Heidelberger Geschichtsverein e.V.           HGV

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Johannes Drändorf (Johann von Drändorf, de Draindorff, Draendorff, de Slevin, von Schlieben)

*um 1390 Schlieben bei Wittenberg

†17. Februar 1425 Heidelberg

Theologe, Hussit

besucht die Kreuzschule in Dresden

stud. in Wittenberg

folgt seinem Lehrer Peter von Dresden, der wegen Verbreitung waldensischer oder wiclifitischer Ketzereien flüchten muß, nach Prag, um dort seine Studien fortzusetzen

18. Januar 1409: mit dem Kuttenberger Dekret (Dekret Kutnohorský) verändert der böhmische König Václav IV. das Stimmenverhältnis in den Gremien der Karls-Universität in Prag. Hatten seit der Gründung 1348 die Nationes der Böhmen, Bayern, Sachsen, Polen je eine Stimme, so bekommen nun die Böhmen drei Stimmen zugeteilt, während die anderen zusammen nur eine erhalten. König Václav führt an, dass (bisher) „die deutsche Natio, die überhaupt keine Bürgerrechte im böhmischen Königreich hat, in verschiedenen Angelegenheiten der Hochschullehre in Prag drei Stimmen ausüben kann...“ und „...dass das böhmische Volk des Königreichs rechtlicher Erbe, sich freuen darf über die Ausübung einer Stimme…“. Er befiehlt dann, den Böhmen als einheimischer Völkergruppe drei Stimmen zuzusprechen, und den Ausländern (Deutschen) nur eine. Damit soll der Einfluss der Ausländer eingegrenzt werden. Václav IV. will sich so die Unterstützung der Universität sichern, um beim Konzil von Pisa möglichst die Kaiserschaft von Ruprecht von der Pfalz zurückzuerlangen. An diesem Dekret ist auch maßgeblich der böhmische Reformator Hieronymus von Prag beteiligt. Infolgedessen verlassen viele ausländische Gelehrte (80 % des akademischen Personals) und Studenten, vor allem Deutsche, die Universität. Etliche von ihnen gehen nach Leipzig, wo sie die dortige Universität (Artistenfakultät) gründen. So verliert die Karlsuniversität ihre bisherige Bedeutung in Europa.

um 1417: Priesterweihe

wirkt drei Jahre in Prag, danach in Neuenhaus (Südböhmen) als Prediger

entschließt sich zur Nachfolge des Lebens Christi im Sinn der Waldenser

geht nach Südwestdeutschland

verbindet sich in Speyer mit dem Schulrektor Peter Turnow (Turnau). Beide treten in Speyer, Heilbronn und Wimpfen gegen die klerikale Hierarchie auf.

Drändorf nimmt Verbindung mit den mit Reichsacht und Interdikt belegten Weinsbergern auf

Januar 1425: Drändorf wird in Heilbronn auf Veranlassung des Pfalzgrafen Ludwig gefangengesetzt. Auf dessen Antrag verfügt der Bischof von Würzburg Drändorfs Überführung nach Heidelberg und seine Aburteilung durch den Bischof von Worms und mehrere Heidelberger Professoren (Johannes von Frankfurt, Nikolaus Magni, Konrad von Soest, Job Vener). Er bekennt sich als Anhänger der utraquistischen Lehre und wird zum Tode verurteilt.

17. Februar 1425: wird wegen angeblicher Verbindung zu den Hussiten nach Verhör und Folter vor den Toren Heidelbergs verbrannt

Literatur:

H. Butte, Geschichte Dresdens bis zur Reformation. Köln u.a. 1967

Hermann Heimpel (Hg.), Drei Inquisitions-Verfahren aus dem Jahre 1425. Akten der Prozesse gegen die deutschen Hussiten Johannes Drändorf und Peter Turnau sowie gegen Drändorfs Diener Martin Borchard. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 24). (Hg. u. erl. von Hermann Heimpel) (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte ; 24). Göttingen 1969 [69 B 677]

H. Heimpel, Die Vener von Gmünd und Straßburg 1162-1447. Göttingen 1982

F. Machilek, Deutsche Hussiten, in: F. Seibt (Hg.), Jan Hus. München 1997, S. 267-282

Sächsische Biografie; Probeheft; Hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. Leipzig 2003 http://saebi.isgv.de/biografie/Johannes_Dr%C3%A4ndorf_(1390-1425)

K.-V. Selge, Heidelberger Ketzerprozesse in der Frühzeit der hussitischen Revolution, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 82/1971, S. 167-202

F. Smahel, Die Hussitische Revolution. Hannover 2002

ADB 5, S. 373

DBA I, II, III

DBE 2, S. 606

NDB 4, S. 96

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 1, Hamm 1990, Sp. 1376f. http://www.bautz.de/bbkl/d/draendorf_j.shtml

Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München u.a. 1991, Sp. 570.