Heidelberger Geschichtsverein e.V. HGV
Sachlexikon zur Geschichte
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Aaroniten
Priesternachkommen Aarons, des ersten Hohepriesters. Nur die Nachkommen der Familie Aarons aus dem Stamm Levi hatten die Vollmacht, den Dienst in der Stiftshütte (später im Tempel) zu vollziehen (Ex. 28,1).
Abendmahlsstreit
Konflikt zwischen den Reformatoren Luther und Zwingli sowie ihren Anhängern um das Sakramentsverständnis des Abendmahls. Luther sah im Abendmahl das tiefste Erlebnis der sichtbar gewordenen Gnade Gottes. In, mit und unter Brot und Wein werde der wahre Leib und das wahre Blut Christi ausgeteilt und mit dem Mund empfangen. Zwingli sah im Abendmahl allein eine symbolhafte Kraft, die lediglich die Erinnerung an den Auferstandenen wecken sollte. In ähnlicher Weise lehrte Jean Cauvin, daß Christus während des Abendmahls geistig, aber nicht materiell anwesend sei. Gemeinsam abgelehnter Ausgangspunkt aller drei Abendmahlsauffassungen war die katholische Lehre der Transsubstantiation, nach der Wein und Brot sich während der Abendmahlsfeier tatsächlich und dauerhaft in Blut und Fleisch Jesu verwandeln. 1536 erzielte Martin Bucer im Abendmahlsstreit einen Konsens mit Martin Luther, der in der "Wittenberger Konkordie" seinen Niederschlag fand. Die Oberdeutschen schlossen sich beim Abendmahl der lutherischen Sicht an.
Abderit
(nach den Bewohnern der griechischen Stadt Abdera) einfältiger Mensch, Schildbürger
Abweisstein
vgl. Bauordnung der Stadt Heidelberg, genehmigt mit Reg.-Erlaß vom 3. Januar 1862, Nr. 65. Heidelberg 1862, IV, Satz 62
Abnoba (silva Abnoba, Abnoba mons)
Römischer Name des (Nord-)Schwarzwald (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 51ff.)
Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae vgl. Akademie der Wissenschaften, kurpfälzische
Academia Rupertina vgl. Ruperta
Accis vgl. Akzise
Accoucheur
(frz.) Geburtshelfer
Acta eruditorum
(lat.) „Gelehrten-Abhandlungen“. Titel der ersten deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift, erschienen 1682-1782
ADB
Allgemeine Deutsche Biographie. München-Leipzig 1875-1912
Adel
(lat. nobilitas) die in feudalen Ständeordnungen privilegierte, herrschende soziale Schicht, gegründet auf Geburt, Besitz, Zuerkennung und gelegentlich auf Leistung, meist mit besonderen Lebensformen und nach eigener Einschätzung hoch entwickeltem Standesethos. (vgl. edelfrei)
Ädikula
giebelbekrönte Rahmung von Tür, Fenster etc.
Adiaphora
(gr. “Nichtunterschiedenes“) Belanglosigkeiten, Gleichgültiges
Adjoint
(frz.) Beigeordneter
Adler
Wappentier, vgl. Derwein 1940, S. 30, 293
Administration vgl. Geistliche Administration
Administrations-Renovator
Kontrolleur der Güterverwaltung der kurpfälzischen geistlichen Administration. Dieser hatte die Abgaben von den Untertanen einzutreiben. („verkauft Herrn Friderich Martin Kerrmann Churpfallz geistl: administrations=renovatori, und Regnungs revisori“ 22. 5. 1712, CB Bd.11, S.667)
Adorate
3. Sonntag nach Epiphanias
Affe
in Indien und Ägypten heiliges Tier, in Palästina, Griechenland und Rom als Haustier gehalten. Der lüsterne, listige, neugierige und wachsame Affe ist im Schiff der Kathedrale von Bayeux, auf Säulenbasen in St. Gilles-du-Gard und auch sonst häufig in der Romanik und Gotik zu sehen (Kathedralen von Paris, Chartres, Amiens). Er steht für Lüsternheit, Geiz und übelwollende List, kann auch den überwundenen Teufel bedeuten. (Affe auf dem Isenheimer Altar des Mathis Nithart genannt Grünewald; Albrecht Dürer, Maria mit der Meerkatze, Kupferstich um 1498). Auf dem Türsturz des Portals der großen Grotte des Hortus Palatinus saß eine Meerkatze. Der Affe ist eines von drei Wappentieren Heidelbergs. (vgl. Hans-Martin Mumm, Tore, Türme, Tiere, Tafeln. Gestaltungen und Zeichen städtischer Selbstdarstellung. Zur Vor- und Frühgeschichte des Stadtmarketings, S. 188-191) (vgl. >Brückenaffe)
Affidavit
(lat.) Eidesversicherung
Affolter
Apfelbaum
A-Fraktion
Bei der "Generaldebatte" der Heidelberger politischen Linken in der Aula des Studentenwohnheims am Klausenpfad am 21./22. November 1970 spaltete sich diese in "A-Fraktion" und "B-Fraktion". Aus der "A-Fraktion" entstand u.a. am 10. Juli 1971 der Sozialistische Heidelberger Studentenbund.
Aggada, Haggada
(hebr.) bezeichnet alle nicht-juristischen rabbinischen Texte (vgl. Midrásch, Halacha)
Ägis, Aigis, Ägide
(gr.) der von Hephaistos geschmiedete schreckenerregende Schild des Zeus, auch Attribut der >Athene und Symbol der schirmenden Obhut der Götter; daher bildlich für Schirm, Schutz (cf. "unter jemandes Ägide stehen")
Agnat
männlicher Blutsverwandter, Verwandter im Mannesstamm, Lehnsvetter; Gegensatz: Kognat
Agnostizismus
Lehre von der Unerkennbarkeit des Seins, der Wahrheit und der Wirklichkeit
Agraffe
(frz.) Spange, Klammer
agrámmatos
(gr.) „nicht schreiben könnend, ungeschult, ungebildet“
Agri decumani
vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 62ff. (vgl. >Decumates agri)
Akademie der Wissenschaften, kurpfälzische
Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae, 1763 von Kurfürst Carl Theodor gestiftet (Präsident: Schöpflin). Damit wird Mannheim das Zentrum für Wissenschaft und Kunst in der Pfalz.
Akademie der Zeichnung und der Bildhauerkunst
1757 unter Peter Verschaeffelt in Mannheim gegründet
Akademische Marianische Kongregation
von den Jesuiten gegründete >Bruderschaft, Hauskapelle im Jesuitenkollegium (vgl. Marianische Bürgersodalität)
Akanthus
Bärenklau, Pflanze mit stark gezackten Blättern, als Zierform z. B. am korinthischen Kapitell
Akkord
(frz.) Abmachung, Vertrag
akkordieren
(frz.) Arbeit vergeben
akkordieren, sich
(frz.) sich aufeinander einstellen, sich einigen
Akronym
(gr.) aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Wort (z.B. AStA, Cafasö, Heidi, OPAC, CENTAG)
Akrostichon
(gr.) Gedicht, bei dem die Anfangsbuchstaben, -silben oder -wörter der Verse, zusammen gelesen, ein Wort oder einen Satz ergeben. Häufig im Barock. Beispiel: Grabinschrift für Licentiat Christian Sawerbreu (†1590) und seine Frau Margarethe (†1594, außen an der Südseite der Peterskirche Heidelberg, dreifaches Akrostichon: Chilianvs Margareta Saurbrein)
Christe mein herr Mich nitt verloS,
noch meines flehens stim verstos.
Hinnauff ich seuftz Aus hertzen jA,
dich mitt den engeln zu loben da
Im himmlischen Reich, diweil dU
mich bringen thust zur ewigen rhu.
Lang hab ich mein Gott begert zwaR,
uff gelost zu werden, undt auch gar
In deine handt mein Arme seel und LeiB
beuolen dir herr, ihr trost du bleib.
Ach gott du strenger Richter zwaR,
verstos nitt baldt den sunder gar.
Nach mir dich herr Erbarm und tröstE
die nachkommen mitt deim h. geiste.
Vor falscher lehr auch Trübsalln dI
behütte, so auff dich hoffen alhi.
Solches in deines Allerliebsten sons nameN
undt hilff allen glaubigen Amen.
vgl. auch die Grabinschrift für Bartholomeus Hamburger († 1569, außen an der Südseite der Peterskirche, doppeltes Akrostichon)
Akten
Schriftstücke bei Behörden, besonders Gerichten. „Akten sind der Niederschlag schriftlicher Geschäftsführung, sie dokumentieren das, was geschehen, `gehandelt´ worden ist (acta)“ (A. von Brandt, Werkzeug des Historikers. 2003, S. 103). Im Gegensatz zu >Urkunden treten sie in der Mehrzahl auf. „Die Urkunde ist ein einzelliges, die Akte ein mehrzelliges Individuum“ (a.a.O. 103)
in der badischen Verwaltung angewandtes Verfahren, umfangreiche Akten ohne die Verwendung von Aktenordnern zu binden und zu archivieren. Sie wird seit der Reform des badischen Archivwesens durch den Geheimen Rat Nikolaus Brauer angewandt. Sie ist in der von Brauer erarbeiteten Archivordnung und Behördeninstruktion des Markgrafen Carl Friedrich zu Baden und Hochberg aus dem Jahre 1801 beschrieben, wurde aber wahrscheinlich auch schon lange zuvor angewandt.
Wegen der praktischen Vorzüge und der geringen Materialkosten hat sich diese Aktenheftung insbesondere bei Staatsanwaltschaften und Gerichten im Oberlandesgerichtsbezirk Karlsruhe sowie beim baden-württembergischen Justizministerium erhalten.
Die einzelnen Seiten werden mit einem speziellen Locher links oben gelocht. Die Löcher haben einen Durchmesser von ca. 2,5 mm und einen Abstand von 43 mm. Zwischen gelochten Kartondeckel und -boden gelegt, werden die Aktenseiten mit einer >Aktenschnur so verbunden, daß die beiden Enden oben auf dem rückseitigen Aktendeckel zum >Badischen Aktenknoten gebunden werden können. Zum Hinzufügen weiterer Seiten muß der Knoten geöffnet werden.
Zum Bearbeiten der Akte wird der Knoten nicht festgezogen, sondern in einiger Entfernung vom Aktendeckel der Leseknoten geknüpft. Dadurch können die gelesenen Seiten nach hinten umgeschlagen werden. So können auch der linke Seitenrand und der rechte Rand der Blattrückseiten problemlos gelesen werden. Für die Archivierung wird der Knoten festgezogen, so daß die Akte eng zusammengezogen wird (Ruheknoten).
Badisch geheftete Akten werden nicht stehend wie Aktenordner, sondern flach liegend aufbewahrt. Mehrere Akten können einfach aufeinander gestapelt werden. Im Aktenschrank wird damit nur der Platz verbraucht, den die Akten tatsächlich einnehmen. Durch die flache Lagerung nehmen die Akten auch bei längerer Archivierung nur wenig Schaden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Aktenheftung
Aktenschnur
traditionell von der badischen Verwaltung zur Heftung der Akten verwendet. Auch heute in Baden noch von der Justiz verwendet. Aktenschnüre bestehen aus ungefärbtem Baumwollgarn und sind an den Enden gewachst, um das Einfädeln zu erleichtern. Sie werden mit einem speziellen Aktenknoten dazu verwendet, die Vorgänge zusammenzufassen. Die Seiten werden am linken oberen Rand mit einem speziellen, schmalen Locher gelocht und mit der Schnur so zusammengeknüpft, daß jederzeit weitere Aktenblätter hinzugefügt werden können. (>Badische Aktenheftung) http://de.wikipedia.org/wiki/Aktenschnur
Aktuar
(lat. actuarius), „Schnellschreiber“. 1. „Protokollant“, als Diensttitel im Senat des antiken Roms, später Titel eines für den Nachschub einer Legion zuständigen Beamten; 2. „öffentlicher Schreiber“, als Berufsbezeichnung im Mittelalter, insbesondere Gerichtsschreiber; 3. Schriftführer eines Vereins in der Schweiz (vgl. der Schriftsteller >Karl Gottfried Nadler war am Anfang seiner Berufszeit Aktuar.)
Akut
(lat. acutus=„spitz, scharf“), französisch: accent aigu, diakritisches Zeichen zur Kennzeichnung einer besonderen Aussprache oder Betonung eines Buchstabens. Der Akut ist ein kurzer Strich von rechts oben nach links unten über dem Buchstaben (zum Beispiel á, é) und das symmetrische Gegenstück zum >Gravis. Aus Akut und Gravis sind im frühen Mittelalter die Neumen entstanden. Seine Bedeutung variiert in den verschiedenen Sprachen.
Akzise, Accise
Steuer. („Wo nicht mehr ein finanzielles Ungeheuer Accis uns auferlegt und Hundesteuer!“ Karl Gottfried Nadler, in: „E reichi Erbschaft“, in: Fröhlich Palz, Gott erhalts. Leipzig 1847, S. 29); vgl. Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S. 24ff.; vgl. Ungeld, Oktroi
Akziser, Accisor
Steuereinnehmer
Alber
Populus alba L. (Weißpappel; vgl. Belle)
Albus
(lat. „weiß“), Weißpfennig, Weißgroschen, 1360 unter Kaiser Karl IV. eingeführte silberne Scheidemünze
ALCC
Allied Land Component Command, Hauptquartier der Nato in Campbell Barracks. Zu der Einheit gehören rund 400 Soldaten aus 23 Nationen, davon etwa 110 Deutsche. (vgl. RNZ, 4. 9. 2009, S. 3)
(lat. Tabulae Alphonsinae) astronomisches Werk mit Tabellen zur Berechnung der Stellung von Sonne, Mond und der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, etwa um 1252/ 1270 auf Anordnung des Alfons X. von Kastilien und León unter Leitung der jüdischen Gelehrten Jehuda Ben Mose und Isaak Ben Sid in Toledo zusammengestellt. Die Alfonsinischen Tafeln legten das Jahr auf 365 Tage, fünf Stunden, 49 Minuten und 16 Sekunden fest. Das Werk war ursprünglich in Spanisch geschrieben und wurde später ins Lateinische übersetzt. Es wurde das einflußreichste astronomische Werk in Europa, bis es im 16. Jahrhundert durch die Prutenischen Tafeln des Erasmus Reinhold abgelöst wurde, die wiederum auf dem Werk De Revolutionibus Orbium Coelestium von Nikolaus Kopernikus beruhten. http://de.wikipedia.org/wiki/Alfonsinische_Tafeln
Alija la Tora
(hebr. „Aufstieg zur Tora“), Aufstieg zur >Bima, um aus der Tora zu lesen. Als erster von sieben Männern wird ein >Kohen, als zweiter ein >Levi aufgerufen. Die restlichen fünf nennt man Jisrael, d.h. Juden, die von den anderen Stämmen abstammen.
Alizarin
(arab.-span.-nlat.) aus der >Krappwurzel gewonnener, dann synthetisch hergestellter roter Farbstoff
Allegorie
(gr.-lat. „das Anderssagen“) in der bildenden Kunst und in der Dichtung die gleichnishafte, rational faßbare Darstellung eines Begriffs in einem Bild
Allianzwappen
Darstellung zweier Wappen, die eine Verbindung von zwei Personen, Ländern, Fürstentümern oder Herrschaften zeigen. Am häufigsten als Wappen eines Ehepaares, welches die Verbindung in Form von Heiratswappen anzeigt. Dabei steht der ranghöhere Schild, meist der des Ehemannes, heraldisch rechts dem anderen Schild zugewandt.
Allmende
zu ahd. algimeinida „Allgemeinheit“, das „allen zustehende Land“. Teil der Gemeindeflur, der der Gemeinde gehört und von den Gemeindemitgliedern gemeinsam genutzt wird (Weide, Wiese, Wald, Wege, Ödland, Gewässer, Fischerei, Jagd, Steinbrüche, Sand- und Lehmgruben etc.). Die Nutzungen aus dem Wald (Bau- und Brennholz, Viehstreu, Waldfrüchte) und aus der Weide standen im allgemeinen den Nutzeigentümern der Dorfgemarkung zu, wobei seit dem Hochmittelalter auch die Grund-, Gerichts- und Landesherrschaften Eigentumsansprüche erhoben. Nutzungsberechtigt waren die Vollmitglieder der Gemeinde; in der Regel war das Nutzungsrecht an den Besitz einer Hufe, eines Bauernhofes oder zumindest einer Herdstelle gebunden. Die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben von 1525 forderten u.a. die Allmendrechte zurück, d.h. die gemeinsame Nutzung von Gemeindewiesen und -äckern. Am 10. Juni 1793 wurde in Frankreich die Allmende auf die Bauern aufgeteilt. (vgl. Derwein 1940 Nr. 13) (vgl. E. Sachers, Allmende, in: HRG, 108-120; L. Carlen, Allmende, in: LexMA, 439-440; Elinor Ostrom, Die Verfassung der Allmende. Jenseits von Staat und Markt. Tübingen 1999) (vgl. FN Almenhof, Almengewann, Allmendpfad)
Allod, Allodium, Allodialgut
(mlat., vom altdeutschen Ot, »Gut«, und All, »alles«), (Gegensatz: Lehen) in mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Recht Freisein von Lehnspflichten; Besitz an Land oder Grundstücken, dessen Eigentümer frei darüber verfügen konnte, der nicht an irgendwelche Gegenleistungen des Inhabers gegenüber anderen Personen gebunden war. Ein Allod konnte frei vererbt werden. Ursprünglich waren von den Einkünften aus Allodialgütern keine Abgaben an den Landesfürsten zu entrichten.
Die Rechte des Allodialgrundeigentümers bestanden namentlich in der Befreiung von allen Privatdiensten, Lasten und Beschränkungen, wie sie bei Lehnsgütern stattfanden. Auch hatte er auf seinem Allodium freie Jagd und Fischerei. Sehr wichtig war ferner das Recht, frei über das Allodium verfügen und dasselbe vererben zu können, allerdings unter gewissen Beschränkungen zu gunsten der Familienerben. Alles dieses zusammen bildete die Allodialfreiheit. Diese Freiheit erhielt sich am vollkommensten bei den adligen Allodialgütern. http://de.wikipedia.org/wiki/Allod
allodifizieren
zum >Allod machen, ein Lehen in freies Eigentum umwandeln
Allodifizierung, Allodifikation
Lehnsappropriation; Umwandlung eines Lehens in freies Eigentum; Übergang der Rechte des Lehnsherrn auf den Vasallen, bei welchem der Lehnsherr dem Vasallen das Lehnsgut zum vollen Eigentum überträgt
Almagest
(arab.) die „große Zusammenfassung der Sternkunde“ des Claudius Ptolemaios (85/160 n. Chr.)
Alma mater
(lat.) „die nährende Mutter“. Ehrende Bezeichnung für Universitäten und Hochschulen, z.B. Alma mater Heidelbergensis
Almemor
(von arab. al-minbar „Podest, Moscheekanzel“). Der erhöhte Platz in der Synagoge für die Verlesung der Tora (vgl. Bima)
Alpha und Omega (Α und Ω)
Der erste und der letzte Buchstabe des klassischen (ionischen) griechischen Alphabets Alpha und Omega stellen nach alter Vorstellung die Schlüssel des Universums dar. Sie sind ein Symbol für das Umfassende, die Totalität, für Gott und insbesondere für Christus als den Ersten und Letzten. Alpha und Omega tauchen häufig als Begleitmotiv zum >Christusmonogramm auf. Die symbolische Bedeutung geht zurück auf Off. 22, 13: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Alpha_und_Omega
Alte Herr
seit etwa 1860 neben >Philister gebräuchliche Bezeichnung für die Altmitglieder einer Studentenverbindung. Mit diesem Ausdruck soll der spießbürgerlichen Nebenbedeutung von Philister die Würde des Alters entgegengesetzt werden.
Alte Pachantey vgl. Heidelberger Pachantey
Alt Heidelberg
Titel eines Films mit Sabine Sinjen, Christian Wolff, Rudolf Vogel, Gert Fröbe, der am 21. Dezember 1959 im Schloß-Kino Heidelberg welturaufgeführt wurde (Drehbuch und Regie: Ernst Marischka, Musik: Franz Grothe)
Althochdeutsche Lautverschiebung
vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Teil I, in: Kraichgau 10/1987, S. 70ff.
Altkatholische Kirche
eine katholische Kirche, die von der römisch-katholischen Kirche unabhängig ist. Die altkatholischen Kirchen in Deutschland und Österreich entstanden im Anschluß an das Erste Vatikanische Konzil (1870). Die katholischen Christen, die die Beschlüsse dieses Konzils nicht annahmen, wurden von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert und gründeten in der Folge eigene Gemeinden und Kirchen. Hauptkritikpunkte waren dabei die dogmatischen Definitionen vom Jurisdiktionsprimat und von der Unfehlbarkeit des Papstes. http://de.wikipedia.org/wiki/Altkatholische_Kirche
Am 26. Februar? 1873 hält Professor Dr. Friedrich Michelis in der Peterskirche den ersten altkatholischen Gottesdienst. Ab April 1874 ist Dr. Johannes Rieks altkatholischer Seelsorger in Heidelberg. 15. Juni 1874 ergeht das Badische Altkatholikengesetz. 20. August 1874 wird den Altkatholiken durch staatliche Verfügung das Mitbenützungsrecht des Chors der Heiliggeistkirche eingeräumt (Ausschluß der Katholiken). Am 20. September 1874 findet der erste altkatholische Gottesdienst in der Heiliggeistkirche statt. 1876 bis 1894 wird die St. Annakirche den Altkatholiken überlassen. 1882 wird der Altkatholische Hilfsverein gegründet, Vorläufer des späteren Frauenvereins. 12. August 1886 regelt ein Vertrag zwischen Protestanten und Altkatholiken den Simultangebrauch der Heiliggeistkirche. 16. Februar 1936 findet der letzte altkatholische Gottesdienst in der Heiliggeistkirche statt.
Altwasser
vom Hauptstrom abgeschnittener Wasserlauf
Alumnat
(lat.) Schülerheim mit Verpflegung, Stiftsschule
Alumnus
(lat.) Schüler eines >Alumnats
Amarelle
Sauerkirsche
Ambo
Lesekanzel an den Chorschranken einer Kirche, später am Lettner, Vorläufer der Kanzel
Amhorez, pl. Amoratzen
Umwissender, Dummkopf; von (jidd.) amhoretz „Landvolk, Idiot, Einfältiger, Pöbel“
Ammann
(mhd. ambetman), Amtmann, Vogt, Gemeindevorsteher
Ammunition
Kriegsmaterial, das nicht aus Munition besteht; vgl. munitio
Ampelographie
(zu gr. ampelos=Weinstock). Lehre von der Bestimmung und Beschreibung der Rebsorten (Teilgebiet der >Önologie)
Amt
territorial definiertes Gebiet mit eigenständiger Lokalverwaltung, vgl. Oberamt Heidelberg; siehe auch: Hofämter
Amtmann
Im Mittelalter ein Bediensteter des Adels oder der Kirche, der meist selbst dem niederen oder mittleren Adel angehörte und zur Verwaltung von Gütern (Burgen, Dörfer usw.) eingesetzt wurde. (vgl. Ammann)
Anakreontiker
(gr., nach dem griechischen Dichter Anakreon, †nach 495 n. Chr.) 1. deutsche Dichtergruppe des 18. Jahrhunderts, die etwa seit 1738 nach dem Muster der Anakreonten Wein und Liebe besingt; 2. Genußmensch
Anatidaephobie
(gr.) Angst, irgendwie, irgendwo von einer >Ente beobachtet zu werden
Angelus
(lat.) 1. Bote, Angelus Domini=“Bote des Herrn, Engel“; 2. Fahne mit dem Bild des Erzengels Michael; 3. Angelus Domini, Dankgebet nach Lk. 1, 28; 4. das Glockenläuten für das Angelus-Gebet (vgl. mdal. Betglock)
Anilin
mdal. für die Badische Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen, 1865 von Friedrich Reiß, Friedrich Engelhorn, August Clemm, Carl Clemm, Seligmann Ladenburg, Leopold Ladenburg und anderen in Mannheim gegründet. („Er schafft in de Anelin“)
Anilinfarbe
(span.-arab. anil=“Indigo“) 1826 gelang die Produktion einer Industriefarbe auf Basis des Aminobenzols, genannt Anilin. Ein Gemisch von Anilin mit Rotöl ist Ausgangspunkt für die Herstellung roter Farbstoffe. Anilinschwarz wird von Anilin durch Sauerstoffeinwirkung gewonnen.
Année philologique
Projekt zur Erforschung der Antike, internationale Bibliographie, erscheint jährlich seit 1924, seit 1974 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gefördert
anni currentis
(lat.) dieses Jahres, laufenden Jahres
anni praeteriti
(lat.) vergangenen Jahres, vorigen Jahres
Annunciationsstil vgl. Neujahr
annus deservitus (a. d.)
(lat.) Sterbejahr
ANSt
„Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen“ (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. VI, S. 221ff., 231)
Anstößer
Angrenzer, Nachbar eines Grundstücks. („vornen die untere straß, anderseits Jud Baruch Levi, hinten die Anstößer der Judengaß Dragoner Corporal Hosch.“ 1802, Das alte Grundbuch Nr. 11, Grundbuchamt Heidelberg, S. 863)
Antilegómenon, pl. Antilegómena
(gr. „was bestritten wird“) Buch des NT, dessen Aufnahme in den Kanon umstritten war, unsichere Werke antiker Schriftsteller
ante meridium
(lat.) vormittags
Antependium
(lat.) Frontverkleidung des Altartisches, Stoffbehang bzw. Vorsatztafel aus Metall
Antiphonar
Buch mit den Melodien der Wechselgesänge, die von den Mönchen im Gottesdienst gesungen werden
Antiquarium Creuzerianum
am 30. Dezember 1834 von Studenten gestiftete Sammlung (benannt nach dem Philologen Georg Friedrich Creuzer, 1771-1858), wird zum Grundstock der archäologischen Sammlung der Universität Heidelberg
Antiquaschrift
„Altschrift“, im Gegensatz zur spätmittelalterlich gotischen littera moderna benannt. Schrift der römischen Antike, deren Großbuchstaben aus Kreisen und Quadraten konstruiert worden waren. Auch Name für die Schriftart der italienischen Renaissance um 1460 (Venezianische Renaissance-Antiqua). Parallel dazu hat sich die lateinische Schreibschrift entwickelt. Innerhalb der Schriftklassifikation unterscheidet man zwischen den Antiqua- und den Frakturschriften. Am 3. Januar 1941 wurden alle deutschen Zeitungen von Frakturschrift auf Antiquaschrift umgestellt. Am 1. September 1941 verfügte das Reichserziehungsministerium, daß die Antiquaschrift als alleinige Schreibschrift gelehrt werden soll.
Antisymbolikstreit
vgl. Gerhard Schwinge, Creuzers Symbolik und Mythologie und der Antisymbolikstreit mit Voß sowie dessen Kryptokatholizismusvorwurf, in: Frank Engehausen, Armin Schlechter, Jürgen Paul Schwindt (Hg.), Friedrich Creuzer 1771-1858. Philologie und Mythologie im Zeitalter der Romantik (Begleitband zur Ausstellung in der Universitätsbibliothek Heidelberg 12. Februar - 8. Mai 2008). hg. von Frank Engehausen, Armin Schlechter und Jürgen Paul Schwindt. (Schriften / Archiv und Museum der Universität Heidelberg, 12) Ubstadt-Weiher 2008, S. 73-88
Antitrinitarier
Christen, die die Einheit Gottes betonen und die Lehre von der Trinität ablehnen (Sozinianer, Unitarier; vgl. Arianer). - Am 23. Dezember 1572 wird der reformierte Ladenburger Superintendent und "Haupt der Antitrinitariergruppe" Johannes Sylvanus auf dem Heidelberger Marktplatz vor der Heiliggeistkirche wegen Häresie ("Arianische Verschwörung" gegen das Trinitätsdogma) und Hochverrat ("Konspiration mit den Türken") enthauptet.
Antlaßtag
(auch: Mendeltag) Gründonnerstag
Antoniusbruderschaft
1742 von den Franziskanern gegründete >Bruderschaft
Anwender
Landstück an der Schmalseite des Ackers, das zum Wenden des Pflugs oder zur Überfahrt benutzt wird (vgl. >Gewann)
Äon
(gr.) Ewigkeit, Weltalter
Apanage
(frz.) Unterhalt
Apex
(lat. „Spitze“) 1. unendlich ferner Zielpunkt eines Gestirns, auf den dieses in seiner Bewegung gerade zusteuert; 2. Zeichen zur Kennzeichnung langer Selbstlaute, z. B. â
apokryph
(gr.-lat. „verborgen“) unecht, untergeschoben
Apokryphon, pl. Apokryphen
(gr.-lat. „verborgen“) unechtes Werk, nicht vom Kanon anerkannte Schriften des AT/NT
Apoplexia cerebralis
(gr.-lat.) Gehirnschlag, Schlagfluß
Apophthegma (pl. Apophthegmata)
(gr.) witziger, prägnanter Ausspruch, Sinnspruch, Zitat, Sentenz (vgl. Julius Wilhelm Zincgref, Apophthegmata, der Teutschen scharpfsinnige kluge Sprüch. 1626-1631)
Apothekenmuseum, Deutsche
Das 1938 in München eröffnete, 1943 zerstörte und danach provisorisch in der fürstbischöflichen Residenz Bamberg untergebrachte Deutsche Apotheken-Museum wird am 7. Oktober 1957 im Ottheinrichsbau, Ludwigsbau und Apothekenturm des Heidelberger Schlosses wieder eröffnet.
http://www.deutsches-apotheken-museum.de/ (Deutsches Apothekenmuseum)
http://www.deutsches-apotheken-museum.de/aktuelles/themen.php?WEBYEP_DI=5 (Geschichte)
Apotheose
(gr.) Vergötterung
apotropäisch
(von gr. apotropaion=Zaubermittel) Unheil abwehrend. Apotropäische Figuren finden sich an der Fassade alter Kirchen, z. B. bei St. Sebastian Ladenburg.
a priori
(lat.) von vornherein, aus reinen Vernunftgründen, nicht aus der Wahrnehmung abgeleitet
a posteriori
(lat.) im nachhinein, aus der Erfahrung abgeleitet
Apsis
(gr.) Chorhaupt, ursprünglich halbrunder, später auch mehreckiger, meistens mit einer Halbkuppel überwölbter Raumteil, dann Abschluß des Chors einer Kirche, meist auch Standort des Hochaltars
Aquae Aureliae
(lat.) Baden-Baden
aquarum decursus
(mlat.) Wasserläufe
Aquae
römischer Name der Stadt Baden-Baden
Aquatinta
1768 von LePrince in Paris erfundenenes Verfahren der Radierung, bei dem Kolophonium- oder Asphaltstaub auf die Druckplatte aufgestäubt wird, so daß die Säure nur Punkte ätzt und beim Abdruck die Wirkung von Tuschzeichnungen erzielt werden kann
Äquanimität
Beruhigung, Seelenruhe („...so habe ich zu Deroselben aequanimität die Hoffnung gestellt, daß Sie mich nicht geringerer condition dann andere ... halten lassen ...“ Kurfürst Johann Wilhelm am 20. 1. 1709, in: Max von Gulat, in: NAHD Bd. IX, S. 85)
Äquinoktium
(lat.) „Nachtgleiche“. Zeit der Tagundnachtgleiche, um den 21. März und 23. September. Die Sonne steht dann im Äquator und geht morgens um 6 Uhr auf, abends um 6 Uhr unter (vgl. Orientierung)
Arachibutyrophobie
(gr.) Angst, daß Erdnußbutter am Gaumen klebenbleibt
Ärar
Staatsschatz, Fiskus, Kirchenkasse, Kirchenvermögen
a. ras.
(lat.) ante rasuram=vor der Rasur
Arbeitsgemeinschaft Heidelberger Bürger (AHB)
Im Januar 1969 kam es zu einer Debatte von Bürgern mit OB Zundel über die Studentenunruhen in der Stadt und zur Bildung einer (CDU-gesteuerten) „Arbeitsgemeinschaft Heidelberger Bürger“. Man empfahl der Universitätsleitung Strafverfahren und Relegationen "als Mittel gegen die Störer". Am 23. 6. 1969 kam es anläßlich eines Treffens mit Filbinger, Hahn und Staatssekretär Wolfgang Meckelein zu Demonstrationen gegen die AHB.
Arboretum, Arborium
(von lat. arbor „Baum“). Sammlung lebender Bäume, oft auch exotischer Gehölze, zu wissenschaftlichen oder ästhetischen Zwecken. Dies kann ein botanischer Garten sein, in dem hauptsächlich Bäume und Sträucher angepflanzt werden. Man spricht von einem Fruticetum, wenn nur Sträucher angepflanzt werden. Werden in einem Arboretum nur Nadelgehölze angepflanzt, nennt man es Pinetum. (z.B. Arborium Theodorium, 1777 von Friedrich Ludwig von Sckell in Schwetzingen für Kurfürst Carl Theodor angelegt; Arboretum in der Plöck am Heckemarkt, 1805/1835; vgl. H. G. Bronn, Geschichte eines Baumgartens, in: Die Natur, hg. von Ule und Müller. Halle 1852, S. 255ff.); vgl. Arboretum an der Sprunghöhe; Arboretum beim Speyererhof http://de.wikipedia.org/wiki/Arboretum
Architrav
durchlaufender Steinbalken über der Säulenstellung
Archiv für die Geschichte der Stadt
Vierteljahresschrift, hg. von Hermann Wirth. 3 Bände. Heidelberg 1868-1870 [Universitätsbibliothek: B5232] Inhalt
Arianer
behaupten, Christus sei Gottvater wesensähnlich, während die Athanasier meinen, Christus sei Gott wesensgleich
Arianismus
theologische Lehre, die nach einem ihrer frühen Vertreter, dem Presbyter Arius aus Alexandria (†um 336), benannt ist und im Gegensatz zur Trinitätslehre steht. Diese Lehre wird von allen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die die ersten beiden ökumenischen Konzilien anerkennen, als Häresie angesehen.
Die orthodoxe Gegenposition zum Arianismus vertraten insbesondere Athanasius von Alexandria, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz, Gregor von Nyssa, Ambrosius von Mailand und Hilarius von Poitiers.
Der arianische Streit, die Auseinandersetzungen zwischen Arianern und Anhängern von Nicäa, dominierte die Kirchengeschichte im 4. Jahrhundert. Der Arianismus besaß längere Zeit die politisch stärkere Stellung, wurde aber durch Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Richtungen geschwächt. Ab etwa 360 entwickelten die Trinitarier eine mehrheitsfähige Lehre, insbesondere durch klare Definition der verwendeten Ausdrücke, wodurch sie für viele akzeptabel wurden, die vorher zwischen den Parteien standen. 381 auf dem Konzil von Konstantinopel gelangte die Idee von der Gottgleichheit Jesu endgültig zum Sieg, worauf der Arianismus als unorthodox verketzert wurde.
A.R.I.P.
(mlat.) anima requiescat in pace (Grabinschrift)
Aristie
(von gr. aristos „der Beste“) ausgezeichnete Heldentat und ihre literarische Verherrlichung
Aristokratie
(gr. „Herrschaft der Besten“) 1. Adelsherrschaft, 2. Adel, 3. durch Besitz oder Bildung ausgezeichnete Oberschicht
Arkadien
griechische Landschaft, Schauplatz der spätantiken Schäferdichtung, Land der Musik und Dichtkunst, Wunschlandschaft. Et in Arcadia ego: Inschrift, zuerst auf einem Gemälde des italienischen Malers Bartolommeo Schedoni (1570/1615), deutsch erstmals in einem Gedicht von Johann Georg Jacobi (1740-1814), Motto von Goethes Italienischer Reise.
Arma Christi
(lat.) Leidenswerkzeuge, Attribute Christi und des hl. Bernhard von Clairvaux
Armagnaken
französische Söldnerbanden, die 1439-1445 am Oberrhein marodieren. 1444/1445 wehrt Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz als Reichshauptmann Angriffe der Armagnaken ab.
Armbrust
(aus mlat. arcuballista) aus dem Bogen entwickelte Fernwaffe, bestehend aus Schaft mit Kolben und Stecher (Drücker), Bügel (Bogen) und Sehne. Als Geschosse dienen Pfeile und Bolzen. Die im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert bei Belagerungen verwendete Arkuballiste war eine Armbrust von 7-9 m Länge.
arme Leute
alleinstehende Personen ohne Anhang (vgl. Spital)
armiger
(lat.) Bewaffneter, Leibwächter, Waffenträger, Schildknappe (vgl. „Swiggerus miles, patruelis Johannis de Hentzusheim, Herbordus armiger, fratris eius filius“ um 1316)
Armurier
(frz.) Waffenschmied
Aron ha-kodesch
(hebr. „der heilige Schrein“) Schrein in der Synagoge, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden
Arquebusier
(frz.) Büchsenmacher
Ars topiaria, Topiari, Art topiaire
(von lat. topiarius, „Landschaftsgärtner“) „Formschnittgärtnerei“. Gartenkunst, Hecken und Büsche durch besondere Schnitt- und Wuchstechniken in Form zu bringen und ihnen ein skulpturelles oder ornamentales Aussehen zu verleihen. Die Kunst dieses Heckenschnitts wurde bereits in der Antike angewandt und für die italienischen Gärten der Renaissance wiederentdeckt, von dort wurde sie in die französischen Schloßparks importiert. Ein bekanntes Beispiel sind die Gärten von Schloß Villandry. Auch die großen Barockparks wurden entsprechend ausgeschmückt. Zur größten Kunstfertigkeit wurde das Topiari in England entwickelt. Oft genutzte Pflanzen für diese Kunstform sind unter anderem Buchsbaum und Eibe. http://de.wikipedia.org/wiki/Topiari
Artes liberales vgl. Septem artes liberales, Magister artium
Áschkenas
(jidd.) Deutschland
Áschkenasi m., pl. Áschkenasim
(jidd., nach Gen. 10,3 bzw. Jer. 51,27) Bezeichnung für deutsche Juden, vor allem aus den rheinischen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz, die sich später auch auf Juden aus Norditalien, Nordfrankreich, England und Teilen Osteuropas bezog. Die Aschkenasim unterscheiden sich in Tradition und Ritus von den >Sephardim, den von der iberischen Halbinsel stammenden Juden. Die Sprache der Aschkenasim ist das >Jiddische oder Judendeutsche (loschen aschkenas) , das auf dem Mittelhochdeutschen basiert. Juden aus Europa einschließlich Rußland und Amerika sind meist Aschkenasim.
Ashura
Todestag Husseins, schiitisches Fest
Askanier
deutsches Fürstenhaus. Die ersten Askanier erscheinen am Ostharz als Grafen von Ballenstedt. Seit etwa 1100 nennen sie sich Askanier nach einer Burg bei Aschersleben. 1134 überträgt Kaiser Lothar III. die Altmark an Markgraf Albrecht den Bär. Sein Sohn Bernhard erhält 1180 den Rest des Herzogtum Sachsen. Die Askanier herrschen in Brandenburg bis 1319, in Kursachsen bis 1423, in Sachsen-Lauenburg bis 1689, in Anhalt bis 1918. In der Forschung ist umstritten, seit wann die Askanier den Titel „Matrrkgraf von Brandenburg“ getragen haben.
Astor-Stiftung
Das Astorhaus, beziehungsweise das Gebäude der Astor-Stiftung in Walldorf, wurde im Jahr 1854 eingeweiht. Johann Jakob Astor (1763-1848) hatte in den USA ein riesiges Vermögen erwirtschaftet. Er verfügte testamentarisch mit einer 50.000 Dollar-Spende die Gründung einer Stiftung bzw. den Bau eines Armen- und Waisenhauses in seiner Heimatstadt. Unter der Federführung von Johann Hinrich Wichern wurde eine Stiftung gegründet und das Bauwerk konzipiert. Den Plan fertigte der Weinbrenner-Schüler Ludwig Lehndorff aus Heidelberg. Das großzügig angelegte Haus ist fast durchweg aus gehauenem rotem Sandstein aus dem Neckartal und Keupersandstein aus Mühlbach bei Eppingen errichtet. Nach einer wechselvollen Geschichte erwarb 1985 die Stadt Walldorf das Grundstück. Mit dem Verkaufserlös erstellte drei Jahre später die Astor-Stiftung im Stadtzentrum Walldorf die Altenwohnungen „Astorstift“. Der Heidelberger Juraprofessor >Karl Joseph Anton Mittermaier (1787-1867) war Aufsichtsrat der Astor-Stiftung.
(gr. „Stern-Nehmer“) Meßgerät zur Winkelmessung am Himmel. Ursprünglich angeblich von Eratosthenes gegen 250 v. Chr. entwickelt. Die damals als Astrolabien bezeichneten Instrumente werden heute Armillarsphären oder sphärische Astrolabien genannt. Mit solchen Instrumenten wurden die Sternkataloge des Hipparchos und Ptolemäus erstellt.
Die seit dem Mittelalter allgemein bekannten scheibenförmigen Astrolabien sollen auf Hipparchos zurückgehen und wurden im arabischen Raum weiterentwickelt. Sie erlauben zwar weniger Messungen als die sphärische Form, sind aber auch als analoges Rechengerät verwendbar. Damit waren sie für praktische Zwecke wie die Ortung bei Expeditionen oder in der Seefahrt wesentlich geeigneter. Die Messung der Kulminationshöhe bekannter Fixsterne ermöglicht die Berechnung der geografischen Breite. Mit Kenntnis der aktuellen Uhrzeit läßt sich darüber hinaus auch die geografische Länge ermitteln.
In der europäischen Schifffahrt wurden Astrolabien hauptsächlich zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert zur Navigation verwendet und sind Vorläufer des Sextanten. Ab dem frühen 16. Jahrhundert wurde zur Winkelmessung auch der >Jakobsstab verwendet. http://de.wikipedia.org/wiki/Astrolabium
Athanasier vgl. Arianer
Ätiologie
(gr.) Ursachenlehre, Lehre von den Ursachen der Krankheiten
Atzel
1. mhd. etze=“Weideplatz“, etzen, äsen=“abweiden, fressen lassen“ (vgl. Atzelhof); 2. (mdal.) Elster
Atzelhofgesellschaft vgl. GGH
Atzlaag
(mdal.) Hühnerauge
Auerlicht
Glühstrumpf aus Thoriumoxid und Ceroxid, Erfindung des Chemikers Carl Freiherr Auer von Welsbach (1892)
Aufgeld
Provision, die der Versteigerer bei Auktionen auf den Zuschlag erhebt
(geowiss.) Stelle, wo unter dem oberflächlichen Boden das anstehende Material freigelegt wird, so daß vertiefte Einblicke und Rückschlüsse möglich sind (Steinbrüche, Kies-, Sand- und Baugruben)
Augusta Nemetum
(lat.) Speyer
Augustinerinnen
vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 404ff.
Augsburger Bekenntnis
Confessio Augustana invariata, grundlegende Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche. Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 versuchte Karl V., die kirchliche Einheit wiederherzustellen. Dafür legten die evangelischen Stände am 25. Juni 1530 die von Philipp Melanchthon verfasste Confessio Augustana als Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche vor. Sie war ursprünglich nicht als bleibendes Dokument des evangelischen Glaubens gedacht, sondern als Arbeitspapier für die Reichstagsarbeit. So stellte sie die Einheit der Kirche nicht in Frage und betonte das Gemeinsame von lutherischer und katholischer Lehre stärker als das Trennende. Die Täufer wurden darin verdammt.
Die oberdeutschen Städte Straßburg, Memmingen, Lindau und Konstanz hatten die Zustimmung zur Confessio Augustana wegen der lutherischen Abendmahlslehre verweigert, und stattdessen die Confessio Tetrapolitana vorgelegt. Die katholische Antwort auf die Confessio Augustana war die Confutatio. Trotz der in vielen Verhandlungen erreichten Annäherung scheiterte der Versuch der Kircheneinigung.
Die Confessio Augustana wurde schnell als Lehrnorm der lutherischen Landeskirchen verbreitet und war seit Schmalkalden (1535) für alle neu aufzunehmenden Bundesmitglieder verbindlich. In der >Konkordienformel von 1577 erlangte das Augsburgische Bekenntnis offizielle Anerkennung und wurde in das Konkordienbuch (1580), die bis heute gültige Sammlung lutherischer Bekenntnisschriften, aufgenommen.
Augsburger Liga
Am 9. Juli 1686 gegründetes Bündnis von Kaiser Leopold I., König Karl II. von Spanien, König Karl XI. von Schweden, Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern, Sachsen, dem Fränkischen Kreis, später auch Savoyen, unter Führung von Wilhelm III. von Oranien gegen Frankreich. Initiator der Augsburger Allianz war Kaiser Leopold I., der wegen der Türkengefahr an der Ostgrenze des Reiches gezwungen war, einen Großteil seiner militärischen Kräfte dort einzusetzen. Das Bündnis sollte einer weiteren französischen Expansion im Westen des Reiches einen Riegel vorschieben.
Die vertragsschließenden Mächte sicherten einander verbindlich zu, für die Einhaltung des Westfälischen Friedens, des Friedens von Nimwegen und des am 15. August 1684 zwischen Frankreich sowie Kaiser und Reich geschlossenen Regensburger Stillstand zu sorgen. In Regensburg war neben der Waffenruhe vereinbart worden, daß die von Frankreich annektierten Reichsteile und -städte ihm 20 Jahre lang überlassen bleiben sollten. Gemäß dem Regensburger Stillstand wurden deutsche Gebiete links und rechts des Rhein französisch besetzt.
Die A. L. war ursprünglich auf drei Jahre angelegt und sah die Einrichtung eines starken Bundesheers gegen die territorialen Ansprüche des französischen Königs Ludwig XIV. auf linksrheinische Gebiete vor. Dieser beanspruchte die Erbschaft seiner Schwägerin Elizabeth Charlotte von der Pfalz, die mit seinem Bruder Philipp Herzog von Orleans verheiratet war (Anspruch auf das Privatvermögen und Allodialnachlaß ihres Bruders).
Die A. L. führte 1688-1697 einen Krieg gegen Frankreich (>Pfälzischer Erbfolgekrieg, Orléansscher Krieg, Neunjähriger Krieg). 1689 erhält der französische General Ezéchiel Comte de Mélac den Befehl, Heidelberg bis auf die Grundmauern zu zerstören. Die Brücke und die Befestigungsanlagen des Schlosses wurden gesprengt. Teilweise brennt die Stadt. 34 Häuser wurden völlig zerstört. Das Rathaus verbrannte mit dem städtischen Archiv. Bei einer zweiten Eroberung 1693 wurde Heidelberg von den Franzosen niedergebrannt und größtenteils unbewohnbar gemacht, die Bewohner vertrieben, die Festungsanlagen des Schlosses gesprengt.
1689 wurde die Augsburger Allianz durch den Beitritt von England und den Niederlanden - in Personalunion von Wilhelm von Oranien-Nassau repräsentiert - zur Wiener Großen Allianz erweitert. Mit dem >Frieden von Rijswijk wurde 1697 diese Auseinandersetzung beendet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Allianz
Aulner, Ulner, Euler
Töpfer (vgl. das Geschlecht der Ulner von Dieburg, z.B. Agnes Ulner von Dieburg †1452)
ausgekocht vgl. Chóchem
Auskultant
(lat.) Beisitzer ohne Stimmrecht
Auskultation
(lat.) Abhorchen des Körpers
Auskultator
(lat.) Gerichtsreferendar
Austrasien
der östliche Teil des Frankenreichs im Gegensatz zu Neustrien (dem Westreich), die Wiege der Karolinger. Seit dem Tod Chlodwigs I. 511 bis zu Pippin dem Jüngeren meist ein selbständiges fränkisches Teilkönigreich mit der Hauptstadt Metz. Das Gebiet umfasste die fränkischen Gebiete um Rhein, Maas und Mosel und neben Metz die Orte Reims, Köln und Trier, dazu die Gebiete der besiegten germanischen Stämme: unter dem ersten Teilkönig Theuderich anfangs nur Alemannien, später auch Thüringen und Bayern.
Nach der erneuten Reichseinigung unter den Karolingern im 8. Jahrhundert verschwanden die Namen Austrasien und Neustrien aus der Geschichte. Durch die neuen Reichsteilungen unter den Nachkommen Karls des Großen entstanden im 9. Jahrhundert die neuen Teilreiche Ostfrankenreich und Westfrankenreich.
Auszug
Abwanderung der Studenten (manchmal auch der Lehrer) aus einer Universitätsstadt als Protestmaßnahme, wahrscheinlich erstmals 1222, bis ins 20. Jahrhundert geübt. In Heidelberg: 27. Juni 1804 (Zwischenfall mit einem rauchenden Studenten an der Heidelberger Hauptwache. Auszug der Heidelberger Studenten nach Neuenheim und Vorlesungsstreik); 14. August 1828 (Auszug der Heidelberger Studenten nach Frankenthal, nachdem sich die Studenten durch die Satzung der Museumsgesellschaft diskriminiert fühlten); 17. Juli 1848 (364 der insgesamt 564 immatrikulierten Studenten verlassen Heidelberg. Dem Zug wird eine deutsche Fahne vorangetragen. Arbeiter, Schneidergesellen und Mitglieder republikanischer Vereine begleiten die Studenten auf ihrem Zug nach Neustadt/Haardt ein Stück weit. 120 zurückbleibende Studenten weisen im "Heidelberger Journal" darauf hin, daß der Auszug unter falschen Voraussetzungen erfolge. Mehr: http://www.uni-heidelberg.de/uni/presse/RuCa2_98/kurzber.htm)
Automat
(von gr. automatos=“sich selbst bewegend“) vgl. Salomon de Caus
Avers
Bildseite, Schauseite einer Münze (Gegensatz: Revers)
Avis m.
(frz.) Ankündigung, Anzeige, Nachricht
Aviso
schnelles, kleines Kriegsschiff zur Nachrichtenübermittlung. Neben Depeschenfahrten dient es auch als Vorposten-, Aufklärungs- und Verbindungsboot. Außerdem fanden Avisos auch als Führungsschiffe und für leichte Kampfaufgaben im Kolonialkrieg Verwendung. Avisos waren normalerweise leicht bewaffnet und ungepanzert. http://de.wikipedia.org/wiki/Aviso_(Schiff)
azind
(jidd.) jetzt
Azyma
Karwoche
(mlat.) Inhaber des untersten akademischen Grades an mittelalterlichen Universitäten
Bäckerfeuerrecht
das auf einem Grundstück eingetragene und verbriefte Recht, Feuer zum gewerblichen Brotbacken unterhalten zu dürfen
Bacchant
(gr.-lat.) 1. Trinkbruder, trunkener Schwärmer; 2. Gruppenleiter im 1901 gegründeten „Wandervogel – Ausschuß für Schülerfahrten e. V.“ Steglitz
Badchen
Gelegenheitsdichter, Festordner, von (jidd.) badchen, pl. badchonim „Bänkelsänger“
badde (Verb mit Akk.)
(mdal.) nützen, helfen
Bader
Besitzer einer Badestube, der die Badenden bedient, sie zur Ader läßt, schröpft und ihre Haare pflegt
Im Frankreich des Ancien Régime war der Bailli (oder Bayle) ein feudaler Beamter, der vom Grundherrn mit Verwaltungs-, Steuer-, Polizei- und Justizaufgaben betraut worden war. Das Amt und später auch der Bezirk des Bailli wurden Bailliage (vgl. >Ballei) genannt. In Südfrankreich wurden die gleichen Beauftragten als Sénéchal (>Seneschall) bezeichnet, ihr Amt bzw. ihr Bezirk als Sénéchaussée.
Je nach Region nahmen die Baillis stark unterschiedliche Aufgaben wahr. Der wesentliche Unterschied zwischen den nordfranzösischen Baillis und den südfranzösischen Sénéchaux liegt nicht in den Aufgaben, sondern in den Personen. Bei den Sénéchaux handelt es sich zumeist um Angehörige der alten Adelsfamilien, die das Amt oft nur vorübergehend wahrnahmen, während es sich bei den Baillis im allgemeinen um Berufsbeamte handelt. Mit Dekret vom 22. Dezember 1789 wurde von der Verfassunggebenden Versammlung die Auflösung der Bailliages und Sénechaussées und die Einrichtung von Départements beschlossen. http://de.wikipedia.org/wiki/Bailliage_und_S%C3%A9n%C3%A9chauss%C3%A9e
Bajes
(jidd.) Haus; vgl. Bejß-din; (mdal.) Beiz
Am 2. November 1917 gab der britische Außenminister Arthur James Balfour in einem Brief an Lord Rothschild eine Erklärung über die Schaffung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina ab. Das Vereinigte Königreich erklärte sich einverstanden mit den zionistischen Bestrebungen, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten, wobei die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben sollten. (Wortlaut: Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk [“a national home für the Jewish people“] in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.) Zum damaligen Zeitpunkt gehörte Palästina zum Osmanischen Reich. Die Balfour-Deklaration war an die Führer der zionistischen Weltorganisation gerichtet. Sie war vom „Jüdischen Politischen Komitee“ Chaim Weizmanns vorbereitet worden. http://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration
Balken
Band in einem Wappenschild. Querbalken ist ein waagerechter Balken in der Mitte des Schildes. Schrägbalken ist ein diagonaler Streifen. Sparren sind zwei diagonale Streifen, die sich in einem Winkel, mit der Spitze nach oben, treffen.
Ballei f.
(zu afrz. baillif „Landvogt“). Verwaltungsbezirk der geistlichen Ritterorden, umfaßt mehrere >Komtureien
Balustrade
(zu it. balaustro=Säule) Brüstung oder Geländer aus kleinen gedrungenen, gebauchten Stützen (Baluster) zur Sicherung von Balkonen, Treppen, Terrassen und Dächern (Renaissance, Barock)
Band
Die studentischen Orden trugen das Ordenskreuz an einem meist zweifarbigen Band um den Hals. Heute ist bei allen farbentragenden Verbindungen das Brustband üblich. Es kam um 1800 auf und setzte sich bis 1830 allgemein durch (Burschen-, Fuxen-, Sekt- und Weinband)
Bandelier
Tragriemen
Bändelkrämer
Kurzwarenhändler; auch Pseudonym für den Teufel („Bandlkramer“). (Johann Jakob Lindau aus Rohrbach bei Sinsheim, seit 1827 in Heidelberg, †1858, war Bändelkrämer)
Bannholz
gebannter, der allgemeinen Nutzung entzogener Wald
Bär
von ahd. ebur, mhd. bêr „Zuchteber“; vgl. Saubär, ON Bärloch, Bärenbach, Bierhelderhof, Bergheim, Beerfelden, Beromünster, Eberbach, Eberstadt, Aberinesburg
Barbakane
Vortor, Außenwerk, kleine Wehranlage, einem Tor vorgelagert, das bei einem Angriff besonders gefährdet war. Nicht oder nur teilweise mit der Ringmauer verbunden, stand meist sogar noch vor einem Zwinger und Graben; auch Schießscharte
Barbarae
4. Dezember
Barett
(von lat. birrus=“kurzer Umhang mit Kapuze“) flache, schirmlose Kopfbedeckung, eine der ältesten Mützenformen, wird von den Chargierten zur Wichs getragen
Bar Mizwa
(„Sohn des Gebots, Mann der Pflicht (zur Einhaltung des Religionsgesetzes)“, aus aram. bar=Sohn, hebr. mizwa=Gebot) 1. Erreichen des 13. Lebensjahrs, wodurch ein jüdischer Junge vollwertiges Glied der Gemeinde und erstmals zur Tora aufgerufen wird; 2. Junge im Alter von 13 Jahren; 3. die Feier der Mündigwerdung am darauf folgenden Sabbat
Barsortiment
Buchhandelsbetrieb zwischen Verlag und Einzelbuchhandel (Grossist)
Basilika
(von gr. stoá basílike=Königshalle, Amtssitz des archon basileus, des obersten Richters im alten Athen) In Rom wurden mit Basilika größere Markt-, Versammlungs- oder Gerichtshallen bezeichnet. Diese Hallen hatten meist mehrere Schiffe und an der hinteren Seite einen halbrunden Abschluß. Dieser Bautyp wurde in der christlichen Baukunst für den Bau von Kirchen übernommen. Verbreitet waren dreischiffige Bauten. Das Mittelschiff war meist höher als die Seitenschiffe, so daß der Lichteinfall durch eine über den Dächern der Seitenschiffe liegende Fensterreihe (Lichtgaden) erfolgen kann. Aus dem halbrunden Abschluss entstand die Apsis, wo der Altar stand. Die Basilika wurde zum Grundtyp des Kirchenbaus und beherrschte den Bau bis weit ins Mittelalter. Schon im vierten Jahrhundert kamen Querschiffe hinzu, dann Krypten,Verlängerung der Apsis zum Chor, Türme und Vorhallen. Die erste christliche Basilika ist die Laterankirche in Rom (319). http://de.wikipedia.org/wiki/Basilika
Baskül f., Basculeverschluß
(frz. bascule) nach oben und unten schließendes Stangenschloß an Fenstern und Türen. Ein Drehgriff bewegt beim Schließen zwei Triebstangen auseinander, so daß sie oben und unten in die Ösen am Fensterrahmen laufen.
Bastardstab
schmaler Schrägbalken im Wappen als Zeichen der unehelichen Geburt des Empfängers des Wappens
Bätt-Schwestern
bei Kayser werden so die (weißen) Dominikaner-Nonnen (beim Schießtor) genannt
Batzen
(frühnhd. „Klumpen“) alte Scheidemünze (1 Batzen=4 Kreuzer)
Bauhaus-Architektur
Beispiele in Heidelberg: Villa Bergius (1927-1929, Albert-Überle-Straße 3-5); Villa Freudenberg (1927-1929, Posseltstraße 1); Haus Gothein (1927, Im Gabelacker 13); Weißes Haus (1928, Heiligenbergstr. 6-8); Geschäftshaus Hauptstraße 63 (Woolworth) (vgl. >Neue Sachlichkeit)
Bauknecht
Aufseher über die städtischen Bau- und sonstigen Gerätschaften
Baumkelter
Bereits bei den Römern kamen hölzerne Hebelpressen zum Einsatz, sogenannte Kelterbäume oder Baumkeltern. Nördlich der Alpen wurde diese Technik vermutlich direkt von den Römern übernommen, möglich ist jedoch auch eine Wiederbelebung des Kelterbaumes im Rahmen der frühmittelalterlichen Klosterkultur. Die Tatsache, daß viele Bauteile einer Baumkelter lateinische Bezeichnungen tragen, läßt keinen Schluss über deren zeitliche Übernahme im südwestdeutschen Raum zu. Solche Keltern wurden zum Teil bis in die 1960er Jahre benutzt.
Bavaria
jüdische Studenten-Verbindung, ihr Haus wurde am 29. April 1933 von Heidelberger NSDStB-Studenten unter Führung von Gustav Adolf Scheel besetzt
beatae memoriae
(lat.) „seligen Angedenkens“
Bede
„eine ursprünglich vom Stadt- oder Landesherren nur bei außergewöhnlicher Belastung (...) erhobene Umlage, die von den steuerpflichtigen Untertanen erbeten werden mußte (...). Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich die Bede jedoch zu einer regelmäßig erhobenen Grundsteuer.“ (Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 23, 31) (vgl. Schatzung)
Beelzebub
(hebr.-gr.-klat.) Beelzebul, „Herr der Fliegen“, vgl. Baal-Sebub (2. Könige 1,2). Name des obersten der bösen Geister im Judentum; Bezeichnung für den obersten Teufel im NT (vgl. Mt. 10, 25; 12,24)
Beforchung
Begrenzung eines Grundstücks. („einen steinen Beforchung“ Erbbestandsbrief 8. 10. 1736, UB: BATT 97 /207)
Befund
Zusammenhang, in dem archäologische Funde zueinander stehen („Funde kann man mitnehmen, Befunde muß man dokumentieren“)
Behemoth
(hebr.-lat.) „Großtier“, (hebr. behema „Tier“, jidd. behejme f. „Haustier“). Name des Nilpferd (AT), mythisches Tier der Endzeit (Apk.)
Beinhaus
die bei den kurzen Ruhezeiten in den Gräbern nicht zerfallenen Gebeine wurden in Beinhäusern auf den Kirchhöfen gesammelt (wie bei der Heidelberger Peterskirche; vgl. Karner, Ossuarium)
Beizeisen
Werkzeug zum “Einbeizen” (Einhauen schmaler Falze) des Steins entlang von vorgezeichneten Linien
beiß
(jidd. “Ort, Haus“)
Bejß-din
(jidd. von hebr. bet-din “Haus des Gesetzes“, pl. batte-din) jüdisches Zivilgericht
Bekennende Kirche
entstand 1934 innerhalb der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK). Sie wehrte sich gegen die nationalsozialistisch bestimmte Haltung der DEK und gegen die nationalsozialistisch orientierten Deutschen Christen, die von der DEK unterstützt wurden. Dabei trat die BK mit dem Anspruch auf, allein die DEK zu sein und zu vertreten. Schon am 9. Mai 1933 forderte die Jungreformatorische Bewegung die Freiheit der Kirche „von aller politischer Beeinflussung“, sagte aber „Ja zum neuen deutschen Staat.“ Wenig später begann der Kirchenkampf, der die Kirchengeschichte im Dritten Reich kennzeichnete.
http://www.reformiert-online.net/lexikon/detail.php?id=15
Bekleibung unserer lb. Frauen
Mariae Verkündigung (25. März)
Belle
populus nigra et alba, Schwarz- und Silberpappel, wächst in Auwäldern
Belvedere
(it. „schöner Blick“, syn. Bellevue) Aussichtspunkt mit schöner Fernsicht, auch ein dort errichtetes Bauwerk. Beispiele: Apollo von Belvedere, Lustschloß der Königin Anna in Prag (1536), nördliche Terrasse Schloß Heidelberg
bemoost
altehrwürdig; Bezeichnung für Studenten in den letzten Semestern
Beneficiarier
(lat.) im römischen Reich von den Provinz-Statthaltern ausgesuchte, altgediente und loyale Legionssoldaten im Range von Obergefreiten, u.a. an den Grenzübergängen des Limes eingesetzt
Benefiziar >Pfründner
Benefizium (pl. Benefizien)
(lat.) 1. Rechtswohltat, Vergünstigung, 2. Stiftsstelle, Kirchenamt, 3. >Pfründe, die mit einem Kirchenamt ständig verbundenen festen Einnahmen
benschen
(zu lat. benedicere) (jidd.) segnen, beten
Berain
vgl. Lagerbuch
Berainbuch
Begrenzungsbuch (Rain=Grundstücksrand). Im Berainbuch notierte z.B. der Deutsche Orden seine Ansprüche gegenüber abgabepflichtigen Grundstücksbesitzern. Zur Definition der Grundstücke wurden die Nachbarn aufgeführt.
Bereshith bara Elohim
(hebr.) erste drei Worte der Genesis („Am Anfang schug Gott...“)
Bergfried
(von griech. pyrgos phoretos „Tragturm“) 1. hölzernes Turmgerüst, das an die Mauern einer belagerten Feste geschoben wird, 2. wehrhafter, nicht dauerhaft bewohnbarer Hauptturm einer Burg, dessen Eingang in einem Obergeschoss lag und nur über eine einholbare Leiter zu betreten war, oft als Statussymbol
Bergsträßer Rezeß
Vertrag, am 24. September 1650 zwischen Erzbischof Kurfürst Johann Philipp von Mainz und Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz zu Neuenhayn/Wetterau geschlossen. Der Rezess beendete einen länger andauernden Streit zwischen den beiden Kurfürstentümern um territoriale und konfessionelle Ansprüche.
Inhalt: Kurmainz behält das Dorf Viernheim, die Vogtei Sulzbach und das Amt Neuenhain mit den Dörfern Neuenhain, Altenhain und Schneidhain. Die Kurpfalz erhält als Mainzer Lehen das Dorf Seckenheim und das Amt Schauenburg mit Handschuhsheim und Dossenheim. Außerdem wurde festgehalten, daß es um das Oberamt Starkenburg (u.a. mit Heppenheim) keine Streitigkeiten mehr gebe, es also zu Kurmainz gehöre.
In den abgetretenen Territorien erhielt jeweils die andere Konfession das Recht auf freie Religionsausübung, was die Einrichtung von Simultankirchen (Reformierten und Katholiken in einer Kirche) zur Folge hatte. Die St. Vituskirche in Handschuhsheim wurde seitdem (bis 1907) als Simultankirche von Katholiken (Chor) und Reformierten (Langhaus) gemeinsam benutzt.
Der >Eiserne Pfahl auf der Heidelberger Neckarbrücke markierte nun nicht mehr die Landesgrenze.
(vgl. Hansjörg Probst, Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes. Mannheim 1981; Alfred Bechtel, Der Bergsträßer Rezeß – Nachfolge-Vergleich zum Westfälischen Friedensvertrag, in: Handschuhsheimer Jahrbuch 2009, S. 109ff.; Armin Kohnle, Zwischen Mainz und Pfalz. Der Bergsträßer Rezess von 1650 und die Konfessionen, in: Irene Dingel, Wolf-Friedrich Schäufele (Hg.), Zwischen Konflikt und Kooperation. Religiöse Gemeinschaften in Stadt und Erzstift Mainz in Spätmittelalter und Neuzeit. Mainz 2006)
http://de.wikipedia.org/wiki/Bergstr%C3%A4%C3%9Fer_Rezess
Berit mila
(hebr. „Beschneidung“, jüd. Brismile). Die Beschneidung von jüdischen Jungen als Zeichen des Bundes Gottes mit Abraham und dem ganzen jüdischem Volk findet in der Regel am 8. Tag nach der Geburt statt. Die Beschneidung führt der dafür ausgebildete Mohel durch.
Berme f.
(ndl.) annähernd waagrechter Absatz einer Böschung
Beß-medresch
(von hebr. bet ha-midrasch „Haus des Studiums“) jüdisches Lehrhaus, Ort, wo sich jüdische Männer dem Tora-Studium widmen (im Unterschied zur Schul, wo auch Gottesdienst stattfindet)
bestehen
mieten, pachten. im Bestand haben = in Pacht haben, zur Miete haben
Besthaupt
das beste Stück Vieh als Abgabe bei Todfall oder Besitzwechsel (siehe auch: Hauptrecht, mortuarium)
betamt
(jüd.) geschmackvoll, geistvoll, reizend
Bet ha-knesset
(hebr.) Synagoge (vgl. beß-medresch)
Bethen, die drei (Einbeth, Wilbeth und Worbeth, die hl. drei Jungfrauen)
Der Ursprung der drei Namen ist unklar, es handelt sich vermutlich um germanische Personennamen. Die Legende zählt sie zu den Gefährtinnen der heiligen Ursula. Sie sollen bei der Rückreise aus Rom bereits in Straßburg gestorben sein, während der Rest der Ursulaschar in Köln von den Hunnen ermordet worden sei. Der Kult der Einbeth (Ambeth, Embede) ist seit der Mitte des 12. Jahrhunderts nachgewiesen. Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts scheinen ihr Wilbeth (Willebede) und Worbeth (Borbeth, Warbede) beigestellt worden zu sein. Da Einbeth in Straßburg zuerst auftritt, wird angenommen, daß ihr Vorbild eine historische Person dieses Namens bzw. deren Grabplatte in der dortigen Kirche St. Peter gewesen ist. Weitere frühe Belege finden sich im 14. Jahrhundert in Worms (Dreijungfrauenstein in der Nikolauskapelle des Doms, um 1430), Meransen und Schildthurn. Ob der Name Borbeth mit Borbetomagus, dem keltischen Namen von Worms, zusammenhängt, ist nicht nachweisbar. Im Spätmittelalter breitet sich ihr Kult v.a. in Oberbayern und Südtirol aus. Borbeth entspricht der hl. Barbara, Ambeth der hl. Margarethe (oder der hl. Anna), Wilbeth der hl. Katharina. (Tag: 16. September)
Wegen ihres unklaren Ursprungs hat diese Gruppe Spekulationen um eine heidnische Herkunft auf sich gezogen. In seiner Abhandlung Die drei Ewigen - Eine Untersuchung über germanischen Bauernglauben hat Hans Christoph Schöll 1936 eine Theorie über die drei Bethen entwickelt, die die drei Namen direkt auf germanische bzw. indogermanische Urgöttinnen zurückführt. Da die Theorie auf teils nachweislich falschen lautlichen Ähnlichkeiten ohne sprachwissenschaftliche Methodik basiert, wurde sie sogar von befreundeten Wissenschaftlern zurückgewiesen, hat aber dennoch in esoterischen Kreisen bis heute Verbreitung gefunden. (vgl. Hans Christoph Schöll, Die drei Ewigen. Eine Untersuchung über germanischen Bauernglauben. Jena 1936)
vgl. römischer Matronenstein (drei Göttinnen als Spenderinnen des Erntesegens) in der 1312 erstmals genannten Kapelle von Mümling-Grumbach
http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_heilige_Frauen
Bettelorden
(Mendikanten) Orden, der nicht nur die einzelnen Mönche, sondern auch die Klöster zur Besitzlosigkeit verpflichtet (Franziskaner, Dominikaner, Augustiner-Eremiten, Karmeliten. Die drei ersten waren im Mittelalter in Heidelberg vertreten, alle drei Klöster sind verschwunden)
Bettseicher
(mdal.) 1. Bettnässer; 2. Löwenzahn
Bettziech f.
(mdal.) 1. Kissenüberzug; 2. Übername für Leinenweber
betucht
von jidd. betuach „vertrauenswert, sicher; wohlhabend, geachtet
Betzenkammer
1. Ortsgefängnis; 2. kleiner, dunkler Raum im Haus, meist unter der Treppe, zur Aufbewahrung von allerlei Hausrat, Rumpelkammer (Odenwald, Pfalz)
Beunde
zu ahd. biunta „um was sich der Zaun herum windet“ (also geschlossenes Ackerland oder Garten). FN: Bein, Baind(t), Benn, Bende, Bender; Beu, Beune, Beunde; Bin, Binn, Binde; Benge, Binge, Bingen, -binge(n) (vgl. Heidelberger FN Im Beind, Bäumengasse)
Beute
Bienenstock
Bewehrung
heraldischer Ausdruck für Krallen, Schnäbel, Zungen, Hörner, Flossen usw. von Wappentieren. B. kommt oft in selbständiger Farbe vor, die von der ihres Trägers abweicht.
B-Fraktion
Bei der "Generaldebatte" der Heidelberger politischen Linken in der Aula des Studentenwohnheims am Klausenpfad am 21./22. November 1970 spaltete sich diese in "A-Fraktion" und "B-Fraktion". Die "B-Fraktion" gruppierte sich um das Nachfolgeorgan der theoretischen Zeitschrift des SDS Rotes Forum und nannte sich Gruppe Neues Rotes Forum (NRF). (vgl. Generalspaltung - vollständiges Protokoll einer Debatte geführt vom Heidelberger SDS 11/1970. Heidelberg 1972)
Biberschwanzziegel
flacher, falzloser Dachziegel mit einer Aufhängnase für die Dachlatte
wissenschaftliche Regionalbibliothek in Zweibrücken, eine der bedeutendsten Altbestandsbibliotheken des Landes Rheinland-Pfalz. Der Buchbestand beträgt etwa 102.400 Bände, darunter 12.000 Bände des musealen Altbestandes aus den fürstlichen Bibliotheken der Zweibrücker Herzöge. Sie verwahrt auch die Bibliotheken des "Vereins für pfälzische Kirchengeschichte" und des "Historischen Vereins Zweibrücken". Der Bestandsschwerpunkt liegt im Bereich der Regionalliteratur der Pfalz und in den geisteswissenschaftlichen Fächern.
Die Anfänge der Bibliotheca Bipontina reichen in die Reformationszeit zurück. Buchsammlungen säkularisierter Klöster im Herzogtum Zweibrücken und fürstliche Haus- und Schulbibliotheken bilden ihre Wurzeln. Die Kriege des 17. Jahrhunderts hatten die nahezu vollständige Zerstörung der bedeutenden ursprünglichen Buchbestände in Zweibrücken zur Folge. Im 18. Jahrhundert übernahm die Birkenfelder Linie der Zweibrücker Herzöge die Regentschaft in Zweibrücken. Die Bibliothek in Bischweiler wurde in die Residenz Zweibrücken geholt. Sie war von Pfalzgraf Karl I. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (†1600), Herzog Wolfgangs jüngstem Sohn, gegründet und von dessen Erben kontinuierlich erweitert worden.
Unter Christian IV. wurde dies Bibliothek sowie auch die Schulbibliothek des humanistischen Gymnasium in Zweibrücken unter der Verwaltung des Gelehrten Georg Christian Crollius wesentlich gefördert. Die Büchersammlungen überstanden die Französische Revolution und die beiden Weltkriege ohne größere Schäden.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts waren die fürstliche und die Schulbibliothek zusammen mit der Kameralbibliothek dem humanistischen Herzog-Wolfgang-Gymnasium zugeordnet. Nach dessen Auflösung wurde sie 1988 selbständige Landeseinrichtung.
Zu den Besonderheiten der alten Bibliothek gehören neben herausragenden juristischen, theologischen, geographischen und anderen Werken aus der Frühzeit des Buchdrucks, Inkunabeln und Handschriften, auch Bücher, die in der kulturgeschichtlichen Blütezeit des Herzogtums, im 18. Jahrhundert, entstanden sind. Die Bibliotheca Bipontina besitzt die nahezu vollständige Sammlung der berühmten Klassikerausgabe „Editiones Bipontinae" wie auch die zur gleichen Zeit herausgegebenen Zeitschriften: „Gazette de Deux Ponts", die „Gazette universelle de littérature" und das „Journal de littérature et choix de musique". Sie ist seit dem 1. September 2004 Teil des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz.
http://www.lbz-rlp.de/cms/bibliotheca-bipontina/
http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliotheca_Bipontina
Bibliotheca Corviniana („Corvina“)
Büchersammlung des ungarischen Königs Matthias I. Corvinus (1443-1490), bildete eine der größten und wertvollsten Bibliotheken im Zeitalter der Renaissance und wurde in das Weltdokumentenerbe aufgenommen. Die Blüte der Bibliothek begann mit der Vermählung des König Matthias mit der kunstsinnigen Beatrix von Aragón (1476). Boten wurden durch Italien, Griechenland und Kleinasien gesandt, die Handschriften klassischer Autoren sowie syrischer und hebräischer Schriftsteller aufkaufen sollten. 33.000 Dukaten standen zur Verfügung, mit denen mehr als 5.000 wertvolle Handschriften erstanden wurden. Nach dem Tod des Königs wurde der Bestand stark dezimiert. Einerseits waren die Nachfolger des Königs Matthias nicht mehr so bibliophil wie er, andererseits erfolgte nach der Eroberung durch die Türken 1541 durch Sultan Suleiman ein drastischer Abbau. Teile wurden im Serail von Konstantinopel aufbewahrt und 1869 und 1877 als Geschenke des Sultans nach Budapest zurückgebracht. In den Bibliotheken Europas sind bisher 107 lateinische Handschriften in 33 Bibliotheken bekannt, die auf die Bibliotheca Corviniana zurückzuführen sind. Ein ungarisches Projekt bemüht sich um die Retrodigitalisierung von Handschriften und Frühdrucken (Corvinen). http://www.corvina.oszk.hu/ (Bibliotheca Corviniana Digitalis, digitalisierte Handschriften und Drucke)
http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliotheca_Corviniana
eine der wichtigsten deutschen Bibliotheken der Renaissance mit umfangreichen Beständen an mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken (Inkunabeln). Auf Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz (reg. 1410-1436) geht die Gründung der Stiftsbibliothek an der Heiliggeistkirche in Heidelberg zurück, die den Kern der späteren „Bibliotheca Palatina“ bildete. Aber erst Kurfürst Ottheinrich (reg. 1556-1559) vereinigte die Buchbestände der Universität, der Stiftsbibliothek in der Heiliggeistkirche und der Schloßbibliothek der Kurfürsten von der Pfalz zur eigentlichen Bibliotheca Palatina. Unter den Beständen befanden sich u.a. das „Lorscher Evangeliar“ aus der Hofschule Karls des Großen, der „Codex Manesse“ (cpg 848) und das „Falkenbuch“ (cpl 1071) von Kaiser Friedrich II. Mit der Vereinigung der Buchbestände schuf Ottheinrich zusammen mit der Einführung der Reformation in der Kurpfalz und der Umwandlung der Universität in eine evangelische Landeshochschule ein protestantisches Zentrum der Lehre. Nach dem Vorbild der Universität Wittenberg stand eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung, die aber nicht auf dem Schloß, sondern in der Stadt, auf den Emporen der Heiliggeistkirche, Platz fand, wodurch der Zugang für Lehrende und Studenten erleichtert wurde. Nach dem Tode des Augsburgers Ulrich Fugger (1526-1584) gingen 86 weitere zum Teil berühmte Handschriften in den Besitz der Bibliothek über, so die Otfrid-Handschrift (cpl 52) und die Bilderhandschrift des Sachsenspiegel (cpg 164). Mit solch bedeutenden Manuskripten besaß die Bibliotheca Palatina den Charakter einer Reichsbibliothek und galt zur Zeit ihrer Blüte als die „Mutter aller Bibliotheken“.
Besonders wegen der umfangreichen Sammlung theologischer (überwiegend protestantischer) Literatur galt sie den Katholiken als der Hort der Ketzerei. Als im August 1622 die Kurpfalz von Truppen der katholischen Liga unter Tilly erobert worden war, wollte der bayerische Herzog Maximilian I. die berühmte Bibliothek nach München mitnehmen, mußte sie aber Papst Gregor XV. auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin überlassen. Nur die Ottheinrich-Bibel und ein Prachtchorbuch Ottheinrichs gelangten nach München. Ab Dezember 1622 wurde der Abtransport nach Rom durch den päpstlichen Gesandten und späteren Bibliothekar der Vaticana Leone Allacci organisiert. Auch ausgesuchte Bücher anderer Heidelberger Bibliotheken, so der Privatbibliothek des Kurfürsten, der Universitätsbibliothek, der kurfürstlichen Kanzlei und der Privatbibliothek von Jan Gruter, dem letzten Bibliothekar der Palatina, wurden mitgenommen und auf dem Rücken von 200 Mauleseln nach Italien transportiert.
Im August 1623 übernahm die Bibliotheca Apostolica Vaticana 184 Kisten mit 3.500 Handschriften und 12.000 Drucken, die zur Gewichtsverminderung großteils ihrer Einbände beraubt worden waren (Allacci behielt 12 weitere Kisten für sich). Im 17. Jahrhundert wurden sie neu eingebunden. Da schon Ottheinrich viele seiner Bücher hatte neu binden lassen, sind heute kaum Einbände von vor 1550 in der Palatina zu finden.
Auf Grund von Vereinbarungen während des Wiener Kongresses konnten 1816 die deutschen Handschriften in die Universitätsbibliothek Heidelberg zurückkehren. Sämtliche Drucke und die fremdsprachigen Manuskripte liegen noch heute in Rom. Die deutschsprachigen mittelalterlichen Handschriften (Codices Palatini Germanici) bilden heute eine verhältnismäßig geschlossene und literaturhistorisch bedeutende Sammlung.
Nur wenige hundert Bände, die wohl als Dubletten angesehen worden waren, verblieben in Deutschland. Dort fanden sie den Weg in verschiedene Bibliotheken. 1998 wurden in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln 67 Bände der Bibliotheca Palatina entdeckt. Der Rest wird auch heute noch im Vatikan aufbewahrt. Zum 600. Gründungsjubiläum der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1986 kamen viele Bücher für eine einmalige Ausstellung an ihren alten Standort zurück.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliotheca_Palatina
Literatur zur Universitätsbibliothek Heidelberg
Literatur zur Bibliotheca Palatina
Digitalisierte Literatur der Universitätsbibliothek Heidelberg
Bibliotheca Schwarziana
1835 von Kirchenrat Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766-1837) der Universitätsbibliothek Heidelberg gestiftete Büchersammlung
Biedermeier
1848 erschien von V. v. Scheffel Biedermann und Bummelmaier. 1855-1857 veröffentlichte der Arzt Adolf Kussmaul mit Ludwig Eichrodt parodistische Gedichte über die Figur des schwäbischen Schulmeisters „Gottlieb Biedermeier“. Als Urbild nennen sie Samuel Friedrich Sauter, Lehrer und Poet in Flehingen und Zaisenhausen (1766-1846), der aus kindhaft-zufrieden-beschränktem Sinn seine unschuldigen Verse geformt hatte. (vgl. Carl-Ludwig Fuchs, Susanne Himmelheber (Hg.): Biedermeier in Heidelberg 1812-1853. Heidelberg 1999)
Bienengesellschaft
1768 zu Lautern gegründet, 1770 als Physikalisch-Oekonomische Gesellschaft vom Kurfürsten offiziell anerkannt und unterstützt. Daraus geht am 11. April 1774 die Gründung der > Kameral-Hohen-Schule zu Lautern hervor, die 1784 als "Nationalökonomische Fakultät" der Universität Heidelberg angegliedert und 1803 aufgehoben wird.
Biergelde m.
(mhd.) nach dem Sachsenspiegel „bäuerlicher Grundbesitzer“ (vgl. Bierhelder Hof; Pfleghafte)
Bierverschiß
Verweis eines Kneipmitgliedes durch das Präsidium von der gemeinsamen Kneiptafel. Der Betreffende kann nur durch ein anderes Mitglied aus dem Verschiß herausgepaukt werden
Biestmilch
erste Milch nach dem Kalben
Biet n.
ahd. biot=Tisch, Platte; Kelterbett, Kelterkasten, vgl. Biethstraße, Weinbiet
Bifang
1. Umfang, Bezirk einer >Grundherrschaft; 2. Ackerneuland der bäuerlichen Markgenossenschaft
Bildersturm
vgl. Hans Rott, Kirchen- und Bildersturm bei der Einführung der Reformation in der Pfalz, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz 6, 1904, S. 229-254; Register, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz 6, 1904, S. 255-265
Bildungszentrum für die kirchliche Region Rhein-Neckar
katholische Einrichtung, im April 1972 im ehemaligen Studentinnenwohnheim St. Hildegard/Ziegelhausen gegründet; am 1. Oktober 2006 aus finanziellen Gründen geschlossen
Bille f.
zweischneidiger Hammer, um Riefen in den Mühlstein zu schlagen
Billet de monnaie
(frz.) Schuldschein
Bima
(hebr.-gr. „Bühne, Podium“). Erhöhung in der Synagoge, wo der >Chasan während der Feier aus der Tora liest und die Gebete spricht. Beim Lesen wird ein "Jad" gebraucht, ein Stäbchen mit einer kleinen Hand am Ende. (vgl. Almemor)
Bimbes n./m.
(mdal.) „Geld“
Bindestrich, Bindestrich-Minus
(-). Verbindet Wörter und andere Zeichen zu Komposita. (Regeln vgl. Duden)
Biogeographie
geographische Forschungsrichtung an der Schnittstelle zur Biologie. Sie befasst sich mit der heutigen Verbreitung, erdgeschichtlichen Entwicklung und den Umweltbeziehungen der Tier- und Pflanzenarten sowie mit der Verbreitung und den räumlichen Mustern von Lebensgemeinschaften, Ökosystemen und Biomen. Sie sieht die Lebewesen als Geofaktoren. Die Biogeografie kann in zwei Teildisziplinen eingeteilt werden: Phytogeographie (Pflanzengeographie) ist die Lehre von der räumlichen Verbreitung der Pflanzen und Pflanzengesellschaften. Zoogeographie (Tiergeographie) ist die Wissenschaft von der räumlichen Verbreitung der Tiere. Analog zu den Florenreichen gibt es hier Faunenprovinzen. Außerdem steht die Biogeografie in enger Verbindung zur Geobiologie, einer Teildisziplin der Biologie. (vgl. Radiokohlenstoffdatierung) http://de.wikipedia.org/wiki/Biogeographie
Bipontium
(mlat.) Zweibrücken
Bitsch f.
(mdal.) „Ziege“
Blanc manger vgl. Mandelsulz
Blasonierung
Beschreibung eines Wappens, die dann durch einen Heraldiker grafisch umgesetzt wird. Hierbei gibt es eine genau festgelegte Reihenfolge der Beschreibung einzelner Teile des Wappens. Aufgrund einer korrekten Blasonierung kann ein Wappen eindeutig "aufgerissen" (erstellt) werden.
Blechschmied
Klempner, Spengler
Bleiche vgl. Tuchbleiche
Bleiruten
Bleistege mit zweiseitiger Nut zum Einfügen von Glasscheiben in ein Fenster
Blindband
Band, aus unbedruckten („blinden“) Blättern gebunden. Er wird vor der Auftragsvergabe vom Buchbinder manuell angefertigt, um das Aussehen zu beurteilen und das Gewicht des Buches zu ermitteln. Das dabei verwendete Papier muß das spätere Auflagenpapier sein, um einen realistischen Eindruck vom fertigen Druckwerk zu erhalten und um die Buchrückenbreite für die Erstellung des Schutzumschlages exakt ermitteln zu können.
B´nai B´rith
(hebr. „Söhne des Bundes“) Independent Order of Bnai Brith, 1843 in New York gegründete jüdische Organisation, die sich ethisch-karitativen Aufgaben widmet
Bocher
(jidd.) Bursche, Schüler, Talmudschüler
Bodenzins
Abgabe, die am Grundstück haftet. („beschwehrt mit 17 112 x` Bodenzinß dem Churhospital“ 22. 5. 1712. Contractenbücher Bd. 11, S. 667)
Bogen
Papiermaß (1 Buch=25 Bogen Druckpapier; 20 Bogen=1 Ries; >Papierformat)
Bogennorm, Bogensignatur
Unter der Bogennorm versteht man die Numerierung der Buchbinderbögen, die Bogensignatur ist eine verlagsspezifische Bezeichnung.
Bogomilen
(slav. „Gottesfreunde“) eine auf der Balkanhalbinsel im 10. Jahrhundert entstandene, den >Manichäern verwandte Sekte. Nach 1463 ging die Mehrzahl zum Islam über.
Böhämmer
(mdal.) Bergfink
Book-on-Demand
(dt. für „Buch auf Bestellung“), seit Mitte der 1990er Jahre angewandtes Publikationsverfahren für Kleinstauflagen von Büchern und Druckschriften. Es basiert auf der Digitaldrucktechnik. Eine Druckvorlage liegt nur in elektronischer Form vor, Druckerzeugnisse werden erst unmittelbar nach der Bestellung produziert (im Gegensatz zum klassischen Offsetdruck).
Unter Book-on-Demand versteht man die Kombination von Digitaldruckverfahren und für Kleinstauflagen geeigneten Weiterverarbeitungsverfahren im Bereich der Umschlagveredelung und Bindung. Oft kommt der Buchvertrieb im Auftrag und auf Rechnung Dritter hinzu. Mit Hilfe der Book-on-Demand-Technik kann ein Buch in einer Auflage ab einem Exemplar hergestellt werden. Da das Buch sich immer nachdrucken lässt, hat es theoretisch eine unendliche Auflage.
Borbetomagus, Civitas Vangonium
(kelt./lat.) Worms
Bosse
unbehauener, roher Stein; unbearbeitete Stirnfläche eines Quaders
Bossenquader vgl. Buckelquader
Botrytis cinerea
Schimmelpilz, der die Weintrauben befällt, in nördlichen Weinbauregionen Europas vorhanden, führt zur Edelfäule (Beerenauslese, Eiswein)
Bourellier
(frz.) Sattler, Kummetmacher
Bouvier
(frz.) Rinderhirt
Bouvines
Am 27. Juli 1214 siegt das französisch-staufische Heer unter König Philipp II. August bei Bouvines/Flandern über das englisch-welfische Heer. England verliert den größten Teil seines Festlandbesitzes. Beginn des politischen Aufstiegs Frankreichs (vgl. Georges Duby, Der Sonntag von Bouvines. Der Tag, an dem Frankreich entstand. Berlin 2002)
Bozzetto
(it.) Entwurf, Skizze
Brache
Teil der Gemarkung, der nach dem Abernten des Sommergetreides durch Abweiden der Stoppeln genutzt, dann mit dem Pflug umgebrochen und bis zur neuen Bearbeitung ungenutzt im folgenden Jahr liegenbleibt. Danach steht das Brachland für die Einsaat des Wintergetreides zur Verfügung (vgl. Dreifelderwirtschaft)
Brachmonat
Juni
Bracke f.
Jagdhund
Breme, Brehme, Brimme f.
(mdal.) Sarothamnus vulgaris, Pfriemenginster (mhd. pfrimme f.); vgl. Derwein 1940, Nr. 75f.
Breve
(lat.) päpstliches Schreiben in einfacherer Form
Brevier
1. Buch mit den beim Stundengebet verwendeten Texten der Liturgie; 2. tägliches Stundengebet
Brieflade
Postbriefkasten (Am 1. Januar 1820 wird an der Expedition der Briefpost, der Postwagen und Diligenten im ehemaligen Jesuitengymnasium zu Heidelberg eine allzeit offene Brieflade angebracht)
Brigantinus Lacus vgl. Lacus Venetus
Brocanteur
(frz.) Trödler
Broderie
(frz.) Stickerei
Bronze
Legierung aus 90% Kupfer und 10% Zinn. Läßt sich wieder einschmelzen, was zur Vernichtung viele Bronze-Kunstwerke führt
Bronzezeit
Die Epochenbegriffe Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit sind von dem Material abgeleitet, aus denen Waffen und Werkzeug gefertigt wurden. Die Bronzezeit (in Europa um 2000-800 v. Chr.) wird nach typischen Fundgruppen in Hügelgräber-Bronzezeit (1500-1200 v. Chr.) und Urnenfelder-Bronzezeit (1200-800 v. Chr.) eingeteilt. (Im Neuenheimer Feld in der Nähe des Heidelberger Tiergartens existierte ein Dorf der Bronzezeit)
Broschur
(frz. broche f.=“Nadel“). Einfache Buchbindung. Der Buchblock wird mit Nadel und Faden geheftet und in den Papierumschlag geklebt.
Brotschrift
die Grundschrift, in der ein Werk gesetzt wird. Der Name kommt daher, daß sich der Schriftsetzer mit dem Satz der Buchstaben in den Schriftgraden 8, 9 und 10 Punkt sein Brot verdiente.
Brot & Salz
Diakonieladen des Diakonischen Werk Heidelberg in Kooperation mit der Heidelberger Tafel e.V., im September 1999 in der Plöck eröffnet http://www.hilfe-hd.de/brotundsalz.htm
Brückenzoll
1408 erlaubt König Ruprecht III. den Heidelbergern, ein Brückengeld zur Instandhaltung der Neckarbrücke zu erheben. Nach der Neuen Heidelberger Neckar Brucken-Ordnung vom 4. Januar 1789 kostet der Brückenzoll für Fußgänger 1 Kreuzer, für Neuenheimer und Ziegelhäuser nur 2 Pfennige, für Reitende 2 Kreuzer. 1878 wird der Brückenzoll aufgehoben (vgl. Accise)
Bruderschaft
Für die städtische Oberschicht war die Sicherstellung des ewigen Totengedächtnisses kein Problem. Alle anderen konnten sich keinen Grabstein und keine Totenmesse leisten. Hier sprangen seit dem späten 12. Jahrhundert die Bruderschaften ein. Kern des Bruderschaftsgedankens ist die Sicherung des Seelenheils durch die "Gebetsverbrüderung". Am jährlichen Bruderschaftstag, der "Jahrzeit", gedachte die Gemeinschaft in einer Totenmesse mit Prozession der verstorbenen Mitgliedern, deren Namen in einem Totenbuch verzeichnet waren. Anschließend traf man sich zur Rechnungslegung und zu Neuwahl der Bruderschaftsmeister, worauf ein festliches Mahl folgte. Viele Bruderschaften unterhielten einen Altar und ein gemeinschaftliches Grab. Verstarb ein Mitglied, so hielten die "Brüder" die Totenwache und trugen die Leiche zum Kirchhof. Die Bruderschaften finanzierten sich über einen jährlichen Beitrag ("Legegeld"). Eine Bruderschaft war häufig die religiöse Seite einer >Zunft. Eine besondere Aufgabe hatten sich die Pestbruderschaften gestellt. Sie begleiteten die Totenbahren und Leichenkarren mit schlichten Gesängen, sorgten für einen Priester und eine anonyme Totenmesse. Mancherorts übernahmen sie auch Transport und Begräbnis der Toten. Prozessionen und Bußübungen sollten weiteres Unheil abwenden. (Quelle: http://www.loebliche-singer-pforzheim.de/DiePestUm1500.html) (vgl. >Antoniusbruderschaft, Akademische Marianische Kongregation,Marianische Bürgersodalität)
Brühl m.
(von gall. *brogilos „Sumpfland“?) Bruch, Morast, Sumpf; feuchte Wiese, ertragreiche Wiesen, oft im Besitz der Herrschaft oder des herrschaftlichen Hofes; häufiger Flurname, Ortsname, Straßenname
Brunnengemeinde
kleine Gemeinschaft, die die privaten Brunnen unterhält (in Heidelberg bis 1858, zuletzt 21 Gemeinden). Jede Gemeinde wählte jährlich 2 Brunnenmeister, die für Erhaltung der Brunnen und Erhebung der Beiträge sorgen.
Brunnengerechtigkeit
das Recht, auf dem Grundstück einen Brunnen nutzen zu dürfen
Brunnenstube
Quellfassung, Einfassung einer Quelle zur Gewinnung von Trinkwasser. Brunnenstuben als Abschlußbauwerke der Brunnen verhindern, daß Oberflächenwasser in den Brunnen fließt und das Grundwasser verunreinigt wird. Das Bauwerk besteht dabei aus gemauerten Steinen mit Zwischenräumen, durch die das aufzufangende Wasser hindurchströmen kann. Im anschließenden Wasserbecken können sich im Wasser mitgeführte Feststoffe, durch die das Wasser verschmutzt ist, absetzen.
Bücherwurm
Antiquariat Pascale Lang, Eisenberg, ehemals Heidelberg. www.buecherwurm-hd.de
Buch
Papiermaß (1 Buch=25 Bogen Druckpapier; 20 Bogen=1 Ries)
Buch der Medizin
Kurfürst Ludwig V. "der Friedfertige" (1508-1544) redigierte und schrieb eigenhändig das sogenannte Zwölfbändige Buch der Medizin nieder http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/medhss.html
Buchformate
vgl. Papierformate
Buckel
(mdal.) 1. Rücken, 2. Höcker, 3. Hügel
Buckelquader
Viereckiger, behauener Stein, dessen Sichtseite sich buckelförmig nach außen wölbt. Der Buckel wird Bosse genannt, weswegen die Steine auch mit Bossenquader bezeichnet werden. Sie sind charakteristisch für Burgen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Buhurt
(afrz.) Ritterturnier; vgl. >Tjost
Bürger
eine rechtliche Position. Man wurde Bürger Heidelbergs durch Geburt, durch Einheirat, als Kind eines Bürgers oder durch Bezahlung eines Geldbetrages. Nach 1693 wurden "Einbürgerungslisten" geführt, in denen die zurückkehrenden Bürger bzw. die Neuaufnahmen namentlich mit Herkunft, Beruf etc. aufgeführt sind. (vgl. Lohmeyer und Mays, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz, Bd. XIII, 1928 S.377-457 und Bd. XV, 1930)
Bürgerausschuß
„In Folge § 33 des Gesetzes vom 24. Juni 1874 `besondere Bestimmungen über Verfassung und Verwaltung der Stadtgemeinde betr.´ hat der künftige Bürgerausschuß (außer den Mitgliedern des Stadtraths) aus 96 gewählten Stadtverordneten zu bestehen. Nach § 35 jenes Gesetzes werden die Wahlberechtigten zur Wahl der Stadtverordneten nach der Höhe der durch sie (die Wahlberechtigten) zu zahlenden Gemeindeumlagen in 3 Klassen eingeteilt. Nach § 36 des Gesetzes wählt jede der drei Klassen für sich besonders den dritten Theil (32) der Stadtverordneten und findet dabei keinerlei Beschränkung der Wahl auf die einzelnen Klassen der Wahlberechtigten statt (...)“ (Verzeichnis der wahlberechtigten Stadtbürger, zugleich als Einladung für die Wahl der Stadtverordneten am 22., 25. und 27. Februar 1875) (>Dreiklassenwahlrecht)
Bürger für Heidelberg
„ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1972 in die Heidelberger Stadtpolitik einmischt“ http://www.buerger-fuer-heidelberg-ev.de/index.htm
Bürgerliches Casino vgl. Harmonie-Gesellschaft
Bürgermeister
Zu unterscheiden sind im Mittelalter Ratsbürgermeister und Gemeindebürgermeister. In Heidelberg wird 1280 erstmals ein Bürgermeister erwähnt, 1471 zwei Gemeindebürgermeister. (vgl. Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 19, 28f.) Liste der Bürgermeister
Bulle
Metallsiegel, dann Papsturkunde (vgl. Goldene Bulle)
Bund der Yoga-Freunde in Deutschland
1956 von dem Yogalehrer Winfried Eggert in Heidelberg (Hainsbachweg 5) gegründet (vgl. Erste Deutsche Yoga-Schule)
Bund Freiheit der Wissenschaft
Am 18. November 1970 in Bonn-Bad Godesberg gegründeter eingetragener Verein, dessen erklärtes Ziel es ist, sich für die Freiheit der Wissenschaft und die Leistungsfähigkeit der Hochschulen und Schulen einzusetzen. Er wurde von Hochschullehrern getragen, die sich für die Freiheit von Forschung und Lehre einsetzen wollten, die sie durch die im Zuge der Studentenbewegung entstandene Politisierung der Universität bedroht sahen.
Eine Veranstaltung zum Thema "Innenpolitische Situation und Kampf gegen den braunen Bund Freiheit der Wissenschaft" im Gebäude der Neuen Universität Heidelberg am 6. Dezember 1972, bei der Prof. Peter Brückner sprechen sollte, wurde auf Weisung des baden-württembergischen Kultusministers unter Einsatz von 1153 Polizisten unterbunden.
Literatur:
Hans Joachim Geisler (Hg.), Notizen zur Geschichte des Bundes Freiheit der Wissenschaft. Berlin 2001
Hans Joachim Geisler, Richard Hentschke, Ingo Pommerening (Hg.), 15 Jahre Notgemeinschaft. 1970 bis 1985. Berlin 1986
Till Kinzel, Der 'Bund Freiheit der Wissenschaft' und die 'Notgemeinschaft für eine freie Universität' im Widerstand gegen die Achtundsechziger, in: Hartmuth Becker, Felix Dirsch, Stefan Winckler (Hg.), Die 68er und ihre Gegner. Der Widerstand gegen die Kulturrevolution. Graz 2003, S. 112-136
Hans Maier, Michael Zöller (Hg.), Bund Freiheit der Wissenschaft. Der Gründungskongreß in Bad Godesberg am 18. November 1970. Köln 1970
Walter Rüegg, 20 Jahre Bund Freiheit der Wissenschaft. Vom Defensivbündnis zum think tank, in: Freiheit der Wissenschaft 4 (1990), S. 8-14
Johannes T. Theißen, Die Rolle der Interessenverbände im Hochschulbereich unter besonderer Berücksichtigung von 'Bund Freiheit der Wissenschaft' und 'Bund demokratischer Wissenschaftler'. Bonn 1984
Nikolai Wehrs, "Tendenzwende" und Bildungspolitik. Der "Bund Freiheit der Wissenschaft" (BFW) in den 1970er Jahren, in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 42 (Juli 2008), S. 7-17
http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Freiheit_der_Wissenschaft
http://www.bund-freiheit-der-wissenschaft.de/
Bund westdeutscher Kommunisten
kommunistische Partei, 1980 erfolgte Abspaltung vom Kommunistischen Bund Westdeutschland. Eine Gruppe von ca. 600 Mitglieder um das Mitglied des Zentralkomitees des KBW Martin Fochler vollzog die Trennung unter Mitnahme erheblicher Teile der Infrastruktur. Der BWK berief sich darauf, alleine noch hinter dem Programm des KBW von 1973 zu stehen und die revolutionäre Tradition des KBW fortzuführen. Auf der 15. ordentlichen Delegiertenkonferenz am 4./5. März 1995 in Köln beschloss der BWK seine Selbstauflösung als politische Partei. http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Westdeutscher_Kommunisten
Buraliste
(frz.) Kassierer, Einnehmer
Der italienische Architekt Augusto Romano Burelli (*1938), 1997 Teilnehmer eines Workshop der Heidelberger Druckmaschinen, schlug 1999 vor, den Platz vor dem Heidelberger Hauptbahnhof zu untertunneln. Am 26. September 2001 beschloß der Heidelberger Gemeinderat, diesen Tunnel zu bauen. Im Dezember 2005 sagte Bürgermeister Raban von der Malsburg: „Burelli ist tot“ (vgl. Rhein-Neckar-Zeitung, 30. Juli 2002 und 31. 12. 2005)
Burg
verteidigungsfähiger Bau, bewehrter Wohnsitz eines Adligen. Neben der Adelsburg kommen Volksburgen, Kirchenburgen (>Wehrkirchen), Klosterburgen und Stadtburgen vor.
Burglehen
Lehen, zu dem eine Burg gehört
Burgstall
1. alte, meist unbewohnte oder schon zerfallene und abgegangene Burganlage; 2. davon herrührender Flurname
burgus
(mlat.) die im Ausbau befindliche Stadt
Buridans Esel
Gleichnis, welches die Unmöglichkeit einer logischen Entscheidung zwischen zwei gleichwertigen Lösungen zeigt: Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll. Das Gleichnis wird irrtümlich dem Pariser Gelehrten Johannes Buridan zugeschrieben. Das Argument selbst stammt aus Aristoteles' De caelo. Bei Aristoteles ist es ein Hund, der sich zwischen zwei Mahlzeiten entscheiden muß. Buridan erweiterte das Dilemma, indem er den Hunden die Möglichkeit gab, sich nicht sofort zu entscheiden. Das Gleichnis vom Esel wurde von seinen Gegnern geprägt. Buridan nutzt das Gleichnis, um seine Ansicht von der Unmöglichkeit der Willensfreiheit zu erläutern. http://de.wikipedia.org/wiki/Buridans_Esel
Bursch
ursprünglicher Bewohner einer >Burse, heute Mitglied einer studentischen Verbindung
Burschenschaft
seit 1815 bestimmte Richtung des studentischen Verbindungswesens
Burse
(mlat.) mittelalterliches Studentenwohnheim (in Heidelberg: Realistenburse, Nominalistenburse, Schwabenburse etc)
Bursfelder Kongregation
1440 durch den Abt von Bursfelde (bei Göttingen), Johannes Hagen, gegründete Vereinigung von Benediktinerklöstern der strengeren Richtung, 1803 aufgehoben. (Unter der Äbtissin Margarethe Folin von Irmtraut wird das Zisterzienserinnenkloster Neuburg 1478-1500 gemäß der Bursfelder Kongregation reformiert)
Butte f.
Rückentragegefäß für Trauben
vgl. Radiokohlenstoffdatierung
CA
Collegium Academicum, selbstverwaltetes Studentenwohnheim, am 27. Juli 1945 von der Universität Heidelberg gestiftet, untergebracht in der "Alten Kaserne" in der Seminarstraße (Seminarium Carolinum), am 18. Februar 1975 durch Beschluß des Senats der Universität aufgelöst, am 6. März 1978 von der Polizei geräumt und geschlossen
Cabaretier
(frz.) Schenkwirt
Cabora Bassa
Am 19. Juni 1970 fand im Hotel "Europäischer Hof" Heidelberg eine Konferenz zur Entwicklungshilfe und vor dem Hotel eine antiimperialistische "Cabora-Bassa-Demonstration" statt. Der Protest galt insbesondere der Beteiligung von fünf deutschen Konzernen am Bau des Cabora-Bassa-Staudamms in Mozambique, die der Festigung der portugiesischen Kolonialherrschaft dienen und sich gegen die Befreiungsbewegung in diesem Gebiet richten sollte. Im Verlauf der Demonstration wurden 8 Studenten und Studentinnen festgenommen (Joscha Schmierer, Jochen Noth, Burkhart Braunbehrens, Dietrich Hildebrandt, Claudia Stecher, Peter Tesarz, Uwe Kräuter und Thomas Ripke) und später zu Gefängnisstrafen zwischen 3 und 7 Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Bundesgerichtshof gab dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft Recht, mit der Begründung, daß die Strafen zu gering seien und die Bewährung aufgehoben werden müsse. Die Demonstration diente zum Anlaß für das Verbot des >SDS Heidelberg.
http://www.dr.dk/afrika/english/baggrund/daemning.htm.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20578/1.html
Cafasö
Akronym zu „Carl Faß und Söhne“. Name einer im Oktober 1919 eröffneten Konditorei, Café und Weinhaus (bis dahin: Wiener Hof, Hauptstraße 11-13/Fahrtgasse) durch Carl Faß und Söhne (Gebäude 1975 zerstört).
Calefactorium
(lat.) Wärmestube eines Klosters
Calendarium hebraicum siehe Kalendarium hebraicum
Calvinismus
Lehre des Jean Cauvin (1509 Noyon/Picardie-1564 Genf). Im Mittelpunkt steht die Prädestination, die Lehre von der Gnadenwahl, und die Abendmahlslehre (Christus sei während des Abendmahls geistig, aber nicht materiell anwesend). 1532-1536 wird in Genf die Reformation nach der Lehre von Cauvin durchgeführt. 1536 erscheint seine Christianae Religionis Institutio. Am 27. Oktober 1553 wird der spanische Arzt Miguel Servet wegen "Gottesleugnung" von Cauvin unter Zustimmung von Philipp Melanchthon in Genf verbrannt. Mit dem Regierungsantritt von Kurfürst Friedrich III. ("der Fromme") 1559 werden Heidelberg und die Universität zu einem der politischen Zentren des calvinistisch geprägten Protestantismus. (vgl. Heidelberger Katechismus) 1602 wendet sich der calvinistische Pfarrer Anton Praetorius mit seinem Buch Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht mit Argumenten aus der Bibel vehement gegen Cauvins und Luthers Aufruf zur Verbrennung der Hexen und fordert die Abschaffung der Folter.
Camera obscura
(lat.) Dunkelkammer (vgl. Laterna magica)
Cammer
siehe Kammer
Cana
2. Sonntag nach Epiphanias
Canaille f.
(frz.) Schurke
Canon missae
(lat.) die gleichbleibenden Gebetsteile der Messe
Caponnière
(frz.) Grabenwehr, Schießgrube, Grabenkasten, bombensicherer Gang in einer Festung (z.B. vor dem Wall des Heidelberger Schlosses)
Caput mortuum
(mlat.) Eisenoxyd (rote Farbe)
Carl-Bosch-Museum
am 15. Mai 1998 im ehemaligen Boschschen Garagenhaus im Schloß-Wolfsbrunnenweg eröffnetes Museum www.museum.villa-bosch.de
Carlsberg
Homburger Schloß des Herzog Carl II. August von Pfalz-Zweibrücken, um 1775 gebaut, 1778-1785 zur herzoglichen Residenz erweitert. Nach ihm benannte Carl Koch 1796 seine Wirtschaft beim Mitteltor in Heidelberg (heute: Hauptstraße 131-133)
Carl zur Deutschen Biederkeit
Loge, vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. V, S. 41
Carl zur geprüften Treue
Loge, vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. V, S. 41
Carl zur guten Hoffnung
Loge, vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. V, S. 41
Carlo Sponti
Zeitschrift für das Leben davor, 1973 gegründete und von Manfred Metzner herausgegebene Heidelberger Zeitschrift, stellt 1978 mit Nr. 45 ihr Erscheinen ein (vgl. http://www.free.de/dada/dada-p/P0000818.HTM Archiv soziale Bewegungen der Universität Freiburg)
Carmel vgl. Congregation of Mother of Carmel
Carolin
neuzeitliche Geldeinheit, entspricht 11 Gulden. Nachahmung des Louisdor. Als Goldmünze 1730 in Neapel und 1755 in Sardinien geprägt, wahrscheinlich auch in Mannheim um 1732 geschlagen.
Carte blanche
(frz.) Blankovollmacht
Casino, bürgerliche vgl. Harmonie-Gesellschaft
Casino, katholische vgl. Katholische Kasino
Causa palatina
(lat.) Die sog. Causa palatina (IV. Artikel des Osnabrücker Friedensvertrages) beendete 1648 einen 300 Jahre anhaltenden verfassungsrechtlichen Konflikt um die Königswahl im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ursprünglich eine Auseinandersetzung zwischen der Pfalzgrafschaft bei Rhein und den bayerischen Wittelsbachern um den Vorrang bzw. die Gleichstellung im Reich, weitete sich der Konflikt nach der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert aus. Während des Dreißigjährigen Krieges stritten die Katholische Liga und die Protestantische Union nicht zuletzt um die Frage, ob das Reich einen katholischen oder einen protestantischen Kaiser erhalten sollte, ob also die katholischen Wittelsbacher oder die protestantischen Pfälzer den deutschen König wählen sollten. Eine Lösung der Pfalzfrage brachte der Westfälische Frieden durch die Schaffung einer achten Kurwürde.
Cautio criminalis
(lat.) Abhandlung gegen die Hexenprozesse, 1631 von dem Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld veröffentlicht
Cautio pignoratoria
(lat.) Pfandsicherheit (vgl. pignus)
Celesta
Stahlplattenklavier mit „himmlischem“ Glockenklang (in der Providenzkirche befindet sich ein solches)
Cella
(lat.) Kammer, Zelle; (mlat.) Mönchszelle, >Kloster ("cellam novam in monte Abrinsberc", erste Erwähnung des Stephanskloster auf dem Heiligenberg im Codex Laureshamensis; 1130 gründet Anshelm auf einem Bergsporn bei der Mündung des Mausbach in den Neckar in einer alten Burg die "Cella zu Niwenburg" als Tochterkloster von Lorsch)
Cellarius-Atlas
„Harmonia Macrocosmica“, bebilderter Himmelsatlas des Astronomen, Mathematiker, Kosmographen Andreas Cellarius (1596/1665), 1660 veröffentlicht
cendré(e)
(frz.) hellblond
Cent siehe Zent
CENTAG
Central Army Group, amerikanische Heereseinheit, begann 1952 im Rahmen der U.S. Army Europe mit ihrer Aktivität in den Campbell Barracks, Heidelberg. Im August 1961 zog das Headquarter der CENTAG in die Hammonds Barracks in Seckenheim. Im Dezember 1980 kehrte CENTAG zu Campbell Barracks zurück, wobei sie sich mit der 4th Allied Tactical Air Force (4 ATAF) und der Allied Command Europe Mobile Force-Land (AMF(L)) zusammenschloß. Am 30. Juni 1993 wurden die 4 ATAF und die CENTAG deaktviert, und Teile der 4 ATAF bildeten die zur NATO gehörenden Allied Air Forces Central Europe (AIRCENT) in Ramstein. Dann vereinigte sich CENTAG mit Teilen der Northern Army Group, um im Juli 1993 die Allied Land Forces Central Europe (NATO-Landstreitkräfte Mitteleuropa, LandCENT) zu bilden. vgl. Amerikaner
Ceres
altitalische Göttin des pflanzlichen Wachstums (vgl. Zerealien, Demeter)
Cerevis(mütze)
(lat. cerevisia=“Art Bier“) kleine, flache, schirmlose, bestickte, studentische Kopfbedeckung, eine einfachere Ausführung ist die Biertonne (Tönnchen)
ceteris paribus
(lat.) unter sonst gleichen Umständen
cf.
lat. confer=vergleiche
Chaje
(jidd.) „Tier“
Chalcographe m.
(frz.) Kupferstecher
Chalkographie
(gr. chalkos=“Erz, Kupfer“, graphe=“Druck“) >Kupferstich
Chamois`sche Liste
eine von dem französischen Gesandten Chamois dem Regensburger Reichstag im Juni 1699 vorgelegte Liste von 1900 linksrheinischen Orten, in denen nach einer Klausel des Friedensvertrags von Rijswijk trotz Rückgabe an das Reich die von der französischen Beasatzung zugunsten der katholischen Kirche getroffenen Änderungen des Besitzstandes in Kraft bleiben sollten
Chamez, Chomez
(hebr.) „gesäuerte Speise“, jidd. chómez „Sauerteig“. An >Pessach verboten, daher wird ungesäuertes Brot (Mazza) verzehrt
Chanukka
(hebr. chanuká „Weihe, Einweihung“, jidd. chánike m.) weltliches Fest der Einweihung, „Lichterfest“, beginnt am 25. Kislew und wird acht Tage gefeiert. Es erinnert an die Einweihung des Tempels nach dem Sieg der >Makkabäer 165 v. Chr. über die syrisch-griechischen Besatzer (Seleukiden, Makk. 1 und 2). Jeden Tag wird an der Chanukkia (achtarmiger Leuchter) ein Licht mehr angezündet. Daher wird Chanukka auch Lichterfest genannt. (vgl. Menorá)
Chanson de Roland
um 1100 in Nordfrankreich entstanden, um 1135 vom Regensburger Pfaffen Konrad in deutsche Reimpaare übertragen (heute: Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 112) http://digi.ub.uni-heidelberg.de/sammlung6/buch/Cimelia1975.xml?docname=Cimelia1975&pageid=PAGE0055
Chaptalisieren
Anreichern von Most vor der Gärung mit Kristallzucker zur Erhöhung des Alkoholgehaltes von Wein. Benannt nach dem Chemiker und Minister unter Napoléon I., Jean-Antoine Chaptal.
Charis, pl. Chariten
(gr.) 1. Göttin der Anmut; 2. Titel einer Zeitschrift (Charis. Rheinische Morgenzeitung für gebildete Leser. Mannheim, April 1821-Dezember 1824 http://www.udo-leuschner.de/zeitungsgeschichte/zensur/charis.htm)
Charisma
(gr.) „Gnadengabe“
Charpentieria itala
Turmschnecke, in Deutschland bisher nur im Heidelberger und im Schwetzinger Schloßgarten und bei Weinheim nachweisbar
Charron
(frz.) Wagner
Charta von Florenz
Der stetige Wandel liegt in der Natur aller bepflanzten Räume. Pflanzen verändern ihre Form, wachsen in die Höhe und Breite, werden geschnitten, von Unkräutern überwachsen, von Schädlingen befallen, vom Wetter gezeichnet. Ohne die Pflege durch den Menschen sind Garten- und Freiraumkonzepte bald nicht mehr lesbar und ohne Kenntnis der Kulturgeschichte des Gartens geschieht dies vielerorts Tag für Tag unbemerkt. Deshalb gründete die Internationale Föderation der Landschaftsarchitekten IFLA mit ICOMOS 1971 ein Komitee für historische Gärten. Mit der Charta von Florenz wurde 1981 ein Regelwerk verfasst, welches den denkmalpflegerischen Umgang mit schutzwürdigen Gärten international klären sollte. In dieser Charta wird eine umfassende Definition des Gartendenkmals formuliert und explizit festgehalten, daß Gärten Teil des kulturellen Erbes sind und entsprechend geschützt werden sollen. Die Charta von Florenz definiert historische Gärten folgendermaßen: „Der historische Garten ist ein Bauwerk, das vornehmlich aus Pflanzen, also aus lebendem Material besteht, folglich vergänglich und erneuerbar ist. Sein Aussehen resultiert aus einem ständigen Kräftespiel zwischen jahreszeitlichem Wechsel, natürlicher Entwicklung und naturgegebenen Verfall einerseits, und künstlerischem sowie handwerklichem Wollen andererseits, die darauf abzielen, einen bestimmten Zustand zu erhalten.“
http://www.nike-kultur.ch/fileadmin/user_upload/PDF/Charten/charta_florenz.pdf
Chasan
(hebr. „Seher“, jidd. chasn m., pl. chasónim) Vorbeter in der Synagoge, Kantor
Chasserboser
(jidd.) chasir bosser „Schweinefleisch“
Chasselas
Gutedel (Rebsorte)
Chassíd
(hebr. „fromm, Frommer“; jidd. chóßid m., pl. chaßídim) 1. besonders frommer Mann, Schüler eines großen Rabbi; 2. Anhänger der chassidischen Philosophie und Lebensweise
Chassídismus
religiöse Bewegung des osteuropäischen Judentums, entstanden im 18. Jahrhundert
Chaussee
(frz.) Landstraße, mlat. via *calciata „mit Kalkstein gepflasterte Straße“ ergibt frz. chaussée. Das Wort dringt seit dem Bau der ersten deutschen Kunststraße zwischen Nördlingen und Öttingen 1753 bei uns ein. (vgl. Judenchaussee zwischen Leimen und Bruchhausen; Schwetzinger Chaussee; vgl. Derwein 1940, Nr. 589) (syn. Kunststraße, Dammweg, Hochweg)
Chejder
(jidd.) Raum, Lernzimmer, jüdische Schule
Chewre f.
(jidd.) Verein, Gesellschaft
Chewre-kadische
(jidd.) Beerdigungsverein
Chewra Kadischa
1852 in Heidelberg gegründeter jüdischer Verein zur Unterstützung von Kranken und zur Durchführung von Bestattungen
Chiaroscuro
(it.) Helldunkel
Chimäre
(gr. chimaira) 1. Fabeltier, feuerschnaubendes Ungeheuer, nach Homer vorne Löwe, in der Mitte Ziege, hinten Drache; 2. Fisch der Sippe Seedrachen; 3. Propfbastard
Chintz
(von hindi chīţ) leinwandbindige, dichte Gewebe aus Baumwolle, Polyester oder Mischgarnen, einfarbig oder bedruckt, häufig mit traditionellen Blumenmustern. Den hochglänzenden Charakter erhält die Ware durch das Kalandern der Oberfläche mit hohem Druck bei hoher Temperatur. Die rechte Warenseite ist meist leicht gewachst. (vgl. Zitz)
Chiromantie
Lehre, aus denm Handlinien das Schicksal zu lesen
Chóchem m., pl. chachónim
(von hebr. chachám „weise“) kluger, weiser, gebildeter Mann, Gelehrter, Fachmann, bzw. kluge Frau. Ein Chóchem ist jemand, der Chochme (Weisheit) zeigt. Das Wort kochem oder kochemer ist als „Philosoph, Weiser“ in den Wiener Dialekt eingegangen. (vgl. „ausgekocht“, jidd. chochma „Witz“)
Chojdesch
(jidd.) „Monat“
Chor
Ostteil einer Kirche, ursprünglich für den Chorgesang der Mönche bestimmt. Besteht in der Regel aus einem quadratischen Raumteil in Verlängerung des Mittelschiffs und der nach Osten zurückgeschobenen >Apsis
Chosen, pl. chaßánim
(jidd.) Bräutigam, aus hebr. chatán „Feiernder, Bräutigam“
Christmonat
Dezember
Christogramm
Christus-Monogramm, bestehend aus den griechischen Buchstaben X und P (Chi – Rho)
Chronogramm
(gr. chronos=“Zeit“, gramma=“Schrift“) Einige römische wie auch griechische Lettern sind doppelwertig, sowohl Buchstabe als auch Zahl. Dadurch kann man durch eine Inschrift eine Datierung mitteilen, wenn man die entsprechenden Lettern hervorhebt.
Chronologie der Straßen und Wege
Chrysalide
(gr.) goldglänzende Schmetterlingspuppe
chthonisch
(gr.) der Unterwelt, dem Totenreich zugehörig
Chuppa f.
(hebr. chupá „Zimmer, Bedachung“, jidd. chúpe f., pl. chúpeß) Hochzeitsbaldachin
Chuzpe f.
(hebr. chuzpá „Unverschämtheit, Dreistigkeit“) jidd. „Unverschämtheit, Frechheit, Anmaßung, Arroganz“. „In Deutschland wird es gern mit einer fatalen, zungenschnalzenden Anerkennung´benutzt, die im ursprünglichen jiddischen Wortgebrauch nicht enthalten ist“ (Leo Rosten, Jiddisch. Eine kleine Enzyklopädie. München 2006, S. 154)
CIC
1. Codex Iuris Canonici, Gesetzbuch des katholischen Kirchenrechts; 2. Counter Intelligence Corps, US-amerikanische Behörde, 1945 u.a. tätig bei der Entnazifizierung der Universität Heidelberg
Cicero
verbreitete Maßeinheit, enspricht einem Schriftgrad von 12 Punkt Kegelstärke, ca. 4,5 mmm
Circumcisionsstil vgl. Neujahr
Civitas
1. (Römerzeit) regionale Verwaltungseinheit einer Provinz, Bürgerschaft eines Gebiets (nicht „Stadt“; vgl. municipium). 2. (Mittelalter) „Stadt, verfaßte Bürgerschaft“ (vgl. oppidum) (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Teil I, in: Kraichgau 10/1987, S. 80f.)
Civitas Alisinensium
(lat.) Elsenzgau
Civitas Nemetum vgl. Noviomagus Nemetum
(lat.) Speyer(gau)
Civitas Ulpia Sueborum Nícrensium
Civitas der Neckarsueben. 85-150 n. Chr. wurde das untere Neckarland mit dem Hauptort Lopodunum (98 n. Chr. von Kaiser Traianus gegründet) zur römischen Civitas Ulpia Sueborum Nícrensium (vgl. Suebi Nícrenses) (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Teil I, in: Kraichgau 10/1987, S. 85f.; Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 64)
Civitas Vangonium vgl. Borbetomagus
(lat.) Worms(gau)
Clara du Plessis und Clairant
Titel eines Romans von August Heinrich Julius Lafontaine, der u.a. beim Wolfsbrunnen spielt (erschien 1795)
CMC
constant multitasking craziness
CMYB
Die vier Druckfarben Cyan (Blau), Magenta (Rot), Yellow und Black. Aus den ersten drei Grundfarben lassen sich alle gewünschten Mischfarben erzielen. Schwarz wird separat aufgetragen.
Coadjutor , Koadjutor
(lat.) beigeordneter Geistlicher in der katholischen Kirche, meist mit dem Anspruch auf Nachfolge
Codex, pl. codices
von lat. caudex „abgeschlagener Baum“, „gespaltenes Holz“, „hölzerne Wachstafel“. Handgeschriebenes Buch (vgl. Codex Iuris Canonici, Codex argenteus, Codex aureus, Codex Siniaticus, Codex Laureshamensis, Codices Palatini Germanici, Codices Palatini Latini etc.; vgl. Kodikologie) http://de.wikipedia.org/wiki/Kodex
Codex Iuris Canonici (CIC)
Gesetzbuch des katholischen Kirchenrechts
Codex Laureshamensis vgl. Lorscher Codex
Codex Manesse vgl. Manessesche Liederhandschrift
Cod. Pal. germ.
Codex Palatinus germanicus, Signaturengruppe der "Bibliotheca Palatina"
Cod. Pal. graec.
Codex Palatinus graecus, Signaturengruppe der "Bibliotheca Palatina"
Cod. Pal. lat.
Codex Palatinus latinus, Signaturengruppe der "Bibliotheca Palatina"
coenobium n.
(lat.) Kloster
Collation
(frz.) Imbiß
Collegium Academicum
http://www.heidelberg-marketing.de/content/e553/e4862/e5953/index_ger.html
Colonia Augusta Treverorum
(Provinz Belgica) römische Kaiserresidenz des Westens
Colonia Claudia Ara Agrippinensium
Hauptstadt der römischen Provinz Germania Inferior
Colonia Ulpia Traiana
Xanten
Comecia
(lat.) „Gerichtsbarkeit“ (Am 24. März 1225 belehnte Bischof Heinrich von Worms, den Wittelsbacher Ludwig I., Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein mit Burg und Burgflecken Heidelberg sowie mit der comecia Stahlbühel bei Ladenburg.)
Comes palatii, Comes palatinus (CP)
(lat.) Pfalzgraf
Commis greffier
(frz.) Gerichtsschreiber
Compater vgl. Gevatter
Component Command Land
Hauptquartier der Nato in Campbell Barracks (Römerstraße)
Confessio Augustana vgl. Augsburger Bekenntnis
Confoederatio bohemica
In der Konföderationsakte vom 31. 7. 1618 erklärten die böhmischen Stände sich zur freien, ständisch verfassten Wahlmonarchie, König Ferdinand wurde abgesetzt (22. 8. 1619) und der pfälzische Kurfürst Friedrich V. zum König gewählt (26./27. 8. 1619).
Confoederatio cum princibus ecclesiasticis
Reichsgesetz, 1220 von Kaiser Friedrich II. zugunsten der geistlichen Fürsten erlassen (vgl. Statutum in favorem principum)
Congregatio Missionis
Kongregation der Priester von der Mission (>Lazaristen, Vinzentiner), 1781 von Kurfürst Carl Theodor in das Eigentum der Jesuiten eingesetzt. Die Lazaristen übernehmen bis 1793 die Aufgaben und Anstalten der Jesuiten, u.a. die Führung des Collegium Carolinum (vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 444ff.)
Congregation of Mother of Carmel
katholischer Frauenorden, dessen indische Ordensschwestern seit 1986 kranke und alte Menschen in Heidelberg-Wieblingen betreuen
Conseiller municipal
(frz.) Stadtrat
Constitutio Antoniniana
212 verleiht Kaiser Caracalla allen freien Bewohnern des römischen Reiches das römische Bürgerrecht (Ausdehnung der Staatsbürgerschaft auf "Fremdrassige")
Constitutio Criminalis Carolina
„Peinliche Gerichtsordnung“. Erster Versuch eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuch, von Karl V. auf dem Reichstag zu Regensburg 1532 zum Reichsgesetz erhoben. Bestätigung des Offizial- und Inquisitionsprinzip (Strafrechtspflege als staatliche Aufgabe), Einführung der Lehre vom gesetzlichen Beweis nach der Theorie des italienisch-kanonischen Prozesses, Anwendung der Folter nach genauen gesetzlichen Bestimmungen (Indizienlehre). Auf ihrer Grundlage entwickelte sich aber in den folgenden Jahrhunderten ein allgemeines deutsches Strafrecht.
Contubernium vgl. Kontubernium
Corps de Logis
(frz.) Hauptbau eines (Barock-)Schlosses, der die Mitte einer mehrflügeligen Anlage bildet oder als separates Gebäude besteht. In den meisten Fällen ist er gegenüber anderen Gebäudetrakten formal betont, z. B. durch seine Größe oder besonderen architektonischen Schmuck. Die zentrale Achse des Gartens ist meist auf das Corps de Logis ausgerichtet. - Corps de Logis wurde auch die Katholische Schaffnerei genannt, östlicher Erweiterungsbau des Jesuitenseminar (Seminarium Carolinum) von 1763
Corpus Christi
(lat.) „Leib Christi“, katholisches Altarsakrament
Courant vgl. Kurant
CP vgl. Comes palatii, Comes palatinus
Crucenacum
(mlat.) Kreuznach
cum laude
(lat.) „mit Ruhm, mit Lob“ Prädikat eines Hochschulabschlusses, drittbeste Note in der Doktorprüfung
Curator
(lat.) Vormund, Pfleger, Fürsorger
Curatorium
oberste Behörde der badischen Universität Heidelberg, mit dem Ministerium des Innern vereinigt
currentis
(lat.) dieses Jahres, Monats
Curt Engelhorn-Seminarzentrum
der Universität Heidelberg in Oberflockenbach (vgl. Unterländer Studienfonds)
Cyan
(von gr. kyaneos „stahlblau“). Blaue Druckfarbe (vgl. CMYB)
Untere Kante eines schrägen Daches. Nach dem Sachsenspiegel muß die Dachtraufe so angebracht sein, daß das Wasser in den eigenen Hof läuft
Dachtraufrecht
das Recht, Regenwasser direkt von der Traufe abtropfen zu lassen, nicht in einer Kandel abzuleiten. Auch Erlaubnis, zum Nachbarn hin einen Dachüberstand zu bauen.
dafke (Adverb)
(jidd. dáfke „gewiß, durchaus, gerade, trotzdem, notwendig“ aus aram. dawka „so und nicht anders“). Berlinisch aus Daffke „zum Trotz“
Dalles
(jidd.) Unglück
Damaszieren
Feuerverschweißen von Eisen und Stahl, um Elastizität mit Härte zu verbinden
damnatio memoriae
(lat.) Ächtung der Erinnerung. Wenn ein römischer Kaiser nach seinem Tode durch Senatsbeschluß der Ächtung seines Andenkens verfiel, wurde sein Namen auf Denkmälern ausgetilgt (so bei Nero, Domitianus, Commodus).
Dampfstraßenbahn
1891 wurde die Nebenbahn Heidelberg- Mannheim eröffnet. Am 5. Oktober 1929 fuhr zum letzten Mal eine reguläre Dampfstraßenbahn der OEG zwischen Heidelberg und Mannheim und zwischen Heidelberg und Handschuhsheim. Am folgenden Tag wurde die elektrische Fernbahn Heidelberg Bismarckplatz - Mannheim Hbf der OEG eröffnet. Die OEG fährt von nun an von Heidelberg bis Hans-Thoma-Platz elektrisch, dann weiter mit Dampf.
"De Coelo Victoria" Devise des Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz ("der Weise", 1482-1556) (vgl. Tafel in der Stützmauer des Schloßaltans)
D D D
dat, dicat, dedicat=er gibt, weiht und widmet. Römische Formel für Gegenstände, die man den Göttern weiht
Dechanat
Amtsbereich eines Dechanten
Dechanei
Wohnung eines Dechanten
Dechant
Vorsteher eines mittleren kirchlichen Landbezirks (1418: Stiftung eines 13. Kanonikats für die Dechantenstelle an Heiliggeist) (vgl. Dekan)
Decumates agri
vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 62ff.
dehortieren
abmahnen, warnen
Deichel, Teichel f. (pl. Teichlen)
meist hölzerne Röhren, die als Wasserleitung dienen. „In Bruch steinernen Teichlen zu bewerkstelligen. So ohndauerhaft die hölzern Teichlen seynd, desto ohnhaltbarn Seynd die steinernen“ (26. 7. 1776. Schriftstück zum Bau einer Wasserleitung Heidelberg nach Mannheim. UBHD: BATT 97/64 r) (vgl. Kandel)
déka
(gr.) Zahlwort „zehn“ (vgl. Dekade, Dekaeder, Dekagramm, Dekalog, Dekapode, >Dekan)
Dekan
1. Leiter einer Hochschulfakultät; 2. Vorgesetzter von Pfarrern (vgl. Dechant)
Dekan-Sabel-Skandal
Am 20./21. September 1843 gab es nach einer Leichenpredigt auf dem Friedhof St. Peter Tumulte am Pfarrhaus des Pfarrers der Peterskirche in Heidelberg, Johann Philipp Sabel, sie wurden durch Militär aus Mannheim unterdrückt.
Dekatierer
von dekatieren = Wollstoffe durch Dämpfen krumpffrei und nadelfertig machen (1916 gab es in Heidelberg 3 >Tuchscherer und Dekatierer)
Dekretale n.
(lat.) päpstliche Verfügung
de lege ferenda
(lat.) vom Standpunkt des Gesetzgebers
delineavit
(lat. „er/sie hat gezeichnet“) Vermerk auf Druckgraphik hinter dem Namen des Zeichners, wenn er nicht der Ätzer/Stecher/Schneider ist
Demeter vgl. Ceres
Dem lebendigen Geist
Inschrift über dem Haupteingang des Gebäudes der Neuen Universität, wohl von Friedrich Gundolf 1931 formuliert, anläßlich der 550-Jahrfeier der Universität 27. Juni-1. Juli 1936 durch "Dem deutschen Geist" ersetzt, 1945 wieder eingesetzt.
in Heidelberg gibt es während der Revolutionszeit 1848/1849 einen demokratischen Studentenverein (vgl. Wolgast, Karl Hagen, S. 296)
Denarius
(lat.), 1. römische Hauptsilbermünze; 2. (nkl.) Goldmünze, Dukat; 3. (spätrömische Kaiserzeit) Kupfermünze; 4. Abkürzung d. für penny/pence auf englischen Münzen (vgl. Groschen, Heller, Kreuzer, Pfennig)
Denkmalschutzgesetz
1949 trat das badische Denkmalschutzgesetz, am 25. Mai 1971 das Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg in Kraft (geändert 1983, 1987, 1993, 2001).
Denudation
(Geologie) flächenhafte Entblößung des festen Untergrundes von seinen Verwitterungsstoffen
Département
Oberster Verwaltungsbezirk der französischen Republik. An der Spitze des Département steht der Präfekt und der aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Conseil général. Unterabteilung ist das Arrondissement, dem der Unterpräfekt vorsteht. - Am 17. Oktober 1797 schließt Kaiser Franz II. mit Napoléon den Frieden von Campo Formio. Österreich tritt in einem geheimen Zusatzabkommen fast das ganze linke Rheinufer an Frankreich ab und wird mit der Republik Venedig entschädigt. Am 23. Januar 1798 wird das französisch besetzte Gebiet links des Rheins in 4 Departements eingeteilt: Département de la Roer (mit Hauptort Aachen), Département de la Sarre (mit Hauptort Trier), Département de Rhin-et-Moselle (mit Hauptort Koblenz), Département Mont-Tonnerre (mit Hauptort Mainz). Das Direktorium beauftragt den Elsässer Franz-Josef Rudler mit dieser Aufgabe und ernennt ihn zum "Generalregierungskommissar aller eroberten Länder zwischen Maas und Rhein und Rhein und Mosel":
descontenanciert
(frz./dt.) außer Fassung
deúteros
(gr.) Zahlwort „zwei“ (vgl. Deuterium, Deuteron, Deuteragonist, Deuteronomium)
Deutsch-Amerikanischer Frauenklub/German-American Women´s Club
1948 gegründet. Erste Präsidentin: Dr. phil. Katharina Freifrau von Künßberg (1883-1978)
Deutsche Bund
Voller Name: „Wandervogel, Deutscher Bund für Jugendwanderungen“, gegründet 1907. Er bemüht sich um die Ausweitung der Wandervogel-Bewegung auf alle Stände, lässt Mädchenwandergruppen zu, vertritt ein striktes Alkoholverbot und übernimmt unter der Leitung von >Hans Breuer die geistige Vorherrschaft der Wandervogel-Bewegung.
Deutsche Demokratische Partei (DDP)
liberale Partei der Weimarer Republik, die an fast allen Reichsregierungen bis 1932 beteiligt war. Sie ging 1918 aus der linksliberalen Fortschrittlichen Volkspartei hervor. Am 16. November 1918, genau eine Woche nach der Revolution in Berlin, erschien in der Morgenausgabe des Berliner Tageblattes unter der Überschrift Die große demokratische Partei ein von Theodor Wolff verfaßter und von 60 namhaften Persönlichkeiten unterzeichneter Gründungsaufruf. Am 20. November 1918 vereinigten sich die Fortschrittliche Volkspartei und ein erheblicher Teil der Nationalliberalen mit den Unterzeichnern des Aufrufes vom 16. November 1918 auf die Grundsätze dieses Aufrufes. Das Programm der DDP war eine Synthese aus liberalem und sozialem Gedankengut, wie sie bereits Friedrich Naumann in der Vorkriegszeit versucht hatte. Die DDP vereinte liberale, nationale und soziale Positionen, grenzte sich aber von der Annexionspolitik der früheren Nationalliberalen ab. 1930 vereinigten sich Teile der DDP mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei. Im Prozeß der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die DStP am 28. Juni 1933 aufgelöst.
Prominente Mitglieder der DDP waren Außenminister Walther Rathenau, der erste Parteivorsitzende Friedrich Naumann, >Theodor Heuss, Thomas Mann, Wilhelm Külz, die Publizisten Theodor Wolff und Georg Bernhard von der Vossischen Zeitung, der Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde, der Pazifist Hellmut von Gerlach, Eduard Hamm, Hugo Preuß (der „Vater“ der Weimarer Verfassung), der Gewerkschaftsführer Anton Erkelenz, Reichsjustizminister Erich Koch-Weser, der langjährige Hamburger Bürgermeister Carl Wilhelm Petersen, der Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß, der Reichstagsabgeordnete und spätere Bundesminister Ernst Lemmer, der spätere erste Ministerpräsident von Württemberg-Baden, Reinhold Maier, der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, sowie kurzzeitig der Soziologe >Max Weber. Die DDP bot vielen frauenpolitisch aktiven Frauen der Weimarer Republik eine Heimat, wie >Gertrud Bäumer und Marie Elisabeth Lüders. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Demokratische_Partei
Deutsche Gesellschaft, kurpfälzische (zur Reinigung der deutschen Sprache)
1775 von Kurfürst Carl Theodor gegründet; Mitglieder u.a. Wieland, Klopstock, Lessing, Schiller, Adolph Freiherr von Knigge
deutsche Herr
Mitglied des Deutschen Ordens
Deutsche Hochschulgilde Hans Breuer
1996 gegründete, nicht schlagende, farbtragende Gilde in der Deutschen Gildenschaft zu Heidelberg, benannt nach dem Arzt Hans Breuer (1883-1918)
deutsche Schrift
die Druckschriften Rundgotisch, >Gotisch, >Schwabacher und >Fraktur aus der Familie der gebrochenen Schriften
Deutsche Tuberkulose-Archiv
1996 von Dr. Robert Kropp gegründet, seit 2009 im Rohrbacher Schlößchen
Deutsche Zeitung
erscheint täglich zwischen 1. Juli 1847 und Oktober 1848 in Heidelberg mit einem Leitartikel. Herausgeber: Georg Gottfried Gervinus, Ludwig Haeusser, Karl Joseph Anton Mittermeier. Verleger: Friedrich Daniel Bassermann und Karl Mathy
Deutschmeister
Landmeister des Deutschen Ordens für die binnendeutschen Ordensballeien (West- und Süddeutschland), seit dem 14. Jahrhundert auch verantwortlich für die >Balleien im Mittelmeerraum („Meister in deutschen und welschen Landen“). Der Deutschmeister stand zwischen >Hochmeister und Landkomtur und entwickelte sich seit dem 15. Jahrhundert zum Gegenspieler des Hochmeisters, später im Rang eines Reichsfürsten. Seine Residenz bis 1525 war Burg Horneck bei Gundelsheim/Neckar, bis 1805 Mergentheim.
Deutschnationale Handlungsgehilfenverband
Gewerkschaft der männlichen kaufmännischen Angestellten, Sitz Hamburg, 1933 zum Deutschen Handlungsgehilfenverband gleichgeschaltet
Deutsch-Türkische Vereinigung
1914 in Berlin gegründet; am 12. November 1915 wird die Ortsgruppe Heidelberg des badisch-pfälzer Landesverbandes gegründet. (Am 24. April 1915 begann die Ermordung und Vertreibung der Armenier in der Türkei)
Devotio moderna
(mlat. „neue Frömmigkeit“) Unter dem Einfluß der Mystiker Meister Eckhart und Johannes Ruysbroeck pflegen Gerhard Groote (1340-1384), seine Freunde und Schüler (Gemeinschaft der Brüder vom gemeinsamen Leben) eine religiöse Erneuerungsbewegung, die auf scholastische Spekulationen verzichtet und die Nachfolge Christi in der persönlichen, inneren Frömmigkeit anstrebt. Als einflussreicher Vertreter der Devotio moderna gilt Thomas a Kempis (1379/1471, „De imitatione Christi“)
Diakon
(gr. diakonos, von diakonein=“Dienstleistungen erbringen“) Diener, Minister
Diapason
1. Bereich zwischen dem höchsten und dem tiefsten Ton, der von einer Stimme oder einem Instrument hervorgebracht wird, Stimmumfang, Tonumfang; 2. Stimmgabel
Diatribe
(gr.) belehrender Vortrag, in dem potentielle Einwände vorweg genannt und beantwortet werden; gelehrte Abhandlung, Streit- und Schmähschrift
dick
Bez. für Lutherische (vgl. hart, steif)
Dickte
(Typographie) gibt die unterschiedliche Breite, d.h. die horizontale Ausdehnung der Buchstaben an
Didache
(gr. „Lehre“) Zwölfapostellehre, älteste erhaltene christliche Kirchenordnung, 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts
Didot-Punkt, typografische Punkt
1764 vom französischen Schriftgießer Fournier veröffentlicht, 1785 vom Drucker und Schriftschneider Firmin A. Didot verbessert, daher Didot-System genannt. 1879 vom Schriftgießer Hermann Berthold auf das metrische Maßsystem bezogen: 1 Meter entspricht 2660 Punkten, ein Didot-Punkt beträgt gerundet 0,3759 mm.
Dienste
Viertel-, Halb- oder Dreiviertelsäulchen vor einem Pfeiler oder einer Wand mit der Aufgabe, die Gurte und Rippen eines gotischen Kreuzrippengewölbes zu tragen
Dies academicus
Seit der 100. Geburtstagsfeier des Großherzog Karl Friedrich von Baden am 22. November 1828 wird der 22. November für die Universität Heidelberg ein dies academicus in Erinnerung an die Reorganisation von 1803
Dies natalis soli invicti
(lat.) Wintersonnenwende; vgl. Sol invictus
Dienstmann
Ministerialer (vgl. Leibeigenschaft)
Dii Manes
(lat.) „die guten Götter“; die Seelen der Verstorbenen, zu deren Versöhnung das römische Fest der Parentalien gefeiert wurde; vgl. Dis Manibus
Dikasterium
(gr.-nlat.) Gerichtshof bei den alten Griechen
Diluvium
(nlat.) Eiszeitalter, ältere Abteilung des >Quartär; vgl. Pleistozän
D IMM S
(lat.) Deo immortali sacrum (Beginn der Grabschrift für Olympia Fulvia Morata in der Peterskirche)
Ding, Thing
die germanische und frühe deutsche Volks- und Gerichtsversammlung. Das Ding fand am Tage zu bestimmten Terminen an hergebrachtem Ort unter freiem Himmel statt. Es diente zugleich als Heeresmusterung und Opferstätte. Durch die Hegung des Dings wurde der Dingfrieden geboten. Politische Beratungen wechselten ab mit Gerichtsverfahren. Seit der fränkischen Zeit wurde das echte Ding unter dem Vorsitz des Grafen vom gebotenen Ding unterschieden, bei dem nur noch die Schöffen unter Leitung des >Schultheißen tagten. Daraus entwickelten sich >Hoch- und Niedergerichtsbarkeit. Die Dingpflicht wurde mehr und mehr ständisch und sachlich differenziert, endlich durch die obrigkeitliche Justiz des Territorialstaats verdrängt.
Dinger
1. (mdal.) Tüncher, Anstreicher; 2. (jidd.) Mieter
Dinkel vgl. Spelz, Grünkern
Dis Manibus
(lat.) „den Göttern geweiht, den Seelen der Toten“ (vgl. Dii Manes, D M S)
Distichon
(gr.-lat.) aus zwei Verszeilen bestehende Verseinheit (vgl. >Epigramm, Elegeion)
DJV
Deutsches Jungvolk, Organisation der HJ für 10-14jährige Jungen (Gegenstück: Jungmädel)
D M S
Dis Manibus sacrum (häufige römische Grabinschrift) „den Totengöttern geweiht“
Doctor utriusque iuris
Doktor beider Rechte (d.h. des römischen und des kanonischen Rechts)
Doketismus
(gr.-lat., von gr. dokein=“scheinen“) Lehre von der Scheinhaftigkeit der realen Existenz Jesu, Leugnen seines persönlichen Kreuzestodes
Dolmetscher-Institut
Institut der Handelshochschule Mannheim, 1933 in die Universität Heidelberg eingegliedert
D.O.M.
(lat.) deo optimo maximo (römische Weihinschrift)
Domäne
(lat.-frz. „Herrschaftsgebiet“) 1. Staatsgut, Staatsbesitz; 2. Arbeitsgebiet, Wissensgebiet, Spezialgebiet
Domkapitel
Kollegium der Kanoniker oder Chorherren an einer Bischofskirche. Wichtigstes Recht im Heiligen Deutschen Reich von 1122-1803: Bischofswahl. „...das Collegium der Chorherren (...) an einer bischöflichen od. erzbischöflichen Kirche, bestehend aus dem Dompropst (...), Domdechant (...), Domcustos (...), Domscholaster, Domcantor u. mehreren Domherren; mit Einschluß des Bischofs od. Erzbischofs bildet es das Domstift. Es macht ein für sich bestehendes Collegium aus, mit eigenen, von denen des Bischofs geschiedenen Rechten, dient demselben zur Berathung bei wichtigen Kirchensachen, entscheidet durch Stimmenmehrheit, führt bei Abwesenheit od. Tod des Bischofs die Regierung des Stiftes u. wählt den neuen Bischof. Bei den Domstiftern waren die Canoniker meist adliche Herren, welche, gemeiniglich nicht residirend, das Einkommen ihrer Pfründen anderwärts verzehrten. Die laufenden Geschäfte, namenlich den Chordienst, besorgten die Vicare, die auch Bürgerliche sein konnten. (...) Als in der Reformation mehrere Bischöfe protestantisch wurden, dauerten ihre D. nichts desto weniger als protestantische D. fort (...); andere wurden aufgehoben u. das Einkommen zu milden od. gelehrten Zwecken verwendet (...). Die Bischöfe waren meist fürstliche Personen u. führten den Titel fort od. hießen Administratoren. Seit der Französischen Revolution haben diese D. aufgehört od. große Veränderungen erlitten; so auch die katholischen Capitel.“ (Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 234)
D.O.M.S.
(lat.) deo optimo maximo sacrum (römische Weihinschrift)
Domscholaster vgl. Scholaster
Dordrecht vgl. Synode von Dordrecht
Dorem
(jidd.) „Süden“
Dose f.
Pinus sylvestris, gemeine Kiefer, >Forle (vgl. FN Dosbühl, Derwein 1940, Nr. 126, Dossenwald)
dpi
(Typographie) dots per inch (Punkte pro Zoll=2,54 cm)
Drache
wurmartiges Tier mit spitzem Kopf, aufgerissenem Rachen, zwei Löwenfüßen und Fledermausflügeln. Vierfüßig heißt er Lindwurm
Drapier
(frz.) Tuchmacher, Tuchhändler
Drehschemellenkung
Um Fahrzeuge lenken zu können, brauchen diese Lenkvorrichtungen. Erst die Kelten entwickelten das notwendige System, um die vordere Achse und somit das Fahrzeug lenkbar zu machen. Sie erfanden die Drehschemellenkung, die heute noch, vor allem bei Anhängern, Handkarren und Pferdefuhrwerken, Verwendung findet. Die Drehschemellenkung ist ein Lenksystem mit einem schemelartigen Träger für Achse und Räder. Dieser steckt auf einem drehbar gelagerten Zapfen im Wagenaufbau. Das Lenksystem kann entweder über den Zapfen als Lenksäule oder mit einem Stab (Deichsel), der am Schemel befestigt ist, gesteuert werden. (NB: 1737 werden im schwäbischen Kreis die >Gabelfuhrwerke verboten, vorgeschrieben wird die Anspannung der Zugtiere an eine Deichsel. Erst dadurch wird die Anlage befestigter Straßen möglich.) (vgl. Achsschenkellenkung)
Dreiberg
heraldische Figur aus drei symmetrisch angeordneten Kuppen (1436 dem Heidelberger Wappen hinzugefügt)
Dreidel
(jidd. trendl) Kreisel mit vier Seiten, Spielzeug, welches von jüdischen Kindern während >Chanukka gedreht wird. Jede Seite des Dreidels zeigt einen anderen hebräischen Buchstaben: נ (Nun), ג (Gimel), ה (He), ש (Schin). Sie stehen für den Satz Nes gadol haja scham (Ein großes Wunder ist dort geschehen). Der Legende nach verboten die Syrer während ihrer Herrschaft über Israel im 2. Jahrhundert v. Chr. den Juden das Lehren und Erlernen der Torah und bestraften die Ausübung des jüdischen Glaubens mit Gefängnis und Tod. Die gläubig gebliebenen Juden hielten ihre Kinder trotz des Verbotes zum Studium der religiösen Traditionen an. Tauchten syrische Patrouillen auf, hatten die Kinder schnell den Dreidel zur Hand und taten so, als spielten sie damit. Man behauptete, man habe sich nur zum Spielen getroffen. So soll der Dreidel zur Erhaltung des Judentums beigetragen haben. Tatsächlich ist der Dreidel wesentlich jünger. Im Dreidel lebt ein deutsches Kinderspiel aus dem 16. Jahrhundert fort (Toton)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreidel
Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit
Kirchenlehre von der Dreiheit der göttlichen Personen (Vater, Sohn, >Heiliger Geist) in der Einheit des göttlichen Wesens. Am 5. August 1137 wird die Kirche in Neuenheim erstmals erwähnt "geweiht im Namen der hl. Dreifaltigkeit und zu Ehren des hl. Johannes, des Täufers und Märtyrers..."). (vgl. Trinitatis, Antitrinitarier)
Dreifelderwirtschaft
landwirtschaftliche Nutzungsform in Gebieten mit überwiegendem Getreideanbau (Vorläufer: Feldgraswirtschaft). Vor der im Herbst stattfindenden Aussaat des Wintergetreides wurde der dazu bestimmte Teil der Ortsflur zweimal mit dem Pflug bearbeitet und blieb umgebrochen („brach“) eine Vegetationsperiode lang liegen, was der Regeneration des Bodens diente. Bis in das 12. Jahrhundert breitete sich die Dreifelderwirtschaft aus, besonders in den Rodungsgebieten der Binnenkolonisation.
Das Ackerland eines Dorfs ist in Gewanne eingeteilt, d.h. größere Flurstücke, die mehreren Besitzern gehören und in einheitlicher Richtung gepflügt werden. Die starke Besitzzersplitterung ist spezifisch für Gebiete mit Realteilung, dient aber auch der Risikominimierung. Die Gewanne sind in drei Zelgen/Fluren zusammengefaßt, die im Dreijahreszyklus wie folgt bearbeitet werden: (Jede der drei Zelgen befindet sich in einem bestimmten Jahr in einem anderen Stadium dieses Zyklus)
1. Jahr: Brache: Viehweide bis Johanni (24. Juni), dann umpflügen, in der Neuzeit im August pflügen oder Bearbeitung mit Hackpflug, im Herbst nochmaliges Umpflügen und Einsäen der Wintersaat (Roggen, Weizen) und Umzäunen der Flur zwecks Verhinderung von Viehschaden (bis St. Gallus/16. Oktober, St. Martin/11. November). Die Nutzung als Viehweide düngt den Boden, die Bearbeitung lockert ihn auf, dient der Verwitterung, der Nährstoffaufschließung und der Unkrautbekämpfung.
2. Jahr: Wintergetreide: Ernte im Sommer, danach Stoppelweide.
3. Jahr: Sommergetreide: Umpflügen und Einsäen des Sommergetreides (Hafer, Gerste, Hülsenfrüchte: Erbsen, Ackerbohnen) sowie Umzäunen der Flur bis St. Georgi (26. April) oder St. Walpurga (1. Mai). Nach der Ernte Stoppelweide.
Dreiklassenwahlrecht
am 22., 25. und 27. Februar 1875 wurden die Heidelberger Stadtverordneten in 3 Klassen gewählt: I (Höchstbesteuerte) 236, II (Mittelbesteuerte) 546, III (Niederstbesteuerte) 2057 Wahlberechtigte (vgl. Verzeichnis der wahlberechtigten Stadtbürger, zugleich als Einladung für die Wahl der Stadtverordneten am 22., 25. und 27. Februar 1875)
Drude f.
Germanischer böser weiblicher Nachtgeist, gehört zum Gefolge der Göttin Holda (Perchta)
Drudenfuß
Fünfstern (Pentagramm, Siegel Salomonis), bietet Schutz vor Druden, Zeichen der Gesundheit
Dukat m.
Goldmünze größeren Nennwerts, seit dem späten 13. Jahrhundert in Venedig geprägt. Name vom Schlußwort der Umschrift „Sit tibi, Christe, datus, quem tu regis, iste ducatus“. Löst 1559 in Deutschland den Goldgulden ab. „von und umb 500 f neben 5 Species Ducaten: in den Kauf also und der gestalt, daß“" Contractenbuch, Bd. 1, 1012/1013
Dukatengold
Feingold von 958/1000 Gehalt=23 Karat
Düwag
Die DUEWAG AG, 1898 in Uerdingen als Waggonfabrik Uerdingen AG gegründet, war einer der führenden Hersteller von Schienenfahrzeugen in Deutschland. Nach der Übernahme der Düsseldorfer Waggonfabrik im Jahre 1935 konzentrierte man sich in Uerdingen auf den Bau von Eisenbahn-Fahrzeugen, während in Düsseldorf Fahrzeuge für den Nahverkehr, insbesondere Straßenbahnen hergestellt wurden. Seit 1981 trug das Unternehmen offiziell den Namen Duewag oder Düwag. Die Waggonfabrik Talbot verkaufte die Düwag 1989 an den Siemens-Konzern. Die Düwag verkaufte 1999 ihr gesamtes operatives Geschäft an die Siemens Duewag Schienenfahrzeuge GmbH, Krefeld, eine hundertprozentige Tochter der Siemens AG.
Im Straßenbahn-Bereich hatte die Düwag lange eine marktbeherrschende Stellung. Die überwiegende Anzahl der seit den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland beschafften Straßenbahn-Fahrzeuge (so auch die der HSB) stammen von Düwag oder wurden als Lizenzbauten nach Düwag-Plänen gefertigt. http://de.wikipedia.org/wiki/DUEWAG
Dyptichon
(gr.) zweiflügelige geschnitzte oder bemalte, mit Scharnieren verbundene Altartafeln (vgl. Tryptichon)
frz. „Scheidewasser, Radierung“ (z.B. Johann Georg Primavesi, Le Château de Heidelberg vu du nord-est, eau-forte, 1803)
ebber
(mdal.) irgendeiner
ebbes
(mdal.) etwas
Ebenist
(ägypt.-gr.-lat.-frz.) Kunsttischler, der Möbel mit Ebenholz-Einlagen anfertigt
Ecclesia Dei Adflicta ( „Die Kirche Gottes hat mit großer Betrübnis“) ist ein Motu Proprio vom 2. Juli 1988, das Papst Johannes Paul II. in Reaktion auf die von Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubt durchgeführten Bischofsweihen veröffentlichte. Daraufhin setzte der Papst am 2. Juli 1988 die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei ein. (vgl. Förderkreis Ecclesia Dei Heidelberg, tridentinische Messe) http://de.wikipedia.org/wiki/Ecclesia_Dei
Eckwinkelband
Baubeschlag. Die Bandlappen werden auf den Flügelrahmen eines Fensters aufgenagelt und helfen, diesen zusammenzuhalten. Die Bandrolle liegt meist auf einem Stützkloben auf.
Ecuyer
(frz.) Knappe, Stallmeister
edelfrei
(lat. nobilis, liber) Als edelfrei wurden ursprünglich diejenige germanischen Adeligen bezeichnet, die sich von den anderen Freien durch die Zahlung des dreifachen >Wergeldes unterschieden. Aus den Edelfreien entwickelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich der hohe Adel im Gegensatz zum ursprünglich oftmals nur unfreien Dienstadel, den sogenannten Ministerialen. Edelfreie Familien waren unabhängig von rechtlichen Bindungen übergeordneter Natur, sie waren keinen anderen Familien oder Dynastien untergeordnet, abgesehen von König bzw. Kaiser.
Viele ehemals edelfreie Geschlechter unterwarfen sich im Verlauf des Hochmittelalters mächtigeren Feudalherren. Dies geschah nicht immer nur unter Zwang. Besonders zur Zeit des Territorialausbaues und durch das Aufkommen der Geldwirtschaft waren viele Edelfreie auf den Schutz und die Unterstützung eines mächtigeren weltlichen oder geistlichen Lehns- oder Feudalherren angewiesen. Umgekehrt war dies natürlich genauso, denn größere Territorien mussten durch loyale Dienstleute gesichert und verwaltet werden. Die Zahl der edelfreien Familien war begrenzt. Es entstand nun rasch eine neue Gesellschaftsschicht, die Ministerialen. Diesen, ursprünglich meist unfreien, Emporkömmlingen gelang innerhalb eines Jahrhunderts der Aufstieg in den niederen Adel. Die Unterschiede zu den alten edelfreien Geschlechtern begannen sich bald zu verwischen. Bei den meisten ehemals edelfreien Adelssippen fehlen deshalb zuverlässige Beweise ihrer dynastischen Herkunft. http://de.wikipedia.org/wiki/Edelfreie
Edictum Chlotarii
Frankenkönig Chlothar II. macht 614 dem fränkischen Adel im Edikt von Paris weitreichende Zugeständnisse: Die größten Länder des Reiches wie Austrien (Ostreich mit Reims und Metz), Neustrien (Westreich mit Soissons, Paris, Orleans, Tours) und Burgund erhalten Verwaltungsautonomie. An die Spitze der königlichen Hofverwaltung treten sog. Hausmeier (maior domus). Ohne Zustimmung des Adels dürfen keine Steuern mehr erhoben werden. Die Einsetzung von Grafen wird weitgehend der königlichen Kontrolle entzogen. Die Bischofsstühle dürfen fortan nur noch mit Mitgliedern des fränkischen Adels besetzt werden. Durch Machtansprüche der Hausmeier und daraus folgende Wirren beginnt der Zerfall des merowingischen Staatswesens und begünstigt den Aufstieg der Karolinger.
edidit
(lat. „er/sie hat herausgegeben) Vermerk auf Druckgraphik hinter dem Namen des Verlegers
Edikt von Nantes
Toleranzedikt des französischen Königs Heinrich IV. vom 13. April 1598, das den Protestanten (Hugenotten) konfessionelle Koexistenz neben der katholischen Nationalkirche zusicherte. Der König setzte gegen starke Widerstände vor allem auch die praktische Verwirklichung des Ediktes durch. Das Edikt gewährte in Europa erstmalig in einem großen Land unter Durchbrechung des Prinzipes »cuius regio eius religio« rechtlich gesichert die Gewissensfreiheit und mit Einschränkungen Kultfreiheit.
Nach zunehmender Repression seit 1659 wurde jedoch das Edikt von Nantes am 18. Oktober 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau durch Ludwig XIV. vollends aufgehoben und der Protestantismus in Frankreich verboten. Alle protestantischen Kirchen wurden zerstört, Gottesdienste und religiöse Unterweisung untersagt. Die Pfarrer wurden ausgewiesen, den Laien die Auswanderung hingegen verwehrt. Dennoch emigrierten in der Folge etwa 200.000 von 900.000 Hugenotten. Im offiziell wieder rein katholischen Frankreich bestand der Protestantismus nur im Verborgenen fort. (10. Oktober 1682: Kurfürst Karl II. von der Pfalz sagt den calvinistischen Siedlern aus Sedan/Frankreich, die sich südöstlich von Seckenheim niedergelassen haben, Schutz und Schirm zu und nennt die Siedlung Friedrichsfeld. 29. Oktober 1685: Aufnahmeedikt von Potsdam durch den Großen Kurfürsten von Preußen.)
ed. pr.
(lat.) editio princeps=Erstausgabe
Effe f.
Ulme, Rüster
efscher
(jidd.) „möglich, vielleicht“
Ehalt
mhd. êhalt = Dienstbote, nhd. pl. Ehehalten = Gesinde
Ehehaft
gesetzliches Hindernis
Ehrenfriedhof
Am 11. Januar 1933 beschloß der Heidelberger Stadtrat die Anlage eines Ehrenfriedhofs auf dem Ameisenbuckel und die Verlegung der Kriegergräber vom Neuenheimer Feld dorthin. Am 28. Oktober 1934 (Allerseelen) wurden die Gefallenen des Weltkriegs vom Zentralfriedhof am Neckar nach dem Ehrenfriedhof auf dem Ameisenbuckel überführt.
Eiche
vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 47ff.
Eidam
Tochtermann, Schwiegersohn
Eigengut
das der Herrschaft, der Pfarrei oder den Bauern eigene, z. T. steuer-, zehnt- oder zinsfreie Gut (Gegensatz: Lehengut)
Eigenkirche
Gotteshaus, das dem Eigentümer in vermögensrechtlicher Beziehung untersteht und über das er auch die volle geistliche Leitungsgewalt beansprucht, sie also der bischöflichen Kontrolle entzogen ist. Diese Pfarrgemeinden beruhen auf ursprünglich grundherrlichen, also laikalen Kirchengründungen. Eigenkirchen waren typisch für die frühmittelalterliche Grundherrschaft. Von diesen Rechten blieb im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit vor allem das Patronatsrecht. (Die Handschuhsheimer Kirche war ursprünglich Eigenkirche des Ortsadels)
Eigenleute
vgl. Leibeigenschaft
Eingemauerte Ritter
1770 entdeckten Johann Ferdinand Joseph Freiherr von Helmstatt und der kurpfälzische General von Rothenhausen an der Wendeltreppe zum Untergeschoß der Hauskapelle im süd-östlichen Anbau der Handschuhsheimer Tiefburg einen geharnischten und behelmten "eingemauerten Ritter". „Der eingemauerte Ritter war wohl ein in dieser aufrechten Stellung unterhalb der Kapelle, statt in einem Sarg begrabener Bauherr, der gleichsam als Schutzgeist der Burg betrachtet wurde.“ (Karl Christ, Eingemauerte zu Handschuhsheim und Hirschhorn, in: Alt-Heidelberg, Wochenbeilage zum Heidelberger Tageblatt, Nr. 15, 17. November 1923, S. 1)
Einjährig-Freiwilliger
(„Einjähriger“) Die Möglichkeit zum Dienst als Einjährig-Freiwilliger als eine verkürzte Form des Wehrdienstes wurde in Preußen 1813 eingeführt. Der Einjährig-Freiwillige diente ein Jahr statt der sonst üblichen zwei oder drei, mußte sich aber auf eigene Kosten ausrüsten und versorgen. Darum kamen in der Regel nur die Söhne wohlhabender Familien in Frage. Nach Ableistung des Dienstjahres und zweier Militärübungen wurden die Einjährig-Freiwilligen üblicherweise zu Reserveoffiziere befördert. Voraussetzung war, daß der Anwärter die mittlere Reife an einem Gymnasium erworben hatte. Aus diesem Grund wurde das Examen der Mittleren Reife lange Zeit auch als „das Einjährige“ bezeichnet. Mit Errichtung des Norddeutschen Bundes 1867 und des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde der Einjährig-Freiwilligen-Dienst nach und nach auf ganz Deutschland ausgedehnt.
1868 nach preußischem Vorbild im österreichischen Heer eingeführt. Umfaßte alle Wehrpflichtigen, die die Abschlußprüfung einer Mittelschule nachweisen konnten bzw. (ab 1914) durch ihren Beruf und ihre soziale Stellung den Nachweis der geforderten Vorbildung erbrachten. Nach einem Jahr Präsenzdienst in der Armee und Absolvierung eines Kurses wurde der Einjährig-Freiwillige zum Reserveoffizier ernannt. Die „Einjährigen“ galten bald als vollwertiger Offiziersersatz, der alljährlich durch Waffenübungen weiter ausgebildet wurde. (1935 und 1964 in Österreich wieder eingeführt)
Literatur: Lothar Mertens, Bildungsprivileg und Militärdienst im Kaiserreich. Die gesellschaftliche Bedeutung des Einjährig-Freiwilligen Militärdienstes für das deutsche Bildungsbürgertum, in: Bildung und Erziehung, 43 (1990) 2
Lothar Mertens, Das Einjährig-Freiwilligen Privileg. Der Militärdienst im Zeitgeist des deutschen Kaiserreiches, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 42 (1990) 4, 316ff.
http://de.wikipedia.org/wiki/Einj%C3%A4hrig-Freiwilliger
Einkorn
Triticum monococcum. Getreideart, die noch im 19. Jahrhundert bei Heidelberg angebaut wurde (vgl. Spelze)
Eisenacher Regulativ
Orientierung am „germanischen“ („gotischen“) Stil als dem Ideal der kirchlichen Architektur, 1861 von den evangelischen Landeskirchen in Eisenach festgelegt
Eisenzeit
Die Epochenbegriffe Steinzeit, >Bronzezeit und Eisenzeit sind von dem Material abgeleitet, aus denen Waffen und Werkzeug gefertigt wurden. Die Eisenzeit (in Europa ca. 800 v. Chr. bis zur Zeitenwende) wird nach zentralen Fundorten in >Hallstattkultur (800-450 v. Chr.=frühe Eisenzeit) und >Latène-Kultur (450 bis zur Zeitenwende=späte Eisenzeit) eingeteilt.
Eiserne Pfahl
Turm auf der Heidelberger Neckarbrücke, erstes Joch von der Nordseite, 1426 erstmals erwähnt, bezeichnet bis zum Bergsträßer Rezeß 1650 die Landesgrenze (vgl. Derwein 1940, Nr. 690)
Eisheilige
(Mamerti, Pancratii, Servatii, Bonifatii), 11.-14. Mai, dazu die “kalte Sophie” (15. Mai)
Ejßek
(jidd.) Geschäft, Tätigkeit
Eize, Ejze, pl. Eizes
(jidd.) Rat, Ratschlag
Ekklesiastes
(von gr. ekklesia „Kirche“) Name der griechischen Bibel für das Buch Kohelet (Lutherbibel: „Prediger Salomo“)
Eklipse
(gr. „Ausbleiben, Verschwinden“) Sonnen- und Mondfinsternis
Ekliptik
(gr.-nlat.) scheinbare, von der Sonne in einem Jahr durchlaufene Bahn, Erdbahn (vgl. Präzession)
Ekloge
(gr.-lat. „Auswahl“) altrömisches Hirtenlied
Elegeion
(gr.) elegisches Versmaß, Verbindung von Hexameter und Pentameter (vgl. >Distichon)
Elektrisch f.
mundartlich für „[elektrisch betriebene] Straßenbahn“
Elend
Exil, Fremde, Ausland („ins Elend gehen“), vgl. Elende Herberge
Elentik
(gr.) Kunst der Widerlegung von Widersprüchen und Scheinwissen
Elftausend Jungfrauen
21. Oktober
Elite
(lat.-vlat.-frz.) „Auslese der Besten“
Elle
Längenmaß (in Heidelberg: 1 Elle = 2 Schuh à 27,9cm = 55,8 cm)
EMBL
Europäisches Labor für Molekularbiologie. 1974 gegründet, Hauptlabor in Heidelberg EMBL 2009
emendieren
(lat.) verbessern, berichtigen (Nomen: Emendation)
Emes, Eembs
(mdal.) Ameise (vgl. FN Emsenried, Rohrbach)
emezn
(jidd.) jemand
Encheiresis naturae
(gr.-lat.) Bezwingung der Natur
Enchiridion
(gr.-lat.) kurzgefaßtes Handbuch (vgl. Enchiridion milites christiani des Erasmus von Rotterdam, 1503)
Enfilade
(frz.) Gestaltungsmittel der barocken Architektur zur Erschließung von Räumen, bei dem mehrere Zimmer hintereinander in einer Reihe liegen und deren Türöffnungen exakt gegenüberliegend angeordnet sind (z.B. Palais Weimar, Schloß Mannheim)
Engere, der
Kreis um Victor von Scheffel (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. I, 177; Edmund von Sallwürk, Jos. Viktor v. Scheffel (Dichter-Biographien, 20. Bd.). Leipzig 1920, S. 23ff.)
Engere Senat
Gremium der Universität Heidelberg, am 9. Dezember 1805 durch die neuen Statuten eingeführt (vgl. Große Senat)
englische Fräulein
Institutum Beatae Mariae Virginis (IBMV), Institut der seligen Jungfrau Maria, katholische Frauenkongregation zur Erziehung der weiblichen Jugend höherer Stände, 1609/1610 von der englischen Landadeligen Maria Ward in Flandern gegründet (1630 in München). Wirkten im 18. Jahrhundert in Heidelberg.
Enke
Viehhirte, Hütejunge
ennéa
(gr.) Zahlwort „neun“ (vgl. Enneagramm, Ennealogie)
Entresol
(frz.) Zwischenstock (auch: Mezzanin)
Entwicklungsgesellschaft Heidelberg
Konsortium aus LB BW Immobilien, Sparkasse und GGH, am 18. Januar 2008 gegründet, soll laut Beschluß des Gemeinderats vom 20. Dezember 2007 die Fläche der künftigen Bahnstadt ankaufen und erschließen
Epaulement
(frz.) Brustwehr, Schulterwehr, Deckung, Stützmauer
Ephorie
(gr.) Kirchenkreis, Sprengel
Ephorus
(gr.) Leiter eines Predigerseminars. Leiter des Sapienzkolleg in Heidelberg. (Daniel Tossanus/Toussaint d. J., 1590-1655, war Ephorus am Sapienzkolleg; Kirchenrat Friedrich Heinrich Christian Schwarz wurde 1809 Sekretär des Ephorats des Studentenkonvikts der Universität Heidelberg)
Epigramm
(gr.-lat. “Aufschrift”) Sinn-, Spottgedicht, meist in >Distichen abgefaßt
Epigraph n.
(gr.) Aufschrift, Inschrift http://de.wikipedia.org/wiki/Epigraphik
Epigraphische Datenbank Heidelberg
1986 gegründetes Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften www.epigraphische-datenbank-heidelberg.de
Epistel
(lat.) 1. Brief, Sendschreiben; 2. gottesdienstliche Lesung aus den Briefen des NT und der Apostelgeschichte (vgl. Perikopen); 3. Mahnung, Strafpredigt
Epitaph n.
(zu gr. epitaphios=Grabrede, Trauerrede) 1. Grabschrift; 2. Gedächtnistafel mit dem Bild des Verstorbenen und Todessymbolen (vgl. Hes. 37, 1-14) am Grab, oft auch an einer Mauer, Pfeiler oder Säule
Eponym
Begriff, der eine Sache mit einer namengebenden realen oder fiktiven Person (Namensgeber) oder einem Ort verbindet
Eques, equitis
(lat.) 1. Reiter, Kavallerist; 2. Ritter, Springer im Schach
Erbburglehen
erbliches Lehen für Burghut. 1374 erhält Viztum Heinrich von Erligheim das Ecksteinhaus, Heiliggeist gegenüber, als Erbburglehen (vgl. Derwein 1940, S. 48, Nr. 974)
Erbhof
Begriff der NS-Zeit. Der Hof sollte zur Sicherung seiner Wirtschaftlichkeit ungeteilt auf einen einzigen Erben übergehen. Die übrigen Kinder sollten anderweitig ausgebildet oder abgefunden werden. (27. Juni 1938: Weihe der Erbhofsiedlungen Neurott und Bruchhausen)
Erbprofessur
1695 überträgt Johann von Leuneschlos mit kurfürstlicher Erlaubnis seine Professur auf seinen Sohn Friedrich Gerhard von Leuneschloß (erste Heidelberger Erbprofessur?)
Erbteilung (Realteilung)
Der Vater teilt das Grundvermögen. Der eine Sohn bekommt den alten Hof, der andere baut neu auf einem Teil des Feldes.
Erebus
(gr.) Aufenthalt der Verdammten, Unterwelt in der griechischen Mythologie
Erlebte Geschichte erzählt
http://www.heidelberg.de/servlet/PB/menu/1158152_pcontent_l2/content.html
Ern
Hausflur
Erntemonat
August
Eschatologie
(gr. eschatos=“letztes“) Lehre von den letzten Dingen
Esel
Im alten Israel ist der Esel als Reittier das Attribut der Könige (vgl. Palmesel). Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ist der Esel Schandsymbol, Strafmittel für streitsüchtige Eheleute, Soldaten etc.; vgl. Derwein 1940 Nr. 605 (für 1707), 707 und S. 62; vgl. Handschuhsheimer FN Im Esel (1487 erwähnt, Fritz Frey, Die Flurnamen von Handschuhsheim. Heidelberg 1944, Nr. 97)(vgl. Albert Steeger, Der Flurname „Auf dem Esel“ (Eine Umfrage) (mit 3 Kartenskizzen), in: RhVjBll 4, 1934, S. 311-3); Karl J. Svoboda, Die Gesellschaft „mit dem Esel“ am Rhein, Main, und Neckar, in: Heidelberger Fremdenblatt, 1. Augustheft 1965, S. 9-11; Karl J. Svoboda, Wappen der Kraichgauer Ritter in der Heiliggeistkirche Heidelberg, in: Kraichgau. Heimatforschung im Landkreis Sinsheim unter Berücksichtigung seiner unmittelbaren Nachbargebiete. Hg. vom Heimatverein Kraichgau. Sinsheim, Folge 2/1970, S. 180-185; vgl. Turniergesellschaft mit dem Esel
Espagnolettenverschluß
Fensterverschluß. Die Drehstange wird mit dem Ruder so gedreht, daß deren Haken in die Krempen des Fensterrahmens eingreifen. Das Ruder wird bei geschlossenem Fenster in einem Haken arretiert.
etc. pp.
(lat.) et cetera perge=“und so weiter, fahre fort“
Ethnographische Institut
24. Mai 1919 gründeten Leontine und Victor Goldschmidt die >Josefine-und-Eduard-von-Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst. Zu den von der Stiftung ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Einrichtungen gehörte auch ein Ethnographisches Institut, das mit einer umfangreichen Sammlung ausgestattet war, in deren Bestand die Goldschmidts ihre Privatsammlungen einbrachten, und die durch Zukäufe gezielt erweitert wurden. Von den ehemaligen Stiftunseinrichtungen überlebte nach 1945 institutionell nur das Ethnographische Institut mit seinen Sammlungen, das als >Völkerkundemuseum weitergeführt wurde. (vgl. Stefan Dietrich, Margareta Pavaloi (Hg.), Vom Wissen der Dinge – Aus den Sammlungen des Völkerkundemuseums der von-Portheim-Stiftung. Heidelberg 2008, S. 9ff.)
Et in Arcadia ego vgl. Arkadien
Etrog
Citrus decumana, indische Pomelo, (hebr. „Paradiesapfel“), steht für weibliche Fruchtbarkeit; vgl. >Sukkot
Etter
Dorfzaun; Grenze zwischen dem mit Häusern bebauten Ortsareal, in dem ein erhöhter Friede gilt, und der Feldflur. Der Etter hat auch Schutzfunktion, um das Eindringen wilder Tiere oder das Davonlaufen der Haustiere zu verhindern,.
Eucharistie
(gr. „Danksagung“) 1. das von der jüdischen Tischdanksagung abstammende Dankgebet, in das die christliche Liturgie bei der Abendmahlsfeier den Einsetzungsbericht einhüllt; 2. Leib und Blut Christi unter den Gestalten von Brot und Wein in dreifacher Sinnbedeutung (Opfer, Mahl, Gegenstand der Anbetung)
EUCOM
Headquarters, US Army, European Command (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. IV, S. 135ff.; VI, S. 164)
Eule
Die Eule erscheint der Antike ernst, nachdenklich und weise, außerdem hat sie die Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen. So wurde die südeuropäische Zwergohreule zum Attribut der >Pallas Athene, der Göttin der Weisheit und der Wissenschaften. Der Volksphantasie galt sie als Vorbotin des Todes. Die Eule (andere Lesart: der Steinkauz) ist eines der drei Wappentiere der Stadt Heidelberg und sitzt zu Füßen des Standbildes der Pallas Athene auf der Alten Brücke.
Europe
(lat. Europa) minoische Mondgöttin, die Zeus in der Gestalt eines Stieres nach Kreta entführte
Evangeliar
die 4 vollständigen Evangelien mit den Kanontafeln (das Lorscher Evangeliar wird um 810 angefertigt und von Karl dem Großen der Lorscher Abtei geschenkt)
evangelische Räte
Armut, ehelose Keuschheit, Gehorsam einem Oberen der Gemeinschaft gegenüber
Evangelistar
auch: Perikopenbuch. Enthält die Texte für die gottesdienstlichen Lesungen, geordnet nach der Abfolge im Kirchenjahr
exactio, exactionis f.
(lat.) Eintreibung, Erhebung, Besteuerung, Steuer, Abgabe (vgl. [Karl Christ], Registrum exaccionis in Heidelberg (Fol. 1), in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz, Heft 3 und 4 (1893), S. 218-264; Registrum exaccionis oder Landschatzung von 1439, a.a.O., Band V (1903), S. 1-68)
excudit
(lat. „er/sie hat gedruckt) Vermerk auf Druckgraphik hinter dem Namen des Druckers (vgl. impressit)
Exequeatur
(lat. „er vollziehe“) ein der Beglaubigung entsprechender Akt zur Zulassung eines ausländischen Konsuls
Exerzierplatz
Anfang des 17. Jahrhunderts befand sich der Heidelberger Exerzierplatz vor dem Speyerer Tor, dann im Marstallhof und auf dem Kornmarkt (vgl. Derwein 1940, Nr. 679, 8125, 940). Im November 1903 wird das Exerzierhaus am Kirchheimer Weg der Garnison übergeben. 1931 entsteht bei der Verladeanlage der Kiesbaggerei Weber & Co. am Neckar ein Meßplatz und ein Exerzierplatz.
Exlibris n.
entstanden aus lat. unus liber ex libris=“ein Buch aus den Büchern“, danach steht der Namen des Eigentümers im Genitiv. Blättchen, auf die Innenseite des Buchdeckels oder auf das Vorsatzblatt geklebt
explicit
Abkürzung von volumen explicitum est =“die Bücherrolle ist abgewickelt“, das Buch ist zu Ende. Gegensatz: incipit
Exzellenz
(lat.-frz.) „Vortrefflichkeit, Erhabenheit“; früher Titel der Minister und hoher Beamter (exzellieren: hervorragen, glänzen)
(frz.) Gartenhaus
faciebat, fecit
(lat. „er/sie hat gemacht) Vermerk bei Malerei und Druckgraphik hinter dem Namen des Künstlers
Fahnen-Schmidt
Fa. in der Leopoldstraße (vgl. Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. IV, S. 224)
Fahrenheit
Buchhandlung von Jörg Burkhard in Heidelberg (Handlung Buch, 1968–1984)
Fahrnis
fahrende Habe, bewegliche Sachen, Mobilien
Fallschlink
Türklinke (aus Falle und Schlinke), vgl. Drücker
Färberröte
vgl. Krapp
Färbertraube
(Teinturier) Rebsorte, dient als Deckrotwein bzw Verschnittpartner (vgl. Janina Mäurer, Hartmut Keil, 100 seltene Rebsorten in Rheinhessen und der Pfalz. Tipps und Infos für Weinliebhaber. Neckarsteinach 2008, S. 26)
Färberwaid
Isatis tinctoria, Kreuzblütler, zweijährig, bis 1 m hohe Staude mit gelben aufrechten Blütentrauben, indigoartiger Farbstoff
Farren, Farremummel, Faselochs
(mhd. vasel „Zuchtvieh“) Zuchtbulle, Zuchtstier („Mer muß die Kuh zum Farre fehre“)
Fasanerie
Gehege zur Aufzucht von Jagdfasanen
Fasel vgl. Farren
Fastnacht
Dienstag nach Estomihi
Faszikel
(lat. fasciculus=“Bündel“). Früher wurden beschriebene/bedruckte Blätter (Akten, Briefe, Drucke) in einem Umschlag aus kräftigem Papier abgelegt, das dann verschnürt wurde
Fauler Pelz
1. Flurname (vgl. Derwein 1940, Nr. 684), 2. Amtsgefängnis, 1847-1848 erbaut (Architekt: Ludwig Lendorff; seit 1985 unter Denkmalschutz)
Faut, Fauth
>Vogt, der einem Amt vorstehende herrschaftliche Beamte (Land-, Stadt-, Gerichts-, Marktvogt etc.). (Johann Friedrich von Landas (†1676) war Faut des Oberamts Heidelberg); vgl. Fautei
Fautei
Stallung, in der die dem Kurfürsten abgelieferten Hühner (meist Kapaune) verwahrt werden. (vgl. Kappenzins, Hühnerfaut, Hühnerfautei)
favilla, ae f.
(lat.) „glimmende Asche, Funke, Ursprung“
Febolit
Akronym aus Feodor Borrmann GmbH Heidelberg. Feodor Borrmann begann 1951 die Produktion und den Vertrieb von Bodenbelägen aus PVC
fecit, faciebat
(lat. „er/sie hat gemacht) Vermerk bei Malerei und Druckgraphik hinter dem Namen des Künstlers
Fecunda ratis
(mlat. „vollbeladenes Schiff“) lateinisches Lehrbuch des Lehrers Egbert aus Lüttich (11. Jahrhundert)
Federweißer
teilweise gegorener Traubensaft von mehr als 1% vol Alkohol und weniger als 3/5 seines Gesamtalkoholgehaltes (Bitzler)
Feh
(germ. „bunt“) Fell des russisch-sibirischen Eichhörnchens. Heraldisch ein Pelzwerk. Die Farbe ist bevorzugt blau-silber
Fehde
(lat. inimicitia) Feindschaft, Unfriede. In germanischer Zeit Feindschaft, die durch ein Verbrechen zwischen Sippen entstand. Später wurde die Fehde von der Rechtsordnung anerkannt. Sie diente vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit zur Regulierung von Rechtsbrüchen direkt zwischen Geschädigtem und Schädiger unter Ausschaltung einer übergeordneten Instanz. Fehdefähig waren nur Freie. Handlungen eines Knechtes wurden seinem Herrn zugerechnet. Von der Blutrache unterscheidet sich die Fehde durch durch die gebotene, häufig mißachtete Wahrung ritterlicher Formen.
Seit dem 10. Jahrhundert bemühte sich die Kirche im Rahmen der Gottesfriedensbewegung um Beschränkungen des Fehderechts. Der Gottesfriede (treuga pacis Dei) galt an vier Tagen der Woche: Von Mittwoch abends bis Montag früh sollte jede Fehde ruhen. Eine völlige Beseitigung der Fehde, um die sich die deutschen Kaiser im 13. und 14. Jahrhundert bemühten, war aufgrund fehlender Kontroll- und Sanktionssinstrumente nicht möglich. Sie nutzten daher die Möglichkeiten des so genannten Landfriedens, der für eine bestimmte Zahl von Jahren, gewöhnlich auch nur für bestimmte Teile des Reichs, verkündet wurde. Der Mainzer Landfriede 1235 war die erste für das ganze Reich und unbefristet geltende Regelung, die Einschränkungen des Fehderechtes herbeiführte.
Fehden in unserer Gegend: 1459-1463 Mainzer Stiftsfehde (Badisch-Pfälzischer Krieg), 1460-1463 Bergsträßer Fehde (Schauenburger Fehde), 1470-1472 Weißenburger Fehde.
Auf dem Reichstag zu Worms 1495 wurde der „ewige“ Reichslandfriede verkündet und damit das Fehderecht im Deutschen Reich beseitigt. Unter den letzten Fehden nach Errichtung des ewigen Landfriedens sind die berüchtigtsten die des Herzogs Ulrich von Württemberg mit der Stadt Reutlingen wegen der Ermordung eines Fußknechts, in deren Folge Ulrich in die Reichsacht erklärt und auf längere Zeit aus seinem Land vertrieben wurde, die Fehde Franz von Sickingens mit dem Erzbischof von Trier (1522-1523), welche die Ächtung Sickingens und die Belagerung seines Schlosses Landstuhl zur Folge hatte sowie die Hildesheimer Stiftsfehde (1518).
http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde
Feilheck
Mülldeponie an der südwestlichen Gemarkungsgrenze Heidelbergs, Anfang der 1950er Jahre entstanden, 1994 stillgelegt, 2005-2008 mit Kunststoffbahnen abgedeckt, damit keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen (Kosten: 9,5 Millionen Euro)
feldsiech
aussätzig; vgl. gute Leute
Felonie
(frz.) vorsätzlicher Bruch der Lehnstreue. (Im Oktober 1619 nimmt Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz die Wahl zum böhmischen König an. Durch diese Felonie gegenüber dem Kaiser löst er den dreißigjährigen Krieg aus)
Felsenbirne, Felsenmispel
Amelanchier vulgaris oder ovalis. Steinobstartiger Strauch (Europa, Vorderasien, Afrika; blauschwarze, eßbare Früchte)
Felsenmeer
verschiedene umfangreiche Stein- oder Felslandschaften. Es kann sich um Blockhalden, Blockströme, eingestürzte Höhlensysteme oder einfach um größere Ansammlungen markanter Felsen handeln. Zurückzuführen ist die Entstehung der meisten Felsenmeere auf Verwitterung und Denudation größerer Gesteinsschichten. (>Felsenmeer oberhalb des Wolfsbrunnen)
Femel
(mdal.) kleinerer, männlicher Hanf
Fensterband vgl. Türband
Fenstergewände
vgl. >Ohrengewände (vgl. Sabine Lietz, Das Fenster des Barock. Fenster und Fensterzubehör in der fürstlichen Profanarchitektur zwischen 1680 und 1780. (KunstwissenschaftlicheStudien 54). München 1982)
Fenstersturz, Prager
Der Erste Prager Fenstersturz am 30. Juli 1419 aus dem Neustädter Rathaus zu Prag markiert den Beginn der Hussitenkriege.
Beim Zweiten Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 warfen protestantische Opponenten der habsburgischen Herrschaft in Böhmen unter Führung des Grafen Heinrich Matthias von Thurn auf dem Hradšin zu Prag die kaiserlichen Statthalter Wilhelm von Slawata und Jaroslaw Martinitz nebst ihrem Sekretär aus dem zweiten Stock des Palastes. Es folgte eine allgemeine Erhebung und Bildung einer Ständeregierung in Böhmen, Beginn des dreißigjährigen Krieges.
Fenstertafel vgl. Tafel
Ferger
(mdal.) Fährmann
Fest der unschuldigen Kinder
28. Dezember
feste Haus
meist aus Stein erbautes Gebäude, das von einer starken, wehrhaften Mauer umgeben war und Wehr-, Wohn- und Repräsentationsfunktionen in sich vereint. Ein festes Haus ist oft zusätzlich durch einen Graben gesichert.
Feuilleton
(frz.) „Beiblättchen“, literarischer Unterhaltungsteil einer Zeitung
ff.
„und die folgenden Seiten“
Fiale
schlankes gotisches Türmchen als Bekrönung eines Strebepfeilers
Fideikommiß
(lat. fidei commissum „zu treuen Händen belassen“). Einrichtung des deutschen Rechts, wonach ein Familienvermögen geschlossen in der Hand eines Familienmitglieds bleibt. Dieses erhält nur den Ertrag des Vermögens zur freien Verfügung. F. dient vor allem der Festlegung des Grundbesitzes des Adels. Die Weimarer Verfassung überließ die Auflösung der F. den Ländern. Die noch bestehenden F. wurden zum 1. 1. 1939 aufgelöst. Ein Kontrollratsgesetz von 1947 bestätigte die Auflösung, sie zieht sich aber auf Grund landes- und bundesrechtlicher Vorschriften in Westdeutschland bis in die Gegenwart hin.
Filialkirche
eine von der Pfarrkirche abhängige Kirche (St. Peter in Heidelberg war Filialkirche von Bergheim, die Kapelle auf dem Markt, Vorgängerkirche von Heiliggeist, wird 1239 erstmals als Filialkirche von St. Peter erwähnt, St. Johannes Neuenheim war Filialkirche der Handschuhsheimer etc.)
filioque
Nach Ansicht der griechischen Kirche geht der hl. Geist nur vom Vater, nach Meinung des Augustinus vom Vater und vom Sohne (filioque) aus. Der so genannte Filioque-Streit, das heißt die Auseinandersetzung, ob der Heilige Geist vom Vater ausgeht und durch den Sohn der Welt gesendet wird, oder vom Vater und Sohn „als einem einzigen Prinzip“ ausgeht, war eine von verschiedenen Unstimmigkeiten, die zur Spaltung zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche führten. Die Westkirchen halten an dem „filioque“ fest, betonen also, daß der Heilige Geist aus Gott Vater und Gott Sohn hervorgehe.
Fischband
Baubeschlag, besteht aus zwei Bandlappen, von denen der eine in das Türblatt, der andere in die Einfassung eingestemmt ist, oder seltener aufgeschraubt wird. Seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich.
Fläche
Die wichtigsten Werkzeuge des mittelalterlichen Steinmetzen waren Zweispitz und Fläche. Die Fläche ist eine Art Beil zum Einebnen der mit dem Zweispitz grob behauenen Fläche (oder zur Oberflächengestaltung). Die Steine aller mittelalterlichen Bauten sind also nicht mit Spitzeisen oder Meißeln bearbeitet worden.
Flaschner
(Klempner, Blechner, Blechschläger, Blechschmied, Klemperer, Spengler) Verarbeitet Bleche kalt durch Schlagen, Walzen und Treiben auf dem Amboß. Die Einzelteile werden durch Bördeln, Nieten oder Löten zusammengefügt. Typische Produkte: eiserne Laternen, Leuchter, Feldflaschen, Dosen, Trichter, Reibeisen, Windfahnen und Kirchturmhähne. Im 17. Jahrhundert kam die Anfertigung und Montage von Dachrinnen und Regenrohren durch Flaschner/Klempner in Mode.
Fleckkugeln
„Fleckkugeln sind die zur Vertilgung von Flecken bestimmte, zu einer Kugel geformte, Compositionen. Die gewöhnlichsten sind: die Chaptalschen, aus weißer marseiller S., Weingeist, Eiern, Terpentinöl und >Walkererde; die venetianischen, aus venetianischer Seife, Spicköl, Ochsengalle und Citronensaft; und die weißen Fleckkugeln, aus Siegelerde, römischem Bolus und etwas Branntweine.“ (Damen Conversations Lexikon, Band 9, 1837, S. 200)
Fliehburg
Befestigung, die nicht Herrensitz ist, sondern nur zum Schutz der Bevölkerung dient. (Die mittelalterliche Ruine am Waldsberg bei Dossenheim könnte eine solche gewesen sein)
Flora
römische Göttin der Blumen und des Blühens in der gesamten Natur
Flöße
„eine Art platter Fahrzeuge, bestehend aus einer Anzahl nebeneinander liegender und durch Pflöcke, Weidenbänder, Quer- oder Bindehölzer verbundener Holzstämme, welche zugleich das thalwärts zu transportierende Frachtgut (Flößholz) bilden. Die F. sind auch die ältesten Wasserfahrzeuge und werden schon von den Alten häufig erwähnt. In mittlern und kleinern Flüssen sowie in eigens zum Flößen erbauten Gräben oder Kanälen (Flößgraben, Flößkanäle) wird Scheitholz meistens einzeln ins Wasser geworfen, während es in großen Flüssen und Strömen teils auf Langholzflößen, teils in Kähnen oder kleinen Booten an Ort und Stelle gebracht wird. Zur Schonung der Wehre sind Flößgassen (Flößstraßen) vorhanden, welche aus zwei Wänden von Balkenholz bestehen, die auf dem Wehr errichtet werden, und zwischen welchen der Boden des Wehrs mit Pfosten schräg ausgelegt wird, so daß auf dieser schiefen Fläche das Holz allmählich herabgleitet, oder man versieht die Wehre mit Floßdurchlässen, welche nur zum Passieren der F. geöffnet werden. Flößhäfen dienen zur sichern Bergung des Holzes bei Hochwasser und Eisgang, auch zum Umbau der F. und zur bequemen Landung.
Die F. von Stammholz (Langholz-, Bau- und Zimmerflöße) bezwecken hauptsächlich den Transport von Bau- oder Zimmerholz, Dielen, Brettern, Latten etc. Die Balken werden der Länge nach nebeneinander gelegt und mittels zäher Ruten (Flößweiden) an einem Querbalken (Flößband) befestigt. Derartige F. haben Ruder, nicht selten sogar Steuerruder, Beihütten etc. und werden unter Oberaufsicht des Eigentümers (Flößherrn) von Flößern und Flößknechten geführt. Der Holztransport vermittelst der F. ist in Deutschland am stärksten auf dem Rhein, der Weser, der Elbe, Oder und Weichsel. Der Schwarzwald, Spessart, das Fichtelgebirge, der Hunsrücken etc. liefern hierzu das Holz, welches in kleinern Flößen auf der Murg, Enz, Kinzig, dem Main, Neckar, der Mosel etc. dem Rhein zugeführt wird. Hauptgegenstand der Rheinflöße ist das sogen. Holländer Holz, welches aus zum Schiffbau tauglichen Tannen- und Eichenstämmen besteht, in kleinen Flößen in den Rhein geht und in der Nähe von Mannheim, Kastel, Andernach, Koblenz zu großen (Holländer) Flößen zusammengefügt wird. Ein solches Floß war früher bis 280 m lang und enthielt 500,000 Kubikfuß; es hatte oft gegen 900 Ruderknechte und Arbeiter und betrug im Wert 5-700,000 Mk. (...)
Die Flößerei wurde in frühern Zeiten gewöhnlich als ein Vorrecht der Landesregierung angesehen (Flößregal) und daher von dieser nur gegen eine bestimmte Abgabe gestattet. Dies galt namentlich von dem Flößen mit verbundenen Balken (jus ratium), welches nur auf öffentlichen Flüssen ausgeübt wird. Das Flößen mit ungebundenen Hölzern (jus grutiae) kommt dagegen auch auf Gewässern vor, welche im Eigentum von Privatpersonen stehen; doch steht auch hier dem Staat vermöge des sogen. Wasserregals ein Oberaufsichtsrecht zu. (...)“ (Meyers Konversationslexikon, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, 6. Band) http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=105835
Flug
(Heraldik) die beiden Flügel eines Vogels, gewöhnlich des Adlers. Alle Arten des Fluges dienen auch zur Zier des Helmes
Flur
1. freies Feld, unbewaldete Gemarkung; 2. amtliche Bezeichnung der Bezirke, in die eine Gemarkung seit dem 19. Jahrhundert eingeteilt werden. Jede Flur umfaßt mehrere >Gewanne. 3. niederdeutsch für Hausgang
Flurname
namentliche Bezeichnung eines kleinräumigen Landschaftsteils (Flur) ohne Häuser. (Ein Ortsname ist dagegen die Bezeichnung eines Landschaftsteils mit Häusern.) Flurnamen kennzeichnen die kleineren und kleinsten geografischen Einheiten, wie Berge und Gipfel, Täler, Wälder, Weiden, Wiesen, Ackerland und Auen, Wege, Gewanne, Fluren bis hin zu einzelnen Parzellen. Flurnamen sind überlieferte geografische Namen, die sich im örtlichen Sprachgebrauch entwickelt haben. Die Flurnamensforschung bzw Flurnamensetymologie ist Teil der Ortsnamenforschung (>Toponomastik), der allgemeinen Beschäftigung mit Namen in der Geographie. Im Vermessungswesen bezeichnet man als Flurname Gruppen von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken (Flurstücken, Parzellen) auf den Gemarkungen der Gemeinden, die in ihrer Flurform eine Einheit bilden. Nach dem dreißigjährigen Krieg sind durch den großen Bevölkerungsverlust in unserer Gegend viele Flurnamen unsicher geworden. http://de.wikipedia.org/wiki/Flurname
Flurzwang
Verpflichtung der Grundbesitzer einer Gemarkung, auf ihrem Land gleichen Fruchtbau und gleiche Fristen für Bestellung usw. innezuhalten. Der Flurzwang kann bedingt sein durch Gemengelage oder durch gegenseitige Weidegerechtigkeit (Recht, das Vieh auf fremden Grundstücken weiden zu lassen; auch gemeinsame Weiden). Er kann auf Vereinbarung der Besitzer beruhen oder von einem Grundherrn erzwungen sein.
Anfang der 1990er Jahre in Heidelberg gegründet, setzt sich dafür ein, daß gemäß dem von Papst Benedikt XVI. erlassenen Motu proprio ,,Summorum pontificum“ vom 7. Juli 2007 die Feier der heiligen Messe und die Spendung der übrigen Sakramente in der außerordentlichen Form (überlieferter klassisch-römischer Ritus) gemäß den Büchern und Rubriken (liturgischen Richtlinien), wie sie im Jahre 1962 in Kraft waren, überall dort, wo der Wunsch danach besteht, ohne Einschränkungen ermöglicht werden kann. Zum Wesen dieser Liturgie zählt unter anderem die lateinische Sprache und die Pflege des Gregorianischen Chorals. Daraus ergibt sich die Zurückhaltung gegenüber der Verwendung der Landessprache und landessprachlichen Einfügungen aller Art in die heilige Messe und in die übrigen sakramentalen Riten in der außerordentlichen Form. (vgl. Ecclesia Dei, tridentinische Messe) http://ecclesiadeiheidelberg.homepage.t-online.de/index.htm
Foliant
(lat. folium=“Blatt“) 1. ein Band in >Folio-Format, 2. (fig.) ein Band von ungewöhnlicher Größe und Schwere
Folio
Papierformat 2º (1/2 Bogen) (45x29 cm)
Force Command
Name des Hauptquartier der Nato in Campbell Barracks ab 2010 (vgl. RNZ, 4. 9. 2009, S. 3; vgl. Allied Land Component Command)
Forest Stewardship Council (FSC)
internationale gemeinnützige Organisation, welche das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft schuf, betreibt und weiterentwickelt. Der Ausdruck „FSC“ wird auch synonym für das Zertifizierungssystem oder das Gütesiegel benutzt, mit welchem Holz-Produkte als Erzeugnisse von nach FSC-Kriterien zertifizierten Forstbetrieben gekennzeichnet werden. Das FSC-System zur Zertifizierung von Forstwirtschaft wurde zur Sicherung der nachhaltigen Waldnutzung gegründet, welche die Wahrung und auch Verbesserung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen der Forstbetriebe beinhaltet. Hierzu entwickelte der FSC einen allgemeinen und länderübergreifend einheitlichen Standard, der aus 10 Prinzipien und Indikatoren besteht, und nur über eine Konkretisierung durch Indikatoren auf nationaler Ebene angewandt werden kann. http://de.wikipedia.org/wiki/Forest_Stewardship_Council
Forle
Pinus sylvestris, gemeine Kiefer, >Dose
Format vgl. Papierformat
Forum für Internationale Sicherheit Heidelberg
im April 2009 von Studenten, Absolventen und Mitarbeitern des Instituts für politische Wissenschaft der Universität Heidelberg gegründet. Ziel: Vernetzung in Heidelberg und Umgebung ansässiger Institute und Personen, die sich mit Außen- und Sicherheitspolitik, Friedens- und Konfliktforschung beschäftigen (vgl. RNZ, 22. 10. 2009, S. 5).
Forschungsstelle Heidelberg
vgl. Ernst Klee, Gehirne auf Bestellung. in: Die Zeit, 3. Mai 1985
Fraktur
1. Knochenbruch; 2. (lat.) littera fracta=“gebrochene Schrift“, auch: Moderna, Schriftart, Bruchschrift, jede gebrochene Schrift gotischen Stils. Zu ihr gehört außer der Schwabacher (Nürnberg 1485) die aus der Urkundenschrift der kaiserlichen Kanzlei des 15. Jahrhunderts entstandene Fraktur im eigentlichen Sinne (>Deutsche Schrift). Besondere Merkmale: „Elefantenrüssel“ (Anschwung der Großbuchstaben), zwei Schreibungen des S (langes S am Beginn und im Innern von Silben, rundes S am Ende von Wörtern und Wortteilen). Kaiser Maximilian I. ließ die Fraktur als Schriftart bibliophiler Prachtausgaben in den Buchdruck einführen. Die Fraktur i.e.S. wurde neben der Schwabacher die bevorzugte Schrift, auch für Sprachen Ost- und Nordeuropas (Tschechich, Polnisch, Litauisch, Schwedisch, Finnisch u.a.). Am 3. Januar 1941 wurden alle deutschen Zeitungen von Frakturschrift auf >Antiquaschrift umgestellt.
Frankenthaler Malerschule
niederländische Händler, Handwerker, Kunsthandwerker und Künstler bildeten in Frankenthal Ende des 16. Jahrhunderts ein eigenes Zentrum. Zeitweilige Mitglieder waren u.a. Gillis van Coninxloo, Hans Bol, Jacob Savery, Roelant Savery, Jan Brueghel d.Ä. (letzterer vermutlich Vorlagengeber für das >Kurpfälzische Skizzenbuch, 1561/1581)
Frauentag
Mariae Himmelfahrt (15. August, auch: Krautweihe, Würzweihe)
frei
„`frei´ ist jemand, der aus freien Stücken seinen Wohnsitz ändern kann, ohne jemand Anderen um Erlaubnis fragen zu müssen“ (Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S. 14)
Freie Reichsstadt vgl. Reichsstadt
freie Zug
vgl. Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S. 25
Fresko
(it. al fresco=“auf frischen [Kalk]“ Technik der Wand- und Deckenmalerei. Erdfarben werden auf den frisch aufgetragenen Kalk gemalt. Gegenteil: >Sekko
Freundeskreis für Archiv und Museum der Universität Heidelberg e.V.
Freundeskreis Wolfsbrunnen
eingetragener Verein www.freundeskreis–wolfsbrunnen.de
Frevel
ein mit Geld sühnbares Vergehen, auch die Geldstrafe für ein solches Vergehen
Friedhof
zu ahd. frîten „hegen, schonen“, vrîthof „eingefriedigtes Grundstück, Vorhof eines Hauses, einer Kirche“ (vgl. FN Freithof)
Friedrich-von-Hardenberg-Institut für Kulturwissenschaften
1978 in Heidelberg gegründetes anthroposophisches Institut (Hauptstraße 59)
Fron
(von ahd. fro=Herr). Meist unentgeltliche Dienstleistung, zu der der Bauer dem Landesherrn und besonders seinem Grund- oder Gutsherrn verpflichtet war (Spann- und Handdienste). Die >Bauernbefreiung beseitigte alle Frondienste.
Fronbote
Büttel, Gerichtsdiener
Fronfasten vgl. Quatember
Fronleichnam
Donnerstag nach >Trinitatis
Frontispiz
(it. frontespizio=“Frontansicht“) die dem Titelblatt eines Bandes gegenüberliegende Seite mit bildlichen Darstellungen, z. B. dem Bild des Autors oder des Künstlers
Frozen City
=Heidelberg (vgl. Jörg Burkhard, GELD)
Fruchtbringende Gesellschaft
(lat. societas fructifera) 1617 in Weimar nach dem Vorbild der italienischen Accademia della Crusca gegründet. Nach ihrem Emblem, dem „indianischen Palmbaum“ (Kokospalme), auch bekannt als Palmenorden. Größte literarische Gruppe des Barock. (Devise: „Alles zu Nutzen“) http://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtbringende_Gesellschaft
Fuchs Waggon
Fuchssche Waggonfabrik, 1844 von Kutschenfabrikant Heinrich Fuchs d. Ä. in Darmstadt gegründet, am 2. April 1862 nach Heidelberg verlegt, nimmt im Rohrbacher Baubezirk die Fertigung mit 30 Arbeitern auf. 1901/1902 wird die Fabrik nach Rohrbach (beim Staatsbahnhof Kirchheim) verlegt. 1957 verkauft die Dillinger Hütte die Fabrik an die International Harvester Company. Diese baut dort eine Fertigung von Land- und Baumaschinen auf.
Literatur:
Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens der H. Fuchs Waggonfabrik AG Heidelberg. Hannover 1912
Hans-Dieter Gros, H. Fuchs Waggonfabrik AG Heidelberg, in: Ruperto Carola 5. Jg., Nr. 9/10 (Juni 1953), S. 192-199
Leena Ruuskanen, Der Heidelberger Bergfriedhof. Kulturgeschichte und Grabkultur. Ausgewählte Grabstätten. Heidelberg 1992, S. 141f.
www.ef-heidelberg.de Eisenbahnfreunde Heidelberg. Über Bahnen in und um Heidelberg, mit geschichtlichen Daten, darunter der Artikel „Schienenfahrzeugbau in Heidelberg“ von Bernhard König. (Hauptsächlich über die Firma Fuchs Waggon)
Fuder, Fuhre
Hohlmaß (945 Liter)
Fürstensitz
irreführend verwendeter Begriff für vorgeschichtliche Ansiedlungen mit reich ausgestatteten Gräber vor allem der >Hallstattzeit (ca. 750-480 v. Chr.). Der Begriff überträgt hochmittelalterliche Sozialstrukturen wie >Feudalherrschaft, Gefolgschaftswesen und dynastische Erbfolge auf vorgeschichtliche Verhältnisse, dier aus den archäologischen Funden und Befunden nicht unbedingt abzulesen sind. (vgl. >Keltenfürst; Jörg Biel, Dirk Krausse, Frühkeltische Fürstensitze. Älteste Städte und Herrschaftszentren nördlich der Alpen? Internationaler Workshop zur keltischen Archäologie in Eberdingen-Hochdorf 12. und 13. 9. 2003. Eßlingen 2005)
Fußtritt
Türschwelle
Wagen mit zwei Deichseln vorn rechts und links, wie eine Gabel, wo das Zugtier dazwischen gespannt wird. Bei mehreren Zugtieren werden diese hintereinander eingespannt. 1737 werden im schwäbischen Kreis die Gabelfuhrwerke verboten, vorgeschrieben wird die Anspannung der Zugtiere nebeneinander an eine bewegliche Deichsel. Dadurch bleibt die wasserabführende Wölbung in der Straßenmitte wesentlich länger erhalten und die Anlage befestigter Straßen wird möglich. (vgl. Drehschemellenkung)
Gabholz
Holz, das unentgeltlich aus gemeindlicher Nutzung unterliegenden Wäldern an Berechtigte abgegeben wird, bzw. das entsprechende Waldgebiet (vgl. Allmende)
Gabriel
(hebr.) „mein Held ist Gott“, einer der Erzengel (cf. Dan. 8,16 und 9,21; Lk. 1, 19 und 26)
Gaden m.
(ahd. gadum) 1. einzimmriges Gebäude; 2. Saal; 3. Laden; 4. Kammer; 5. Obermauer (Lichtgaden) der Basilika, Stockwerk, Geschoß, Fensterzone; 6. Speicherbauten im Schutze der Ringmauer einer Kirchhofbefestigung
GagfaH
Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestelltenheimstätten (baut 1929 das Mietshaus Rottmannstraße 1-9, Architekt: Franz Sales Kuhn)
gäh
(mdal.) steil, jäh, abrupt
Gaia
griechische Göttin, die Erde selbst. Schöpferin der Zeit (Chronos), des Raumes (Uranos) sowie aller Vorfahren der Menschen
Gästeführer
vgl. http://www.heidelberger-gaestefuehrer.de (Heidelberger Gästeführer)
Galanteriewaren
zum Ausputz der Kleidung dienende Zutaten und Beiwerk, wie Büchschen, Fläschchen, Spiegel, Futterale u.a. modischer Zierat
Galatea
(gr. Galateia) Tochter des Nereus, deren Geliebter Akis von dem Kyklopen Polyphem erschlagen wurde. Darstellungen in einem Idyll Theokrits, auf Wandgemälden in Pompeji und auf dem Palatin in Rom; Fresko von Raffael in der Farnesina zu Rom; Oper von Händel (1720)
Galech, Galach, Gallach
(jidd.) Geschorener, Tonsurierter, katholischer Pfarrer (Galach malochen=“Geistlichen plündern“)
Galgen
vgl. Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 19
Galgenfenster
Zweiflügliges Fenster mit Oberlicht. Durch den Flügelanschlag und den Kämpfer entsteht bei dem sprossenlosen Fenster eine T-förmige Aufteilung.
Galút
(hebr. „Exil, Gefangenschaft“ (2. Kö. 25, 27; Jer. 29,22); jidd. góleß, góliß m./n.) Exil, Diaspora der Juden
Gáneff, gánew, pl. ganówim
(hebr. ganáw) (jidd.) Dieb (jidd. ganwenen, mdal. ganfen=“stehlen“)
Ganerben
gemeinsame Erben einer Adelsherrschaft, einer Burg, oder eines Ortes
Ganerbiat
Ort bzw. Gebiet, das von einer Erbengemeinschaft gemeinsam beherrscht und verwaltet wird
Gant
(von it. incanto) ursprünglich die gerichtliche Zwangsversteigerung, später im Sinne von Konkurs gebraucht
Gaon
(hebr. „Genie“, jidd. goen m.) 1. Leiter einer Talmudschule, 2. Ehrentitel für einen besonders gelehrten Rabbi, 3. Genie
Gassen, Wege, Straßen, Namen und Nummern
Gau m.
(ahd. gouwe, gouwi „Landstrich“) Bezeichnung für einen landschaftlich geschlossenen Siedlungsraum der Germanen. Etymologie umstritten. Dafür, daß das Wort „Gau“ schon in germanischer Zeit einer Verwaltungsgliederung entsprochen hätte, gibt es keine Hinweise, es dürfte sich um eine Fehldeutung der historischen Forschung des 18. und 19. Jahrhunderts handeln.
Karl der Große etablierte nach der Niederwerfung der einheimischen Bevölkerung des Südostens seines Reiches dort das Grafschaftsprinzip. Der neue Zentralherrscher setzte Grafen als seine Stellvertreter vor Ort ein. Im Fränkischen Reich bezeichnete der comitatus im Wesentlichen den Amtsbezirk eines Grafen (comes, grafio), des so genannten Gaugrafen. Dieser war gleichzeitig oberster Richter und Führer eines Heerbanns. Dem Gau zugeordnet waren Zentmarken oder Hundertschaften, die oft durch Zentgrafen verwaltet wurden. Im Zent(grafen)gericht fungierten diese als Schöffen.
Auch die lateinische Bezeichnung pagus, die spätestens mit der Spätantike zu einem festen Bestandteil der römischen Regionalverwaltung geworden ist, wird traditionell mit „Gau“ wiedergegeben. Diese Gleichsetzung geht bereits auf die merowingisch-fränkische Verwaltungspraxis zurück.
(vgl. Breisgau, Kraichgau, Wasgau, Wonnegau, Lobdengau, Sundgau) (vgl. S. Rietschel, Gau, in: K. Hoops, Reallexikon der germanischen Altertumskunde 2, 1913/15, S. 124-126; Jürgen Finger: Gau (neuzeitliche Begriffsgeschichte). In: Historisches Lexikon Bayerns. 2008) http://de.wikipedia.org/wiki/Gau
Gaube, Gaupe
Dachaufbau für ein stehendes Dachfenster, Dacherker
gauze (Verb)
(mdal.) bellen
Gebälk
über der Säulenordnung durchlaufende Steinlage aus Architrav, Fries und Gesims
Gebot
Versammlung. (am 1. April soll jährlich „ein Gebott gehalten werden“, Zunftordnung der Steinhauer etc. 1784)
Gedenktag für die Gefallenen der Bewegung
9. November (1933-1945)
Gedok
Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Gattungen, 1926 von Ida Dehmel in Hamburg gegründet. 1929 gründete Stephanie Pellissier die Heidelberger Gruppe der GEDOK. („Gedok ist kein Club von Frauen, die sich verwirklichen wollen... Es geht uns um Kunst, die von Frauen heute geschaffen wird.“ – Vorsitzende Brigitte Schröder, RNZ, 16. 5. 2009)
Gefälle pl.
an Grund und Boden gebundene Abgaben, Grundlast (vgl. Grabinschrift für Johann Wolffinger, der vndern Churf. Pfaltz Kirchengüter vnnd Gefäll Verwalter zu Haidelberg, † 1587, ehemals im Chor der Peterskirche)
Gehénem m.
(jidd.) (hebr. gejhenóm, gejhinóm „Schlucht von Hinnom, Hölle“)
Geistliche (Güter-)Administration
Kurfürstliche Zentralbehörde, die auf Anordnung Kurfürst Friedrichs III. vom 25. April 1576 die nach der Reformation eingezogenen Kirchengüter verwaltete. Sie führte die Aufsicht über eine Vielzahl von Unterverwaltungen. Dazu gehörten die Verwaltungen des Besitzes der ehemaligen Zisterzienserabteien Eusserthal und Otterberg, des Benediktinerklosters Limburg, des Prämonstratenserklosters Lorsch, des Augustinerklosters Limburg, des Karmelitenklosters Weinheim, des Benediktinerklosters Stift Neuburg, des Stifts zum Heiligen Geist in Heidelberg und des Stifts St. Michael in Sinsheim. Sitz der Behörde war im Mönchhof, dem ehemaligen Stadthof des Kloster Schönau. Kurfürst Johann Wilhelm löste 1699 die Geistliche Administration auf. Es entsteht eine gemischtkonfessionelle katholisch-reformierte Kommission. Seit dem 21. November 1705 verwaltete die Geistliche Administration aufgrund der „Chur-Pfaelzischen Religions-Declaration“ sämtliche Kirchengüter. (vgl. Administrations-Renovator, Pflege Schönau)
GELD
(general electric language district) Seit 1984 läuft GELD FROZEN CITY in permanenter Veränderung nichts Bleibendes zu schaffen. http://www.txt.de/engstler/engmed.html
Geleitgeld
vgl. Leopold Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt. Frankfurt/Main 1895, S. 26
Gemara
(„Ergänzung“) Erläuterung zur >Mischna (in Aramäisch). Einer der beiden grundlegenden Teile des Talmud. (Der andere, spätere Teil ist die >Mischna)
Gematria
(von hebr. גימטריה, gimatrja, wahrscheinlich aus gr. γεωμετρία, geometria „Vermessung des Landes“), Numerologie, die hermeneutische Technik der Interpretation von Worten mit Hilfe von Zahlen. Dabei werden Buchstaben nach unterschiedlichen Schlüsseln in ihre entsprechenden Zahlenwerte überführt, um aus diesen Bedeutungen zu erschließen und Beziehungen herzustellen. Viele Gelehrte hofften mit Hilfe der Gematria ermitteln zu können, wann der Messias eintreffen und die Juden aus ihrem Leid erlösen würde. Die Gematria beruht auf der Tatsache, daß im griechischen und im hebräischen Alphabet wie auch in der altarabischen Schrift keine speziellen Zahlzeichen existierten, sondern statt dessen die Buchstaben selbst verwendet wurden. Daher kann jedes Wort auch als eine Gruppe von Zahlzeichen gelesen werden. Ihre Summe oder durch andere Rechenoperationen gewonnenen Werte stehen dann für das Wort und können zu anderen Zahlen, Worten und Wortproportionen in Beziehung gesetzt werden. Das Wort Gematria ist ein hebräisches Lehnwort aus dem Griechischen. Die genaue Ableitung ist jedoch unklar. http://de.wikipedia.org/wiki/Gematrie
Gemeine Pfennig
Auf dem Reichstag in Worms 1495 beschlossene allgemeine Steuer, zunächst auf vier Jahre zur Finanzierung der Türkenabwehr und zum Unterhalt des Reichskammergerichts bewilligt. Gedacht als eine von jedem Einwohner des Reichs über 16 Jahren erhobene Kopfsteuer, nach Vermögen gestaffelt; einzuziehen über die einzelnen Pfarreien, d.h. über die Köpfe aller territorialen und anderen Herrschaftsträger hinweg. Dies scheiterte, die Finanzierung von Reichssteuern lief stattdessen über die Reichsstände nach der 1521 aufgestellten Wormser Matrikel, nach der die Reichsstände ihre Beiträge aufbrachten, indem sie sie ihrerseits von ihren Untertanen erhoben. Es kam im Reich nie zu einer allgemeinen Steuer auf alle Untertanen; es gab in diesem Sinne nie einen Reichsuntertanenverband.
Gemeinnützige Bezirks-Baugenossenschaft
gegründet 1901(?). Baute 1921 die Siedlung Wieblinger Weg („Ochsenkopf“)
Gemeinnützige Baugenossenschaft für Volks- und Kriegerheimstätten
gegründet am 29. Juni 1918 (ab 1927: Gemeinnützige Baugenossenschaft Neu-Heidelberg)
Gemeinnützige Verein
im März 1884 in Heidelberg gegründeter Verein (Mitgründer und erster Vorstand: Max Klingel). 1885 errichtete der Gemeinnützige Verein in der Südwestecke des Stadtgartens einen Musikpavillon, den er der Stadt zum Eigentum überließ. 1891 errichtete er einen 9 m hohen Aussichtsturm aus Holz auf der Bismarckhöhe. 1893 führte er den offiziellen Sommertagszug ein. 1894 nannte er zur Feier seines zehnjährigen Bestehens die von ihm erstellte Schutzhütte auf dem oberen Wolfsbrunnenweg zum Dank an seinen ersten Vorstand Klingelhütte. 1896 ließ er auf dem Aussichtsturm auf dem Michelsberg („Stefansturm“) eine eiserne Wetterfahne anbringen und an der Wolfsbrunnen-Anlage einen in Kupfer getriebenen Wolf aufstellen. 1903 stellte er drei öffentliche beleuchtete Uhren auf (Haus des Metzgers Schwaab Brückenstraße 3, Oktroihäuschen Bergheimer Straße/Römerstraße, Perkeo-Drogerie Kaiserstraße/Rohrbacher Straße; in den 1990er Jahren verschwunden). 1903 wurde die vom ihm an der Kreuzung des Weges Molkenkur-Rindenhäuschen-Hohler Kästenbaum und des Weges Königstuhl-Wolfsbrunnen aufgestellte Felsenmeerhütte mit einer Feier in der Restauration Spitz (Schlierbach) der allgemeinen Benützung übergeben. 1907 wurde die Mönchberghütte an der sog. Handschuhsheimer Bank eingeweiht. 1908 wurde der Liselotteplatz am Philosophenweg eingeweiht. 1908 wurde ein Denkstein an der Molkenkur errichtet, der die Inschrift trägt: „Hier stand / das alte Heidelberger Schloß / urkundlich zum ersten Mal erwähnt / im Jahre 1225 / als die „obere Burg“ im Jahre 1303 / Durch Bltizstrahl zerstört / am 25. April 1537“. 1909 wurde eine Schutzhütte am Hohlen Kästenbaum errichtet. 1920 verschmolz der Verein mit dem Heidelberger Verkehrsverein.
Gemeinnützige Verein Rohrbach
um 1896 gegründet, 1927 in Stadtteil-Verein Rohrbach umbenannt, 1946 unter dem Namen Kultur- und Sportring Heidelberg-Rohrbach neu gegründet, 1952 wieder Stadtteilverein Rohrbach (vgl. Werner Popanda, Als das Rohrbacher „Villenviertel“ der großen Schwester Heidelberg Konkurrenz machen wollte, in: RNZ, 1. 12. 2009 (Blick); Ludwig Schmidt-Herb, Die Wegweiser-Steine des GVR („Gemeinnütziger Verein Rohrbach“) im Wald bei Rohrbach. Eine Wanderung präsentiert von Ludwig Schmidt-Herb. o.O., o.J. [Heidelberg 2009])
Genejwe f.
(jidd.) „Diebstahl“ (vgl. ganew)
Generaldebatte
Letzte gemeinsame Aktion der Heidelberger politischen Linken. Bei der "Generaldebatte" am 21./22. November 1970 in der Aula des Studentenwohnheims am Klausenpfad spaltete sich die Versammlung in "A-Fraktion" und "B-Fraktion". Die "B-Fraktion" gruppierte sich um das Nachfolgeorgan der theoretischen Zeitschrift des verbotenen SDS Rotes Forum und nannte sich Gruppe Neues Rotes Forum (NRF). Aus der "A-Fraktion" entstand u.a. am 10. Juli 1971 der Sozialistische Heidelberger Studentenbund. (vgl. Generalspaltung - vollständiges Protokoll einer Debatte geführt vom Heidelberger SDS 11/1970. Heidelberg 1972)
Genisa, Geniza
(„Aufbewahrung(sort)“). Religiöse Bücher und Kultgegenstände der Juden werden bestattet oder in einer Art Archiv aufbewahrt
Geomantie
Titel eines Buches von Heinrich Rüdinger (1552-1557) [Cod. Pal. germ. 833] http://www.uni-heidelberg.de/univ/museen/unibibliothek.html
Geomorphologie
Wissenschaft von den auf der Erde gestaltend wirkenden physischen Vorgängen und den durch sie geschaffenen Formen
Georgstag
23. April
Gerechtsame
Rechte, z.B. Brunnen-, Weide-, Licht-, Bierbrauer-, Schildgerechtigkeit
Gerichtsbarkeit, höhere und niedere
Die niedere Gerichtsbarkeit befaßt sich mit minderen Rechtsstreitigkeiten und leichten Straftaten, sie verhängt Buß-, Geld-, Ehren- und leichtere körperliche Strafen (Strafen zu Haut und Haaren). Die höhere Gerichtsbarkeit (auch Blut-, Hals-, Malefiz-, Obergericht) befaßt sich dagegen mit Kapitalverbrechen, bei denen Leib- und Lebensstrafen verhängt werden. Sie untersteht meist dem Landes- oder Gerichtsherr. (vgl. Jochen Goetze: Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S. 19f.)
geschacht
(Heraldik) „in quadratische Würfel aufgeteilt“
Geseires
(jidd.) Geschwätz
Gesellschaft der Tiergartenfreunde Heidelberg
am 12. Juni 1933 gegründet
Gesellschaft für Naturwissenschaft und Heilkunde
besteht seit mindestens 1823 in Heidelberg. (vgl. Daniel Häberle, Die Gesellschaft für Naturwissenschaft und Heilkunde zu Heidelberg (1818–1847), die Vorläuferin des Naturhistorisch-Medizinischen Vereins zu Heidelberg (seit 1856). Heidelberg 1913)
Gesetzesfreude
(hebr. szimchat tora, seph. simhát torá; aschk. símches tóire), jüdisches Fest der Tora-Freude (9. Tag des Laubhüttenfest) http://www.payer.de/judentum/jud512.htm
Gesicht, Sehe
Sehkraft
Gesprenge
Bekrönung des Altarschreins
Gevatter
ahd. gifatero „geistlicher Mitvater“; mhd. gevater(e) „Taufpate, Onkel, Freund der Familie“, klat. compater „Mitvater in geistlicher Verantwortung, Taufpate“; nhd. „Pate, Freund, Verwandter, Nachbar“
Geviert
(Typographie) gedachtes Quadrat, das so breit ist wie zwei (Tabellen-)Nullen nebeneinander. Die ursprüngliche Definition leitet sich aus der vertikalen Höhe des Bleiletters im Buchdruck ab.
Gewand f.
1. lange Ackerseite, an die viele Äcker mit ihrer Schmalseite grenzen; 2. pl. Gewände, Gewende: Landstücke am Ackerrand, die von mehreren Grundstücksnachbarn überfahren werden (vgl. Derwein 1940 Nr. 251, 514ff.)
Gewände n.
1. die eine Fenster- oder Türöffnung seitlich begrenzende Einschnittfläche im Mauerwerk; 2. Plural von >Gewand
GGH
Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz, 1921 in Heidelberg unter dem Namen „Atzelhofgesellschaft“ gegründet, später „Gemeinnützige Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz“ (vgl. Peter Blum, Gunter Heller (Hg.), Bauen als soziale Herausforderung. 75 Jahre Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH). (Sonderveröffentlichung des Stadtarchivs Heidelberg, Nr. 2). Heidelberg 1996)
Ghannsdag
(mdal.) Johannistag (23. Juni)
Ghannsdagsnacht
(mdal.) Nacht des Johannistags (23./24. Juni)
Ghibellinen
(nach der schwäbischen Stadt Waiblingen), seit etwa 1218, die Anhänger der Kaiser gegenüber den >Guelfen, den Anhängern der Päpste und der Städtefreiheit. Der Kampf zwischen Guelfen und Ghibellinen wütete bis ins 16. Jahrhundert in fast allen Städten Italiens.
Girls Center
Häusserstraße 24, dort begann 1950 das Zimmertheater seine Arbeit
Girondola
1. (frz., aus it. girandola) Feuerrad, Feuersonne (Feuerwerk); 2. verzierter Kerzenhalter, oft mit mehreren Flammen, aus Metall (vergoldete Bronze, Silber).
Das Kurpfälzische Museum erhielt 2009 ein Paar zweiflammige Girandolen aus der Werkstatt des Straßburger Künstlers Jacques-Henri Alberti mit dem Monogramm des Pfalzgrafen Wilhelm (Landshut) von 1780.http://en.wikipedia.org/wiki/Girandole.
Glacis
Vorfeld ohne toten Winkel bei Befestigungsanlagen
Glasstube
Gewächshaus („ein glaß stube versteht sich nur von schlechtem walt glaß“, Universitätsarchiv A-160/48, S. 47)
glebae adscripti
der Scholle zugeschrieben, an die Scholle gebunden
Gleithang
Innenhang einer Flußschleife (Gegensatz: >Prallhang)
Glockenacker
(Flurname) Besoldungsstück für den Glöckner zur Bestreitung seines Unterhalts
Gloriette
Gebäude in einer Gartenanlage, das sich auf einem gegenüber der Umgebung erhöhten Standort befindet. Die bauliche Ausführung und Gestalt kann unterschiedlich sein, oft in der Form eines nach den Seiten mehr oder weniger offenen Pavillons. Die wohl bekannteste und größte Gloriette befindet sich im Garten von Schloß Schönbrunn in Wien. http://de.wikipedia.org/wiki/Gloriette
Glosse
(gr.-lat.) „Zunge, Sprache“ 1. erklärungsbedürftiger Ausdruck, dann die Erläuterung eines solchen (Interlinear-, Kontext-, Marginalglosse); 2. spöttische Randbemerkung, polemische feuilletonistische Kurzform; 3. spanische Gedichtform; 4. erläuternde Randbemerkung zu einer Gesetzesvorlage (vgl. Corpus iuris civilis)
Glucodermaphobie
(gr.) Ekel vor der Haut, die sich auf heißem Kakao oder Pudding mit der Zeit bildet
Glyptik
(gr. glyptos=“geschnitten“) edler Steinschnitt, Steinschneidekunst (vgl. Glyptothek, Gemme)
(alte sächsische Bergmannsbezeichnung aus dem 16. Jahrhundert) metamorphes Gestein mit hohem Umwandlungsgrad, besteht hauptsächlich aus den Mineralen Feldspat, Quarz sowie Hell- und Dunkelglimmer. Gneise sind weltweit verbreitet und finden sich häufig in den alten Kernen (Kratonen) der Kontinente, wo sie durch tief reichende Erosion freigelegt wurden. Oftmals werden Gneise auch als Granit gehandelt, da sie sehr ähnliche technische Eigenschaften wie dieses Gestein aufweisen. Sie haben allerdings eine durchwegs höhere Wasseraufnahme und bessere Biegezugwerte. http://de.wikipedia.org/wiki/Gneis
Gnosis
(gr. „Erkenntnis“), 1. im NT die christliche Erkenntnis (cf. 1. Kor. 1,5); 2. die Lehren des >Gnostizismus
Gnostizismus
Bewegung um Christi Geburt im Osten des Römischen Reiches, nach W vordringend. Macht das Heil der Menschen von seiner Erkenntnis der Geheimnisse der Welt und Gottes abhängig.
Gobelin
gewirkter, illustrierter Wandteppich, benannt nach der pariser Teppichwirkerei Gobelin
Godwins Gesetz
(engl. Godwin’s Law, “As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.”) Begriff aus der Internetkultur, der von Mike Godwin 1990 geprägt wurde. Es besagt, daß im Verlaufe langer Diskussionen irgendwann jemand einen Nazivergleich oder einen Vergleich mit Hitler einbringt. http://de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Gesetz
Göttinger Sieben
Nach dem Tode König Wilhelms IV. 1837 kam in Großbritannien die Königin Victoria, in Hannover Herzog Ernst August von Cumberland als König Ernst August II. zur Regierung. Ernst August hob die Verfassung von 1833 auf. Im Dezember 1837 protestierten dagegen Göttinger 7 Professoren (W. Albrecht, F. C. Dahlmann, H. Ewald, Jacob und Wilhelm Grimm, W. Weber, Georg Gottfried Gervinus). Sie wurden am 14. Dezember 1837 vom König amtsenthoben. Georg Gottfried Gervinus war ab1844 Professor für Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg.
Gog und Magog
1. barbarische Nordvölker; 2. Weltmacht, die am Ende der Zeit gegen das Gottesvolk anstürmt (vgl. Off. 20,8)
Goj, pl. Gojim
(hebr.) „Volk, Nation“, die Heidenvölker im Gegensatz zum Volk Israel; (neuhebr.) „jeder Nichtjude, Gentile“
Goldene Buch der Stadt Heidelberg
1899 angelegt, 1903 erster Eintrag (vgl. Birgit Sommer, Wer prominent ist, bestimmt der Oberbürgermeister, in: RNZ, 3. 1. 2009)
Goldene Bulle vgl. Bulle
Goldene Schnitt
(lat. sectio aurea; golden=“vollkommen“), auf ihm beruht die harmonische (stetige) Teilung. G. S. der Strecke 1494 von Pacioli formuliert
Goldene Vließ
1430 stiftet Herzog Philipp der Gute von Burgund den Orden vom Goldenen Vließ (Träger u.a.: Pfalzgraf Philipp der Streitbare (1532), Kurfürst Carl Theodor)
Goldlack
Cheiranthus cheiri, Gelbveiglein, wallflower, typische Pflanze der Ritter und Minnesänger
Goldschmiedeordnung
Goldschmiedeordnung von Heidelberg, 1563, in: Archiv für die Geschichte der Stadt. Eine Vierteljahresschrift, hg. von Hermann Wirth, S. 42-53
Gorgo
nach Homer weibliches Ungeheuer, nach Hesiod eine von drei Töchtern des Phorkys, im Gegensatz zu ihren Schwestern sterblich, von Perseus getötet, der ihr das Haupt abschlug. Dargestellt als schrecklich gestalteter Kopf mit Schlangenhaar (Gorgoneion, >Medusenhaupt), auch auf dem Schild >Ägis angebracht. Das 1790 auf der Heidelberger Neckarbrücke errichtete Standbild der Pallas Athene (Minerva) von Konrad Linck zeigt das Gorgoneion auf dem Schild.
Gotische Schrift
1. Ulfilaschrift (vgl. Codex argenteus); 2. westgotische Schrift, Form der Minuskel, um 700 auf dem Boden des Westgotenreichs entstanden, lebt bis zum 12. Jahrhundert auf der iberischen Halbinsel; 3. Schriftart der gotischen Stilepoche, entstand seit dem 11. Jahrhundert durch Umbildung der >karolingischen Minuskel in Frankreich. Die klassische Form wird in der Textura erreicht. Aus der gotischen Kursive erwuchsen seit dem 14. Jahrhundert neuartige Buchschriften, die unter dem Begriff Bastarda zusammengefaßt werden. In Deutschland gewann die Bastarda seit dem 16. Jahrhundert in den Druckschriften >Schwabacher und >Fraktur besondere Bedeutung.
Gottesfrieden (Pax Dei)
von Kaiser Heinrich IV. 1085 in Mainz für das deutsche Reich verkündet, um das Fehdeunwesen und schwere Straftaten wie Raub, Mord und Plünderung zu bekämpfen. Von Mittwoch bis Montag und an hohen Feiertagen sollen die Waffen ruhen.
Gotteskasten
1. Opferstock des jüdischen Tempels, der Opferschatz selbst; 2. Kirchen- und Armenkasse; 3. Opferstock in den christlichen Kirchen; 4. in der Reformationszeit aus Spenden errichtete, unter kirchlicher Verwaltung stehende Armenkasse (vgl. >Kastenpfleger)
Gottesleugnung
In der Neuzeit todeswürdiges Verbrechen (am 27. Oktober 1553 wurde der spanische Arzt Miguel Servet in Genf wegen Gottesleugnung von Jean Calvin mit Zustimmung von Philipp Melanchthon verbrannt)
Gottespfennig
Siegelsteuer, erhoben bei der Protokollierung von Grundstücksgeschäften, 1826 aufgehoben
Gouache
(von it. guazzo=“Wasserfarbe“) Maltechnik, verwendet wasserlösliche Deckfarben, die mit Gummi Arabicum gebunden sind
gowetteln, goweddle (Verb)
(mdal.) gleichzeitig regnen und schneien („es goweddelt“) (von mhd. gâ wedelen „jäh wirbelnd wehen“)
gradieren
„auf einen höheren Grad bringen“. Verfahren zur Konzentrierung und Reinigung geringhaltiger Salzsole aus natürlichen Salzvorkommen. In Gradierwerken (Gradierbauen) läuft die Sole über lange Reiserwände zwischen Balkengerüsten. Dabei werden Soletröpfchen zerstäubt und Wasser verdunstet.
Graf
Adelstitel. Die althochdeutschen Formen grafio und gravo stammen wahrscheinlich über mittellateinisch graffio vom byzantinisch-griechischen γραφεύς „Schreiber“. Der lateinische Begriff comes war zu spätrömischer Zeit die Bezeichnung eines hohen kaiserlichen Finanzbeamten (comes largitionum).
Fürstentitel wie Landgraf, Markgraf sowie einige Pfalzgrafen sind im Heiligen Römischen Reich von den Grafen zu unterscheiden und stehen in dessen Ordnung über dem Grafenstand. Weiterhin existierten Standeserhöhungen in der Form gefürsteter Grafen.
Im Merowinger- und Frankenreich war ein Graf königlicher Beamter, der in einer Verwaltungseinheit (Grafschaft, Gau) die königlichen Hoheitsrechte ausübte und in bestimmten Bereichen (Mark, Königsburg, Pfalz, Königsgut) Stellvertreter des Königs/Kaisers war. Der Graf war zunächst mit Wehrhoheit, später auch mit Gerichtsbarkeit, Finanz- und Verwaltungshoheit ausgestattet.
Seit den Ottonen wandelte sich die Grafschaft vom ursprünglichen Dienstadel durch die zunehmende Erblichkeit des Grafentitels und die Einbindung ins Lehnssystem zum Geburtsadel. Bereits die Ottonen scheinen die Erblichkeit der Grafenämter und Lehen anerkannt und die gräflichen Territorialherrschaften akzeptiert zu haben. Im Hochmittelalter gerieten die meisten Grafschaften und damit deren Rechte unter die Kontrolle fürstlicher Geschlechter. Der Grafentitel war daher überwiegend nicht mehr mit einer Grafschaft verbunden. Es gab auch den Grafentitel, die nur dem Fideikommissherrn und nicht den übrigen Mitgliedern einer Adelsfamilie verliehen wurden. Seine Nachfahren waren mit Ausnahme des Erben Freiherren bzw. Freiinnen. (siehe auch: Vogt)
http://de.wikipedia.org/wiki/Graf
Grangie f.
(lat.) granum „Korn“, davon granicum, grangium „Vorratshaus“) ursprünglich ein Getreidespeicher, dann umfriedeter Hofbezirk und später der gesamte landwirtschaftliche Gutskomplex.
Grangien bilden die vorherrschende Gutsform der Zisterzienser und stellen dort von Laienbrüdern (Konversen) bewirtschaftete Großgüter dar. Die Konversen leiteten die Grangien und stützten sich in ihrer Arbeit auf Klostergesinde und Lohnarbeiter, waren aber ihrerseits Abt und Cellerar des Klosters rechenschaftspflichtig.
Grangien entstanden oft dadurch, daß das Kloster als größter Grundherr im Dorf die übrigen Bauern vertrieb, das Dorf selbst mit seinen Bauernhöfen bis auf einen zentralen Hof abbrach und alle Felder in Eigenbewirtschaftung nahm.
Die Wirtschaftsform der Grangien, die im 12./13. Jahrhundert ihren Höhepunkt hatte, war modern. Als Reaktion auf die unrentabel werdende und mehr und mehr zersplitterte traditionelle Grundherrschaft strebten die Zisterzienser nach abgerundetem Landbesitz und rechtlicher Einheitlichkeit, die zusammen mit rationellen Betriebsfomen geeignet waren, Gewinne zu erzielen. Die Grangien produzierten ihre Erzeugnisse für den lokalen Markt der nahen Städte und setzen sie über die Stadthöfe der Klöster ab.
Im Heidelberger Umland wandelten die Zisterzienser des Klosters Schönau mit Bruchhausen, Grenzheim (Grenzhof), Schwabenheim, Schara (Scharhof), Straßenheim, Rohrheim (Rohrhof) Dörfer zu Grangien um. Die Umwandlung des Dorfes Plankstadt zur Grangie scheiterte 1293, weil sich die dortigen Bauern erbittert zur Wehr setzten und weil die Kraft des Klosters Schönau, die sich auf die Arbeit der Laienbrüder stützte, bereits im Erlahmen war. (vgl. Lexikon des Mittelalters. dtv, München 2002. Bd. IV Sp. 1653f.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Grangie
Gravis
(lat. gravis=„schwer, heftig“), auch accent grave, diakritisches Zeichen zur Kennzeichnung einer besonderen Aussprache, Betonung oder Bedeutung eines Buchstabens. Es ist ein in Schreibrichtung schräg abfallender, kurzer Strich über dem Buchstaben (z. B. à, è), das Gegenstück zum >Akut. Der Gravis wird in verschiedenen Sprachen verwendet; die genaue Bedeutung unterscheidet sich dabei von Sprache zu Sprache.
Greffier, Commis greffier
(frz.) Gerichtsschreiber, Kanzlist
Gregorianische Kalender
Einführung des gregorianischen Kalenders an der Universität Heidelberg und im katholischen Teil des Pfälzer Gesamtstaats am 22. Februar 1686 (vgl. stilus novus, stilus vetus) http://computus.de/menton/menton.htm
Grien
von mhd. grîn=“Kiessand, sandiges Ufer“ (vgl. FN Grüngewann, Speyerer Grün, Insel Grün)
Grisaille-Malerei
von frz. gris. Malerei, die ausschließlich mit Abstufungen von Grau angelegt wird (14./15. Jahrhundert)
Groschen
(mlat. grossus denarius), eine seit dem 13. Jahrhundert in Frankreich, dann auch an Rhein und Mosel geprägte Münze aus Silber im Wert von 12 Pfennigen
Große Senat
Gremium der Universität Heidelberg, am 9. Dezember 1805 eingeführt (vgl. Engere Senat)
Großmarktgesellschaft m.b.H. Heidelberg-Handschuhsheim
1929 gegründet
Grün vgl. Grien
Grummet, Ohmet, Öhmd, Ehmd, Amahd
(mhd. gruonmat „Grünmahd“) der getrocknete zweite Schnitt einer Wiese im Spätsommer
Grundel, Bartgrundel
cobitis barbatula, Fisch, am Grund von Bächen und Flüssen lebend
Grundherrschaft
die Form des mittelalterlichen Großgrundbesitzes. Sie umfaßt vorwiegend Streubesitz. Ihren Verwaltungsmittelpunkt bilden Fronhöfe, auf denen der Grundherr oder sein Verwalter sitzt. Der größte Teil des Grund und Bodens wird an Bauern (Grundholden) vergeben, die zu Abgaben und >Fronden an den Grundherrn verpflichtet sind und seiner Gerichtsbarkeit unterstehen.
Grusselbeere
Ribes grossularia, Kulturpflanze (frz. groseille kommt von afrk. krûsil)
Guckkasten
Schau- und Betrachtungsgerät, das einen Blick in sein Inneres erlaubt und dem Betrachter Grafiken mit täuschend echter perspektivischer Weite darstellt. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Guckkasten eine beliebte Jahrmarktsattraktion in ganz Europa. Die Guckkastenbilder mit Ansichten von Sehenswürdigkeiten, exotischen Szenen und theatralischen Darstellungen, prägten das Bild breiter Volksschichten von der „weiten Welt“. Im Gegensatz zur „Camera obscura“, durch die ein Bild auf eine Wand projiziert wird, sieht der Beobachter beim Guckkasten die Drucke selbst. Bei diesem Gerät wird eine verstärkte räumliche Wirkung erzielt, da einerseits die Distanz zwischen Bild und Guckloch sehr gering ist und indem man im Inneren des Kastens eine lupenartige Linse einsetzt. Dadurch, dass das Bild sich in einem dunklen Umfeld befindet und beleuchtet wird, wird die Räumlichkeit wesentlich verstärkt. Die Guckkastenbilder waren meist gerahmt oder auf Walzen aufgezogen, wodurch die Möglichkeit bestand, die Bilder über einen Drehkopf weiterzubewegen.
Die Guckkastenbilder waren meist speziell für Guckkasten vorgesehene, als Kupferstich, Stahlstich oder Radierung ausgeführte und mit Gouachefarben bemalte Bilderserien. Sie waren meist Silhouetten, die man auf transparentes Papier klebte und rahmte. Auf diese Weise konnten die Bilder entweder gegen das Licht gehalten werden oder auch mit künstlichen Lichtquellen betrachtet werden.
Das geeignete und auch am häufigsten verwendete Format war ein Median-Folio-Format von ca. 26 x 41 cm. Das wesentliche bei solch einem Guckkastenbild war die Breite, da das Bild in Guckkastenmodelle aller Art passen sollte und auch auf dem internationalen Markt bestehen mußte.
Um im Spiegel in der richtigen Form zu erscheinen, wurden die Motive seitenverkehrt abgebildet. Da eine dreidimensionale Illusion hervorgerufen werden sollte, wurden die Perspektiven besonders betont und übertrieben, um diesen Effekt noch zu verstärken. Die Blätter wurden beschriftet, wodurch sich am oberen Rand häufig ein spiegelverkehrter Titel und unten eine genaue Erklärung für den Vorführer fand.
Die Anfänge des Guckkastens gehen zurück bis in die Renaissance, also zu jener Zeit, in der auch die Gesetze der Zentralperspektive erkannt wurden. Eine genauere Beschreibung dieses Geräts findet sich jedoch erst 1677 durch den Coburger Mathematiker Johann Christoph Kohlhaus (1604-1677).
Der Durchbruch gelang dem „Raritätenkasten“ jedoch erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ab diesem Zeitpunkt zogen die Vorführer, auch Guckkästner genannt durch das ganze Land auf Jahr- und Volksmärkte. Gegen Bezahlung konnte man einen Blick in einen Kasten werfen und um das Gesehene noch zu unterstreichen, kommentierte der Vorführer meist die Bilder.
Das Faszinierende am Guckkasten war sicherlich auch die Tatsache, dass das Volk zu dieser Zeit Bilder oft nur in der Kirche zu sehen bekam. Durch die Guckkästner hatte man die Möglichkeit, an andere Bilder zu kommen und kurz in eine andere Welt einzutauchen und ferne Städte zu erblicken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Guckkasten
Guelfen
(von deutsch „>Welfen“) Anhänger der Päpste und der Städtefreiheit, Gegner der >Ghibellinen. Der Kampf zwischen Guelfen und Ghibellinen wütete bis ins 16. Jahrhundert in fast allen Städten Italiens.
Guéridon
runder Tisch mit einem Fuß, meist mit Marmorplatte, auch Leuchtergestell
Gulden
(fl. für florenus) 1 Gulden = 5 Batzen zu 12 Kreuzer = 60 Kreuzer. Seit dem 13. Jahrhundert in Florenz geprägte, seit dem 14. Jahrhundert von deutschen Fürsten nachgeprägte Goldmünze. Der Name florenus ist vom Münzbild (flos=Lilie) als dem florentinischen Stadtsymbol abgeleitet. (1569 erwarb die medizinische Fakultät der Universität Heidelberg das erste menschliche Skelett um 50 fl.) – 1803 wird die Gulden/Kreuzer-Währung in Baden eingeführt. Als am 1. Januar 1875 im Deutschen Reich die dezimale Markwährung eingeführt wurde, wurden 7 Gulden in 12 Mark umgetauscht.
Gült
1. Naturalabgabe; 2. Zins für einen Kredit
Gurs
Am 22. Oktober 1940 werden 282 Juden aus Heidelberg und ca. 114 aus den Gemeinden des Landkreises mit anderen Juden aus Baden und der Pfalz in das Internierungslager Gurs (Pyrénées orientales) verschleppt. In einer der ersten Massendeportationen werden 6504 in Baden, der Pfalz und im Saarland beheimatete jüdische Bürger festgenommen und zu Fuß, mit Lastwagen, Militärfahrzeugen zu den bereitstehenden Zügen verfrachtet. Der Anteil von sehr alten Leuten ist besonders groß. 55 Heidelberger sterben in Gurs, 31 an anderen Orten Frankreichs, 109 finden in den Vernichtungslagern des Ostens den Tod. 91 der Deportierten überleben. Das Schicksal von 13 Personen aus Heidelberg ist unbekannt.
Brief Alfred Momberts vom 30. Oktober 1940
http://www.lpb.bwue.de/publikat/helllichten/tag04.htm (mehr zum Thema)
http://www.aloumim.org.il/histoire/gurs.html (L´Enfer de Gurs)
gute Leute
Aussätzige, Lepröse (vgl. Gutleuthaus, feldsiech)
Gutleuthaus
isoliertes Haus zur Verwahrung von Aussätzigen in Schlierbach, 1430 von Kurfürst Ludwig III. gestiftet (vgl. FN Gutleuthofweg)
GVR
>Gemeinnütziger Verein Rohrbach
(mdal.) Lehrer
Haarstern
Komet (gr. kometes=langbehaart)
Hämorrhoiden
vgl. Franz Anton Mai, Hämorriden. Den Freunden dauerhafter Gesundheit gewidmet. Mit Erlaubnis der Oberen. Gratz 1775
Hafen
oberdeutsch für „Topf“
Hafen Heidelberg (Neuzeit)
Am 13. Oktober 1847 wurde der Damm des sog. >Winterhalt geöffnet. Zwischen 1867 und 1874 wurde er wieder zugeschüttet (heute Bismarckplatz). - Am 1. Juni 1931 entstand bei Neckar-km 22,6 eine Verladeanlage der Kiesbaggerei Weber & Co. Mannheim. Dadurch entstanden ein Hafen, der Meßplatz und der Exerzierplatz. Am 23. Mai 1948 wurde durch die Heidelberger Stadtwerke ein eigener Hafenbetrieb eingerichtet. Am 8. August 1984 wurde dort das letzte Schiff gelöscht, der Hafen abgerissen. An seiner Stelle wurden ein Hotel und ein Gebäude für die Wasserschutzpolizei gebaut.
Haga comitis
(mlat.) Den Haag
Haingeraide
Haardtwaldungen zwischen der Queich und dem Speyerbach. Ihr Nutzungsrecht stand der Herrschaft zu, wurde aber von der Gesamtheit der Hintersassen im angrenzenden Bereich ausgeübt, die sich in Abwehr gegen fremde Übergriffe im 12. Jahrhundert fester zusammenschlossen und ihre Nutzungsgemeinschaft ausbauten
Halachá
(hebr.) „Gehen, Wandeln“, (jidd. haloche f.) das jüdische Religionsgesetz, Gesetzessammlung, Kodex (vgl. Aggada)
Halbscheid f.
Hälfte, hälftiger Teil eines Erbes, an einem Gegenstand, einem Grundstück etc. „vermachte die ihm ... zugefallene Erbschaft theils dem heidelberger, theils dem köllnischen Kloster. Die Väter des letzten schenkten großmüthig ihre Halbscheid dem ersten“ (Markus A. Maesel (Hg.): Gregor Hertwig: „So zerstörte die alles verheerende Aufklärung eine hundert jährige Arbeit ...“. „Chronik des Barfüsser Karmelitenklosters zu Heidelberg. Ein beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte.“ Die deutsche Fassung des P. Gregor Hertwig. Ubstadt-Weiher 1998, S. 72
Hallenkirche
mehrschiffige Kirche, die nur von Fenstern in den Umfassungsmauern beleuchtet wird. Hauptschiff und Seitenschiffe sind gleich hoch, es gibt kein Querhaus (1485 wurde St. Peter in Heidelberg als spätgotische Hallenkirche ohne Stützen mit gewölbtem Chor erbaut; vgl. Peter Anselm Riedl, Die Heidelberger Jesuitenkirche und die Hallenkirchen des 17. und 18. Jahrhunderts in Süddeutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Baukunst. Heidelberg 1956) (vgl. Basilika, Saalkirche)
Haller Rezeß, Hallische Rezeß
Erbvertrag, den der kinderlose Kurfürst Karl von Pfalz-Simmern (reformiert) am 22. Mai 1685 kurz vor seinem Tode in Hall am Kocher mit seinem Erben Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (katholisch) zum Schutz der protestantischen Konfession schließt. Philipp Wilhelm verpflichtet sich, den religiösen Status quo der Kurpfalz zu respektieren, die Universitätsstatuten von 1672 unangetastet zu lassen, etc. (vgl. Markus A. Maesel (Hg.): Gregor Hertwig: „So zerstörte die alles verheerende Aufklärung eine hundert jährige Arbeit ...“. „Chronik des Barfüsser Karmelitenklosters zu Heidelberg. Ein Beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte.“ Die deutsche Fassung des P. Gregor Hertwig. Ubstadt-Weiher 1998, S. 28ff.)
Halsgeige
Teil des Prangers. Mit ihr wurde ein Verurteilter an einem öffentlichen Platz angekettet. Der Pranger entsprach als Strafe dem mittelalterlichen Rechtsempfinden. Der öffentlich ausgestellte Verbrecher war der Rache aller ausgesetzt.
Halsgericht
Gericht, das die Todesstrafe verhängen kann
Halsgraben
künstlich angelegter Graben, der eine Burganlage von dem sie umgebenden Gelände abschneidet und sie somit unzugänglich macht. Zugang über Zugbrücke. Wichtiger Bestandteil des Wehrsystems einer Burg, häufig bei Spornburgen.
(Blutstein, Eisenglanz, Roteisenstein, Rötel) sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide (und Hydroxide) mit einem Stoffmengenverhältnis Metall:Sauerstoff = 2:3. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Fe2O3 und entwickelt verschiedenste Kristallformen. Dünne Hämatit-Blättchen sind rötlich durchscheinend. Hämatit läuft nach einiger Zeit bunt an und wird durch Verwitterung rot. Die Bezeichnung Hämatit leitet sich aus dem griechischen Wort αιματoεις und bedeutet soviel wie „Blut“ oder „blutig“. Hämatit enthält im reinen Zustand 70 Prozent Eisen und ist das wichtigste Eisenerz.
Der Abbau von Rötel war einer der frühesten Bergbauaktivitäten der Menschheit; das pulverförmige Mineral wurde in ca. 80.000 Jahre alten Grabstätten gefunden. Die ältesten Untertageabbaue Europas befinden sich in Tzines und Vaftochili auf der griechischen Insel Thasos (etwa 15000 bis 20000 v. Chr.). In Deutschland findet man zudem prähistorische Bergbauspuren bei Bad Sulzburg und im Münstertal (Schwarzwald) mit vergleichbaren Umfang aus der Zeit um 5000 v. Chr., die der Bandkeramischen Kultur am Oberrhein zuzuordnen sind. Das ergiebige Vorkommen des Eisenglanzes der Insel Elba wurde schon von den Etruskern abgebaut. Im Fichtelgebirge in Nordostbayern wurde urkundlich ab 1300 Bergbau auf Hämatit betrieben. (>Limonit)
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4matit
Hamm
von mhd. hamm=“1. grasiger Abhang, 2. Flußufer“ (vgl. FN Neckarhamm)
Handapparat, wissenschaftliche
vorübergehende Zusammenstellung von Büchern aus einer wissenschaftlichen Bibliothek zu einem bestimmten Thema an einem geeigneten, den Nutzern zugänglichen Ort. Meist ist dies grundlegende Literatur zu einer aktuellen Lehrveranstaltung (Seminarapparat). Wissenschaftliche Handapparate gehören zum Präsenzbestand der Bibliothek, d. h. die Bücher sind zur Ausleihe gesperrt und dürfen nicht längere Zeit vom Apparat entfernt werden. Im Bibliothekskatalog muß der Standort vermerkt sein.
Mehr und mehr an Bedeutung gewinnt die elektronische Version von Handapparaten (englisch: E-Reserve). Für die Veranstaltung benötigte Fachliteratur wird gescannt und auf einem Server, der oft von der Universitätsbibliothek betrieben wird, passwortgeschützt abgelegt. In Deutschland ermöglicht dies der § 52a des Urheberrechtsgesetzes.
Handelstag
1860 wird auf dem Badischen Handelstag in Heidelberg der 1861 erstmals abgehaltene Allgemeine Deutsche Handelstag initiiert. Damals standen die Vereinheitlichung der unterschiedlichen Maße und Gewichte, die Aufhebung der Zollgrenzen und die Einführung eines einheitlichen Handelsgesetzbuches im Mittelpunkt der Verbandstätigkeit. 1918 benannte sich der DHT in "Deutscher Industrie- und Handelstag" um. Vom 11. bis 14. Mai 1911 tagte der Deutsche Handelstag zu seinem 50jährigen Jubiläum des im ehemaligen Museumsgebäude in Gegenwart des Großherzogs, des Reichskanzlers, etc.
Handgaul
das im Gespann links gehende Pferd
Handheb
Knauf an der Tür, meist mittig angebracht, dient dazu, die Tür beim Schließen heranzuziehen (also keine Klinke oder Drücker)
Handschuhsheimer Geschichts-Werkstatt
Handschuhsheimer Wein
einziger Winzer, der Mitglied im Badischen Weinbauverband ist: Dr. Wilfried Goldacker (Weinberg zwischen Leimengrube und Hainsbachweg, Lage: Heidelberger Heiligenberg) (2008) (vgl. Richard Friedrich Genthner, Weinbau in Handschuhsheim, in: Jahrbuch des Stadtteilvereins Handschuhsheim 2001, S. 45-54; Wilfried Goldacker, Weinbau in der vorderen Hainsbach, in: Handschuhsheimer Jahrbuch 2009, S. 25ff.; Andreas Jung, Erika Dettweiler, Historische Weinberge bei Heidelberg, in: Jahrbuch des Stadtteilvereins Handschuhsheim 2003, S. 29-33; Andreas Jung, Erika Maul, Historische Weinberge bei Heidelberg - Letzte Zeugnisse alter Bergsträßer Weinbautradition. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch. 55. Stuttgart (Hohenheim) 2004, S. 19-26)
Handschuhsheim-Kantate
1978 verfaßt Landeskantor Erich Hübner zusammen mit Horst Meusel (Text) anläßlich des 75jährigen Jubiläums der Eingemeindung die Handschuhsheim-Kantate „Hört, Freunde, was sich zugetragen“ für fünf Solostimmen, zwei gemischte Chöre, Männerchor und Orchester, die in der Heiligenbergschule aufgeführt wird
Harmonia
griechische Göttin des Heilens, des Wissens und der Kreativität. Tochter der Aphrodite und des Ares.
Harpyen
Raubvogeldämonen mit weiblichen Gesichtern, Armen und Schenkeln
hart
Bez. für Katholiken (vgl. dick, steif)
Haskala
(hebr. haskala „Wissen, Erziehung, Bildung“, jidd. haßkóle f.) jüdische Aufklärung, begründet durch Moses Mendelssohn (1729-1786). Diejenigen, die der Haskala folgten, nannten sich maskilim (hebr. „Erleuchtete, Verständige“))
Haubenstock
Perückenkopf, im Barock und Rokoko zur Maßanfertigung der Perücke und zu deren Ablage benutzt. Haubenstöcke bestanden fast immer aus Holz und hatten die Form eines Kopfes mit Büstenansatz. Manche Perückenmacher verwendeten Haubenstöcke mit Perücken, um für ihre Produkte zu werben.
Haufendorf
Form des Dorfes, bei der die Gehöfte ohne jede Regelmäßigkeit der Frontstellung, der Gebäude und der Gassenführung beeieinanderstehen
Haupthilfsstelle für die Pfalz vgl. Pfalz-Zentrale
Hausarme
(mhd. hûsarmer=“ortsfremder Armer“). „arme Personen, die sich zu betteln schämen, und Almosen im Hause, oder aus gutthätigen Häusern bekommen; zum Unterschied von den Bettlern und Kircharmen“ (Adelung). (1412 machen Ulrich Salzkorn, Burggraf von Alzey, und seine Ehefrau testamentarisch eine Stiftung für ersame hausarme menschen von den Innvonern zu Heidelberg, die des dann aller notdurfftigst sein, d.h. für ortsansässige Hilfsbedürftige)
Hausenblase
Die innere Haut der Schwimmblase von Stör, Hausen, Wels und Sterlett. Sie besteht aus Eiweißstoffen, die in kaltem Wasser aufquellen und zu einer Gallerte erstarren. Die Hausenblase dient u.a. zum Klären von Flüssigkeiten, zum Schönen von Wein, Bier und Likör, als Klebstoff.
Hausfrau
Ehefrau (Beispiel: Grabmal der „Katharina Müllerin (†1598) aus Mittelschefflenz, Hausfrau des Johann Philipp Mylaeus (Müller), Pfarrers zum Heiligen Geist“, bei der Peterskirche)
Hausgang
oberdeutsch für „Flur“
Haushofmeisterei, kurfürstliche vgl. Stegenbuch
Hausmeier
(lat. Maior domus, frz. Maire du palais) Im Frankenreich unter den Merowingern der Vorstand der königlichen Hofhaltung und zugleich der Führer des kriegerischen Gefolges. Der Hausmeier Pippin der Mittlere errang 687 die Gewalt in allen Teilen des Reiches. Durch ihn wurde das Amt des H. erblich im Geschlecht der Arnulfinger. Sein Enkel, der Hausmeier Pippin III. der Jüngere (Pépin le Bref) setzt 751 den letzten Merowingerkönig ab und läßt sich von den Franken zum König wählen. Damit hörte das Amt des H. auf. (vgl. Edictum Chlotarii)
Hausplatz
Grundstück ohne Gebäude, auf dem ein Haus errichtet werden darf
Haustein
Naturstein, dessen Oberfläche in Steinmetzarbeit behauen ist
Hausunion, Münchener, von 1724
Vereinbarung zwischen bayerischen und pfälzischen Wittelsbachern (d. h. zwischen Kurfürst Carl III. Philipp von der Pfalz und Kurfürst Max Emanuel von Bayern), sichert die gegenseitige Beerbung ihrer Länder. (vgl. Hans-Michael Körner, Die Wittelsbacher. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. (Beck`sche Reihe - C.H. Beck Wissen; 2458). München 2009, S. 71f.)
Hauszins
Miete
Haworthia heidelbergensis
(nlat.) Pflanze, die bei Heidelberg in der Kapprovinz gefunden und benannt wurde
Hazlóche f.
(jidd.) (hebr. hazlachá „Glück, Segen, Erfolg“) (jidd. hazloche we broche „Glück und Segen“)
Hebbelverein
akademische Gesellschaft für Dramatik, durch Richard Benz, Emil Alfred Herrmann, Franz Ludwig Hörth, Ernst Leopold Stahl am 13. Dezember 1902 gegründet, Theateraufführungen, Rezitations- und Singabende am Friesenberg; 1908 aufgelöst.
Hedone, Hedonismus
Lebensauffassung, nach der das Genießen als Motiv und Ziel des Handelns gilt
Heerrauch, Herauch
„Höhenrauch“, Trübung der Luft durch Rauch und Abgase, etwa von Wald-, Steppen- und Moorbränden, Vulkanausbrüchen, auch feiner Dunst in der Luft bei trockenem, heißen Wetter
Heerschild
(lat.) clipeus militaris. Im Lehnsrecht die Fähgkeit zum Erwerb eines Ritterlehens. Sachsenspiegel und Schwabenspiegel kennen eine Heerschild-Ordnung von 7 Stufen: 1. König, 2. Pfaffenfürsten, 3. Laienfürsten, 4. Grafen und Freiherren, 5. Freie und Ministerialien, 6. Mannen, 7. übrige rittermäßige Leute
Heidelbeere
Vaccinium myrtillus L. Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Heidelbeere ist ein bis zu 50 cm hoch wachsender, buschiger Strauch mit derben, wechselständig angeordneten Blättern. Die einzeln in den Blattachseln sitzenden grünlichen, blaßrosa angelaufenen Blüten bilden nach der Fruchtreife eine kugelige, blauschwarze Beere. Medizinisch verwendet werden die getrockneten Früchte. Der Name Heidelberg hat nichts mit der Frucht zu schaffen.
Heidelberg Center for American Studies (HCA)
das Heidelberg Center for American Studies (HCA) der Universität Heidelberg nimmt am 20. Oktober 2004 in der Schillerstraße 4-8 (Weststadt) seinen Lehrbetrieb auf
Heidelberg Center South Asia
am 17. November 2009 von der Universität Heidelberg in Delhi eröffnet
Heidelberger
inoffizielle Bezeichnung des „Kriegs-Straßenbahnwagen“ (KSW) der Fa. Fuchs Waggon, Bau 1943ff. und 1946ff. Länge: 10,4 m, Gewicht: 10,4 t. Die 16 Einzelsitze aus Holz wurden in den 1960er Jahren durch Polstersitze ersetzt. Im Personenbeförderungs-Einsatz der HSB bis 1976.
Heidelberger Affe vgl. >Affe, Brückenaffe
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Vereinigung von Gelehrten, die vor einer Berufung jeweils durch „hervorragende wissenschaftliche Leistungen“ in ihrem Fach ausgewiesen sein müssen. Sie betreibt als außeruniversitäre Einrichtung, aber in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg und den anderen Universitäten des Landes Baden-Württemberg, vor allem Projekte im Bereich der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung.
Die Akademie wurde 1909 durch eine Stiftung des Industriellen Heinrich Lanz als großherzoglich-badische Akademie gegründet. Sie verstand sich als Neugründung der 1763 gegründeten, 1803 wieder erloschenen Kurpfälzischen Akademie Mannheim.
Seit 1920 ist die Akademie im ehemaligen großherzoglichen Palais unter dem Heidelberger Schloss ansässig. Seit 1958 ist sie die Landesakademie von Baden-Württemberg und seit 1966 eine eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Die Akademie betreibt derzeit 23 Forschungsvorhaben, vornehmlich aus dem Bereich der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Dazu zählen das Deutsche Rechtswörterbuch (DRW) und das Goethe-Wörterbuch. Besonderer Schwerpunkt liegt auf Texteditionen aus der Zeit des Humanismus und der Reformation (z.B. das Luther-Register und die Werkausgaben von Martin Bucer, Philipp Melanchthon und Johannes Reuchlin).
http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Akademie_der_Wissenschaften
Heidelberger Aktienbrauerei
Am 13. Februar 1884 wird die Heidelberger Aktienbrauerei vorm. Gebr. Kleinlein (Bergheimerstraße) gegründet. 1934 wird der Name in Brauerei Kleinlein AG geändert, 1952 in Schlossquellbrauerei Kleinlein AG. 1934 werden 5 Quellen im Schloß-Molkenkur-Gebiet erworben und durch eine 6 km lange Leitung dem Betrieb zugeführt.
Heidelberger Aktionsgruppe zur Demokratie und zum freien Sozialismus
im November 1946 von Dolf Sternberger, Alexander Mitscherlich, Lambert Schneider, Alfred Weber gegründet (vgl. Katharina Hausmann, „Die Chance, Bürger zu werden“. Deutsche Politik unter amerikanischer Besatzung: Die „Heidelberger Aktionsgruppe“ 1946–47 (Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg. Heft 8). Ubstadt-Weiher 2006)
Heidelberger Blumentage
1951-1968 von Gartenbaubetrieben und Blumenbindereien auf dem Schloß veranstaltetet, jährlich für zwei Spätsommerwochen, ab 1960 zweijährig. Zunächst nur innerhalb der Schloßruinen und des Stückgartens farbenfrohe, dekorative Beete. Man orientierte sich bei den Pflanzungen an barockisierende Teppichbeeten des 19. Jahrhunderts. Erste Heidelberger Blumentage: 3.-5. August 1951.
Heidelberger Burschenschaft
studentische Vereinigung, 1817 durch Friedrich Wilhelm Carové aus Koblenz als Teil der gesamtdeutschen Burschenschaftsbewegung gegründet
Heidelberger Dienste
1996 gegründete quasi-städtische Einrichtung, die Langzeitarbeitslose für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren soll
Heidelberger Einung, Heidelberger Stallung
Am 26. Juli 1384 stellt sich König Wenzel in der Heidelberger Einung an die Spitze der Städte. Ein Einvernehmen zu einem Waffenstillstand zwischen Fürsten und Städten kommt zustande.
Heidelberger Festchronik
Ruperto Carola. Illustrirte Fest-Chronik der V. Säcular-Feier der Universität Heidelberg. Heidelberg 1886 (Nr. 1-12 in einem Band) (Red.: Karl Bartsch) [Dnk 1 Rupe] Inhalt
Heidelberger Formel
vgl. [Reinhold Zundel], Reinhold Zundel: Stationen – Eine Ausstellung des Stadtarchivs Heidelberg [Broschüre zur Ausstellung]. [Heidelberg 2008], S. 3
Heidelberger Frauenverein
gegründet am 25. Juli 1946 in der Alten Aula der Universität. Den Ehrenvorsitz übernehmen >Marianne Weber und >Marie Clauss, erste Vorsitzende wird die Juristin Dr. Erdmuthe Falkenberg.
Heidelberger Fürstenbund vgl. Heidelberger Verständnis
Heidelberger Geschichtsblätter
„Historische Monatsschrift für Heidelberg, Odenwald, Bergstraße und Bauland“, hg. von Dr. Waldemar Hoenninger und Dr. Fritz Schulze. Es erschien nur der Jahrgang 1 (1913-1914), d.h. 8 Nummern.
Heidelberger Geschichtsverein e.V.
Heidelberger Gesellschaft zur Pflege der Heimatkunde
am 11. April 1937 gegründet, nachdem Oberbürgermeister Neinhaus am 27. Oktober 1936 in der öffentlichen Ratsherrensitzung zur Gründung einer Vereinigung der Freunde der Heimatkunde in Heidelberg aufgerufen hatte ("Es soll eine Vereinigung werden, die durch alle Schichten der Bevölkerung geht. Daß sie immer nur im nationalsozialistischen Sinne arbeitet, ist eine Selbstverständlichkeit, die ich kaum zu erwähnen brauche.") 1949 ging die Gesellschaft in eine Vereinigung der Freunde des Kurpfälzischen Museums über. (vgl. Stadtarchiv Heidelberg AA 223b, 1-3)
Heidelberger Gespräch
Vertrauliches Gespräch ehemaliger Angehöriger des Marianne-Weber-Kreises (Marianne Weber, Karl Jaspers, Alfred Weber, Karl Hampe, Arthur Salz, Eugen Täubler, ein Unbekannter) am 25. März 1933 angesichts der neuen politischen Situation, als Aufzeichnung aus dem Nachlaß des Althistorikers Eugen Täubler veröffentlicht (vgl. Eugen Täubler, Heidelberger Gespräch (25. März 1933), in: Geza Alföldy (Hg.), Eugen Täubler, Ausgewählte Schriften zur Alten Geschichte. (Heidelberger Althistorische Beiträge und Epigraphische Studien 3). Stuttgart 1987, S. 312-325; darin Anhang: Einleitung zum Heidelberger Gespräch vom 25. März 1933 von Johannes Hahn (S. 305-311)
vgl. http://swbplus.bsz-bw.de/bsz013330381inh.htm (Inhaltsverzeichnis)
Jürgen Miethke (Hg.), Geschichte in Heidelberg: 100 Jahre Historisches Seminar, 50 Jahre Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde. Berlin, Heidelberg [u.a.] 1992
http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/miethke1992/0068?sid=dbd69e9b8a6cd8fbc7edead23ee16cd4
Heidelberger Gruppe für Auslandssolidarität
http://www.uni-heidelberg.de/organe/uar/bestand/files/ZA-IIa.html
Heidelberger Herbst
Heidelberger Hof
Hotel-Restaurant, Wredeplatz 1 (vor dem 1. Weltkrieg)
Heidelberger Hütte
Hochgebirgshütte der Heidelberger Sektion des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins am Fuße des Fluchthorn im Fimberetal, Silvrettagruppe (2250 Meter ü. d. M.)
Heidelberger Institut für theoretische Studien vgl. HITS
Heidelberger Internationale Studentenbund
http://www.uni-heidelberg.de/organe/uar/bestand/files/ZA-IIa.html
loser Zusammenschluss von Juristen, Richtern, Beamten des Nundesjustizministeriums und Verwaltungsfachleuten der evangelischen und katholischen Kirche, der sich für die Freilassung und Rehabilitierung von deutschen Verurteilten aus den Kriegsverbrecher- und NS-Prozessen einsetzte. Der Juristenkreis wurde im Frühjahr 1949 gegründet, sein Zentrum bildeten der Bundestagsabgeordnete Eduard Wahl, Heidelberger Juraprofessor und Leiter des Heidelberger Dokumentenarchivs sowie Hodo von Hodenberg, Präsident des Oberlandesgerichts Celle. Mitglieder des Kreises waren u.a. Karl Geiler, Juraprofessor in Heidelberg, und Gustav Radbruch, Juraprofessor in Heidelberg, für kurze Zeit bis zu seinem Tod Ende 1949. http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Juristenkreis
Heidelberger Kamelverein
In den 1950er Jahren in Heidelberg gegründeter Verein. Die Beiträge seiner Mitglieder dienten dazu, für den Heidelberger Tiergarten ein Kamel anzukaufen. Männliche Mitglieder (Kamelonen) zahlten einen einmaligen Baitrag von 1 DM, weibliche (Kamelien) -.75 DM, Kinder (Kamillen) -.50 DM. Auch Mannheimer waren Mitglied.
Heidelberger Kochbuch
handschriftliches Album, das Berta Becker, Gattin des Direktors der Heidelberger Augenklinik, 1864 für einen Basar zugunsten Schleswig-Holsteins anlegte. In dieses „Kochalbum“ sollten bewährte Rezepte eingetragen werden. Das Buch fiel per Los Prof. Karl Joseph Mittermaier zu. Von ihm kam es auf seinen Enkel, Prof. Dr. Wolfgang Mittermaier. Freiherr von Reichlin-Meldegg trägt ein: „Gäb`s in der Politik nicht gar zu viel/ gebackene alte Weiber/ Ganz anders stünd`s um Recht/ und Freiheit eurer Geister, eurer Leiber“. (vgl. Heinrich Neu, Ein Heidelberger Kochbuch, in: Heidelberger Fremdenblatt, 1. Februar 1956)
Heidelberger Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands
tritt im Mai 1946 unter der Führung von Gustav Hartlaub und Dolf Sternberger erstmals zusammen
Heidelberger Kunstverein
gegründet am 7. Juli 1869, erster Vorsitzender bis 1890: Prof. Dr. Bernhard Stark, Direktor des Archäologischen Instituts. Ausstellungsräume im Evangelischen Schulhaus in der Plöck (vgl. Adolf Gängel, 100 Jahre Heidelberger Kunstverein. Rückblick auf Geschichte und Wirksamkeit, in: Heidelberger Kunstverein (Hg.), Heidelberger Kunstverein 1869-1969. Kunst und Künstler in Baden und in der Pfalz. Hg. vom Heidelberger Kunstverein zur Feier seines 100jährigen Bestehens, Juli 1969. Ausstellung „Kunst und Künstler in Baden und in der Pfalz“ in der Gartenhalle des Kurpfälzischen Museums vom 13. Juli bis 17. August 1969. Heidelberg 1969, S. 9-26)
Heidelberger Liederhandschrift vgl. Manessesche Liederhandschrift
Heidelberger Liederkranz
1839 gegründet, u.a. durch Buchhändler Christian Friedrich Winter (1773-1858) und Antiquar Salomon Wolff („und wählte seine Heimath gleich in der Harmonie“). Erster musikalischer Leiter und zugleich Vorstand im heutigen Sinne war Musiklehrer Peter Beck. Am 5. Dezember 1848 gab der Liederkranz in Heidelberg ein Konzert "zum Besten der Familie Robert Blum´s". >Harmonie und Liederkranz waren miteinander verbunden, die größte Zahl der Mitglieder gehörte beiden Gesellschaften an. Die Beziehungen zwischen Mutter- und Tochterverein waren vertraglich geregelt. Immer wieder (1845, 1854, 1883) kam es zu Differenzen bzw. dann zur Trennung zwischen Harmonie-Gesellschaft und Liederkranz. 1952-1955 war Hermann Meinhard Poppen Chorleiter des Heidelberger Liederkranz. (vgl. Kurze Geschichte der Harmonie-Gesellschaft zu Heidelberg bei Gelegenheit der Feier der vor 25 Jahren stattgehabten Einweihung unseres jetzigen großen Saales. verf. von C. A. Heidelberg 1867, S 19; Hundertfünfzig Jahre Heidelberger Liederkranz 1839-1989. Bearb. von Alfred Vogel (1839-1939) und Fritz Spitz (1919-1989) Heidelberg 1989)
Heidelberger Loch
http://ww2.heidelberg.de/stadtblatt-online/index.php?artikel_id=425
Heidelberger Mensch vgl. Homo erectus Heidelbergensis www.homoheidelbergensis.de
Heidelberger Pachantey, Alte Pachantey, Conpachantey
(1906/1908) Zusammenschluß von Wandervögeln um den Medizinstudenten Hans Breuer (1883-1918) in der Klingenteichstraße 27. 1908 Herausgabe der Volksliedsammlung „Zupfgeigenhansl“.
Heidelberger Programm
auf dem Reichsparteitag in Heidelberg (13.-20. September 1925) verabschiedetes Parteiprogramm der SPD
Heidelberger Rudergesellschaft (RGH)
am 4. Juni 1898 im Hotel Perkeo von 43 Bürgern gegründet (Bootshaus an der Schurmanstraße)
Heidelberger Ruderklub
1875 gegründet
Heidelberger Rundschau
1. Halbmonats-Beilage zum "Heidelberger Tageblatt", Nr. 1 (November 1913) bis 17 (Juli 1914; mehr nicht erschienen); 2. Wochenzeitung, erscheint von 1974 bis April 1975 (Hg.: Journalistische Genossenschaft), und von April 1975 bis 1983 (Hg.: Forum der Bürger e.V.). Für kurze Zeit erscheint das Konkurrenzblatt "Neckarrundschau"
Heidelberger Ruthe vgl. Rute
Heidelberger Schicksalsbuch
(Cod. pal. germ. 832) astrologisch-astronomische Sammelhandschrift, eine der wertvollsten Zimelien der Universitätsbibliothek Heidelberg, nach 1491 in Regensburg entstanden. Ganzseitige Illustrationen von Berthold Furtmeyr, Regensburg, Miniaturen von Thomas Scholl. Wahrscheinlich für Kurfürst Philipp den Aufrichtigen von der Pfalz angefertigt. Erhielt seinen Namen wegen der zahlreich vorhandenen Wahrsagereien. Bestandteil der Bibliotheca Palatina, 1623-1816 in der Vatikanischen Bibliothek, dann wieder nach Heidelberg gelangt. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg832
Heidelberger Schuh vgl. Heidelberger Werkschuh
Heidelberger Schule
Richtung der Inneren Medizin, Begründer: Ludolf (von) Krehl (1861-1937)
Heidelberger Schützenbrief
ausgefertigt am 18. Mai 1490, angeblich ältestes überliefertes Dokument über die Heidelberger Schützen; heute im Stadtarchiv Nördlingen
Heidelberger Schützenordnung
1513 von Kurfürst Ludwig V. aufgestellt
Heidelberger Soldatenbüchlein
Neue Folge als Weihnachtsgabe 1918. Hg. vom Roten Kreuz Heidelberg. Heidelberg 1918
Heidelberger Stadtfarben
bis 1938 war die Stadtfahne vierfarbig (Schwarz-Rot-Grün-Gold), seitdem Gelb-Schwarz
Heidelberger Studentenkantorei
1950 von Bruno Penzien gegründet http://www.studentenkantorei.de/festschr.htm
Heidelberger Studentenschaft
1881 gegründet, durch einen Studentenausschuß vertreten
Heidelberger Synagogenstreit
1714 kaufte ein Teil der Heidelberger jüdischen Gemeinde das Wohnhaus „zur blauen Lilie“ (heute: Große Mantelgasse 1-3/Synagogenplatz) und nutzte es als Synagoge. Die Sippe des Feist Oppenheimer, in dessen Haus (heute: Heugasse/Merianstraße 3) sich bis dahin die Gemeinde zu Andachten traf, weigerte sich, die Kosten für die neue Synagoge mitzutragen. Lazarus Wolf Oppenheimer (Schwiegersohn des Feist Oppenheimer) bot in seinem Haus Dreikönigstraße 18 der Gemeinde einen Andachtsraum. 1737 vereinigten sich die während des Streits getrennten jüdischen Gruppen wieder und kauften sich in der Synagoge ein.
Heidelberger Tiegel
in Heidelberg entwickelte Druckmaschine, 1914 auf der BUGRA in Leipzig vorgestellt
Heidelberger Tonne
vgl. Karl Mittermaier, Die Reinigung und Entwässerung der Stadt Heidelberg. Nebst einem Anhang über die Wasserversorgung der Stadt. Denkschrift der von dem Heidelberger naturhistorisch-medicinischen Verein erwählten ärztl. Commission, verfasst von Karl Mittermaier. Heidelberg 1870 http://www.tu-cottbus.de/theo/D_A_T_A/Architektur/20.Jhdt/Baumeister/Baumeister.htm
Heidelberger Totentanz
Der Doten Dantz. Inkunabel, ältestes gedrucktes Zeugnis eines Totentanzes in Deutschland. Autor unbekannt, gedruckt bei Heinrich Knoblochtzer in Heidelberg, vor 1488. Enthält eine Serie von 38 Holzschnitten, auf denen das satirische Abbild des Todes alle Arten von Menschen besucht. In den meisten trägt das Skelett ein Musikinstrument. Im Text in oberdeutschem Dialekt wendet sich der Tod an sein Opfer. [Universitätsbibliothek Heidelberg Handschrift Cod. Pal. germ. 438 GW M47257]
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/totentanz1488/
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg438/
http://bibliodyssey.blogspot.com/2006/07/heidelberger-totentanz.html
http://www.lamortdanslart.com/danse/Manuscrit/Doten/dd_knoblochter.htm
Heidelberger Verständnis (Heidelberger Fürstenbund)
Am 29. März 1553 wurde der Heidelberger Fürstenbund gegründet. Er war nicht konfessionell gebunden. Die 6 Gründer waren die Kurfürsten von Mainz, Trier und Jülich, die Herzöge Christoph von Württemberg und Albrecht von Bayern sowie König Ferdinand. Vorsitzender: Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz. Aufgabe: Führung einer defensiven Politik, im Ernstfall sollen sich die Beteiligten zur Hilfe kommen. Löste sich 1556 auf. (vgl. Landsberger Bund)
Heidelberger Vorschußverein
gegründet 27. März 1858, Vorgänger der Handels- und Gewerbebank
Heidelberger Werkschuh
Längenmaß, mißt 27,9 cm (vgl. Schuh)
Heidelberger Wochenblatt
Zeitung, erscheint ab 1807-1830 (Nebentitel „Großherzoglich-badisch privilegiertes Heidelberger Wochenblatt“), 1831-1839 unter dem Titel "Heidelberger Wochenblätter", ab 1840 unter dem Titel "Heidelberger Tagesblätter", 1842-1872 unter dem Titel "Heidelberger Journal".
Heidelberger Zeitung
1858 gegründet, ab 1919: Badische Post, Landesorgan der Deutschen Liberalen Volkspartei Badens
Heidelberger Zuckerladen
1986 in der Plöck eröffnet www.zuckerladen.de
Heiligenhäusel
Feldkapelle
Heiligenkult
Dem Mittelalter war die Organisation der Kirche als solche fremd. Der Mensch brauchte eine Dinglichkeit, etwas zum Anfassen und zum Ansprechen. Der einzelne, konkrete Heilige gab hier den Bezug. Man diente also nicht der Institution Kirche, sondern dem Heiligen, man leistete ihm Abgaben, betete zu ihm und bat um seine Unterstützung im Himmel.
Heilige und biblische Gestalten in Heidelberg
Heilige Geist
(lat. Spiritus sanctus, gr. Hagion pneuma) auch Paraklet genannt, die dritte Person der Trinität im Christentum nach dem wichtigsten altkirchlichen Bekenntnis des 4. Jahrhunderts (Nicäno-Konstantinopolitanum). Heilig ist im Sinne von „göttlich“ gebraucht. In den Konfessionen ist die Sichtweise über den Heiligen Geist unterschiedlich, er wird jedoch in allen Konfessionen als solcher akzeptiert. Die Christen fast aller Kirchen feiern 50 Tage nach Ostern Pfingsten als den Tag, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde (vgl. Apg. 2, 1-13). (1289 erste Erwähnung einer Heiliggeistkapelle in Heidelberg) http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Geist
Heilige römisch-deutsche Reich
Die Kaiserkrönung des ostfränkischen Königs Otto des Großen im Jahr 962 wurde als Übertragung des römischen Reiches auf die Deutschen aufgefaßt. Die Vorstellung von einer >Translatio Imperii von den Römern auf die Franken und dann auf die Deutschen war eine gedankliche Fiktion, mit deren Hilfe sich die deutschen Könige in die Tradition des römischen Imperiums einordneten und einen Anspruch auf universelle Schirmherrschaft über die gesamte Christenheit begründeten. Damit traten sie zugleich in die heilsgeschichtliche Rolle des römischen Weltreichs ein. Nach der spätantik-mittelalterlichen Auslegung des biblischen Buches Daniel galt das römische Weltreich als das letzte der Weltgeschichte, und solange das römische Reich dauerte, glaubte man, bleibe das Weltende aus.
Heiliggeistloch (Pfingstloch)
Öffnung in der Decke des Langhauses eines Kirchengebäudes, meist in der Nähe des Chores. Es diente ursprünglich als Lüftungsöffnung für die Kirche. Während des Pfingstgottesdienstes diente die Öffnung dazu, als Symbol für den Heiligen Geist eine weiße Taube freizulassen, eine Holztaube herunterzulassen oder Blumen herabregnen zu lassen. Der seit der Gotik bekannte Brauch kam nach der Aufklärung nach und nach außer Gebrauch, wird heute aber in einigen Kirchen wiederbelebt. (vgl. St. Gallus, Ladenburg)
Heimfall, Apertur
Rückfall eines erledigten Lehnsgutes an den Lehnsherrn
heîs, mía, hen
(gr.) Zahlwort „eins“
Heister
Buchenbaum, Buchenstamm
Heldengedenktag
16. März (1939-1945) (vgl. Reinhard Riese, „Gedenken heißt, aus der Geschichte lernen“. Erinnerungskultur und nationale Gedenktage in Heidelberg in den 1950er und 1960er Jahren, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein e. V., Nr. 14 (2010), S. 102f.)
Hellenismus
Zeitalter der griechischen Kultur zwischen dem Tod Alexander des Großen 323 v. Chr. und dem Kaiser Augustus, in dem das Griechentum mit morgenländischen Bestandteilen zu weltumfassender Bildung verschmilzt
Hellenologophobie
(gr.) Angst vor griechischen (Fach)ausdrücken
Heller
denarius Hallensis, Silberpfennig, kleinste Verkehrsmünze, genannt nach der königlichen Münzstätte zu Hall am Kocher, um 1200 erstmals erwähnt, bis 1494 in Hall geprägt. Verhältnis zum Pfennig wie 2:3 oder 1:2 (vgl. Derwein 1940 S. 99)
Hellespont
Bezeichnung der Antike für die Meerenge der Dardanellen
Hendekasyllabus
(gr. ἑνδεκά „Elf“ und συλλαβή „Zusammenfassung, Silbe“) antikes Versmaß, häufig in der Kleindichtung verwendet, etwa bei Catull oder Martial. Die Verszeile besteht aus 11 Silben: Da mi basia / mille, deinde centum (Catull)
Deutsche Nachbildung: Locken, fliegende, trug ich, die wie Ranken / Mich umschatteten, um die Schläfe wallend. (Friedrich Rückert)
(vgl. Renate Neumüllers-Klauser (Bearb.), Die Inschriften der Stadt und des Landkreises Heidelberg. (Die deutschen Inschriften, 12. Heidelberger Reihe, 4) Stuttgart 1970, Nr. 250)
Hendsemer Löwe pl.
Handschuhsheimer Vokalensemble, bestehen aus 7 jungen Männern, die zwischen 1946 und 1952 auftraten (vgl. Wilhelm Barth, Die Hendsemer Löwe 1946-1952. Erinnerungen. Heidelberg 1992)
Henno
Titel einer lateinischen Komödie von Johannes Reuchlin, am 31. Januar 1497 durch Studenten im Hause Johann von Dalbergs (Wormser Hof, Hauptstraße 110) aufgeführt http://www.reuchlin.ingolstadt.de/reuchlin/rg201.htm
Hepp-Hepp-Aufstände vgl. Judensturm
heptá, hébdomos
(gr.) Zahlwort „sieben“ (vgl. Heptagon, Heptagramm, Heptameter, Heptatonik)
Heraldik
Lehre von den Wappen, also der Wappenkunde mit dem Spezialgebiet der Blasonierung. Das Wort Heraldik ist vom Begriff des Herold abgeleitet. Mit diesem germanischen Wort wird derjenige bezeichnet, der die Symbole der Götter und der Geschlechter kennt. In der Neuzeit wird unter Heraldik die Wissenschaft von den Wappen und der Wappendarstellung sowie der Geschichte des Wappenwesens verstanden.
Herbipolis
(mlat.) Würzburg
Herbstmonat
September
Hercynia
Schwarzburgverbindung Hercynia zu Heidelberg, gegründet am 29. November 1852
Hercynischer Wald
Mittelgebirgsgürtel Deutschlands und Böhmens (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 43ff.)
Herkynischer Wald siehe Hercynischer Wald
Hermes
vgl. Hermen am Portal des Palais Cajet, Haspelgasse 12, dem Bildhauer Paul Egell zugeschrieben
Hermeneutik
(von gr. ρμηνεύειν hermēneuein (Gedanken) „ausdrücken“, (etwas) „interpretieren“, „übersetzen“), ursprünglich die Lehre vom Verstehen, Deuten oder Auslegen von Kunstwerken, wie literarischen Werken, Gemälden, Musikstücken, historischen Quellen, Filmen, Denkmälern, aber auch der mündlichen Rede. In der Antike und im Mittelalter des Christentums diente die Hermeneutik als Wissenschaft und Kunst der Auslegung (Exegese) grundlegender Texte. In der Neuzeit entwickelte sie sich zu einer Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation und zu einer Philosophie des „Verstehens“. Wichtige Zweige waren und sind die theologische, die juristische, die philologische und die historische Hermeneutik. Als einflussreichster Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert hat Hans-Georg Gadamer das Verstehen in den Zusammenhang eines prinzipiell nicht zu beendenden Gesprächs über die Deutung wichtiger Zeugnisse der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung gerückt.
Hesperiden
Hüterinnen der goldenen Äpfel im griechischen Mythos. Im Garten der Hesperiden, dem Garten der Götter, jenseits des Okeanos, bewachen die Hesperiden einen Baum mit goldenen Äpfeln. Zu den Heldentaten des Herkules gehört der Auftrag, die Äpfel zu rauben. Die Äpfel der Hesperiden setzt man mit Zitrusfrüchten gleich (vgl. Pomeranzen)
Hesperus, Hesperos
Abendstern, Liebesstern, Venus (vgl. Jean Paul, Hesperus, oder 45 Hundposttage...Roman, 1795)
Heumonat
Juli
hex, héktos, hexa-
(gr.) Zahlwort „sechs“ (vgl. Hexadezimal, Hexaeder, Hexagon, Hexagramm, >Hexameter, Hexachord)
Hexakosioihexekontahexaphobie
(gr.) Angst vor der Zahl 666
Hexameter
(gr.) aus 6 Füßen bestehender epischer Vers (vgl. >Pentameter, Distichon)
Heydelberger Zeitung
Wochenblatt, erschien 1666-1685 in Heidelberg, älteste in Heidelberg gedruckte Zeitung, daraus ließ sich Kurfürst Karl Ludwig beim Ankleiden vorlesen
HGG
Heidelberger geographische Arbeiten
Hilfswissenschaften, historische
Das Fach historische Hilfswissenschaften entstand im 17. Jahrhundert aus dem Bedürfnis, gefälschte Urkunden zu entlarven. Deshalb hängen die meisten Teilgebiete mit der Urkundenlehre zusammen. Eine zweite Gruppe von Teilgebieten befaßt sich mit der Abstammung v.a. des Adels, die sie anhand von Wappen, Grabsteinen und anderen Quellen ermittelt. Schließlich kümmert sich das Fach ganz allgemein um die Sachquellen der Vergangenheit, besonders um die Insignien (Herrschaftszeichen) und die mit ihnen ausgeführten Zeremonien. Zu den historischen Hilfswissenschaften gehören u.a. Paläographie, Diplomatik, Archivkunde, Chronologie, Historische Geographie, Mittellateinische Philologie, Numismatik, Sphragistik, Epigraphik, Genealogie, Heraldik, Insignienkunde Literatur http://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Hilfswissenschaften
Himmelskönigin
die babylonische Göttin Ischtar, die Göttin des Venus-Sterns, auch in Jerusalem und von den nach Ägypten geflohenen Juden verehrt (vgl. Jer. 7,18) (vgl. Astarte)
Hippokrene
Musenquelle auf dem Helikon (Böotien)
Historische Geographie
befaßt sich mit den geopolitischen Verhältnissen in früherer Zeit (Staaten, religiöse Einteilungen, Wirtschaftsräume usw.), den historischen Darstellung der Länder (z.B. Land- und Weltkarten), den früheren Namensformen geographischer Einheiten und ihrer Umsetzung in die heute übliche Schreibweise. http://www.phil.uni-passau.de/histhw/TutHiWi/geographie.html
Historische Kommission für die Geschichte der Stadt Heidelberg
1876 durch den Gemeinderat gebildet, Leiter: Albert Mays (auchHufschmied?-Kommission genannt)
Historischer Pfad
12 km langer, am Stadtgarten beginnender, ausgeschilderter Weg im südlichen Stadtwald, auf Initiative des Lehrers >Ludwig Merz 1955 angelegt, markiert die Spuren des dreißigjährigen Kriegs in Heidelberg. Schautafeln und Markierungen gab der Heidelberger Verkehrsverein bei dem Maler Karl Öchsler in Auftrag. Erneuert wurden die Bildtafeln durch den Maler Karl Lamade. Gerhard Walther (Heddesheim) erneuerte 1981 die Wegmarkierungen und gab das Faltblatt „Der Historische Pfad in Heidelberg“ heraus. Zur Ergänzung entstand am Hang des Heiligenbergs der "Schaupfad" mit Bildtafeln, die auf Schanzen, Lager und Hohlwege aus vergangener Zeit hinweisen. Die Lehrpfade gehören zum Projekt "Naturpark Odenwald/Neckarland". Hans-Martin Mumm, Leiter des Kulturamts der Stadt Heidelberg, führte am 19. und 26. Februar und am 12. März 2005 über den Historischen Pfad.
Historische Straßenbahn Heidelberg e.V.
Der Verein Historische Straßenbahn Heidelberg e.V., gegründet 2004, hat sich zur Aufgabe gemacht, historische Straßenbahnfahrzeuge der Heidelberger Straßen- und Bergbahn (HSB) als technisches Denkmal zu erhalten. Er besitzt mehrere Triebwagen, gebaut von der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg und der Waggonfabrik Düsseldorf AG. Im März 2008 fusionierte der Verein mit der 1995 gegründeten Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar e.V.
Historisch-kritische Ausgabe
umfaßt die Gesamtheit der vom Autor gebilligten Texte eines literarischen Werks, d. h. auch solche, die er nur in gewissen Zeitstufen seines Lebens gebilligt, dann aber verworfen hat, mit anderen Worten: sämtliche Textveränderungen, die er jemals vornahm. Der Herausgeber muß andererseits auch nachweisen, ob diese Änderungen wirklich vom Autor selbst stammen oder von ihm gebilligt wurden, und er muß sich vor selbstgewissen Behauptungen und autoritären Entscheidungen hüten. In einer historisch-kritischen Ausgabe muß jede Textveränderung, jeder Druckvorgang, jede editorische Bemerkung belegt und nachprüfbar sein. (vgl., Bodo Plachta, Editionswissenschaft. Eine Einführung in Methode und Praxis der Edition neuerer Texte. Stuttgart 1997)
HITS
Heidelberger Institut für theoretische Studien, ein privates, gemeinnütziges Forschungsinstitut der Klaus-Tschira-Stiftung, am 1. Januar 2010 durch Namensänderung aus der EML Research gGmbH hervorgegangen (Geschäftsführer: Dr. Klaus Tschira und Prof. Andreas Reuter) (vgl. RNZ, 9. 3. 2010, S. 3)
Hochgerichtsbarkeit
Gerichtsbarkeit, die die mit Lebens- und Körperstrafen bedrohten Delikte, die nicht durch Geldzahlungen abgelöst werden können, abzuurteilen hat
Hochschule für jüdische Studien
private Hochschule, 1979 in Heidelberg auf Initiative des badischen Landesrabbiner Prof. Nathan Levinson gegründet, getragen vom Zentralrat der Juden in Deutschland, finanziert aus Bundes- und Landesmitteln. Bildet in deutscher Sprache Rabbiner, Kantoren, Vorbeter und Religionslehrer aus.
Hochwald
Forstbetrieb, bei dem sich die Baumbestände aus Samen entwickelt haben (Kernwüchse), alleinige Waldform der Natur
Hochwild vgl. Jagd
Hofämter
Funktionen am frühmittelalterlichen Herrschaftshof:
Truchseß (dapifer; ndt. Droste; Gepäck der Hofgesellschaft, Haushalt)
Seneschall („Altknecht“, Quartiermeister, Verwaltungschef)
Marschall (marescalcus, comes stabuli; Versorgung der Pferde, berittenes Gefolge und militärisches Aufgebot)
Kämmerer (camerarius; Vorratshaltung, Vermögensverwaltung)
Schenk (pincerna; Wein, Keller)
Diese Titel wurden im Lauf der Zeit zu Bestandteilen des Namens (Beispiele: die Familien der Kämmerer von Worms, genannt Dalberg, der Schenk von Stauffenberg, der Truchsess von Waldburg und der Marschall von Pappenheim). Es ist ein Zeichen sowohl des sozialen Anspruchs einer hochadligen Familie als auch seiner finanziellen Möglichkeiten, wenn sie sich solche Amtsträger hält.
Diese Erzämter wurden als Ehrenämter verstanden, die seit dem 13. Jahrhundert Angehörige bestimmter Reichsfürstenfamilien innehatten. So war der Pfalzgraf bei Rhein Erztruchseß, der Herzog von Sachsen Erzmarschall, der Markgraf von Brandenburg Erzkämmerer und der König von Böhmen Erzschenk. Sie bildeten mit den Erzkanzlern (Erzbischöfe von Mainz, Köln, Trier) das Kollegium der Kurfürsten.
Im Sachsenspiegel des Eike von Repgow (1220/1235) wird die besondere Stellung des Pfalzgrafen bei Rhein als erstem unter den weltlichen Königswählern bezeugt und ausdrücklich mit der Erztruchsessenwürde verbunden. 1356 wird die Würde des ersten weltlichen Kurfürsten, das Amt des Erztruchseß, des obersten Richters im Gebiet des fränkischen Rechts und des Reichsverwesers (Reichsvikar) für die Pfalzgrafen bei Rhein erblich.
Hoffaktor
Finanzbeamter des Kurfürsten, für Beschaffung von Waren und Finanzmitteln zuständig
Hofkammer, kurfürstliche (Rentkammer, Rechenkammer)
Die Hofkammer war für die gesamte Finanzverwaltung zuständig, sowohl für die Einnahmen und Ausgaben für den persönlichen Haushalt und Hof des Kurfürsten als auch für die der Landesverwaltung. Der Kammerforst im heutigen Heidelberger Stadtwald war herrschaftlicher Besitz, vgl. Derwein 1940, Nr. 406.
Hofreite
1. gesonderter Hofraum, Hofplatz eines einzelnen Bauern; 2. Bauernhof mit Wirtschaftsgebäuden. Bei einer fränkischen Hofreite bilden die Gebäude ein geschlossenes Viereck, die Zufahrt ist durch ein hohes, überbautes Tor verschlossen. (vgl. Rott, Haingeraide)
Höhenburg
auf einer Anhöhe oder einem Berg errichtete Burganlage (Gegenteil: Niederungsburg). Zu den Höhenburgen gehören die Gipfelburgen, die Hangburgen und die Spornburgen.
Hohenstaufen, Staufer
das nach dem Randberg bzw. Burg Hohenstaufen der Schwäbischen Alb bei Göppingen benannte schwäbische Geschlecht der Staufer. Stammvater: Friedrich von Büren. 1138 erlangen die Staufer mit Konrad III. den Königsthron, den sie bis 1254 halten (1147 erhält Konrad von Hohenstaufen den ehemaligen salischen Hausbesitz im Neckarland, Wormser und Speyerer Gau; 1156 belehnt Kaiser Friedrich I. auf dem Reichstag zu Worms Konrad von Hohenstaufen mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein; 1182 Erwähnung einer Burg des Pfalzgrafen Konrad bei Heidelberg in der Vita Eberardi) vgl. Konradinische Erbschaft
Höhere Töchterschule
am 16. Oktober 1877 in der Plöck eröffnet; erster Rektor: Prof. Dr. August Thorbecke
Holländer Holz vgl. Flöße
Holokaust, Holocaust
(von griech. óλοκαύτωμα, holokáutoma: „vollständig Verbranntes“, „Brandopfer“) Als Holocaust oder Shoa (hebr. „Unheil, große Katastrophe“) bezeichnet man den Völkermord an Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Wort wurde in diesem Sinne nicht vor 1967 verwendet. Weitere nationalsozialistische Massenmorde an Slawen, Behinderten, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas etc. zielten angeblich nicht auf völlige Ausrottung der betroffenen Gruppen und werden daher meist nicht in den Holocaustbegriff eingeschlossen. (vgl. Norman G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie. München 2001)
Holz
Wald, Gehölz (Vgl. FN Holzweg, Hilzweg)
Homiletik
Lehre von der Kanzelberedsamkeit
Homo erectus Heidelbergensis
www.homoheidelbergensis.de (vgl. Urmensch von Mauer)
Honorarprofessor
Personen, die wegen ihres akademischen Einsatzes als Dozent oder Lehrbeauftragter eine Titularprofessur erhalten und mit der Hochschule in besonderer Weise verbunden sind. Sie halten Lehrveranstaltungen ab, sind in der Hauptsache aber weiter in ihrem Beruf außerhalb der Hochschule tätig. Die Bezeichnung Honorarprofessor bezieht sich nicht auf den Begriff „Honorar“, sondern rührt daher, dass der betreffenden Person die Ehre des Professorentitels zuteil wird, ohne Inhaber der Dienststellung oder der vollen Funktion eines Professors zu sein. Honorar erhalten Honorarprofessoren für ihre Lehrtätigkeit in der Regel nicht. Von Honorarprofessoren wird bezüglich ihres Einsatzes in der Lehre lediglich erwartet, daß zwei Semesterwochenstunden pro Semester unentgeltlich gelehrt wird. Die Idee dahinter ist es, Personen aus der Praxis auch für die Lehre zu gewinnen und eng an die Hochschule zu binden. http://de.wikipedia.org/wiki/Honorarprofessor
Hookemann
1. Sagengestalt am unteren Neckar, vgl. Derwein 1940 Nr. 1072; 2. Neuenheimer Nachrichtenblatt, hg. vom Stadtteilverein Neuenheim
HoPoKo
Hochschulpolitisches Kollektiv, sozialdemokratische Hochschulgruppe an der Universität Heidelberg
Hor
ahd. horo, mhd. horb, horwes=“Kot, kotiger Boden, Schlamm, Schlick, Schmutz“ (vgl. FN Harlach, Hurenbrunnen)
Horen
(gr.) Göttinnen der Jahreszeiten
Hornung
Februar
Hortus medicus
1593 legt der Universalgelehrte Henricus Smetius (1537-1614) aus Flandern, Leibarzt Johann Casimirs und Friedrichs IV., Philologe, Dichter, Rektor der Universität, vor dem Markbronner Tor einen hortus medicus, den ersten botanischen Garten Heidelbergs, an. Später wird er wegen der Einführung von exotischen Pflanzen aus der ganzen Welt zum "hortus geographicus" und nochmals später zum "hortus systematicus" (im Dreißigjährigen Krieg zerstört).
(mlat.) „pfälzischer Garten, Palastgarten“. Garten der kurpfälzischen Residenz in Heidelberg, 1614-1620 geplant und teilweise erbaut von Salomon de Caus
Hospital
(lat.) hospitalis=“gastfreundlich“. Anstalt, in der Arme, Hilfsbedürftige oder Kranke Aufnahme finden (vgl. St. Anna, Kurspital, Nosocomium, Universitätshospital, lutherische Spital, reformierte Spital)
HSB-Betriebsmuseum
im HSB-Betriebshof Heidelberg. Geht auf die Initiative des HSB-Mitarbeiters Heinz Grauli zurück (Nur auf Anfrage zugänglich)
H S E
hic situs est „liegt hier begraben“ (häufige römische Grabinschrift)
Hube, Hufe
Ackerland einer festgelegten Größe, das zu einem Hof gehört (vgl. Hufendorf, Familienamen Huber)
Hubertusorden
Sankt-Hubertus-Ritterorden, höchster Orden des pfälzischen Hauses, 1444 von Herzog Gerhard V. von Jülich und Berg gestiftet, 1708 von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz erneuert, 1808 von König Max Joseph von Bayern bestätigt.
Hufendorf
dörfliche Siedlungsform, als Marsch-Hufendorf an der Nord- und Ostseeküste, in den Talauen großer Flüsse, oder als Wald-Hufendorf in Mittel- und Ostdeutschland. Die Gehöfte liegen in einfachen oder einander gegenüberliegenden Reihen.
Hugenotten
französische Protestanten. Am 13. April 1598 sicherte der französische König Heinrich IV. im Edikt von Nantes den Hugenotten konfessionelle Koexistenz neben der katholischen Nationalkirche zu. Der König setzte gegen starke Widerstände vor allem auch die praktische Verwirklichung des Ediktes durch. Das Edikt gewährte in Europa erstmalig in einem großen Land unter Durchbrechung des Prinzipes »cuius regio eius religio« rechtlich gesichert die Gewissensfreiheit und mit Einschränkungen Kultfreiheit.
Nach zunehmender Repression seit 1659 wurde jedoch das Edikt von Nantes am 18. Oktober 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau durch Ludwig XIV. vollends aufgehoben und der Protestantismus in Frankreich verboten. Alle protestantischen Kirchen wurden zerstört, Gottesdienste und religiöse Unterweisung untersagt. Die Pfarrer wurden ausgewiesen, den Laien die Auswanderung hingegen verwehrt. Dennoch emigrierten in der Folge etwa 200.000 von 900.000 Hugenotten. Im offiziell wieder rein katholischen Frankreich bestand der Protestantismus nur im Verborgenen fort. (1571-1577: Paulus Melissus (Paul Schede) übersetzt in Heidelberg den Hugenottenpsalter. 10. Oktober 1682: Kurfürst Karl II. von der Pfalz sagt den calvinistischen Siedlern aus Sedan/Frankreich, die sich südöstlich von Seckenheim niedergelassen haben, Schutz und Schirm zu und nennt die Siedlung Friedrichsfeld. 29. Oktober 1685: Aufnahmeedikt von Potsdam durch den Großen Kurfürsten von Preußen.) (vgl. Edikt von Nantes, Petrus Raumus, Guillaume Plunion, Salomon de Caus)
Hühnerfautei
Stallung, in der die der (weltlichen oder geistlichen) Obrigkeit abgelieferten Hühner (meist Kapaune) verwahrt werden. Beim Zinsmeister oder Hühnerfaut müssen Steuerleistungen in Geld oder Naturalien abgegolten werden. (vgl. Kappenzins, Hühnerfaut, Hühnerfautei)
Huissier
(frz.) Gerichtsvollzieher
Huldigung des Fürsten durch die Bürger
Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S.26
Humanismus
Begriff für wissenschaftliche Bewegung des 14.-16 Jahrhunderts. Philologisch-kritische Auseinandersetzung mit antiken Schriften. In der Folge Abkehr von mittelalterlicher Scholastik, Gründung humanistischer Universitäten; neues Verhältnis des Menschen zur Natur. Unter Pfalzgraf Friedrich I. “der Siegreiche” (1449-1476) wird Heidelberg eine Hochburg des Frühhumanismus. Humanisten wie Johannes Wildenhertz und Peter Luder ziehen an den Neckar.
Humanistische Studenten-Union Heidelberg
http://www.uni-heidelberg.de/organe/uar/bestand/files/ZA-IIa.html
Die ganzheitliche Ausbildung der Künste in Verbindung mit der jeweiligen Studienfachrichtung. Dieses Ideal geht zurück auf Wilhelm Freiherr von Humboldt (1767-1835), der in der Zeit der preußischen Rekonvaleszenz auf ein erstarkendes Bürgertum setzen konnte und dadurch den Anspruch auf Allgemeinbildung förderte. Bildung war ihm „Erzeugung eines Universums in der Individualität“. Heutzutage bezeichnet der Begriff oft die zentrale Idee der Einheit von Forschung und Lehre an Hochschulen. Humboldt ließ dieses Ideal als Leiter der "Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts" im preußischen Innenministerium in die Bildungsreformen einfließen.
Das humboldtsche Bildungsideal entwickelte sich um die zwei Zentralbegriffe der bürgerlichen Aufklärung: den Begriff des autonomen Individuums und den Begriff des Weltbürgertums. Die Universität soll ein Ort sein, an dem autonome Individuen und Weltbürger hervorgebracht werden. Ein autonomes Individuum soll ein Individuum sein, das Selbstbestimmung und Mündigkeit durch seinen Vernunftgebrauch erlangt. Das Weltbürgertum ist jenes kollektive Band, das die autonomen Individuen, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Sozialisation verbindet. („Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben“). http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal
Humoralpathologie
(Viersäftelehre) Krankheitskonzept, von den Hippokratikern in ihrer Schrift Über die Natur des Menschen (um 400 v. Chr.) ausgehend von der Elementenlehre des Empedokles (490-430 v. Chr.) entwickelt und von Galenos (131-201 n. Chr.) in seiner endgültigen Form niedergeschrieben. Die Ursprünge werden im alten Ägypten vermutet. Als Inhalt der Blutgefäße werden weiße Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim angenommen. Die vier Säfte gehen analog aus den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde hervor. Jeder dieser Säfte wird in einem eigenen Organ gebildet. Die Ausgewogenheit der Säfte (Eukrasie) ist äquivalent mit der Gesundheit des Menschen. Krankheiten entstehen der Humoralpathologie zufolge durch Störungen (Dyskrasie) dieser Ausgewogenheit.
Das Viererschema kommt auch in der Temperamentenlehre, den vier Jahreszeiten und dem unterschiedlichen Lebensalter zur Anwendung, die alle einen integralen Bestandteil von Galens Viersäftelehre darstellen. Darüber hinaus ist die Elementelehre bzw. damit korrespondierende naturphilosophische Vorstellungen auch bei den Begriffsbildungen von Seele und Psyche nachzuweisen. http://de.wikipedia.org/wiki/Humoralpathologie
Hundertzehner
>Infanterie-Regiment 110 (31. Mai 1881: Einzug des 2. Bataillons des 2. badischen Grenadier-Regiment Kaiser Wilhelm I. Nr. 110 in Heidelberg („neue“ Kaserne in der Seminarstraße))
Hundstage
dies caniculares, Hitzeperiode vom 23. Juli bis zum 23. August. In die Hundstage fiel früher der nun durch die >Präzession abweichende Aufgang des Hundsstern (Sirius).
Hungerquelle
Quelle, die nur zu gewissen Zeiten Wasser gibt
Hurenkind
(Setzersprache) bezeichnet eine Ausgangszeile eines Absatzes, die als erste Zeile auf einer Buchseite steht (vgl. Schusterjunge)
Hussiten
meist deutschfeindliche Anhänger des tschechischen Reformators Jan Hus (* um 1370) in Böhmen. Dieser kritisierte den Reichtum der Kirche und ließ einzig die Bibel als gültig für Glaubensfragen gelten. Er erkannte die Unfehlbarkeit des Papstes nicht an. 1409: Auszug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag wegen der Hussitenbewegung. 1415 vollzieht Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz trotz der Zusage freien Geleits die Verbrennung von Hus auf dem Konstanzer Konzil. 1416 wird Hieronymus von Prag, der 1406 an der Heidelberger St. Peterskirche seine Thesen angeschlagen hatte, in Konstanz verbrannt. Dies bzw. der erste >Prager Fenstersturz am 30. Juli 1419 aus dem Neustädter Rathaus zu Prag führt zum Aufstand der Hussiten. Die Kreuzzugsbulle von Papst Martin V. von 1420 führt dann dazu, daß aus dem Aufstand ein Krieg wird (bis 1436 in Franken, Böhmen, Österreich, Ungarn, Bayern, Sachsen, Schlesien, Brandenburg). 1421: erfolgloser Feldzug des Kurfürsten Ludwig III. von der Pfalz gegen die Hussiten. 1425 wird nach Verhör und Folter Johannes Drändorf wegen angeblicher Verbindung zu den Hussiten vor den Toren Heidelbergs verbrannt. Der fünfte Kreuzzug gegen die Hussiten unter Kardinal Giuliano Cesarini endete 1431 mit einer Niederlage bei Taus. Der Kaiser suchte dann nach einer Lösung auf Verhandlungsbasis. 1433 wurde den Hussiten in den Prager Kompaktaten der Laienkelch zugestanden. (vgl. František Šmahel, Die Hussitische Revolution I-III (MGH-Schriften 43/I-III) Hannover 2002) http://de.wikipedia.org/wiki/Hussiten
Hutzelwald
Revier des Heidelberger Stadtwalds (am Westhang des Gaisbergs)
Hydronymie
Wissenschaft von den Gewässernamen (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Teil I, in: Kraichgau 10/1987, S. 67-90; Fortsetzung, in: Kraichgau 11/1989, S. 49-75; Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 43-68)
Hyperbole
(gr.) rhetorische Figur der Übertreibung, Überbietung, des Übermaßes
Hyperboreer
(gr.-lat.) von den Griechen im N vermutetes Fabelvolk (Thrazien?)
Hypergamie
(gr.) Heirat zwischen zwei verschiedenen Kasten oder Stände, wobei der Mann aus der niederen Kaste/Stand kommt (vgl. Nibelungenlied, Siegfried und Kriemhild)
Hypokausten
(gr. „von unten geheizt“) antike Warmluftheizung unter dem Fußboden
(lat.) ebenda, ebendort
Iden f. pl.
(lat. Idus, Iduum f.) 15. Tag des März, Mai, Juli, Oktober, bzw. 13. Tag der übrigen Monate. Oft Zahltermine für Zinsen und Kündigungstermine für Kapitalien. (proximis Idibus=an den nächsten Iden) (vgl. Kalenden)
Idiotikon
(gr.) Mundartwörterbuch
IHS
Jesus Hominum Salvator oder Jesus Heiland Seligmacher (auf der Fahne: In Hoc Signo Vinces)
Ikone
(gr. eikón=“Bild“) heiliges Bild, eng verbunden mit dem Kult der orthodoxen Kirchen
Ikonographie
(gr. eikón=“Bild“, graphe=“Schrift“) systematisierende Bildbeschreibung, sucht Inhalt und Sinn von Darstellungen zu ergründen
Ikonologie
(gr. eikón=“Bild“, logos=“Lehre“) systematisierende Bilderlehre, erforscht den geschichtlichen Hintergrund von Bilderthemen
Illaten pl.
(lat.) von der Frau in die Ehe eingebrachtes Vermögen
Illenau
Schloß bei Achern, badische Irrenanstalt. 1842 wurde die Heidelberger Irrenheilanstalt (im Seminarium Carolinum) nach Illenau verlegt. 1842 kam Dr. Karl Hergt als Assistent von Dr. Christian Roller mit den ersten 49 Patienten aus Heidelberg in Illenau an. Nach dem Tod Rollers 1878 wurde er Direktor der Heilanstalt. Nach dem Tod von Dr. Hergt ernannte Großherzog Friedrich 1890 Dr. Heinrich Schüle zu dessen Nachfolger. Dr. Ernst Thoma übernahm nach dem Tod Schüles ab 1917 die Leitung der Illenau. Ihm folgte im Jahr 1929 Dr. Hans Römer. Dieser ließ sich 1940 aus Protest gegen die "Euthanasie" in den Ruhestand versetzen. Zwischen 1940 und 1945 waren in der lllenau NS-Schulen untergebracht. 1945-1994 benutzte sie die französische Armee als Kaserne („Kaserne Turenne“). Richard Freiherr von Krafft-Ebing war 1864-1868 Assistenzarzt in Illenau. http://www.koerber-freiburg.de/illenau/geschichte_3.htm
Illusion des retrospektiven Determinismus
(nach Henri Bergson) Von hier aus sieht die Vergangenheit so aus, als wäre schon immer sonnenklar gewesen, wie sich alles entwickeln würde. Weil etwas passiert ist, mußte es passieren.
immergrün
Pflanzen, deren Blätter im Winter nicht absterben (Nadelhölzer, Efeu, Buchsbaum, Ilex, Mistel, Preiselbeere, Lorbeer, Ölbaum, Orange, Zitrone, Johannisbrotbaum, Myrte etc.)
impressit
(lat. „er/sie hat gedruckt“) Vermerk auf Druckgraphik hinter dem Namen des Druckers (vgl. excudit)
incidit
(lat. „er/sie hat gestochen“) Vermerk auf Druckgraphik hinter dem Namen des Stechers
incipit
(lat. „es beginnt“) Vermerk am Anfang einer Handschrift. Gegensatz: explicit
in crastino
(mlat.) am folgenden Tage
Indulgenz
Straferlaß
Infallibilist
Anhänger des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre, 1870 auf dem I. Vatikanischen Konzil in Rom verkündet
Infanterie-Regiment 110
im Mai 1936 in Heidelberg aufgestellt (vgl. >Hundertzehner). 1937 wird die (1938 so benannte) Großdeutschlandkaserne (Galgenweg, zwischen Weststadt und Rohrbach, Bauleiter: Dr. Ing. Dietrich Lang) Sitz des 1. Batallion. Das 2. Batallion wurde in der Loretto-Kaserne (später Hammonds Barracks) in Seckenheim untergebracht, das 3. Batallion in der Grenadier-Kaseme (später Patton Barracks). (1. Oktober 1940: Einzug des Infanterie-Regiments 110 nach dem Frankreich-Feldzug in Heidelberg)
Informationszentrum Rote Volksuniversität (IZRU) siehe SPK
Ingeram-Codex
Wappenbuch mit den nach regional organisierten Turniergesellschaften eingeteilten Wappen des rheinischen, fränkischen, bayerischen und schwäbischen Adels. Ein großer Teil dieser Wappen wurde von dem wahrscheinlich in Heidelberg ansässigen Hans Ingeram (Ingram) gestaltet. (heute: Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien) http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/pfalz/archiv/krone3.htm
Ingres
vorzügliches Zeichenpapier, benannt nach dem französischen Maler Ingres
IN H D D
(lat.) in honorem domus divinae „zu Ehren des göttlichen Hauses“ (Widmung an das Kaiserhaus bei römischen Weihinschriften)
Initien, Initialen
Textanfänge. Der erste Buchstabe eines Schriftsatzes wird größer angelegt, farbig hinterlegt, mit Schmuckformen versehen
Inkarnat
(lat. incarnatum=“fleischgeworden“) Fleischfarbe, Farbe der menschlichen Haut in der Malerei
Inkulpat
(lat.) Angeklagter, Beschuldigter
Inkunabel
(lat. incunabula „Windel, Wiege“). auch: Wiegendruck. Nach einer Konvention werden Drucke bis 31. Dezember 1500 so genannt. Bis dahin enststanden ca. 29.000 verschiedene Drucke, erhalten in etwa einer halben Million Exemplaren. (vgl. Die edel kunst der truckerey. Ausgewählte Inkunabeln der Universitätsbibliothek. Heidelberg. Ausstellungskatalog, bearbeitet von Armin Schlechter. Heidelberg 2005)
Inschriften
alle Schriftquellen, die nicht auf Papier oder Pergament geschrieben sind (vgl. [Harald Drös], Zeugnisse des Mittelalters und der frühen Neuzeit. 100 Jahre Heidelberger Akademie der Wissenschaften, in: RNZ, 11. 4. 2009, S. 5)
Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben
am 4. April 1939 von 13 deutschen evangelischen Landeskirchen in Eisenach gegründet
Institut für fränkisch-pfälzische Geschichte und Landeskunde
Am 22. Dezember 1938 als Institut für Fränkisch-Pfälzische Landes- und Volksforschung der Universität Heidelberg gegründet (Leitung: Wolfgang Panzer, Fritz Ernst). Bibliotheksbestand 22.000 Bände (2007). Unterhält die Linksammlung www.kurpfalz-geschichte.de. Untersucht die Ausbildung und Visualisierung politischer und sozialer Ordnung im spätmittelalterlichen Fürstentum am Beispiel der Pfalzgrafschaft bei Rhein und der Herzöge von Lancaster. Das Multimedia-Projekt http://www.heidelberg-fruehe-neuzeit.uni-hd.de/ von Marco Neumaier untersucht die Sozialtopographie und die städtischen Verflechtungen des frühneuzeitlichen Heidelberg. www.fpi.uni-hd.de
Institut für Großraumwirtschaft
Institut der Universität Heidelberg, im Oktober 1941 gegründet
Institut für Weltpost- und Weltnachrichtenwesen, Abt. für Elektrooptik
Meßstation für Zentimeterwellen, 1943-1945 in der Villa Bergius (Albert-Ueberle-Str. 3-5)
Institut für Zeitungswissenschaft
Am 9. August 1926 errichtet, am 13. Mai 1927 eröffnet. Leiter1926-33: Hans Felix von Eckardt
Institutum Policlinicum Medico Chirurgicum
am 23. Oktober 1805 gegründete kurfürstliche poliklinische Anstalt im ehemaligen Heidelberger Dominikanerkloster unter Leitung von Dr. Jakob Fidelis Ackermann, am 20. November 1815 wegen Überschuldung geschlossen
Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar e.V.
1995 gegründet. Im März 2008 fusionierte der 2004 gegründete Verein Historische Straßenbahn Heidelberg e.V. mit der Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar e.V.www.ign-ev.de
intermedia
Avantgarde-Kunstausstellung vom 16. Mai bis 22. Juni 1969 in Heidelberg, organisiert von Dr. Jochen Goetze und Klaus Staeck. Nachdem der Plan, anläßlich der intermedia das Heidelberger Schloß von Christo verpacken zu lassen, scheiterte, wurde am 16. Mai (?) 1969 die Villa Friedreich (Sophienstraße/Anlage) verpackt.
Christo verpackt das Amerikahaus
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~kschulte/christo/
Interregnum
(lat.) Zeit von 1254-1273 ohne römische Kaiser/Könige. 1254 starb König Konrad IV. Mit der Wahl Rudolfs I. von Habsburg zum römisch-deutschen König endete das Interregnum.
invenit, inv.
(lat.)“er hat es erfunden“; wird dem Namen des entwerfenden Künstlers auf Druckgraphik (Kupferstiche) hinzugefügt (vgl. sculpsit)
Investiturstreit
Auseinandersetzung im 11. Jahrhundert zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich IV. wegen der Frage, wer die deutschen Bischöfe ernennen dürfe. Bis zum Ausbruch des Streites setzte der weltliche Herrscher die Oberhirten ein. Der Papst wollte das Kirchenamt von der Politik loslösen. Mit dem Wormser Konkordat 1122 wurde der Streit beendet.
Invocavit
6. Sonntag vor Ostern
I O M
Iovi Optimo Maximo „Jupiter, dem Besten und Größten“ (Widmung bei römischen Weihinschriften)
irenisch
(gr. eirene=Frieden) friedliebend, dem Frieden dienend. Irenik=Gegenteil von Polemik
Irisch-römisches Bad
„eine den Bädern des Altertums sich anschließende Badeform, die 1856 durch Barter aus dem Orient nach Irland und 1860 durch Luther nach Deutschland (Nudersdorf bei Wittenberg) gebracht“(Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 12)
„Schwitzbad in heißer trockner Luft, darauf Abreiben, Kneten des Körpers, warme, kalte Duschen, regt energisch den Stoffwechsel an, nützlich gegen chronische Hautausschläge, Gicht, Rheumatismus; zu meiden bei Kopfkongestionen, Brust- und Herzkrankheiten.“ (Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911, S. 871)
Issoglosse
Verbindungslinie, die für bestimmte Gegenden den gleichen Wortgebrauch verzeichnet
Isokline
Verbindungslinie zwischen Plätzen mit identischer Neigung der Magnetnadel
item
(lat.) ebenso, ebenfalls, kurzum
ite missa est
(lat.) „gehet hin, es wird gesandt“. Schlußformel der lateinischen Meßliturgie; eigtl. ite missa est Eucharistia, d.h. die Fortgehenden sollen das eucharistische Brot zu den Brüdern mitnehmen.
Ius talionis
(lat. „Entsprechungsrecht“) (Ex. 21, 23-25) Grundlage eines geordneten Strafrechts, weil es die Strafe auf den tatsächlich geschehenen Schaden eindämmt
Iwri-tajtsch
(hebr. iwrí „hebräisch“). Judendeutsch, siehe >Jiddisch
IZRU
Informationszentrum Rote Volksuniversität (vgl. SPK)
Im späten Mittelalter war die Jagd ein Privileg für den Adel. Deswegen spricht man heute noch von Hochwild (Bär, Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Luchs, Schwan, Reiher, Trappe, Kranich, Auerwild, Fasan, Adler etc.) und Niederwild (Fuchs, Dachs, Biber, Fischotter, Marder, Katze, Reh, Hase, Kaninchen, Schnepfe, Rebhuhn, wilde Gans, Ente, Krammetsvogel, Taube etc.). Das Hochwild durfte nur vom Hochadel bejagt werden, das Niederwild durfte auch von Niederadel, Klerus, Patriziern. Durch die Revolution 1848 in Deutschland wurde dieses Jagdregal aufgehoben. Jeder Landeigner durfte jetzt auf seinem Grund und Boden jagen, ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl nehmen zu müssen. Dieses System der Jagd führte fast zur Ausrottung einiger Wildtierarten.
Jagdregal
Recht der Fürsten und anderer Gerichtsherren zur freien Jagd. Die am Wald sonst nutzungsberechtigten Bauern wurden im Mittelalter meist ganz von der Jagd ausgeschlossen. In jedem Falle aber verloren sie die hohe Jagd (auf Hirsch- und Rehwild).
Jäger aus Kurpfalz
vgl. Günter Heinemann, Heidelberg. 3. Aufl., unveränd. Nachdr. der 2., durchges. Aufl. Heidelberg 1996, S. 194
Jármelke f.
(jidd.) Gebetskäppchen (hebr. kippa) („Ich kenne keine religiöse Vorschrift, wonach die Juden gezwungen wären, ihr Haupt zu bedecken... Es ist auch keine speziell jüdische Tradition.“ Leo Rosten, Jiddisch. Eine kleine Enzyklopädie. München 2006, S. 241)
Jehóva
„Gott“. Weder jiddisch noch hebräisch. Falsche Transliteration eines christlichen Schreibers, bei der das >Tetragramm JHWH mit den Vokalen des Wortes Adonai vermischt wurde.
jenisch
wahrscheinlich zu džin (Zigeunersprache)=„wissen“, also eigentlich = „wissend, klug, eingeweiht“; a) die Landfahrer betreffend, auf ihre Art sprechend; b) klug, gewitzt (vgl. Rotwelsch)
Jeschiwa (hebr.), Jeschíwe (jidd.) f.
(hebr. jeschow „sitzen“, jeschiwa „Ort, wo man sitzt; Akademie“) „rabbinische Schule, Talmudschule“, in der die liturgischen Texte und die jüdische Überlieferung gelehrt werden (vgl. skr. upanischaden) (1349 wird die Jeschiwa des Rabbi Isaak ha Lewi von Beilstein von Worms oder Speyer nach Heidelberg verlegt)
Jesuiten
Die "Gesellschaft Jesu" entstand 1534 in Paris aus einer Gruppe von jungen Menschen um Ignatius von Loyola. 1540 wurde der Orden von Papst Paul III. anerkannt. Die Gemeinschaft entwickelte sich rasch und übernahm eine führende Position in der Gegenreformation. Die Jesuiten wurden im Unterrichtswesen führend, und im 18. Jahrhundert unterhielt der Orden europaweit über 650 Kollegien, 24 Universitäten sowie 200 Seminare und Ausbildungshäuser für Jesuiten.
Die Jesuiten kamen 1622 nach Heidelberg und mußten die Stadt 1648 wieder verlassen. Als die protestantische Linie der pfälzischen Wittelsbacher 1685 ausstarb, konnten die Jesuiten unter dem Kurfürsten Johann Wilhelm 1698 (bis zur Auflösung des Ordens im Jahre 1773) zurückkehren. Die Jesuiten prägten durch verschiedene Barockbauten das Stadtbild von Heidelberg. Anfangs kamen nur 2 Patres und 1 Frater in Heidelberg an. In der Blütezeit des Ordens stieg die Zahl bis auf knapp 100 Jesuiten. Diese waren vor allem an der Universität, im Schuldienst und in der Seelsorge tätig. Zeitweise hatte der Orden 7 Professuren an der Universität inne.
Die Jesuitenkirche wurde 1711 von Johann Adam Breuning begonnen und unter Francesco Rabaliatti 1759 vollendet. Der Turm wurde 1868-1872 hinzugefügt. Die Jesuitenkirche wurde nach Auflösung des Jesuitenordens 1773 und nach dem Weggang der Lazaristen 1793 vorübergehend zweckentfremdet und während der Revolutionswirren und in Napoleonischer Zeit als Lazarett für Soldaten genutzt. 1809, also noch während der Napoleonischen Kriege, wurde der Sakralbau zur regulären Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde Heidelbergs gemacht, die heute den Namen Heilig-Geist trägt Die frühere Jesuitenkirche wurde damit zur katholischen Hauptkirche Heidelbergs.
Der Grundstein für das Jesuitenkolleg wurde 1703 gelegt. Die Bauarbeiten waren 1712, als man mit dem Bau der Kirche begann, erst teilweise zum Abschluß gebracht. Der Südflügel, den man im 19. Jahrhundert wieder abriß, wurde erst 1732 vollendet. Das Jesuitenkolleg wurde mit der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 aufgelöst. Von da an wurde das Gebäude, von dem heute nur noch zwei Flügel stehen, für verschiedene Zwecke genutzt: Bis 1793 hatte hier der Lazaristenorden sein Domizil. Danach diente das Gebäude als Kaserne. Später wurde es versteigert und privat genutzt. Danach wiederum beherbergte es zuerst eine Höhere Bürgerschule, dann ein Gymnasium. Gegenwärtig befinden sich in dem Gebäude das Anglistische Institut der Universität und das Pfarrhaus der Heilig-Geist-Gemeinde. Ein Teil des Gebäudes dient als privater Wohnraum.
Das sogenannte Jesuitengymnasium "Schola inferiores" wurde 1715-1717 von Johann Adam Breuning für den Jesuitenorden erbaut. Hier fand der Unterricht für die 12- bis 14 jährigen Schüler statt. Heute befinden sich in diesem Gebäude Teile der Universität (Institut für Philosophie und Institut für Slawistik).
Das Carolinum, benannt nach Karl Borromäus, ist das letzte der repräsentativen Gebäude, das die Jesuiten in Heidelberg 1750-1765 errichteten. Architekt war Francesco Rabaliatti. Das Gebäude diente bis zur Aufhebung der Jesuiten 1773 der Ausbildung für den jesuitischen Nachwuchs. Heute ist dort die Universitätsverwaltung untergebracht.
vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 382ff.
Jesuitengesetz
1872 wird die Tätigkeit des Jesuitenordens im Deutschen Reich verboten, die Jesuiten aus dem Deutschen Reich ausgewiesen
Jiddisch
wichtigste der jüdischen Sprachen. Ihre Entstehung fällt mit der Ansiedlung jüdischer Gruppen in Deutschland zusammen. Die Juden behielten Teile ihrer früheren Sprache bei, die Grundlage bildeten die jeweiligen deutschen Mundarten (Mitteldeutsch, Bairisch). Die Wanderungen und die Flucht nach Osten brachten eine Sonderentwicklung hervor, deren Ergebnis das moderne Jiddisch ist. Es verbreitete sich im 15. Jahrhundert auch nach Süden (Lombardei), später nach Norden (Hamburg, Amsterdam), seit 1880 nach Amerika und anderen Ländern. In den 1930er Jahren wurde es von 12 Millionen Menschen gesprochen. Geschrieben und gedruckt wird es mit hebräischen Buchstaben.
Jischew
(jidd.) „Dorf“
Johannistraube
Ribes nigrum, Ribes rubrum, Kulturpflanze (vgl. Traubenweg/Weststadt)
John-Rabe-Kommunikationszentrum
benannt nach dem Kaufmann John Rabe (1882-1950), der 1908-1938 in China lebte; gegründet von Thomas Rabe www.john-rabe.de (vgl. Ingrid Thoms-Hoffmann, Der gute Deutsche von Nanking, in: RNZ, 14. 3. 2009)
Jom Kippur
jüdisches >Versöhnungsfest
Jubeljahr, Jobeljahr
(hebr.-vlat.-dt.) „Jahr des Widderhorns“ (von hebr. jowál „Widderhorn“), mit Hörnerschall verkündetes 49. bzw. 50. Feierjahr im AT (jidd. Ejn mol in a jojwl „alle Jubeljahre“=alle 50 Jahre)
Jubilate
3. Sonntag nach Ostern
Judaisten
Judenchristen, die darauf hin arbeiteten, daß alle Christen Juden werden und dazu Beschneidung und Speisegesetze akzeptierten
Judenschule
Synagoge
Judenschutz
jährliche Abgabe, welche die Juden im Mittelalter für den ihnen gewährten Rechtsschutz an den Landesherrn zahlen mußten (vgl. Kammerknechte, Schutzjude)
Judensturm
Am 25. August 1819 gab es Ausschreitungen gegen Juden in Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Bruchsal, Bühl. („Hepp-Hepp-Aufstände“). In Heidelberg in der Unteren Straße werden fünf Judenhäuser demoliert. mehr 1835 gab es erneut einen antijüdischen Hepp-Hepp-Skandal in Heidelberg. Am 29. Februar 1848 nutzten die Heidelberger Schneider die durch eine republikanische Versammlung aufgeheizte Stimmung und stürmten das Haus des jüdischen Kleiderhändlers Leopold Ehrmann (Untere Straße 21/Ecke Dreikönigstraße). Gemeinderat Rasp gelang es, mit Bürgern und Turnern zu Ehrmann vorzudringen und diesen samt Familien aus Todesangst zu befreien. (vgl. Karl Cäsar von Leonhard, Aus unserer Zeit. Bd. 1, 1854, S. 632; Heidelberger Studentenleben einst und jetzt (Festgabe). 1886; Akademische Monatshefte III, 1886/87, S. 210-214)
Judica
(lat. „richte“) 2. Sonntag vor Ostern, nach dem Anfangswort von Psalm 43
Jugendmusikschule, städtische
am 26. Mai 1939 gegründet
Julianischer Kalender
http://computus.de/menton/menton.htm
Junge Pfalz
das Herzogtum Pfalz-Neuburg, durch den >Kölner Spruch vom 30. Juli 1505 aus dem bayerischen Gebiet nördlich der Donau gegründet
Jungfrau in der Wüste, zur heiligen
Name des Klosters, welches nach einer Legende im 11. Jahrhundert Augustinermönche in dem damals unbewohnten Tal, wo sich jetzt Heidelberg befindet, errichtet haben sollen (vgl. J. G. Rieger, Historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Mannheim und seiner Umgebung... 1824, S. 434)
(von aram. kadosch „heilig“), ein Heiligungsgebet, eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Im Gegensatz zu fast allen anderen jüdischen Gebeten ist seine Sprache Aramäisch. Das Kaddisch soll zehnmal am Tag rezitiert werden. Auch bei den Tagesgebeten und im Gottesdienst nimmt es einen angestammten Platz ein. Hier markiert es die Übergänge zwischen den wichtigsten Abschnitten des Gottesdienstes.
Das Kaddisch wird außerdem zum Totengedenken gesprochen. Im Anschluss an einen Todesfall in der engeren Familie wird es vom (nächsten männlichen) Angehörigen 11 Monate lang täglich gesprochen. Am Jahrestag eines Todesfalles wird es noch einmal gesprochen. (Damit endet diese Form ritualisierter Trauer)
Das Kaddisch darf nur gesprochen werden, wenn ein >Minjan anwesend ist. Diese antworten an bestimmten Stellen des Kaddisch mit „Amen“.
Das Gebet ist im wesentlichen eine Lobpreisung Gottes. Obwohl sich mit der Zeit Assoziationen mit Tod und Trauer entwickelt haben, erscheinen diese Begriffe nicht selbst im Gebet. Jesus von Nazareth greift im Vaterunser die wichtigsten Gedanken dieses Gebetes auf. http://de.wikipedia.org/wiki/Kaddisch
Kafir
(arab,) Ungläubiger (vgl. Kaffer)
Kairos
(gr.) der günstige Augenblick, subjektiver Zeitbegriff im Gegensatz zum >Chronos, der gleichförmig fließenden Zeit
Kaiserglocke
Im November 1872 wird die aus 14 Zentner Metall von erbeuteten französischen Kanonen für die Kirche in Handschuhsheim gegossenene Glocke festlich empfangen. Am 20. Februar 1942 wird sie beschlagnahmt.
Käize f. pl.
(hdt. Kötzen) Marktkörbe der Weiber, auf dem Rücken oder Kopf zu tragen; auch: „dicker Hintern“, daher Uzname der Handschuhsheimer Frauen
Kämpfer
vorspringende Platte auf Pfeilern oder Säulen, auf der Bögen oder Gewölbe aufliegen
Kalendarium hebraicum
Sammelwerk rabbinischer Schriften historischen und chronologischen Inhalts, 1527 von Sebastian Münster publiziert, darin ein Holzschnitt von Heidelberg (zweitälteste Ansicht der Stadt, vgl. 1485)
Kalenden
(lat. calendae) Bezeichnung für den öffentlich ausgerufenen ersten Tag eines Monats im alten Rom (Zahltage) (vgl. Iden)
Kalender
Um 3000 v. Chr. entwickeln die Sumerer in Mesopotamien einen Kalender im sexagesimalen System. 46 v. Chr. führt Caius Iulius Caesar eine Kalenderreform auf Basis des Sonnenjahrs durch (>Julianischer Kalender). Am 24. Februar 1582 greift die Kalenderreform Papst Gregors XIII. Auf den 4. Oktober folgt der 15. Oktober (>Gregorianischer Kalender). Im Oktober 1582 führen Italien, Spanien, Portugal und Polen den gregorianischen Kalender ein, im Dezember 1582 Frankreich und Lothringen, 1582/1583 die Niederlande. Am 22. Februar 1686 wird der gregorianische Kalender an der Universität Heidelberg und im katholischen Teil des Pfälzer Gesamtstaats eingeführt (>stilus novus im Gegensatz zum >stilus vetus). Am 1. Januar 1806 (11. Nivôse XIV) wird der gregorianische Kalender in Frankreich wieder eingeführt.
Kali Yuga
(skr.), letztes der vier hinduistischen Weltzeitalter (Yuga), das vom Bösen beherrschte Zeitalter des Weltuntergangs, als dessen Anfang das Jahr 3102 v. Chr. angenommen wird und das noch andauert
Kalonymiden
jüdische Familie, die ursprünglich aus Lucca in Italien stammt und später in der Provence und in Deutschland ansässig wurde. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert war sie eine der führenden jüdischen Familien im deutschen Rheingebiet (Worms, Speyer und Mainz). Wichtige religiöse und kulturelle Führungspersönlichkeiten dieser Zeit waren Kalonymiden. Sie waren vor allem die bekanntesten Vertreter des deutschen Chassidismus. Die Vertreter der Familie brachten italienische Traditionen mit in ihre neue Heimat. Zu ihren bekannten Vertretern gehören: Qalonymus ben Jehuda, Qalonymus ben Moshe meLucca, Qalonymus ben Isaak, Samuel Qalonymus häChasid, Jehuda ben Samuel he-Chasid, Jehuda ben Qalonymus ben Moshe meMainz, Jehuda ben Qalonymus ben Meir meSpeyer und Eleazar ben Jehuda meWorms.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kalonymiden
Kameradschaft Karl Heinrich Waldow, studentische
im November 1936 in Heidelberg gegründet und in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert (vgl. Burschenschaft Allemania) (vgl. Mitteilungsblatt der Kameradschaft Karl Heinrich Waldow, zugleich für die alte Burschenschaft Allemannia zu Heidelberg. Nat.-Soz. Dt. Studentenbund, Gruppe Univ. Heidelberg 1939ff.)
Kameradschaft Richard Flisges vgl. Karlsruhensia
Kameralherrschaft
der Kammer (Finanzverwaltung) des Landesherrn unterstellte Herrschaft
Kameralistik, Kameralwissenschaften, Polizeiwissenschaft
Staatswirtschaftslehre, Staatsverwaltungslehre. Wirtschaftstheorie und -politik der deutschen Form des Merkantilismus im 17./18. Jahrhundert
Kameß
(jidd.) „Menge, Quantität“
Kammer
1. Raum, der zum Schlafen oder Aufbewahren dient, ursprünglich ohne Fenster und nicht beheizbar (Gegensatz: Stube); 2. vgl. Hofkammer
Kämmerer vgl. Hofämter
Kammerknechte
Kaiser Friedrich II. gewährt 1236 allen Juden des Reiches Schutz, Autonomie der Gemeinden und Religionsausübung und erklärt sie zu servi camerae regis (Knechte der königlichen Hofkammer)
Kandel, Kändel
mhd. kandel, kannel=“Kanne, Rinne“ aus lat. canalis; offene Rinne für Wasser aus Holz, Blech oder Stein, Dachrinne und Rinne in der Straße (vgl. Kandelgasse vgl. Derwein 1940, Nr. 409; vgl. Name der Stadt Kandel; vgl. >Deichel)
Kanon
(gr. „Richtschnur, Maß“) Sammlung der von der Kirche als echt anerkannten „kanonischen“ Schriften der Bibel
Kanoniker
(gr.-dt.) Mitglied eines >Kapitels oder eines Ordens regulierter Chorherren
Kant-Fries
Übername für Jakob Friedrich Fries (1773-1843, 1805-1816 Professor der Philosophie, Mathematik und Physik an der Universität Heidelberg), zur Unterscheidung von seinem Zeitgenossen Christian Adam Fries („Krapp-Fries“, Fabrikant, Bankier, Kunstsammler, 1766-1847)
Kanzelmißbrauch
öffentliche Äußerungen von Reilgionsdienern in Ausübung ihres Amtes über Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise, in Deutschland seit 1871 strafbar, in der Bundesrepublik 1953 aufgehoben
Kanzlei, kurfürstliche
Mittelpunkt der kurpfälzischen Regierung, geleitet vom >Protonotar. Seit 1472 auch Sitz des Hofgerichts. Zentrales Schreibbüro der kurfürstlichen Verwaltung, daran angegliedert die immer umfangreicher werdende Registratur. (vgl. Derwein 1940 Nr. 411)
Kanzler, kurfürstliche
Der Kanzler steht in der Rangfolge der kurfürstlichen Beamten an zweiter Stelle. Der oberste Beamte in Kurpfalz ist der Großhofmeister, eine Stelle, die nur Repräsentationspflichten hatte und generell mit Adligen besetzt ist. Die dritthöchste Beamtenstelle am kurfürstlichen Hofe ist die des Marschalls. Allgemeine Aufgaben und Pflichten, die mit dem Kanzleramt verbunden sind: Aufsicht über die Religions-Privilegien und -Gerechtigkeiten der Kurpfalz, Vorsitz über das Hof- und Ehegericht. Auch über den Vollzug der von diesen Grenien gefällten Urteile hat er sich zu informieren. Der Kanzler hat die Aufsicht über die Rechenkammer, den Kirchenrat und die allgemeine Verwaltung. Auch ist er für die personelle Besetzung dieser Behörden zustandig. Die Heidelberger Universität untersteht ihm ebenfalls, sowie die Kontrolle der zu vergebenden Stipendien, letzeres hauptsächlich unter dem Blickwinkel der Nachwuchsförderung für den kupfälzischen Staatsdienst. Schriftstücke an den Papst, Kaiser und Fürsten hat er selbst abzufassen und zu unterschreiben, persönlich dem Kurfursten vorzulegen und in dessen Gegenwart das große kurfürstliche Siegel aufzudrücken.
Kanzler der Universität Heidelberg
Von 1388 bis 1803 ist der jeweilige Domprobst zu Worms als Vertreter der Kirche Kanzler der Universität Heidelberg. Er beaufsichtigt das Prüfungswesen und die Verleihung der akademischen Grade an der Universität. Der erste Kanzler ist Konrad von Gelnhausen. Mit dem Reichsdeputations-Hauptschluß von 1803 erlischt das Kanzleramt in dieser Form. Sein Sitz ist von 1442 bis etwa 1610 der Wormser Bischofshof (heute Hauptstraße 110). Als erster Domprobst und Kanzler wohnte hier Ludwig von Ast, dann Johann von Dalberg.
Kapaun
verschnittener Hahn
Kapitälchen
(Typographie) Zur Hervorhebung werden in der Antiquaschrift groß geschriebene Wörter mit Versalien begonnen und mit Großbuchstaben in Höhe der Mittellänge der Kleinbuchstaben fortgeführt.
Kapitel
mhd. aus lat. capitulum „kleiner Kopf“. 1. Abschnitt einer Schrift, 2. Domkapitel, 3. Versammlung der stimmberechtigten Mitglieder eines Klosters, 4. der Ort dieser Zusammenkunft (Kapitelsaal)
Kapitularien
das hergebrachte Volksrecht fortbildende Verordnungen der fränkischen Könige (nach ihrer Einteilung in >Kapitel)
Kapore f.
(jidd.) Sühne, Sühneopfer, Sündenbock
Kapores f. pl.
(jidd.) kaputt, Zeremonie des Sühneopfers beim Versöhnungsfest
Kappenzins
Zins, der in Realabgaben von Hühnern (Kapaune) bestand. Er war von Leibeigenen zu leisten oder lastete als Abgabe auf einem Grundstück. Der Kurfürst unterhielt eine Fautei, in der die eingesammelten Hühner verwahrt wurden.
Kappes
von ahd. kabuz=„Weißkraut, Kohlkopf“ (FN Kappesgarten, Kappesacker)
Kapuziner (OFMCap)
eigtl. Orden der Minderen Brüder Kapuziner, lat. Ordo Fratrum minorum Cappucinorum, franziskanischer Bettelorden, Der Name leitet sich von der Kapuze des Franziskanerhabits ab. Sie bilden heute einen der drei Zweige des ersten Ordens des hl. Franziskus.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es verschiedene Reformbestrebungen innerhalb des Franziskanerordens. Der Franziskaner Matteo da Bascio verließ 1525 sein Kloster in Mittelitalien ohne die Erlaubnis seiner Vorgesetzten, um nach dem Vorbild des Franz von Assisi arm durch die Welt zu ziehen. Sein Oberer ließ ihn daraufhin festnehmen und einsperren. Der Klosterflüchtling fand jedoch in Katharina von Cibo, einer Nichte von Papst Clemens VII., eine Fürsprecherin und wurde daraufhin freigelassen.
Im Jahre 1527 wütete im Herzogtum Camerino die Pest. Der furchtlose Einsatz dreier Brüder für die Sterbenden veranlasste Katharina von Cibo, zugunsten der Gruppe von ihrem Onkel, dem Papst, 1528 ein Schutzschreiben zu erwirken. Dieses gilt als Gründungsurkunde einer neuen Reformbewegung, wonach den Abtrünnigen das Tragen einer kastanienbraunen Kutte mit einer spitzen Kapuze als Zeichen ihres radikalen Lebens nach dem Beispiel des Franz von Assisi gewährt wurde. Die Ordensgemeinschaft durfte die Wanderpredigt ausüben, eigene Obere wählen und weitere Brüder in ihre Niederlassung aufnehmen. Wegen der spitzen Kapuze (il cappuccio) des Franziskanerhabits wurden die Reformer vom Volk Kapuziner genannt: Als sie in ihrer Anfangszeit als Bettelmönche durch die Dörfer zogen, rannten die Kinder herbei und riefen „cappucini, cappucini“.
1685 starb mit dem Kurfürsten Karl von der Pfalz die reformierte Dynastie Pfalz-Simmern aus. Die Kurpfalz fiel als Erbe an die katholischen Pfalz-Neuburger. Der neue Landesherr Kurfürst Philipp Wilhelm hatte sich kurz zuvor im Hallischen Rezeß verpflichtet, den religiösen Status quo der Kurpfalz zu respektieren. Mit ihm kamen die Kapuziner nach Heidelberg. Ihnen folgten andere Orden. Ab 1688 bauten die Kapuziner im nordöstlichen Eck des Herrengarten, zwischen Hauptstraße und Plöck, wo sie schon ein Grundstück besaßen, ein Kloster mit Kirche. Der östliche Flügel umfaßte das spätere Haus Hauptstraße 108. 1692 wurde die Kirche eingeweiht. Wie auf dem Stich von Walpergen 1763 zu sehen ist, war sie nicht geostet und trug nur einen kleinen Dachreiter. Vermutlich war auch ein Friedhof dabei. Das Kloster überstand den Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689/1693 unversehrt. 1802 wurde das Kloster aufgehoben, danach zerstört, zuletzt die Kirche (1811).
vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 339ff.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner
Karcher, Kercher, Kärcher
(mdal.) Fuhrknecht, Karrenschieber
Karl-Ludwig-See
vgl. K. Frey, Der Karl-Ludwig-See, in: Badische Heimat 59 (3) 1979, S. 503-520
Karlsberg vgl. Carlsberg
Karlsruhensia
10. Mai 1878: Gründung der studentischen Gesellschaft Karlsruhensia. 1920: Erwerb des Hauses Leopoldanlage 52. 1936: suspendiert. 1937: durch Bemühung von Hans Heinrich Lammers (Chef der Reichskanzlei) als „Kameradschaft Richard Flisges“ in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert. Reichsminister Dr. Joseph Goebbels übernimmt die Partnerschaft über die Kameradschaft. (vgl. Alfred Barth, Heidelberger Anwesen. Friedrich-Ebert-Anlage 52. Die baulichen Veränderungen des Hauses der Verbindung Karlsruhensia und deren Geschichte unter Einbezug der Odenwaldbahn. 2008 - Rez.: RNZ, 27. 1. 2009)
Karmeliten
vgl. Markus A. Maesel (Hg.): Gregor Hertwig: „So zerstörte die alles verheerende Aufklärung eine hundert jährige Arbeit ...“. „Chronik des Barfüsser Karmelitenklosters zu Heidelberg. Ein beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte.“ Die deutsche Fassung des P. Gregor Hertwig. Ubstadt-Weiher 1998
vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 424ff.
Karmelitinnen vgl. Congregation of Mother of Carmel
Karner
(lat.) Beinhaus (vgl. Ossuarium)
Karnies n.
(it.) Gesimsleiste, Kranzleiste
karolingische Minuskel vgl. Minuskel
Karolin vgl. Carolin
Karyatide
(gr.) als Frauengestalt geformte Säule, deren Kopf als Gebälkstütze dient
Kaschrut f.
(jidd. kaschreß, aschk. kaschrus) jüdische Speisegesetze, Regelungen zur Zubereitung von Speisen, die im >Tanach, danach im Talmud sowie im späteren rabbinischen Schrifttum festgelegt sind. Die Kaschrut beschreibt, welche Lebensmittel von einem gläubigen Juden als zum Verzehr geeignet betrachtet werden (etwa reine und unreine Tiere, wie im 3. Buch Mose beschrieben). Detailliert wird auch auf Regeln der Zubereitung der Speisen sowie der Einrichtung von Küchen und der Handhabung von Utensilien, die mit Speisen in Berührung kommen, eingegangen. Die jüdische Küche ist hauptsächlich durch diese Regeln bestimmt. Fromme Juden ernähren sich ausschließlich von Lebensmitteln, die diesen Regeln entsprechen.
Lebensmittel und die aus ihnen hergestellten Speisen sind nach diesen Regeln entweder (aschk.) „kòsher“, (seph.) kashér (hebr. „rein“, „tauglich“, „geeignet“), somit rein im Sinne der Tora und damit eßbar, oder „trefe“ und damit unrein. Von den Säugetieren sind nur solche als koscher zu betrachten, die zweigespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind (zum Beispiel Kühe). Damit ist beispielsweise Schweinefleisch als trefe zu betrachten, da Schweine zwar gespaltene Hufe haben, aber nicht wiederkäuen. Pflanzliche Lebensmittel gelten meist als koscher. Eine wichtige Ausnahme ist von Nichtjuden gekelterter Wein. Während der sieben Tage des >Pessach gelten weitere Regeln, die die Vermeidung aller Arten von Hefe und Sauerteig betreffen.
Koschere Lebensmittel lassen sich im Sinne der Kaschrut in drei Bereiche einteilen: milchig (chalawi), fleischig (besari) und neutral (parve), wobei letzteres Nahrungsmittel bezeichnet, die keiner der beiden anderen Gruppen zugeordnet werden können (wie zum Beispiel Gemüse). Der dem Begriff „koscher“ vergleichbare arabische Begriff mit Bezug auf die islamischen Speisevorschriften ist „halal“. (vgl. Shaul Wagschal, Koscher durch das Jahr. Fehmarn 2004 (mit einem Anhang: „Besonderheiten bei der Beachtung der Kaschrut in Deutschland“ von Dov-Levy Barsilay)) http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Speisegesetze
Käschte
Castanea sativa, Edel- oder Eßkastanie, bzw. deren Früchte. vgl. hoher Kastanienbaum (Derwein 1940, Nr. 424), hohler Kästenbaum (Derwein 1940, Nr. 425)
Kästen
Fagus castanea L., Kulturpflanze, verwildert
Kasino-Bewegung
katholische Oppositionsbewegung, Anfang 1865 aus dem Widerstand gegen das badische Schulaufsichtsgesetz vom 29. Juli 1864 hervorgegangen, der sich auch in Wahlenthaltungen bei den Ortsschulratswahlen und in einer Petitionsbewegung manifestierte. Auf dem Aachener Katholikentag 1862 war den Gläubigen empfohlen worden, sich in ihrer bedrängten Lage zu festen Gemeinschaften zusammenzuschließen. Der Heidelberger Kaufmann >Jakob Lindau gründete hier mit Philibert von Graimberg und Leopold Fischer im Herbst 1862 ein Kasino, eine gesellige Vereinigung von Katholiken, die zu Diskussions- und Vortragsabenden zusammenkamen (vgl. Katholische Kasino). Man traf sich im „Pariser Hof“. Im Herbst 1864 politisierte der >Schulstreit das Heidelberger Kasino und führte zu dem Plan, Versammlungen auch an anderen Orten abzuhalten, womit die Idee des „Wandernden Kasinos“ geboren war. Das Kasino verstand sich als eine gelegentliche Zusammenkunft von Männern, welche in dem Schulgesetz einen Angriff auf die Rechte der Kirche und auf die verfassungsmäßige Gewissensfreiheit sahen, und welche sich über die gesetzlichen Mittel besprechen wollen, um diese zu wahren. Neben den religiösen Fragen ging es ihnen auch um ihre bürgerlichen und politischen Rechte, denn die kirchentreuen Katholiken seien aus allen öffentlichen Stellen verdrängt worden. Am 5. Februar 1865 nahm die Kasino-Bewegung mit einer Versammlung in Mosbach ihren Anfang, worauf in den folgenden Wochen zahlreiche Veranstaltungen mit Hunderten von Besuchern abgehalten wurden.
Kasten
(gemeiner, armer und reicher Kasten) bezeichnet seit der Reformation das Kirchengut sowie die Verwaltung desselben
http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/
Kastenpfleger, Castenpfleger, Kastenvogt, Kastenmeister, Kastenherr
Kassenverwalter eines Gotteskastens, Kirchenrechner (vgl. >Kirchenbereiter)
Kastigator
(lat.) gelehrter Korrektor in der Frühzeit des Buchdrucks
kastigieren
(lat.) züchtigen
Kasualien
kirchliche Gelegenheitsgeschäfte (Taufe, Trauung, Beerdigung)
Kasuistische Recht
fallbezogenes Zivilrecht (vgl. Ex. 21,1-22,16)
Katalyse
(gr.-nlat.) „die Beschleunigung eines langsam verlaufenden chemischen Vorgangs durch die Gegenwart eines fremden Stoffes“ (Wilhelm Ostwald, 1894)
Katalysator
(gr.-nlat.) „jeder Stoff, der, ohne im Endprodukt einer chemischen Reaktion zu erscheinen, ihre Geschwindigkeit verändert.“ (Wilhelm Ostwald, 1901)
Kataster
(von lat. capitum registrum „Kopfsteuerliste“) amtliches Verzeichnis aller Grundstücke und ihrer Eigentümer als Unterlage für das Grundbuch
Katholische Kasino
1862 von Philibert von Graimberg, Jakob Lindau und Leopold Fischer in Heidelberg als ein geselliger Verein für katholische Christen gegründet, der den ideellen Zusammenhalt fordern soll. Man traf sich im „Pariser Hof“. 1889 übernahm die Verbindung Allemannia das Haus der katholischen Kasino-Gesellschaft (Karlstraße 10). (vgl. Kasino-Bewegung)
Katholische Soziale Frauenschule Heidelberg
1966 in Maria von Graimberg-Schule - Höhere Fachschule für Sozialarbeit umbenannt
Katholische Volkspartei
im Mai 1869 von Jakob Lindau, Ferdinand Bissing und dem Arzt Leopold Fischer in Heidelberg gegründet, Vorläuferin der Zentrumspartei
Katz
vgl. Kohen
Katzenelnbogen, Katzenellenbogen
um 1095 erbaut Heinrich I. von Cazenelenboge(n) die südwestlich von Limburg/Lahn gelegene Burg Katzenelnbogen (1146 Kazelinboche; nach ihr nennen sich seit 1138 die Grafen von Katzenelnbogen). Um 1185 gelangen die Grafen von Katzenelnbogen an St. Goar mit dem Rheinzoll. 1245 baut Graf Diether V. von Katzenelnbogen die linksrheinische Burg Rheinfels bei St. Goar und kann damit sowohl von den rheinaufwärts als auch von den rheinabwärts fahrenden Schiffen Zoll erheben (St. Goarer Doppelzoll). - Diether von Katzenelnbogen, enger Verwandter der Familie des Staufers Konrad, war Kanzler des Kaiser Heinrich VI. (†1197). Sein Grabstein befindet sich heute in der evangelischen Kirche Schönau. - Nach Wilhelm Kaspers, Der Name Kettwig, Katwijk; Kat(t)-, Katz- in Ortsnamen; der Tiername "Katze", in: Zeitschrift für Namenforschung, Band: 13 (1938), S. 218, bedeutet der Name „Winkel-Ellenbogen“, wobei Ellenbogen die Windung des dortigen Baches bedeutet. - Im Grabmal des Diether V. von Handschuhsheim (†1487) in St. Vitus Handschuhsheim befindet sich in seinem Wappenschild das Wappen der Knebel von Katzenellenbogen und Stein-Kallenfels. (Literatur: Rainer Kunze, Burgenpolitik und Burgbau der Grafen von Katzenelnbogen bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts. 1969; Rainer Kunze, Rheinfels. Residenzburg der Grafen von Katzenelnbogen. Handreichungen zu einem Inventarband, in: Burgen und Schlosser 36, 1995, 3, S. 151-159)
Katzenstrebel
Strebekatze, Strangkatzenspiel, Kraftspiel (vgl. Derwein 1940, Nr. 426; Grimm, DWB V, 289; vgl. Lilli Fehrle-Burger, Heidelberger Affe und Strebkatzspiel, in: Heidelberger Fremdenblatt, Februar 1966, S. 2-6; vgl. Wilhelm Kaspers, Der Name Kettwig, Katwijk; Kat(t)-, Katz- in Ortsnamen; der Tiername "Katze", in: Zeitschrift für Namenforschung, Band: 13 (1938), S. 220)
Kaufbrief
Urkunde, in der der Kauf/Verkauf eines Objektes schriftlich fixiert ist, wird an Verkäufer und Käufer in Einzelausfertigung ausgehändigt, ferner (oft in verkürzter Form) in die Contractenbücher der Stadt Heidelberg übertragen
Kaufschilling
Kaufpreis, vgl. http://www.danielbruederle.de/~cd2/drw/e/ka/ufsc/hill/kaufschilling.htm
Kaute
Erdgrube (vgl. Mistkaute, Schelmenkaut, Schinderkaut)
KAWECO
1883 gegründete Heidelberger Federhalterfabrik (seit 1899 KAWECO, nach Heinrich Koch und Rudolph Weber)
KBW
http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistischer_Bund_Westdeutschland
Kebse
(germ.) Nebenfrau, Beischläferin. Das AT kennt die Nebenehe des Mannes mit der Leibmagd der kinderlosen Hauptfrau, als deren Kind ein von der Kebse geborenes gilt.
Keetz vgl. Käize
Kellner
die Abgaben in Form von Naturalien wurden von Kellnern (Schaffner) erhoben
Kelten
Von der Existenz eines „Kelten“ genannten Volkes wissen wir aus der antiken Literatur. Der griechische Historiograph Hekataios von Milet erwähnt sie um 500 v. Chr. zum ersten Mal. Dort gemachte Ortsangaben und die zeitliche Übereinstimmung führten dazu, die Kelten mit der >Latène-Kultur (450 bis zur Zeitenwende=späte Eisenzeit) zu identifizieren. Da diese offensichtlich aus der >Hallstattkultur (800-450 v. Chr.=frühe Eisenzeit) hervorging, sieht die Forschung auch die Hallstattkultur als keltisch an. Die Kelten erfanden u.a. die >Drehschemellenkung, die heute noch Verwendung findet. Um 600 v. Chr. tauchen keltische Gruppen (Helvetier?) im Heidelberger Stadtgebiet auf, besetzen und befestigen den Heiligenberg. Um 480-250 v. Chr. hat die Höhensiedlung ihre größte Ausdehnung (beide Kuppen bewohnt, Terrassierung der Steilhänge, doppelter Ringwall, Eisenverhüttung und -verarbeitung. - Caesar bezeichnet die befestigten stadtartigen Siedlungen der linksrheinischen (gallischen) Stämme, die er während des Gallischen Krieges kennenlernte, als „oppida“. Spätestens mit der römischen Eroberung der keltischen Gebiete fand die keltische Oppida-Zivilisation ein Ende. Die linksrheinischen (gallischen) Oppida wurden mit römischer Infrastruktur überzogen, die rechtsrheinischen Oppida waren bei Ankunft der Römer vermutlich längst verlassen. Der Heiligenberg wurde schon um 250 v. Chr. als Siedlungsplatz aufgegeben. 1964 wurde etwa 150 m nordöstlich des Michaelsklosters in ca. 50 cm Tiefe ein keltisches Depot mit Gerätschaften (Radreifen, Pflugschar, Sensenblätter) gefunden.
Keltenfürst
irreführend verwendeter Begriff für Tote, die in reich ausgestatteten Gräber vor allem der >Hallstattzeit (ca. 800-450 v. Chr.) bestattet sind. Der Begriff überträgt hochmittelalterliche Sozialstrukturen wie >Feudalherrschaft, Gefolgschaftswesen und dynastische Erbfolge auf vorgeschichtliche Verhältnisse, die aus den archäologischen Funden und Befunden nicht unbedingt abzulesen sind. Im Zusammenhang mit dem >Heiligenberg bei Heidelberg ist immer wieder von einem „Keltenfürst“ die Rede, für den es keine Hinweise gibt und von dessen Grab bisher keine Spuren gefunden wurden. (vgl. >Fürstensitz)
Kenotaph, Zenotaph
(gr.-lat.) leeres Grabmal zur Erinnerung an einen Toten, der dort nicht begraben ist
Keraunothnetophobie
(gr.) Angst vor herabstürzenden Satelliten
Kettenschleppschiffahrt
am 23. Mai 1878 auf dem Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn eröffnet. Mit Inbetriebnahme der Staustufe Wieblingen/Schwabenheimer Hof und erstmaliger Stauung des Neckar am 15. Juni 1925 wird die Kettenschleppschiffahrt zwischen Feudenheim und Heidelberg eingestellt. Mit dem Eintreffen des ersten Großschleppzugs auf dem kanalisierten Neckar am 15. Dezember 1929 wird die Kettenschleppschiffahrt auch zwischen Heidelberg und Lauffen eingestellt. (vgl. Wahrschau, vgl. Derwein 1940, Nr. 989, 856)
KFG
Kurfürst-Friedrich-Gymnasium http://www.kfg-heidelberg.de/
KHG
Kommunistische Hochschulgruppe, studentische Nachfolgeorganisation der >Gruppe NRF, später studentische Organisation des >KBW. Nach Rücktritt des AStA der Universität Heidelberg am 20. Dezember 1971 wird dieser nach Neuwahlen von der KHG übernommen. Bei den Wahlen zum Studentenparlament an der Universität Heidelberg am 26.-30. Juni 1972 gewinnt die KHG die Mehrheit und den AStA. Bei den Wahlen zum Studentenparlament der Universität Heidelberg am 15.-19. Januar 1973 gewinnt die KHG die Mehrheit und stellt den AStA für das kommende Sommersemester. Aufgrund einer Abstimmungsniederlage auf einer Universitätsvollversammlung tritt der AStA vorzeitig zurück und wird durch einen linksliberalen AStA ersetzt.
Kimbern, Cimbern
vermutlich germanischer Volksstamm, der aus dem nördlichen Jütland (Himmerland) stammt. Gemeinsam mit den Teutonen und Ambronen ziehen sie um das Jahr 120 v. Chr. aus ihrem Siedlungsgebiet im Norden Mitteleuropas nach Süden und stoßen in kurzer Zeit ins Land an Sava, Drava und Donau. Dann wenden sie sich gegen das mit Rom verbündete Königreich Noricum. (vgl. Ortsnamen wie (Neckar-)Zimmern, *Zimberheim bei Heidelberg-Wieblingen, Zimberhof, Zimmerberg etc.).
Wesentliche Informationen über die Kimbern, Teutonen und Ambronen stammen aus dem Leben des Marius, einer Biographie des Marius vom römischen Geschichtsschreiber Plutarch. Demnach waren 300.000 kampffähige Männer im Troß. Viele Forscher gehen heute allerdings davon aus, daß die Kimbern insgesamt nur eine Kopfstärke von 150.000 hatten. Viele historische Quellen zu den Kimbern gelten als wenig glaubwürdig. Tacitus erwähnt die Kimbern im 37. Kapitel seiner Germania.
Die antiken Quellen geben eine Sturmflut als Ursache für die Auswanderung der Kimbern, Teutonen und Ambronen an. Doch vermutlich kamen Klimaveränderungen hinzu. Nach einer Wärmephase zwischen 2000 und 800 v. Chr. kühlte sich das Klima in Nordeuropa wieder ab. Als Folge davon entstanden Hungersnöte, die die Bevölkerung dazu bewegte, nach fruchtbarem Land zu suchen. Ihr Zug nach Süden führte sie nach Böhmen, Schlesien und Mähren, dann ins Donaugebiet und schließlich in die Ostalpen. Im Jahre 113 v. Chr. trafen Kimbern, Teutonen und Ambronen dort zum ersten Mal auf die Römer.
Der römische Konsul Papirius Carbo ließ die Alpenpässe versperren, um die Germanen am Marsch in Richtung Rom zu hindern. Obwohl sie versprachen, friedlich weiterzuziehen, lockten die Römer sie in eine Falle: Carbo gab ihnen Führer mit, die ihnen behilflich sein sollten, geeignetes Siedlungsland zu finden. Von Carbo hatten die Führer jedoch die Anweisung, einen längeren Umweg zu machen, damit er sie aus dem Hinterhalt angreifen konnte. Während die Kimbern in der Nähe von Noreia (Neumarkt/Kärnten) rasteten, griffen zwei römische Legionen mit einer Stärke von 12.000 Mann an. Sie wurden in der darauf folgenden Schlacht von den Germanen vernichtend geschlagen. Nur ein einsetzendes Gewitter konnte das römische Heer vor der totalen Vernichtung retten. Historische Quellen hierfür sind insbesondere Appian und Strabo.
Darauf zogen die Kimbern, Teutonen und Ambronen nach Gallien, wo sie 109 v. Chr. nahe der italienischen Grenze wiederum siegreich waren, diesmal gegen Marcus Iunius Silanus. Die Tiguriner, ein helvetischer Stamm, der sich ihnen angeschlossen hatte, schlugen 107 v. Chr. die Römer unter Lucius Cassius Longinus. 105 v. Chr. folgte ein weiterer Sieg gegen Quintus Servilius Caepio in der Nähe von Arausio (Orange). Panik in Rom. Den Römern wird klar, wie schlecht die Grenze ihres Imperiums im Norden und Nordwesten gesichert ist.
Eine mehrere Jahre dauernde Wanderung nach Westen brachte die Stämme bis auf die iberische Halbinsel, bevor sie sich wieder Richtung Italien wandten. Hier trennten sich die Teutonen und Ambronen von den Kimbern. Erstere zogen von Westen, letztere von Norden nach Italien ein. Dieser Einfall sollte das Schicksal der Stämme besiegeln. 102 v. Chr. wurden die Teutonen (unter Teutobodus/Teutobuches) und Ambronen von Konsul Marius bei Aquae Sextiae/Provence besiegt, 101 v. Chr. unterlagen die Kimbern (unter Boiorix) in der Poebene bei Vercellae/Oberitalien den Truppen des Marius und denen des Quintus Lutatius Catulus.
vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kimbrische_Halbinsel (Kimbrische Halbinsel)
vgl. >Mercurius Cimbrianus
Kinder von Limburg, Die
ritterliches Romanepos, 1480 von Sängermeister Johann von Soest im Auftrag Kurfürst Philipps aus dem Flämischen übersetzt (heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg87)
Kindleinsabend
28. Dezember, Tag der unschuldigen Kinder
Kirchenbereiter
weltlicher Bediensteter einer Landeskirche (insbesondere der Kurpfalz), der mit der Rechnungsprüfung der einzelnen Pfarreien betraut ist. Niclauß Lorbacher, Keller zu Eberbach, war 1564 Kirchenbereiter, desgleichen Johann Georg Mack (Hansjörg Mack) Anfang des 17. Jahrhunderts. (vgl. >Kastenpfleger)
Kirchenburg
gleicht in allen Punkten einer „Adels“-Burg, nur mit der Ausnahme, daß sie keinen Palas aufweist, sondern eben eine Kirche, deren Turm den „Bergfried“ darstellt. Beispiel: Iptingen (Enzkreis). (Unterform der Kirchenburg: >Wehrkirche); vgl. Dieter-Robert Pietschmann, Kirchenburgen – ein wiedergefundener Bestandteil unserer Geschichte. Hardcopy einer Datei. (24 Seiten). [Sulzbach 2008] http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2008/653/ (Dieter-Robert Pietschmann, Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen und Pfleghöfe) in Baden Württemberg. Teil 1: Nördlicher Bereich. Darstellung des erhaltenen Bestandes in den Jahren 2004-2008)
Kirchensatz, Kirchsatz, Kollatur
Recht des Patron, den Pfarrer einzusetzen. (1420 überträgt Kurfürst Ludwig III. den Kirchensatz in Wieblingen dem Heidelberger Heiliggeiststift)
Kirchenschaffnei, Pfälzer katholische
vgl. [Eginhard Scharf], Pfälzer Katholische Kirchenschaffnei. Von der Reformation bis zur Gründung der Stiftung im Jahre 1873 (Sonderdruck aus: Freiburger Diözesan-Archiv 118. Band, 1998) o.O., o.J. [Heidelberg 1998?]
Kirchenstuhlrecht
Freihaltung von Plätzen in der Kirche für bestimmte Familien (z.B. für die Familien La Roche und Helmreich in der evangelischen Kreuzkirche Heidelberg-Wieblingen)
Kirchenvogtei vgl. Vogt
Kirchheimer Zent, Zent Kirchheim
Verwaltungseinheit und Gerichtsbezirk der Kurpfalz. Sie umfaßte weitgehend die Orte in der Rheinebene südlich des Neckars zwischen Mannheim und Heidelberg. Sitz des Zentgerichts war bis etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts Kirchheim, dann Leimen.
Die >Zent diente als Verbindung zwischen der Regierung und den Dörfern. Sie forderte Fronen und Geleite, rekrutierte Soldaten und erhob Abgaben. Das Zentgericht war das höchste ländliche Gericht und stand über den Dorfgerichten. Zuständig war es für die Rug- und Blutgerichtsbarkeit.
Die Kirchheimer Zent existierte bereits im Lobdengau. Von diesem gelangte sie im 13. Jahrhundert an den Pfalzgrafen bei Rhein. Kurfürst Friedrich I. ordnete im 15. Jahrhundert die Verwaltung neu und schuf das Oberamt Heidelberg, dem die Kirchheimer Zent untergeordnet wurde. 1464 wird von einem zentgrefen zu Leymheim berichtet. Eine Weisung von 1468 entsteht anläßlich der zent zu Kirchen. Vor Ort versammelt sich das Zentgericht unter freiem Himmel uff der Kirchemer Höhe, einer Bodenerhebung, die sich auch als Kärchemer Höh, Hohe Sand oder Schelmengrund beschrieben findet. (vgl. Derwein 1940, Nr. 343)
1800 gehörten zur Kirchheimer Zent 19 Ortschaften (Brühl, Edingen, Eppelheim, Friedrichsfeld, Hockenheim, Kirchheim, Leimen, Neckarau, Nußloch, Oftersheim, Plankstadt, Reilingen, Rohrbach, Sandhausen, Schwetzingen, Seckenheim, St. Ilgen, Walldorf, Wieblingen) und 5 Höfe (Bruchhausen, Grenzhof, Pleickartsförsterhof, Rohrhof, Wersauer Hof) sowie die Schwetzinger Hardt. Mit dem Ende der Kurpfalz 1803 wurde auch die Zent aufgelöst.
vgl. Karl Kollnig, Die Weistümer der Zent Kirchheim. bearb. von Karl Kollnig. (Badische Weistümer und Dorfordnungen, Bd. 3. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg). Stuttgart 1979 http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchheimer_Zent
Klassizismus
Baustil Ende des 18. Jahrhunderts. Beispiele in Heidelberg:
1770-1774 Jagdschloß Rohrbach
1775-1781 Karlstor
1782 Friedrichsbau
1786-1787 Carl-Theodor-Brücke
1790/1791 Reformierte Kirchenkanzlei (Umbau)
Klaus-Tschira-Stiftung
vgl. Norbert Giovannini, Die Klaus-Tschira-Stiftung, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein 13, 2009, S. 183–186
Kleibeltag
Mariae Verkündigung (25. März)
Klinge
ahd. chlinga, mhd. klinge f., Gießbach, Talschlucht, auch ohne Wasser, vgl. Derwein 1940 Nr. 452, 455; vgl. Klingenteich
Kloben
Teil der Türaufhängung (Gegensatz: Türband)
Kloster
(von mlat. claustrum, von lat. claudere „(ein)schließen“); syn. monasterium, abbatia, cella
Klüpfel, Klöpfel
Werkzeug aus Buchenholz, hat die Form einer Halbkugel, einen Durchmesser von 12 bis 20 cm und in der Mitte einen Stiel. Es wird bei der Steinbearbeitung vor allem zum Stemmen des Zahneisens, des Schlageisens und des Scharriereisens verwendet.
kochem vgl. Chóchem
Kochemer Loschen
in Deutschland gesprochene Gaunersprache
Kodex vgl. Codex
Kodikologie
wissenschaftliche Beschäftigung mit >Codices
Kodizill
(lat.) Testamentsnachtrag
Kölner Krieg 1583
Der Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg verkündete 1582 seinen Übertritt zum Protestantismus und stellte gleichzeitig in seinem Land die katholische wie die lutherische Konfession frei. Der Anlaß zu diesem Übertritt war auch sein Wunsch, die Stiftsdame Agnes von Mansfeld zu heiraten. Die Konversion eines geistlichen Fürsten bei Beibehaltung seines Amtes widersprach dem geistlichen Vorbehalt, wie er im >Augsburger Religionsfrieden festgelegt worden war. Dazu bestand im Falle Kölns die Gefahr einer evangelischen Mehrheit im Kurfürstenkollegium und der Fall einer wichtigen Bastion des Katholizismus im Reich. 1583 wurde Gebhard Truchseß von Waldburg von Papst Gregor XIII. für abgesetzt erklärt. Da er sich diesem Absetzungsspruch nicht fügte, kam es zum Kölner Krieg zwischen ihm und v.a. bayerischen Truppen, die ihn schließlich aus Westfalen vertrieben. Damit war der Versuch gescheitert, eines der bedeutendsten Bistümer im Reich zu säkularisieren. Das Erzstift Köln ging in Wittelsbacher Hände über. Eingreifen des Pfalzgraf Johann Casimir ohne Wirkung.
Kölner Spruch
Durch den Kölner Spruch vom 30. Juli 1505 Gründung des Herzogtum Pfalz-Neuburg ("Junge Pfalz") aus dem bayerischen Gebiet nördlich der Donau für die beiden Söhne Otto Heinrich und Philipp. Da diese noch minderjährig sind, wird als vormundschaftlicher Regent zunächst ihr Großvater Kurfürst Philipp eingesetzt, ab 1508 Pfalzgraf Friedrich II. Durch König Maximilian I., der mit seinen Truppen eingreift, wird der Landshuter Erbfolgekrieg beendet. Die Niederlage bringt Kurpfalz den Verlust der oberrheinischen Machtstellung und der Maulbronner Klostervogtei an Württemberg (Verlust aller Landstriche südöstlich einer Linie von Weißenburg über Bretten nach Mosbach).
Kognat
Angeheirateter, Verschwägerter, Verwandter in weiblicher Linie, vgl. Agnat, Spillmage
Kohen, pl. Kohanim
(hebr. „Priester“). Die von Aaron abstammende Priesterschaft des jüdischen Volkes (vgl. Aaroniten). Die Priester verrichteten zu Zeiten des Tempels wichtige kultische, rituelle und richterliche Aufgaben. Für die Kohanim gelten spezielle Reinheitsvorschriften (so dürfen sie keinen Friedhof betreten). Auch heute noch steht ihnen im Gottesdienst zu, als erste zur Toralesung gerufen zu werden und den Priestersegen (Birkat Kohanim) über die Gemeinde zu sprechen. Kohn, Kahn oder Katz (aus Kohen Tzedek=“Priester der Gerechtigkeit“) sind gängige Namen der Kohanim, deren Priesterstatus vom Vater auf den Sohn übergeht. (Symbol: >Magen David)
kollationieren
(Texte) vergleichen, zusammentragen
Kollatur vgl. Kirchensatz
Kol Nidre
(aram. „alle Gelübde“) Anfangsworte des einleitenden und wichtigsten Gebets am >Jom Kippur
Kommendator
nutznießender Inhaber einer Pfründe ohne Verpflichtung zur Erfüllung kirchlicher Amtspflichten
Kommende f.
1. Verleihung von >Pfründen ohne Übertragung der Amtsverpflichtung; 2. Pfründengenuß ohne Verpflichtung zur Erfüllung kirchlicher Amtspflichten; 3. >Komturei. (vgl. >Kommendator)
Komment m.
Gesamtheit studentischer Lebensregeln und Umgangsformen (erste schriftliche Fixierung 1791 in Jena)
Kommission für die Geschichte der Stadt vgl. Stadtbibliothek Heidelberg
Komplementärfarben
Rot-Grün, Blau-Orange, Gelb-Violett. Wenn man Komplementärfarben mischt, ergibt sich Grau
Komplet, Kompletorium
(mlat.) Abendgebet als Schluß der kirchlichen Tageszeiten (vgl. Matutin)
Komtur
Verwalter oder Amtsträger eines geistlichen Ritterordens
Komturei
das dem >Komtur eines Ordens überwiesene Verwaltungsgebiet. Mehrere Komtureien bilden eine >Ballei (vgl. Kommende)
Königshof
Wirtschaftshof des Königs, der die königliche Tafel zu beliefern und das königliche Gefolge zu versorgen hat
Königstuhlturm
28. September 1832 Grundsteinlegung, 1835 vollendet, 1911: Inbetriebnahme des elektrischen Personenaufzugs, Oktober 1959 zerstört; (vgl. Heinrich Walther, Panorama, gesehen vom Thurme des Königstuhls bei Heidelberg. 4teilige Lithographie. (26x306,5 cm). 1841)
Konche
(gr.-lat.) >Apsis
Konkordienformel
(lat. formula concordiae, Eintrachtsformel, auch das Bergische Buch), Bekenntnisschrift, welche den Lehrbegriff der lutherischen Kirche festlegt. Entstand 1577 auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen. In der Konkordienformel erlangte das Augsburgische Bekenntnis offizielle Anerkennung und wurde in das Konkordienbuch (1580), die bis heute gültige Sammlung lutherischer Bekenntnisschriften, aufgenommen. Durch dieKonkordienformel wurde jede Annäherung an die reformierte Kirche unmöglich gemacht. Kirchliche Anerkennung erhielt sie in Kursachsen, Kurbrandenburg, Kurpfalz, 20 Herzogtümern, 24 Grafschaften und 35 Reichsstädten. Verworfen wurde sie in Hessen, Zweibrücken, Anhalt, Pommern, Holstein, Dänemark, Schweden, Nürnberg, Straßburg, Magdeburg. – Der 1586 zum Professor für Geschichte an der Universität Wittenberg ernannte niederländische reformierte Gelehrte Ian Gruter weigerte sich, die formula concordiae zu unterschreiben, und verlor die Stelle. http://de.wikipedia.org/wiki/Konkordienformel
Konradinische Erbschaft
Am 29. Oktober 1268 wird Konradin von Hohenstaufen, Herzog von Schwaben (*1252), letzter legitimer männlicher Erbe des Kaiserhauses der Staufer, in Neapel enthauptet. Mit ihm erlischt das Staufergeschlecht und das Herzogtum Schwaben. Ludwig II., Pfalzgraf bei Rhein, fügt seinen Ländern die aus Konradins Besitz stammenden Hausgüter im bayerischen Nordgau hinzu (Kern der späteren Oberpfalz)
Kontrapost
(lat.) Gegenbewegung von Spiel- und Standbein bei Statuen
Kontubernium, Contubernium
(von lat. taberna) 1. Zeltgenossenschaft der Soldaten im Lager: 2. Wohngemeinschaft, Haus- und Tischgenossenschaft; 3. entsprechendes Gebäude, Studentenwohnheim (vgl. Großes Contubernium, Kleines Contubernium, Contubernium Divae Catharinae der Universität Heidelberg im 16./17. Jahrhundert)
Kontumaz
(lat.) Versäumung eines gerichtlichen Verhandlungstermins durch eine Prozeßpartei
Konverse m.
(lat. „Bekehrter“) Laienbruder eines Mönchordens
Konvolut
(lat.) Bund, Bündel, Pakt, Heft, Rolle, Aktenband
Kopialbuch
Sammlung von Urkundenabschriften, meist zur Sicherung von Rechtstiteln, besonders von Städten und Klöstern angelegt (vgl. Lorscher Kopialbuch, 1175-1195 entstandenes Besitzverzeichnis des Lorscher Klosters (Codex Laureshamensis))
Kopialien
(lat.) Schreibgebühren, Schreiblohn
Koprolith
(gr.) fossiles Exkrement
korroberieren
(lat.) bestätigen, bekräftigen, genehmigen
koscher
nach den rituellen Speisegesetzen als Nahrung erlaubt; siehe Kaschrut
Kotmonat
Februar
Kówed m.
(jidd.) Ehre, Ruhm, Ehrung
Kraichgau
Hügellandschaft zwischen dem Schwarzwald im Süden, dem Odenwald im Norden, der Rheinebene im Westen und dem Neckar bei Heilbronn im Osten. Namensgeber dieser Landschaft ist der Kraichbach, der bei Sternenfels entspringt und in der Nähe von Ketsch in den Rhein mündet . Die Grenzen des Kraichgaus sind jedoch stark fließend.
Die Bezeichnung Kraichgau für das heutige Gesamtgebiet ist neuzeitlichen Ursprungs. Ursprünglich beschränkte sich der Name auf den Teil des Kraichgaues, der zum Einzugsgebiet des Kraichbaches gehörte, teilweise auch auf Orte an Waldangelbach und Saalbach. Die übrigen Gebiete gehörten zum Elsenzgau, dem Pfinzgau oder dem Gartachgau. Orte im Gebiet des Leimbaches wurden zum Lobdengau gerechnet, für das Einzugsgebiet des Saalbaches wurde auch der Begriff Salzgau verwendet. Die Bezeichnung Kraichgau hat sich im Laufe der Zeit als Oberbegriff für die früheren Kleingaue Elsenzgau, Neckargau, Gartachgau, Zabergäu, Pfinzgau, Anglachgau und Salzgau herausgebildet
Im Lorscher Codex wird der Kraichgau zum ersten Mal urkundlich als Creichgowe (769) erwähnt. Der Name Kraich soll auf das keltische Wort Creuch für „Schlamm, Lehm“ zurückgehen. Der Begriff Gau bezeichnet ein offenes waldfreies Gebiet bzw. Ackerland. http://de.wikipedia.org/wiki/Kraichgau
Kraichgauer Ritterschaft
Die Kraichgauer Ritterschaft, die möglicherweise mit den Saliern und ihren staufischen Erben und mit dem Herzogtum Schwaben verbunden war, erlangte nach dem Ausfall des Herzogtums Schwaben in der Mitte des 13. Jahrhunderts (1268 wird Konradin von Hohenstaufen, Herzog von Schwaben, in Neapel enthauptet) die Reichsunmittelbarkeit, ohne dadurch mit den Reichsministerialen auf eine Stufe gestellt zu werden. (vgl. Esel; vgl. Turniergesellschaft mit dem Esel)
Kränk f.
(mdal.) „schwere Krankheit, Ruin“ (Beispiele: Er hot die Kränk. Kriech die Kränk! Do kennt mer jo die Kränk krieje!) (jidd. krenk)
Krapp
roter Farbstoff (Türkischrot) aus der Wurzel der Färberröte (Rubia tinctorum, Familie Rötegewächse; vgl. Alizarin)
Krappfabrik
Der Heidelberger Bankier und Kunstsammler Christian Adam Fries („Krapp-Fries“; 1766-1847) besaß anfangs des 19. Jahrhunderts am Rohrbacher Weg/Chaussee eine Krappfabrik (heute: Rohrbacher Straße 57)
Krater
(gr.) Kessel oder Krug aus Ton, Bronze oder Edelmetall zum Mischen von Wein und Wasser
Krautweihe
Mariae Himmelfahrt (15. August)
Kreditiv
(lat.) Beglaubigungsschreiben
Kreuzauffindung
(Inventio crucis), 3. Mai
Kreuzer
denarius grossus, seit 1271 in Meran, seit 1477 in Hall in Tirol geschlagene Silbermünze, benannt nach dem aufgeprägten Kreuz. 60 Kreuzer=1 Gulden, 4 Kreuzer=1 Batzen. 1803 wird die Gulden/Kreuzer-Währung in Baden eingeführt.
Kreuzerhöhung
(Altatio crucis), 14. September
Kreuzgang
der im Untergeschoß von gewölbten Bogengängen umgebene rechteckige Hof, der sich meist an eine Längsseite der Kloster- oder Domkirche anlehnt. Der Name stammt von Kreuzprozessionen, die in seinen Gängen stattfanden.
Kreuz in Eisen
26. Juni 1915: Enthüllung des Kreuzes in Eisen und Übergabe des Eisernen Buches im Garten der Städtischen Sammlungen. Bei der Eröffnungsfeier nehmen als Ehrengäste die Spitzen der militärischen, staatlichen und städtischen Behörden teil, darunter als Vertreter der Universität Prorektor Johannes Bauer. Es sprechen Oberbürgermeister Ernst Walz sowie Dr. iur. Eugen von Jagemann, Vorsitzender des Badischen Roten Kreuzes. Die Weiherede spricht Max Freiherr von Waldberg. siehe http://www.uni-heidelberg.de/presse/news/2110reichert.html
Kreuztitel
INRI=Iesus Nazarenus Rex Judeorum
Kreuzweg
1. Kreuzungsstelle von Wegen; 2. Betrachtung des Leidensweges Christi in 14 Stationen, Nachahmung des Jerusalemer Pilgerbrauchs, den Kreuzweg vom Haus des Pilatus bis Golgatha betend abzuschreiten
Kritische Universität
Initiative linker Studenten zur Schaffung eines alternativen Vorlesungsbetriebs an der Universität Heidelberg im Jahre 1968 (2. Februar 1968: erstes Teach-in der Kritischen Universität Heidelberg und Wahl eines Initiativausschusses, der ein Arbeitsprogramm für das Sommersemester erstellen soll; vgl. Kritische Universität. Programm der Arbeitskreise. (hg. vom AStA der Universität Heidelberg). Heidelberg 1968)
Krönel, Spitzer
Werkzeuge zum weiteren Feinarbeiten der Oberfläche von Stein (hinterläßt kleine Vertiefungen). Diese beiden Werkzeuge kombinieren mehrere Spitzeisen in einem Werkzeug.
Krüppelwalmdach
eine vom >Satteldach weiterentwickelte Dachform und die am häufigsten verwendete Form des Walmdaches. Bei dieser Dachform ist nicht der gesamte Giebel, sondern nur der obere Teil abgewalmt. Diese Walmflächen weisen demnach eine geringere Höhe als die angrenzenden Hauptdachflächen auf. Das Krüppelwalmdach schafft eine hohe Stabilität und Festigkeit für alle Bereiche und ist damit in der Lage, starke Lasten aufzunehmen. (Beispiele: Schwarzwaldhaus, Goldener Pflug in Heidelberg-Wieblingen)
Krünitz
D. Johann Georg Krünitz, Oeconomisch-technische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirtschaft. (242 Bände) Berlin 1773-1858 http://www.kruenitz1.uni-trier.de/ http://de.wikipedia.org/wiki/Oeconomische_Encyclop%C3%A4die
Krypta
(gr.-lat.) „verborgener“ unterirdischer Raum (Gruftkirche) unter dem Chor alter Kirchen
Kühler Grund
Platz im Erbacher Tal bei Heppenheim, 1896 in Anlehnung an Joseph von Eichendorffs Gedicht „In einem kühlen Grunde“ so benannt (1929 wird der Bierhelder Weg in Rohrbach in Kühler Grund umbenannt)
Kuh
weibliches Rind, das schon gekalbt hat
Kulturdenkmale vgl. Vorläufige Liste der Kulturdenkmale
Kummer
Schutt. „was wegen raumung der gaßen von Churfürstl. DhL gegen befehl an dasigen Stadtrath vnd gefreyte ergangen: worinnen Einem jeden anbefohlen wird den Kummer vor den haußplätzen hinweg zuführen vnd die Straßen zu saubern.“ (28. 2. 1699, Universitätsarchiv: RA 694 fol. 67v)
Kummet
gepolsterter Ring um den Hals des Zugtieres, an dem Deichsel und Stränge befestigt sind (vgl. Bourellier)
Kumpf
1. Napf, Gefäß, in das eine Kaffee- oder Teeschale gesteckt wird; 2. Hohlmaß für Getreide (6,95 Liter); vgl. Malter
Kunde
rotw. „Handwerker auf der Walz, Landstreicher“, aus frühneuhdt. (der) Kunde in der Bedeutung „Bekannter, Vertrauter“
Kundenschall
„Kundensprache“, von rotw. >Kunde und dt. Schall = rotw. „Gesang“. (vgl. Rotwelsch, Gaunersprache, Jenisch, Kochemer Loschen)
Kunkel
(ahd., lat. Lehnwort aus conucula) 1. Spinnrocken, >Rocken; 2. im deutschen Recht die weiblichen Angehörigen
Kunkellehen
(von Kunkel=Spinnrocken) im deutschen Recht seit dem 12. Jahrhundert das bei Aussterben des Mannesstammes an die weibliche Linie übergehende Lehen
Kunkelmann
(von Kunkel=Spinnrocken) Landmarke, hoher Grenzstein
Kupferstich
Tiefdruck mit Metallplatten, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden. Im Unterschied zum Holzschnitt geben die tiefliegenden Teile des Druckreliefs Farbe an das Papier ab, während die hochliegenden auf dem Papier weiß bleiben. Die Herstellung eines Kupferstichs dauert Tage und Wochen. (Berühmter Kupferstich: Große Stadtansicht von Heidelberg von Matthäus Merian 1620)
Kur
(zu küren, kor, gekoren). Nicht die eigentliche Wahl, sondern die feierliche Ausrufung des Erwählten zum deutschen König (vgl. Goldene Bulle). Als Vorsprecher des Kürspruches traten 1198 die rheinischen Erzbischöfe und der Pfalzgraf bei Rhein in Erscheinung, als sie die Wahlentscheidung für Otto IV. von Braunschweig bekannt gaben.
Kurant, courant
(lat.) Silbergeld, Kleingeld, Hartgeld (Gegensatz: Papiergeld)
Kuratel
(lat.) Aufsicht über Unmündige, Pflegschaft, Vormundschaft
Kurfürst
im Deutschen Reich bis 1806 die zur Wahl des deutschen Königs berechtigten Fürsten. Seit 1257 gelten nur 7 als Kurfürsten. Ihre Sonderstellung wurde von Kaiser Karl IV. durch die >Goldene Bulle 1356 festgesetzt. 1623 übertrug Kaiser Ferdinand II. die (persönliche, nicht erbliche) pfälzische Kurwürde an Maximilian I., Herzog von Bayern. Als Pfalzgraf Karl Ludwig, Sohn Friedrichs V., 1649 aus dem Exil zurückkehrte, erhielt er die Rheinpfalz zurück und bekam die neu eingerichtete achte Kur. Von 1692/1708 an, als Hannover mit der Kurwürde bekleidet wurde, bis zum Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher 1777, gab es 9 Kurfürsten. Dann fielen durch die Erbfolge der Heidelberger die getrennten Kurwürden von Bayern und der Pfalz wieder in eine zusammen, und Hannover rückte an die achte und letzte Stelle. Kurfürsten von der Pfalz
Kurfürstenhut, Kurhut
hutförmige purpurrote Kappe mit Hermelinbesatz, von Kurfürsten als Rangzeichen im Wappen geführt
Kurpfalz
territorial-politisches Konstrukt. Gemeint ist die Pfalz bei Rhein, deren Herrscher sich spätestens seit 1356 Kurfürsten nennen. 1803 endet die Kurpfalz, 1806 erlöschen die Kurwürden. http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/pfalz/kurpf2.htm
Kurpfälzische Akademie vgl. Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Kurpfälzische Skizzenbuch
Zwischen 1561 und 1581 entstand in der Nachfolge Jan Bruegels des Älteren im Umfeld der >Frankenthaler Malerschule eine Serie von 26 Zeichnungen, die unter dem Namen 'Kurpfälzisches Skizzenbuch' bekannt wurde. Mehrere Jahrzehnte vor Matthäus Merian bieten die Blätter den authentischsten Einblick in die damals noch unzerstörte spätmittelalterliche Topographie Heidelbergs, besonders des Schlosses, und in die Kurpfalz. Zum 800jährigen Jubiläum der Stadt Heidelberg wurde dieses vorromantische Bild der Stadt und ihrer Umgebung in seiner Gesamtheit im Universitätsmuseum ausgestellt (10. 11.-8. 12. 1996). (vgl. Ludwig Schmieder, Kurpfälzisches Skizzenbuch. Heidelberg 1926; Max Perkow, Heidelberg im Bilde. II. Kurpfälzer Skizzenbuch und Merian, in: Ruperto Carola Nr. 7/8, Dezember 1952, S. 40-45; Hanns Hubach (Hg.), Kurpfälzisches Skizzenbuch. Ansichten Heidelbergs und der Kurpfalz um 1600 (Katalog der Ausstellung in Heidelberg 1996), hg. von Hanns Hubach. Heidelberg 1996. 10. 11.-8. 12. 1996: Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg) http://www.christoph-pingel.de/paragon/objectpage?oid=00020626
Kurpfälzische Verlag
1984 von Hermann Lehmann gegründet kurpfaelzischer.verlag@t-online.de
Kurverein zu Rhense
Versammlung der Kurfürsten 1338 zu Rhense am Rhein. Erklärung, daß die Wahl des deutschen Königs allein auf Wahl, Krönung und Inthronisation beruht und der Papst keine Befugnis hat (Reichsgesetz Licet iuris)
Labor Service Units, Labor Service Companies, Civilian Labor Groups
kasernierte, aus deutschem Personal zusammengestellte US-amerikanische Einheiten zur Unterstützung der eigenen Truppen unter dem Kommando der alliierten Streitkräfte (vgl. Museumsverein Bensheim e. V., Verein für Regionalgeschichte und Denkmalpflege, Mitteilungen Nr. 61, 1. Halbjahr 2010, S. 24ff.)
Lache
stehendes Gewässer (vgl. FN Fahrlach, Harlach, Horlach)
Lacus Venetus, Lacus Brigantinus
(illyr./kelt./lat.) Bodensee
Lade, Totenlade
Sarg
Laetare
3. Sonntag vor Ostern
Lädchen an der Heiliggeistkirche
Laienkelch
Die Gewährung des Kelchs, d.h. des Gefäßes, das den Wein enthält, der bei der Messe oder beim Abendmahl als Symbol des Blutes Christi gespendet wird, Laien gegenüber. In der katholischen Kirche war der Laienkelch seit dem 12. Jahrhundert abgeschafft. 1433 wird den Hussiten in den Prager Kompaktaten der Laienkelch zugestanden. 1546 erläßt Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz eine Kirchenzuchtordnung, die bestimmt, daß im Gottesdienst die Schriftlesung deutsch erfolgen und beim Abendmahl auch der Kelch gereicht werden solle.
Landbeschaffungsgesetz
Das Landbeschaffungsgesetz vom 23. Februar 1957 regelt die Beschaffung von Gelände für militärische Zwecke der Bundeswehr wie für Verbündete im Rahmen der NATO (siehe auch: http://www.upi-institut.de/hd/armystadt.htm)
LandCENT
Allied Land Forces Central Europe (NATO-Landstreitkräfte Mitteleuropa), im Juli 1993 gebildete Einheit mit Hauptquartier in Heidelberg
Landessternwarte
am 20. Juni 1898 auf dem Königstuhl in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin eingeweiht. Hier werden Instrumente und Teleskope entwickelt und gebaut.
Landkreis Heidelberg
1938 durch das Gesetz über die Landkreisselbstverwaltung aus den Bezirksämtern Heidelberg und Wiesloch gebildet. Am 1. Januar 1973 tritt die baden-württembergische Kreisreform in Kraft. Der Landkreis Heidelberg wird mit dem Landkreis Mannheim zum Rhein-Neckar-Kreis vereinigt. Heidelberg bleibt kreisfreie Stadt und wird Kreisstadt des neuen Landkreises
Landrecht
nach dem Sachsenspiegel das allgemein geltende Recht, im Gegensatz zum Recht bestimmter Kreise, wie z.B. dem Lehnrecht. 1582 erscheint Landrecht und Landesordnung der rheinischen Pfalz, welche nächst Bibel und Katechismus den größten Einfluß auf das Leben der Untertanen haben, bis 1803 gültig.
Landschad von Steinach, Landschaden m. pl.
Die Edelfreien von Steinach sind ein mittelalterliches niederes Adelsgeschlecht im Odenwald mit Stammsitz in Steinach am Neckar, das im 12. Jahrhundert als Lehensleute der Bischöfe von Speyer erstmals erwähnt wurde, später mehrere hohe pfälzische Beamte stellte und 1653 im Mannesstamm erlosch. Die Linie Ulrichs II. von Steinach, der die Burg Schadeck erbaute, wurde seit 1286 zur Unterscheidung von den anderen Linien nach ihrer Burg Landschad von Steinach genannt. http://de.wikipedia.org/wiki/Landschad_von_Steinach
Landschaftsgarten
Mit der Umgestaltung der Gartenanlage von Blenheim in Oxfordshire durch den Landschaftsarchitekten Lancelot „Capability“ Brown entsteht ab 1764 ein als klasssisch geltender englischer Landschaftsgarten als Gegensatz zum Garten der Renaissance und des Barock, der sich in ganz Europa durchsetzt.
Landschatzung
Heidelberger allgemeine Landschatzung von 1439 (Registrum exaccionis, Steuerschätzung, älteste Steuerliste und damit Einwohnerverzeichnis Heidelbergs). Danach hat Heidelberg etwa 5500 Einwohner. Steuerpflichtig sind 642 Bürger und Bürgerinnen, darunter 129 Weingärtner. (vgl. Karl Christ, Das Steuerwesen von Kurpfalz im Mittelalter. I. Die Heidelberger Schatzung von 1439, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz 3, 1898, S. 200-264; Register, a.a.O., S. 265-280; [Karl Christ], Registrum exaccionis in Heidelberg (Fol. 1), in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz, Heft 3 und 4 (1893), S. 218-264; Registrum exaccionis oder Landschatzung von 1439, a.a.O., Band V (1903), S. 1-68)
Landvorbehalt
Durch das Wohnsiedlungsgesetz vom 26. September 1933 wird das Gebiet zwischen Neckar, Grenze zu Dossenheim, alter Gemarkungsgrenze zwischen Handschuhsheim und Neuenheim, und einer Linie, die in Verlängerung der Quinckestraße bis zur Güterbahnlinie und an dieser entlang bis Dossenheim zieht, von jeder städtischen Bebauung ausgeschlossen, ebenso die Hänge Wilde Roth, Steinberg, Zapfenberg. Von diesem "Landvorbehalt" ausgenommen sind nur "Ansiedlungen von Angehörigen der Handschuhsheimer Bauernschaft, die sich auf ihrem Besitz anzubauen wünschen (Glaskulturen)" (vgl. Wirtschaftsplan der Stadt Heidelberg. Sonderdezernat für Neuordnung der Gemarkung. Januar 1935)
Landwirthschaftliche Verein
4. Juni 1819: Gründung des Landwirthschaftlichen Vereins für das Großherzogtum Baden in Ettlingen (vgl. Freiherr Rüdt von Collenberg, Die landwirthschaftlichen Verhältnisse des Großherzogtum Baden, in: Festschrift für die Mitglieder der XXI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe. Beiträge zur Kenntnuiß der Land- und Forstwirthschaft im Großherzogtum Baden. Heidelberg 1860, Teil 1, S. 3-251, darin S. 91ff.: Geschichte des landwirthschaftlichen Vereins)
Landwirthschaftliche Winterschule
1865 wurde ein Anbau an den großen Saal der Harmonie-Gesellschaft Hauptstraße/Ecke Theaterstraße angefügt. Dadurch wurde es möglich, die Räumlichkeiten des Vorderhauses an die Stadtgemeinde zu vermieten, um darin die landwirtschaftliche Winterschule aufnehmen zu können. (vgl. Kurze Geschichte der Harmonie-Gesellschaft zu Heidelberg bei Gelegenheit der Feier der vor 25 Jahren stattgehabten Einweihung unseres jetzigen großen Saales. verf. von C. A. Heidelberg 1867, S 14)
Längenmaße vgl. Schuh, Ruthe
Langsee
Lago Maggiore
Laterna magica
(lat.) Projektionsapparat für Glasdiapositive, 1650 angeblich von Athansius Kircher SJ erfunden (vgl. Camera obscura)
Laternengeld
ständige Abgabe, von den Hausbesitzern zu leisten, um die Straßenlaternen zu unterhalten (1795 wurde in Heidelberg die Straßenbeleuchtung im Winter eingeführt) (vgl. D. Kämmerer, Geschichte der Straßen-Beleuchtung zu Heidelberg, in: Vaterländische Blätter, hg. von Aloys Schreiber, Heidelberg, No. 16, 23. Mai 1812, S. 121-125 und No. 19, 3. Juni 1812, S. 145-151, und No. 20, 6. Juni 1812, 153-159 und No. 26, 27. Juni 1812, S. 201-205)
Latwerge
Zwetschenmus, auch aus Zuckerrüben
Laudanum
(gr.-lat.) Beruhigungsmittel, Opiumtinktur
Laudes
(lat.) Lobpreis am Morgen (>Vesper)
Lauermeister
städtischer Beamter, der den Wasserstand, insbesondere bei bevorstehenden Hochwasserereignissen, zu kontrollieren und bei Hochwasser die dafür erforderliche Maßnahmen einzuleiten hat (vgl. Neckarlauer)
Lauffen, Grafen von
fränkisches Adelsgeschlecht, das aus dem Geschlecht der Popponen hervorgegangen sein soll und sich nach der Burg Lauffen in Lauffen am Neckar benannte. Als ältester hinreichend sicherer Ahne gilt ein Graf Poppo, der in Haßmersheim ein kaiserliches Lehen besaß. 1011 schenkte Heinrich II. dem Bischof Burchard von Worms dieses Lehen sowie den Lobden- und Wingarteibagau. Es wird angenommen, dass Poppo das Haßmersheimer Lehen vom Bischof bestätigt bekam und, nachdem die Gaugrafen des Lobden- und Wingarteibagaus ausstarben, Poppo bzw. seine Nachkommen als Gaugrafen eingesetzt wurden. Zu diesen Gaugrafenrechten gehörte auch die Aufsicht über die Neckarschifffahrt in ihrem Bereich.
Als Ersterwähnung eines von Lauffen erscheint Graf Poppo von Lauffen 1037 im Öhringer Stiftungsbrief. Um 1045 wird in Bretten ein Bruno von Lauffen geboren, der später als Erzbischof in Trier erscheint. Ein Konrad von Lauffen wird 1127 als Sohn eines Poppo erwähnt. Dieser (Poppo) hatte zwei Brüder, Heinrich und Bruno (Erzbischof von Trier).
Die Burgen Lauffen, Hornberg, Dilsberg und Eberbach gehörten zu dem Besitz der Grafen von Lauffen bzw. wurden teilweise von ihnen gegründet und dienten wohl hauptsächlich der Kontrolle des Neckars. Der Lauffener Besitz lag offenbar im gesamten Neckargau, im Zaber-, Murr- und Enzgau, im Schnittpunkt der Einflußbereiche von Worms, Speyer und Würzburg. Es scheint, daß die Grafen von Lauffen sowohl die Straßen von Speyer über Bruchsal nach dem mittleren Neckarland, als auch den Neckar selbst von seiner Mündung bis zur Stammesgrenze kontrolliert haben.
Um 1140 verlegen die Grafen von Lauffen ihre Residenz von Wiesenbach auf den Dilsberg und schenken ihre Wiesenbacher Grundherrschaft mit Besitz und Rechten in den Nachbargemarkungen der Abtei Ellwangen zur Gründung eines Klosters.
Um 1212 erlischt mit Poppo von Lauffen das Geschlecht im Mannesstamm. Eine seiner beiden Töchter, Mechthild, heiratete Konrad von Dürn, die andere Gerhard von Schauenburg (!). Unter diesen wurde der vererbbare Familienbesitz aufgeteilt. Die Burg Dilsberg fällt dem Grafen Konrad von Dürn zu. Über den nicht vererbbaren Besitz kam es zu Auseinandersetzungen, die vor allem für die Staufer von Vorteil waren. Um 1330 kommt die Herrschaft Dilsberg an die Pfalzgrafen bei Rhein.
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Lauffen
http://www.genealogie-mittelalter.de/lauffen_grafen_von/konrad_von_lauffen_1137.html
http://www.gencircles.com/users/hageman/27/print/24717
Laurentii
(10. August) Tag des hl. Laurentius, Schutzheiliger der Bäcker, Köche, Köhler, Feuerwehrleute
Lautverschiebung vgl. Althochdeutsche Lautverschiebung
Lazaristen vgl. Congregatio Missionis
vgl. Rainer Albert, Günther Saltin, Katholisches Leben in Mannheim. Bd. 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte, hg. vom Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte, Bd. 10). Ostfildern 2009, S. 444ff.
l. diff.
(lat.) lectio difficilior “schwierigere Lesart”
Legenda aurea
Legendenbuch des Mittelalters, Zusammenstellung von 243 Legenden der Kalenderheiligen, lateinisch verfaßt von Jacobus a Voragine (Varazze), Erzbischof von Genua († 1298), deutsch um 1350
Lehen
(lat. beneficium) erbliches Nutzungsrecht an einer fremden Sache, das sich auf eine Verleihung seitens des Eigentümers gründet. Das Lehnsgut, zumeist ein Grundstück oder ein Komplex von Grundstücken, wird selbst auch als Lehen bezeichnet. Der betreffende Eigentümer ist der Lehnsherr (Lehnsgeber), der Berechtigte wird mit Lehnsmann, Lehnsnehmer, Lehnsempfänger, Lehnsträger bezeichnet.
Lehnswesen
beruht auf der Verbindung, die ein freier Mann mit einem Herrn eingeht, in dessen Dienst er sich begibt. Der Mann verpflichtet sich, seinem Herrn mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen. Im Austausch erhält er ein >Lehen, meist ein Stück Land, das ihn versorgen soll. Der Herr ist verpflichtet, ihm Schutz und Schirm zu gewähren. Eine Zeremonie (Handgang, Treueid, Investitur) begründet die Verbindung. Der Begriff „Feudalismus“ für Lehnswesen ist problematisch, weil damit nicht nur die Beziehungen zwischen Freien, sondern auch die Unterdrückung unfreier Bauern gemeint sein können.
Lehrstuhl
Lehnübersetzung aus dem griechisch-lateinischen cathedra, was mit „Lesestuhl“ umschrieben werden kann und den erhöhten Stuhl des Lehrers an einer Universität bezeichnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Lehrstuhl (vgl. Ordinarius)
Leibeigenschaft
im Hochmittelalter entstandener Begriff für eine von der Sklaverei abweichende Form persönlicher Abhängigkeit, die in der Regel persönliche Rechts- und beschränkte Eigentumsfähigkeit einschließt. Leibeigenschaft kann durch Unterwerfung, Raub, Kauf, erbliche Übernahme des Rechtsstatus entstehen.
Die Leibeigenschaft bezeichnet eine persönliche Abhängigkeit von Bauern von ihrem Grundherren. Die leibeigenen Bauern bewirtschaften Höfe, die ihren Grundherren gehörten, und müssen dafür Pacht (Gült) zahlen. Daneben müssen sie ihm einen Zehnt leisten (sofern der Grundherr aus dem Klerus stammt) und sind zu Frondiensten verpflichtet. Im Gegensatz zu Hörigen, bei denen die Abgaben- und Fronpflichten an das bewirtschaftete Gut gebunden sind, sind sie bei Leibeigenen personengebunden. Der Umfang der Dienste ist im Gegensatz zur Sklaverei begrenzt und genau festgeschrieben. Außerdem dürfen Leibeigene, im Gegensatz zu Sklaven, Privateigentum besitzen, wenn auch keine Immobilien.
Die Leibeigenschaft ist grundsätzlich als gegenseitige Verpflichtung zu begreifen. Der Leibherr gewährt dem Leibeigenen militärischen und juristischen Schutz. Letzteres bedeutet, dass er bei Ladung vor fremde Gerichte einen Rechtsbeistand stellen muß. Dafür entrichtet der Leibeigene Abgaben an den Leibherren. Jährlich wird eine Henne als Zeichen der Anerkennung der Leibeigenschaft fällig, dazu im Todesfall von männlichen Leibeigenen das >Besthaupt und von weiblichen Leibeigenen das Bestkleid.
Diese Todfallabgaben wurden im 15. und 16. Jahrhundert zunehmend in Geldabgaben umgewandelt. Im südwestdeutschen Raum waren als Todfallabgabe an den Leibherren 1,5 % des Vermögens üblich. Es gab aber Herrschaften, die bis Ende des Alten Reiches noch Naturalabgaben oder ein Äquivalent dafür erhoben.
Die Herrschaften konnten Leibeigene kaufen, verkaufen und tauschen. Dies bedeutet nichts anderes, als daß die gegenseitigen Verpflichtungen auf die neue Leibherrschaft übergingen, denn der Leibeigene blieb in der Regel auf seinem angestammten Hof. Lediglich bezüglich der Heiratsbeschränkungen machte sich der Besitzwechsel bemerkbar.
Der Leibeigene ist der Jurisdiktion seines Grundherrn unterstellt. Dieser bestimmt auch, ob und wen er heiraten darf, und nur nach Genehmigung ist ihm erlaubt, die Hofstelle zu verlassen. Flüchtige werden gesucht und in der Regel mit Gewalt zurückgebracht. Nur wenn es einem Leibeigenen gelang, das Territorium einer Stadt zu erreichen und dort dauerhaft Aufnahme zu finden, entkam er der Rechtsprechung des Grundherren. Umgekehrt durfte ein Leibeigener aber auch nicht gegen seinen Willen aus seiner Heimat entfernt werden.
In der Zeit der Karolinger und Ottonen arbeiteten behauste Unfreie (servi casati) zur eigenen Reproduktion, leisteten aber auch Arbeiten und Abgaben an die villa ihres Herrn. Servi manentes waren (meist jugendliche, unverheiratete) Knechte und Mägde an den großen Herrenhöfen.
Im Hochmittelalter nannte man Menschen in diesem Rechtsstatus proprii (Eigenleute). Aus dem Reservoir der bäuerlichen Eigenleute rekrutierte sich im Zuge der hochmittelalterlichen Expansion und Kolonisation die abhängige Bauernschaft.
Aus den Unfreien für besondere Dienste (Verwaltung, Heerwesen) bildete sich die innerhalb der jeweiligen familia eines Herrn eigene Gruppe der Ministerialen, eine waffenfähige Gefolgschaft, aus der zum großen Teil der Adel des Spätmittelalters hervorging.
Zahlreiche Leibeigene wurden vom 11. bis zum 13. Jahrhundert freigelassen und dabei zu einem bestimmten Zins für einen geistlichen Herrn bestimmt (Zensualen). Diese freizügigen Leute sollen für die Entstehung des städtischen Elements Bedeutung erlangt haben.
Im 13. Jahrhundert verschwimmen im bäuerlichen Bereich die Unterschiede zwischen freien Leuten, Eigenleuten (Leibeigenen) und Zensualen. In Bayern und Südwestdeutschland hat sich Leibeigenschaft als verdinglichte Form von Abhängigkeit bis in das 18. Jahrhundert erhalten.
vgl. P. Blickle, Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten. 2003; Leibeigenschaft. Bäuerliche Unfreiheit in der frühen Neuzeit, hg. v. J. Klußmann. 2003
„Die Leibeigenschaft war ein vielfach gesuchter Rechtszustand, da sie sich auf ein ausgewogenes persönliches Verhältnis zwischen Leibherren und Leibeigenen gründete.“ (Jochen Goetze, Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 7/2002, S. 15)
Leibgedinge
(Altenteil, Leibzucht) die Verpflichtung, Naturalleistungen wie Wohnung, Nahrungsmittel, Hege und Pflege gegenüber einer Person zu erbringen, die meist bei Hofübergaben in der Landwirtschaft zwischen Übergeber und Übernehmer vereinbart wird. In herrschenden Adelsgeschlechtern erhielten früher die einheiratenden Frauen typischerweise die Einkünfte aus konkret bestimmten Gütern, Orten oder Landesteilen ab sofort oder für den Witwenfall überschrieben. Teilweise war damit beim Tode des Mannes auch die Übernahme der unmittelbaren Herrschaftsgewalt der Witwe über die Leibzucht verbunden. Diese Festlegungen waren Bestandteil des vor der Hochzeit ausgehandelten Ehevertrages. http://de.wikipedia.org/wiki/Leibgedinge
Leim
Lehm, klebrige Erdmasse, Kalk. „Der Leim ist eine rohefette Erde ... einiger Leim hat wenig Sand bey sich: dieser ist der beste, ...zum ... Auskleibens derer von Holtze ausgebundenen Wände der Gebäude“. (Angermann 1766, S. 107); vgl. FN Leimen, Leimengrube, Leimbach, Lehmenkaute (vgl. Derwein 1940, Nr. 528f.)
Leichdörner
Hühneraugen
Leimen
von ahd. leimo=“Lehm“ (vgl. FN Leimengrube, liefert das Baumaterial für die Gefache der gezimmerten Fachwerkhäuser)
Lemuren
(gr.-lat.) 1. die Geister Verstorbener, nächtliche Gespenster, zu deren Versöhnung im alten Rom um Mitternacht des 9. bis 13. Mai das Fest der Lemuren gefeiert wurde; 2. Halbaffen, Makis
Lenzmonat
März
Leonensia
schwarze Studenten-Verbindung http://www.leonensia.de/
Leprosorium
Aussätzigenhaus
Lethe
(gr.) Quelle, aus der die Verstorbenen beim Eintritt in die Unterwelt Vergessen trinken
Leuga
römische Entfernungsangabe (2,220 km), vgl. Milia passuum (1586 wird zu Rohrbach bei Sinsheim ein römischer Leugenstein gefunden)
Levi
Sohn Jakobs und Leas. Aus ihm ging der Stamm Levi, einer der 12 Stämme Israels, hervor. Die Leviten übten zur Zeit des Tempels tempeldienerische Tätigkeiten aus. Heute noch werden sie nach den >Kohanim als zweite zur Toralesung gerufen. (Symbol: Wasserkanne)
Leviathan
1. Ungeheuer, Chaosdrache im AT (vgl. Ps. 74, 14; Hes. 27, 1; Hiob 3, 8); 2. Krokodil; 3. Titel eines Werkes von Thomas Hobbes (1651, Symbol für den allmächtigen Staat)
Leviratsehe
(nach lat. levir „Schwager“). Ein nahestehender, verwandter „Löser“ ist verpflichtet, die Nachkommenschaft eines kinderlos Gebliebenen zu sichern, indem er dessen Witwe heiratet. Der erstgeborene Sohn aus dieser Verbindung führt dann die Familie des Verstorbenen fort, die auf diese Weise im Besitz ihres Landes bleibt (Dtn 25, 5-10)
Lewóne f.
(jidd.) Mond
l. fac.
(lat.) lectio facilior “leichtere Lesart”
Libelle f.
(frz.) Schmähschrift
Liber evangeliorum
Evangelienharmonie in südrheinfränkischer Mundart, 863-871 von dem Mönch Otfried von Weißenburg vollendet (heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg http://digi.ub.uni-heidelberg.de/sammlung2/allg/cpg.xml?docname=cpl52)
Liber Medicinalis
um 788 im Kloster Lorsch entstandenes Arzneibuch
Licentia contionandi
Zulassung zum Predigeramt (vgl. Lizenziat)
Licentia docendi
Erlaubnis, auf Hochschulen Vorlesungen zu halten (vgl. Lizenziat, Venia legendi)
Lichtbutz
(mdal.) Gerät zum Abschneiden des Dochtes
Lichtdruck
Reproduktionsverfahren, 1855 von Poitevin erfunden, 1865 von Albert verbessert. Edelstes Druckverfahren zur Wiedergabe von Originalgemälden, nur für niedrige Auflagezahlen geeignet.
Lichtgerechtigkeit
das Recht, ein Fenster direkt auf ein Nachbargrundstück hinaus bauen oder erhalten zu dürfen
Lichtmeß, Mariae
Festtag am 2. Februar. Nach dem Sachsenspiegel beiderseitiger Kündigungstermin zwischen Herrn und Zinsmann
Liederkranz vgl. Heidelberger Liederkranz
liegendes Vermögen
Immobilien, unbewegliche Habe (Grundstück, Haus). Gegensatz: fahrendes Vermögen
Ligatur
(Typographie) zusammengesetzte Buchstaben auf einem Kegel, z. B. Æ, Œ
Ligurer
vermutlich vorindoeuropäische Bevölkerung des westlichen Alpenraums, insbesondere des Oberrheins, der Westschweiz, des Rhônegebiets, der Poebene, der französischen und italienischen Riviera und Korsikas. Sie zählen daher zu den alteuropäischen Völkern und sind die Träger der Terramarekultur, einer bronzezeitlichen Kultur um Genua.
Seit 700 v. Chr. wurden die Ligurer von den Kelten aus den genannten Wohngebieten auf das heute als Ligurien bezeichnete Küstengebiet zurückgedrängt, bildeten aber vor allem im Rhonetal auch eine den Keltiberern vergleichbare Mischbevölkerung mit keltischen Stämmen. Ab dem Jahr 238 v. Chr. gerieten sie unter die Herrschaft der römischen Republik, nachdem sie bereits in der Zeit zuvor Hilfstruppen in den römischen Legionen gestellt hatten. http://de.wikipedia.org/wiki/Ligurer
(Brauneisenerz, Brauneisenstein) ein sehr häufig zu findendes, eisen- und wasserhaltiges Gestein, bestehend vor allem aus den Mineralen Goethit, Lepidokrokit und verschiedenen anderen hydrierten Eisenoxiden. Neben Magnetit und >Hämatit stellt Limonit das wichtigste Eisenerz dar, das heute noch in vielen Ländern in Großtagebauen gewonnen wird. In der Antike spielte Brauneisenerz zur Eisenerzeugung eine geringere Rolle als Hämatit, das in den alten Rennfeuern besser verhüttbar war. Erst mit der Einführung der Stück-, Blau- und Hohen Öfen im 16. Jahrhundert begann das Aufblühen der Brauneisenerzgewinnung. In seiner Eigenschaft als Anteil der Erdpigmente zählt er zu den frühesten, vom Menschen genutzten Materialen und läßt sich in steinzeitlichen Höhlenmalereien und Felsbildern nachweisen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Limonit
Lindwurm
wurmartiges Tier mit spitzem Kopf, aufgerissenem Rachen, vier Füßen und Fledermausflügeln (vgl. Drache)
Lisene
Mauerblende, flache, senkrechte Verstärkung einer Wand, die nur wenig aus dieser hervortritt. Dient zur optischen Gliederung einer Fassade (sichtbar bei vielen Heidelberger Barockhäusern)
Literae pl.
(lat. littera „Buchstabe“) Vor Einführung der durchlaufenden Hausnummern innerhalb der einzelnen Straßen (i.e. vor 1856) war die Stadt in vier Quartiere („Literae A, B, C, D“) eingeteilt
Literarische Führungen
vgl. Michael Buselmeier, Literarische Führungen durch Heidelberg. eine Stadtgeschichte im Gehen. Überarb. u. erw. Neuaufl. Heidelberg 1996 http://www.deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3772512445
Litotes
(gr.) „Einfachheit“. Anwendung eines scheinbar schwächeren Ausdrucks zur stärkeren Hervorhebung (z.B. nicht wenig für viel)
Litwak m.
(jidd.) Jude aus Litauen, Weißrußland, Lettland (auch als Schimpfwort; Gegensatz: Galizianer)
Lizenziat
(lat.-dt. „mit Erlaubnis versehen“). Gelehrter, der die Lehrberechtigung an der Theologischen, Juristischen oder Medizinischen Fakultät (Licentia docendi) erhalten hat (z.B. Marquard Freher, kurfürstlicher Rat Lic. iur. †1614; Licentiat Christian Sawerbreu †1590). Der Lic. theol. wurde fast allgemein durch den Doktortitel ersetzt (vgl. Licentia docendi)
Loch
Gebüsch, Wäldchen (vgl. Lohe)
loco citato (l. c.)
(lat.) am angeführten Ort (eines Textes)
Löwe
eines der drei Heidelberger >Wappentiere (Pfälzer Löwe, vgl. Brunnen auf dem Universitätsplatz). >Herkules trägt die Haut des von ihm erlegten >Nemëischen Löwen (vgl. Brunnen auf dem Markt). Der Löwe ist das Tierkreiszeichen für Juli, die Sommermitte. Der geflügelte Löwe ist das Attribut des Evangelisten Markus und daher das Wappentier Venedigs. (vgl. Hans-Martin Mumm, Tore, Türme, Tiere, Tafeln. Gestaltungen und Zeichen städtischer Selbstdarstellung. Zur Vor- und Frühgeschichte des Stadtmarketings, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. 12/2008, S. 183-197)
Löwenorden, pfälzische
Am 31. Dezember 1767 stiftete Kurfürst Carl Theodor zum Andenken an sein 25jähriges Regierungsjubiläum den Pfälzischen Löwenorden (1808 von König Max Joseph von Bayern aufgehoben) (vgl. >Orden vom Zähringer Löwen)
Lohe
Baumrinde, Gerberlohe, zerkleinerte und gemahlene pflanzliche Gerbmittel (Eichen- oder Fichtenrinde, Früchte etc.)
Loh- oder Rotgerber
gerbt das Leder mit Lohe anstatt mit Alaun wie der Weißgerber (vgl. Leyergasse)
Lohkäse
vgl. Derwein 1940, Nr. 423
Lopodunum
85-150 n. Chr. wird das untere Neckarland mit dem Hauptort Lopodunum (98 n. Chr. von Kaiser Traianus gegründet) zur römischen >Civitas Ulpia Sueborum Nícrensium (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Teil I, in: Kraichgau 10/1987, S. 85f.) (vgl. Suebi Nícrenses)
Lorscher Codex
(lat. Codex Laureshamensis) ein ungefähr zwischen 1167 und 1190 in der Reichsabtei Lorsch angelegtes handschriftliches Buch. Es enthält eine umfangreiche Klostergeschichte, ein >Kopialbuch von über 3800 Urkunden sowie einige >Urbare. Der besondere Wert vor allem des Kopialbuches liegt darin, daß die darin enthaltenen Abschriften die einzige erhaltene Überlieferung der vollständig verloren gegangenen Originalurkunden darstellen, die sich einst im Archiv der bedeutenden Reichsabtei befunden hatten. Der CL wurde erstellt, um die Rechte und Besitztümer des Klosters Lorsch zu dokumentieren und damit der Abtei langfristig zu sichern. Er wurde zusammengestellt, als die Lorscher Macht bereits zurückging. Er besteht aus 3836 urkundlichen Eintragungen (Traditionsnotizen) eines Rechtsvorgangs (Kauf, Schenkung usw.) mit den dazugehörigen zitierten Urkunden (von Königen, Päpsten usw.). Diese Urkunden wurden stark verkürzt wiedergegeben. Die ältesten Rechtsgeschäfte sind ab 764 beschrieben und registriert. Weiterhin enthält der CL zwei Gönnerverzeichnisse und eine Äbtechronik. Die Äbtechronik dient vor allem als Quelle für die Baugeschichte und der Entwicklung des Kirchenschatzes. Der Text des CL ist in karolingischen Minuskeln geschrieben. Der CL ist die älteste geschriebene Geschichtsquelle für hunderte von Orten und beweist damit, daß bereits im 9. Jahrhundert zahlreiche Ortschaften existiert haben müssen. Zu beachten ist, daß im Kopialbuch oft alte Namensformen neben zeitgenössischen zu stehen kommen.
Im CL verzeichneten die Mönche des Lorscher Klosters neben Kauf- und Tauschverträgen die dem Kloster gemachten Schenkungen von Dörfern, Gehöften, Ländereien und allerlei sonstigen schätzenswerten Dingen auf Grund der ihnen vorliegenden Originalurkunden. Zuerst werden die Schenkungen von Kaisern und Fürsten genannt und dann die aus dem Volke, letztere geordnet nach Gauen.
Die unter Karl Theodor in Mannheim gegründete >Pfälzische Akademie der Wissenschaften gab 1768-1770 das Werk erstmals im Druck heraus. Das Original wird heute im Staatsarchiv Würzburg (bayerisches Staatsarchiv mit Zuständigkeitsbereich Unterfranken) aufbewahrt.
http://alo.uibk.ac.at/webinterface/library/COLLECTION_V01?objid=18716 (C.L. online)
http://www.degener-verlag.com/assets/s2dmain.html?http://www.degener-verlag.com/53065798911421704/53065799920d74512.html (C.L. Faksimile-Ausgabe, Degener Verlag)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lorscher_Codex
http://home.arcor.de/heimatmuseum-nauheim/codex/codex.htm (Heimatmuseum Nauheim/Südhessen)
Lorscher Evangeliar
die 4 vollständigen Evangelien mit den Kanontafeln, um 810 angefertigt und von Karl dem Großen der Lorscher Abtei geschenkt
Spottgedicht im Lorscher Codex aus dem Jahre 1111, gegen reformwillige Mitbrüder aus dem Kloster Hirsau. Auszug:
Siehe, da gibt es gar viele, die kühn sich als Mönche gebärden,
Hirse- Verzehrer, nach Hirse benannt und höchst würdig des Namens,
Hausend im Wald, auch die Herzen vom Dickicht des Waldes umstricket;
Hirsauer, Irrlehrer,
welche, die Weiten der Lande durcheilend, Menschen von schlichtem Gemüte durch listige Worte betören.
Oftmals scheint Heiterkeit aus den beherrschten Gesichtern zu sprechen; alles ist Trug, denn
im Innern sind sie nur reißende Wölfe, listige Füchse und ängstliche Hasen und tobende Leuen.
Lächerlich und übertrieben sind ihre Tonsuren und Kutten.
Nur Pharisäer sie sind und sie wagen es, Christum zu täuschen.
Nur übertünchte Begräbnisse, innen voll Unrat und
Gierig erhaschend den billigen Beifall des einfachen Volkes,
breiten sie weit ihre Tunica,protzend mit faltiger Kutte. (...)
Lorscher Totenbuch
Ab 1320 in Lorsch angelegter und bis zum Ende des Klosters im Jahre 1557 fortgesetzter Nekrolog. Dieser ist eingebettet in ein so genanntes Kapiteloffiziums-Buch. Jeden Morgen, wenn sich die Lorscher Prämonstratenser zum „Kapitel“ trafen, wurde daraus vorgelesen: die Namen der Tagesheiligen, ein Kapitel aus der Augustinusregel und die Einträge zum jeweiligen Tag aus dem Totenbuch. Im „Totenbuch“ sind vorwiegend Mitglieder des Lorscher Konvents verzeichnet, aber auch einige Konventualen befreundeter Klöster sowie die Namen bedeutender Stifter und Wohltäter, welche die Abtei in besonderer Weise gefördert hatten. Verzeichnet sind über zweitausend Namen von Königen und Kaisern, Päpsten und Bischöfen, Rittern und Bürgern, Mönchen, Klerikern und Nonnen, Bauern und Knechten. Eingetragen wurden diese Menschen zum Tag ihres Todes oder zum Tag getätigter Schenkungen. Die Mönche sollen an diesem Tag für die Menschen beten. Das Lorscher Totenbuch ist damit nicht nur eine Quelle vieler historischer Namen, sondern auch für die spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte der Region. (Standort: Universitätsbibliothek Würzburg) http://www.morgenweb.de/service/archiv/artikel/672351676.html
Loschn
(jidd.) „Sprache“
Loschn hara
talmud. für „üble Nachrede, Klatsch, Zuträgerei“
Loschn-kojdesch n.
(jidd.) „heilige Sprache“ (Hebräisch als jüdische Kultursprache; vgl. Kaddisch, Mame-loschn)
Losung
Vermögenssteuer (im Gegensatz zum Ungeld)
Louisdor
französische Hauptgoldmünze, 1640-1794 geprägt
Louis-Seize-Stil
1787 baut Johann Andreas von Traitteur das Barockhaus an der Ecke Haspelgasse/Fischmarkt für seine Bedürfnisse im Louis-Seize-Stil um
Löwenstein-Wertheim, Haus
Adelshaus, welches auf Graf Ludwig von Löwenstein (1463–1524) zurückgeht, der aus der morganatischen Ehe zwischen dem pfälzischen Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen und der Augsburger Bürgertochter Clara Tott (Dett) hervorging. Als illegitimer Nachkomme kam er für die Erbfolge in der Kurpfalz nicht in Frage, weshalb ihn sein Vater u.a. mit dem pfälzischen Amt Löwenstein ausstattete. Aufgrund der Niederlage im >Landshuter Erbfolgekrieg fiel die Grafschaft Löwenstein 1510 unter württembergische Oberhoheit. Die Grafen von Löwenstein erlangten durch Heirat auch Besitz der Grafschaft Wertheim, wohin sie später umzogen und sich seitdem zu Löwenstein-Wertheim nennen. http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wenstein-Wertheim
L. S.
locus sigilli = „Siegelstelle“ bzw. loco sigilli = „statt des Siegels“. Wenn Urkunden abgeschrieben werden, wird an die Stelle des Original-Siegels 'L. S.' geschrieben.
Luciae
13. Dezember
Luder
mhd. luoder „Lockspeise, Schlemmerei, lockeres Leben“
Lumbeck, Lumbecken
(nach Emil Lumbeck, 1886-1979) fadenlose Klebeheftung von Büchern, bei der einzelne Blätter zu Buchblöcken verbunden werden
Luppe
(von frz. la loupe) der bei der Schweißstahlherstellung aus dem Puddelofen kommende rohe Stahlklumpen
Lustrum
(lat.) Zeitraum von 5 Jahren
Luthereiche
im November 1883 zum 400. Geburtstag des Reformators im Garten der St. Peterskirche östlich des Chors gepflanzter Baum
Lutherglocke
am 29. Mai 1884 zur Erinnerung an die Feier des 400. Geburtstag Martin Luthers am 10./11. November 1883 geweihte Glocke für die evangelische Kirche Heidelberg-Wieblingen (1942 zu Kriegszwecken abgegeben)
Lutra Caesarea
(nlat.) Kaiserslautern
Lychnologie
(von griechisch lychnos=Lampe, Leuchter, Licht) Gebiet der archäologischen Forschung, das sich mit den Fragen der künstlichen Leuchtmittel vom Altertum bis zur frühen Neuzeit befaßt. Forschungsobjekt sind die technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte der Leuchtgeräte, also Herstellung, Ausbreitung und Entwicklung der Lampentypen seit den Anfängen.
(hebr. „Wiederholung“) Jüdisches Gebetbuch zum religiösen Jahreszyklus und den Festtagen
Maëutik
(gr.) sokratische Hebammenkunst. Methode, durch geschicktes Fragen die im Partner schlummernden, ihm unbewußten richtigen Antworten und Erkenntnisse heraufzuholen
Mage m.
(mhd. mâc) Verwandter (vgl. Schwertmage, Spillmage)
Magen David
(„Schild Davids“) Der von zwei ineinandergreifenden Dreiecken gebildete sechszackige Stern wurde ab dem späten Mittelalter zum Symbol jüdischer Identiät
Magenta
1. Stadt in der Provinz Mailand; 2. rote Druckfarbe (vgl. CMYB)
Maggid
(hebr. magíd „Sprecher“) (jidd.) Lehrer, Wanderprediger
Magister artium
(lat.) Meister der (7) freien Künste. Diese sind Grammatik, Rhetorik, Dialektik (=Trivium), Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie (=Quadrivium). Der Ausdruck Artes liberales bedeutet, daß diese Beschäftigungen eines freien Mannes würdig waren (Gegensatz: Artes illiberales, mechanicae, sordidae, die unfreien, mechanischen oder schmutzigen Tätigkeiten). Die freien Künste wurden in den Kloster- und Domschulen sowie in der Artisten-Fakultät der Universitäten auf hohem Niveau gelehrt, wobei der Schwerpunkt auf dem Trivium lag. Ab dem 11. Jahrhundert stand die Dialektik im Zentrum des Lehrbetriebs (>Scholastik)
Magsamen
Papaver somniferum, Kulturpflanze
Maifisch
Neckarfisch, früher im Mai scharenweise zum Laichen aufsteigend, Hauptlaichplatz bei der Bergheimer Mühle (vgl. Else, Undelinge)
Maille-Spiel
In den Gärten des Barock gab es eine lange Bahn für das beliebte Maille-Spiel, eine Art Bahnkrocket, das mit Holzkugeln und hölzernen Schlägern gespielt wurde. (vgl. Palmaille)
Mairew m.
(jidd.) «Westen»
Maître d´hôtel
(frz.) Haushofmeiter
Majorat
Erstgeburtsrecht, Erstgeburtsgut (Gegensatz: Minorat)
majorenn
volljährig, großjährig, mündig (Sachsenspiegel: „zu seinen Tagen kommen“ = 21 Jahr alt werden) (Gegensatz: minorenn)
Makkabäus
(„Hammer“) Beiname des Judas, Sohn des Priester Mattathias aus dem Geschlecht der Hasmonäer, die 165 v. Chr. den Aufstand gegen den Seleukidenherrscher Antiochos IV. führten. Das Fest >Chanukka erinnert an die Einweihung des Tempels nach dem Sieg der Makkabäer über die syrisch-griechischen Besatzer (Makk. 1 und 2).
Malleus maleficarum
„Hexenhammer“. Name einer 1487 von Institoris und Jacob Sprenger herausgegebenen Zusammenstellung des Hexenprozeßrechts
Maloche f.
(„Schufterei, Plackerei, Drecksarbeit, Knochenarbeit, Knochenjob“) Jiddismus; aus dem Rotwelschen entlehnt, wo es seit dem 18. Jahrhundert bezeugt ist; dorthin über das Westjiddische melōche, malōche „Arbeit; Handwerk; Kunststück, Meisterstück“, das seinerseits aus dem Hebräischen melākā „Arbeit“ entstammt; verbreitete sich von Berlin aus. (vgl. Galach malochen)
http://de.wiktionary.org/wiki/Maloche
Malter
Hohlmaß, Getreidemaß (111,2 Liter = 16 Kumpf)
Malvasier
(von malvasia, it. Form des Namens der gr. Stadt Monemvasia) süßer Südwein
Mame-loschn
(jidd.); Muttersprache, Jiddisch. (hebr. loschn „Zunge, Sprache“). Das Jiddische wurde zur Muttersprache der Juden, weil die Frauen nicht am Hebräisch-Unterricht teilnehmen durften. (vgl. Loschn-kojdesch)
Mammutbaum
Sequoia, Nadelholzgattung der Sumpzypressengewächse in Kalifornien. Sequoia gigantea (Riesenmammutbaum), bis 100 m hoch, bis 4000 Jahre alt. Sequoia sempervirens (eibennadliger Mammutbaum, Redwood)
Mande, Manne
runder Korb mit zwei Henkeln
Mandelsulz (Blanc manger)
Gericht, das bereits im Mittelalter bekannt war und das typischerweise ausschließlich aus weißen Zutaten zubereitet wird. Als fleischlose Variante war es auch eine populäre Fastenspeise. Eine wichtige Zutat ist Mandelmilch, eine weitere Gelatine. Die neuzeitliche Variante ist eine Süßspeise, die heute noch bekannt und verbreitet ist. Ursprünglich konnte Blanc manger aber sowohl süß als auch herzhaft zubereitet werden, wobei die frühe Kochkunst bei Hauptgerichten jedoch meistens mehrere Geschmacksrichtungen mischte. Rezepte sind seit dem 14. Jahrhundert aus verschiedenen europäischen Ländern überliefert. Kulturhistoriker halten es für möglich, dass das Gericht ursprünglich aus der arabischen Küche übernommen wurde.
„Weißes Essen“ war eine gehobene Speise des europäischen Adels. Es wird u. a. im Prolog der Canterbury Tales erwähnt. Die wichtigsten Zutaten waren Milch oder Mandelmilch, Zucker, Huhn oder Fisch, häufig auch Reis. Es war jahrhundertelang ein Hauptgericht und wurde erst im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem Dessert, das dann auch mit Gelatine (bzw >Hausenblase) zubereitet wurde und nach unserem heutigen Verständnis ein Pudding ist. Im 18. Jahrhundert war Mandelsulz in der deutschen Küche ein „Beigericht“, also noch kein Nachtisch.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mandelsulz
http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Blanc-manger
http://www.hertzmann.com/articles/2003/blanc/
Mandorla
ein die ganze Figur umschließender Heiligenschein
Manesse
Patrizierfamilie aus Zürich. Stammsitz Burg Manegg oberhalb von Leimbach bei Zürich. Besonders in Erscheinung traten im 14. Jahrhundert der Ratsherr Rüdiger von Manesse (1252–1304) und sein Sohn Johannes von Manesse. Heute scheint diese Patrizierfamilie ausgestorben. Zu Ehren vor allem des Ritters Rüdiger von Manesse wurde in Zürich im Jahre 1935 der Manesseplatz benannt. Die >Manessische Liederhandschrift wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von Rüdiger von Manesse und seinem Sohn Johannes als Sammlung höfischer Lyrik im Zürich des frühen 14. Jahrhunderts in Auftrag gegeben. Gottfried Kellers Novelle „Der Narr auf Manegg“ (1877) macht die Liederhandschrift zum Thema.
Manessesche Liederhandschrift
Codex Manesse, Große Heidelberger Liederhandschrift (Cod. Pal. Germ. 848), umfangreichste Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, 1305/1340 im Auftrag des Zürcher Patriziergeschlechts der Manesse von Manegg als Sammlung der Liedertexte von 140 Dichtern entstanden; seit 1657 im Besitz der Pariser Bibliothèque Nationale, am 3. März 1888 unter dem Bibliothekar Karl Zangemeister durch Vermittlung des Straßburger Buchhändlers Karl Ignaz Trübner in die Universitätsbibliothek Heidelberg zurückgekehrt. (heute: Universitätsbibliothek Heidelberg http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cpg848) vgl. www.manesse-bild.uni-Heidelberg.de
Manichäer
Anhänger des Mani. Der Manichäismus strebt die Erlösung aus der Finsternis durch das Licht an. Er vereinigt Christentum, Parsismus und Buddhismus.
Manierismus
(von it. maniera=“Eigenart“) (auch: Preziosität). Moderner Stilbegriff (Kunst, Literatur, Musik) für die Spätrenaissance ab etwa 1520 bis Anfang 17. Jahrhundert. Merkmale: Abwendung von den klassischen Idealen der Renaissance, Streckung und Entkörperlichung der Figuren (lange Körper, kleine Köpfe), Aufhebung ihrer Standfestigkeit, Erstarrung der Bewegung, Verunklarung der Raumzusammenhänge, Brechung der Farben, Wechsel von Hell und Dunkel, Betonung des Formalen, der ästhetischen Funktion ohne direkte Beziehung zum dargestellten Inhalt. Vertreter: Michelangelo, Tintoretto, Arcimboldo, Greco, Palladio, Shakespeare, etc.
Manita
afrikanischer Chor an der Kapellengemeinde Heidelberg www.manita-heidelberg.de
Manna
1. Himmelsbrot, die von Gott den Juden auf ihrem Weg durch die Wüste gespendete Speise, 2. Abführmittel aus dem Saft der Manna-Esche (Fraxinus ornus), 3. Am 1. Mai 2005 gegründete Einrichtung der evangelischen Kapellengemeinde Heidelberg in der Plöck 43 http://www.manna-hd.de/standard/page.cfm/225.htm
Manne Friederich
vgl. Hölzerlips-Bande
Mansarddach
Variante des Satteldachs, bei der die beiden Dachflächen einen Knick aufweisen, so daß ihr unterer Bereich wesentlich steiler als der obere Bereich ist.
Mansart
Nicolas François Mansart, auch Mansard (*23. Januar 1598 in Paris; †23. September 1666 in Paris), französischer Architekt und Baumeister. 1625 zum Architekten des Königs ernannt und somit oberster Baumeister für sämtliche offiziellen Bauvorhaben im Frankreich Ludwigs XIII. Dieses Amt hatte er auch nach dem Tod Ludwigs XIII 1643 unter seiner Witwe, der Regentin Anna von Österreich und später dem jungen Ludwig XIV. inne. Als sein Hauptwerk gilt das Schloß Maisons-Laffitte und seine Parkanlagen (1642 bis 1651). Die ihm bzw. seinem Neffen als Erfindung zugeschriebenen und daher nach ihnen benannten Mansarddächer bauten sie zwar beide gerne in ihre Entwürfe ein, erfunden haben sie diese jedoch nicht.
Mantel
besonders hoher Teil einer Ringmauer, der die Kernburg schützt, aber im Vergleich zu einer Schildmauer eine geringere Dicke aufweist
Margaethae
(13. Juli) Nothelferin, Schutzheilige der Landwirtschaft
Marginale
Anmerkung am Rande einer Handschrift oder eines Buches (>Glosse)
Mariae Magdalenae
22. Juli
Mariae Verkündigung
25. März
Marianische Bürgersodalität
1713 von den Jesuiten gegründete >Bruderschaft (vgl. Akademische Marianische Kongregation)
Laienorganisation der Jesuiten, 1563 vom flämischen Jesuitenpater Jean Leunis in Rom gegründet; bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1967 hieß die Organisation Congregatio Mariana. Von Rom verbreiteten sich die M. K.en in den Jesuitenkollegien Italiens, Frankreichs, Spaniens und Deutschlands. Ursprünglich waren die Mitglieder ausschließlich aktive oder ehemalige Schüler von jesuitisch geleiteten Schulen, später wurden auch andere Jungen und Männer aufgenommen. 1578 wurden die M. K.en von den Jesuiten anerkannt. 1584 folgte Papst Gregor XIII. und übertrug gleichzeitig der ersten Kongregation in Rom die Führerschaft über die anderen M. K.en. Ihr Ziel war die Marienverehrung und das Apostolat. Bei der Aufnahme musste jeder „Sodale“ eine Lebensweihe an Maria ablegen. Im Jahre 1576 war die Organisation auf 30.000 Mitglieder weltweit angestiegen, die sich meist Schülern und Studenten rekrutierten. (1713 gründen die Jesuiten in Heidelberg die Marianische Bürgersodalität.) Bis zum zeitweiligen Jesuitenverbot ab dem Jahr 1773 wurden die M. K.en nur von Jesuiten geführt. Nach der Ordensaufhebung ordnete der Papst die M. K.en den Bischöfen zu. Die Leitung ging auf die Priester (Präsides) über mit einem Laienrat (Konsult). Damit waren die M. K.en von ihren ignatianischen Ursprüngen abgeschnitten und wurden zu einer frommen Massenbewegung. Im Jahre 1948 hatten sie eine Mitgliederstärke von 80.000 erreicht. 1967 wurde der offizielle Name geändert, in Deutschland von „Marianische Kongregation“ in „Gemeinschaft Christlichen Lebens“. Die Mitglieder werden auf Deutsch als Sodalen (Singular: der Sodale, „Gefährte, Freund, Kamerad“, von lat. sodalis) bezeichnet (vgl. Marianische Bürgersodalität; vgl. Akademische Marianische Kongregation)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Christlichen_Lebens
Stiftung des bürgerlichen Rechts, genehmigt am 6. Dezember 2000 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Stifter: Marienverein Heidelberg e.V. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung bedürftiger Personen und Einrichtungen der Katholischen Kirche im Bereich der heutigen Grenzen des Dekanats Heidelberg und die Förderung von Kunst und Kultur in Heidelberg. Vorstand: Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Mittler, Pfarrer Ludwig Bopp. http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/show/1119559/Marienhaus-Stiftung.pdf
Mark f.
(ahd. marcha, mhd. marc) 1. Grenze, Grenzland, umgrenztes Gebiet; 2. Land, das zu einer Siedlung gehört (Dorfmark); 3. genossenschaftlich genutztes Waldgebiet; 4. Markgrafschaft; 5. am 1. Januar 1875 im Deutschen Reich eingeführte dezimale Währung (1 Mark=100 Pfennige, 7 Gulden werden in 12 Mark umgetauscht)
Markaner
Bewohner der westfälischen Grafschaft Mark (Gegensatz: Märker=Bewohner der Mark Brandenburg)
Marketerie
(frz.-dt.) Einlegearbeit. (1916 gab es in Heidelberg laut Adreßbuch 2 Marqueteure)
Marketing
(engl. „einen Markt machend“) Gesamtheit aller Tätigkeiten, welche erwachsen, wenn Güter oder Dienstleistungen vom Erzeuger an den Verbraucher herangetragen werden sollen (Marktvorbereitung, Verkaufen, Verkaufsförderung, Vertrieb, Werbung etc.), marktgerichtete und marktgerechte Unternehmenspolitik.
Markgraf
Titel für einen Grafen als königlichen bzw. kaiserlichen Amtsträger, der eine Grenzmark, also ein Gebiet, das direkt an der Reichsgrenze des Fränkischen Reichs bzw. Ostfrankenreichs gelegen und zur Verteidigung dieser Grenze errichtet worden war, zum Lehen hatte.
Das Amt des Markgrafen wurde von Kaiser Karl dem Großen um 800 eingeführt und von seinen Nachfolgern lange Zeit beibehalten. Karls Ziel war es, die Grenzen des in blutigen und langen Kriegen erweiterten Reiches gegen Angriffe von außen zu sichern.
Zur Erfüllung ihrer Aufgabe erhielten die Markgrafen Grenzgebiete vom König/Kaiser direkt als Lehen. Die Markgrafen hatten gegenüber den gewöhnlichen Grafen besondere Befugnisse. Wehrhafte Bauern wurden im ganzen Frankenreich zur Ansiedlung in den Marken angeworben, so daß die Markgrafen z. T. beträchtliche Heere selbst aufbieten konnten (sog. „Heerbann“). Zudem übten sie die Gerichtsbarkeit aus, ohne dass diese ihnen durch den König übertragen wurde („ohne Königsbann“). Die Markgrafen wurden in der frühen Zeit vom Kaiser durch besondere Sendboten kontrolliert.
Zahlreiche Markgrafen, die ursprünglich aus dem niederen Adel oder Ritterstand stammten, konnten sich in den Marken eine mächtige Position aufbauen, die später für machtpolitischen Einfluss innerhalb des Reiches genutzt wurde. Dementsprechend stammen einige spätere Königshäuser von Markgrafen ab, so z. B. die Wettiner als Inhaber der Mark Meißen und die Askanier als Inhaber der Mark Brandenburg.
Vom 12. Jahrhundert an wurden die meisten Markgrafschaften in Reichsfürstentümer umgewandelt. Der Titel eines Markgrafen war also dem eines Fürsten nicht nur gleichgestellt, er war auf Grund seiner alten Wurzeln oftmals mit wesentlich mehr Ansehen unter den Großen des Reiches verbunden, ähnlich dem Titel eines Landgrafen, mit dem er ebenfalls gleichgestellt war. Der Markgraf von Brandenburg erhielt mit der Goldenen Bulle von 1356 sogar kurfürstliche Rechte - die mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 ebenfalls dem Markgrafen von Baden zuerkannt wurden.
Nach dem Sturz der deutschen Monarchien 1918 gingen die späteren Chefs des königlichen Hauses Sachsen und des großherzoglichen Hauses Baden aus Traditionsgründen dazu über, wieder den Namen eines „Markgrafen von Meißen“ bzw. eines „Markgrafen von Baden“ zu führen. http://de.wikipedia.org/wiki/Markgraf
Markt, Marktplatz
(lat. mercatus, zu merx „Ware“=. 1. Platz zum An- und Verkauf von Waren aller Art; 2. zeitlich begrenzter An- und Verkauf an bestimmten Wochentagen (Wochenmarkt) oder einmal jährlich für mehrere Tage (Jahrmarkt). Sonderformen (Viehmarkt, Weinmarkt etc.). Zum Abhalten von Märkten bedurfte es im Mittelalter höchster Genehmigungen, ursprünglich durch den Kaiser bzw. König (>Regal). 1067 verlieh König Heinrich IV. der Abtei Lorsch das Münz- und Marktrecht. 1357 verlieh Kurfürst Ruprecht I. der Stadt Heidelberg einen zweiwöchigen Markt (nach 2 Jahren eingestellt).
Marschall vgl. Hofämter, Goldene Bulle
Marsiliuskolleg
interdisziplinäres Graduiertenkolleg an der Universität Heidelberg (gegründet 2008)
Marstall
(zu ahd. marah „Pferd“). Gebäude einer Burg oder eines Schlosses, in dem die Pferdeställe der Herrschaft samt den Tieren, Wagen, Kutschen und Pferdegeschirren untergebracht sind.
Marxtag
25. April
Masl vgl. Massel
Masora
(hebr.) „Überlieferung“, die von jüdischen Schriftgelehrten des 7.-10. Jahrhunderts, den Masoreten, verfaßten textkritischen Bemerkungen zum hebräischen Text des AT
Massel und Broche
(jüd.-dt.) (jidd. massel, masl=“Glück“, broche=“Segen“) „Glück und Segen“
Massel tow
(jidd.) (massel=“Glück“, tow=“gut“) (hebr. masál „Sternzeichen“) „Glückwunsch!, Gratuliere!, Gott sei Dank!“ (also nicht: „Viel Glück!“)
Maßwerk
geometrisch konstruiertes, schmückendes Bauelement, mit dem Zirkel gemessen, an gotischen Bauwerken
Materialist
Kleinhändler, auf Drogen und Spezereien oder als Gewürzkrämer spezialisiert. Christoph Keller hatte in der Hauptstraße 118 eine Materialienhandlung, die 1862 in Brand geriet. Er verlegte daraufhin seine Farb- und Gewürzmühle in das Quartier zwischen Gaisbergstraße und Rohrbacher Straße. Ein anderer Materialist war C. A. Thomas in der Hauptstraße, D 41, Vorgänger der Drogerie Thomas. (vgl. Ulrich Kienholt, Von Heidelberger Drahtziehern und Materialisten, in: Die Heimat. Beilage der Heidelberger Neueste Nachrichten Heidelberger Anzeiger Nr. 27, 8. Juli 1933, S. 1)
(von lat. "matricula"). Historisch geht die Bedeutung auf das Metroon in Athen zurück. In diesem Tempel der Göttermutter wurde das athenische Staatsarchiv aufbewahrt. Die Begriffe >Immatrikulation und Exmatrikulation leiten sich daraus ab.
-Verzeichnis der Kirchen (viele Kirchen und Orte verdanken ihre erstmalige Erwähnung der Auflistung in Kirchenbüchern)
-Adelsmatrikel, Verzeichnis von Personen oder Familien, die zum Zwecke der Nachweisbarkeit der Adelseigenschaft angelegt wurde (>Wappenrolle)
-Reichsmatrikel, Verzeichnis der Reichsstände des Heiligen Römischen Reiches
-Universitätsmatrikel, Verzeichnis der Mitglieder einer Universität. Die individuelle Registrierung als universitätszugehörige Person bedeutete im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Zugehörigkeit zu einer anderen Gerichtsbarkeit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Matrikel
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/unihdmatrikel.html (Die Matrikel der Universität Heidelberg 1386 - 1920 digital)
Mattes Verlag
Matutin
nächtliches Stundengebet (vgl. Mette; Komplet)
Maueranker
meist metallene, seltener hölzerne Verstrebung in einer Wand oder Mauer zur Verbesserung der Statik des Mauerwerks. Weil Maueranker meist an der Fassade sichtbar sind, werden sie oft dekorativ als Zahlen, Buchstaben, Ornamente oder Rosetten geformt. - Nicht in die Mauern eingelegte, sondern im größeren Teile ihrer Länge sichtbar bleibende Anker werden häufig Schlaudern genannt.
Maulbeerbaumanpflanzungen
„Die Maulbeerbaumanpflanzungen, vom Churfürsten Carl Theodor nur in der besten Absicht für die Emporbringung der Industrie angeordnet, gab, wie in der ganzen Pfalz, so auch in Heidelberg zu bittern Klagen Anlaß. Die Stadt mußte auf unmittelbaren churf. Befehl jährlich 457 Stück Maulbeerbäume kaufen und auf ihre Allmente pflanzen und das schon seit 20 Jahren. Von 10.000 Stück waren 1790 kaum 2000 übrig, sie wollten nicht gedeihen. Dadurch kam die Stadtkasse allerdings in Nachtheil, da das Stück 12-15 Kreuzer kostete und außerdem ein Personal für Pflanzen und Beaufsichtigen gehalten werden mußte. Außerdem mußte jeder Bürger bei seiner Annahme drei Bäume kaufen und pflanzen. Der zur Beaufsichtigung der gesammten Pflanzungen in der Stadtmark angeordnete „Obmann“ erhält 40 fl. aus der Stadtkasse; aus den Stadtwaldungen mußten die Stickel unentgeltlich geliefert werden. Längs der Schwetzinger Straße waren die an sie stoßenden Güter von Heidelbergern mit solchen Bäumen bepflanzt, wodurch die Güter selbst natürlich Schaden litten. – Allein die Aufhebung dieser Last war vom Churfürsten vorerst nicht zu erlangen.“
Maulwurfsgrille
(Gryllotalpa gryllotalpa, Werre). Unterirdisch lebende, etwa 4 cm lange Grille, mit schaufelartigen Vorderbeinen, durch Wühlen und Wurzelvernichten schädlich. (vgl. Werrgasse)
Mauritii
22. September
mauscheln
(jüd.-dt.) jüdisch reden
Mausoleum
(gr.-lat., nach dem altakarischen König Mausolos) prächtiges Grabmal
Mazze, Mazza, máze f., pl. mazot
(jidd.) ungesäuertes Brot aus Mehl und Wasser ohne Salz. >Pessach erinnert an den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten, welcher die 200 Jahre währende Knechtschaft beendete. Jegliche gesäuerte Speise (>Chamez) ist verboten, und so wird ungesäuertes Brot verzehrt.
mechule
(jidd.) „kaputt“
Medardi
(8. Juni) Medardus=Schutzheiliger der Heuernte
Mediatisierung
Durch den Reichsdeputationshauptschluß am 25. Februar 1803 werden zur Entschädigung der linksrheinisch depossedierten weltlichen Fürsten die geistlichen Reichsstände (bis auf das Kurfürstentum Mainz, den Deutschen und den Johanniterorden) säkularisiert und die meisten Reichsstädte mediatisiert (=der Reichsunmittelbarkeit beraubt).
de’ Medici, florentiner Familie, im 15. und 16. Jahrhundert einer der einflußreichsten Faktoren im Kampf um Macht, Reichtum und Ansehen. Durch geschicktes Taktieren und ein unbarmherziges Ränkespiel stieg sie von einer unbedeutenden wohlhabenden Familie zu einer italienischen Großmacht auf. Der Ursprung ihres Reichtums war der Textilhandel. Die Grundlage ihrer Macht wurde ihre Beziehung zur florentinischen Volkspartei, den Popularen. Auf dieser Basis begründeten sie ein modernes Bankwesen und dominierten, auch durch ihre Beziehungen zum Papsttum, die europäische Finanzwelt. Durch das Mäzenatentum der Medici und weiterer norditalienischer Kaufleute und Bankiers entwickelten sich Florenz, Venedig, Mailand, Genua und Rom zu den kulturellen und wirtschaftlichen Metropolen der damaligen bekannten Welt und prägten das Zeitalter der Renaissance.
Nach dem Tod des letzten Großherzogs vermachte seine überlebende Schwester Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743) die gesammelten Kunstschätze der Medici der Stadt Florenz. Das Großherzogtum ging auf Franz Stephan von Lothringen über, den Ehemann Maria Theresias und späteren Kaiser, der dafür sein Herzogtum Lothringen an Frankreich übergab.
http://de.wikipedia.org/wiki/Medici
Wappen: Im goldenen Wappenschild sechs schwebende Pillen, 1:2:2:1, die oberste blau mit drei goldenen Lilien belegt, die anderen rot. Die drei goldenen Lilien auf blauem Feld, eine Variation des französischen Königswappens, ist ein Gnadenzeichen König Ludwigs XII. von Frankreich (1462–1515). (zu sehen am südlichen Portal der Heidelberger Heiliggeistkirche, am Palais Morass, in der Schloßkapelle Heidelberg, in Schloß Schwetzingen).
Medine
(jidd.) Land
Medusa
weibliches Ungeheuer, nach Hesiod eine von drei Töchtern des Phorkys, im Gegensatz zu ihren Schwestern sterblich, von Perseus getötet, der ihr das Haupt abschlug. Dargestellt als schrecklich gestalteter Kopf mit Schlangenhaar (>Gorgoneion, >Medusenhaupt); davon Meduse (Quallenart)
Meerkatze
Cercopithecus, Affengattung des tropischen Afrika, oft als Abbild des Bösen gedeutet. (Auf dem Türsturz des Portals der großen Grotte des Hortus Palatinus saß eine Meerkatze. Vgl. auch Albrecht Dürer, Maria mit der Meerkatze, Kupferstich um 1498) vgl. Affe
Meerstern
vgl. Stella Maris
Megille
(hebr. megilla, pl. megillot „Schriftrolle“) (jidd.) megíle „Buch Ester“
Meier
(lat. maior=der Größere). Ursprünglich ein Verwaltungsbeamter, besonders der auf dem Fronhof einer Grundherrschaft sitzende herrschaftliche Gutsverwalter
Melak
Hundename, nach dem französischen General Ezéchiel Comte de Mélac, der am 2. März 1689 den Befehl erhielt, Heidelberg bis auf die Grundmauern zu zerstören
Melámed, pl. melámdim
(hebr. „Lehrer“) Lehrer in der hebräischen Elementarschule
Melóche f., pl. Melócheß
(hebr. m´lachá „Dienst verrichten“) 1. Handwerk, Kunststück, Meisterstück; 2. (nur im Deutschen) schwere Arbeit
Memoria
(lat.) das liturgische Gedenken an die Verstorbenen im Mittelalter, gehörte zu den wichtigsten Anliegen des damaligen Mönchtums. Die Bedeutung eines Klosters wurde nicht selten nach dem Stellenwert der dort praktizierten Memoria beurteilt. Oft diente sie als Entscheidungshilfe für Wohltäter und Stifter, war eine wichtige Voraussetzung für die Vergabe von Privilegien und Vergünstigungen, half aber auch bei der Entscheidung künftiger Mönche, in ein bestimmtes Kloster einzutreten.
Mendikanten
(von lat. mendicare=“betteln“) >Bettelorden
Mennoniten (Taufgesinnte, Täufer, „Wiedertäufer“)
im 16. Jahrhundert v. a. aus niederländischen und norddeutschen Täufergruppen hervorgegangene Religionsgemeinschaft, geführt von dem ursprünglich katholischen Priester Menno Simons in Friesland. 1539 schreibt dieser im Fondament-Boeck die Lehre des nach ihm benannten Glaubens nieder. Die Mennoniten vertreten die völlige Trennung von Staat und Kirche und lehnen die Kindertaufe, Gewalt, Wehrdienst, Eidesleistung und Ehescheidung ab. Mittelpunkt ihrer Ethik ist die Nachfolge Jesu Christi im Sinne der Bergpredigt. Die Mennoniten wurden oft verfolgt beziehungsweise zur Auswanderung gezwungen. Am 21. Mai 1527 wurde der Täufer Michael Sattler in Rottenburg von Christen verbrannt, am 25. April 1528 der Täufer Hans Leupold in Augsburg mit dem Schwert hingerichtet. Die 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg verlesene Confessio Augustana invariata, verfaßt von Philipp Melanchthon, verdammt die Täufer. In der Landesordnung der rheinischen Pfalz von 1582 nimmt Kurfürst Ludwig VI. ein besonderes Kapitel gegen die „ärgerliche, giftige, verführerische und an ewiger und zeitlicher Wohlfahrt schädliche Lehr und Sekt des Wiedertaufs“ auf. Damit werden die „Wiedertäufer“ bzw. die „Hutterischen Brüder“ rechtlos und mit Landesverweisung und Freiheitsstrafen bedroht.
Nach dem dreißigjährigen Krieg fanden die Mennoniten Zuflucht in Baden, Kurpfalz, Mähren und Elsaß. Am 4. August 1664 sprach Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz die Zulassung der „Wiedertäufer“ aus („Mennistenkonzession“). Bedeutende Einwanderungsländer sind Kurpfalz, Ukraine, Südrußland, USA, Kanada, Paraguay, Uruguay. 1839 gab es 10 Mennoniten in Heidelberg. (vgl. Mennonitisches Lexikon. Begonnen von Christian Hege und Christian Neff, fortgeführt von Harold S. Bender und Ernst Crous. Karlsruhe 1958) (vgl. Hutterische Brüder)
Menorá f.
(hebr. „Kerzenleuchter, Kandelaber“) (jidd. menóre f.) siebenarmiger goldener Leuchter, von Belazeel im Auftrag von Moses für das Heiligtum in der Wüste angefertigt (vgl. Ex. 25 und 37) (vgl. Chanukkia)
Mensa
(lat.) Deckplatte des Altars
Mensur
(lat.) ursprünglich der Abstand der Fechter zueinander, dann Bezeichnung des studentischen Zweikampfes überhaupt
Menzingen
Schloß Menzingen, Wasserburg der ehemaligen Reichsritter von Mentzingen, Auslagerungsort für Bestände der Universitätsbibliothek Heidelberg, am 2. April 1945 durch einen amerikanischen Fliegerangriff mit Brandbomben zerstört.
Merian-Brücke
gemeint ist die (7.) Neckarbrücke bei Heidelberg, die nach Zerstörung der 6. Brücke durch Eisgang (1565) erbaut wurde (1689 zerstört)
Meriansche Panorama
(Kupferstich von 1620) Matthäus Merian, Große Stadtansicht von Heidelberg. Der heute häufig mit abgedruckte Textstreifen ist wahrscheinlich 1883 von Karl Christ verfertigt worden. - Zu den verschiedenen Theorien über den Verfasser: Maximilian Huffschmid, Wer verfaßte den Text zu Merian's großer Ansicht von Heidelberg (1620)?, Mannheimer Geschichtsblätter II (1901), Sp. 216-220
Merkantilismus
Wirtschaftssystem des absolutistischen Staates, das hohe Exporte, Einfuhrdrosselung und industrielle Expansion verlangt, um staatliche Macht und Reichtum zu vergrößern
Merkur
1. Mercurius, römischer Gott des Handels, dem Hermes gleichgesetzt; 2. der sonnennächste Planet; 3. Titel von Zeitschriften (Teutsche Merkur, von Wieland gegründet, 1773-1810; Rheinische Merkur, hg. von Görres, 1814-1816)
Merseburger Zaubersprüche
althochdeutsche Zaubersprüche, einzige deutsche Sprachdenkmäler aus rein vorchristlicher Zeit (Bibliothek des Merseburger Doms)
Meschíech m.
(hebr. maschiach, daraus gr. messias oder christos „der Gesalbte“) Die Salbung war ein Krönungsritual
meschúge
(jidd.) verrückt (meschuggene Fisch=verrückter Kerl) (Nomen: Meschugáß n.) (vgl. Dt. 28, 34)
Messias vgl. Meschíech
Messiade
Dichtung von der Erlösung der Menschheit, besonders Klopstocks Epos Messias (>Meschíech)
Mesusa f.
(hebr. m´susá „Türpfosten“; jidd. mesúse, pl. mesúseß „Mesusa“). In einem Gehäuse befindet sich eine Pergamentrolle, auf der handschriftlich ein Teil des >Schema Jisrael (Dtn. 6, 4-9) festgehalten ist. Die Mesusa wird rechts des Eingangs eines jüdischen Heims am Türpfosten befestigt.
Metabolie
(gr.) Wechsel, Umsturz, Umschlag
Metabolismus
(gr.) Stoffwechsel, Umbildung, Umwandlung
Metallurgie
(gr.) Hüttenkunde, Lehre von der Metallgewinnung aus Erzen
Metamorphose
(gr.) Umwandeln, Verwandeln, Gestaltwandlung in der Entwicklung mancher Tiere; Wandlung in der Grundform von Pflanzenorganen; Gesteinsumwandlung durch Druck oder Wärme
Metaphysik
(gr.) Seinsphilosophie, die über das sinnlich Wahrnehmbare hinaus nach den letzten Zusammenhängen des Seins fragt
Metathese
(gr.) Lautumstellung
Metze
kleineres Trockenmaß für Korn, Mehl etc. (gegenüber dem Scheffel)
Metzig, Metzg, Mezg, Metze
(mlat. macellum) ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, die Fleischbank zu bezeichnen
Mezzie
hebr. m´ziá „Fund“, jidd. mezíe f., pl. mezíeß „günstiger Kauf, Gelegenheit, Fund“, wien. „vorteilhaftes Geschäft“
Mezzotinto
(it. mezzo=“halb“, tinto=“gefärbt“) Radierung
MGHAA
Monumenta Germaniae Historica Auctores Antiquissimi=Texte zur deutschen Geschichte antiker Autoren
MGHLL
Monumenta Germaniae Historica Leges
Michael
(hebr.) „Wer ist wie Gott“, einer der Erzengel (cf. Dan. 10, 13-21; 12,1; Off. 12,7ff.), Schutzpatron der Deutschen. der Heiligenberg bei Heidelberg ist dem hl. Michael geweiht
Michaelis
29. September
Michelsberger Kultur
jungsteinzeitliche Kultur, genannt nach dem Michaelsberg bei Untergrombach, entstanden auf der Grundlage der bandkeramischen Kultur, um 4300-3600 v. Chr. (Funde im Schloß Bruchsal ausgestellt.) - Im Juni 1985 wird im Gewann Schänzel (Handschuhsheim) ein Mehrfachbestattungsgrab der Michelsberger Kultur entdeckt; vgl. Joachim Wahl, Birgit Höhn, Eine Mehrfachbestattung der Michelsberger Kultur aus Heidelberg-Handschuhsheim, RNK, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 13/1988, S. 123-198; Renate Ludwig, Zwei Männer, eine Frau und drei Kinder – Das tragische Schicksal einer jungsteinzeitlichen Familie aus Heidelberg-Handschuhsheim. (Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, Kunstwerk des Monats Nr. 284, November 2008). Heidelberg 2008 (vgl. Rössener Kultur)
Midrásch m.
(hebr.) (jidd. médresch) „Auslegung, Forschung“. Die jüdische Auslegung des AT, wie sie von den Schriftgelehrten gepflegt wird. Die M.-Sammlungen enthalten nebeneinander lehrhaft-religionsgesetzliche Untersuchungen (Halacha) und sittlich-erbauliche Gedanken (Haggada). (vgl. H. L. Strack, G. Stemberger, Einleitung in Talmud und Midrasch. München 1992)
mieß
(jidd.) schlecht, häßlich, schmutzig (hebr. miúss „ekelhaft, häßlich“) (vgl. Miesmacher, Miesepeter)
Mikwe
(hebr. mikwá, pl. mikwot; jidd. míkwe f., pl. míkweß) Um am Gottesdienst teilnehmen zu dürfen, müssen Juden im rituellen Sinne rein sein. Die Reinheitsvorschriften finden sich im 3. Buch Mose 14 und 15, außerdem im 4. Buch Mose 19, 11 und 31, 21-23. Dieser rituellen Reinheit dient die Mikwe, auch als „Judenbad“ bezeichnet. Hebräisch Mikwe heißt auf deutsch „Sammelplatz“ und bezeichnet im Schöpfungsbericht im 1. Buch Mose (1, 10) den Ort, an dem sich das zuvor überall verteilte Wasser sammeln sollte.
Nach rabbinischem Gesetz dürfen Mann und Frau während der Regelblutung und 7 Tage danach keinen Geschlechtsverkehr haben. Am 7. Tag muß sich die Frau in fließendem Wasser oder in einer Mikwe reinigen.
Die Mikwe als Ritualbad darf nur aus „lebendigem“ (d.h. nicht geschöpftem) Wasser bestehen (Quelle, Meer, Fluß, Regenwasser, Grundwasser). Das Bad wird aufgesucht, wenn die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Die Badenden tauchen drei Mal mit ausgebreiteten Armen im Wasser unter. Auch das Haar muß voll ständig unter Wasser gelangen. Nach dem ersten Eintauchen wird als Segensspruch gesagt: „Gelobt seiest du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und befohlen hast unterzutauchen.“
Auch heilige Geräte müssen vor dem ersten Gebrauch in die Mikwe, ebenso Besteck und Geschirr, wenn aus Versehen Fleischgeschirr für Milchspeisen verwendet worden war oder umgekehrt.
Die Mikwe ist kein Bad zur Körperreinigung, sondern ein religiöses Bad zur Reinigung der Seele. Das rituelle Bad bedeutet stets einen neuen Anfang. Gesetzestreues jüdisches Leben ohne Mikwe ist nicht denkbar. Jüdische Gemeinden sind verpflichtet, eine Gemeinschafts-Mikwe zu unterhalten.
Die älteste nachantike europäische Mikwe hat sich in Speyer erhalten (um 1110). Weitere Mikwen finden sich in Worms, Sprendlingen, Friedberg, Langen/Hessen, Flörsheim, Michelstadt im Odenwald, Königstein/Taunus, Dreieich, Eppingen, Offenburg. Die Mikwe der mittelalterlichen Heidelberger Judengemeinde konnte bisher nicht lokalisiert werden.
Mildheimische Liederbuch
1799 von Rudolph Zacharias Becker (1752-1822) veröffentlicht, Antipode von Des Knaben Wunderhorn (vgl. Rudolph Zacharias Becker, Mildheimisches Liederbuch. Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1815 [Erstausg. 1799]. Mit e. Nachwort von Günter Häntzschel. Stuttgart 1971 (Deutsche Neudrucke. Reihe Texte des 18. Jhs.))
Milia passuum
(lat.) römische Meile (1,480 km); vgl. Leuga
Militärfaktor, Milizfaktor
ein im Dienste des Kurfürsten stehender Jude, der für die Beschaffung und Lieferung aller für das Militär benötigten Gegenstände verantwortlich ist
Milte
(mhd.) Freigebigkeit
Miniatur
(lat. minium=“Zinnober“) Im Mittelalter wurde eine Handschrift mit Leisten und Initialen in Zinnoberrot verziert. Diese Zierformen waren meist sehr klein. Daraus ergab sich im Lauf der Zeit die fälschliche Gleichsetzung der Miniatur mit dem Kleinbild.
Ministerialen m. pl.
(mlat. ministerialis=unfreier Dienstmann, von ministerium=Dienst), seit dem 11. Jahrhundert vom Kaiser oder König ausgewählte spezielle unfreie Beamte, die im Dienst eines Herrn Verwaltungsaufgaben übernehmen. Z. B. wurden einzelne Unfreie als Meier mit qualifizierten Dienstämtern zunächst in kirchlichen und königlichen Grundherrschaften betraut. Ministerialen waren oft Hörige aus der Schicht des Bauernstandes. Im Hörigenverband familia nahmen sie eine bevorrechtigte Stellung ein. Ab dem 12. Jahrhundert hatten sie sich ihre Freiheit und ein besonderes Recht erkämpft und im 13. Jahrhundert standen sie auf einem eigenen Heerschild. Max Weber bezeichnet in seinem Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft" Ministeriale als haushörige, also unfreie, Hausbeamte, im Gegensatz zu freien Beamten, deren Ernennung auf einem Kontrakt beruht und durch freie Auslese zustande kommt. (vgl. Leibeigenschaft). Die Herren von Handschuhsheim waren ein Ministerialen-Geschlecht des Kloster Lorsch. http://de.wikipedia.org/wiki/Ministeriale
Ministre du culte
(frz.) Kirchenrat
Minján
(hebr. „Zahl“; jidd. mínjen m., pl. minjónim) Das öffentliche Gebet in der Synagoge mit der Lesung aus der Tora kann nur dann stattfinden, wenn 10 erwachsene jüdische Männer, ein Minjan, anwesend sind
Minuskel
(lat. minusculus „etwas kleiner“). Schriftart, die im Unterschied zur Majuskel nicht aus gleichhohen Buchstaben besteht, sondern Ober- und Unterlängen aufweist. Geschichtlich folgenreich wurde die um 780 als Hofschrift des fränkischen Reiches entstandene karolingische Minuskel, Mutterschrift der gesamten abendländischen Schriftenfamilie. (Der Text des Codex Laureshamensis (1167-1190) ist in karolingischen Minuskeln geschrieben; vgl. gotische Minuskel)
Mischna
(hebr. mischná „Lernen, Wiederholung“ aus schana „wiederholen“; jidd. míschne f., pl. míschnajeß) Einer der beiden grundlegenden Teile des Talmud (der andere, spätere Teil ist die >Gemara).
Mischpoche
(jidd.) Familie, Verwandschaft
Misrach (jidd. Misrech)
(hebr. „Osten“)
Misrachi
(hebr.) Juden aus arabischen oder nordafrikanischen Ländern
Missale
katholisches Meßbuch mit den für den Gottesdienst notwendigen Texte (Gebete, Lieder, Lesungen)
Mistbeet
„in den Gärten, eine viereckige, ablange, an den Seiten mit Holz oder Steinen verkleidete, und mit Mist und guter Erde angefüllete Grube, oder Beet, um vermittelst der Wärme des Mistes zarte und frühe Gewächse darauf zu treiben.“ (Krünitz)
Mistkaute
vertieft in die Erde eingelassener Mistplatz
Miszellaneen, Miszellen
(lat.) kleine Aufsätze verschiedenen Inhalts, Vermischtes
Mittellateinische Philologie
befaßt sich mit allen Aspekten der lateinischen Sprache und Literatur während des Mittelalters
http://www.phil.uni-passau.de/histhw/TutHiWi/mittellatein.html
Mittelstandssanatorium
1924 wird der 1853 gebaute Speyerer Hof (Bauernhof und Gastwirtschaft) abgerissen, um ein Mittelstandssanatorium zu bauen, das am 9. August 1927 in Betrieb genommen wird (siehe Martin Krauß, Albert Fraenkel und die Gründung des Krankenhauses Speyererhof, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, VII (2002), S. 131-141)
Mittfasten
3. Sonntag vor Ostern (>Laetare)
Misericordia Domini
2. Sonntag vor Ostern
Mixtion
ölhaltiges Bindemittel, auf das mit Fehhaarpinsel Blattgold „angeschossen“ wird
Mizwa
(hebr. „Gebot“). Mizwot sind die 365 Verbote und 248 Gebote (=613) des Judentums (vgl. Bar-Mizwa)
Mneme f.
(gr.) Gedächtnis, Erinnerung, Gedenken
Mnemosyne
Gattin des Zeus, Mutter der Musen
modo
(lat.) nunmehr, jetzt, auch dasselbe jetzt, gegenwärtig zutreffend. (Kürzel im Lagerbuch der Stadt Heidelberg, um einen Besitzerwechsel einzutragen, z.B. „Das Nonnenhaus modo die pp Jesuitter“ d. h. das frühere Nonnenhaus gehört jetzt der Societas Jesu)
Mokem, Mokum m.
(jidd.) Ort, auch Synonym für Amsterdam; vgl. Zelemokum, Medine
Molkenkur
vgl. Die neue Molkenkuranstalt auf dem alten Schloße, in: Heidelberger Journal, Beilage Nr. 76, 20. Juni 1852
Molkenkurstörung
parallel zur Rheinebene von Molkenkur zum Heiligenberg verlaufende geologische Störung
Mönch
(von gr. monachós=“der allein Lebende“)
Mondglas
vgl. Tafel, Fenstertafel
Mons piri
Römische Truppen stoßen 369 vertragswidrig nach Osten vor, um auf dem mons piri eine Befestigung anzulegen. Noch während der Schanzarbeiten reiben alamannische Krieger die römische Einheit auf (nach den "res gestae" des römischen Geschichtsschreibers Ammianus Marcellinus.) Der mons piri wird von Marquard Freher 1599 mit dem Heiligenberg bei Heidelberg in Verbindung gebracht. (vgl. Wolfgang von Moers-Messmer, Die vordeutschen geographischen Namen des Kraichgaus und des unteren Neckarlandes. Schluß, in: Kraichgau 12/1991, S. 53ff.)
Morenu
(hebr. „unser Lehrer“). Titel eines zum Rabbinat Befähigten (vgl. Ernst M. Oppenheimer, Erinnerungen an Maxelo (Max L. Oppenheimer, 1874-1968) Mit einer Einleitung von Norbert Giovannini, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Nr. 4 (1999), S. 217ff.)
Morganatische Ehe
(mlat.) Ehe zur linken Hand, nicht standesgemäße Ehe (1472 ging Kurfürst Friedrich I. mit Klara Dett eine morganatische Ehe ein. 1658 heiratete Kurfürst Karl Ludwig in morganatischer Ehe Louise Freifrau von Degenfeld. Karl Friedrich Großherzog von Baden vermählte sich 1787 mit Luise Caroline Geyer von Geyersberg in morganatischer Ehe.)
Morgen
Flächenmaß. In der Kurpfalz: 1 Morgen=25 Ar=2500 qm. 1 Nürnberger Morgen=37,8 Ar
Morgengabe
Gabe an die Frau nach der Hochzeitsnacht (Sachsenspiegel I, 20)
Mörtel
(von lat. mortarium) Baubrei, besteht aus Bindemittel (Kalk, Zement), Lösemittel (Wasser) und Zuschlag (Sand, Schlacke)
Motte f.
(frz. la motte „Klumpen“, „Erdsode“) vorwiegend in Holzbauweise errichteter Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Der französische Archäologe Arcisse de Caumont bezeichnete den Burgtyp als château à motte. Mit motte ist hierbei der charakteristische Erdhügel gemeint. Die überlieferte lateinische Bezeichnung dafür ist mota. Der deutsche Burgenforscher Otto Piper übernahm die Bezeichnung „Motte“ aus dem Französischen, die im heutigen deutschen Sprachgebrauch sowohl den Erdhügel als auch pars pro toto die Burganlage als Ganzes bezeichnet. (vgl. die Motte auf dem kleinen Gaisberg, 11./12. Jahrhundert, erste Burg im Raum Heidelberg http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/molkenkurplan.htm) (vgl. Rainer Kunze, Die (3) Heidelberger Burgen, in: Mannheimer Geschichtsblätter, NF 4/1997, S. 29-42. Auch in: Burgen und Schlösser II (1997), S. 98–106) http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/archiv/heidel1.htm (Kurzfassung) http://de.wikipedia.org/wiki/Motte_(Burg)
Mouche
(frz.) Schönheitspflästerchen
m.p., mpp, mppa
(lat.) „manu propria“=eigenhändig
MPIK
Max-Planck-Institut für Kernphysik im Heidelberger Stadtwald, 1958 gegründet, erster Direktor Wolfgang Gentner
Mss.
Abkürzung für „Manuskripte“
Mühlenbann
im 12. Jahrhundert entstandenes grundherrliches Gewerbebannrecht. Friedrich Barbarossa erließ das Gesetz 1158. Es sicherte den Grundherren das alleinige Recht zum Bau und Betreiben einer Mühle zu. Der Mühlenbann oder Mühlenzwang verpflichtete alle Untertanen eines Grundherrn, ihr Getreide ausschließlich dort (in der Kameralmühle) mahlen zu lassen und sicherte somit dem Müller über Jahrhunderte gleich bleibende Einkünfte. Verstöße gegen das Bannrecht wurden mit Strafen belegt. Im beginnenden 19. Jahrhundert wurde mit Einführung der Gewerbefreiheit durch die Stein-Hardenbergschen Reformen 1810 in Preußen dieses Bannrecht abgeschafft.
Münster-Brücke
gemeint ist die (6.) Neckarbrücke bei Heidelberg, die nach Zerstörung der 5. Brücke durch Eisgang (1470) erbaut wurde
Munifizenz
(lat.) Freigebigkeit, Großmut
munitio, -onis f.
(lat.) Befestigung, Schanzarbeit, Schanze, befestigter Ort, Festungswerk, Verteidigungslinie; vgl. Ammunition
Munt
(mhd.) Vormundschaft, personenrechtliches Schutz- und Vertretungsverhältnis, umfaßt 1. die Schutz- und Fürsorgegewalt des Hausherrn über Ehefrau, Kinder und Gesinde, 2. die Vormundschaft über unverheiratete Frauen, Waisen und Geisteskranke, 3. die Gewalt des Schutzherrn über Hörige und Schutzunterworfene, 4. die Vogtei über Kirchen und Klöster
Münzwardein
Vorsteher und Verantwortlicher der kurfürstlichen Münze. Der Münzwardein Anton Cajet (†1744) erbaute für sich 1735 das Palais in der Haspelgasse 12.
Murus gallicus
(lat.) „gallische Mauer“. Fachbezeichnung der Archäologie für eine bestimmte Konstruktionsweise von gallischen (keltischen) Befestigungsmauern. Der Begriff geht auf eine zeitgenössische Beschreibung entsprechender Anlagen in „De Bello Gallico“ von Gaius Iulius Caesar zurück (Caes. Gall. 7,23). http://de.wikipedia.org/wiki/Murus_Gallicus
Musen
Neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne, Göttinnen der Künste und der Wissenschaften, unter Führung Apolls (Musaget) singend und tanzend dargestellt. Sitz: Helikon, später Parnaß. Tätigkeitsbereiche: Klio (Geschichtsschreibung), Kalliope (Epos), Melpomene (Tragödie), Thalia (Komödie), Urania (Astronomie), Erato (Liebeslied), Euterpe (Lyrik), Terpsichore (Chorische Lyrik, Tanz), Polyhymnia (Hymnendichtung).
Museum Haus Cajeth vgl. Sammlung Hassbecker
Musen-Almanach
literarische Publikationsform, die sich um 1770 in Deutschland etablierte. Vorbild der in Göttingen und Leipzig erschienenen ersten deutschen Musen-Almanache war der seit 1765 in Paris beim Verleger Delalain erscheinende, von Claude-Sixte Sautreau de Marsy herausgegebene Almanach des Muses. Inhalt dieses und der nachfolgenden Almanache waren zum einen literarische Notizen und Rezensionen, zum anderen Erstveröffentlichungen neuer Gedichte.
Der erste deutsche Musen-Almanach war der von Johann Christian Dieterich ab 1770 verlegte Göttinger Musenalmanach, der bis zum Jahre 1802 in Göttingen erschien. Die Anregung kam vom Mathematiker Abraham Gotthelf Kästner, Herausgeber war >Heinrich Christian Boie. Schon bald wurde dieser Almanach das Sprachrohr der dichtenden Studenten des Göttinger >Hainbunds: >Johann Heinrich Voß und andere. Nach Herausgabe des Almanachs auf das Jahr 1774 übertrug Boie die Redaktion an Voß, der allerdings bald nach Hamburg umzog (und dort einen eigenen konkurrierenden Almanach herausgab). Daraufhin wurde 1775 Leopold Friedrich Günther von Goeckingk Herausgeber. Ab 1776 war Gottfried August Bürger Mitherausgeber, ab 1779 dann alleiniger Herausgeber. Nach Bürgers Tod übernahm 1795 Karl Reinhard die Redaktion.
Der dritte deutsche Musen-Almanach war der von >Johann Heinrich Voß (nach seinem Umzug nach Hamburg) ab 1776 herausgegebene Hamburger Musenalmanach.
Andere ähnliche Almanache waren von geringerem Erfolg, auch >Friedrich Schillers 1782 nur einmalig veröffentlichte Anthologie. Schillers zweiter Versuch, der von 1796 bis 1800 von ihm herausgegebene Musenalmanach, wurde dann aber zur bekanntesten Sammlung dieser Art. Goethe, Herder, Tieck, Hölderlin und A. W. Schlegel schrieben für seinen Almanach. Schiller selbst veröffentlichte in seinem Musenalmanach auf das Jahr 1797 die gemeinsam mit Goethe verfassten Xenien, in denen sie literarische Missstände verspotteten. http://de.wikipedia.org/wiki/Musen-Almanach
Musik- und Gesangsschule der Harmonie-Gesellschaft
1843 wurde im ehemaligen Dr. Rettigschen Haus in der Hauptstraße eine Musik- und Gesangsschule, zunächst nur für Kinder von Harmonie-Mitgliedern, gegründet, die 1844 auch für Kinder von Nicht-Mitgliedern geöffnet wurde.
musivisch
(arab. muzauwaq=“Klein-Steinlege“) mosaikhaft
mutatis mutandis
(lat.) mit sinngemäßer Änderung
Mutschler
Mutzenbäcker (mutze = längliches Weißbrot, Brötchen)
Mutschler Karl sei Eck
Gebäude in Handschuhsheim (Mühltalstraße 52), wo einst die unterste Mühle des Tals stand, wurde 1966 zwecks Straßenverbreiterung und der Anlage eines Parkplatzes zerstört
Myriaden
(gr.) „Zehntausendschaft“, Unzahl, Riesenmenge
Myrte
immergrüner mittelmeerischer Strauch, dessen weiße Blüten als Brautschmuck dienen
Myrtillus
Vaccinium myrtillus L. (vgl. Heidelbeere)
(erfunden um 1900)
Methode, die genaue Lage eines in den Quellen erwähnten Gebäudes zu bestimmen (vgl. Hermann Lehmann, Die Schwabenburse, Heidelberg 1996, S. 35ff.; vgl. Berainbuch)
Nachhaltigkeit
(Land- und Forstwirtschaft) Es werden nur so viele Bäume geerntet, wie neue nachgepflanzt werden
Nachtweide
Gelände, auf dem das nicht nach Hause getriebene Vieh über Nacht ruhte
Näh
1872 wurde durch die Stadt Heidelberg eine Wagenfähre (Gierfähre) aus Holz über den Neckar zwischen Ziegelhausen und Schlierbach eingerichtet, 1885 durch eine eiserne ersetzt. Sie fuhr bis 1954 und wurde im Volksmund Näh (von lat. navis=“Schiff“) genannt. (vgl. Neckarfahr, Nachen)
Nahrungszettel
Die >Lagerbücher der Stadt Heidelberg dienten u.a. zur Berechnung der städtischen Abgaben. Diese Umlagezette