Heidelberger Geschichtsverein e.V. HGV

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Namen einiger mittelalterlicher Gaue

Gau (ahd. gouwe, gouwi „Landstrich“) ist die Bezeichnung für einen landschaftlich geschlossenen Siedlungsraum der Germanen. Etymologie umstritten. Dafür, daß das Wort „Gau“ schon in germanischer Zeit einer Verwaltungsgliederung entsprochen hätte, gibt es keine Hinweise, es dürfte sich um eine Fehldeutung der historischen Forschung des 18. und 19. Jahrhunderts handeln.

Karl der Große etablierte nach der Niederwerfung der einheimischen Bevölkerung des Südostens seines Reiches dort das Grafschaftsprinzip. Der neue Zentralherrscher setzte Grafen als seine Stellvertreter vor Ort ein. Im Fränkischen Reich bezeichnete der comitatus im Wesentlichen den Amtsbezirk eines Grafen (comes, grafio), des so genannten Gaugrafen. Dieser war gleichzeitig oberster Richter und Führer eines Heerbanns. Dem Gau zugeordnet waren Zentmarken oder Hundertschaften, die oft durch Zentgrafen verwaltet wurden. Im Zent(grafen)gericht fungierten diese als Schöffen.

Auch die lateinische Bezeichnung pagus, die spätestens mit der Spätantike zu einem festen Bestandteil der römischen Regionalverwaltung geworden ist, wird traditionell mit „Gau“ wiedergegeben. Diese Gleichsetzung geht bereits auf die merowingisch-fränkische Verwaltungspraxis zurück.



Alamannengau (pagus Alemannorum; Orte um Freudenstadt, Münsingen, Eßlingen, Kirchheim u.T., Horb, Rottenburg, Tübingen, Nagold)

Angelgau, Anglachgau (Gau am Angelbach zwischen Bruchsal und Schwetzingen)

Elsaß, Elsenzgowe

Elsenzgau, Elsenzgowe (Gau südlich des unteren Neckar, südöstlich des Lobdengau, mit Bergheim, Neuenheim, Heidelberg, Sinsheim, Gemmingen, Eppingen, Odenheim, Neckarzimmern, Nußloch)

Enzgau (Nordwürttemberg, an der Enz)

Gartachgau (Nordwürttemberg, an Gartach/Leinbach)

Kraichgau (Hügellandschaft zwischen dem Schwarzwald im Süden, dem Odenwald im Norden, der Rheinebene im Westen und dem Neckar bei Heilbronn im Osten. Namensgeber dieser Landschaft ist der Kraichbach, der bei Sternenfels entspringt und in der Nähe von Ketsch in den Rhein mündet . Die Grenzen des Kraichgaus sind stark fließend. Die Bezeichnung Kraichgau für das heutige Gesamtgebiet ist neuzeitlichen Ursprungs. Ursprünglich beschränkte sich der Name auf den Teil des Kraichgaues, der zum Einzugsgebiet des Kraichbaches gehörte, teilweise auch auf Orte an Waldangelbach und Saalbach. Orte im Gebiet des Leimbaches wurden zum Lobdengau gerechnet, für das Einzugsgebiet des Saalbaches wurde auch der Begriff Salzgau verwendet. Die Bezeichnung Kraichgau hat sich im Laufe der Zeit als Oberbegriff für die früheren Kleingaue Elsenzgau, Neckargau, Gartachgau, Zabergäu, Pfinzgau, Anglachgau und Salzgau herausgebildet. Im Lorscher Codex wird der Kraichgau zum ersten Mal urkundlich als Creichgowe (769) erwähnt. Der Name Kraich soll auf das keltische Wort Creuch für „Schlamm, Lehm“ zurückgehen.) http://de.wikipedia.org/wiki/Kraichgau Literatur zum Kraichgau

Lobdengau, Ladengau (pagus Lobodunensis; 636 erstmals erwähnt, Gau mit der Hauptstadt Ladenburg mit Neuenheim, Handschuhsheim, Dossenheim, Weinheim, Mannheim, Schar). Grenzen: im W: Rhein, im O: Odenwald, im N: Weinheim und Birkenauer Tal, im S: Schwarzach. Um 628 erstmals erwähnt (König Dagobert I. schenkt die Stadt Ladenburg und den Lobdengau dem Bistum Worms). 1011 verleiht Heinrich II. den Bischöfen von Worms die Grafschaft im Lobdengau.

Maingau (westlich des Rheingau, nördlich des Lobdengau)

Nahegau (Grafschaft, die den Einzugsbereich der Nahe und weite Teile des heutigen Rheinhessens umfasste, nachdem es gelungen war, den engeren Bereich, der nicht bis an den Rhein reichte, im 10. Jahrhundert zu Lasten des Wormsgaus zu erweitern. Erwerbungen waren unter anderem Ingelheim 937, Spiesheim 960, Saulheim 973 und Flonheim 996, bis nach Abschluss der Ausdehnung die Selz die Südgrenze und die Grenze zum Wormsgau darstellte. Der Nahegau zählte zu den zentralen Besitzungen der Salier, denen ab der Mitte des 11. Jahrhunderts die Emichonen folgten, die ihren Besitz später zur Grafschaft Leiningen umformen konnten. (Kreuznach, Stahleck, Bacharach)

Neckargau (Orte um Gundelsheim, Mosbach, Neckarsulm, Kirchheim u.T., Winpfen, Weilheim)

Oberrheingau (pagus rhenensis; rechtsrheinischer Gau mit Lorsch, Bürstadt, Biblis, Rohrheim, Pfungstadt, Heppenheim, Tribur). Im frühen Mittelalter war der Oberrheingau die zentrale Machtbasis der Robertiner, auf die auch die Gründung des Kloster Lorsch zurückgeht. Westlich grenzen der Wormsgau und der Speyergau an. Östlich erstreckt sich der Maingau, nördlich liegen im Westen der Rheingau und im Osten der Niddagau. Die südliche Grenze zwischen Oberrheingau und Lobdengau ist im Lorscher Wald noch zu erkennen („Lampertheimer Gescheid“).

Ortenau (auch Mortenau, Mittelbaden)

Pfinzgau (an der Pfinz östlich von Karlsruhe)

Speyergau (pagus Spirensis; linksrheinischer Gau mit Speyer, Mutterstadt, Dürkheim, Landau, Edenkoben, Altrip, Weißenburg. Zählt zu den zentralen Besitzungen der Salier)

Wasgau (südlich des Speyergau, mit Annweiler, Trifels, Germersheim, Klingenmünster, Bergzabern)

Wingarteiba (Gau zwischen der unteren Jagst und dem Odenwald, mit Buchen, Dallau, Hartheim, Mosbach)

Wonnegau (um Worms)

Wormsgau, Wormsfeld (pagus Wormatiensis; Gau mit Worms, Frankenthal, Grünstadt, Bingen, Kreuznach, Alzey, Oppenheim, Ingelheim)

Zabergäu (Nordwürttemberg an der Zaber)



Literatur:

Jürgen Finger, Gau (neuzeitliche Begriffsgeschichte), in: Historisches Lexikon Bayerns. 2008)

Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, 7. Lieferung, IV.9: Die mittelalterlichen Gaue, 2000, 1 Kartenblatt, 1 Beiheft, bearbeitet von Thomas Bauer

S. Rietschel, Gau, in: K. Hoops, Reallexikon der germanischen Altertumskunde 2, 1913/15, S. 124-126

Walther Schultze, Die fränkischen Gaue Badens. 1896

http://de.wikipedia.org/wiki/Gau