Heidelberger Geschichtsverein e.V.

Herakles/Herkules

Sohn des Zeus und der Alkmene, Ideal männlicher Kraft und Tugend. Er erwürgte in der Wiege die von seiner Feindin Hera gesandten Schlangen. Verrichtete später im Dienst des Eurystheus zwölf Arbeiten (darunter der Auftrag, das Fell des >Nemëischen Löwen zu bringen und die Äpfel der >Hesperiden zu rauben). Dafür wurde ihm Unsterblichkeit verheißen. Herakles bestand während seines irdischen Lebens noch viele weitere Abenteuer (u.a. tötete er den Adler, welcher Prometheus die Leber abfraß).

Die zwölf Arbeiten des Herakles


1. Erlegung des Nemeischen Löwen: Er schnürte ihm die Kehle zu, bis der Löwe erstickte. Dessen Fell trug er von nun an – es machte ihn nahezu unverwundbar.


2. Tötung der neunköpfigen Hydra (Lernäischen Schlange): Er brannte jeden der enthaupteten Hälse aus, sodass keine neuen Köpfe mehr nachwachsen konnten. Den Rumpf der Hydra spaltete er in zwei Teile; in ihr Gift tauchte er seine Pfeile, die seitdem unheilbare, tödliche Wunden schlugen.


3. Einfangen der Kerynitischen Hirschkuh: Er jagte sie ein ganzes Jahr lang, bis er sie endlich einfing – entweder mit einem Netz, das er über die schlafende Hindin warf, oder indem er ihre beiden Vorderläufe mit einem Pfeil durchschoss und sie somit fesselte.


4. Einfangen des Erymanthischen Ebers: Er trieb ihn aus dem Wald in ein Schneefeld hinein. Der Eber ermüdete rasch.


5. Ausmisten der Rinderställe des Augias: Da dies eine entehrende Arbeit war, musste Herakles hier einen besonderen Weg wählen, nämlich zwei nahegelegene Flüsse (Alpheios und Peneios) durch den Stall leiten.


6. Vertreibung der Stymphalischen Vögel: Er bekam von Athene zwei große metallene Klappern. Mit deren Hilfe konnte er die Vögel aufscheuchen und einzeln mit seinen vergifteten Pfeilen töten.


7. Einfangen des Kretischen Stiers: Herakles bändigte den Stier und brachte ihn zu Eurystheus, zeigte ihn ihm und ließ den Stier sogleich frei.


8. Zähmung der menschenfressenden Rosse des Diomedes: Er warf ihnen zuerst Diomedes selbst zum Fraß vor. Nachdem sie ihren Gebieter aufgefressen hatten, konnte Herakles sie gezähmt in Richtung Meer führen.


9. Herbeischaffung des Gürtels der Amazonenkönigin Hippolyte: Hippolyte übergab ihm den Gürtel freiwillig. Aufgrund einer Intrige durch Hera kam es schließlich doch zum Kampf, Herakles tötete Hippolyte und kehrte nach Griechenland zurück.


10. Raub der Rinderherde des Riesen Geryon: Geryon forderte Herakles zum Kampf heraus. Herakles tötete ihn mit einem Giftpfeil. Hera, die zur Unterstützung des Geryon gekommen war, wurde von Herakles ebenfalls verwundet und in die Flucht geschlagen.


11. Pflücken der goldenen Äpfel der Hesperiden: Dafür musste er bis zu den Säulen des Herakles gehen. Durch eine List bewog er Atlas, den Vater der Hesperiden, ihm die Äpfel zu pflücken.


12. Heraufbringen des Wachhundes der Unterwelt, Kerberos, an die Oberwelt: Hades erlaubt Herakles, den Hund zeitweise aus der Unterwelt zu entfernen. Herakles ringt ihn ohne Waffen nieder und bringt ihn zu Eurystheus.




Um Heilung von einer schweren Krankheit zu erlangen, die er sich durch den Mord an Iphitos zugezogen hatte, verkaufte er sich aufgrund eines Orakelspruchs an die Lydierkönigin Omphalos für drei Jahre als Sklave.

Er heiratete Deianeira, Tochter des Oineus. Diese sandte ihm, um sich seiner Liebe zu versichern, auf den Rat des Nessos ein vergiftetes Gewand. Von Schmerzen gepeinigt, verbrannte er sich selbst auf dem Berg Oite.

Zum Olymp entrückt, versöhnt er sich mit Hera und wird mit Hebe vermählt.



Dargestellt als Mann von großer Körperkraft. (Beschützer der Gymnastik). Symbolisiert Autorität und Kraft des monarchischen Herrschers.

Torso von Belvedere (1. Jahrhundert v. Chr.) (fraglich, ob es sich um H. handelt)

Farnesischer Herakles in Neapel

Herkulesfigur auf der Säule des Marktbrunnens in Heidelberg von Heinrich Charrasky (um 1705; Original im Kurpfälzischen Museum, 1898 wird die Figur durch eine Kopie von Georg Heß ersetzt, 1953 wird die dritte Herkules-Figur auf der Säule des Marktbrunnens errichtet (Bildhauer: Franz Bergner, Kirchheim); vgl. Derwein 1940 Nr. 312)

Herkulesfigur am Erdgeschoß des Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses mit Josua, Simson und David, auf die Keule gestützt, unter der ein Eberkopf hervorsieht („Joviß sun Herculeß / bin Ich genandt. Durch mein herliche / thaten wol bekandt.“)

Herakles, Trauerspiel von Euripides (421/415 v. Chr.)

Oratorium von Händel (1744)



Literatur:

Herbert Derwein, Die Flurnamen von Heidelberg. Straßen/Plätze/Feld/Wald. Eine Stadtgeschichte. Heidelberg 1940, Nr. 312

Hanns Hubach, Kurfürst Ottheinrich als Hercules Palatinus. Vorbemerkungen zur Ikonographie des Figurenzyklus an der Fassade des Ottheinrichbaus im Heidelberger Schloß, in: Pfalzgraf Ottheinrich. Politik, Kunst und Wissenschaft im 16. Jahrhundert, hg. v. der Stadt Neuburg a. d. Donau, Regensburg 2002, S. 231-248

Karl Lohmeyer, Adam Breunig. Ein Heidelberger Meister des Barocks. (Sonderdruck aus der Heidelberger Zeitung). Heidelberg 1911

Karl Lohmeyer, Das barocke Heidelberg und seine Meister. Sonderdruck aus dem Heidelberger Stadtbuch 1927, S. 21

Hans-Martin Mumm, Tore, Türme, Tiere, Tafeln. Gestaltungen und Zeichen städtischer Selbstdarstellung. Zur Vor- und Frühgeschichte des Stadtmarketings, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. 12 (2008), S. 191ff.

Helmut Prückner, Der Herkulesbrunnen auf dem Marktplatz, in: Heidelberger Altstadtbrunnen. Mit Beiträgen von Gertrud P. Fels, Jochen Goetze, Frieder Hepp, Eva Hofmann, Helmut Prückner und Peter Anselm Riedl (Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg, Sonderveröffentlichung 7. Im Auftrag der Stadt Heidelberg hg. von Peter Blum) Heidelberg 1996, S. 38ff. (dort weitere Literaturangaben)