Heidelberger Geschichtsverein e.V. HGV

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Friedrich I., Kurfürst von der Pfalz "der Siegreiche" ("Pfälzer Fritz")

*1. 8. 1425 Heidelberg

†12. 12. 1476 Heidelberg

Vater: Ludwig III., Kurfürst von der Pfalz (1378-1436)

Mutter: Mathilde von Savoyen-Piemont (Mechthild von Savoyen, †14. Mai 1438)

Bruder: Kurfürst Ludwig IV.

Regiert vom 13. August 1449 als Vormund seines Neffen, Kurfürst Ludwigs unmündigen Sohn Philipp (*14. 7. 1448)

1451: adoptiert sein Mündel Philipp. Zur Sicherung von dessen Erbrecht gelobt Friedrich, sich nicht zu verehelichen und keine Nachkommen zu zeugen (später entbindet ihn Philipp von dem Versprechen). Friedrich regiert vom 6. September 1451 an als Kurfürst (mit Zustimmung der pfälzischen Landstände, "Arrogation") bis zu seinem Tode. Kaiser Friedrich III. stimmt der Thronfolgeregelung nicht zu.

29. Mai 1452: Friedrich I. erläßt eine Reform der Universitätsstatuten

1452: Einverleibung der Grafschaft Lützelstein

1454: Unterwerfung der Oberpfalz

1455: militärisch erzwungene Anerkennung der kurpfälzischen Lehnshoheit über Herzog Ludwig von Veldenz

1459: Friedrich trifft Klara Dett (Tott), Bürgertochter aus Augsburg, Sängerin, am bayerischen Hof in München. Er geht mit ihr eine illegitime Verbindung ein. Sein ältester Sohn Friedrich (mit Klara Dett) wird geboren.

April 1460: Dossenheim und Handschuhsheim werden im Krieg Friedrichs I. gegen Erzbischof von Mainz niedergebrannt, die Schauenburg geschleift.

4. Juli 1460: Kurfürst Friedrich schlägt bei Pfeddersheim das Heer des Mainzer Erzbischofs Dieter von Isenburg, des Pfalzgrafen Ludwig von Zweibrücken-Veldenz, des Landgrafen von Hessen und der Grafen von Leiningen und Graf Ulrich V. von Württemberg

1461: Lorsch wird an Kurpfalz verpfändet

1462: Krieg Württembergs, Badens und des Bistums Metz gegen die Pfalz. Graf Ulrich V. von Württemberg, Markgraf Karl von Baden und Bischof Georg von Metz verwüsten pfälzische Orte, darunter Kirchheim. Kurfürst Friedrich I. verlegt ihnen den Rückzug und schlägt sie am 30. Juni 1462 in der Schlacht bei Seckenheim ("Heut Pfalzgraf oder nie")

1463: Wahl seines jüngeren Bruders Ruprecht zum Erzbischof von Köln

29. September 1463: Geburt des (zweiten) Sohnes Ludwig (mit Klara Dett) (Graf Ludwig von Löwenstein, Stammvater der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim)

[1467: Fehdeverbot im Zusammenhang mit der Bedrohung des Reiches durch die Türken auf dem Reichstag in Nürnberg]

1472: morgantische Ehe mit Klara Dett (Tettin), Tochter des Christoph Dett (Tett) aus Augsburg, Hoffräulein am Herzogshof München.

1473: Bligger XIV. Landschad von Steinach wird oberster Hofbeamter Friedrichs des Siegreichen

1473: Diether V. von Handschuhsheim wird Vormund des ältesten Sohnes Friedrichs des Siegreichen und der Klara Dett (?)

1473: Alexander Bellendörfer tritt in kurpfälzische Dienste und wird Vormund der Söhne Friedrich des Siegreichen und der Klara Dett

27. Mai 1474: Reichstag zu Augsburg: das kaiserliche Hofgericht erklärt Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz (wegen der Weißenburger Fehde) in die Reichsacht

16. Oktober 1474: sein ältester Sohn Friedrich stirbt (*1459, in der Franziskanerkirche begraben)

1476: Friedrich wird im Büßergewand in einer separaten Grabkapelle mit Krypta in der Franziskanerkirche Heidelberg (Barfüßerkloster) beigesetzt

nach 1488: sein Sohn Ludwig errichtet seinem Vater in der Franziskanerkirche ein Epitaph

1696: Friedrich wird in die Kapuzinerkirche umgebettet

1809: Friedrich wird in die Jesuitenkirche umgebettet

8. September 2013 bis 2. März 2014: Die Grablegen der Wittelsbacher in Heidelberg (Kurpfälzisches Museum, Sonderausstellung  und Enthüllung der Gedenktafel für Friedrich I. in der Jesuitenkirche Heidelberg)

> Darstellung am Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses (Bildhauer: Sebastian Götz aus Chur, 1575-1621?)



Literatur:

R. Becksmann, Die mittelalterliche Glasmalerei in Schwaben von 1350−1530 ohne Ulm (Corpus Vitrearum Medii Aevi I, 2), Berlin 1986, S. XXXIIIf., 9f. u. Abb. I

Johann Friedrich Böhmer, Regesta Imperii XIV. Ausgewählte Regesten des Kaiserreiches unter Maximilian I. 1493-1519. Bd. 1: 1493-1495. Köln [u.a.] 1990-1993

Wolfgang Borgmeyer, "Heut zu Tag Kurfürst oder nicht mehr!" "Friedrich der Siegreiche" und seine Kämpfe um die Pfalz, in: Hierzuland 1/2003, S. 9-17

Albert Carlebach, Das Mahl zu Heidelberg, in: Mannheimer Geschichtsblätter, V, S, 195ff.

Josef Durm, Der Antheil des Bildhauers Sebastian Götz aus Chur an der Hoffacade des Friedrichbaus, in: Heidelberger Schlossverein (Hg.), Mitteilungen zur Geschichte des Heidelberger Schlosses, 4.1903

Franz Fuchs, Pirmin Spieß (Hgg.), Friedrich der Siegreiche (1425−1476). Kurfürst von der Pfalz. Beiträge zur Erforschung eines spätmittelalterlichen Landesfürsten (Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung Reihe B, Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz 17), Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung. Neustadt an der Weinstraße 2016


Thorsten Huthwelker, Tod und Grablege der Pfalzgrafen bei Rhein im Spätmittelalter (1327-1508). (Heidelberger Veröffentlichungen zur Landesgeschichte und Landeskunde, 14). Heidelberg 2009 [2009 A 9954] - Rez.: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. 15/2011, S. 280f.

Sascha Köhl, Der Heidelberger Hof zur Zeit Friedrichs des Siegreichen, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. X (2005/2006), S. 9ff.

C. Kremer, Geschichte des Kurfürsten Friedrich des Ersten von der Pfalz in sechs Büchern mit Urkunden. Frankfurt und Leipzig 1764/65

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Carla Meyer, Im Schatten eines siegreichen Nachbarn? Die Württemberger und Friedrich I. von der Pfalz, in: Friedrich der Siegreiche (1425-1476). Beiträge zur Erforschung eines spätmittelalterlichen Landesfürsten, hg. von Franz Fuchs/Pirmin Spiess. Neustadt an der Weinstraße 2016, S. 141-173


Wolfgang von Moers-Messmer, Schicksale und Identifikationsversuch der Gebeine Friedrichs l. (des Siegreichen) von der Pfalz. Ein Beitrag zum Problem der Kurfürstenbestattungen in Heidelberg, in: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, Band 8. Stuttgart 1983, S. 185-214

Renate Neumüllers-Klauser (Bearb.), Die Inschriften der Stadt und des Landkreises Heidelberg. (Die deutschen Inschriften, 12. Heidelberger Reihe, 4) Stuttgart 1970, Nr. 114, 120, 121

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[Volker Rödel (Red.)] , Der Griff nach der Krone. Die Pfalzgrafschaft bei Rhein im Mittelalter. Begleitpublikation zur Ausstellung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und des Generallandesarchivs Karlsruhe, Red.: Volker Rödel (Schätze aus unseren Schlössern 4),.Regensburg 2000

Martin Stolzenau, Erfolgreicher Gegenspieler des Kaisers. Der in Heidelberg geborene Friedrich I. war der zweite Sohn Ludwigs III., des Kurfürsten von der Pfalz, in: Rhein-Neckar-Zeitung, 18. 12. 2001

Alfred E. Wolfert, Die Wappen aus dem Lehenbuch des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz - 1471, in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften, Band IV. Breuberg-Neustadt 1986




Weblinks:

http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/nachruh.htm (Nachruhm. Überlegungen zur fürstlichen Erinnerungskultur im deutschen Spätmittelalter von Klaus Graf 2001. Reprint des Beitrags zum Tagungsband der Tagung Principes, Greifswald 2000)

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/km/kdm/okt01b.htm (Kurpfälzisches Museum Heidelberg, Das Kunstwerk des Monats, Oktober 2001, Sammlungsblatt, Marmorrelief eines Totengerippes)


https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/pfalz/glanz/victrix3.htm