Heidelberger Geschichtsverein

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Carl Goerdeler

*31. Juli 1884 Schneidemühl (Preußen, Provinz Posen, heute: Pila)

2. Februar 1945 Berlin-Plötzensee (hingerichtet) (Gedenkstein auf dem Bergfriedhof Heidelberg)

Jurist, Politiker, Bürgermeister

Vater: Julius Goerdeler, Amtsrichter

Mutter: Adelheid, geb. Roloff

Bruder: Fritz Goerdeler (1886-1945, in Berlin-Plötzensee hingerichtet)

Ehefrau: Anneliese Goerdeler, geb. Ulrich (1880-1961, lebt ab 1951 bei ihrer Tochter in Heidelberg)

Tochter: Marianne Meyer-Krahmer, geb. Goerdeler (* 17. Dezember 1919 Königsberg; † 7. Dezember 2011 Heidelberg, Historikerin, Lehrerin, Schriftstellerin)



1911: schließt seine juristischen Studien in Tübingen und Königsberg in Göttingen mit dem Assessorexamen ab

Heirat mit der Arzttochter Anneliese Ulrich (fünf Kinder)

1912: Erster Beigeordneter in der Kommunalverwaltung von Solingen

im Ersten Weltkrieg Offizier und Verwaltungsexperte in Weißrußland

1920: Zweiter Bürgermeister von Königsberg

Beitritt zur Deutschnationalen Volkspartei (DNVP)

1923: beteiligt sich an antiparlamentarischen Verfassungsplanungen Hans von Seeckts, Oberbefehlshaber der Reichswehr

1930: Oberbürgermeister von Leipzig

1931/32: Reichskommissar zur Überwachung der Preise

1933: lehnt den Beitritt zur NSDAP ab

1934: Berufung zum Reichspreiskommissar durch RK Hitler

1935: wird wegen seiner Bedenken gegen die Wirtschaftspolitik und seines Widerspruchs gegen die Autarkieforderung von RK Hitler als Reichspreiskommissar entlassen

1937: tritt als Leipziger Oberbürgermeister aus Protest gegen die Entfernung des Leipziger Denkmals für Felix Mendelssohn Bartholdy zurück

1937-1939: unternimmt unter der Protektion der Industriellen Robert Bosch und Gustav Krupp zahlreiche Auslandsreisen. Während dieser Zeit versucht er mit Berichten an Hermann Göring, auf die Gefahr des außenpolitischen Kurses des Deutschen Reichs hinzuweisen.

1939: kehrt nach Deutschland zurück und wird gemeinsam mit Ludwig Beck, zu dem er seit 1935 Kontakt hat, zum führenden Vertreter des konservativen Widerstands gegen Hitler

Februar 1940: beteiligt sich an den Planungen der Gruppe um Ulrich von Hassel für einen Staatsstreich zur Ausschaltung Hitlers

Juli 1940: warnt in einer Denkschrift, daß trotz des Sieges über Frankreich eine dauerhafte neue europäische Ordnung unter dem "politischen Terror" des NS-Regimes nicht möglich sei

[14. August 1941: US-Präsident F. D. Roosevelt und Premierminister Winston Churchill unterzeichnen auf dem britischen Schlachtschiff „Prince of Wales“ in der Placentia-Bucht vor Neufundland die Atlantik-Charta]

1942: fordert in einem Flugblatt zur Atlantik-Charta der Westalliierten eine Restauration des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1914 und spricht sich für eine neue staatliche Verfassung in Deutschland mit Stärkung der Gemeindeverwaltung sowie für eine internationale Völkervereinigung aus

1943: versucht mit Flugblättern und Denkschriften eine Verständigung mit den Westmächten vorzubereiten. Dabei nutzt er auch seine zahlreichen Kontakte im Ausland, wo er Unterstützung für einen Putsch gegen Hitler zu finden hofft. Zusammen mit Vertretern der Wehrmachtsführung arbeitet er auf eine Gelegenheit zum Staatsstreich hin.

1944: entwirft mit Generalmajor Henning von Tresckow und Ludwig Beck Planungen für eine Regierung nach dem Sturz des NS-Regimes. Goerdeler selbst ist dabei als Regierungschef vorgesehen.

18. Juli 1944: flieht nach Westpreußen

12. August 1944: wird nach Denunziation bei Marienwerder/Ostpreußen in einem Gasthof erkannt und festgenommen

8. September 1944: wird vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt

2. Februar 1945: wird auf Drängen des Reichsjustizministers Otto Georg Thierack (1889-1946) in Berlin-Plötzensee hingerichtet

Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoerdelerCarlFriedrich/



> Gedenksteine für die Widerstandskämpfer Carl Goerdeler und Fritz Goerdeler auf dem Bergfriedhof in Heidelberg (Familiengrabstätte Goerdeler, Lit. P)



Literatur:

Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein e. V., Nr. 14 (2010), S. 112f.

Helga Schubert, Judasfrauen. Zehn Fallgeschichten weiblicher Denunziation im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1990 file:///C:/Users/hansj/Downloads/10.1515_fs-1992-0112.pdf https://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Literatur_Biographien.php?id=1421088

Erwin Kiefer, Grabinschriften im Heidelberger Bergfriedhof. Eine epigraphische Studie. Heidelberg 1966, S. 7

Marianne Meyer-Krahmer, Carl Goerdeler und sein Weg in den Widerstand. Eine Reise in die Welt meines Vaters. Freiburg im Breisgau 1989

Leena Ruuskanen, Der Heidelberger Bergfriedhof. Kulturgeschichte und Grabkultur. Ausgewählte Grabstätten. Heidelberg 1992, S. 209f.