www.haidelberg.de

Zum Namen Heidelberg

1196 Heidelberch

1203 Heidelberg

1225 und mehrfach Heidilberc

1305 vereinzelt Heidelburg

DER NAHM HEIDELBERG

Heydelberg wirdt vom PTOLOMAEO BUDARIO genannt / da ist ein Berg vbern Necker / der heilige Berg / oder zu allen Heiligen genandt / darauf ist etwa ein Tempel / wie zu Rom / in der Ehr aller Götter geweyhet / gestanden / wie man jetzunder noch reliquias davon sihet /und ein uhraltes Schloß/ wie noch Anzeigung da gesehen. VOLATERANUS lib.7. heist die Statt Ettelburg. Sie wird auch Eitelberg genannt /daher dann etliche sie Panoriam nennen. Etliche meynen / sie habe den Namen von den Heydelbeeren / die darumb auff den Bergen wachsen. Der Meynung dann der vortreffliche Poet R. MELISSUS ist / und sie Monte Myrtorum nennet /oder Urben Myrtileti. Die andern meynen / der Nahm sey kommen von den Heyden. (Abraham Sauer, „Stätte-Buch“)

„Wenn man die sprachliche Herkunft des Wortes Heidelberg erwägt, so ist die Ableitung am einleuchtendsten, die es aus zwei selbständigen Bestandteilen zusammengesetzt ansieht - aus Berg und Heidel, d.h. Heidelbeeren... Die Ärzte nennen Heidelbeeren (myrtillos) jene schwarzen Beerchen oder kleine Trauben, von denen hier im Gebirge eine sehr große Menge wächst. In meinen Gedichten nannte ich darum diese Gegend Myrtilletum als Neutrum, die Stadt aber, als Femininum, Myrtilletus.“ (Originaltext Nr. 629.) So schrieb der lateinische Dichter Paulus Melissus, der 1602 in Heidelberg starb. Aber daneben ist durch die Jahrhunderte bis in die jüngste Gegenwart hinein nach anderen Deutungen gesucht, die fernab von der genannten liegen. Es scheint jedoch, daß die Auslegung, die am meisten für sich hat, dem Sinn nach sich mit der des Melissus deckt. Zwar ist Heidel an sich noch nicht der landschaftliche Name der Heidelbeere. Die selbständige Form Heidel ist in Südwürttemberg und Südostbaden als Bezeichnung der Heidelbeere üblich, aber nicht in unserer Gegend. Wohl aber läßt sich Heidelberg einwandfrei als Klammerform1 von Heidelbeerberg erklären. Solche Klammerformen sind im Deutschen häufig und gehören geradezu zum Wesen der germanisch-deutschen Wortbildung: aus „einer schönen Sparsamkeit mit sprachlichem Stoff“ werden dreiteilige Wortzusammensetzungen gemieden, das Mittelstück wird gleichsam eingeklammert.

Daß Heidelberg für älteres Heidenberg steht, ist zwar möglich, doch wird diese Vermutung nicht nahegelegt. Will man aber von dieser Annahme ausgehen, so käme man zu der Bedeutung Heidekrautberg, da in unserer Gegend Heide hauptsächlich das Heidekraut bezeichnet. Nicht wahrscheinlich ist die Anknüpfung an einen Männernamen. (...)

Aus: Herbert Derwein, Die Flurnamen von Heidelberg, Heidelberg 1940, S. 28f.


Der deutsche Sprachgeist spart gern...

Der Fremde: So beantworten Sie mir bitte noch eine letzte Frage: Was besagt der Name „Heidelberg“? Hat die Stadt immer so geheißen?

Der Heidelberger: Gewiß. Zuerst begegnet uns der Name Heidelberg 1196 und gleich in der uns geläufigen Form. Daß er am Ende mit c statt mit g geschrieben ist, daß wir das ei in der ersten Silbe öfters als ai, ay, ey finden, ist belanglos. Am ehesten fällt auf, daß bis ins 14. Jahrhundert hinein dann und wann "Heidilberg" steht, das ist mitteldeutsch und auch nicht weiter bedeutsam. Kurz: Der Name tritt uns sofort fertig und festgeformt entgegen.

Fr.: Aber er könnte doch schon vor der ersten erhaltenen Niederschrift eine lautliche Wandlung durchgemacht haben?

H.: Das ist möglich und auch schon längst behauptet worden. Als Urform käme "Heidenberg" in Frage. Aus -en wird ja öfters -el, wie etwa Eichenberg zu Eichelberg wurde. Schon die Humanisten haben den Namen in dieser Deutung als Zeugnis dafür angesehen, daß einst "Heiden", vorchristliche Bewohner, die Stadt gründeten und besiedelten.

Fr.: Und was sagt die heutige Forschung dazu?

H.: Sie lächelt, wie sie über den laienhaften Ahnenforscher lächelt, der aus dem erhöhten Alter seiner Familie eine erhöhte Würde ableitet. Wohl sind in der nahen Ebene, auf dem Boden der in Heidelberg eingemeindeten Dörfer, sehr alte Siedlungsspuren gefunden worden. Aber sie besagen nichts für das alte Heidelberg, das ja ursprünglich ganz in die Talsohle zwischen Neckar, Königstuhl und Gaisberg eingebettet war. In dieser Talsohle ist nichts gefunden worden, was auf eine vor- oder frühgeschichtliche Siedlung schließen läßt. Heidelberg ist erst im Mittelalter entstanden. Wahrscheinlich war die Talsohle noch in der Karolingerzeit mit Wald bedeckt.

Fr.: Also ‑ mit "Heidenberg" ist es nichts?

H.: Da in unserer Gegend Heide das Heidekraut bezeichnet, könnte "Heidenberg" auch den Sinn von Heidekrautberg haben. Aber nach Ansicht der maßgebenden Philologen ist die Urform Heidenberg nicht wahrscheinlich. Daß in den ältesten Belegen Heidelberg nicht ein einziges Mal als Heidenberg vorkommt, ist schon verdächtig. Eine sehr gründliche Studie von Ernst Christmann hat auf Grund eines erdrückend reichen Vergleichmaterials gezeigt, daß der Wandel von -en zu -el bei Heidelberg in so früher Zeit sehr wenig für sich hat. Dem stimmte auch Alfred Götze voll bei, eine Autorität allerersten Ranges.

Fr.: Dann müßte man also von der Sprachform "Heidelberg" ausgehen. Was würde dann Heidelberg bedeuten?

H.: Heidelbeerberg.

Fr.: Aber hieß denn die Heidelbeere ursprünglich einfach Heidel?

H.: Das hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich. Aber wenn die Waldpflanze immer Heidelbeere geheißen hätte, wäre doch die Deutung Heidelbeerberg voll und ganz berechtigt.

Fr.: Wieso? Dann müßte die Stadt doch eben Heidelbeerberg geheißen haben?

H.: Durchaus nicht. Der deutsche Sprachgeist spart gern am Wortgut. Bei Zusammensetzungen von drei Wortteilen wird oft das Mittelstück unterdrückt, gleichsam eingeklammert. Wir sagen nicht Ölbaumzweig, sondern Ölzweig. Die Heidelberger Kettengasse müßte eigentlich Kettenbrunnengasse heißen. Im Stadtwald gab es im 18. Jahrhundert einen Forellenwald ‑ gewiß ein ganz unsinniges Wort. Aber dort fließt der Forellenbach, nach dem der benachbarte Wald eigentlich Forellenbachwald heißen müßte.

Fr.: Danach müßte man wohl annehmen, daß einer der Berge, die Heidelberg einfassen, sehr stark mit Heidelbeeren bewachsen war, und daß dann die Stadt nach dem Berge, an dessen Füßen sie lag, benannt wurde?

H.: Sehr richtig!

Fr.: Wissen wir denn von einem besonders starken Vorkommen der Heidelbeere im nahen Gebirge?

H.: Alte Schriftsteller behaupten es wenigstens, auch Liselotte von der Pfalz sagt das, und die ältesten erhaltenen Waldakten um 1700 bezeugen das gleiche.

Fr.: Ich fürchte nur, daß damals auch im übrigen Odenwald die Heidelbeere in Hülle und Fülle zu finden war, und daß so der Berg bei der Stadt sieh kaum dein Wesen nach von vielen anderen Bergen unterschied.

H.: Das ist möglich, ja wahrscheinlich. Aber der Einwand verkennt, wie die alten Namen entstanden sind. Man suchte nicht in Überschau und Überlegung den passendsten unverwechselbaren Namen, wie heute etwa der Stadtrat es tut für eine Straße. Die alten Namen sind eben absichtslos wie von selbst im Volke aufgekommen. Und so kann auch ein Berg den Namen nach einer ihn charakterisierenden Pflanze erhalten haben, obwohl es noch mehr Berge mit dem gleichen Pflanzenwuchs gab. Die Heidelberger Talsohle ist fraglos von der Ebene her gerodet worden. Als man auf einem der Berge besonders viel Heidelbeeren sah, war die Voraussetzung für den Namen gegeben. Ob weiter im Gebirge, etwa bei Neckargemünd, die Heidelbeere noch üppiger gedieh, ist von vollendeter Gleichgültigkeit.

Fr.: Und weitere Deutungen sind nicht vorgetragen?

H.: Doch. Verschiedene. Da riet ein alter Schriftsteller auf Eitleberg, weil hier doch eitel Berge sind! Ein anderer auf Edelberg, wegen der schönen, "edlen" Lage. Sie spüren gewiß, daß man darüber nicht ernstlich diskutieren kann. Wieder ein anderer meinte, in Heidelberg, mundartlich: Hedelberg, sei das Wort "Hettel", Ziege, enthalten. Diese Ansicht scheint auch heute noch verbreitet zu sein, jedenfalls wurde sie mir gegenüber mehrfach geltend gemacht. Aber wenn dies richtig wäre, so müßten gerade die ältesten Formen von Heidelberg statt ei ein e aufweisen. Zur Zeit der ältesten Belege des Namens Heidelberg gab es noch nicht ein mundartliches langes e für ei, man sprach also damals Heidelberg mit ei aus. Übrigens wäre es sehr merkwürdig, wenn neben dem Gaisberg, d. i. Geißberg, ein zweiter Berg gelegen hätte, der gleichfalls nach den Ziegen benannt worden wäre. In unserer Zeit wollte ein sonst hochangesehener Gelehrter den Namen der Stadt von einem fränkischen Edlen Heidilo ableiten, der vielleicht auf dem Berge einen befestigten Wohnsitz angelegt hat. Ähnlich wie der gegenüberliegende Heiligenberg nach der Niederlassung eines Aberin einstmals Aberinsberg hieß. Aber beachten Sie, daß "Aberinsberg" in allen überlieferten Formen, deutschen und lateinischen, den Personenbestandteil im Genitiv vorweist. So wäre auch, wenn man von Heidilo ausgeht, Heidelnberg, bei Heidolf Heidelsberg zu erwarten. Beide Schreibungen kommen nicht ein einziges Mal vor.

Fr.: Danach bleibt also nur die Deutung "Heidelbeerberg"?

H.: Ob sie "bleibt", kann keiner sagen. Sie hat aber bei unserem heutigen Wissen, wie ich glaube, den weitaus höchsten Wahrscheinlichkeitsgrad, gegen sie ist weder sprachlich noch sachlich ein Einwand möglich. Spricht die Deutung Ihr Gefühl nicht an?

Fr.: Doch, gerade! Der Name ist gut. Denn Heidelberg atmet die Waldesluft der nahen Berge.

Aus: Herbert Derwein, Ein Gespräch über Heidelbergs Gassen und über den Namen Heidelberg, in: Heidelberg. Weltoffene Stadt am Neckar. (Hg.: Jess Wilhelm Harrsen, „Deutsche Städte“ - Buchreihe), Mannheim 1959, S. 40f.


Der Name Heidelberg

Luder leitet den Namen Heidelberg von den Beeren eines kleinen Gewächses, den Heidelbeeren, ab und führt ihn auf keltischen Ursprung zurück. Der Hinweis auf die Kelten, die im Stadtgebiet auf dem Heiligenberg noch heute sichtbare Spuren hinterlassen haben, darf wohl kaum anders gedeutet werden, als daß damit dem Namen Heidelberg "historisches Alter" zugeschrieben und so besonderer Glanz verliehen werden soll. Diese Tendenz, in der humanistischen Geschichtsschreibung immer wieder zu beobachten, zeigt sich auch in Luders Charakterisierung der Stadt als "uralt" ‑ urbs antiqua. Auf jeden Fall sind Versuche der Sprachwissenschaft, in dem Wort Heidelberg keltischen Sprachschatz ausmachen zu wollen, als gescheitert zu betrachten.

Die Herleitung des Namens Heidelberg von der Heidelbeere ist bei Luder erstmals nachzuweisen und stellt die früheste Deutung des Namens der Stadt überhaupt dar. Eine ausführliche Begründung dieser Namenserklärung finden wir bei dem Humanisten und gefeierten lateinischen Poeten Paulus Schede Melissus (1539 ‑ 1602), dem von Pfalzgraf Johann Casimir 1586 die Leitung der Bibliotheca Palatina anvertraut worden war. In seinen Darlegungen aus dem Jahre 1598 betont er das reiche Vorkommen von Heidelbeeren auf den Bergen bei der Stadt und zieht "Heidelberge" anderer Gegenden als Parallele heran. Zugleich berichtet Melissus von einem Denkmal am Schloßweg, einem Brunnen, an dem sich zwei Schilde befanden. Auf einem dieser Schilde sei ein mit Heidelbeeren bewachsener Berg und ein Mädchen mit Heidelbeerbüscheln in der Hand dargestellt. Eine gleiche Darstellung habe früher auch eine Stadtfahne getragen. Nach diesem "Heidelbeer-Berg" habe die Stadt ihren Namen erhalten.

Luders Erklärung des Namens Heidelberg nach dem für die Stadt als charakteristisch angesehenen Beerengewächs behauptete durch die Jahrhunderte hindurch neben verschiedenen anderen Deutungsversuchen ihren Platz. Für das 16. und 17. Jahrhundert, in denen das etymologische Interesse besonders wach war, andererseits das Fehlen einer gesicherten sprachwissenschaftlichen Grundlage zu absonderlichen Fehldeutungen führte, sei beispielsweise auf Sebastian Münster und den Erläuterungstext zu Merians großem Stadtpanorama verwiesen, der auf dem Baseler Exemplar erhalten ist. Bei Sebastian Münster lesen wir in seiner epochemachenden Kosmographie zu dem Namen Heidelberg: "... und wirt also genent, wie etliche meinen, von den Heidelberen, die darumb auff den bergen wachsen". Der Verfasser des Textes zu Merians Kupferstich zitiert gar die ganze Passage Luders über Heidelberg in der deutschen Übersetzung des Matthias von Kemnat unter ausdrücklicher Berufung auf "gemeldtes bösen Fritzen gewesener Hof Capellan".

Da auch von seiten der modernen Sprachwissenschaft nach Ausweis der einschlägigen etymologischen Lexika gegen die Ableitung des Namens Heidelberg von den Heidelbeeren keine Einwände erhoben werden, scheint diese vielfach als Volksetymologie diskreditierte Deutung des Namens doch die wahrscheinlichste zu sein. Das Wort Heidelberg würde sich demnach als Klammerform für "Heidel(beer)berg" erklären, oder man hätte anzunehmen, daß "Heidel" frühmittelhochdeutsch einmal der Name für Heidelbeere war, wie heute noch zwischen Bodensee und Lech gebräuchlich.

Die Schreibweise des Namens Heidelberg ist durch die Jahrhunderte hindurch relativ konstant geblieben. Die Schwankungen sind im wesentlichen im ersten Wortbestandteil auf den Doppelvokal (Heidel-, Haidel-, Heydel-, Haydel-),beschränkt und im zweiten Wortbestandteil auf den Schlußkonsonanten (-berch, -berg, -berc). In früher Zeit zwischen 1223 und 1308 begegnet mehrfach Heidilberc, vereinzelt steht Heidelburg.

Aus: Rudolf Kettenmann, Heidelberg im Spiegel seiner ältesten Beschreibung. 1986, S. 28f,

Literatur

vgl. auch: http://2dz.de/projekte/heidelberg-im-mittelalter/stadtgruendung-stadtentwicklung/entstehung-und-namensgebung/