Heidelberger Geschichtsverein e.V.

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Der historische Pfad

Der auf Initiative von Gerhard Walther und Ludwig Merz angelegte 12 km lange ausgeschilderte Historische Pfad im südwestlichen Stadtwald (vom Stadtgarten zum Schützenhaus) wurde am 21. Juni 1957 seiner Bestimmung übergeben.

Ludwig Merz schrieb anläßlich der Verleihung der Bürgermedaille im Februar 1996:

„(...) Nach dieser Darstellung der Schwerpunkte meiner topographischen Erkundungen im Stadtgebiet wende ich mich nun dem Stadtwald zu. Das Thema bezieht sich auf die Bergbefestigungen bei der Belagerung Heidelbergs durch Tilly im Jahre 1622. Hierüber gibt es einen zeitgenössischen Bericht "RELATIO HISTORICA POSTHUMA OBSIDIONIS HEIDELBERGENSIS" mit Belagerungsplan. Außerdem hatte ich das Original der Darstellung der Belagerung von Merian erworben. Von da an ging ich längere Zeit in den Wäldern beiderseits des Neckars auf die Pirsch. Anhand der Belagerungspläne und einer Ablichtung der Merianschen Darstellung suchte ich nun die ehemaligen Bergbefestigungen zu erkunden. Über den Trutzkaiser und den Trutzbayer hatte ich bereits in der "Ruperto Carola" berichtet. Zunächst durchwanderte ich den südlichen Stadtwald und fand auch Schanzen und Gräben, die mir, wie ich feststellte, bereits von meinen Spielen in der Jugend bekannt waren. Zu dieser Erforschung der Bergschanzen bedurfte es natürlich einer näheren Erkundung der oberen Burg, dem "Alten Schloß" an der Stelle der heutigen Molkenkur. Als Unterlage diente mir der Ausgrabungsplan von Karl Pfaff aus dem Jahre 1902 und die Zeichnung von Kurfürst Ottheinrich. Die obere Burg wurde bekanntlich 1537 durch Blitzschlag zerstört und 1622 zum Schutz des Schlosses als "Burgschanze" befestigt. Auch hierüber liegt von mir ein Bericht in der "Ruperto Carola" und in der "Badischen Heimat" vor. Nach Abschluß der Erkundungen im südlichen Stadtwald gab der Heidelberger Verkehrsverein bei meinem Malerfreund Karl Öchsler die entsprechenden Schautafeln und Markierungen des "Historischen Pfads" in Auftrag. Erneuert wurden die an Bäumen hängenden Bildtafeln durch den Maler Karl Lamade. Beide Künstler leben nicht mehr, weshalb ich ihnen an dieser Stelle ehrend meinen Dank aussprechen möchte. Der Historische Pfad war durch das Unwetter vor einigen Jahren durch querliegende Bäume gesperrt und wird jetzt wieder begehbar gemacht. Zu diesem Pfad verfaßte der in der Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs bewanderte Freund Gerhard Walther ein Faltblatt, das in der nächsten Zeit erneuert und verbessert wird. In allem findet das Projekt weitgehende Unterstützung durch den Verkehrsverein und das Staatliche Forstamt. Zur Ergänzung des Pfades auf der südlichen Bergseite entstand am Hang des Heiligenbergs der "Schaupfad" mit Bildtafeln, die auf Schanzen, Lager und Hohlwege aus vergangener Zeit hinweisen. Auch diese werden erneuert. Die Lehrpfade gehören zum Projekt "Naturpark Odenwald/Neckarland".“

Die Schautafeln am historischen Pfad:

1. Wolfshöhlenweg



2. Vorwerke von Trutzkaiser und Trutzbayer

3. Tillysche Batterien gegen die Vorwerke am Westhang des Gaisbergs (Hutzelwald)


4. Tillysche Batterien auf Stein- und Erdrampe am Westhang des Gaisbergs (Hutzelwald)



5. Tillysches Lager (Sprunghöhe, Arboretum)


6. Schanze zur Verteidigung Heidelbergs am Treffpunkt von 3 Fernwegen (Blockhaus)


7. Burgschanze mit vorgelagerten Schanzen (unterhalb der Molkenkur)


8. Schanze „Affennest“ (oberhalb der Molkenkur)


9. Schanze am Fasanenwäldchen (beim Rindenhäuschen)

Ludwig Merz, Befestigungen um Heidelberg, 1622



Literatur:

Matthäus Merian, „Wahre Contrafactur der Churfürstlichen Statt Heidelberg und wie dieselbige von General Tilly belagert und eingenohmen worden“. 1622 (Kupferstich)

Ludwig Merz, Befestigungen um Heidelberg 1622 (mit Plan) in: Ruperto Carola Bd. 20/1956, S. 152-162

Ludwig Merz, Der „Trutzkaiser“ oder „Stern“ – ein Bollwerk der Heidelberger Stadtverteidigung, in: Ruperto Carola, Bd. 42/1967, S. 48-52 http://trutzkaiser.elmartino.de/

Gerhard Walther, Der historische Pfad bei Heidelberg. Heidelberg ca. 1982 [Dck Merz]

Relatio historica posthuma obsidionis Heidelbergensis: das ist: warhafftige Beschreibung aller fürnemen unnd gedenckwürdigen Geschichten, so in Belägerung der churfürstl. pfältzischen Residentz Statt u. Schloß Heydelberg durch die Keys. bayr. Armada erobert, sich verlauffen und zugetragen; sampt angeh. Grundriß ders. Franckfurt. Latomus. 1622

Walter Schenppe, Als Heidelberg verteidigt wurde. Ludwig Merz entdeckt „Historischen Pfad“ aus der Zeit der Tillyschen Belagerung und Erstürmung im Jahre 1622, in: RNZ, 5. 5. 1955, S. 4