Heidelberger Geschichtsverein e.V.

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Marsilius von Inghen

*1335/1340 in/bei Nijmegen/Gelderland

†20. August 1396 Heidelberg (begraben im Chor vor dem Hochaltar der Peterskirche)

Theologe, Anhänger des Nominalismus („Via moderna“) des Wilhelm von Ockham, Kanoniker an St. Severin in Köln, Universitätsrektor

um 1360: Studium in Paris bei Johannes Buridanus

1362-1378: Magister an der Universität Paris

27. September 1362: (erstes bezeugtes Datum seiner Biographie). Marsilius hält an der Artistenfakultät der Universität Paris unter dem Magisterium des Wilhelm Buser vor der „natio Anglicana“ seine Antrittsvorlesung als „magister artium“

27. November 1362: Marsilius wird als „magister actu regens“ in den „rotulus“ der Universität Paris („natio Anglicana“) aufgenommen. Die von Paris aus erworbene Lebensgrundlage für den Artistenmagister Marsilius ist ein Kanonikat an St. Severin in Köln, das er 1362 im „rotulus“ erbittet und erhält.

26. Juni 1363: „Prokurator der Nation“ (vergleichbar mit dem Amt eines Dekans; wiedergewählt am 2. Juni 1373, 23. September 1374 und 24. September 1375)

1. April 1364: „Receptor“ (verantwortlich für die exakte Erhebung der Studiengebühren)

1366: Studium der Theologie an der Artes-Fakultät in Paris (?)

11. Oktober 1367: Rektor der Universität Paris für 3 Monate

1368/69: reist im Auftrag seiner Universität nach Avignon, um den „rotulus“ der päpstlichen Kurie zu überbringen

29. Mai 1369: Papst Urban V. sagt Marsilius eine Domherrnpfründe in Münster zu

13. Juli 1369: erhält durch Papst Urban V. den Ruf auf einen Artes-Lehrstuhl der Universität Montpellier (lehnt trotz großzügiger Konditionen ab)

24. Juni 1371: Rektor der Universität Paris für 3 Monate

Mai 1377: bricht zu einer Delegationsreise auf, um an der Kurie Gregors XI. Universitätsinteressen zu vertreten. Die Reise führt ihn zuerst mindestens bis November 1377 nach Avignon, wo immer noch Teile der Kurie amtieren, und nach Rom.

27. Juli 1378: Marsilius schildert in einem Schreiben vom päpstlichen Hof (Papst Urban VI.) in Tivoli seiner Universität in Paris die Gefahrenlage wegen des drohenden Schismas und bittet um Anweisung, was von seiten der Delegation zu tun sei.

1378: Die Doppelwahl eines Nachfolgers des Papstes Gregor XI. löst ein kirchliches Schisma aus, das das westeuropäische Christentum bis 1417 in zwei feindliche Lager spaltet. Die französische Krone hält zum Papst in Avignon. Die deutschen geistlichen und weltlichen Herren erklären sich für Urban VI., so auch Marsilius

bis 1379: Marsilius in Paris bezeugt

1382: Besuch in Nijmegen

29. Juni 1386: Marsilius wird durch den Kurfürsten von der Pfalz zu seinem „pfaffen“ und Rat berufen, vornehmlich aber dazu, „... daz er uns...unsers studium zu Heidelberg ein anheber und regirer und em furderlich for sin sal ...“. Als Jahresgehalt verschreibt er ihm die Summe von 200 fl. In den zeitgenössischen Universitätsakten wird er als fundator huius studii et initiator bezeichnet.

18. Oktober 1386: mit einer feierlichen Messe in der (frühgotischen) Kapelle zum Hl. Geist wird das Generalstudium eröffnet

19. Oktober 1386: Die Vorlesungen an der Universität Heidelberg beginnen. In der Theologie liest der Zisterzienser Reginald von Alna (Abtei Aulne, Bistum Lüttich) über den Titusbrief. In den Artes liberales lesen Marsilius von Inghen über die Logik des Aristoteles und Heilmann von Wunnenberg (Prag) über die Physik des Aristoteles.

17. November 1386: Wahl des Marsilius zum Rektor der Universität Heidelberg für zwei Amtsperioden. Er läßt das Universitätssiegel anfertigen. Magister und Scholaren beschließen die Anlage einer Matrikel.

8. Februar 1388: Rektor Marsilius läßt die bis dato eingekommenen Urkunden in einer eigens hierfür gekauften und in der Heiliggeistkirche deponierten Kiste unterbringen. (Der Vorgang gilt als Geburtsstunde des Archivs der Universität)

1389-1390: verantwortlich für den Transfer des Universitätsregisters nach Rom

Juni 1393: theologischer Bacchalar

November 1394: baccalarius formatus

Juni 1395-1396: beendet sein Theologiestudium mit dem ersten in Heidelberg erworbenen theologischen Doktorat

23. Juni bis zu seinem Tod: Rektor der Universität Heidelberg

20. August 1396: stirbt im Amte des Rektors (insgesamt 9 mal Rektor). Seine Bibliothek geht als Geschenk an die Artistenfakultät. (Heute sind noch 29 Codices aus seiner Sammlung erhalten)

23. August 1396: Leichenfeier für Marsilius im Chor der Heiliggeistkirche (Predigt: Nikolaus Prowin). Marsilius wird im Chor vor dem Hochaltar der Peterskirche begraben.

Im Jahre 1396, am 20. August, dem Tag des Heiligen Bernhard (von Clairvaux), starb der ehrwürdige Mann, Magister Marsilius von Inghen, Kanoniker und Thesaurar des St. Andreas-Stifts in Köln, der Gründer und Anheber dieser unserer Universität, ein hervorragender Doktor der Heiligen Theologie, der hier als erster promoviert worden ist. Er hat unserer Universität zahlreiche Handschriften theologischen und philosophischen Inhalts zusammen mit anderen Wertsachen vermacht. Er war Rektor und ist in der Peterskirche im Chor vor dem Hauptaltar begraben. Seine Seele ruhe in Frieden.“ (Rektor Johann van de Noet im Rektorenbuch der Universität Heidelberg)

2007: Gründung des Marsiliuskolleg (zur Förderung der interdisziplinären Forschung) an der Universität Heidelberg

16. Oktober 2011: Enthüllung der Gedenkplatte für Marsilius von Inghen (Peterskirche)



>Marsiliusplatz (Altstadt)

>Marsiliuskolleg an der Universität Heidelberg ("Center for Advanced Studies", gegründet 2007)


>Gedenkplatte für Marsilius von Inghen (Peterskirche, 2011)


>Marsilius-Arkaden (Im Neuenheimer Feld 130, im April 2016 eröffnet) http://www.conceptaplan.de/de/projekte-expose/Marsilius-Arkaden-Heidelberg/79776633



Literatur:

Dagmar Drüll, Art. Marsilius von Inghen, in: Drüll, Dagmar: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1386-1651. Berlin u.a. 2002, S. 373 f.

Reinhard Düchting, Jürgen Miethke, Annliese Seeliger-Zeiss, Dorothea Walz (Hg.), Marsilius Gedenken. Reden zur Feier anläßlich der Neuausgabe der Gedenkschrift 1499 zum einhundertsten Todestag des Marsilius von Inghen in der Peterskirche 16. September 2008. (Mattes). Heidelberg 2008

Mieczyslaw Markowski, Die Kenntnis d. Kommentars d. M.v.I. zu d. "Sentenzen" des Petrus Lombardus bei d. Krakauer Theologen d. Mittelalters, in: AnCra 29.1997, S. 53-64

Mieczyslaw Markowski., Die "Via Marsiliana" als d. einzige philos. Richtung an d. neugegründ. Univ. in Heidelberg, in: AnCra 35/2003, S. 35-46

Mieczyslaw Markowski, Art. Marsilius von Inghen, in: Verfasserlexikon 2 6. Berlin, New York 1987, Sp. 136-141

Jürgen Miethke, Marsillius von Inghen in Heidelberg, in: Reinhard Düchting, Jürgen Miethke, Annliese Seeliger-Zeiss, Dorothea Walz (Hg.), Marsilius Gedenken. Reden zur Feier anläßlich der Neuausgabe der Gedenkschrift 1499 zum einhundertsten Todestag des Marsilius von Inghen in der Peterskirche 16. September 2008. (Mattes). Heidelberg 2008

Renate Neumüllers-Klauser (Bearb.), Die Inschriften der Stadt und des Landkreises Heidelberg. (Die deutschen Inschriften, 12. Heidelberger Reihe, 4) Stuttgart 1970, S. 39f.

Georg Poensgen, Berühmte Lehrer der Heidelberger Universität aus den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens, I. Marsilius von Inghen, in: Ruperto Carola 6. Jg. Nr. 17, Juni 1955, S. 41-50

Prantl, Marsilius von Inghen, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20. Leipzig 1884, S. 441 https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Marsilius_von_Inghen

Karl Alexander von Reichlin-Meldegg, Geschichte der Universität Heidelberg, Band 1. Mannheim 1862

Gerhard Ritter, Studien zur Spätscholastik I. Marsilius von Inghen und die okkamistische Schule in Deutschland, in: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Klasse, Bd. XII, Jg. 1921

Rolf Schönberger, Art. Marsilius von Inghen, in: Neue Deutsche Biographie 16. Berlin 1990, 260f.

Aloys Schreiber, Heidelberg und seine Umgebungen. Heidelberg 1811 (Porträt von Marsilius als Titelblattvignette, et p. VII)

Manfred Schulze, Art. Marsilius von Inghen, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 16. Herzberg 1999, Sp. 988-1001

[Dorothea Walz, Reinhard Düchting (Hg.)], Marsilius von Inghen. Gedenkschrift 1499 zum einhundertsten Todestag des Gründungsrektors der Universität Heidelberg. (Lateinische Literatur im deutschen Südwesten, Bd. 1). Heidelberg 2008 http://www.marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de/md/einrichtungen/mk/historisches/miethke.pdf

http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak9/mlat/marsilius_von_inghen.html

http://www.marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de/historisches/marsilius.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Marsilius_von_Inghen

http://www.geschichtsquellen.de/repPers_118782169.html (Bayerische Akademie der Wissenschaften, Repertorium Geschichtsquellen des Deutschen Mittelalters)