Deutschen Reiches (vgl. 843)]

1843-1845: Prinz Friedrich (I.), später Großherzog von Baden, studiert mit seinem Bruder, Erbprinz Ludwig, in Heidelberg

22. Januar 1844: die 28jährige Christina Beckenbach, geb. Quick aus Wilhelmsfeld, die ihren Mann, den Taglöhner Georg Adam Beckenbach, am 10. April 1843 vergiftet hatte, wird auf dem Richtplatz in Heidelberg in Gegenwart von mehr als zehntausend Menschen durch Scharfrichter Rettig von Ettlingen gerichtet (letzte öffentliche Hinrichtung mit dem Schwert in Heidelberg)

April/Mai 1844: Nikolaus Lenau in Heidelberg

19. Mai 1844: Kaspar Job (Sohn von Friedhofsgärtner Kaspar Job, 1819-1895, und Anna Job, geb. Heil, 1817-1891) stirbt am Tage seiner Geburt (erste Bestattung auf dem Bergfriedhof, Lit. F) (vgl. 18. September 1844)

1. Juni 1844: nach Umbau des Hauses und Erwerb von Weinbergen verkauft der Geschichtsschreiber und Literaturhistoriker Georg Gottfried Gervinus die frühere Wirthschaft zum Steinbruch („Felseck“, heute Neuenheimer Landstraße 38?) an Hofrat Professor Karl Theodor Welcker (vgl. 12. November 1839, 29. April 1863)

[4.-6. Juni 1844: Aufstand von 3000 Webern in Peterswaldau und Langenbielau/Schlesien gegen die Unternehmer. Gewaltsame Niederschlagung durch preußisches Militär. Die Weberaufstände fördern Unruhe auch in Baden]

[15. Juni 1844: der amerikanische Chemiker Charles Goodyear läßt ein Verfahren patentieren, mit dem man Gummi vulkanisieren kann]

[1. August 1844: der erste deutsche Zoologische Garten wird in Berlin eröffnet]

8. September 1844: erstes badisches Gesangsfest in Karlsruhe. Teilnahme des Heidelberger Liederkranz mit 40 Sängern

18. September 1844: der Bergfriedhof an der Bergheimer Steige im Gewann Eisengrein wird eingeweiht. Der katholische St. Peters-Friedhof wird geschlossen (vgl. auch 1861)

22. November 1844: der Dichter August Hoffmann von Fallersleben macht von Mannheim einen Abstecher nach Heidelberg

1844: britische Gemeindemitglieder bitten die Stadtverwaltung um Überlassung der Klosterkirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters (Weißnonnen, Plöck; vgl. 1803, 1847)

1844: Johann Philipp Sabel, Pfarrer der Peterskirche, richtet in seinem Pfarrhaus ein Bibelkränzchen für Theologiestudenten, Vikare und theologisch interessierte Laien ein, das "Sabelsche Kränzchen" (1851: "Wingolf")

1844: Gründung der Reformburschenschaft Alemannia (Allemania II; Mitgründer: Adolf Kußmaul, Joseph Victor Scheffel)

1844: Georg Gottfried Gervinus (1805-1871) wird Professor für Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg (vgl. Christian Jansen, Georg Gottfried Gervinus: Der Außenseiter als Hoffnungsträger. Eine Briefcollage aus den Jahren der Reaktion (1851-53), in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. V/2000, 181ff.; vgl. Christian Jansen, Bürgerliche Kulturgeschichte als Beziehungs- und Familiengeschichte. Biografisches zu Georg Gottfried Gervinus, Helene Fallenstein und Max Weber, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 155-187)

1844: Johann Georg Christian Kapp (1798-1874), Honorarprofessur für Philosophie an der Universität Heidelberg, scheidet freiwillig aus der Universität aus („Niemand begrüßte diese Entscheidung enthusiastischer als Kapps Freund Feuerbach, der ihm mit süffisanter Ironie zur förmlichen Entlassung aus dem Carcer der Universität Heidelberg gratulierte. Der Freund passe sowenig wie er selbst in die Schranke einer officiellen Kommune dieser Zeit. Das Neckartal sei zwar allerdings herrlich, aber je enger das Thal, um so breiter machen sich nur die Hofräthe und übrigen Universitätspudel.“, Jörn Leonhard)

1844: die 1818 in der städtischen Kaserne eingerichtete Chirurgische Klinik wird ins ehemalige Jesuitenkolleg (Seminarium Carolinum, Seminarstraße 2) verlegt (bis 1876; Leiter: Maximilian Joseph Chelius) (vgl. 19. April 1766, 1805, 1826, 1884)

1844: der Sängerkreis Neuenheim („Singverein“) wird gegründet http://www.saengerkreis-neuenheim.de/geschichte.php

1844: Friedrich Fabel (Karlsruhe) übernimmt die Joseph Engelmannsche Buchhandlung in Heidelberg

1844: Martin Wieser erwirbt die Realgerechtigkeit „Zur neuen Pfalz“ (Hauptstraße 117)

1844: die "Alte Weth" in Handschuhsheim wird zugeschüttet

[1844: Altneudorf wird selbständig]

[1844: in Trier wird der Heilige Rock ausgestellt]

1844/45: Forstamtsleiter Adam Laumann läßt die Himmelsleiter anlegen (Stadtwald, Treppenweg von der Schloßruine zum Königstuhl, 700 m lang, 300 Höhenmeter, 1200 Stufen; 1986 und 1995 instandgesetzt)

1844-1852: der Anatom Friedrich Gustav Jakob Henle lehrt und forscht in Heidelberg

[1844: die USA eröffnen in Mannheim ein Konsulat]

1844: Georg von Vogel großherzoglicher Stadtdirektor von Heidelberg

1844-1846: Karl Ludwig Böhme großherzoglicher Stadtdirektor von Heidelberg

[19. Februar 1845: Annexion von Texas durch die USA]

[Februar/März 1845: Katastrophenwinter in Europa]

28./29. März 1845: Hochwasser des Neckar

[19. Mai 1845: der britische Polarforscher Sir John Franklin läuft mit zwei Schiffen und 129 Mann Besatzung aus, um die Nordwestpassage zu finden. Keiner kehrt zurück]

27. Juni 1845: die badische Eisenbahnverwaltung führt die „Mannheimer Zeit“ für alle Dienststellen und öffentlichen Uhren des Landes ein (vgl. 1851, 1892)

November 1845: mehrere Heidelberger Studentenverbindungen treten zur allgemeinen Studentschaft zusammen (vgl. auch 1881)

26./27. Dezember 1845: Einweihung der Synagoge Rohrbach

1845: St. Anna-Friedhof geschlossen. Das Steindenkmal "Anna / Stifterin dieses Kirchhofs / 1596" wird auf den Bergfriedhof versetzt

1845: Hotel Schwarzer Adler (Marstallstraße) eröffnet

1845: Übergabe des Universitätsarchivs an die Universitätsbibliothek

1845: Joseph Schrieder übernimmt das 1838 gebaute Hotel Ernst am Bahnhof (vgl. 1924, 1986)

1845: die Posthalterei wird von der Hauptstraße 131 zum Bahnhof verlegt

1845: die Bahnstation Kirchheim wird errichtet (1911 Bau des Bahnhofsgebäudes)

1845: Felicitas Brunner (1826-1900) übernimmt den „Roten Ochsen“ in Handschuhsheim von ihrem Vater

1845: Bau der Straße vom Klingenteich zum kleinen Gaisberg (später Molkenkur genannt)

1845: J.C.B. Mohrs Sohn Georg Mohr errichtet in Heidelberg eine Buchdruckerei, die vor allem Aufträge aus dem väterlichen Verlag bearbeitet. Zuvor hatte J.C.B. Mohr bei der Druckerei des katholischen Bürgerhospitals in Mannheim und anderen Heidelberger Druckereien arbeiten lassen. /http://www.mohr.de/vg/200jahre_b.htm

1845: die 1838 in Heidelberg (heute: Theaterstraße) gegründete Tapetenfabrik Gebr. Scherer wird nach Neuenheim verlegt (Schulzengasse 6, vgl. 1849, 1863)

1845: in Heidelberg entsteht eine deutsch-katholische Gemeinde

1845: ca. 36.500 Personen legen die Strecke zwischen Frankfurt am Main und Heidelberg mit der Postkutsche zurück

1845: Erster Bürgermeister Georg Leonhard Ritzhaupt tritt vom Amt zurück

1845: der 72jährige Christian Friedrich Winter (Teilhaber im Verlag Mohr und Zimmer, Gründer der Winterschen Universitätsbuchhandlung und Druckerei; bis 1849) wird erster Bürgermeister

[1845: die erste gedruckte Ausgabe des "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann erscheint in Frankfurt (vgl. 1829)]

[1845: das Buch Der Einzige und sein Eigentum von Max Stirner erscheint in Leipzig]

[1845: Georg Hamm kauft in Frankenthal eine seit 1773 bestehende Glockengießerei und gründet eine Maschinenfabrik (Vorläufer der Heidelberger Druckmaschinen)]

[1845: die USA rauben Texas von Mexiko]

4. Mai 1845: das Oberamt Heidelberg und der Oberrat der Israeliten stimmen dem Bau einer Synagoge in Rohrbach zu. In den folgenden beiden Jahren wird für etwa 8.000 Gulden die Synagoge erbaut. (Einweihung: 26./27. Dezember 1847)

1845-1847: Bau der Eisenbahnbrücke Ladenburg-Neckarhausen

[1845-1849: Great Famine in Irland]

[18. Februar 1846: Aufstand in der Republik Krakau für Autonomie, von österreichischen Truppen niedergeschlagen]


[13. Mai 1846: die USA erklären Mexiko den Krieg]

[16. Juni 1846: mit der Wahl von Papst Pius XI. beginnt das längste Pontifikat der römisch-katholischen Kirche (bis 1878)]


1. August 1846: Eröffnung der Main-Neckar-Bahn Heidelberg-Friedrichsfeld-Darmstadt-Sachsenhausen und des Main-Neckar-Bahnhofs Heidelberg (1848 bis Frankfurt am Main)

November 1946: Gründung der Burschenschaft Frankonia (II) (vgl. 1833, 1856)

5. Dezember 1846: Jenny Lind (1820-1887), die "schwedische Nachtigall" gibt ein Konzert in Heidelbergs größtem Saal mit 800 Plätzen (Museumsgebäude), organisiert von dem Rechtsprofessor Eduard Morstadt

1846: der Student Gustav Adolph Schloeffel (1828-1849) aus Niederschlesien geht zum Philosophie-Studium an die Universität Heidelberg und schließt sich dort dem geheimen „Neckarbund“, einer burschenschaftlichen Bewegung, an

1846: die Firma Landfried beginnt im ehemaligen Schloß zu Rauenberg mit der Herstellung von Zigarren (vgl. 1810)

1846: der historische Roman "Heidelberg" des Engländers George Payne Rainsford James erscheint (spielt zur Zeit Friedrichs V.) (vgl. 1840)

1846: Gottfried Kellers erster Gedichtband wird bei Anton Winter in Heidelberg publiziert (vgl. 1848)

1846: Bau des zweiten Gleises der Eisenbahn von Durlach nach Heidelberg-Mannheim

1846: Prof. Ludwig Häusser gründet den „Engeren Ausschuß“, eine Tafelrunde Alter Herren, die sich mittwochs im Waldhorn ob der Bruck (Ziegelhäuser Landstraße 21) treffen (vgl. 1965)

1846: Gründung des Heidelberger Turnverein (vgl. 1846)

1846?: Gründung der Erhardt´schen Höheren Mädchenschule (Töchterschule)

1846: Aufschüttung des Neckarufers vor dem Zeughaus

[1846: die Auflösung der badischen Kammer und Neuwahlen zum Landtag verstärken die Konflikte zwischen Großherzog und der Bürgerschaft, die um wirtschaftliche Freiheit und politische Mitwirkungsrechte kämpfen]

[1846: der Planet Neptun wird entdeckt]

[1846: der Brite Augustus Applegath baut für die "Times" eine Rotationsdruckmaschine, die 12.000 Drucke pro Stunde schafft]

1846-48: Bau des Heidelberger Bahnhofs der Main-Neckar-Bahn (Planung: Friedrich Eisenlohr). Damit treffen sich zwei Spurweiten, die badische Breitspur (1.600 mm) und die Normalspur in Heidelberg. Der badische und der hessische Bahnhof werden zwar zusammengebaut, die Reisende müssen aber, bedingt durch die Spurweitenunterschiede, umsteigen.

1846-49: Bau des Anatomischen Instituts in der Brunnengasse 1 (ehemaliges Dominikanerkloster) durch Heinrich Hübsch (vgl. 1805)

[1846/47: Hungersnot in Baden wegen Mißernten, Höfe müssen versteigert werden, wirtschaftliche Not in den ländlichen Gebieten. Gleichbleibend hohe Steuerlast der Bürger zur Finanzierung des Luxuslebens am großherzoglichen Hof in Karlsruhe]

1. Juni 1847: man kann mit der Eisenbahn von Frankfurt nach Basel fahren (Reisende müssen wegen der Spurweitenunterschiede in Heidelberg umsteigen)

[11. Juni 1847: der Streckenabschnitt Ludwigshafen–Neustadt der Ludwigsbahn wird eröffnet]

1. Juli 1847-Oktober 1848: in Heidelberg erscheint täglich die Deutsche Zeitung mit einem Leitartikel. Herausgeber: Georg Gottfried Gervinus, Ludwig Haeusser, Karl Joseph Anton Mittermaier. Verleger: Friedrich Daniel Bassermann und Karl Mathy.

[2. Juli 1847: der Abschnitt Homburg–Kaiserslautern der Ludwigsbahn wird eröffnet]

22. August 1847: besonderes Ernte- und Dankfest in allen evangelischen Kirchen Badens

[12. September 1847: in der Offenburger Versammlung werden die „Forderungen des Volkes in Baden“ nach Bürgerrechten, sozialer Sicherheit und Gleichheit erhoben]

[10. Oktober 1847: Heppenheimer Tagung entwirft liberales Programm zur Einigung Deutschlands]


13. Oktober 1847: Dammöffnung des Heidelberger Hafens (Winterhalt) (1867-1874 zugeschüttet, heute Bismarckplatz)

[8. Dezember(?) 1847: der 1836 in Paris gegründete und 1839 nach London verlegte "Bund der Gerechten" wird in "Bund der Kommunisten" umbenannt]

26./27. Dezember 1847?: die Synagoge in Rohrbach wird eingeweiht (vgl. 4. Mai 1845)

1847: deutsch-katholische Synode in Heidelberg

1847: Das Saugäßlein (Seyergasse, Name seit 1569 nachweisbar) wird auf Wunsch von Anwohnern in Krahnengasse umbenannt, obwohl der Kran nicht hier, sondern an der NW-Ecke des Zeughauses stand

1847: Gründung des Liederkranz Handschuhsheim (heute: MGV Liederkranz)

1847: der Gärtner des Rohrbacher Schlößchens Hermann Schelkly heiratet dessen Besitzerin Elisabetha Brown von Stulz und wird Schloßherr (vgl. 1898)

1847: der Gemeinderat genehmigt die Einrichtung der Gas-Straßenbeleuchtung und schließt einen Vertrag mit dem Bankhaus C. A. Fries, das die Lieferung von Gas übernimmt (vgl. 1851, 1852)

1847: der Ofenbauer Georg Heinstein gründet in der Neckarstraße 94 die Hafnerei Heinstein (Nachfolger: Jean Heinstein)

1845: ca. 770.000 Personen legen die Strecke zwischen Frankfurt am Main und Heidelberg mit der Eisenbahn zurück

[1847: Wirtschaftskrise in Europa. Drei-Fabriken-Krise in Baden. Die erste Staatsintervention in der badischen Geschichte rettet das wirtschaftliche Überleben der drei größten badischen Fabriken (Spinnerei in Ettlingen, Zuckerfabrik in Waghäusel; Maschinenfabrik Kessler)]

1847-1849: Carl Freiherr von Neubronn großherzoglicher Stadtdirektor von Heidelberg

1847-1848: Bau des Amtsgefängnisses („Fauler Pelz“; Architekt: Ludwig Lendorff; vgl. 1909; seit 1985 unter Denkmalschutz)

1847-1849: Bau des Amtsgerichts (Seminarstraße 3; Architekten: Ludwig Lendorff, Friedrich T. Fischer)

1. Januar 1848: Übernahme der Universitätsbuchhandlung Wilhelm Hoffmeister in Heidelberg durch Rudolf Bangel und Carl Schmitt (ab 1852: "Universitätsbuchhandlung Bangel und Schmitt")

[2. Februar 1848: Vertrag von Guadalupe Hidalgo zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, in dem die Mexikaner gegen die Zahlung von 15 Millionen Dollar und die Übernahme mexikanischer Schulden bei Amerikanern den Rio Grande als Grenze von Texas akzeptieren und ein 1,36 Mio. km² großes Gebiet abtreten, das im Westen die heutigen Staaten Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah sowie Teile von Colorado, New Mexico und Wyoming umfasst]

15. Februar 1848: erster Fastnachtszug in Heidelberg (organisiert von der Narhalla-Gesellschaft)

[Februar 1848: das Manifest der Kommunistischen Partei erscheint anonym in London ("Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.")]


[23. Februar 1848: Revolution in Paris. Der französische Regierungschef François Guizot tritt zurück]


[24. Februar 1848: Sturz von König Louis Philippe. Beginn der zweiten Republik]

27. Februar 1848: auf einer Volksversammlung in Mannheim werden die sogenannten Märzforderungen artikuliert. Revolution in Baden

29. Februar 1848: In der Aula der Heidelberger Universität versammeln sich Bürger unter der Leitung von Karl Joseph Anton Mittermaier und verabschieden eine Adresse, in der nach Mannheimer Vorbild Volksbewaffnung, Pressefreiheit, Schwurgerichte und ein deutsches Parlament verlangt werden. - Die Heidelberger Schneider nutzen die aufgeheizte Stimmung und stürmen gegen 7 Uhr abends das Haus des jüdischen Kleiderhändlers Leopold Ehrmann (Untere Straße 21/Ecke Dreikönigstraße). Gemeinderat Rasp gelingt es, mit Bürgern und Turnern zu Ehrmann vorzudringen und diesen samt Familien aus Todesangst zu befreien.

[1. März 1848: Demonstranten dringen in das Ständehaus des Karlsruher Landtags ein. Der Advokat Friedrich Hecker verlangt die Beseitigung der Adelsprivilegien und Bauernbefreiung, damit die Aufhebung der Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems]

2. März 1848: der Student Gustav Adolf Schlöffel hält eine Rede vom Balkon des Rathauses, nachdem er mit einer roten Fahne vom Karlstor zum Marktplatz marschiert war

4. März 1848: Bauernerhebung in Nordbaden. Die Revolution greift auf andere Staaten des deutschen Bundes über.

5. März 1848: Versammlung von Politikern im „Badischen Hof“ (heute Hauptstraße 113), die die Einberufung einer deutschen Nationalversammlung beschließen. 51 „fortschrittliche“ Politiker, die meisten unter ihnen Liberale und nur wenige Radikale, tagen auf Anregung des württembergischen Liberalen Friedrich Römer, „um in diesem Augenblick der Entscheidung über die dringendsten Maßregeln für das Vaterland sich zu besprechen.“ Die Versammelten betonen in einer Erklärung, daß Deutschland nicht in einen Krieg verwickelt werden, daß es aber auch kein Bündnis mit Rußland suchen dürfe. Sie bezeichneten "die Versammlung einer in allen deutschen Landen nach der Volkszahl gewählten Volksvertretung" als "unaufschiebbar, sowohl zur Beseitigung der nächsten inneren und äußeren Gefahren wie zur Entwicklung der Kraft und Blüte des deutschen Nationalleben". Sie setzten einen Siebener-Ausschuß ein, der für Wahl und Einrichtung eines deutschen Parlaments Vorschläge machen und zudem "baldmöglichst eine vollständigere Versammlung von Männern des Vertrauens aller deutschen Volksstämme" - das sog. Vorparlament - zusammenberufen sollte. Dieser Kommission gehörten Heinrich von Gagern, Itzenstein, Carl Theodor Welcker und Willich sowie der Rheinländer Carl Stedmann, der Frankfurter Georg Christoph Binding und Friedrich Römer aus Stuttgart an. (vgl. http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/33690.html)



[13. März 1848: Revolution in Wien. Fürst Metternich wird gestürzt und flieht]

[19. März 1848: (2.) Offenburger Versammlung mit 20.000 Teilnehmern. Der Erste Heidelberger Bürgermeister Christian Friedrich Winter hält eine Rede]

[19. März 1848: Barrikadenbau und Straßenschlachten in Berlin mit Hunderten Toten]


[20. März 1848: Unruhen in München: Abdankung Ludwigs I., ihm folgt Maximilian II.]


[21. März 1848: König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bekundet unter Druck seinen Willen zur deutschen Einigung]


[22. März 1848: Aufbahrung der "März-Gefallenen" auf den Stufen des Berliner Doms]


26. März 1848: Volksversammlung im Schloßhof Heidelberg

[29. März 1848: Bildung einer preußischen Regierung unter dem liberalen rheinischen Bankier Ludolf Camphausen (bis 20. Juni 1848)]

30. März 1848: Eine Kundgebung in der Aula der Universität Heidelberg zeigt, daß über die Weiterführung der Revolution keine Einigkeit besteht. Der Senat der Universität distanziert sich ausdrücklich von dem republikanischen Professor Karl Hagen, der für die Stadt Heidelberg in die Nationalversammlung entsandt wird und sich bei den Wahlmännern für die Wahl Friedrich Heckers bedankt.

[30. März 1848: Einzug des Vorparlaments in Frankfurter Paulskirche]


31. März-3. April 1848: das Vorparlament, eine Versammlung von 574 Männern, die die Wahl der Frankfurter Nationalversammlung vorbereiten sollte, tagt in der Frankfurter Paulskirche. Vorsitz: Carl Joseph Anton Mittermaier. Vizepräsidenten: Johann Adam von Itzstein, Friedrich Christoph Dahlmann, Robert Blum und Sylvester Jordan. https://de.wikipedia.org/wiki/Vorparlament https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kategorie:Mitglied_des_Vorparlaments&pagefrom=W

[2. April 1848: Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse]


[12. April 1848: In Konstanz rufen Friedrich Hecker und Gustav von Struve die Republik aus („Heckeraufstand“)]

[13. April 1848: Der „Heckerzug“ macht sich auf den Weg Richtung Rheinebene, wo er sich mit einem Zug Georg Herweghs, der „Deutschen Demokratischen Legion“ aus Frankreich vereinigen will, um die Landeshauptstadt Karlsruhe einzunehmen.]

[23. April 1848: in Frankreich finden, erstmalig auf dem europäischen Kontinent, freie und gleiche Wahlen statt, an denen alle erwachsenen Männer teilnehmen dürfen]

24. April 1848 (Ostermontag): Etwa 200 Odenwälder Bauern (Freischaren aus Sinsheim?) dringen in Heidelberg ein. Auf dem Marktplatz werden sie von einer Bürger- und Studentenwehr umstellt. Die Bauern legen ihre mitgeführten Waffen (neben 30 Flinten vor allem Sensen) nieder und verlassen die Stadt. - Freischaren unter Franz Sigel marschieren auf das von Aufständischen besetzte Freiburg zu, um den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Der Entsatzungsversuch mißlingt. Stattdessen erstürmen die Regierungstruppen die letzte Barrikade am Schwabentor und richten anschließend unter den Freischärlern ein Blutbad an.]

[27. April 1848: Herweghs 900 Mann starke „Deutsche Legion“ wird bei Dossenbach von württembergischem Militär besiegt]

[27. April 1848: die 1802 von Napoléon Bonaparte wieder eingeführte Sklaverei in den französischen Kolonien wird abgeschafft]

[28. April 1848: erste freie, demokratische Wahlen Deutschlands zur deutschen Nationalversammlung in Frankfurt, die eine einheitliche, freiheitliche deutsche Reichsverfassung ausarbeiten soll]

[20. April 1848: am Scheiderck-Paß bei Kandern/Schwarzwald werden die Aufständischen des Heckerzuges von regulären hessischen und badischen Truppen besiegt und zerrieben. Friedrich Hecker flieht ins Exil, zunächst in die Schweiz, schließlich in die USA]

[18. Mai 1848: Eröffnung der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt/Main. 586 Männer aus allen deutschen Ländern ziehen in die Paulskirche unter Vorsitz Heinrich von Gagerns (Heidelberger Burschenschaft) ein]

1. Juni 1848: die erste Ausgabe der Neuen Rheinische Zeitung erscheint (Chefredakteur: Karl Marx, Auflage: 6000)

[Juni 1848: Panslawistischer Kongreß in Prag (spricht sich für den Fortbestand des Habsburgerreiches aus, mündet nach Ablehnung der Forderung nach der föderativen Umwandlung Österreichs in einen Bund gleichberechtigter Völker in den Prager Pfingstaufstand (12. Juni)]

[23.-26. Juni 1848: General Cavaignac unterdrückt den Aufstand der Pariser Arbeiter blutig]

[28. Juni 1848: Frankfurter Nationalversammlung beschließt Auflösung des Deutschen Bundes]


11. Juli 1848: das badische Innenministerium verbietet den neugegründeten demokratischen Studentenverein an der Universität Heidelberg

[15. Juli 1848: Resolution des Handwerker-Gewerbekongresses in Frankfurt („Wir erheben feierlichen Protest gegen die Gewerbefreiheit. Nicht allein wegen der gefährdeten Interessen, unserer bürgerlichen Freiheiten und unseres wohlerworbenen Eigentums, sondern wegen der bedrohten Zukunft, der Verarmung des Mittelstandes, aus Vaterlandsliebe.“)]

17. Juli 1848: 364 der insgesamt 564 immatrikulierten Studenten verlassen Heidelberg. Dem Zug wird eine deutsche Fahne vorangetragen. Arbeiter, Schneidergesellen und Mitglieder republikanischer Vereine begleiten die Studenten auf ihrem Zug nach Neustadt/Haardt ein Stück weit. 120 zurückbleibende Studenten weisen im "Heidelberger Journal" darauf hin, daß der Auszug unter falschen Voraussetzungen erfolge. http://www.uni-heidelberg.de/uni/presse/RuCa2_98/kurzber.htm

19. Juli 1848: Eine Deputation der städtischen Gremien Heidelbergs bittet in Karlsruhe darum, das Verbot des demokratischen Studentenvereins zurückzunehmen, da der Stadt erhebliche wirtschaftliche Verluste drohen.

21. Juli 1848: Auf einer Versammlung der nach Neustadt ausgezogenen Heidelberger Studenten wird eine Petition an die II. Kammer der badischen Ständeversammlung verabschiedet. Die Studenten fordern die Auflösung des Universitätskuratoriums, die Zurücknahme des Vereinsverbots gegen den demokratischen Studentenverein und ihre Gleichstellung mit den Bürgern.

22. Juli 1848: die badische Regierung verbietet alle demokratischen Vereine

27. Juli 1848: die ausgezogenen Studenten kehren in aller Stille nach Heidelberg zurück

[29. Juli 1848: Wahl von Erzherzog Johann von Österreich zum deutschen Reichsverweser auf der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt/Main]

30. Juli? 1848: Empfang der linken Frankfurter Abgeordneten im Heidelberger Schloßhof

[18. September 1848: radikal-demokratische Unruhen in Frankfurt am Main]


[21. September 1848: Bei einem Aufstand in Lörrach ruft Gustav von Struve erneut die "Deutsche Republik" aus. Der Aufstand wird niedergeschlagen, Struve wenige Tage später verhaftet und inhaftiert. Bei den Maiaufständen 1849 wird er wieder befreit.]

[6. Oktober 1848: Wiener Oktoberaufstand („Wiener Oktoberrevolution“), letzte Erhebung der österreichischen Revolution von 1848/49]

22. Oktober 1848 bis 6. April 1850: Gottfried Keller studiert in Heidelberg (vgl. auch: 1846)

[4. November 1848: die französische Nationalversammlung verabschiedet eine Verfassung, die die Wahl eines Präsidenten vorsieht]


[9. November 1848: Robert Blum wird in Wien erschossen]

[10. November 1848: General Wrangel marschiert in Berlin ein, sprengt die preußische Nationalversammlung im Schauspielhaus auseinander und erklärt am 12. November den Belagerungszustand und am 14. das Kriegsrecht über die preußische Hauptstadt]

[15. November 1848: König Friedrich Wilhelm IV. löst die preußische Nationalversammlung auf]

5. Dezember 1848: der Liederkranz veranstaltet in Heidelberg unter Mitwirkung des Musikvereins und der Ifflandschen Gesellschaft ein Konzert "zum Besten der Familie Robert Blum´s" (Ertrag: 130 fl)

[10. Dezember 1848: der aus dem Exil zurückgekehrte Prinz Charles-Louis-Napoléon Bonaparte, Neffe von Napoleon Bonaparte, wird zum Staatspräsidenten der 2. französischen Republik gewählt]

Dezember 1848-März 1849: Der Philosoph Ludwig Feuerbach hält auf Einladung von Studenten im Rathaussaal Heidelberg 30 Vorlesungen über das Wesen der Religion. Die Universität hatte ihm für die Vorlesungen ihre Räume versagt, auf Bitten der Studenten stellt der Gemeinderat den Großen Bürgerausschußsaal zur Verfügung. Sein Publikum, etwa 250 Personen, besteht zu einem guten Drittel aus Studenten (darunter Gottfried Keller, der das Erlebnis im Grünen Heinrich verarbeitet), im übrigen aus Bürgern, Handwerkern und Arbeitern.

1848: Fertigstellung des Bahnhofs der Main-Neckar-Bahn (Rohrbacher Straße; Planung: Friedrich Eisenlohr). Einrichtung einer Telegraphenlinie von Mannheim nach Heidelberg zur Nutzung für den Eisenbahnbetrieb

1848: Ludwig Uhland in Heidelberg (Darmstädter Hof)

1848ff.: das Arboretum am Heckemarkt wird aufgefüllt, die Bäume werden zerstört (vgl. Helmina von Chézy, Unvergessenes. Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Helmina von Chézy. Von ihr selbst erzählt, hg. von Bertha Borngräber. Leipzig 1859, Bd. II, S. 8; H. G. Bronn, Geschichte eines Baumgartens, in: Die Natur, hg. von Ule und Müller. Halle 1852, S. 255f.) (vgl. 1835, Januar 2008)

1848-1865: Johann Peter Schröder (1809-1869), Müllermeister (Vater von Johann Friedrich Schröder, 1835-1896), ist Bürgermeister von Handschuhsheim

15. Januar 1849: Stiftung des Corps Rhenania http://de.wikipedia.org/wiki/Corps_Rhenania_Heidelberg

28./29. Januar 1849: in Heidelberg findet der Provinzial-Arbeiterkongreß für Südwestdeutschland statt (Teilnehmer u.a. Stephan Born, Karl Georg Winkelblech)

9. Februar 1849: Abendunterhaltung des Liederkranz in der Harmonie

12. März 1849: Konzert des Liederkranz zum Besten der Errichtung einer Gewerbehalle (Ertrag: 20 fl)

[12. März 1849: Der Staatsrechtslehrer und Ehrenbürger von Heidelberg Carl Theodor Welcker beantragt in der Frankfurter Nationalversammlung, dem König von Preußen die erbliche deutsche Kaiserwürde anzutragen]

[28. März 1849: Die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche verabschiedet eine "Verfassung des Deutschen Reiches" für einen deutschen Bundesstaat (Frankfurter Reichsverfassung oder Paulskirchenverfassung), die alle geforderten Freiheiten vorsieht. Nach Ansicht der Nationalversammlung tritt die Verfassung mit der Verkündung in Kraft. 28 deutsche Regierungen folgten in der Note der Achtundzwanzig dieser Auffassung]

27. April 1849: Gartendirektor Johann Metzger klagt in einer Eingabe an die Hofdomänenkammer „über die Zustände auf dem Schlosse, die sich in Folge von Zunahme der Industrie, Frechheit der niederen Volksklassen, Mangel an polizeilicher Kraft, Unverträglichkeit der Schloßbewohner geltend mache“.

Mai 1849: der Heidelberger Gemeinderat lädt die Frankfurter Nationalversammlung ein, nach Heidelberg überzusiedeln und ihre Sitzungen in der Aula der Universität abzuhalten

[3. Mai 1849: Beginn des Dresdner Maiaufstandes unter Teilnahme von Michail Bakunin, Gottfried Semper und Richard Wagner]


[6. Mai 1849: Adolph Kolping gründet seinen Gesellenverein in Köln]


11. Mai 1849: etwa 120 Heidelberger Turner und Arbeiter ziehen unter Führung des ehemaligen Unteroffiziers Wilhelm Gilbert in die Pfalz, um den dortigen Aufstand für die Reichsverfassungskampagne zu unterstützen. Sie kehren nach wenigen Tagen zurück.

[11. Mai 1849: Meuterei der badischen Garnison in der Bundesfestung Rastatt. Zweite Phase der badischen Revolution]

[12. Mai 1849: auf der Delegiertenkonferenz der badischen Volksvereine stellt Amand Goegg „die Frage über die Proklamation der Republik“ zur Debatte, findet damit aber keine Mehrheit]

[13. Mai 1849: die (3.) Volksversammlung in Offenburg beschließt ein 16-Punkte-Programm, das u.a. die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen (großherzoglichen) Regierung unter dem Liberalen Lorenz Brentano fordert. Die großherzogliche Regierung lehnt die Forderungen ab. Am Abend fährt der revolutionäre Landesausschuß der Volksvereine nach Rastatt, wo Amand Goegg vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse verkündet und Brentano Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung vereidigt. In der Nacht zum 14. Mai flieht Großherzog Leopold aus seiner Residenz in Karlsruhe ins Exil nach Koblenz.]

[14. Mai 1849: das Ministerium Bekk wird abgesetzt und die Exekutivkommission des Landesausschusses, der zunächst anstelle der geflüchteten großherzoglichen Regierung die Landesgeschäfte übernimmt, etabliert sich mit Amand Goegg, Joseph Ignatz Peter und Carl Joseph Eichfeldt unter dem Präsidenten Lorenz Brentano.]

[16. Mai 1849: Karl Marx wird aus Deutschland ausgewiesen]


Mai 1849: preußische und bayerische Truppen zersprengen den Aufstand in der Pfalz

[Mai 1849: Johann Philipp Becker wird mit der Schaffung und Organisation der badischen Volkswehr beauftragt]

28. Mai 1849: Gartendirektor Johann Metzger macht der Hofdomänenkammer Vorschläge zur Abstellung der Mißstände auf dem Schloß: „1. Der Schloßgarten mit dem Schlosse ist unter eine Verwaltung zu stellen. 2. Die Verwaltung ist einem Kastellan, der zugleich Gärtner ist, zu übertragen. 3. Alle Privatnutzungen werden aufgehoben, und fließen die Renten in die Domänekasse. Für Unterhaltung des Schlosses und Gartens ist eine Dotation auszuwerfen. 5. Der Universität sind alle nöthigen Forstgewächse für die Vorlesungen zu überlassen.

[30. Mai 1849: Gefecht bei Heppenheim gegen hessische Truppen]

[30. Mai 1849: Auflösung der Frankfurter Nationalversammlung. Rumpfparlament zieht nach Stuttgart]

[1. Juni 1849: unter Lorenz Brentano wird eine provisorische demokratische Regierung gebildet, in der die konservativ-liberalen Kräfte dominieren. Der Landesausschuss löst sich auf]

[5. Juni 1849: in Karlsruhe bildet sich unter Struve und Becker ein „Klub des entschiedenen Fortschritts“ und fordert von der Regierung entschiedene revolutionäre Maßnahmen. Diese läßt die Delegation festnehmen, muss sie jedoch unter dem Druck der in der Stadt stationierten Freischaren wieder freilassen.]

Sommer 1849: Cholera-Epidemie in Mannheim

Juni 1849: Mit einem Fackelzug wird Professor Karl Hagen, der Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung, empfangen, der nach der Vertreibung des Parlamentes aus Stuttgart nach Heidelberg zurückgekehrt ist.

[Juni 1849: Der polnische Revolutionär Ludvik Mierosławski wird zum General der badischen Revolutionsarmee ernannt. Bundestruppen unter dem Kommando des Generalleutnant von Peucker und mehrere preußische Armeekorps unter Prinz Wilhelm von Preußen dringen in Baden ein, um die Revolution niederzuschlagen.]

[Juni 1849: Friedrich Engels tritt in die badisch-pfälzische Armee ein und nimmt als Adjutant Willichs an den revolutionären Kämpfen in Baden und der Pfalz teil]

[15./16. Juni 1849: siegreiche Gefechte der badischen Truppen an der Neckarlinie bei Mannheim, Käferthal, Ladenburg und Hirschhorn]

[18. Juni 1849: Gewaltsame Auflösung des Rumpfparlaments der Frankfurter Nationalversammlung]


[20. Juni 1849: Preußische Truppen erzwingen bei Germersheim den Rheinübergang]

21. Juni 1849: Gefecht zwischen badischer Volkswehr und preußischen Truppen am Zollstock/Holdermannseiche (Heiligenberg, vgl. Freischarensteine)

[21./22. Juni 1849: Gefecht bei Waghäusel, daraufhin Rückzug der badischen Truppen, um einer drohenden Umschließung zu entgehen]

23. Juni 1849: Preußische Truppen besetzen Heidelberg (Belagerungszustand bis 1850)

[25. Juni 1849: Gefecht bei Durlach, durch Beckers Volkswehr wird der Rückzug der Armee auf die Murglinie gedeckt. Die Revolutionsregierung flieht nach Freiburg im Breisgau und mit ihr Einheiten der Revolutionstruppen]

[28. Juni 1849: Eine verfassungsgebende Versammlung tagt im Basler Hof zu Freiburg. Auf Antrag Struves beschließt das Gremium, den Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen. Darauf tritt Brentano als Regierungschef zurück, Amand Goegg bildet gemeinsam mit Kriegsminister Werner die „provisorische Regierung von Baden mit diktatorischer Gewalt“.]

[29. Juni 1849: Gefecht bei Gernsbach]

[29./30. Juni 1849: Gefechte an der Murg. Mieroslawski ernennt Major Gustav Tiedemann zum Gouverneur der Festung Rastatt. Die revolutionären Einheiten ziehen sich nach Südbaden zurück. Das eingeschlossene Rastatt wehrt sich erfolgreich gegen die preußische Zernierung.]

[1. Juli 1849: Ein letztes Aufgebot von etwa 4000 Mann marschiert in Freiburg an den Repräsentanten der Revolutionsregierung und ihrem Oberkommandierenden Franz Sigel vorbei]

[7. Juli 1849: die Preußen rücken kampflos in Freiburg ein]

10. Juli 1849: Johann Hinrich Wichern, Gründer der Inneren Mission, auf einer Vortragsreise von Heilbronn kommend, predigt in Heidelberg (vgl. Oktober 1849)

[12. Juli 1949: die revolutionären Truppen überqueren bei Jestetten und Konstanz die Grenze zur Schweiz und bitten um Asyl]

[23. Juli 1849: nach dreiwöchiger Belagerung kapitulieren die letzten republikanischen Aufständischen in der Festung Rastatt vor den preußischen Truppen. Ende der Revolution. In den anschließenden standgerichtlichen Verfahren und Hochverratsprozessen ergehen 1000 Urteile, darunter Todesurteile und langjährige Haftstrafen.]

10. August 1849: Großherzog Leopold von Baden unterzeichnet den Vertrag zwischen der Domänenverwaltung und Charles de Graimberg. Dieser erhält die Zusage für eine zehnjährige unentgeltliche Nutzung der Räume über der Schloßkapelle im Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses. Die Umbaukosten muß er selbst tragen. Der freie Eintritt für Museumsbesucher wird vertraglich festgelegt (Bestimmung 1851 wieder aufgehoben). Graimberg läßt den Raum über der Schloßkapelle in sechs Säle unterteilen, wobei ein Zimmer für den Museumsaufseher abgetrennt wird. (vgl. 15. Juli 1850)

16. August 1849: der Lehrer Karl Höfer aus Altneudorf wird als Offizier der badischen Volkswehr in Mannheim standrechtlich erschossen

18. August 1849: Großherzog Leopold von Baden kehrt nach Karlsruhe zurück

[24. August 1849: Karl Marx kommt nach London]

[25. August 1849: durchgehende Eröffnung der Ludwigsbahn Ludwigshafen-Bexbach]

26. August 1849: der Advokat und Mundartdichter Karl Christian Gottfried Nadler stirbt in Heidelberg

Oktober 1849: Johann Hinrich Wichern, Gründer der Inneren Mission, spricht in der Providenzkirche von der Kanzel (Die Unterschiede zwischen Innerer Mission und ähnlichen Bewegungen "müßten klar und deutlich in dieser geistentleerten, geistreichen Stadt entwickelt werden, um keine Zweifler zurückzulassen“; vgl. 10. Juli 1849)

[7. Dezember 1849: die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen danken ab. Die beiden Fürstentümer fallen an Preußen und bilden 1850 den „Regierungsbezirk Sigmaringen“]

19. Dezember 1849: Johann Bosecker verunglückt tödlich im Ziegelhäuser Wald (Münchelhang). Kollegen setzen den Boseckerstein ("Joh Bosekär verunglückt am 19 Dzbr 1849")

Dezember 1849: Zählung der Bevölkerung Heidelbergs mit Schlierbach und Kohlhof (13.502 Einwohner, davon 8124 evangelisch-protestantisch, 4956 katholisch, 148 deutsch-katholisch, 1 Mennonit, 273 Juden)

1849: der klassische Philologe und Altertumsforscher Georg Friedrich Creuzer erhält den Orden Pour le Mérite

1849: Gründung des Evangelischen Vereins für Innere Mission A. B.

1849: Eröffnung des Anatomiegebäudes in der Brunnengasse (Architekt: Heinrich Hübsch; vgl. 1805, 1846, 1875)

1849-1851: Alois Lang großherzoglicher Stadtdirektor von Heidelberg

1849-1851: Erster Bürgermeister Jakob Wilhelm Speyerer, von der preußischen Besatzungsmacht eingesetzt

[1849: Elisabeth Alphonsa Maria Eppinger gründet in Niederbronn/Elsaß den Orden der Schwestern vom Göttlichen Erlöser ("Niederbronner Schwestern")]